20.04.1970

RÜCKSPIEGELZITATE

Der „Münchner Merkur“ in einer „kritischen Analyse der Union als seiner Partei, die vielleicht nie eine war":
Mit dem frühen Tode des zwar umstrittenen, aber sicher auf seinem Gebiete hochtalentierten Otto Lenz hatte die Union ihren letzten propagandistischen Koordinator verloren. Die Massenmedien gingen rasch in die Hand sogenannter, von einem politisch ebenso kurzsichtigen wie inkompetenten Publikum laut beklatschter "Linksintellektueller" über; und während die Union zunehmend ängstlich darauf bedacht war, um keinen Preis nach außen hin den Eindruck zu erwecken, als verfüge sie über publizistische Mittel zur Verdeutlichung ihrer Politik, gingen unter der Hand fast automatisch, jedenfalls lautlos, die wesentlichen Positionen in Funk und Fernsehen an die SPD über; konnte sich eine veröffentlichte Meinung etablieren, angefangen vom SPIEGEL bis zu den politisch manipulierenden Illustrierten und manch so hochmöglich sich dünkender Tageszeitung, die der damaligen Opposition nach Kräften ihre Hilfe für den so heiß ersehnten und so unerbittlich, koste es, was es wolle, angestrebten Machtwechsel lieh.
In dem Maße, in dem -- paradoxerweise -- die Union als Partei zu verkümmern begann, ehe sie überhaupt parteiähnliche Züge angenommen hatte, wuchs Adenauers Mißvergnügen an der Auswahl seines möglichen Nachfolgers. Auf wen im Kreise seiner engsten Mitarbeiter auch sein Auge fiel: Er befand ihn nicht für würdig. Am stärksten wohl rechnete er Franz Josef Strauß politisches Naturtalent zu; aber der Bayer blieb ihm im letzten fremd, aller ohne Zweifel vorhandenen persönlichen Sympathie zum Trotz. Hätte Adenauer Strauß aufbauen wollen, dann wohl wäre es zuerst einmal nahegelegen, Strauß vom Posten des Verteidigungsministers rechtzeitig zu befreien, einem Amt, das zu einer Zeit sicher das unpopulärste war, als die SPD noch mit der Parole der Neutralisierung und der Loslösung aus dem atlantischen Bündnis hausieren ging. So verstrickte sich Strauß, übrigens, um seinen Kanzler zu decken, In der SPIEGEL-Affäre; er schied aus dem Rennen um die Nachfolge aus.
Aus der Hamburger "Welt:
Ein Film über deutsche Richter läßt sich, zugegeben, schwer Illustrieren. Das Sujet ist zu farblos. Was sich das Bayerische Fernsehen und Paul Mautner als Autor dieser Dreiviertelstunden-Verlegenheits-Sendung leisteten, bleibt in seiner totalen Einfallslosigkeit von Kameraführung und Textmontage dennoch verblüffend ... Einziger Lichtblick: der Mitschnitt eines SPIEGEL-Gesprächs mit Bundesrichter Woesner.

DER SPIEGEL 17/1970
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