06.04.1950

DAS SPIEL IST AUS - ARTHUR NEBE

27. Fortsetzung
Ehefrau Lisel Nebe, die am 21., 22. und 23. Juli je einmal kurz mit ihrem Gatten telefoniert hatte, wurde jetzt gründlicher vernommen. Einer gelinden Haussuchung durch Kripo-Beamte folgte eine schärfere durch die Stapo, und im September kam Frau Nebe in Sippenhaft.
Sie wurde durch mehrere Lager geschleppt, unter anderem durch Dachau, sie war mit anderen prominenten Sippenhaft-Frauen zusammen, mit Frau und Schwiegertochter des Feldmarschalls Paulus, mit den Frauen der Generale Lattmann und Lenski vom Nationalkomitee "Freies Deutschland" und anderen.
Am 12. April 1945 überreichte man ihr ein Papier des Oberreichsanwalts mit der Nachricht vom Tode ihres Mannes. "Die Veröffentlichung einer Todesanzeige ist unzulässig."
Die ganzen acht Monate über war sie von Zeit zu Zeit immer mal wieder verhört worden. Sie gestand nichts, aber sie konnte auch nichts gestehen, denn sie wußte nichts über das Verschwinden ihres Mannes. Die Haussuchungen bei ihr in Joachimsthal hatten sich ähnlich ergebnislos herausgestellt.
Immerhin hatte sich dort eine Tabaks-Dose englischer Herkunft mit englischer Widmung gefunden. "Wie kam das Zigaretten-Etui vom Secret Service in Ihre Hand?" wurde Frau Nebe gefragt. Sie erzählte die Geschichte von Sir Percy Sillitoe, dem Gangster-Schreck von Glasgow. Von ihm stammte die Schnupftabaksdose, die "snuff-box".
Die herzlichen Beziehungen des Kripo-Chefs zu seinen ausländischen Kollegen noch weit bis in den Krieg hinein hatten nun freilich für die Stapo etwas Unerklärliches. Die einzelnen Mitglieder der Internationalen Kriminal-Polizeilichen Kommission hielten untereinander Freundschaft, unbeeinflußt von den politischen und kriegerischen Winden.
Wenn Dr. Harry Söderman aus Stockholm. "D.Sc.", Chef-Direktor des schwedischen Kriminal-technischen Instituts, Referent bei der IKPK, während des Krieges in England oder Schottland war, stieß er bald auf die Frage: "What about Nebe?"
Der SPIEGEL hat Dr. Söderman um nähere Auskünfte gebeten, Söderman schrieb zurück, da er nicht wisse, wie der SPIEGEL den Fall auffasse, finde er es nicht möglich, näheres über die Sache auszusagen. "Wenn Sie mir aber die Artikel senden, werde ich vielleicht meine Ansicht ändern."
Das geschah. Dr. Söderman änderte gleichwohl seine Ansicht nicht. Doch ist der Grund seines Schweigens leicht einzusehen, wenn man sieht was der Chef des schwedischen KTI in seinem November 45 erschienenen Buch "Skandinaviskt Mellanspel" über Nebe schreibt:
"Er (Nebe) haßte Himmler, Heydrich und die Gestapo wie die Pest. Wenn wir gelegentlich unter vier Augen zusammensaßen, pflegte er offen über seine Ansichten über den Nazismus zu sprechen. 'Hier sitze ich, umgeben von Rowdies und Lümmeln', sagte er, 'ich, der ich einmal so dumm war zu glauben, daß ich an der Rettung Deutschlands beteiligt sei.'
"Frühling 1942 machte ich eine Reise nach der Schweiz und dem sogenannten freien Frankreich, teils um meinen Freund Werner Müller, Polizeichef des Kantons Bern, Mitglied der Internationalen Kriminalkommission und während des Krieges Oberst und Chef des Nachrichtendienstes des Schweizer Generalstabes, zu besuchen, teils um die Verhältnisse in Frankreich zu studieren. Ich hielt mich einige Tage in Berlin auf und traf bei dieser Gelegenheit Nebe.
"Trotz der Erfolge, die damals noch die deutschen Waffen begleiteten, war er sehr pessimistisch. Er kam damals gerade aus Moskau! Sozusagen vor den Toren Moskaus hatte er mit einem großen Stab von Polizisten mehrere Monate im Biwak zugebracht. Hitler hatte ihn zum Polizeichef bei der Eroberung Moskaus ausersehen! Nebe war voller sarkastischer Bemerkungen und sprach von dem Mißvergnügen gegen das Regime, das sich bei vielen breit mache.
"Als ich im Herbst 1942 das zweite Mal während des Krieges in Deutschland war, war er noch offenherziger. Es ist selbstverständlich, daß ich mit offenen Ohren auf das hörte, was er mir von dem Mißvergnügen in Deutschland zu erzählen hatte. Nebes Ansicht war bereits damals, daß der Zusammenbruch Deutschlands unmittelbar bevorstehe. Besonders mache sich der Oelmangel bemerkbar. Er berichtete z. B., daß zahlreiche SS-Flugstaffeln (? Red.) aus Mangel an Brennstoff nicht aufsteigen könnten. Als er bemerkt hatte, daß ich in vollem Umfange seine Ansichten über das Regime teilte, öffnete er sein Herz vollkommen.
"Zu Hause in seiner Villa in Wannsee schaffte er die Gelegenheit für einige Zusammenkünfte mit dem Grafen Helldorf, dem Polizeipräsidenten von Berlin, und dort diskutierten wir sehr offen die Möglichkeiten für einen Sturz des Regimes. Merkwürdigerweise sahen bereits damals sowohl Nebe als auch Helldorf Deutschland als reif für einen Zusammenbruch an. Eine Luftlandung hinter den deutschen Linien im Herzen Deutschlands würde nach ihrer Ansicht in einigen Tagen einen Zusammenbruch herbeiführen, sofern man es schaffen könnte, einige SS-Panzerverbände auszuschalten, die man aus Furcht vor der innerpolitischen Situation daheim behalten hätte und die zur Hauptsache in Pasewalk und Weimar stationiert seien.
"Nebe sollte in diesem Fall durch die deutsche bürgerliche Kriminalpolizei sämtliche führenden Nazisten verhaften lassen; das hätte in einer Nacht gemacht werden können. 'Ich werde eigenhändig Hitler und Himmler verhaften, sagte Nebe, und seine Augen leuchteten vor Haß. Helldorf seinerseits wollte Berlin zernieren und die bürgerliche Ordnungs-Polizei alle Brennpunkte besetzen lassen ..."
Es ist einigermaßen spaßig, sich Arthur Nebe vorzustellen, wie er seinen Führer und seinen Reichsführer verhaftet, und was in dieser Erzählung aus dem Moskauer Blutkommando geworden ist: Arthur Nebe als Polizeipräsident von Moskau, das war nicht schlecht erfunden.
Diese Nebe'schen Uebertreibungen, bei denen Freund Söderman immerhin einiges falsch verstanden haben mag, zeigen zwei Eigenschaften Nebes: Die Freude am Angeben und das Bestreben, sich noch zu Lebzeiten der derzeitigen Machthaber Freunde in der jenseitigen Welt zu machen, damit er auch vom Ausland her rückversichert war. Keine noch so zweifelsfreie Gesinnung Nebes kann darüber hinwegtäuschen, daß er bis zu seiner Flucht doppelseitig gefahren ist, mit Rückversicherung nach beiden Seiten.
Diese jahrelange Doppelgleisigkeit endete am Montag, 24. Juli 1944. Drei Tage hatte der ängstliche Verschwörer zwischen Hangen und Bangen verbracht. Freund Lobbes war nicht da. Der war ausgerechnet am 20. Juli unter irgendeinem dienstlichen Vorwand nach Prag gefahren. Als er am Montagabend ins Amt zurückkam, traf er Nebe nicht mehr an
Vormittags, 13 Uhr, war Helldorf in Nebes Dienstzimmer verhaftet worden. Kaltenbrunner und Müller befürchteten, bei einer Verhaftung im Polizeipräsidium werde die Präsidialwache sich vor ihren Chef stellen.
Nebe bekam also den Auftrag, Helldorf sofort zu sich ins Amt zu bitten, um mit ihm eine Zuständigkeitsfrage zu besprechen, über die Himmler ganz plötzlich und kurzfristig einen schriftlichen Bericht angefordert hatte.
Dem Helldorf mußte auffallen, daß Nebe ihn zu sich bat, denn im allgemeinen ging Nebe natürlich zu dem Grafen, wenn er etwas mit ihm zu besprechen hatte. Andererseits konnte Helldorf glauben, Nebe habe ihn nur unter irgendeinem Vorwand bestellt und wolle ihm etwas Vertrauliches mitteilen. Daß beide noch in ihrem Amt saßen, hätte ihnen ja selbst eigentlich komisch vorkommen müssen.
Helldorf fuhr also ins RKPA, wie immer begleitet von seinem Fahrer Weirich und einem Beifahrer. Als die Beamten des Berliner Kripochefs Dr. Schete in Nebes Zimmer stürzten und "Hände hoch" riefen, nahm anfänglich auch Nebe die Hände hoch. Helldorf sagte ironisch: "Was wollt Ihr denn, ich wehre mich ja gar nicht."
Aber wenn schon Adjutant Engelmann den Eindruck hatte, Nebe habe von der geplanten Verhaftung Helldorfs gewußt, so behaupteten der SS-Oberführer Piffrader, der spätere Chef der Suchkommission, und der SS-Oberführer Panzinger, der spätere Chef der Kripo, Nebe habe die Rolle des Judas von Kaltenbrunner und Müller bereitwillig übernommen. Beide stehen nicht mehr zur Verfügung. Panzinger hat sich erschossen, Piffrader kam in Linz durch Bomben um.
Helldorf seinerseits hat Nebe mit Sicherheit nicht belastet, bis am 14. August durch Lobbes die Bereitstellung der Kripo für den 15. Juli herauskam.
Ob Nebe nun den Judas gemacht hat oder nicht, jedenfalls war ihm die Festnahme Helldorfs heftig in die Glieder gefahren. Voller Aengste fährt er zu Kaltenbrunners Mittagstisch.
Der erste, der ihm dort in den Weg läuft, ist sein Freund Heinrich Müller. "Na, Arthur, der nächste, den ich einsperren lasse, das wirst Du sein," scherzt Müller. Nebe ist so konsterniert, daß er draußen vor der Prinz-Albrecht-Straße seinen Wagen mit der Nummer Pol 10 nicht finden kann, obwohl er genau davor steht. (Die Schutzpolizei hatte ungerade, die Sicherheitspolizei die geraden Nummern: Daluege Pol 1, Kaltenbrunner Pol 2, Müller Pol 8 usw.).
Mühevoll ringt Nebe um Beherrschung, als er in sein Amt zurückfährt. Seinem Vetter, dem Kriminalkommissar Lüder gegenüber gibt er sich keine Mühe mehr, als er am Nachmittag mit ihm zusammentrifft "Der Müller ist mir auf der Spur. Ich werde bald in Richtung Norden fahren. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder."
Am Abend fährt er zum "Büro Hoffmann", zu den beiden Strüncks. "Es ist alles aus, wir müssen fliehen, sofort, keine Sekunde ist mehr Zeit", hastet er die Strüncks an.
Elisabeth und Theodor Strünck raffen kleines Marschgepäck zusammen und steigen in Nebe's Mercedes "Pol 10". Kreuz und quer steuert Nebe den Wagen durch die Straßen, wie ein Irrsinniger, wie ein Betrunkener Er achtet keine Schilder, keine. Signallampen. Der Anblick eines Schupos macht ihn vollends verrückt.
Die Insassen des Wagens laufen bei dieser irrsinnigen Fahrerei Gefahr, mitten in Berlin an einem Haus oder an einem Baum zu zerschellen. Mindestens muß jeder Verkehrspolizist aufmerksam werden, den Wagen zum Stoppen bringen und den Fahrer festnehmen.
Elisabeth Strünck erkennt die Gefahr, die der nervenzerrüttete Nebe für alle darstellt. Sie übernimmt das Steuer des Wagens. Die Fahrt geht zu Gisevius.
Sowohl Gisevius als auch Strüncks hatten damals die Absicht, illegal in die Schweiz hinüberzuwechseln und Nebe ebenso illegal mitzunehmen. Aber Nebe selbst, ohnehin ängstlich und jetzt mit den Nerven gänzlich zu Ende, vereitelte diese einzig wahre Rettungsmöglichkeit. Er rechnete damit, daß bereits Vorwarnung gegen ihn gegeben sei und daß spätestens am nächsten Morgen Haftbefehl gegen ihn erlassen würde.
Wenn es freilich wahr ist, daß er den Grafen Helldorf in die Falle gelockt hat, dann mußte sein schlechtes Gewissen ihm diese Furcht eingeben. Ein Racheakt des Grafen Helldorf war dann durchaus möglich. Nebe wies also den Gedanken, noch im Auto zur Grenze vorzudringen, heftig zurück.
Noch nicht einmal einen falschen Paß hatte der Chef aller Kriminalisten in Deutschland, mit dem er über die Grenze hätte gehen können. Lobbes meint, er habe nicht mit einem Fehlschlag des Attentats gerechnet, dem Gisevius dagegen ist dies Versäumnis Nebes heute noch unerklärlich.
Den Polizeiausweis auf den Namen Dr. Schwarz zeigte Nebe seinen Fluchtgenossen. Aber er maß diesem Papier keine Bedeutung bei, da er unterstellte, man habe die Anfertigung des Ausweises polizeilich registriert.
Die Ausstellung eines faschen Passes, so meint Gisevius, habe nicht ohne mehrere Mitwisser vonstatten gehen können. Dieser Umstand sei dem hervorragenden Kriminalisten zuwider gewesen. So habe er zum Beispiel auch stets Gisevius ein falsches Papier verweigert. "Den Grund nehme ich ihm nicht so übel," sagt Gisevius heute. "Wäre ich nämlich jemals mit einem solchen Papier hochgegangen, dann hätten die Spuren unweigerlich auf Nebe geführt."
Abgesehen von dem Mißtrauen des Kriminalisten sei Nebe durch seinen (pervitin-verstärkten) Fatalismus in entscheidenden Augenblicken entscheidend gehemmt gewesen. Andererseits minderte das Bewußtsein, daß "doch alles schief gehe", nicht seine Aengstlichkeit.
Man fährt also an jenem Montagabend, 24. Juli, nicht in die Schweiz.
Gisevius ist der kaltblütigste Fluchtpartner. Er versucht, Organisation in die wirren Gedanken zu bringen. Die Psychose "Raus aus Berlin um jeden Preis!" liegt ihm nicht. Er dirigiert Elisabeth Strünck nach Zehlendorf, zum Teltower Damm 224.
Der Kreispfarrer Dr. Hans Böhm ist Gisevius seit 1933 bekannt. Während Nebe und die Strüncks in der Nähe mit dem Wagen warten, führt ihn Frau Böhm in das pfarrliche Amtszimmer. "Da ist ein Herr, der dich sprechen will. Er macht einen etwas merkwürdigen Eindruck."
Dr. Böhm erkennt den sichtlich nervösen Gisevius sofort. Er habe nur wenig Zeit, befinde sich auf der Flucht, erklärt der lange Konspirator ohne Umschweife. Die Festnahme Helldorfs erwähnt er und läßt keinen Zweifel, daß alles mit dem 20. Juli zu tun hat
Einzelheiten teilt Gisevius jedoch nicht mit. Er will den Pfarrer, den die Stapo bereits früher wegen "Teilnahme an verbotenen Uebungen der Bekennenden Kirche" für vier Monate ins Gefängnis gebracht hat, nicht mit unnötigem und gefährlichem Wissen belasten. Drei Wochen war der beinamputierte Weltkriegsteilnehmer, EK I., PG von 33 bis 38, im Jahre 36 wegen "Kollektenankündigung und einer Kanzeläußerung über Kirchenaustritte" in "Schutzhaft". Nur eine Nacht unterschlüpfen will Gisevius mit seinen draußen wartenden Begleitern bei Dr. Böhm, der abgelegen am Stadtrand Berlins wohnt.
Der Pfarrer lehnt ab, die Gefahr ist ihm zu groß. Dr. Böhm verweist Gisevius an seinen Amtsbruder Dr. Harder in Fehrbellin. Vielleicht kann der den Flüchtenden eine Unterkunft gewähren oder beschaffen.
Gisevius wird wunschgemäß eine zeitlang allein im Amtszimmer gelassen, damit er telefonieren kann. Dann kommt Nebes Wagen. Dr. Böhm kennt weder die Strüncks noch den Gruppenführer, der darin sitzt. Die Fahrt geht nach Fehrbellin.
In der Feldbergstraße 43 wohnt dort der Pfarrer Dr. Günther Harder, auch er Mitglied der Bekennenden Kirche, auch er sieben Monate im Gefängnis "wegen Vergehens gegen die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat". Auch er drei Monate in Schutzhaft, auch er wegen Verstoßes gegen die Kollekten-Ordnung. Aber im Gegensatz zu Dr. Böhm war er niemals in der Partei, sondern lediglich in der NSV.
Es ist später Abend, als Gisevius mit Elisabeth Strünck bei dem Geistlichen eintritt. Thecdor Strünck und Nebe warten wieder im Wagen. Sie alle kennen Dr. Harder nicht, sie haben nur die Empfehlung Dr Böhms.
Noch werden sie nicht verfolgt, begründet Gisevius seine Bitte um Unterschlupf für eine Nacht, aber die Befürchtung, im Zusammenhang mit dem 20. Juli gesucht zu werden, sei akut.
Dr. Harder lehnt ab, will zunächst auch nicht weiterhelfen. Gisevius und Frau Strünck dringen in ihn. Da rät der Pfarrer, in die Gegend nördlich Neuruppin zu fahren, verweist an den Pfarrer August Reinicke in Menz.
Der Weg bei Nacht nach Menz ist für den Ortsunkundigen schwer zu finden. Harder holt eine Karte, beschreibt die Straßen, die zu fahren sind, überläßt Gisevius die Karte. Gibt ihm als Ausweis ein von Pfarrer Reinicke geliehenes Buch, damit der erkennt, daß die Flüchtigen von ihm, von Dr. Harder, geschickt sind.
Trotz beschriebenem Weg, trotz Karte finden die Flüchtigen, hinter denen noch niemand her ist, den Weg nicht. Sie müssen im Freien übernachten
In der Frühe des 25. Juli liegt das Pfarrhaus in Menz noch in tiefer Ruhe, als das Pfarrerehepaar von Gisevius und Elisabeth Strünck aus dem Schlafe geklingelt wird Gisevius weist sich mit dem Harderschen Buch als von dem Fehrbelliner Kollegen geschickt aus. Erzählt, daß am Dorfrand im Wagen noch zwei Herren warten und man am Vorabend nicht mehr kommen konnte, weil sie sich verfahren hätten.
Pfarrer August Reinicke war ebenfalls Mitglied der Bekennenden Kirche, aber lediglich wegen verbotener Kanzelabkündigung im Jahre 1935 einen Tag in Schutzhaft gewesen. Die Unterhaltung mit dem Pfarrer von Menz ist für Gisevius nicht ganz einfach.
Er selbst gibt heute noch an, er sei seit 1939 aktiv für die Bekennende Kirche tätig gewesen und "mit den meisten ihrer führenden Mitglieder, besonders mit Niemöller, engstens freundschaftlich verbunden". Auch dem Pfarrer Reinicke gegenüber bringt er das Gespräch auf die Bekennende Kirche. Aber dem Pfarrer fällt auf, daß er mit den Fragen der Bekennenden Kirche wenig vertraut ist. Die Flüchtigen bitten um Obdach für ein paar Tage, aber der Pfarrer ist stutzig geworden.
Gisevius und Elisabeth Strünck dringen in Reinicke, ihnen und den draußen Wartenden wenigstens eine kurze Rast im Pfarrhause zu gönnen, damit sie einige kurze Stunden schlafen können. Der Geistliche gewährt die bescheiden gewordene Bitte.
Gisevius holt Nebe und Strünck. Der Wagen fährt auf den Pfarrhof. Aber hier kann er nicht bleiben, da er gesehen werden kann. Die Flüchtigen halten Kriegsrat ab, während sie das Frühstück verzehren.
Der Wagen muß weg. Gisevius und Nebe bringen das Gepäck ins Pfarrhaus. Der Mercedes ist überflüssig geworden, da Nebe versäumt hat, Reservebenzin zu tanken. Pfarrer Reinicke kann keines beschaffen. Gisevius und Nebe fahren in Richtung Fürstenberg und stellen ihn so ab, daß auf einen Selbstmord Nebes geschlossen werden kann.
Bis zum Nachmittag genießen die Flüchtigen die Ruhe, zu der ihnen Pfarrer Reinicke verhilft. Zu mehr vermag er sich angesichts der damit verbundenen Gefahren nicht zu entschließen.
Der Pfarrer argwöhnt, seine Gäste gehörten zu den Leuten des 20. Juli. Strünck beruhigt ihn: An ihren Händen klebe kein Blut.
Die Männer auf einem Gut oder bei kleinen Bauern als Arbeiter unterzubringen, sieht Reinicke keine Möglichkeit. Er denkt an die Sicherheit seiner Pfarrkinder.
Am Nachmittag verbrennt Gisevius in der Waschküche Nebes Uniform und Schweizer Zeitungen. Seine Schaftstiefel überläßt Nebe dem Pfarrer zur beliebigen Verwendung.
Die vier beschließen, wieder zu Pastor Dr. Harder nach Fehrbellin zurückzufahren, da ja Dr. Harder versprochen hatte, sich nach einer Bleibe für die Flüchtlinge umzusehen. Nebe und Gisevius wandern allein zur Station Groß-Woltersdorf, in Menz soll das Ehepaar Strünck zusteigen.
Nebe hat Sorge, von Himmlers Leibarzt Dr. Kersten gesehen zu werden, dessen Gut Hartzwalde in der Nähe von Menz liegt. Das hatte Nebe von Pfarrer Reinicke erfahren. "Welche Wagenklasse pflegt Dr. Kersten zu benutzen?" hatte sich Nebe erkundigt. Der Pfarrer wußte es nicht.
Als Pfarrer Dr. Harder am Abend des 25. Juli von Neuruppin nach Fehrbellin zurückkehrt, findet er in seinem Hause wieder Gisevius und Elisabeth Strünck, dazu Nebe und Theodor Strünck. Gisevius berichtet von Erlebnissen der vergangenen Nacht und bei Pfarrer Reinicke. Sie sind alle vier übermüdet, und Dr. Harder gibt diesmal nach. Er gewährt ihnen für die Nacht zum 26. Juli Quartier.
Elisabeth Strünck schläft in einer Bodenkammer, die Männer schlafen auf Matratzen im Wohnzimmer. Die Unterhaltung dreht sich um die Vorgänge des 20. Juli. Die Tat gegen Hitler findet nicht die Billigung aller Anwesenden, aber "sie zeigt doch befriedigenderweise die Existenz eines anderen Deutschlands".
Am 26. Juli früh fährt Pfarrer Harder in den Nachbarort Lentzke, um die vier als "Bombenflüchtlinge" unterzubringen. Als er gegen Mittag erfolglos zurückkehrt, erklären die Flüchtigen, sie wollten mit dem 12-Uhr-Zug nach Berlin zurückfahren.
In Berlin ruft Nebe Dr. Olbertz an und trifft sich mit ihm. Strüncks gehen in ihre Kellerwohnung zurück. Am 26. Juli, gegen 17 Uhr, klingelt es an der Gartentür des Viktor Schulz in Dahlem, Brümmerstraße 46 A.
Nebe stürzt herein: "Tag, Viktor, jetzt bin ich da. Du weißt schon was los ist. Sag schnell, ob ich bei dir bleiben kann. An der Straßenecke steht Olbertz mit seinem Wagen. Gisevius ist auch drin."
Schulz schaltet schnell: "Du kannst auf jeden Fall hierbleiben. Bei Gisevius weiß ich nicht, wo ich ihn unterbringen soll." Nebe rast zum Wagen zurück, schnappt sich Aktentasche und Koffer und kommt wieder. Von da an trennen sich Nebes Wege von denen der beiden Strüncks, die bald verhaftet werden, und von denen des Hans Bernd Gisevius, der noch ein halbes Jahr brauchen wird, um mit einem falschen Paß aus Berlin via Paris in die Schweiz zu entwischen.
Während Nebe Schulz von den Erlebnissen der letzten Tage erzählt, springt er bei jedem vorbeifahrenden Auto hoch und greift nach seiner Pistole, die er vor sich auf den Tisch gelegt hat: "Lebend erwischen die mich nicht."
Nebe schläft in der Nacht zum 27. Juli Im Ruinenkeller eines zerbombten Schulzschen Hauses in der Kaiserstraße. Für den nächsten Morgen verabreden sie sich in der Archivstraße, in des Rüstungsdirektors zweiter Wohnung. Schulz macht Nebe den Vorschlag, er wolle intim mit seinem Dahlemer Nachbarn, dem KZ-Verantwortlichen SS-Obergruppenführer Pohl, über Nebe sprechen. Nebe will davon nichts wissen. Statt dessen erörtert er Möglichkeiten, nach Schweden, oder, über Strüncks Stützpunkt im Schwarzwald, in die Schweiz zu fliehen.
Die folgende Nacht verbringt Nebe in der Archivstraße 8, wo die Kinderschwester Krüger mit Schulzens Kindern wohnt. Am Abend des 28. Juli verabschiedet sich Nebe vor der Tür des Schulzschen Hauses so laut, daß es alle hören können: "Ich fahre jetzt zu meiner Frau nach Oranienburg."
Am Gartentor sagt er leise zu Viktor Schulz: "Du mußt dich um Lisa und das Kind kümmern, wenn mir was passiert. Denn lebend erwischen die mich nicht."
Am 29. Juli meldet Olbertz Nebes Auftauchen an Werner, als er mit Sicherheit weiß, daß Nebe Schulz wieder verlassen hat.
Als Olbertz und Schulz im Verlaufe der Wende, die Nebes Verschwinden durch Lobbes genommen hat, festgenommen sind, erzählen sie mehr, als sie vorher Werner erzählt haben. Aber sie erzählen längst nicht alles.
Viktor Schulz ist der beweglichere, klügere. Er jongliert mit Tatsachen, Möglichkeiten, Ausflüchten. Er erzählt nach langem Zögern, daß er am 27. und 28. Juli bei Dr. Olbertz die Nachricht einer Dame für Nebe abholen sollte aber nicht, daß dies am 27. durch ihn selbst und am 28. durch die Kinderschwester Lotte Krüger geschah.
Er erzählt auch nicht, daß die Dame, von der beide Male die Nachricht kommt, die Kriminalkommissarin Heide Gobbin ist und daß in der zweiten Nachricht der Beginn der Fahndungen nach Nebe mitgeteilt wird. Das war am 28. Juli. Vier Tage Fluchtmöglichkeit waren ungenutzt verstrichen.
Von dem Augenblick an, in dem Nebe das Schulzsche Haus in der Archivstraße verläßt, kann Schulz nichts mehr über Nebe aussagen weil er nichts weiß. Er konnte vermuten, daß Nebe zu der Dame gegangen war, von der er die Nachrichten empfangen hatte, zu Heide Gobbin aus der Detmolder Straße 16. Aber auch diese Vermutung behielt Viktor Schulz für sich.
Olbertz verstummte bald nach seiner Festnahme für immer. Er zog den Tod irgendeiner Aussage vor.
Heide Gobbin, Generalstochter, ist Kriminalkommissarin bei der weiblichen Kriminalpolizei in Berlin, eine Frau Mitte 40, klein, korpulent, blond, eine rührige, eifrige Beamtin. Sie kennt Arthur Nebe noch aus der Zeit, wo er selbst kleiner Kriminalkommissar war.
Heide Gobbin hat Arthur geliebt, geliebt bis zur Schwärmerei. Arthur Nebe hat Heide Gobbin vielleicht auch geliebt. Aber die Liebe dauerte nur kurze Zeit. Es ist schon viele Jahre her.
Geblieben bei Heide Gobbin, die nur eine Nacht mit dem eheuntauglichen Siegfried Römer, dem Vorsitzenden der Fachschaft der Schriftsachverständigen, verheiratet war, ist die Liebe zu Arthur Nebe. Geblieben bei dem zum deutschen Kripochef avancierten Kriminalkommissar ist nur noch die Freundschaft des Mannes der zu gutherzig oder auch zu schwach ist, mit einer lästigen Erinnerung Schluß zu machen.
Heide Gobbin ist eine Cousine des Generals Erich Fellgiebel, der die Nachrichtenzentrale des Führerhauptquartiers zu sperren versuchte, obwohl er mit angesehen hatte, daß Hitler nichts passiert war. Heide hat auch sonst allerlei verwandtschaftliche und gesellschaftliche Beziehungen zu Männern, die sich später als aktive oder passive Putschisten herausstellen.
Heide Gobbin ist nicht mehr allzu häufig im RKPA am Werderschen Markt, aber wenn, blockiert sie den Chef stundenlang. Die Chefin der weiblichen Kripo, Regierungsrätin Friederike Wiking, und Nebe-Vertreter Paul Werner wissen nicht, was die Berliner Kriminalkommissarin dienstlich mit Nebe zu besprechen hätte. In der Adjutantur aber wissen die Beamten, daß eine "alte Liebe" beim Chef ist.
Am 28. Juli sucht Arthur Nebe, als er sich von seinem Freund Viktor Schulz verabschiedet hat, bei Heide Gobbin Hilfe. Er muß aus Berlin verschwinden, irgendwohin, wo seine Spur sich verwischen kann. Selbst die Freunde Schulz und Olbertz dürfen den Ort nicht erfahren. Die beiden haben schon genug aufs Spiel gesetzt.
Heide Gobbin ist lange genug im Betrieb der Sicherheitspolizei um zu wissen, daß sie eine tödliche Gefahr auf sich nimmt, wenn sie Arthur Nebe bei sich beherbergt. Aber Heide Gobbin liebt Arthur noch immer.
Dazu ist Heide Gobbin altes SPD-Mitglied, und wenn auch keine aktive Widerstandskämpferin wie Elisabeth Strünck. so doch eine entschiedene Gegnerin des Regimes. In bezug auf Arthur Nebe braucht es dieser Gegnerschaft nicht, sie nimmt ihn auf.
Arthur Nebe weiß so gut wie Heide Gobbin, daß er bei der Kriminalkommissarin nicht lange bleiben kann. Er sucht auch nur ihre Hilfe zu weiterer Flucht.
Heide Gobbin nimmt unter einem Kennwort von einem neutralen Telefon aus die Verbindung mit dem Kaufmann Walter Frick in der Tempelherrenstraße auf. Sie kennt Frick nicht persönlich, aber sie weiß von Arthur Nebe, daß man sich auf ihn verlassen kann.
Walter Frick, Jahrgang 1895, ausgezeichneter Offizier des 1. Weltkrieges und späterer Freikorpskämpfer, geriet 1931 mit seinem ererbten China-Ex- und Importgeschäft in Konkurs, wurde 1930 Partei- und NSKK-Mitglied, erreichte schon bald den Rang eines Obersturmbannführers, scheiterte aber dann an einem Betrugsverfahren, das ihm den Ausschluß aus der Partei und aus dem NSKK einbrachte. Er wurde Handelsvertreter. Seine Frau betrieb seit 1937 in Motzen bei Königswusterhausen eine Nutria-Farm.
Die Bekanntschaft zwischen Nebe und Frick ist sehr alt. Frau Frick ist enge Jugendfreundin von Frau Lisa Nebe. Der NSKK-Obersturmbannführer leitete 1936 den Verkehrseinsatz des Olympischen Dorfes. Die Freundschaft erhielt durch die 6 Monate Gefängnis Fricks im Jahre 1939 bei Nebe keinen Stoß. Jetzt bietet sich die Motzener Nutria-Farm, in der Frick, wie Nebe weiß, ständig Naziverfolgte verbirgt, als ein vorbildliches Versteck für den flüchtigen Kripochef.
Am 29. Juli treffen sich Frick und Nebe an einer unverfänglichen Straßenkreuzung. Die beiden Freunde verabreden, daß Frick einen vorübergehenden Aufenthalt in Motzen vorbereiten soll.
Frick setzt sich bedenkenlos ein. Nebe, zu schwach, selbst je einem Menschen treu zu sein, hat unter seinen denkbar verschiedenen Freunden keinen, der ihm nicht auch ein Freund in der Not gewesen wäre. Am imponierendsten ist das Verhalten des Kaufmanns Walter Frick.
Am 30. Juli*) wartet abends ein DKW vor einer geschlossenen Lichtenrader Tankstelle. Um 22.30 Uhr führt eine Frau einen Blinden vorbei. Er trägt eine dunkle Brille und die gelbe Blinden-Armbinde. Seine Kleidung ist mehr als ärmlich, das Gesicht ungepflegt. Die langen Bartstoppeln beginnen, sich zu einem Spitzbart zu formieren.
Der Blinde ist Arthur Nebe, die ihn führende Frau Heide Gobbin. Der Blinde steigt in den DKW. Walter Frick sitzt am Steuer. Er und der Blinde fahren in Richtung Königswusterhausen.
Heide Gobbin bleibt zurück.
Noch vor Mitternacht an diesem 30. Juli findet Arthur Nebes Flucht im Hause Töpchiner Chaussee 18 in Motzen, Kreis Teltow, ihr vorläufiges Ende.
"Ich will nur ganz kurz bei dir bleiben, bis ich ein neues Versteck gefunden haben
werde" sagt Nebe zu Walter Frick auf der Fahrt nach Königswusterhausen. "Es ist sehr gefährlich für dich, mich aufzunehmen. Aber da Hans Lobbes mich zur Zeit zu suchen hat, kann solange eigentlich nicht viel passieren." Heide Gobbin wußte am 30. Juli noch nicht, daß Lobbes seit dem 27. Juli dem Schlamassel entflohen und krankheitshalber in Joachimsthal ist.
In der Veranda des schloßartigen Frickschen Landhauses am Motzensee, genannt "Motzenmühle" erwartet Frau Frick die beiden Männer. "Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll, Else", Arthur Nebe ist gerührt. Else Frick schneidet ihm die Rede ab: "Komm schnell in das Zimmer, damit dich niemand sieht." Das für Nebe bestimmte Zimmer liegt zu ebener Erde und hat nur einen Ausgang. Auf dem Sofa ist das Bett vorbereitet.
Else Frick ist mit Lisel Schaeffer, der späteren Frau Nebe, zur Schule gegangen. Wie Lisel ist sie Parteigenossin aus dem Jahre 31 und nicht ohne Verdienste um die NSDAP. Zeitweise leitete sie, die ehemalige Prokuristin, eine SA-Küche und ein Parteiheim. Sie ist fast zehn Jahre älter als ihr Gatte.
Das Ehepaar Frick sitzt mit Arthur Nebe noch bis in die frühen Morgenstunden hinein auf. Den Flüchtling bewegt, noch bevor er dem gebotenen Imbiß zuspricht, die Frage nach den übrigen Hausgenossen. Das Haus enthält immerhin 10 Zimmer.
Else Frick kann Arthur Nebe beruhigen. Die einzige Hausbewohnerin, von der ein Ausplaudern der Hausgeheimnisse zu befürchten stand, die 70jährige Tante Luise Lange, ist zu ihrer Schwester nach Arnsberg abgeschoben worden. Die übrigen sind auf Dichthalten trainiert.
Da sind der 16jährige Pflegesohn Günther Busch und zwei in Berlin ausgebombte Verwandte. Dazu ein Russe, eine Polin und ein deutsches Mädchen als Dienstpersonal für Haus und Nutria-Farm.
Da ist die seit einigen Monaten im Landhaus wohnende Freundin Else Fricks, Aenne Heß. Sie war früher einmal mit einem Juden verheiratet gewesen. Und da ist die jüdische Freundin der Aenne Heß, Lilo Walzer. In Motzen kennt man sie ausschließlich als Frau Weber.
"Du bleibst selbstverständlich zunächst einmal bei uns", sagt Freund Walter. "Schließlich bist du hier draußen am sichersten."
(Fortsetzung folgt)
Copyright 1949 by DER SPIEGEL
Charlotte Schubert, wegen 52 Betrügereien und Urkundenfälschungen, begangen zwischen dem 25. Mai und 25. August 1949 von der Großen Strafkammer des Landgerichts Bamberg angeklagt, verlor die Nerven, als sie in der Verhandlungspause photographiert wurde. "Sie verderben mir ja die ganze Zukunft", schrie sie aus Angst, daß ihr Bild bekannt würde. Dreißigmal war sie schon vorbestraft, als sie 1943 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. 1945 befreite sie sich, tauchte unter verschiedenen Namen unter, wurde 1948 vom Schöffengericht München zu kurzer Gefängnisstrafe verurteilt da sie ihr Vorleben verschwieg. In jeder Stadt erkundigte sie sich nach dem Krankenhaus oder der Bank und sagte dem Portier, daß ein Paket für einen Dr. Schiller abgegeben würde. Dann ließ sie in einem Wäsche- oder Zigarrengeschäft eine Auswahlsendung zu Dr. Schiller schicken, die sie abholte und auf dem schwarzen Markt verkaufte. Während der Verhandlung erklärte Frau Schubert, sie wolle sich bessern. Das Gericht schloß sich der Meinung des Anklagevertreters an, sie sei eine Meisterin der Heuchelei, und verurteilte sie als Gewohnheitsverbrecherin zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust.
Francis Otto Matthiessen, Professor für amerikanische Literatur an der Harvard-Universität, beging Selbstmord, indem er sich aus dem zwölften Stock eines Bostoner Hotels stürzte. Mathiessen wurde vor einiger Zeit kommunistischer Tätigkeit beschuldigt. In seinem Hotelzimmer hinterließ er einen Brief, in dem er seine Sorge um die Zustände in der Welt ausdrückte. Aber als guter Christ und Sozialist glaube er an einen internationalen Frieden.
*) Restlose Quellenübereinstimmung bezüglich der Dauer des Aufenthaltes Nebes bei Frau Gobbin hat der SPIEGEL nicht herbeiführen können. Die hier gegebenen Daten wurden aus den Aussagen der überlebenden Beteiligten und aus den damaligen Kripovernehmungen ermittelt. Die Anklage vor dem Volksgerichtshof läßt Nebe irrigerweise bei Frau Gobbin vom 28. Juli bis 4. August wohnen und ihn erst an diesem Tage nach Motzen fliehen.

DER SPIEGEL 14/1950
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