28.09.1970

„KINDER DER KOSMONAUTEN-GÖTTER“

SPIEGEL: Herr von Däniken, Sie versuchen zu beweisen, daß Wesen von anderen Sternen in prähistorischer Zeit auf der Erde gelandet seien. Sie bedienen sich dabei der Bibel, mythischer Darstellungen, archäologischer Funde, zuweilen sogar geologischer Befunde. So schreiben Sie etwa, die Ebene von Nazca in Peru könne das Raumfahrtzentrum der "Kosmonauten-Götter" gewesen sein.
DÄNIKEN: Ich bin keineswegs der Ansicht, die "Kosmonauten-Götter" hätten in der Ebene von Nazca ihren Flugbetrieb abgefertigt, mehrere Pisten angelegt oder gar Gebäulichkeiten errichtet.
SPIEGEL: In Ihrem ersten Buch heißt es aber: "Uns vermittelt die 60 Kilometer lange Ebene von Nazca -- aus der Luft betrachtet -- eindeutig die Idee eines Flugplatzes."
DÄNIKEN: Nach meiner Vorstellung sind die "Startbahnen", die man sieht, wie folgt entstanden: Ein Raumschiff, das interstellare Distanzen bewältigt, muß ein derart riesiges, kompliziertes und kostspieliges System sein, daß es schwerlich auf Anhieb der Gefahr einer Landung auf einem fremden Planeten ausgesetzt wird. Ein solches Sternenschiff wird vermutlich eine Kreisbahn um unseren Planeten einschlagen und kleinere Vehikel -- "space taxis" -- zur Sammlung von Daten auf die Erdoberfläche schicken. Es ist nur logisch, wenn solche "space taxis" mit Flügeln, Rotoren oder ähnlichem ausgerüstet sind, denn sie wurden ja dazu konstruiert, innerhalb irgendeiner Atmosphäre zu operieren. Nun landeten also auf dem trockenen, harten Boden von Nazca fremde Intelligenzen.
SPIEGEL: Archäologen haben aber festgestellt, daß der Untergrund sehr weich und feinkörnig ist.
DÄNIKEN: Ich nehme an, die "Götter" legten eine Notpiste an. Diese muß keineswegs aus Eisenbeton bestanden haben. Ein uns unbekannter Kunststoffteppich genügte. Nach Erledigung ihrer Aufträge kehrten die Kosmonauten-Götter zum Mutterraumschiff zurück. Interessant ist, was jetzt geschah: Die präinkaischen Stämme nämlich, welche die ihnen so ungeheuer imponierenden Fremden bei der Arbeit beobachtet hatten, wünschten sich sehnlichst die Rückkehr dieser "Götter". Sie warteten Jahre, und als sich ihr Wunsch nicht erfüllte, begannen sie -- so wie sie es bei den "Göttern" gesehen hatten -, neue Linien in die Ebene zu scharren. So entstanden die Ergänzungen zur ersten, echten Piste! Aber die "Götter" erschienen immer noch nicht. Ein Priester erinnerte sich, daß die "Götter" von den Sternen gekommen waren, und gab den Rat, die lockenden Linien nach den Sternen auszurichten. Die Arbeit begann aufs neue. Es entstanden die nach den Gestirnen ausgerichteten Bahnen. Die "Götter" aber blieben aus!
SPIEGEL: Und wie erklären Sie sich die überdimensionalen Tierfiguren, die man aus großer Höhe zu sehen glaubt?
DÄNIKEN: Generationen waren seit dem echten Götterbesuch vergangen. Die einzige, wirkliche Piste der Astronauten war längst verfallen. Die nachwachsenden Indio-Geschlechter wußten nur noch durch mündliche Berichte von den Göttern, die einst vom Himmel herniedergekommen waren. Da man mit der Linienzieherei keinen Erfolg gehabt hatte, begann man, große Tierfiguren auszuscharren. Zuerst stellte man Vögel aller Art dar, Vögel, die das Fliegen symbolisieren sollten. Später gab ihnen die Phantasie Umrisse von Spinnen und Affen. Nach meiner Meinung haben also keineswegs die "Götter" selbst die unzähligen Linien in der Ebene von Nazca angelegt. Wozu auch? Tatsache ist, daß Linien und Tierfiguren nur aus großer Höhe sichtbar sind und daß die Linien eindeutig älter sind als die Tierfiguren. Es ginge nun bloß noch darum, auf der Ebene von Nazca endlich eine chemische Spurenanalyse durchzuführen. Einige Brocken Nazca-Gestein, so gründlich zerpflügt wie das Mondgestein -- und wir haben die Antwort.
SPIEGEL: Das hat man getan und nur ein Holzstück gefunden, dessen Radiokarbon-Datierung das Jahr 525 nach Christus ergeben hat. Vielleicht sollten wir lieber über Ihre Interpretationen der Bibel sprechen. Sie vermuten, daß die jüdische Bundeslade eine Wechselsprechanlage gewesen sei, mittels derer möglicherweise Moses mit dem Raumschiff Jahwes gesprochen habe. Warum hat -- Ihrer Meinung nach -- Jahwe, wenn er schon über eine Technik verfügte, welche nach terrestrischen Begriffen die modernste ist, dem Moses nicht statt der klotzigen Lade ein handliches Transistorengerät zur Verfügung gestellt?
DÄNIKEN: Ich vermute, daß die Bundeslade weit mehr war als nur "Wechselsprechanlage". Denn einzig der Sprechverbindung wegen brauchte Jahwe kein solches Tam-tam-Ungetüm. Die Sprechverbindung war eine Funktion der Apparatur. Der Hauptbestandteil dürfte ein tragbarer Energiemeiler gewesen sein, wie wir ihn demnächst entwickeln werden. Das Zerfallselement -- die angeblichen Gesetzestafeln, welche "strahlten" -- lieferte Jahwe persönlich. Was die Israeliten nach Anweisung des angeblichen Gottes erbauten, war nicht die technische Anlage an sich, sondern nur die Hülle.
SPIEGEL: Akazienholz -- daraus soll die Bundeslade bestanden haben -- als Isolierung für spaltbares Material ist doch wohl ungeeignet. Aber sprechen wir über eine andere Bibelstelle, über den biblischen Bericht von der Erschaffung Evas aus einer Rippe des Adam. Sie deuten ihn in der Weise, daß der Knochen als Nährboden für die künstliche Aufzucht der Eva in einer Retorte gedient haben könnte. An anderer Stelle vermuten Sie, die Lebewesen von den anderen Sternen hätten die Kunst der Gen-Manipulation beherrscht. Warum dann die umständliche Aufzucht in der Retorte?
DÄNIKEN: Im allgemeinen behandle ich Bibeltexte nie isoliert. Hier dreht es sich um die Genesis, und Schöpfungsberichte verwandten Inhalts existieren in vielen alten Schriften. Im konkreten Falle dürfte der biblische Bericht ein Teilplagiat aus älteren, sumerischen Quellen darstellen. Das sumerische Wort für "Rippe" lautet "ti". Jetzt bedeutet "ti" aber auch "Lebenskraft". Was ist die Lebenskraft schlechthin? Wo liegt sie? In der Zelle! Nach meiner Vermutung müßte die moderne Bibelübersetzung lauten:
und Gott nahm von Adam eine Zelle und züchtete daraus die Eva." Die Kenntnis und Anwendung des genetischen Codes ändert nichts daran, daß die "programmierte Zelle" auch noch zur Entwicklung gebracht werden mußte, und zwar nicht steril, sondern innerhalb der bakteriellen Umwelt des späteren Lebensbereiches. Menschliches Knochenmark wäre hierzu geeignet. Man sollte aber die diesbezügliche Passage in meinem Buch "Zurück zu den Sternen" nicht auf die Goldwaage legen.
SPIEGEL: Warum nehmen Sie an, die sündigen Städte Sodom und Gomorrha seien durch eine Atombombe zerstört worden? Verglasungen von Sand und Steinen treten nicht nur bei Atombombenexplosionen auf, sondern auch beim Aufprall von Meteoren. Bei einer Atombombenexplosion wäre Frau Lot auch verbrannt und nicht -- wie die Bibel berichtet -- zu einer Salzsäule erstarrt.
DÄNIKEN: Ob Sodom und Gomorrha im Atomblitz zerschmolzen sind oder ob die Vernichtung auf "konventionelle Art" vonstatten ging, ist nicht wesentlich. Von Bedeutung ist, daß die Städte von einer überlegenen technischen Macht gezielt ausradiert wurden. Man erinnere sich an das Debakel der beiden "Engel" mit Lot. Die "Engel" wußten präzise von der kommenden Vernichtung, und sie gestanden Lot, daß sie nichts für ihn tun könnten, wenn er die Stadt nicht sofort verließe. Als Lot immer noch zögerte, rissen sie ihn an den Händen fort und trieben ihn zur Eile an. Und zwar sollte er nicht irgendwohin, sondern partout in die Berge! Weshalb? Hätte es sich um ein Naturereignis gehandelt (Vulkanausbruch, Erdbeben, Meteoriteneinschlag), so ließe sich dies heute noch nachweisen. Was aber nicht der Fall ist. Zudem bliebe unverständlich, wem der genaue Zeitpunkt der Katastrophe bekannt gewesen sein könnte. Addiert man "sündige Stadt" plus "bekannter Zeitpunkt der Vernichtung" plus "Engel" plus "Rettung in die Berge" plus "Feuer und Schwefel vom Himmel", so ist der von mir gezogene Schluß naheliegend. Realer jedenfalls als das religiöse Märchen.
SPIEGEL: Und wie ist es mit der Salzsäule, zu der Frau Lot erstarrt sein soll?
DÄNIKEN: Die Salzsäule halte ich für eine Fehlaufzeichnung des Chronisten, der verzweifelt nach Worten für etwas suchte, das in seiner Vorstellung nicht möglich war. Denn auch dieses Ereignis wurde nicht niedergeschrieben, als es stattfand, sondern später.
SPIEGEL: Warum glauben Sie, daß der Bericht des Propheten Hesekiel über die Erscheinung Jahwes so wörtlich genommen werden kann, um daraus den Bericht über die Landung eines Raumschiffes herauslesen zu können?
DÄNIKEN: Weil wir es hier mit einem Bericht in der "Ich-Form" zu tun haben. Weil Hesekiel nicht nur außerordentlich plastisch beschreibt, was er sieht, sondern auch Vergleiche der Lautstärke gibt. Damit entfällt die stille Vision. Und weil letztlich die ganze Präsentation des echten, allmächtigen Gottes unwürdig wäre.
SPIEGEL: Auffallend für Ihre These Ist auch, daß Sie unterstellen, Ihre Astronauten-Götter hätten ausgerechnet den gleichen technologischen Entwicklungsstand besessen wie wir heute 1970. In zehn oder 20 Jahren werden Raumfahrer möglicherweise nicht mehr diese unförmigen Helme tragen, die Sie auch auf prähistorischen Steinzeichnungen entdeckt haben wollen. Greifen Sie also nicht recht willkürlich einen bestimmten technologischen Entwicklungsstand heraus und versuchen, damit sogenannte Rätsel der Vergangenheit zu erklären?
DÄNIKEN: "Gott" also die als Götter angesehenen Kosmonauten -- schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde. Dies bedeutet: Die Kosmonauten veränderten die Erbfaktoren unserer Vorfahren in einer Weise, welche die ihrige ist. Es ist demnach unzutreffend, daß die fremden "GÖtter" zufälligerweise ähnlich dachten und handelten wie wir Menschen heute, denn einen solchen Zufall -- auch äußerlich -- gibt es nicht. Doch seit jener künstlichen Mutation sind wir "Kinder der Kosmonauten-Götter". Und da jedes Kind schließlich erwachsen wird und damit die Gewohnheiten des Erzeugers annimmt, so entdecken und konstruieren wir heute Dinge, welche vor Jahrtausenden für die "Götter" -- die ja unsere "Väter" sind -- bereits Wirklichkeit waren. Die "Götter" sind nicht ausgerechnet menschenähnlich, doch die Menschen sind götterähnlich, was keineswegs das gleiche ist! Für den oberflächlichen Betrachter mag es den Anschein haben, als greife ich recht willkürlich einen technologischen Entwicklungsstand heraus. Dem ist nicht so. Wir wachsen erst jetzt in den Entwicklungsstand der damaligen Götter. Die großen Entdeckungen beginnen nun. Gestern waren wir Kinder, heute Jugendliche, und morgen, wenn wir zurück zu den Sternen kehren, werden wir erwachsen sein.

DER SPIEGEL 40/1970
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