22.11.1950

ASTROLOGIE / ERFAHRUNGSKUNDEKennzeichen des Zeitalters

(s. Titel)
Wir hatten es gewußt", konnte die Schwäbische Illustrierte in Fettdruck verkünden. "Unsere Leser würden es sich nicht gefallen lassen, einfach durch - wenn auch 'innenministerielle' - Absichten von den astrologischen Voraussagen abgeschnitten zu werden. Hunderte von Lesern forderten ihre Horoskope - hier sind sie wieder!"
Da sind sie wieder, trotz einer vom niedersächsischen Innenministerium recht energisch eingeleiteten Kampagne gegen Sterndeuterei. Die Hannoveraner wollen aber weiter zu Felde ziehen. Sie fühlen sich durchaus im Recht. Auf dem Innenministerium in der Calenberger Straße glaubt man sich über den Begriff "Astrologie" einig: "... die nie versagende Erfahrungswissenschaft, aus der Dummheit der Leute Kapital zu schlagen."
Der für diese "Dummheit der Leute" zuständige Oberregierungsrat Miericke hatte zuerst Hannovers Landeskripo angekurbelt. "Im Auftrag des Herrn Niedersächsischen Ministers des Innern" sollte sie die Verbreitung von Zeitungs- und Zeitschriften-Horoskopen in Niedersachsen unterbinden.
Die rechtliche Grundlage glaubte Miericke in einer Großdeutschen Polizeiverordnung von 1936 gefunden zu haben. Darin heißt es unter Paragraph 1: "... der Handel mit Druckschriften, die sich mit dem Wahrsagen befassen, ist verboten." Wahrsagen wird unter Paragraph 2 definiert: "... das Voraussagen künftiger Ereignisse ... der Gegenwart und der Vergangenheit und jede Offenbarung von Dingen, die dem natürlichen Erkenntnisvermögen entzogen sind."
Und vierzehn Tage später stellten einige Herren vom Amt den Zeitungsredaktionen gegen Empfangsquittung einen Brief zu: "... wir bitten Sie daher, von der weiteren ordnungswidrigen Veröffentlichung der Horoskope oder dergleichen Abstand zu nehmen." Für den Fall der Nichtbefolgung Geldstrafe bis zu DM 50 oder Zwangshaft bis zu einer Woche.
"Die Sterne müssen schweigen im Zeichen demokratischer Verdunkelungsmanöver", entrüstete sich die Schwäbische Illus. Fast alle Zeitungen mit Tages- und Wochenhoroskopen druckten auflagebesorgt ähnliche Proteste. Oberregierungsrat Miericke mußte seine erste Aktion abblasen: "Ich habe Anweisung erteilt, von weiteren Maßnahmen vorläufig abzusehen."
Für weitere Maßnahmen möchte Miericke sich die Unterstützung der anderen Bundesländer sichern. "Nur geschlossenes Einschreiten aller Länder kann zum Ziele führen", schrieb er rund. Aber noch schlummert sein Brief in den Unerledigt-Mappen der bundesdeutschen Innenministerien. Und die niedersächsischen Astrologen-Gegner müssen bekümmert feststellen, wie das immer so ist. "Die Sucht nach astrologischen Prognosen ist größer denn je."
Die verhängnisvollen Folgen dieser astrologischen Wochen- und Monatsvoraussagungen nach dem Sonnenstand wollen sie mit gesammelten Beispielen belegen. So habe sich unter anderen erst kürzlich in Osnabrück ein Homöopath mit einem Rasiermesser die Kehle durchgeschnitten, nachdem er seine Frau mit Mord-Absicht lebensgefährlich verletzte. "Nur weil ihm ein Tageszeitungs-Horoskop eine ungünstige Konstellation in Verbindung mit Untreue seiner Frau voraussagte."
Erkältung im November. Einige Zeitungen lassen sich ihre Horoskope etwas kosten. Trotzdem: "Auf den meisten Redaktionen schustern die Journalisten sich die Voraussagen selbst zurecht", weiß Werner H. Gericke in Hannover. Gericke war Journalist, ist Astrologe und astrologischer Sachbearbeiter für den "Heim und Welt"-Beratungsdienst. Auch die Nachfrage nach rein astrologischen Zeitschriften ist unverändert groß.
Allein Annelies Huters "Das neue Zeitalter" hat mit seinen über 100000 Lesern mehr Käufer als viele Tageszeitungen. Daß die Voraussagungen verschiedener Zeitungen gelegentlich einander widersprechen, merken nur wenige.
Oft ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. So stimmt Hamburgs "Morgenpost" ihre "Fische"-Leser für den 8. November froh: "Heute werden Sie sehr glückbegünstigt sein". Am selben Tag warnt Frankfurts "Abendpost" ihre "Fische" bekümmert: "Auch dieser Tag bringt Ihnen noch wenig Glück."
In Hamburgs Edgar-Ross-Straße 11 arbeitet auch Dr. phil. Kuno Voss als "Dr. Kluge" fleißig zeitungsastrologisch. Unter der Rubrik "Deine seelische Wetterlage" gibt er binsenweise Ratschläge wie: "Ueberschätzen Sie nicht Ihre Kräfte", "Führen Sie lieber eine Sache ganz durch, statt mit mehreren nur zu spielen!" oder "Versuchen Sie nicht durch Ihre Projekte, sondern durch Ihre wirklichen Taten zu imponieren" und "Ueberschätzen Sie nicht Ihre Mittel und Möglichkeiten. Vorsicht im Umgang mit Geld!" Für November warnt er (natürlich) in jedem vierten Tierkreiszeichen: "Erhöhte Erkältungsneigung!"
Pech hatten die politischen Zeitungsastrologen. Die meisten waren der Meinung, daß 1950 ein Jahr des Friedens werde. Sterndeuter Heinz Kröll am 30. 12. 1949 im "Echo der Woche": "Für Amerika sind keinerlei kriegerische Konflikte angezeigt." (Korea ist offiziell nur eine "Polizeiaktion").
Nach Schätzungen der Hamburger Astrologen werden im Bundesgebiet jährlich fast vier Millionen DM für astrologische Prognosen ausgegeben. Den. Löwenanteil davon schlucken einige große "Kosmobiologische Institute", die mit Rabattgewährung Horoskope zwischen 5 und 20 DM in Riesenauflage an ambulante Astrologen im ganzen Bundesgebiet vertreiben.
Zwischen Katzenfutter und Kanonenofen. Sie arbeiten zum Teil nach dem Vorbild der holländischen Roxroy-Studios, die in den zwanziger Jahren ein Vermögen einbrachten. "Prof." Roxroy ließ damals in alle großen europäischen Blätter kleine Anzeigen einrücken:
"Leseprobe aus Ihrem Horoskop kostenlos."
Der Briefschreiber bekam daraufhin eine butterweiche (sehr schmeichelhafte) Charakterbeschreibung auf drei Schreibmaschinenseiten. Zum Schluß wurde ihm eine große Glückschance für die nahe Zukunft vorausgesagt. Näheres im ausführlichen Horoskop für 50 Mark.
Biß der Leser darauf noch nicht an, so schrieb Roxroy, er habe das Horoskop inzwischen ausgearbeitet, es liege bei ihm herum, ob nicht für 30 Mark? Klappte es noch immer nicht, ging Roxroy nach mehrmaligem Briefwechsel schließlich bis auf drei Mark herunter. Irgendwann klappte es immer ...
Die Roxroy-Studios sollen zeitweise bis zu 200 Angestellte in ihren Büros in der Emmastraat 42, den Haag, beschäftigt haben. Sie arbeiteten in sämtlichen Sprachen Europas. Der gesamte Schriftverkehr wurde in Typenfarbdruck geführt, mit später eingefügtem Namen und Datum und absichtlichen "Tipp"-Fehlern. Es sah aus wie Original-Schreibmaschinenschrift. Roxroy besaß eine Luxusyacht und versteuerte monatlich S Million Goldmark. Sechs Jahre lang. Die tatsächlichen Einnahmen lagen wesentlich höher.
Bei den Straßen-Astrologen muß mystisches Getue das Fachwissen ersetzen. Nördlichste Zentrale des großen Vertriebsnetzes ist Hamburgs Reeperbahn. Bei Luise Steiner liegen die vorgedruckten Horoskope zwischen Katzenfutter und Kanonenofen. Wenn mal ein Tierkreis fehlt, geht sie bei der Nachbarin borgen. "Is aber bestimmt ganz zutreffend, mein Herr!"
Ernsthafte Astrologen wollen von diesem Straßenhandel nichts wissen. "Die konsequentesten Gegner dieses astrologischen Blödsinns sind wir Astrologen selbst", bekräftigt Joseph Aumann, Hauptmann a. D. und Astrologe. In seiner Drei-Zimmer-Wohnung, Wiesbaden. Louisenstr. 24, leitet er den "Deutschen Astrologenverband".
Nur "ernsthaft forschende" Astrologen nimmt er als Mitglieder auf. Unter Androhung sofortigen Ausschlusses hat er ihnen die Bearbeitung der in Zeitungen und im ambulanten Handel üblichen Wochenvoraussagungen ("Sonnenstandshoroskope") verboten. Kein Wunder: Aumanns Verband hat nicht viele Mitglieder (ein paar über hundert). Er tröstet sich: "Wir zählen unsere Mitglieder nicht, wir wägen sie!"
Darum war Aumann das Vorgehen der Behörden noch zu unentschlossen. Darum will er den Zeitungsastrologen selbst zu Leibe. Darum auch schrieb er an über 50 Zeitungen, die Horoskope veröffentlichen: "Unser Verband hat sich zur Aufgabe gemacht, den unlauteren Auswüchsen der Astrologie, die dem Sinn und Geist dieser Erfahrungs-Wissenschaft unermeßlichen Schaden zufügen, mit allen Mitteln entgegenzutreten. Diese Voraussagungen stellen einen nicht vertretbaren Unfug dar, der nach § 263 StGB. an Betrug grenzt. Pseudo-Astrologen, Scharlatane und Betrüger wollen auf diesem Gebiet mühelos Geld gewinnen. Wir bitten Sie, von solchen Veröffentlichungen künftig abzusehen." Aumann empfahl den Zeitungen auf einer beigefügten Liste 61 seiner DAV-Astrologen.
Astrologen-Chef Aumann erhielt keine Antwort.
Stellen Se mal'n Horoskop. In Norddeutschland vertritt die "Astrologische Studiengesellschaft (Hamburger Schule) e. V." ebenfalls Aumanns Standpunkt. Vorsitzender (und Kapazität unter den westdeutschen Sterndeutern) ist Ludwig Rudolph, Beruf: Generalvertreter für elektrische Gebläse. Auch er macht kein Hehl daraus: "Es gibt zu viele Halb- und Viertelkönner in der Astrologie. Sie benutzen vollkommen unzureichende Mittel, wie Schicksalsbestimmungen aus dem Sonnenstand bei der Geburt oder des am Geburtstag aufsteigenden Tierkreiszeichens."
Das nützt den durchschnittlichen Horoskop-Käufern wenig. Die meisten haben von den astrologischen Arbeitsmethoden keine Vorstellung. Nicht selten kommen die Leute in Werner Gerickes astrologisches Studio Hannover, Rühmkorffstraße 10, und halten ihm die ausgestreckte Hand unter die Nase: "Nu stellen Se mal'n Horoskop!" Sie sind dann sehr erstaunt, wenn sie Gerickes Rechenschieber und Logarithmentafeln sehen und sich belehren lassen müssen, daß es durchschnittlich 12 Stunden und 15 Minuten dauert (und 30 DM kostet), ein detailliertes Jahreshoroskop auszurechnen.
Das Streitgespräch in Permanenz "Astronomie vs. Astrologie" bricht nur selten an die breitere Oeffentlichkeit. Werden die Astrologen dann von den Wissenschaftlern nach den der Astrologie zugrunde liegenden Tatsachen gefragt, so berufen sie sich auf Ueberlieferungen. Dabei sind die Deutungsmethoden fast so zahlreich wie die Astrologen selbst.
Die astrologischen Grundregeln basieren auch im 20. Jahrhundert (der Wissenschaft) auf dem sogenannten "geozentrischen Weltsystem" des alten Claudius Ptolemäus. Nach Ptolemäus ist die Erde der Mittelpunkt des Planetensystems. Kopernikus war damals noch nicht geboren und die Erde war noch nicht rund.
Das genügt den Astronomen oft schon, um alle Sterndeutungen als "banalen Aberglauben" abzutun. Professor Dr. Johannes Lahrink, Astronom an der Sternwarte Hamburg-Bergedorf: "Das geozentrische Weltbild ist längst versunken. Die Astrologie ist wirklichkeitsfremde Spielerei, wenn sie sich an dieser alten Theorie festklammert."
Chef-Astrologe Ludwig Rudolph von der Hamburger Studiengesellschaft möchte die Antwort nicht schuldig bleiben: "Für uns ist es ohne Belang, ob die Erde oder die Sonne im Mittelpunkt steht. Die Gestirne müssen immer vom Ort ihrer Wirksamkeit, also von der Erde aus betrachtet werden." (Aber viele moderne Astrologen nehmen bereits das heliozentrische Weltbild - Sonne als Mittelpunkt - als Grundlage ihrer Berechnungen.)
Blutige Kriege und gesicherten Frieden. Die Astrologen denken sich das die Erde umspannende Himmelsgewölbe als eine Kugel von unermeßlicher Größe. Sämtliche Himmelskörper kreisen um die Erde. Den jährlichen Weg der Sonne um die Erde (Ekliptik) teilen sie in zwölf Abschnitte. Das sind die Tierkreiszeichen. Sie werden nach den Sterngruppen benannt*).
Diesen Tierkreiszeichen schreiben die Astrologen jeweils bestimmte Wirkungen zu. Jedes Zeichen soll gewisse Körperteile beeinflussen, so der Widder Kopf und Gesicht, der Stier den Hals. Das Tierkreiszeichen, in dem sich bei der Geburt eines Menschen die Sonne befindet, soll entscheidende Wirkung auf sein Schicksal haben. Daher teilen die Astrologen die Menschheit von Widder bis Fische in zwölf große Charakter- und Schicksalsgruppen ein. Das ist die Sonnenstandsastrologie. Ebenso soll jedes Zeichen Einfluß auf ein bestimmtes Land haben, wie die
* Zwillinge auf Amerika und Belgien,
* Skorpion auf Bayern, Preußen und Norwegen,
* Steinbock auf Bulgarien, Griechenland, Mexiko, Hessen, Südwestsachsen und Mecklenburg.
"Größerer Unsinn ist kaum denkbar." Astronom Lahrink wartet mit stichhaltigen Argumenten gegen die Lehre der Tierkreiszeichen auf: "Ursprünglich standen die Sterngruppen genau über den entsprechenden Tierkreiszeichen. Deshalb bekamen sie auch ihre Namen von den Sterngruppen. Infolge der kreiselartigen Bewegung der Erdachse tritt aber eine dauernde Verschiebung der Sterngruppen ein, während die Tierkreiszeichen absolut fest stehen.
"Erst nach rund 26000 Jahren ist nach einem vollen Umlauf die Anfangsstellung wieder erreicht. Augenblicklich hat die Verschiebung einen Winkel von 30 Grad erreicht, so daß heute das Sternbild des Wassermanns sich mit dem Zeichen des Widders zu vereinigen beginnt."
Astrologe Rudolph bestreitet einfach, daß die Eigenschaften der Tierkreiszeichen den gleichnamigen Sternbildern zugrunde liegen. "Darum ändert eine Verschiebung der Sterngruppen nichts an den Eigenschaften der Tierkreiszeichen."
Rudolph will seinen Einwand damit bekräftigen, daß zahlreiche Astrologen dieser Verschiebung sogar weltbewegende Bedeutungen beilegen. Sie behaupten, durch das jeweils im Zeichen Widder stehende Sternbild werde das Zeitalter maßgeblich beeinflußt. Nach astrologischer Auffassung dankt das Christentum so seinen Siegeszug ausschließlich dem Fische-Zeitalter.
Die Astrologen messen dem Uebergang vom Fische- zum Wassermann-Zeitalter (der sich jetzt vollzieht) viele Begleiterscheinungen zu "Daher die Zerrissenheit unserer Zeit und der Bruch mit der Vergangenheit auf allen Gebieten." Surrealismus, Existentialismus, Weltkrieg und Atomphysik halten als erste Kennzeichen des neuen Zeitalters her. Je nach Deutungsmethode weissagen die Astrologen für die kommenden fünfzig Jahre blutige Kriege, grausame Hungersnöte oder ungeahnten Wohlstand und gesicherten Weltfrieden.
Die Sonne als Planet. Eine wichtige Rolle in der Astrologie spielt die Teilung des Himmelsgewölbes in zwölf gleichgroße "magnetische Kraftfelder" oder "Häuser". Jedes dieser numerierten Häuser soll auf bestimmte Schicksalszweige des Menschen wirken. So das
1. Haus auf den Charakter,
2. Vermögen,
3. Geschwister, Reisen, Dokumente,
4. Eltern, Alter,
5. Kinder, Triebleben, Spekulation, Vergnügungen,
6. Krankheiten,
7. Ehe,
8. Tod, Erbschaft,
9. Religion,
10. Beruf,
11. Freunde und
12. Feinde.
Im Gegensatz zu den Tierkreiszeichen ist die Lage der zwölf Häuser am Himmelsgewölbe je nach Geburtsort verschieden. Das erste Haus steht für den Geburtsort immer im Osten. Für die Häuserberechnung gibt es aber auch verschiedene Methoden. Was für den einen Astrologen das 10 Haus ist, kann für den anderen das 8., für den Dritten das 11. sein.
"Diese Häusereinteilung ist so sinnlos und lächerlich, daß sich jedes Argument erübrigt", schaut Astronom Lahrink flehend zur Decke. "Wie kann man einem willkürlich herausgegriffenen leeren Himmelsabschnitt Einfluß auf Tod und Leben zuschreiben?" Es will auch nicht in Lahrinks Gelehrtenschädel, daß in der Astrologie Sonne und Mond als Planeten fungieren.
Je nach Einfluß unterscheiden die Sterndeuter "Wohltäter" (Jupiter, Venus, Sonne, Mond) und "Uebeltäter" (Saturn, Mars, Uranus, Pluto). Neptun und Merkur gelten als neutral und "verstärken lediglich die Wirkung der anderen Planeten".
Die Sonne ist für den Astrologen das "Sinnbild der Urkraft und Lebensenergie". Sie ist das "Zeichen der Macht", des "Gestaltungswillens" und soll deshalb auf hohe Stellung in der menschlichen Gesellschaft hindeuten.
Dagegen gilt der Mond als Prinzip der Fruchtbarkeit, der Handlungsmöglichkeiten der breiten Masse, der Frau als Mutter und Gattin Dem Merkur kommt das Prinzip der Bewegung zu. Er soll auf den praktischen Verstand, auf Verkehr und Forschung wirken und wichtig für Kaufleute und Gelehrte sein.
Astronom Lahrink hat eine Erklärung dafür, warum der Merkur auf den Verkehr Einfluß haben soll: "Weil er sich von allen Planeten am schnellsten bewegt, brachte man ihn mit dem Quecksilber in Verbindung, das ja eine außerordentlich bewegliche Flüssigkeit ist. Der lateinische Name für Quecksilber ist Merkurius. Daraus haben die Astrologen dem Merkur das Bewegungsprinzip unterschoben."
Für die Funktionen der weiblichen Geschlechtsorgane macht die astrologische Lehre den Planeten Venus verantwortlich. Er soll auch das Gefühlsmäßige, das Aesthetische und Künstlerische bestimmen. Im Gegensatz hierzu soll Mars die Funktionen der männlichen Geschlechtsorgane, die Energieentfaltung und das Soldatentum betonen.
Der Jupiter bezieht sich auf das allgemeine Erhaltungsprinzip, auf synthetisches Denken, schöpferische Phantasie, der Saturn auf äußeren Reichtum, innere Einsamkeit und den Tod.
Astronom Lahrink möchte dazu eine peinliche Frage stellen: "Auf Grund welcher Tatsachen hat die Astrologie denn den Planeten ganz bestimmte Wirkungen zugeschrieben?"
Darauf Astrologe Rudolph: "Die Planeteneigenschaften folgern wir aus der Erfahrung, die sich aus den Ereignissen bei bestimmten Gestirnständen ergibt." Dann erzählt er, wie er und seine Kollegen von der "Hamburger Schule" ihre Erfahrungen sammeln: Es werden beispielsweise alle erreichbaren Zeitpunkte von Verkehrsunfällen gesammelt. Dann wird das Gemeinsame der Planetenstände zu den verschiedenen Zeitpunkten der Unfälle ermittelt. "So erarbeiten wir uns die für Verkehrsunfälle typische Planetenstellung."
Die Geburtsdaten des Flugzeugführers. Auf Grund solcher Forschungen will auch Astrologe Ernst Esch, Köln-Mühlheim, Julius-Bau-Straße 3, im Jahre 1939 einen nachweisbaren Erfolg erzielt haben: Am 1. 10. 1938, mittags 12.25 Uhr, startete auf dem Flugplatz Frankfurt/M. das Verkehrsflugzeug der Lufthansa D-AVFB mit 13 Personen an Bord nach Mailand. Die Maschine erreichte ihr Ziel nicht.
Monatelang durchsuchten deutsche, schweizerische und italienische Luftfahrtgesellschaften die Alpenländer systematisch nach der Maschine. Ohne Ergebnis.
Ernst Esch packte seine astrologischen Tabellen, Drehscheiben und Regelwerke aus. Wochenlang saß er über astrologischen Berechnungen, die auf das Starthoroskop der Maschine und die Geburtsdaten des Flugzeugführers zurückgingen. Es war eine langwierige Arbeit.
Als er einen dicken Stapel DIN A 4 Bogen verbraucht hatte, konnte er am 2. Juni 39 die Schweizer Lufthansa-Vertretung informieren: "Die Maschine liegt auf einer östlichen Länge ungefähr 9° 20' 30" östlich Greenwich und auf einer Breite, die frühestens 46° 20' 30" beginnt und längs der Schweizer Grenze, das ist 46° 17' 55", endet.
Die Lufthansa war mißtrauisch: "Es besteht keine Hoffnung, denn das fragliche Gelände ist schon mehrmals abgesucht worden." Trotzdem wollte sie es noch einmal versuchen.
Wenige Tage später mußte selbst Esch staunen: Die Trümmer des Flugzeuges wurden auf einer östlichen Länge von 9° 36' 20" und einer nördlichen Breite von 46° 17' 55" gefunden. Das Schreiben der Lufthansa hat Ernst Esch sich eingerahmt. Es lautet: "Wir sagen Ihnen besonderen Dank für Ihre Bemühungen anläßlich der Suche nach der D-AVFB, um so mehr, als sie durch die Auffindung der Bruchstücke in dem von Ihnen als Unfallstelle bezeichneten Gebiet zeigen, daß Ihre Vermutungen auf Grund eines astrologischen Horoskopes richtig waren." Die Lufthansa schickte Esch für seine Bemühungen 150 Mark.
Daß es sich nicht um einen Zufallstreffer handelt, will Esch an Hand seiner umfangreichen Arbeit beweisen: "Sie begründet astrologisch exakt das Ergebnis."
Astronom Lahrink beharrt auf "Zufallstreffer oder übersinnliche Fähigkeiten". Für ihn als Wissenschaftler steht fest: "Es ist unmöglich, durch das auf dem Geist einer primitiven Mathematik aufgebaute astrologische System zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen." Und für ihn als Wissenschaftler sind die Deutungsregeln der Astrologen überhaupt willkürlich angenommen, "wie die Regeln des Skatspiels".
Verschiedenes andere noch wirft Lahrink den Astrologen als Inkonsequenz vor. So sind sich die Astrologen über den Einfluß der Fixsterne nicht einig. Viele lassen sie ganz außer acht. Ebenso betrachten sie die rund 1500 kleinen Planeten des Sonnensystems als "schicksalsunwirksam". Lahrink: "Warum eigentlich? Größe, Gewicht und Helligkeit der Planeten spielen ja sonst auch keine Rolle in der astrologischen Deutungspraxis."
Hesekiel 4:5. Alle astrologischen Prognosen erfolgen mit Hilfe eines Horoskopes (wörtlich: "Stundenschau"). Im Horoskop ist die Stellung der Planeten in bezug auf "Häuser", Tierkreiszeichen und Geburtsort im Augenblick der Geburt eines Menschen festgehalten. Das Horoskop gleicht einer Fotografie des Sternenhimmels, wie er sich vom Geburtsort aus betrachtet im Geburtsmoment darstellt.
Aus diesem Horoskop wollen die Astrologen mit Hilfe einer unübersehbaren Vielzahl von überlieferten Regeln die körperlichen, sittlichen und geistigen Eigenschaften, Glück und Unglück und den ganzen Lebenslauf von der Wiege bis zur Bahre in großen Zügen ersehen.
Um das Schicksal des Betreffenden an einem bestimmten Tag, zu bestimmter Stunde zu ermitteln, setzt der Astrologe den Stand der Gestirne dieser Stunde in Beziehung zum Gestirnstand des Geburtsmoments. Dazu trägt er die Gestirnstände in den nach Tierkreiszeichen und Häusern unterteilten Horoskop-Kreis ein. Die Schicksalsbestimmung der Astrologen gefiel zu allen Zeiten den Dichtern, auch den größten unter ihnen. So Goethe in seinen "Orphischen Urworten":
"Wie an dem Tag, der Dich der Welt verliehen. Die Sonne stand zum Gruße der Planeten, Bist alsobald Du fort und fort gediehen Nach dem Gesetz, nach dem Du angetreten."
Die Stellung der Planeten zueinander nennen die Astrologen Aspekte. Hinsichtlich ihrer Wirkung unterscheiden sie "günstige", "ungünstige" und "gemischte" Aspekte. An Hand der Winkelabstände zwischen zwei Sternen ermitteln die Astrologen, wie sich die Strahlen "guter" und "böser" Sterne am Ort ihrer Wirksamkeit vermischen und demnach günstig oder ungünstig wirken. Schlechte Aspekte sollen beispielsweise Erkrankungen hervorrufen können. Zu ihrer Heilung durch Medikamente oder Operationen empfehlen die Astrologen solche Stunden abzuwarten, in denen die Aspekte heilender Planeten günstig und die Strahlung der krankheitserregenden Planeten gering ist.
"Nichts als reflektiertes Sonnenlicht strahlen die Planeten aus", bekundet Lahrink. Die moderne Physik habe außerdem festgestellt, daß es in bezug auf die Strahlungen der Planeten völlig gleichgültig ist, wo und wie zueinander die Planeten stehen. Er fragt: "Wie erklärt sich die Astrologie die Tatsache, daß zwei nebeneinander stehende Personen doch ohne Zweifel gleichen Bestrahlungen ausgesetzt sind - aber doch ganz verschieden beeinflußt werden?"
Sterndeuter Ludwig Rudolph: "Beide Personen haben eben ein völlig verschiedenes inneres Gesetz. Sie reagieren daher auf gleiche Einflüsse verschieden. Bei sportlichen Zweikämpfen, bei denen zur gleichen Zeit am gleichen Ort dieselben planetarischen Einflüsse wirken, sind die Auswirkungen verschieden: der eine gewinnt, der andere verliert."
Eine weitere Methode, künftige Ereignisse vorauszuberechnen, bietet den Astrologen die Lehre von den Direktionen. Dabei wird ein Tag einem Jahr gleichgesetzt. ("Steht auch schon in der Bibel", sagen die Astrologen. Hesekiel 4:5: "Ich habe Euch gegeben jeden Tag für jedes Jahr.") Die Astrologen glauben, daß die Ereignisse, die durch den Gestirnstand am ersten Tag nach der Geburt angezeigt werden, das Schicksal des Geborenen im ersten Lebensjahr darstellen. Der Gestirnstand am zweiten Tag soll maßgeblich sein für das zweite Lebensjahr usw.
Theorie vom ersten Schrei. Dabei sind sich die Astrologen je nach Schule und privater Ansicht uneinig, welchen Zeitpunkt sie als den das Schicksal entscheidenden Moment ansehen sollen. Dafür gibt es mehrere Theorien: den ersten Schrei des Kindes, das Durchtrennen der Nabelschnur, das Verlassen der Scheide und den Moment der Befruchtung der Eizelle.
Da sich der Zeitpunkt der Empfängnis schwer feststellen läßt, peilen die Astrologen über den Daumen. Sie behaupten, die Befruchtung könne nur dann stattfinden, wenn der Mond über das auf- und absteigende Haus des Geburtshoroskopes der Mutter hinweggeht. "Der Mond ist sowieso das Prinzip der Fruchtbarkeit, warum soll er nicht auch die Empfängnis bewirken?"
Ludwig Rudolph (der die Theorie vom ersten Schrei des Kindes vertritt), muß sich von Lahrink sagen lassen, daß es heute in der Hand der Aerzte liegt, eine Geburt zu verzögern oder zu beschleunigen. "Somit könnte man entscheiden, ob ein Mensch unter einer glücklichen oder unheilvollen Konstellation geboren wird." Astrolog Rudolph: "Wenn eine Geburt verzögert oder beschleunigt wird, so geschieht das grundsätzlich in Uebereinstimmung mit den Gestirnen."
Aber für Lahrink gibt es noch andere ungelöste Probleme der Astrologie: "Das Schicksal zweieiiger Zwillinge müßte nach astrologischer Anschauung fast genau gleich verlaufen, weil sie fast zur gleichen Zeit am gleichen Ort geboren werden. Auch die Charaktere zweieiiger Zwillinge müßten einander entsprechen." Das sei aber nur selten der Fall. Denn auch die zweieiigen Zwillinge hätten keine größere erbmäßige Uebereinstimmung als zwei zu ganz verschiedenen Zeiten geborene Geschwister.
Lahrinks Fragen sind nicht Rudolphs Probleme. Er macht die zwischen den Geburten von Zwillingen liegenden Minuten für die verschiedenen Charaktere verantwortlich. "In der Astrologie können schon Sekunden von Bedeutung sein." Das will er mit alten Lehrbüchern belegen.
Die uralten Weisheiten der Astrologie gehen auf die Sumerer zurück, die vor etwa 4000 Jahren zwischen Euphrat und Tigris lebten. Die Sumerer waren es auch, die das Jahr zum erstenmal in Monate, Wochen und 365 Tage einteilten. Ebenfalls waren es die Sumerer, die die Grundlagen der Mathematik, Astronomie und Astrologie schufen.
Sie hatten die Abhängigkeit der Natur von der Stellung der Sonne erkannt. Ihre Priester mußten täglich den Himmel beobachten und den Willen der Götter ablesen. Mit Zirkel, Lineal und einem einfachen Visierinstrument berechneten sie die Gestirnstände und kündigten Regenzeiten, Ueberschwemmungen, Sonnen- und Mondfinsternisse an. So lernten die Menschen gewisse Dinge im voraus zu berechnen. Und so entstand allmählich der Glaube, aus den Sternen auch die künftigen Erlebnisse der Menschen ablesen zu können. Die sumerische Astrologie läßt sich bis in die neuere Zeit verfolgen.
Als Grundwerk der Astrologie rangiert für viele Astrologen das "Tetrabiblos" ("Vierbücherwerk") des ägyptischen Astronomen und Astrologen Claudius Ptolemäus. Er faßte im zweiten nachchristlichen Jahrhundert die astrologischen Lehren der Alten zu einem System zusammen. Noch heute, im 20. Jahrhundert, arbeiten viele Astrologen danach.
Zu wenig Planeten. Am Tetrabiblos wird deutlich, wie die Sterne zu ihren Eigenschaften kamen. "Der Mond zeichnet sich durch seine Eigenschaft zu feuchten aus, da er sich nahe der Erde aufhält und Nachbar feuchter Dünste und Nebel ist." Der alte Aegypter konnte nicht wissen, daß es auf dem Mond überhaupt keinen Wasserstoff und keinen Sauerstoff, also auch kein Wasser gibt. Die Spektralanalyse, mit deren Hilfe die chemische Zusammensetzung der Sterne erforscht werden kann, wurde von der modernen Wissenschaft erst 1600 Jahre später entdeckt. Darum weiß Lahrink: "Der Mond ist eines der trockensten Gestirne überhaupt."
Ein Geschlecht sollen die Planeten nach der Auffassung der Astrologen auch haben. Es ist bestimmend für den Grad der Männlich- oder Weiblichkeit eines Menschen. Das hat schon Ptolemäus entschieden: "Da nun weiter zwei ursprüngliche Geschlechter in der Welt vorhanden sind, so entspricht die feuchtende Kraft der weiblichen Natur. Denn alles Weibliche ist ganz allgemein feuchter, wohingegen die erhitzende Wirkung dem männlichen Geschlecht entspricht. Aus solchem Grunde sind darum Mond und Venus weibliche Gestirne, weil sie von Feuchtigkeit überfließen, Sonne, Saturn, Jupiter hingegen männlich."
"Was aber machen nun die Astrologen, wenn z. B. ein neuer Planet entdeckt wird?", fragt Astronom Lahrink. "Und es liegen deutliche Anzeichen neuer Planeten vor." Die Astrologie des Altertums arbeitete mit sieben, die neuere mit neun, die neueste mit zwölf Planeten. Alle arbeiten aber wahrscheinlich mit zu wenig Planeten.
"Damit ist der ganze Unsinn der Astrologie bewiesen", folgert Lahrink. "Ein Astrologe würde heute einem Horoskop, das etwa Jupiter oder Venus unberücksichtigt läßt, keinen Wert beimessen. Genau in entsprechender Lage war aber die Sterndeuterei zu allen Zeiten und ist sie auch heute noch."
Es sei, verteidigt sich Ludwig Rudolph, die Tragik jeder Wissenschaft, daß sie nicht alle wichtigen Faktoren kenne. Genau wie der Arzt trotz mancher fehlenden Erkenntnisse auf Grund von Erfahrungen zu einer richtigen Diagnose komme, könne auch der gute Astrologe gültige Prognosen stellen.
Für diese Prognosen stehen den Astrologen so viele verschiedene Regeln zur Verfügung, daß es noch selten mißlang, das bekannte Schicksal eines Verstorbenen aus seinem Horoskop zu erklären. Mit Prognosen über das künftige Schicksal noch lebender Personen sind die Astrologen vorsichtiger.
Ebert lebte zu gut. Sie berufen sich auf bereits erwiesene Erfolge, wie den des Altmeisters der deutschen Astrologie, Karl Brandler-Pracht. Im vierten Band seiner "Astrologischen Kollektion", Seite 46, sagte er schon 1922 Friedrich Ebert "einen plötzlichen und gewaltsamen Tod" voraus. Allerdings hielt Brandler-Pracht in seiner Prognose viele Hintertürchen offen: "Bezeichnend ist, daß der Mars im 5. Haus steht, dem Hause, das für Vergnügungsstätten, Theater, Konzerte usw. maßgebend ist. Saturn und absteigender Mondknoten im irdischen Tierkreiszeichen des Steinbocks deuten auf Einsturz oder ähnliches, man könnte also einen Unglücksfall annehmen, wenn nicht auch zu denken gäbe, daß der Mars in diesem Horoskop das 12. Haus, das Haus der Feinde, regiert. Andererseits ist auch zu beachten, daß ... auch eine Reise mit dem Tod in Verbindung stehen könnte."
Drei Jahre später starb Ebert nach der Operation an einer Blinddarmentzündung. Zum Tode beigetragen hatten ein Magen-, Darm- und Gallenleiden. "Plötzlich und gewaltsam stimmt", freuten sich die Astrologen. Im übrigen berufen sie sich auf das 5. Haus (Vergnügungsstätten): Ebert habe einfach zu gut gelebt. Es hatte wieder einmal genauestens gestimmt.
Exakter war da schon der Astrologe Karl Ernst Krafft, den schwärmerische Begeisterung für das Dritte Reich erfüllte. Am 2. November 1939 schrieb er einen Brief an Hitler, in dem er ihn anflehte, sich zwischen dem 7. und 10. November nicht unnötig zu exponieren. Sein Leben sei durch Gewalt ernsthaft bedroht.
Nach dem Bürgerbräukeller-Attentat am 9. November wurde Krafft nach Berlin gerufen und in der Folgezeit mit verschiedenen astrologischen Aufgaben betraut. Ein Haus wurde ihm eigens zur Verfügung gestellt, und er mußte hauptsächlich charakterastrologische Gutachten für höhere Führer der Partei, SS und Wehrmacht ausarbeiten.
Anscheinend aber war Krafft bei der Ausdeutung seines eigenen Horoskopes ein Fehler unterlaufen. Sonst hätte er sich nicht mit Hitler eingelassen.
In einem Brief an den rumänischen Exil-Außenminister Tilea hatte Krafft den Sieg Deutschlands angezweifelt: "Ich weiß um die Gefahr, die Hitlers Horoskop ergibt - die Gefahr, daß er eines Tages unterliegen kann und ausgelöscht wird." Amerikas "Sunday News" veröffentlichte den Brief unter der Schlagzeile: "Hitlers Leibastrologe glaubt nicht an Deutschlands Sieg!" Die "Sunday News" wurde auch von der Gestapo gelesen. Krafft starb am 8. Januar 1945 in Buchenwald.
Ueber "Hitlers Leibastrologen Krafft" berichtet auch Captain Louis de Wohl. Obwohl Kraffts Witwe noch heute behauptet: "Mein Karl Ernst war nie Hitlers persönlicher Astrologe." Während des Krieges fungierte de Wohl als Sonderoffizier und astrologischer Berater des englischen Generalstabes.
Nach Kriegsschluß veröffentlichte er seinen Fortsetzungsbericht "Die Geheim-Schlacht der Astrologen im 2. Weltkrieg". Danach will der ehemalige Deutsche und (nach seinen eigenen Worten) "hinausgeworfene Bankbeamte" Louis de Wohl einen "großen Geisteskampf" mit Hitlers Krafft ausgetragen haben, in dem die Armeen, Flotten und Luftstreitkräfte gewissermaßen zu Schachfiguren der beiden Sterndeuter wurden. Eine geheime Sondergruppe in Deutschland soll ihm während des Krieges die Geburtsdaten aller höheren militärischen und politischen Führer nach England gefunkt haben.
De Wohl will in Nachtarbeit die Art der Krafftschen Ratschläge für Hitler genau berechnet haben. "Damit konnte ich den Kriegsbewegungen der Nazis rechtzeitig entgegentreten." "De Wohls Veröffentlichungen haben die Zahl der Astrologie-Gegner verdoppeln", ärgern sich aber in Hamburg die "ernsthaften" Astrologen, über ihren bekannten Kollegen.
Für die Vermehrung dieser Gegnerschaft möchten auch die Astronomen sorgen. Auf ihrer letzten Tagung in Bonn brandmarkten sie in einmütiger Resolution: "Was heute als Astrologie auftritt, ist nichts anderes als eine Mischung von Aberglaube, Scharlatanerie und Geschäft." Johannes Lahrink untermauert: "Die Lehrsätze der Astrologie sind auf Grund bloßer Annahmen und nicht auf Grund wissenschaftlicher Forschung festgesetzt. Sterndeuterei ist Unfug."
*) Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische.

DER SPIEGEL 47/1950
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