31.10.1962

KRAGES UND DIE STÄRKEREN BATAILLONE

Von Brawand, Leo

In der vorletzten Woche wurde der erfolgreichste deutsche Börsenspekulant nach dem Zweiten Weltkrieg, der Bremer Holzkaufmann Hermann Krages, sowohl das Opfer seiner eigenen Kursschlacht-Strategie wie der freien Machtentfaltung der Dresdner Bank AG, die ohne Rücksicht auf die Verfassung des - Aktienmarktes der Bundesrepublik Ihre Sonderinteressen verfocht. Weil während der Auseinandersetzung viele ahnungslose Aktiensparer durch Angstverkäufe Ihr Geld verloren und schwerwiegende Auswirkungen an der Börse nur mit Mühe verhindert werden konnten - die Deutsche Bundesbank in Frankfurt befaßte sich auf Anordnung ihres Präsidenten Blessing in einer Direktoriumssitzung mit dem Fall Krages -, verdient die Vorgeschichte, im einzelnen festgehalten zu werden.

In dem SPIEGEL-Gespräch über die Börsen der Bundesrepublik hatte der Großaktionär Hermann Krages im Mai dieses Jahres noch unbekümmert erklärt, die scharfen Kurseinbußen seien für ihn nur Verluste auf dem Papier. Krages damals zum SPIEGEL: "Sie mißverstehen das. Mich kostet die Baisse kein Geld."

Inzwischen hat ihn der Kursverfall an den westdeutschen Börsen den weitaus größten - Teil seines Aktienvermögens gekostet. Am 15. Oktober, dem Montag der vorletzten Woche, mußte Krages zur Kasse treten. Als er für seine beiden größten Aktienpakete - 28 Millioinen Mark Nominalkapital der Chemie-Verwaltungs AG und 50 Millionen Mark Nominalkapital der Gelsenkirchener Bergwerks AG (GBAG) von der Dresdner Bank zunächst 116 Millionen Mark erhielt, reichte das Geld knapp aus, um die auf seinem gesamten Aktienbesitz lastenden fälligen Bankkredite abzudecken.

Hermann Krages ist durch den Verkauf der Aktien knapp seiner Schulden, gleichzeitig aber auch seiner beiden größten Aktienpakete ledig geworden, die während der Blütezeit der Hausse mehr als 700 Millionen Mark wert gewesen sind. Der große Hai am Aktienmarkt wurde zur Sardine.

Immerhin wußte Krages bei dem SPIEGEL-Gespräch längst, daß sich nicht nur der allgemein abwärtsgerichtete Börsentrend, sondern überdies ein ganz konkreter Gegenspieler gegen ihn gestellt hatte: die Dresdner Bank AG, die nun seineAktienerworbenhat. Während an der Börse immer wieder kolportiert wurde, Krages gehe allmählich die Luft aus, und er müsse verkaufen, waren es vornehmlich die von der Dresdner ausgeführten Wertpapierverkäufe, die beide Krages-Papiere unter zusätzlichen Druck setzten. In der Woche, die den Bremer schließlich auf die Knie zwang, schienen die Kurse zusammenzubrechen.

Laut einer Aktennotiz seines Rechtsanwalts Karl Siber sah sich Krages in der zweiten Oktober Woche der Situation gegenüber, "daß durch die stark gesunkenen Kurse für GBAG und Chemie -Verwaltung an der Börse infolge starker Abgaben von anderer Seite die vereinbarten Deckungsverhältnisse für seine Effektenkredite nicht mehr gewahrt waren. Immerhin ergab sich doch auch bei den Börsenkursen ein sehr wesentlicher Überschuß von Vermögenswerten über die bestehenden Kredite hinaus. In dieser. Situation wurde erwogen, die, Gläubiger dieser Kredite zum Stillhalten zu veranlassen, damit der Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt bei günstigen Kursen erfolgen könne. Zwck dieser Vereinbarung sollte es vor allem sein, eine Normalisierung der Kurse nach Beendigung der von dritter Seite erfolgenden Abgaben abzuwarten".

Um diese Zeit lag der Kurs der Chemie-Papiere bei etwa 250; eineinhalb Jahre zuvor hatte er zeitweilig 750 betragen. Obwohl Krages mit großen eigenen Erträgen aus der Holzbranche rechtzeitig nach 1945 zu Spottpreisen Aktien erworben hatte, war es für seine Paket-Spekulationen erforderlich gewesen, Bankkredite in Anspruch zu nehmen. Eine Anzahl ausschließlich kleinerer und mittlerer Banken gaben Ihm bis zu 60 und 70 Prozent des Kurswertes seiner Papiere Kredit. Als der allgemeine Kursschwund an der Börse Im letzten Jahr jedoch den Abstand der Kreditsummen zur jeweiligen Notierung mehr und mehr verringerte, mußte Krages den Abstand durch Nachschüsse wiederherstellen. Die dafür erforderlichen flüssigen Reserven aber waren Mitte Oktober aufgebraucht.

Das Krages-Wort aus dem SPIEGEL -Gespräch hatte sich gegen ihn selbst gerichtet: "Das spekulative Element ist der Aktie eigentümlich."

Am Freitag, dem 12. Oktober, morgens um 9.30 Uhr, saß Krages deshalb in Frankfurt dem Bundesnotenbank-Präsidenten Karl Blessing gegenüber und offenbarte die Misere. Sein Wunsch: im Hause der Bundesnotenbank eine Besprechung seiner sämtlichen Bankgläubiger zu führen und ein Moratorium für ein oder zwei Jahre zu erreichen.

Blessing erkannte sofort, was am westdeutschen Aktienmarkt eintreten würde, falls das Krages-Engagement "schwach" werden würde: Die kleinen und mittleren Gläubiger-Banken würden gezwungen sein, Krages zu exekutieren, das heißt, um ihr ausgeliehenes Geld zu retten, Krages-Aktien um jeden Preis an der Börse zu verkaufen. Ein derart massiertes Angebot wiederum würde die Kurse ins Bodenlose treiben und, da mithin nur ein Bruchteil der Werte realisiert werden könnte, die eine oder andere Krages -Bank zusammenbrechen lassen. Bei der ohnehin seit zwei Jahren labilen Börsensituation wären katastrophale Auswirkungen zu erwarten gewesen.

Statt langwieriger Verhandlungen über ein Moratorium schlug der Notenbank-Präsident deshalb vor, Krages solle sofort ein paar Häuser weitergehen und versuchen, die Aktien bei der Dresdner Bank AG zu Geld zu machen. Die Dresdner Bank sei sicher interessiert.

Schon gegen 10 Uhr machte Krages bei dem Vorstandsmitglied der Dresdner, Ernst Matthiensen, Besuch. Der Bankier ließ sein Interesse an dem Aktienpaket der Chemie-Verwaltungs AG, an der seine Bank bereits beteiligt war, erkennen, leitete aber das Kaufgespräch mit dem Bemerken ein, die Geschäfte der Chemischen Werke Hüls (an ihnen ist die Chemie -Verwaltungs AG mit 50 Prozent beteiligt) gingen zur Zeit recht schlecht. Krages protestierte und wies darauf hin, daß der Kursverfall nicht zuletzt auf Verkäufe durch die Dresdner Bank zurückzuführen sei, worauf Matthiensen sich hinter der Erklärung verschanzte, die Bank habe eben Kundenaufträge ausgeführt.

Immerhin, so meinte er schließlich, sei die Dresdner Bank an den von Krages offerierten 30 Millionen Mark Nominalkapital interessiert. Als Kaufpreis käme allerdings höchstens ein Kurs von 210 in Frage (Kurs am Tage zuvor: 250 Prozent). Krages zeigte sich von dem Preis enttäuscht, gab aber die Zusage, am Abend weiterzuverhandeln.

Über Mittag suchte er sein Heil bei Hermann Josef Abs, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank AG, die im Effekten-Geschäft weniger auffällig und rigoros taktiert als die Dresdner Bank. Abs nahm zu diesem Zeitpunkt an einer Aufsichtsratssitzung in Gelsenkirchen teil. Als Krages ihn dort telephonisch erreichte, empfahl Abs, nichts zu überstürzen. Er versprach, sich nach besser zahlenden Käufern für eines der beiden Aktienpakete umzutun.

Krages wartete den ganzen Nachmittag in seinem Hotel, und als Abs sich nicht meldete, raste ein Wagen mit einer Depesche für den Bankmann auf die Autobahn und klapperte alle Raststätten nach dem Vorstandsmitglied der Deutschen Bank ab. Da die Suche erfolglos blieb, rief Krages spätabends Matthiensen an und erklärte sich für zu müde zum Weiterverhandeln.

Am nächsten Tage konnte Hermann Josef Abs nur über einen Fehlschlag seiner Bemühungen berichten. Ein Blick in die Börsen-Zeitung an diesem Morgen war auch nicht dazu angetan, die Laune des Bremer Großaktionärs zu verbessern: Der Chemie-Verwaltungs-Kurs war noch einmal, und zwar kräftig, abgerutscht: von 250 auf 233 Punkte. Dies, obwohl sich Krages am Freitag durch den Ankauf von 100 000 Mark Nominalkapital der Chemie -Verwaltungs AG an verschiedenen Börsenplätzen der Bundesrepublik der Verkaufswelle entgegengestemmt hatte.

Die Intervention des Spekulanten und Aktienpaket-Schachtelers Krages kann niemanden überraschen. Ein Großbankinstitut wie die Dresdner Bank AG jedoch, das auf Hauptversammlungen gern an das Verantwortungsgefühl für die Gesamtwirtschaft appelliert, nimmt sich bei solcher Kursprügelei um Sonderinteressen merkwürdig aus.

Wie widersinnig das Betreiben von Effekten- und allgemeinen Bankgeschäften in einer Hand ist, wird zumindest deutlich, wenn man überlegt, wie die Dresdner Bank an diesem Tage wohl ihre Kunden beraten haben mag, die Lust verspürten, Aktien der Chemie -Verwaltungs AG zu erwerben: Die Interessenkollision ist offensichtlich.

Der Kurs vom Freitag, dem 12. Oktober 1962, zeigte Krages, daß die Baisse -Partei über die stärkeren Bataillone verfügt hatte. Er nahm deshalb schleunigst das Verkaufsgespräch mit dem Dresdner-Bank-Direktor wieder auf, der nichts Eiligeres zu tun hatte als auf die schlechten Freitags-Kurse zu verweisen. Krages gab Matthiensen schließlich die 30 Millionen Nominalkapital der Chemie-Verwaltungs AG bis Montag, den 15. Oktober, zum Kurs von 210 Prozent verbindlich "an die Hand". Zwischen 10 und 11 Uhr am Montag, so wurde vereinbart, sollte die Käuferin nach Bremen endgültigen Bescheid geben. Am Sonntag hielt Krages mit seiner Frau Ingeborg und Anwalt Siber noch einmal eine Lagebesprechung ab. Siber stellte den Vorschlag zur Diskussion, notfalls allen Gläubiger-Banken sämtliche Krages-Aktien, nicht nur,die Chenie- und GBAG-Papiere, gegen Erlaß der Kreditschulden zur Verfügung zu stellen. Die Banken würden, jede für sich, am ehesten die Durststrecke an der Börse überstehen. Das wäre zwar für die Banken ein Bombengeschäft, meinte Siber, vielleicht aber könne Krages bei einer solchen Generalbereinigung einen Besserungsschein herausschlagen, das heißt das Recht, an etwaigen späteren Kurssteigerungen zu partizipieren. Krages beschloß, erst einmal den nächsten Tag abzuwarten.

Am Montag, dem 15. Oktober, verbrachten die drei zwischen 10 und 11 Uhr eine nervenzehrende, Stunde: Die Dresdner Bank meldete sich nicht. Erst gegen 11.15 Uhr läutete das Telephon. Matthiensen entschuldigte sich, er sei nicht früher nach Bremen durchgekommen, und dann folgte das vermutlich dramatischste Verkaufsgespräch, das Krages je geführt hat.

Ernst Matthiensen, der, sich mit seinem. Hamburger Vorstands-Kollegen Hans Rinn einen genauen Schlachtplan zurechtgelegt hatte, gab an, die Dresdner. Bank sei bereit, die 30 Millionen Mark Aktien der Chemie-Verwaltungs AG zu kaufen. Allerdings wolle man das Geschäft mit einem kleinen Wunsch verbinden Krages: "Was für ein Wunsch?"

Matthiensen darauf, er wisse, daß Krages auch noch ein beachtliches Paket Aktien der Gelsenkirchener Bergwerks AG besitze: Diese Aktien wünsche die Dresdner Bank ebenfalls an die Hand zu bekommen. Sie denke dabei an einen Kurs von 110, allenfalls 115 Prozent (letzter Börsenkurs damals: 119 Punkte).

An den Aktien der GBAG aber hing Hermann Krages mit besonderer Inbrunst. Auf seiner Brautschau im Ruhrrevier hatte er den Kohlen-Konzern zu "seinem" Unternehmen machen wollen (SPIEGEL 6/1956) und um die Aktien schwere Kämpfe geführt. Erregt lehnte er Matthiensens Forderung deshalb zunächst ab und erklärte, mit dieser Bedingung sei auch für das Geschäft der Chemie-Verwaltungs-Aktien eine völlig neue Lage entstanden.

Davon wiederum wollte Matthiensen nichts wissen. Ebenso erregt argumentierte er, es liege keineswegs ein neues Gesamtangebot vor, vielmehr müsse er auf seinem Recht bestehen, das Paket Chemie-Aktien zum Kurs von 210 Prozent zu erwerben. Krages konterte, seine Offerte sei bis Montag 11 Uhr befristet gewesen, der Anruf aber eine viertel Stunde danach gekommen.

Nach einigem Hin und Her gestand der Großaktionär zu, die Transaktion in Chemie-Aktien durchzuführen. Wegen der Gelsenkirchener Papiere aber brauche er mindestens eine halbe Stunde Bedenkzeit. Sein Gesprächspartner am anderen Draht lehnte das glatt ab.

Da Krages schon bei seinem Besuch In Frankfurt Matthiensen wörtlich um Fairplay ("Sie kennen - ja meine bedrängte - Situation") gebeten - hatte, schien Matthiensen sich seiner Sache sicher. Auch als Krages nun am Telephon um eine Frist von wenigstens zehn Minuten bat, blieb der Bankier ungerührt: "Nein, Herr Krages, sobald Sie den Hörer auflegen, ist jedes weitere Geschäft zwischen uns erledigt."

Zwischendurch fand zwischen Krages und seinem Anwalt im Flüsterton eine Art Schnellberatung statt. Ein Krages -Erinnerungsprotokoll zählt die dabei angestellten Überlegungen auf, nämlich

- "die Befürchtung... wenn das Geschäft jetzt nicht über die Bühne ginge, dann würde die Dresdner Bank noch weitere GBAG- und Chemie -Aktien an der Börse schütten, und daß in dieser Situation eine Katastrophe drinstecke;

- die Überlegung, gerade wenn die GBAG (-Papiere) nunmehr geschüttet würden... daß dann bei dem Unterkurs von Chemie-Vervaltungs -Aktien dieses Geschäft allein mein Deckungsverhältnis bei den Banken möglicherweise noch verschlechtern könne;

- die Überlegung, wenn ich nunmehr beide Geschäfte ablehnen würde... es an der Börse eine Katastrophe geben könne, und daß die Gläubiger mir einen Prozeß mit der Dresdner Bank darüber, ob ich nun mit 210 Prozent rechtens verkauft hätte oder nicht, nicht abnehmen würden."

Während Krages das Gespräch mit Einwänden und Repliken hinzuziehen versuchte, beorderte er seine Mitarbeiter Elling und Ohlmann ins Zimmer. Im Eiltempo mußten sie auf einer Rechenmaschine ermitteln, welchen Erlös das Koppelgeschäft erbringen würde und in welcher Höhe dadurch Kredite abgegolten werden könnten. Als die Schnellrechner ihre Zahlenergebnisse vorgelegt hatten, deckte Krages die Sprechmuschel mit der Hand zu, murmelte noch: "Und was ist, wenn" diese- Zahlen nicht stimmen?" und erklärte sein Einverständnis.

Zwei Tage später überwies die Dresdner Bank 116 Millionen Mark an Krages. Der Vertrag hatte auf Lieferung von mindestens - 28 und höchstens 30 Millionen Mark nominal Chemie-Aktien sowie mindestens 50 und höchstens 60 Millionen Mark nominal GBAG-Aktien gelautet, das heißt, es war Krages freigestellt, die über das Minimum hinausgehenden Stücke nachzuliefern.

Schon am Dienstag ließ wundersamerweise der Verkaufsdruck nach, und die Kurse beider Papiere zogen wieder an. Trotz Kuba-Krise lagen sie am vergangenen Freitag bei 270 für die Chemie - Verwaltung und 121 für Papiere der GBAG. Sosehr sich Krages auch ärgert, daß diesmal andere den Reibach gemacht haben: Er hat zum niedrigsten Kurs verkauft.

Der Mann, den der SPIEGEL bei vielen Gelegenheiten, so im Kampf mit den Großen der Ruhrindustrie oder bei Ge: sprächen über einen etwaigen Erwerb der angeschlagenen Borgward-Werke (Krages: "Was meinen Sie, soll ich?"), als eiskalten Rechner erlebte, hat offenbar nicht mehr "die Nerven wie früher. Am Mittwoch der vergangenen Woche, an dem die Kurse durch Kuba gedrückt waren, lieferte er in Panik auch noch die zusätzlichen zehn Millionen Mark Kennwert-GBAG-Papiere an die Dresdner aus.

Die Dresdner Bank hingegen besitzt jetzt mit ihrem früher erworbenen Paket nahezu die Majorität bei der Chemie-Verwaltungs AG und, vermutlich eine Beteiligung von fast 20 Prozent bei der Gelsenkirchener Bergwerks AG.

Hermann Krages ist nach dem Aderlaß kein armer Mann geworden. Außer dem völlig intakt gebliebenen Konzern gehören ihm immer noch Wertpapiere: von schätzungsweise 100 Millionen Mark Kurswert, darunter ein beachtliches Paket der Zellstoff-Waldhof AG.

Auf diesem restlichen Aktienbesitz lasten rund 40 Millionen Kredite, so daß, er immer noch über einen Notgroschen von 60 Millionen Mark verfügt. Immerhin aber hatte sein unbelasteter Aktienbesitz einmal einen Wert von mehr als 500 Millionen Mark - ein gewisser Trost für andere Baisse-Opfer. Seine große Rolle arm westdeutschen Aktienmarkt hat Krages damit ausgespielt.

Das Lehrstück indes, das Dresdner Bank AG und Hermann Krages mit ihrer Transaktion vorgeführt haben, zeigt erneut, daß die Verquickung von Bank- und Effektengeschäften - in den angelsächsischen Ländern darf keine Bank an der Börse Aktien handeln - in Deutschland den Großbanken unkontrollierbar den Mißbrauch ihrer Macht gestattet. Gleichgültig, ob sie die Kursschlacht mit eigenem Aktienmaterial oder mit Hilfe der bei ihnen deponierten Papiere der Kunden führt, der Wertpapiermarkt wird zusätzlich beunruhigt und geschädigt, wenn eine Großbank auf dem Feuer der Baisse ihre eigene Suppe kocht.

Daß im Falle Krages und der Dresdner Bank AG ein Großkoch dem anderen die Suppe versalzen hat, ändert nichts an der Notwendigkeit, daß sich das Bundeskartellamt oder die vom Bundestag eingesetzte Kommission zur Untersuchung von Machtkonzentrationen einmal um die Großbanken und den Wettbewerb am Aktienmarkt kümmern.

Großaktionär Krages*

Beinahe exekutiert

Dresdner-Bank-Direktor Matthiensen

116 Millionen am Telephon

* SPIEGEL-Titel 6/1956.


DER SPIEGEL 44/1962
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