07.11.1962

In dieser Sache

Und nun noch schnell ein Wort in fast eigener Sache: Es gibt seit gestern ein Ereignis, das die Phantasie und die Diskussionsfreudigkeit in diesem Lande und in anderen Ländern sehr angeregt hat, es geht darum, daß die Sicherheitsorgane in der Bundesrepublik einem publizistischen Organ, nun ja, nun ja, sehr lebhafte und handfeste Schwierigkeiten bereitet haben.
Ich bin weit davon entfernt, in dieses Verfahren einzugreifen, ich will mich nicht auch landesverräterischen Verdächtigungen aussetzen, aber es gibt die Kameraderie der Soldaten, es gibt
die Solidarität der Journalisten; man wird doch wohl fragen müssen, ob es drei Wochen dauern mußte, bis man entdeckte, daß hier Bedenkliches publiziert worden ist. Man wird auch fragen müssen, ob man gegenüber der anderen Seite, die mit ins Spiel gebracht worden ist, ebenso drastisch, ebenso entschieden vorgegangen ist.
Wenn es hier schon um Freiheit und Sicherheit geht, wäre es schade, wenn durch diesen bisher einmaligen Fall in der jungen Geschichte der Bundesrepublik eben diese Freiheit, auf die Presse angewandt, in Frage gestellt werden könnte. Es sollte sehr schnell dafür gesorgt werden, daß auch der letzte Makel von merkwürdigen Überlegungen oder von naheliegenden Spekulationen durch eine Preisgabe der gesamten Wahrheit getilgt würde.
Das nur in dieser Sache, und ich denke in diesem Augenblick an einen Kollegen, der vor einiger Zeit auch hier einmal gesessen hat, der ausgerechnet in Spanien vom starken Arm der deutschen Sicherheitsorgane noch gefaßt worden ist. Soweit reicht der deutsche Arm, wenn es um Sicherheit in dieser sehr speziellen Sache geht. Aber mit dieser Oberlegung in ziemlich eigener Sache sollten wir uns für heute verabschieden.
Hofer

DER SPIEGEL 45/1962
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