20.04.1970

BERUFLICHESWOLFGANG ZEIDLER

WOLFGANG ZEIDLER, 45, jüngster Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe (seit 1967), soll Chefpräsident des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin werden. Die Voraussetzung für eine Amtsübernahme wurde am vergangenen Donnerstag geschaffen: Der Richterwahlausschuß in Bonn wählte Zeidler, der seit 1945 Mitglied der SPD ist, einstimmig (20:0) zum Bundesrichter. Ausschußmitglied Martin Hirsch (SPD): "Das ist sensationell, Es ist noch kein Bundesrichter einstimmig gewählt worden." Nach der Wahl steht einer Ernennung Zeidlers durch den Bundespräsidenten nichts mehr im Wege. Da die Bundesverfassungsrichter und die Präsidenten der fünf obersten Gerichtshöfe gleich besoldet werden, handelt es sich nicht um eine Beförderung, sondern eher um einen Amtswechsel, der mit Machtzuwachs verbunden ist. Zeidler wird Nachfolger des im Dezember 1969 gestorbenen Professors Dr. Fritz Werner, der das Amt seit 1958 innegehabt hatte.
HARRY ANDREW BLACKMUN, 61, Richter am Appellationsgericht in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri), wurde von Amerikas Präsident Richard Nixon als neuer Kandidat für den (seit 15, Mai vergangenen Jahres)vakanten Posten am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten nominiert. Nachdem die beiden aus wahltaktischen Überlegungen vorgeschlagenen Nixon-Kandidaten aus den Südstaaten South Carolina und Florida, Clement Haynsworth und George Carswell, wegen Befangenheit in sozialen und rassischen Fragen vorn Senat abgelehnt worden waren (SPIEGEL 16! 1970), entschied sich der US-Präsident nunmehr auf Vorschlag des Obersten Bundesrichters Warren Burger für einen Kandidaten aus dem Mittleren Westen. Der Harvard-Absolvent und Burger-Schulfreund Blackmun, dessen Nominierung bereits vom ehemaligen demokratischen Vizepräsidenten Hubert Humphrey begrüßt worden ist, gilt als gemäßigt liberal auf dem Gebiet des Bürgerrechts, jedoch als konservativ in Strafrechtsfragen. Im Gegensatz zu Haynsworth und Carswell, die über ihre Nominierung nur telephonisch vom US-Präsidenten unterrichtet worden waren, lud Nixon diesmal vor seiner Entscheidung den neuen Kandidaten zu einem 45-Minuten-Gespräch ins Weiße Haus und zeigte sich -- so US-Pressechef Ron Ziegler -- "tief beeindruckt von Blackmuns persönlichen Qualitäten".
ANDRÉ STORELLI, 59, Vizeadmiral, übernimmt am 1. Mai das Amt des Stabschefs der französischen Marine. Sein Vorgänger André Patou, 59, war Ende März nach einem Grundsatzstreit mit Verteidigungsminister Michel Debré, 58, zurückgetreten, um damit gegen den bevorzugten Ausbau der Atom-Unterseeboot-Flotte auf Kosten einer notwendigen Modernisierung der Überseeflotte zu protestieren (SPIEGEL 15/ 1970). Nachfolger Storelli, Kommandeur der Ehrenlegion, gehört Frankreichs Marine seit 38 Jahren an: Im Zweiten Weltkrieg diente er in den Marineeinheiten unter de Gaulle und leitete später verschiedene Flottenkommandos im Atlantik, im Mittelmeer und bei der Marine-Luftwaffe im Pazifik. Für Debrés Unterwasser-Strategie scheint Storelli besonders geeignet: Von Juni 1967 bis Oktober 1968 war er Oberbefehlshaber der französischen U-Boot-Waffe.

DER SPIEGEL 17/1970
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