25.10.1950

TSCHECHOSLOWAKEIHanaken, haltet Euch!

Ein Marschall der Sowjet-Armee soll als roter Diktator in die Tschechoslowakei geschickt werden." Der Londoner "Daily Express" und die schwedische "Stockholms Tidningen" wollten wissen, daß nun auch die Tschechoslowakei ihren Marschall Rokossowski*) bekommen soll.
Einige Dienstgradbezeichnungen und -abzeichen innerhalb der tschechoslowakischen Armee hat Kriegsminister Dr. Alexej Cepicka schon seit längerem dem sowjetischen Vorbild angeglichen. Auch Disziplinarordnung und "Vorschrift für den inneren Dienst" wurden so umgeschrieben, "wie es dem volksdemokratischen System auf dem Wege zum Sozialismus entspricht". Die Offiziere werden danach mit "Genosse" angeredet. Tschechoslowakische Rekruten müssen sich in Zukunft wie die Russen den Kopf ratzekahl scheren lassen.
Bei Vergleichen zwischen dem Potential der Atlantikpaktstaaten und dem Ostblock wurden die Armeen Polens, der Tschechoslowakei, Rumäniens und Ungarns bisher nur ganz am Rande mitgerechnet. Dabei sind die Ostblockarmeen allen westeuropäischen schon dann überlegen, wenn man die Sowjetunion nicht mitzählt.
Die tschechoslowakische Armee ist ziemlich die einzige in der Welt, deren Bewaffnung ausschließlich aus der Produktion nach 1945 stammt. Bis auf die sowjetischen T 34- und Stalin-Panzer ist alles tschechischer Eigenbau aus den Skodawerken. Die ausgezeichnete tschechische Waffenindustrie ist 1945 völlig intakt geblieben. Sie produziert heute mehr als alle anderen europäischen Staaten westlich des Eisernen Vorhangs.
Bleibt nur noch die Frage, ob die Tschechen kämpfen würden. Tschechische Offiziere,
die während des Krieges in westlichen Heeren kämpften, wurden systematisch entlassen und durch schnellgeschulten Kommunistennachwuchs ersetzt. Truppen bis zum Divisionsverband haben an Manövern in der Sowjetunion teilgenommen.
Und zur Melodie des Radetzkymarsches singen die tschechischen Kompanien heute einen leicht abgewandelten Text:
"...Hanaken, haltet Euch!
Uns ist egal, auf wen wir schießen,
auf den Napoleon oder auf die Türken,
auf die Preußen oder auf die Italiener.
Hanaken, haltet Euch!
Wir möchten gerne mal nach Paris,
wir möchten gerne mal nach England
marschieren und die Mädchen küssen
und zerschlagen, was uns grad nicht paßt.
Hanaken, haltet Euch!"
Falls ein Sowjetmarschall nach Prag kommen sollte, brauchte er nur noch den Befehl zu übernehmen.
*) Der Sowjetmarschall Konstantin Rokossowski ist seit dem 7. 11. 49 polnischer Verteidigungsminister.

DER SPIEGEL 43/1950
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