20.04.1970

PERSONALIENWilly Brandt, Ferdi Breidbach, Josef Ertl, Gunther Krasnitzky, Otto Fritz, Maria de la O Martinez Bordiú, Horst Ehmke, Alex Möller,

Willy Brandt, 56, Regierungschef, brachte von seiner USA-Reise dem Kabinett außer politischen Nachrichten auch eine Jux-Neuheit mit. In Washington hatten Bewunderer Brandts Ehefrau Rut zwei "Lachsäcke" geschenkt, kleine Tuchbeutel, die auf Druck heftiges Gelächter ausstoßen. Bereits in der deutschen Botschaft in der US-Hauptstadt hatte der Kanzler eines der Geräte -- das zweite bekam sein Sohn Mathias, 8 -- nach Mitternacht deutschen Journalisten vorgeführt und sich selbst am stärksten von dem künstlichen Lachen anstecken lassen. Nach Bonn zurückgekehrt, trug der Kanzler vergangenen Donnerstag sein Spielzeug in eine Kabinettsitzung, um seine Minister aufzuheitern. Wieder lachte der Kanzlei, am lautesten mit seinem Sack.
Ferdi Breidbach, 31, CDU-MdB und Mitarbeiter im Pressereferat des Deutschen Gewerkschaftsbundes, vermutet bei Papst Paul VI. SPD-Sympathien. Bei einem Rom-Besuch pflegte Katholik Breidbach zwar Kontakt mit der deutschen Botschaft in Italien, mied aber den Vatikan. Der Christdemokrat über sein religiöses Oberhaupt, das in den vergangenen Monaten den SPD-Spitzenpolitikern Wehner und Leber Audienzen gewährt hatte: "Der Papst empfängt doch am liebsten Sozialdemokraten,"
Josef Ertl, 45, Landwirtschaftsminister (FDP), möchte eine persönliche Geldschuld in eine Spende für seine Partei umfunktionieren. Bei der Trauerfeier für den verstorbenen Ex-Reichskanzler Heinrich Brüning im Dom zu Münster hatte sich der Minister mangels eigenen Kleingelds vom neben ihm sitzenden nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn (SPD) zehn Mark für die Kollekte geborgt. Per Post beglich der Freidemokrat anderntags seine Schulden bei dem Sozialdemokraten, bat in einem Begleitbrief jedoch: "Wenn Sie für das Geld keine Verwendung haben, können Sie es als Wahlspende an (den Vorsitzenden der nordrheinwestfälischen FDP) Willi Weyer weiterreichen." Kühn: "Ich werde mal mit Weyer drüber reden, ob ihm diese Finanz-Transaktion von Nutzen wäre."
Gunther Krasnitzky, 31, Kaplan an der katholischen Stadtpfarrkirche St. Ludwig in Miesbach bei München, bekam während eines Gottesdienstes Streit mit seinem vorgesetzten Pfarrer. Der Jung-Geistliche, der vor drei Wochen über die "Auferstehung Christi" gepredigt und dabei die Ansicht vertreten hatte, daß man das Evangelium nicht zu wörtlich nehmen solle, fühlte sich persönlich angegriffen, als Pfarrer Otto Fritz, 56, das Thema einen Sonntag später "wegen der entstandenen Unsicherheit in der Pfarrgemeinde" erneut aufgriff und "die Auferstehung, wie sie im Evangelium geschildert wird", als "eine Tatsache" bezeichnete. Krasnitzky unterbrach die Messe und beschuldigte seinen Vorgesetzten vor der Gemeinde, er habe eine Woche Zeit gehabt, mit ihm darüber zu reden, "aber im Pfarrhaus wird ja nur über das Wetter gesprochen". In seinem Bericht an das Generalvikariat der Erzdiözese München und Freising über den "Zwischenfall" wies der Pfarrer die Behauptung des Kaplans zurück und versicherte, im Pfarrhaus der St-Ludwig-Gemeinde werde "nicht nur über das Wetter gesprochen".
Maria de la O (Mariola) Martinez Bordiú, 17, Enkelin des spanischen Staatschefs Francisco Franco, verdingte sich als Mannequin. Zusammen mit anderen Mädchen aus Spaniens besten Familien führte die zweitälteste Tochter des Herzchirurgen Martinez Bordiú, Marqués de Villaverde, in der Madrider Boutique "El Portalón de Zuca" Abendroben und festliche Hosenanzüge des spanischen Couturiers Miguel Rueda vor.
Horst Ehmke, 43, umstrittener Personal-Politiker, verteidigte am vergangenen Mittwoch im Palais Schaumburg vor einer Gruppe württembergischer Pfarrer seine Position. Der Sprecher der protestantischen Geistlichen fragte: "Herr Bundesminister, im Fall Schnez hat sich der Herr Bundeskanzler vor seinen Verteidigungsminister gestellt, im Fall Guatemala-Spreti vor seinen Außenminister. Aber nie hat sich der Bundeskanzler vor Sie gestellt, als Sie wegen Ihrer personalpolitischen Entscheidungen angegriffen wurden." Ehmke erwiderte: "Der Bundeskanzler braucht sich nicht vor mich zu stellen, weil ich immer hinter ihm stehe."
Alex Möller, 66, Millionär, legt sich eine neue Schmuck- und Münzensammlung an. Sein gesamter bisheriger Bestand wurde dem Finanzminister von Einbrechern aus seiner Karlsruher Villa gestohlen. Doch von einer Ostasien-Reise brachte der Sozialdemokrat bereits eine goldene Ehrennadel des japanischen Parlaments und eine Geschenkmünze des US-Handelsministers Maurice Hubert Stans mit. Kopfzerbrechen verursacht Möller nur ein Stück aus seiner gestohlenen Sammlung -- ein Paar goldene Manschettenknöpfe mit griechischen Münzen, das ihm der französische Finanzminister Giscard d'Estaing geschenkt hatte. Möller: "Sag ich ihm nichts von dem Diebstahl, hält mich Giscard für unaufmerksam, Erzähl ich es ihm, dann meint er, ich wollte neue Manschettenknöpfe geschenkt haben." Joe ("Zulu") Sishi (r.), Weltergewichts-Boxmeister der südafrikanischen Provinz Natal, entzog sich einer drohenden Niederlage durch Flucht im Ring. In der zweiten Runde eines Titelkampfs hatte Herausforderer Absalom ("Chester Blaster") Kubheka den Meister so hart getroffen, daß Sishi durch die Ringseile auf die Zuschauer fiel. Der Angeschlagene stieg in den Ring zurück, war jedoch vorsichtig und ließ Kubheka nicht mehr zum Schlag kommen. Die Ausweichtaktik hatte Erfolg: Der flüchtige Sishi wurde in der sechsten Runde Sieger durch technischen K. o. und behielt seinen Titel.

DER SPIEGEL 17/1970
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