28.03.1962

DER DRITTE MANN WARTETE IM GRAB

Auf abenteuerlichen Wegen, teils über und teils unter Tage, flüchteten seit dem 13. August rund 5000 DDR-Bürger durch Ulbrichts Mauergrenze nach Westberlin. Jeder achte von ihnen schaffte den Sprung in die Freiheit nur mit Hilfe einer Westberliner Studentengruppe, die sich unter dem Decknamen "Unternehmen Reisebüro" uneigennützig dem Menschenschmuggel widmete. DER SPIEGEL enthüllt erstmals Einzelheiten über die Fluchtwege und die Arbeitsweise der westlichen Fluchthelfer, die nach dem 13. August Tunnel gruben, Abwässerkanäle öffneten, Pässe fälschten und Passierscheine druckten, um die Mauer zu durchlöchern. Der Bericht wird im Einverständnis mit "Unternehmen Reisebüro" veröffentlicht und schildert nur Aktionen, die bereits abgeschlossen sind. Jeder Hinweis auf heute noch begehbare Fluchtwege ist vermieden worden. Der Bericht enthält keine Angaben, durch die Fluchthelfer in Ost- oder Westberlin gefährdet werden könnten.
Gemessenen Schritts betritt die kleine Trauergemeinde den Friedhof an der Fischer-Straße im Ostberliner Bezirk Pankow: drei Männer mit Zylinder, zwei schwarzverschleierte Frauen.
Es ist Donnerstag abend, Ende September 1961, 18.30 Uhr.
Die Trauernden legen zwei Kränze auf einem Grab nahe der westlichen Friedhofsmauer nieder, die zugleich die Staatsgrenze der DDR markiert: Jenseits des Stacheldrahts, an dem alle 15 Minuten eine Doppelstreife der Volkspolizei patrouilliert, liegt - schon auf dem Boden des Westberliner -Bezirks Reinickendorf - der S-Bahnhof Schönholz.
18.40 Uhr: Aus einem wenige Meter entfernten Urnengrab reckt sich eine Hand in die Dämmerung. Einer der Herren mit Zylinder flüstert seinen Mit-Leidtragenden zu: "Los,!"
18.42 Uhr: Die Trauergesellschaft ist spurlos verschwunden.
18.50 Uhr: Schmutzig, aber vergnügt klettern die Friedhofsbesucher jenseits des Stacheldrahts aus zwei Meter Tiefe durch eine Falltür an die Erdoberfläche. Nur 25 Meter von dem Urnengrab entfernt; gratulieren sie einander zur Ankunft in Westberlin.
Der Erdtunnel, durch den die Flüchtlinge in die Freiheit entwichen, war teilweise mit Kistenbrettern abgestützt und im Durchschnitt 60 Zentimeter breit. Er endete in einem Lagerschuppen unmittelbar westlich der Grenze.
Die Hand, die der Trauergesellschaft aus dem Grabe das Signal zur Republikflucht gab, gehörte einem Mann der Westberliner Tunnelbedienung, die ein primitives, aber wirksames Sicherheitssystem entwickelt hatte.
Ein Späher, der auf dem Dach des grenznahen Lagerschuppens hockte, überwachte die Bewegungen der Volkspolizei im Operationsgebiet. Näherte sich eine Vopostreife der Friedhofsmauer, gab er Klopfzeichen. Ein am Ausgang des Stollens postierter Tunnelwächter gab die Warnung an einen dritten Mann weiter.
Dieser dritte Mann, der Strippenkriecher, hatte mit einem Bindfaden am linken Bein durch den 25 Meter langen Stollen nach Osten vorzurobben, um die Flüchtlinge durchzuschleusen. Zog der Tunnelwächter an der Strippe, blieb das vereinbarte Signal - Hand aus dem Grab - aus. In diesem Fall verharrte die Trauergemeinde noch einige Minuten leidgeprüft am Grab. War die Luft rein, kletterten die Kranzträger in die Röhre.
Von zwei jungen Westberliner Tunnelbauern erdacht, um ihre seit dem 13. August eingemauerten Bräute sicher nach Westberlin zu lotsen, funktionierte das Warnsystem nicht nur zur Zufriedenheit seiner Erfinder. Dem Beispiel der beiden Bräute folgend, durchrobbten in den nächsten 14 Tagen mehr als 20 DDR-Bürger unangefochten den Grenzzaun an der Friedhofsmauer.
Erst als eine Ostberlinerin mit ihrem einjährigen Kind die Flucht ohne westliche Hilfestellung wagte, wurde der Tunnel entdeckt. Volkspolizisten fanden einen Kinderwagen, den die junge Mutter vor dem Grab hatte stehenlassen. Auf dem Friedhof kehrten mit diesem Tage normale Zeiten wieder: Nur noch Tote verschwinden dort spurlos unter der Erde.
Auch die Trauergemeinde, die sich bäuchlings durch den Stollen schlängelte, wäre nicht unbehelligt nach Westen entwichen, hätte sie die Flucht mit eigenen Mitteln bewerkstelligen müssen: Der Tunnel war schon gegraben und abgestützt, das Warnsystem schon erprobt, als die Flüchtlinge sich noch wie biedere Untertanen des Walter Ulbricht benahmen.
In Westberlin ansässige Studenten jeder Couleur - Sozialisten, Burschenschafter, Christdemokraten und politisch Indifferente - hatten sich zu dem konspirativen Ziel zusammengeschlossen, die kommunistischen Schanzen rund um Westberlin zu unterlaufen.
Die Kämpfer der akademischen Mauer-Einheitsfront verschrieben sich einem bis dahin in Mitteleuropa nur aus Abenteuerromanen bekannten Dienstleistungsgewerbe: Sie schmuggelten Menschen aus der östlichen in die westliche Hälfte der Welt. Sie schmuggelten, aber sie wollten keinen Profit.
Um den eingemauerten DDR-Insassen aus ihrem Käfig herauszuhelfen, fälschten sie Pässe, bauten Tunnel, durchsägten Gitter in den Kloaken unter der Berliner Sektorengrenze.
Eine der erfolgreichsten Gruppen firmierte unter dem Decknamen "Unternehmen Reisebüro". Sie schleuste über 600 DDR-Bürger zum Selbstkostenpreis nach Westberlin. Wie alle anderen Gruppen, die sich zum unterirdischen Kampf gegen die Mauer formierten, mußte auch "Unternehmen Reisebüro" ohne amtliche Unterstützung auskommen. Weder der Westberliner Senat noch die Bundesregierung hielten es für opportun, die riskante, von den Studenten weniger aus patriotischen denn humanitären Beweggründen geleistete Arbeit mit Steuergroschen zu unterstützen.
Als ein Spähtrupp des Reisebüros zwei Meter unter dem Pflaster Berlins erstmals Fluchtmöglichkeiten in grenznahen Abwasser-Kanälen erkundete, fehlte das Geld, um Gummistiefel - Preis pro Paar: 35 Mark - anzuschaffen.
Kein Zweifel: Wären die Studenten des "Reisebüros" nicht in Turnschuhen durch die west-östliche Jauche gewatet, hätten sie nicht den Mut gehabt, gegen die Paßgesetze beider deutscher Staaten zu verstoßen, zählte der mitteldeutsche Arbeiter- und Bauernpferch heute 600 Seelen mehr.
Am 13. August 1961 hatte Ulbricht das Gatter zum Westen verriegelt. Die Zeiten des nahezu ungefährdeten Grenzübertritts, in denen mehr als drei Millionen Sowjetzonen-Bewohner unbehelligt von Ost nach West wechseln konnten, waren vorbei. Wer seither durch die Mauer schlüpfen will, braucht den Mut zum Risiko.
21 Flüchtlinge bezahlten den Versuch mit ihrem Leben. Von 146 Ostberliner Fluchtwilligen und ihren westlichen Helfern weiß man, daß sie in Ostberliner Gefängnissen und Zuchthäusern einsitzen, teils abgeurteilt, teils in Erwartung ihres Prozesses.
In den ersten Tagen nach dem 13. August waren die Fluchtchancen noch verhältnismäßig gut. Der Sperrgürtel um Westberlin war noch zu lückenhaft befestigt und bewacht, als daß Grenzdurchbrüche einzelner und kleinerer Gruppen hätten verhindert werden können. Die Flüchtlinge unterliefen den Stacheldraht oder überkletterten die Mauer. Sie durchschwammen Grenzgewässer, durchbrachen in behelfsmäßig gepanzerten Autos Straßensperren oder sprangen aus östlichen Grenzhäusern auf Westberliner Straßen.
Einige Einzelgänger, die außer Mut auch noch Phantasie besaßen, lösten das Fluchtproblem sogar mit Witz. Es waren Flüchtlinge, die Schlagzeilen machten.
Dem 32jährigen Ostberliner Fachlehrer Fritz Berger zum Beispiel kam die Idee, sich als amerikanischer Offizier aus Ulbrichts Machtbereich zu entfernen.
Bei einem Bekannten entdeckte Berger eine alte, schon ziemlich schäbige
tschechische Offiziersuniform. Er lieb sie sich vorgeblich für einen Kostümball aus. Nach photographischen Vorbildern vervollständigte er das Kleidungsstück mit modifizierten russischen Schulterklappen, Käppi, Schlips, Ordensspange und einem ausgebleichten SA-Hemd.
Einzig originale Attribute des Kostüms waren zwei amerikanische Uniformknöpfe mit der Prägung "US". Berger tat sie in der Glasvitrine einer Bekannten auf, die sie als Souvenir an einen ehemaligen Boy-Friend gehütet hatte.
An einem düsteren Herbstabend des vorigen Jahres machte sich Phantasie-Leutnant Fritz Berger auf den Weg zum 'Checkpoint Charlie", dem Ausländerübergang Friedrichstraße. Hinter seiner randlosen Brille freundlich grinsend, schritt er unbehelligt an den wachhabenden Vopos vorbei, die - wie beim Passieren eines alliierten Offiziers üblich
- salutierend zur Mütze langten.
Nicht minder großes Vertrauen in die Einfalt der Torhüter Walter Ulbrichts bewies - gleichfalls am Übergang Friedrichstraße - der Ostberliner Photoreporter Horst Beyer. Mit den Riten des Regimes vertraut, gedachte Beyer sein Wissen ausgerechnet am 12. Staatsgründungs-Tag der DDR zu nutzen.
Er trommelte einige Sportlerinnen des Ostberliner Klubs "Rotation" zusammen, rüstete sie mit Blumensträußen aus und ließ sie Ulbrichts Wächter am "antifaschistischen Schutzwall" ("Neues Deutschland") zu ihrem selbstlosen Mauerdienst beglückwünschen. Beim Photographieren dieser Szene bewegte sich Beyer rückwärts gehend immer weiter auf den Grenzstrich zu. Ein Volkspolizist warnte ihn besorgt: "Paß auf, Genosse, daß du nicht versehentlich über die Grenze trittst!" Der Genosse paßte auf: Er trat über die Grenze. Die Vopos, von Beyers Blumen und Beyers Sportmaiden in ihrer Bewegungsfreiheit behindert, sahen dem entspringenden Photographen tatenlos hinterdrein.
Derlei Bravourstücke nehmen in der Berliner Fluchtstatistik seit dem 13. August nur einen bescheidenen Raum ein. Die Masse der Fluchtwilligen war auf die Hilfe westlicher Freunde angewiesen.
Bereits am Abend des 13. August trat in der verräucherten Dachkammer einer vom Kriege schwer mitgenommenen, ehemals herrschaftlichen
Villa im Grunewald ein Studenten-Konvent zusammen. Bei Käsebrot und Flaschenbier beratschlagten Historiker, Juristen und Mediziner, wie sie den 450 in Ostberlin wohnenden Kommilitonen der Westberliner Universitäten zum Grenzdurchbruch verhelfen könnten. Dieser Konvent war die Geburtsstunde des "Unternehmens Reisebüro".
Die Gründer der Maulwurf-Firma rechneten sich an diesem Abend gute Chancen aus. Noch war die Mauer transparent.
Anders als Westdeutsche, benötigten Westberliner damals keinen Passierschein, um nach Ostberlin einzureisen. Es war denn auch nicht nur der Wunsch, den Panzeraufmarsch im Sowjetsektor zu besichtigen, der Zehntausende Westberliner an diesem Sonntag über die Grenze trieb.
Nicht wenige von ihnen durchquerten die nächtens aus Drahtverhau und Betonplatten zusammengezimmerte Flüchtlingswehr legal mit illegalem Ziel: Bei Freunden oder Verwandten, die den eingemauerten Angehörigen im Ostsektor ähnlich sahen, hatten die Westberliner diesseits der Mauer Personalausweise zusammengepumpt und schmuggelten sie nach Osten ein.
Ulbrichts Grenztruppe kontrollierte ausreisende Westberliner nur flüchtig. Und unsicher über den Ausgang des Mauer-Abenteuers, unterstützten einige Volkspolizisten die spontane Rettungsaktion der Westberliner. Sie stellten sich schlafend oder spielten mit, wie jener Vopo-Wachtmeister, der nachts am Grenzübergang Brunnenstraße die ihm aus einem Westberliner Wagen gereichten Ausweise zurückgab, in den Fond leuchtete und dann in breitem Sächsisch nuschelte: "Eene dr Dam'n könnde 'n Bruder von mei'm Vader sein."
Eine der zwei Damen, denen der sächsische Wachtmeister angenehme Heimfahrt wünschte, war ein Bäckergeselle aus Friedrichshain, notdürftig mit einem schwarzen Strohhut getarnt.
Jeder konnte in diesen ersten Mauertagen flüchten helfen: Ehepaare holten ihre Eltern, Verlobte ihre Bräute, Arbeiter ihre Ostberliner Grenzgänger-Kollegen. Fast alle, die es wagten, hatten Erfolg.
Neun Tage nach der Zernierung Westberlins hatten die Politruks den Trick durchschaut. In der Nacht zum 23. August pappten Klebekolonnen der Ostberliner Stadtwerbung eine Bekanntmachung des DDR-Innenministers Maron an die volkseigenen Litfaßsäulen, um den Ostberlinern kundzutun, daß ihre Westberliner Anverwandten hinfort nur mit Passierschein den Boden des "Demokratischen Sektors" betreten dürften.
Über die Einrichtung von Ausgabestellen für Passierscheine an Westberliner aber konnten sich Ostberliner Magistrat und Westberliner Senat bis heute nicht einigen. Das bequemste Fluchtloch war versperrt.
Neue Löcher in die Mauer zu schlagen, setzte nun sorgfältige Vorbereitung der Fluchtwege und verbesserte Hilfeleistung aus dem Westen voraus. Ohne Beihilfe von außen den Durchbruch zu wagen, erwies sich nicht nur an der Berliner Mauerfront als lebensgefährlich.
So war der 23jährige Biologiestudent Dieter Henrich aus Halle am 24. August nach Bulgarien gereist, um in Mazedonien entlang der griechisch-bulgarischen Grenze einen Durchschlupf zu finden: Vergebens: Als Henrich nach einer halben Woche planvollen Umherirrens morgens erwachte, starrten ihm die MP-Läufe einer bulgarischen Polizeistreife entgegen.
Seine Versicherung, er sei Ornithologe und habe sich, ganz in seine Studien über das Verhalten von Zugvögeln vertieft, zufällig in das Sperrgebiet entlang der Grenze verirrt, rettete ihm zunächst die Freiheit. Die Bulgaren überstellten den Deutschen an die DDR, wo sich die Sicherheitsorganisation des ersten deutschen Mauerstaats seiner annahm. Zurück im heimischen Halle, fand er wenig Verständnis für seinen ornithologischen Auflug. Henrich: "Die nahmen mir erst einmal den Ausweis ab. Ohne Ausweis konnte ich aus Halle nicht wieder fort. Es war nur eine Frage von Tagen, dann hätten sie mich eingelocht."
Wenn der junge Biologe dennoch Gelegenheit fand, über sein bulgarisches Abenteuer diesseits der kommunistischen Bürgerkriegsbarrikade zu berichten, dann nur, weil jene Westberliner Studenten ihr Studium an den Nagel gehängt und sich darauf konzentriert hatten, Ulbrichts vornehmste sozialistische Errungenschaft, die Mauer, zu durchlöchern. "Unternehmen Reisebüro" hat auch dem Biologen aus Halle den Weg in den Westen geebnet.
An seiner gefährlichen Reise nach Westberlin lassen sich die Methoden ablesen, mit denen die Westberliner Speditionsagenten aus der Villa im Grunewald ihre Fracht durch die Mauer lotsten.
Kaum hatte der Biologe einen Ostberliner Freund seine mißliche Lage wissen lassen, klopfte ein persischer Student aus Leipzig - Deckname: Kameltreiber - an Henrichs Hallenser Budentür. Mit einem ausgeliehenen Ost-Ausweis schleuste der Perser den Vogelforscher nach Ostberlin und führte ihn einem dort stationierten Vertrauensmann des Reisebüros zu.
Was dann folgte, spielte sich nach einem genau einstudierten Vierphasenplan ab und war für die westlichen Mauerdurchstecher damals fast schon Routinesache.
Phase 1: Ein westdeutscher Student wird als Kontaktläufer in den Ostsektor entsandt. Mit einem Passierschein, den Westdeutsche - im Gegensatz zu Westberlinern-erhalten können, überquert er völlig legal die Sektorengrenze und sucht den östlichen Vertrauensmann auf. Ein Bild Henrichs in der Tasche, kehrt der Kontaktläufer ungehindert nach Westberlin zurück.
Phase 2: Die Zentrale des Reisebüros sucht aus ihrem Lichtbildarchiv, in dem sie mit Hilfe von Freunden Photos zahlreicher an Westberliner und westdeutschen Hochschulen studierender Bundesbürger gesammelt hat, einen Doppelgänger für Henrich. Der westdeutsche Doppelgänger wird gebeten mitzuspielen. Kaum einer der Angesprochenen hat seine Hilfe verweigert.
Phase 3: Der westdeutsche Doppelgänger reist zu einem Ostberliner Grenzkontrollpunkt und bittet um einen Passierschein. Der. Passierschein wird nur gegen Vorlage des
Personalausweises oder Passes ausgestellt. Er gilt nur
für den Ausgabetag und nur in Verbindung mit dem vorgelegten Dokument, dessen Kenn-Nummer auf dem Passierschein vermerkt wird. Nach einer Stunde verläßt der Doppelgänger Ostberlin und liefert Ausweis samt Passierschein in der Zentrale ab.
Phase 4: Ein westdeutscher Kontaktläufer bringt Ausweis und Passierschein für Henrich zu dem Ostberliner Vertrauensmann. Zwei Stunden später hat sich der 23jährige Vogelexperte Dieter Henrich aus Halle in den 25jährigen Medizinstudenten Jörg Habel aus Hamburg verwandelt und passiert den Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße in Richtung Westberlin.
Rund zwei Wochen lief das Schmuggelgeschäft mit den westdeutschen Ausweisen nahezu störungsfrei. War kein Doppelgänger vorhanden, wurden die Bilder ausgewechselt oder - im Jargon der Paß-Veredler - "umgehängt". In Ostberlin angefertigte Paßbilder traten an die Stelle des Originalphotos. Zum Selbstkostenpreis von 20 Mark pro Tag zog Kalle, ein Student der Theaterwissenschaften, mit einer Studentin der Kunstakademie die Stempel mit angespitzten Streichhölzern und Stempelfarbe nach. Betriebskapazität: drei Pässe pro Tag. Dazu einer der beiden Reisebüro-Direktoren, ein Philosophie-Kandidat: "Kalle hielt nichts von der Abziehmethode mit den hartgekochten Eiern. Er schwor auf Streichhölzer. Der Erfolg gab ihm recht."
In der Tat: Nicht einer der dreißig illegalen Mauerläufer, die vom Reisebüro mit umgehängten Photos über die Grenzübergänge geschleust wurden, konnte im engmaschigen Kontrollnetz des sowjetzonalen Staatssicherheitsdienstes gefangen werden. Die nachgezogenen Stempel blieben unentdeckt.
Achtzig DDR-Bürger vermochte das Unternehmen Reisebüro mit Bundespässen nach Westberlin zu schleusen, ehe Ulbrichts Wall-Gardisten darangingen, auch diesen Mauerschlitz abzudichten: Vom 8. September an mußten Westdeutsche ihre Passierscheine beim Verlassen des Ostsektors am Grenzkontrollpunkt abliefern.
Noch allerdings gaben sich die Reiseagenten in Westberlin nicht geschlagen. Von einer befreundeten, seit Wochen ebenfalls im Menschenschmuggel geübten Studentengruppe wurde das Unternehmen Reisebüro an einen Drucker in Nordrhein-Westfalen verwiesen. Dieser Mann war nicht nur bereit, sowjetzonale Passierscheine nachzudrucken, er benannte auch den Stempelschneider, der die notwendigen DDRStempel schnitzen wollte.
Das eben erst abgedichtete Mauerloch hätte wieder geöffnet werden können, wäre es nur gelungen, das primitive, grobgefaserte Papier volksdemokratischer Provenienz rechtzeitig zu beschaffen, das Ostberliner Druckereien für die Passierscheine verwenden.
Ein Physikstudent entdeckte zwar nach etlichen, Tage währenden Laborversuchen die magische Formel, mit deren Hilfe westlich der Mauer gefertigtes Papier schnell und mühelos in schlechte DDR-Formblätter verwandelt werden konnte: Eine kurze Höhensonnenbestrahlung verwandelte strahlendes Weiß in schmuddeliges Gelb.
Die Entdeckertat trug indes kaum mehr Früchte. Ein, zwei Tage liefen einige Flüchtlinge mit ausgeliehenen Westausweisen und imitierten Passierscheinen durch die Mauer, dann war die Fuge wieder dicht. Ab Mitte September gab die Volkspolizei täglich in Farben, Kontrollnummern und Stempeln unterschiedliche Passierscheine aus und legte den organisierten Mauerdurchbruch mit gefälschten Passierscheinen, die auf ausgeliehene westdeutsche Pässe ausgestellt waren, lahm.
Stempelkünstler Kalle und seine kunstbeflissene Streichholz-Expertin wurden deshalb nicht gleich arbeitslos. Die Kunde von der Meisterhand hatte die Runde im einschlägigen akademischen Milieu gemacht, und alsbald fanden sich neue Abnehmer, diesmal mit ausländischen Pässen, bei Kalle ein.
Daß der Mauerlauf mit sogenannten exotischen Papieren, deren Inhaber bis heute den Ostsektor ohne Passierschein betreten können, ungleich gefährlicher war, beweist die Verhaftung von zahlreichen Ostberlinern, Ausländern und westdeutschen Kontaktläufern, die vom SSD beim Paßschmuggel gestellt wurden.
Diesem Schicksal entging die rotblonde 24jährige Ostberlinerin Anneliese Heintze nur, weil sie in stundenlangem SSD-Verhör unbeirrt die eingepaukten Lügen wiederholte. Freien Übertritt begehrend, war die kaufmännische Angestellte Mitte November mit einem
holländischen Paß am Grenzübergang Friedrichstraße erschienen. Wohlpräpariert von ihren westlichen Freunden, wies sie in der östlichen Kontrollbaracke einen holländischen, mit Ostberliner Photo und Kalle-Stempel unauffällig geschonten Paß vor.
Dennoch gefiel das Personaldokument dem wacheschiebenden Volkspolizisten nicht recht. Anneliese Heintze wurde abgeführt, aber sie kapitulierte nicht.
Bereitwillig breitete sie im Polizeipräsidium am Alexanderplatz den Inhalt ihrer Handtasche aus: Amsterdamer Straßenbahn-Fahrscheine und alte, holländisch frankierte Briefumschläge, auf denen die im Paß angegebene holländische Anschrift zu lesen stand. Außerdem: ein paar holländische Gulden, Exemplare der niederländischen Zeitung "Het Vrije Volk", ein Flakon französisches Parfum.
Bis auf Taschentuch und Kamm, die aus der häuslichen
DDR - Schublade
stammten, war die Handtasche mit Utensilien westeuropäischen Ursprungs gefüllt. Nur das akzentfreie Hochdeutsch hätte darauf hindeuten können, daß die Touristin Maria van Eupen nicht aus einer Kleinstadt bei Arnheim stammte, wie sie den verhörenden SSD-Beamten hartnäckig versicherte, sondern aus dem Ostberliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg. Westliche Kontaktläufer hatten die Anneliese Heintze sogar mit holländischen Etiketten für ihre Garderobe versorgt.
Auch für ihre perfekten Deutschkenntnisse hielt die Holländerin eine einleuchtende Erklärung parat: Sie stamme aus Elten, wo es bekanntermaßen eine beachtliche deutschsprechende Minderheit holländischer Nationalität gebe.
Untermalt von einstudierten, halblaut gemurmelten niederländischen Unmutsbekundungen begehrte Anneliese sodann energisch, auf freien Fuß gesetzt zu werden.
Diplomatische Verwicklungen fürchtend, begnügten sich die SSD-Chargen mit einem letzten Test. Fragte der hinterpommersche Stasi-Beamte: "Wie weit ist die Kleinstadt, in der Sie lebten, von Arnheim entfernt? Und hat sie einen Bahnanschluß?"
Das nahezu einwöchige Studium der holländischen Geographie, das Anneliese Heintze vor ihrer Flucht auf Anraten ihres Kontaktläufers vorsorglich betrieben hatte, zahlte sich in dieser entscheidenden Minute aus. Wie
aus der Pistole geschossen kam die Antwort: "25 Kilometer, und selbstverständlich haben wir eine Bahn."
Mit Angstschweiß auf der Stirn trat die kaufmännische Angestellte vom Prenzlauer Berg um vier Stunden verspätet bei ihren Freunden in Westberlin ein.
Der Paß der Maria van Eupen - im Mauerkämpfer-Jargon ein "Exote" - war von einem holländischen Studenten aus Leyden auf Bitten eines Westberliner Freundes nach Berlin geschickt worden. Noch am selben Tage, an dem Anneliese Heintze den Checkpoint Charlie glücklich passierte, ging er per Luftpost nach Leyden zurück.
Mit Exoten durch die Mauer zu schlüpfen, erforderte nicht nur sorgfältige Vorbereitungen der Flüchtlinge, es war zudem zeitraubend und kostspielig. Um Pässe heranzuschaffen, flogen oder trampten Studenten nach Zürich, Brüssel, Wien und Stockholm, suchten Freunde und Bekannte heim, bis sie ihnen die Dokumente abgeschwatzt hatten. Die entstandenen Unkosten wurden meist durch Spenden von Verwandten und Bekannten, teils auch von jenen Ostberlinern gedeckt, die von den Menschenschmugglern heil durch die Mauer gebracht worden waren.
Im Fall Heintze waren die Unkosten für die Faßbeschaffung ungewöhnlich gering. Lediglich das Luftpostporto von Berlin nach Leyden mußte vorgeschossen werden. Der Durchschnittspreis für die Exoten-Tour: 200 Mark, die nur selten die Reisekosten für die Paßbeschaffung deckten.
Einen westdeutschen Medizinstudenten an der Freien Universität beispielsweise kam die Paßsuche weit teurer zu stehen. Für einen Metallarbeiter aus Ostberlin-Friedrichshain, dem er zur Flucht verhelfen wollte, suchte er in der kleinen Kolonie ausländischer Studenten vergebens ein passendes Double.
Die Fahndung nach dem Doppelgänger wurde von vornherein durch den Umstand erschwert, daß der treuherzige, schwerfällige Metaller alles andere denn ein Verstellungskünstler und nur der deutschen Sprache mächtig war. Die einzige Möglichkeit - ein südamerikanischer, in Westberlin verfügbarer Paß - schien deshalb zu riskant. Für den Metallarbeiter gab es nur eine Chance: mit einem österreichischen oder Schweizer Paß die Kontrollbaracke an der Friedrichstraße zu passieren.
Auf gut Glück reiste der Mediziner zu einem Freund nach Innsbruck. Drei Tage wanderten beide durch die Stadt, bis sie schließlich das ideale Double gefunden hatten: einen Straßenbahnfahrer, der dem Ostberliner Metallarbeiter wie aus dem Gesicht geschnitten schien.
Zweimal fuhren der Österreicher und der Berliner die gesamte Straßenbahnstrecke mit. Anderthalb Stunden redeten sie auf den Mann an der Kurbel ein. Als sie zum zweitenmal an der Endstation anlangten, hatten sie den Paß des Straßenbahnfahrers in der Tasche. Reisekosten für die Paßbeschaffung: 400 Mark.
Derlei aufwendige Unternehmen wurden nur zum Teil durch die Großzügigkeit ausländischer Paßspender ausgeglichen, die ihre Papiere freiwillig zur Verfügung stellten. Ein norwegischer Student, der auf Durchreise in Berlin einige Stunden durch den Ostsektor fuhr, zeigte sich vom Leben hinter der Mauer so erschüttert, daß er westdeutschen, Kommilitonen in Berlin umgehend Hilfe zusicherte. Mit den Lichtbildern einer Ostberliner Familie flog er von Westberlin nach Hause.
Acht Tage nach seiner Abreise traf in Berlin ein Einschreiben ein. Inhalt: fünf norwegische Pässe, deren Inhaber den zur Flucht entschlossenen Ostberlinern täuschend ähnlich sahen.
Die Pförtner am Ulbricht-Wall ließen sich diesmal Zeit, ehe sie zurückschlugen. Erst am Mittwoch nach Weihnachten war einem Gerichtsbericht des SED-amtlichen "Neuen Deutschland" zu entnehmen' daß sich der 28jährige Schweizer Bankkaufmann Andreas Stalder, der Westberliner
Studiosus Klaus Dieter Minx, Mitglied der schlagenden Verbindung Thuringia, und der Student der Ostberliner Humboldt-Universität Wolfram Wurche -
"Schlägers Paßfälscher und Menschenhändler" - wegen "Abwerbung" vor dem Strafsenat 1 b des Ostberliner Stadtgerichts zu verantworten hatten.
Klagte "Neues Deutschland": "Während die kalten Frontstadtkrieger in Westberlin ihre scheinheiligen Weihnachtslichter über die imperialistische Klagemauer streckten und in heuchlerischen Tiraden über Liebe und Brüderlichkeit predigten", hätten "gedungene Handlanger" im "Auftrage einer Menschenhändler-Zentrale" brave DDRBürger nach Westberlin abgeworben.
Über die Methodik des Mauerhüpfens zeigte sich das Blatt plötzlich erstaunlich gut informiert: "In allen Fällen wurden den Handlangern Schweizer Pässe und andere Gegenstände übergeben, die die abzuwerbenden. Personen beim Grenzübertritt als Schweizer Bürger ausweisen sollten. Einheitlich waren auch die Anweisungen, die in den Pässen enthaltenen Personalien auswendig zu lernen, die Unterschrift zu üben und beim Grenzübertritt langsam und hochdeutsch zu sprechen."
Zwei Tage vor diesem ersten SED offiziösen Bericht über das Schlupfloch im Wall hatten Staatssicherheitsbeamte ihre Maßnahmen getroffen: Am 25. Dezember wurden eine 50jährige Schneiderin aus Potsdam und ein 35jähriger technischer Zeichner aus Leipzig in Westberlin vergebens erwartet, obschon ihre Pässe nach allen Regeln der wohltätigen Fälscherzunft geschont worden waren.
Um die Ursache dieser gefährlichen Betriebspanne aufzudecken, sandten die Reiseagenten eine Testgruppe nach Ostberlin. Ein Schweizer und ein Österreicher wurden beauftragt, ihre Pässe nach Überschreiten der Sektorengrenze in Ostberlin gründlich zu inspizieren.
Nach stundenlanger Suche entdeckten die beiden im Café Budapest an der vormaligen Stalin-Allee in den Pässen endlich zwischen den Zahlen des Ausstellungsdatums einen zarten Bleistiftstrich. Als sie den Ostsektor in Richtung Westberlin verlassen hatten, fanden sie an Stelle der Bleistiftstriche Reste von Radiergummi.
Weitere Testläufer brachten Gewißheit, daß die Volkspolizei mit Hilfe der Bleistiftstriche kontrollieren wollte, ob der durchreisende Ausländer zuvor auch eingereist war.
So gelang es den Managern der illegalen Mauer-Touristik noch einmal, Ulbrichts Abwehrexperten zu überspielen. Ihr Gegenmittel: ebenso zarte Bleistiftstriche, gezogen von Studentenhand in Westberlin.
Am 17. Januar entschloß sich DDR -Innenminister Karl Maron zu einer offiziellen Demarche. In einem offenen Brief an die AStA-Vorsitzenden von Technischer und Freier Universität in Westberlin zählte er etliche Beispiele für den "Mißbrauch" auf, den Westberliner Studenten mit Pässen neutraler Staaten getrieben hätten. Maron in dem teils drohend, teils väterlich-besorgt gehaltenen Schreiben: Es sei "an der Zeit, die Studentenschaft in Westberlin auf das eigentliche Wesen der akademischen Erziehung aufmerksam zu machen".
Und: "Es besteht kein Zweifel, daß die Eltern der Studenten Sie (die AStA-Vorsitzenden) bei einem solchen Vorhaben unterstützen und selbst auf ihre Kinder einwirken werden, um sie von der Teilnahme an verbrecherischen Taten fernzuhalten."
Die Warnung kam freilich reichlich spät. Am 7. Januar, genau zehn Tage ehe die ministerielle Epistel zur Post gegeben wurde, hatten die Genossen des Maronschen Staatssicherheitsdienstes die Exoten-Tour bereits gekillt. Nach Ostberlin einreisende Ausländer werden seit diesem Tage in den Grenzbaracken registriert. Mühelos konnten die Mauerhüter von nun an kontrollieren, ob ein ausreisender Ausländer echt ist oder ob sich ein DDR-Bürger mit geschontem Paß über S-Bahnhof Friedrichstraße oder Checkpoint Charlie in die Freiheit schleichen will.
Das letzte überirdische Schlupfloch in den Westen ist seither verstopft. Die Schlacht unter den brüchigen Fundamenten des kommunistischen Gettowalls hatten die Studenten schon Monate vorher, am "Tag der Aktivisten", gegen Karl Marons Flüchtlingsjäger verloren.
An diesem schwarzen Freitag lauscht der Historiker Müller II, ein Studienreferendar kurz vor dem Assessor-Examen, zweiMeter unter der Sektorengrenze zwischen dem westlichen Bezirk Kreuzberg und dem östlichen Bezirk Stadtmitte angespannt nach Osten hin. Müller II thront auf einem Holzbrett über einer zähen, übelriechenden, ammoniakhaltigen Flüssigkeit, die träge nach Westen quillt.
Der Referendar, einer der Manager des Reisebüros, sitzt in der "Glockengasse Nr. 4711", einem 1,60 Meter hohen, eiförmigen Mischwasser-Kanal der Berliner Stadtentwässerung, und harrt auf eine Gruppe von Flüchtlingen, die vor einer Stunde 600 Meter jenseits der Mauer eingestiegen ist. Die Gruppe hat Order, durch die kniehohen, jauchehaltigen Abwässer der Glockengasse westwärts zu stapfen, bis sie, nahe dem Holzbrett, das unterirdische Empfangskomitee erreicht.
Gegen 23.30 Uhr hört Müller II ein Geräusch und verläßt seinen Beobachtungssitz. Geduckt arbeitet er sich bis zum Gitter vor, das zwölf Meter von der Grenzlinie entfernt auf östlicher Seite den Weg versperrt.
Ehe der unterirdische Reiseagent zwei durchgesägte Rundstäbe aus der Fassung löst, gibt er mit der Taschenlampe Lichtsignal: Viermal kurz, einmal lang. Aus der Jauche im Osten blendet es prompt zurück: Dreimal lang, dreimal kurz.
Die Flüchtlinge, vier Mann und drei junge Mädchen, waten heran, klettern durchs Gitterloch: Walter Ulbricht ist um sieben Untertanen ärmer geworden. Diese sieben sollten die letzten sein, die den Weg durch die Glockengasse nach Westen fanden.
Noch im Kanal, aber froh, endlich in westlichen Abwässern zu planschen, löst sich die Spannung der Gruppe regelwidrig in freudigem Lärm. Wenige Minuten später, der erste Flüchtling reckt seinen Kopf gerade aus dem Aussteigeloch, gibt ein Beobachtungsposten vom nahegelegenen Hochhaus Alarm: An der Mauer postierte Volkspolizei reißt die Schachtabdeckungen auf und wirft Tränengasbomben in den schlagwettergefährdeten Kanal. Die Glockengasse ist entdeckt.
Sagt Hans Hoffmann, Kaufmann aus Sachsen und Kanalexperte des Reisebüros: "Es war immer wieder dasselbe - die Leute dachten: Nach uns die Sintflut."
Diese Erfahrung machte Hans Hoffmann bereits am ersten Tage, an dem er einen Berliner Mischwasserkanal, Baujahr 1890, von innen kennenlernen sollte. Ende August durch ein Telegramm (Code-Text: "Herzlichen Glückwunsch") zu einer ihm bekannten Studentin nach Ostberlin bestellt, wurde er von einem westdeutschen Kontaktläufer einerGruppe zugeteilt, die nachts durch den Gleimkanal waten sollte.
Peinlich genau befolgte Hoffmann die Instruktionen seines Kontaktmanns: Die Studentin am Arm, spazierte er eine halbe Stunde vor Mitternacht unauffällig die Gleimstraße entlang. In einem Hausflur traf er auf die anderen Mitglieder der Gruppe: vier Mädchen zwei Studenten und zwei Ostberliner Helfer, die als Deckelmänner eingeteilt waren. Den Deckelmännern fiel die riskante Aufgabe zu, nach dem Abmarsch der Flüchtlinge das knapp 600 Meter von der Grenze entfernte Einstiegloch wieder mit der zentnerschweren Schachtabdeckung zu verschließen.
Gegen ein Uhr meldete ein Späher: Straße ruhig, alle Lichter aus. Die Deckelmänner gingen voraus, wuchteten die Schachtabdeckung hoch und - kletterten selbst die Steigeisen zum Kanal hinab. Als Hoffmann mit der Gruppe folgte, sah er den letzten Dekkelmann in dem kreisrunden, 65 Zentimeter breiten Schacht langsam verschwinden.
An diesem Abend schloß Hoffmann selbst das Einstiegloch und blieb zurück. Drei Tage später kroch er mit Flüchtlingen durch einen Regenwasserkanal unter der Esplanadestraße im Norden nach Westberlin.
Der Kaufmann aus Sachsen: "Deckelmänner waren immer das Hauptproblem. Manche packte in letzter Minute die Angst, entdeckt zu werden. Sie wollten dann nicht bis zum nächsten Abend warten und brannten gleich mit durch."
Nach geglückter Flucht zum Kanalexperten des Reisebüros avanciert, zog Hoffmann aus den trüben Erfahrungen seines ersten Kanal-Abenteuers die Konsequenz: Ausländische oder westdeutsche Kontaktläufer hatten hinfort den Einstieg der Flüchtlinge im Osten zu überwachen. Sollte ein Deckelmann kopflos werden, standen sie parat, selbst die Schachtabdeckung über das Einstiegloch zu wälzen.
Es waren indes nicht nur furchtsame Deckelmänner, die dramatische Situationen vor dem Einstiegloch heraufbeschworen. Eine Gruppe des Reisebüros, die sich in einer abgelegenen Laubenkolonie zur Flucht durch den Esplanade-Kanal versammelt hatte, begegnete nahe dem Einstiegloch einer Schar junger Männer, die dort mitten In der Nacht ohne erkennbaren Grund herumlungerte und nicht daran dachte, das Feld zu räumen.
Eine halbe Stunde wechselten die beiden Gruppen mißtrauische Blicke, bis ein Kontaktläufer vom Reisebüro das Schweigen brach und direkt fragte, was acht DDR-Twens so früh am Morgen zwischen Gartenlauben zu suchen hätten. Zögernd räumten die Jungen der anderen Gruppe ein, daß auch sie durch den Esplanade-Tunnel nach Westen kriechen wollten.
Durch Mundpropaganda in West- wie Ostberlin wurde der saubere Regenwasser-Kanal unter der Esplanade-Straße schließlich so begehrt, daß sich die verschiedenen Schmuggler-Zentralen im Westen gezwungen sahen, Durchkriech-Quoten auszuhandeln.
Mit der steigenden Flüchtlingsfrequenz (Schleichrekord: 28 DDR-Bürger in einer Nacht) wuchs freilich die Gefahr, daß über den grenznahen Deckeln im Osten patrouillierende Volkspolizisten den unterirdischen Fluchtweg entdecken würden: Nur knapp zwei Wochen blieb das Schlupfloch unter der Esplanade-Straße geheim, dann rissen Volkspolizisten die Deckel auf und setzten verstärkte Kanalgitter ein.
Mit Stadtplan und Kanalisations-Meßblättern machten sich Hoffmann und Müller II auf die Suche nach einem neuen Fluchtweg. In nächtlichen Probemärschen wurde die Begehbarkeit der auf den Karten ausgemachten Kanäle erkundet - zumeist mit negativem Ergebnis.
Um sich bei dieser Kundschaftertätigkeit vor unliebsamen westlichen Spähern zu schützen, schoben die Abwässer-Spezialisten einen VW-Bus über das geöffnete Einstiegloch und täuschten eine Reifenpanne vor.
Nicht immer half diese Tarnung: Kaum hatten die Agenten des Reisebüros den einzigen begehbaren Kanal unter den acht nach Karte ausgewählten theoretischen Fluchtwegen ausgemacht, stoppte eine Funkstreife vor dem Bus, der über dem WestberlinerEinstieg parkte. Die Streifenpolizisten forderten eine plausible Erklärung. Eine Anzeige wegen groben Unfugs beim nächsten Polizeirevier konnten die akademisch gebildeten Kloakenwanderer nur durch zeitraubende Überzeugungsarbeit verhindern.
Mit Stahlsägen und Drahtscheren entfernten Müller und Hoffmann zwei Stäbe an dem auf östlicher Seite gegen Schmuggler eingezogenen Sperrgitter, achteten datei jedoch sorgfältig darauf, daß die Stäbe wieder eingesetzt werden konnten. Sowjetzonalen Kontrollgängern sollte vorgetäuscht werden, die Absperrung unter der Sektorengrenze sei nach wie vor intakt.
Unter dem Pflaster Berlins sägte Unternehmen Reisebüro in der Nacht zum 13. September eines der sichersten Schlupflöcher frei: Durch die Glockengasse stahlen sich 150 DDR-Bürger nach Westberlin, bis Volkspolizisten am 13. Oktober, dem "Tag der Aktivisten" in der DDR, die letzte Flüchtlingsgruppe mit Tränengas aus den Gullys trieben.
Die scharfe Überwachung aller unterirdischen Grenzübergänge machte es fortan unmöglich, das rund 6300 Kilometer lange Berliner Entwässerungssystem weiter als Fluchtweg zu benutzen.
Eine bessere Chance, für längere Zeit unentdeckt zu bleiben, boten jetzt nur noch Tunnelbauten. Wer sich mit solchen Gedanken trug, mußte allerdings nicht nur geeignetes Gelände ausfindig machen, er hatte zudem von vornherein erheblichen Zeitaufwand und - wegen des sandigen Berliner Bodens - die Möglichkeit von Fehlschlägen einzukalkulieren.
Vier Tunnelbauten sind bislang bekanntgeworden. Aber außer dem Friedhofs-Stollen am S-Bahnhof Schönholz erwies sich nur noch jener Fluchtschacht als brauchbar, den der 27jährige Kraftfahrer Erwin Becker gemeinsam mit Verwandten und Bekannten vom Keller seines Hauses im Berliner Stadtteil Frohnau gegraben hatte.
Vierzehn Tage lang hatten die Bekkers anderthalb Meter unter der Oranienburger Chaussee einen 27 Meter langen, 60 Zentimeter breiten und 110 Zentimeter hohen Gang durch den märkischen Sand gebuddelt (siehe Photo Seite 40).
Den Beckers kam zugute, daß die Chaussee, die sie untertunneln mußten, zum Grenzsperrgebiet zählt und daher kaum befahren wurde.
Das ausgeräumte Erdreich verteilten sie im Keller ihres Hauses. Den Stollen stützten sie mit Brettern und selbst zurechtgesägten Holzstempeln gegen die nachrutschenden Sandmassen ab.
Ende Januar war der Tunnel fertig: Erwin Becker, Frau Gerda, Bruder Bruno Becker und mit ihnen weitere 25 DDR-Bürger - darunter ein Kind von acht und eine Frau von 71 Jahren - robbten durch die Röhre nach Frohnau.
Im Gegensatz zum Pankower Friedhofs-Tunnel konnte Beckers Stollen allerdings nur ein einziges Mal benutzt werden: Drei Stunden nachdem die Gruppe Westberliner Gebiet erreicht hatte, riegelte Volkspolizei die Einstiegsstelle ab.
Bessere Aussichten auf längere Benutzbarkeit schien ein Projekt zu bieten, das Studenten der Technischen Universität ebenfalls im Januar in Angriff nahmen: Die Gruppe, hatte sich einen Platz ausgesucht, der von Ost wie Westberlin aus gleichermaßen unauffällig angelaufen werden konnte. Der Stollen sollte von der Nordbahnstraße im Westberliner Bezirk Wedding unter dem S-Bahnhof Wollank-Straße hindurch zur Schulzestraße im Ostberliner Bezirk Pankow vorgetrieben werden.
Der westliche Einstieg lag, gut getarnt, in einem der nur vom Westen her zugänglichen leerstehenden Gewölbebögen des schon zu Ostberlin gehörenden S-Bahnhofs, die vor der Spaltung der Stadt als Gemüseläden und Lagerschuppen gedient hatten.
Durch eine Bretterwand gegen Einsicht auch vom Westen her gesichert, konnten die Tunnelbauer etwa drei Wochen lang ungestört arbeiten. Sie verfügten über genügend Werkzeug und sogar über Schubkarren, mit denen sie den ausgeschaufelten Sand in den Bahnhofsgewölben verteilten.
Die Tunnelbauer, die sich Jupp, Sepp, Peter und Jo nannten, stemmten zunächst den Zementfußboden in mehreren Gewölbebögen durch, bis sie schließlich eine Stelle fanden, von der aus sie einen drei Meter tiefen Einstiegschacht graben konnten. Von der Sohle dieses Schachts aus trieben sie den Tunnel unter dem Bahnkörper vor.
Ihr Ziel, die Ostberliner Schulzestraße, erreichten sie nie: Nach rund dreiwöchiger Arbeitszeit stürzte der Tunnel fünf Meter hinter der Einstiegstelle ein. Die zur Absicherung eingebauten Bretterwände und Holzstempel waren zu schwach (siehe Zeichnung Seite 48).
Vor lauter Freude über den für ihr Vorhaben augenscheinlich so vorzüglich geeigneten Bauplatz und in Ermangelung einfachster Tiefbau-Kenntnisse
hatten die Stollenbauer übersehen, daß ein nur mit Holzstützen gesicherter Tunnel in lockerem Sand den ständigen Erschütterungen durch den Zugverkehr schwerlich standhalten konnte.
Als Folge des Erdeinbruchs sackte der Bahnsteig des S -Bahnhofs Wollank -Straße an einer Stelle über einen Meter tief ein. Erst zu diesem Zeitpunkt bemerkten die östlichen Grenz-Wächter, was sich unter ihren Gleisen abspielte. Ratlos beäugten die Reichsbahner das Loch auf dem Bahnsteig: Die Schäden des soliden S-Bahn - Fundaments blieben ihnen unerklärlich, bis ein wohlmeinender Fahrgast dem Bahnhofsvorsteher empfahl, doch einmal die Gewölbe zu besichtigen.
Ein eilends in die Westberliner Nordbahnstraße entsandter, aus linientreuen Reichsbahner-Genossen rekrutierter Spähtrupp spürte schließlich im zwölften der 14 Gewölbebögen den Eingang zum Tunnel der Studiosi Jupp, Sepp, Peter und Joe auf. Da den Untersuchungsexperten des Staatssicherheitsdienstes der Zugang zum Tatort über Westberliner Territorium versperrt war, mußte ein Zug Vopo-Pioniere die Bahnhofsmauer von Osten her aufstemmen.
Als die Ledermantel-Brigade des SSD schließlich vor dem Stolleneingang stand, war von den Tunnelgräbern nichts mehr zu sehen. Lediglich Werkzeug, Taschenlampe, leere Konservendosen und einige Zettel mit Skatnotizen waren zurückgeblieben. Den Rest hatten die tags darauf vom "Neuen Deutschland" als "Willy Brandts Wühlratten" apostrophierten Röhrenbohrer in aller Ruhe auf einen Lieferwagen verladen und mit unbekanntem Ziel, mit Sicherheit aber in westlicher Richtung, abtransportiert.
Obschon die SED-Propaganda von einem "verbrecherischen Anschlag der Frontstadtclique" sprach, die hier von Spezialisten einen Tunnel für "Agenten und Diversanten" habe schaufeln lassen, gestanden die SSD-Experten nach einer genaueren Inspektion des Untertagebaus freimütig ein, es habe sich bei den Diversions-Maulwürfen ganz offenkundig um eine Schar von Dilettanten gehandelt. Die Stollengräber - so einer der Ledermäntel zu Journalisten - hätten jedenfalls vom Skatspiel mehr verstanden als vom Tiefbau.
Diese Qualifizierung macht zugleich deutlich, weshalb Ulbrichts Mauerhüter sich hinsichtlich ehemaliger oder künftiger Tunnelgräber keine allzu großen Sorgen zu machen brauchen: Alle bisher bekanntgewordenen Fluchtstollen hatten-einen Nutzeffekt, der, verglichen mit den Erfolgsquoten des Reisebüros, zur aufgewendeten Mühe und Arbeitszeit in keinem rechten Verhältnis stand. Zudem erwies sich, daß Tunnelbauten nicht nur teuer, sondern auch kurzlebig sind:
- Der Friedhofstunnel Bauzeit 14 Tage)
blieb knapp zwei Wochen unentdeckt;
- vor dem Eingang der Becker-Röhre
von Glienicke nach Frohnau (Bauzeit gleichfalls 14 Tage) bezog Volkspolizei Posten, kaum daß der letzte Mann der ersten Flüchtlingsgruppe glücklich auf westlichem Terrain angekommen war;
- in den Tunnel unter dem S-Bahnhof
Wollank-Straße (Bauzeit etwa drei Wochen) wurden rund viertausend Mark investiert. Er brach zusammen, noch ehe er von einem einzigen Flüchtling begangen werden konnte.
Bilanz: Durch drei Tunnel, die einen Arbeitsaufwand von insgesamt sieben Wochen erforderten, entkrochen der DDR nicht mehr als 48 Menschen. Unternehmen Reisebüro, das sich auf Ausweis- und Kanalschmuggel konzentrierte, verhalf immerhin 600 Menschen zur Flucht nach Westberlin.
Angesichts dieser Rentabilitätsberechnung schien es einigen der westlichen Fluchthelfer unsinnig, Zeit auf derlei aufwendige und unsichere Projekte zu verschwenden. Sie waren bereit, eher ein höheres Risiko zu laufen als unnütze Mühe in unterirdische Bauwerke von zweifelhaftem Wert zu investieren.
Auch der 20jährige Student der Technischen Universität Dieter Wohlfahrt, ein Wahlberliner österreichischer Nationalität, sann auf neue Mittel und Wege, DDR-Bewohner über Mauer und Stacheldraht zu helfen.
Wohlfahrt hatte sich zunächst bei, seinen verhältnismäßig bequemen Grenzgängen des Wegs durch die Kanalisation bedient und als beherzter Deckelmann etlicher Schmugglergruppen, vornehmlich aber des Reisebüros, hervorgetan. Als der Marsch durch die Kloaken an der verschärften Kontrolle der Volkspolizei gescheitert war, suchte der tatendurstige Student neue Aufgaben an der Mauerfront.
Der Menschenschmuggel mit geliehenen oder gefälschten Pässen - wie ihn das "Unternehmen Reisebüro" betrieben hatte - forderte von dem Draufgänger zuviel Geduld, der Bau von Erdtunneln dünkte ihn sinnlos. Dieter Wohlfahrt wollte selbst agieren und plante einen Grenzdurchbruch im Stil eines Kommando-Unternehmens: Die Mutter eines der Mädchen, das von der Wohlfahrt -Gruppe schon zuvor nach Westberlin geholt worden war, sollte unter den Augen der Vopos durch den Stacheldraht bugsiert werden.
An einem Samstagabend im Dezember schlich Wohlfahrt nach 19 Uhr im Westen Berlins gegen den vierfach gestaffelten Stacheldrahtzaun an, der an der Bergstraße den in der DDR gelegenen Teil vom Westberliner Teil des Vororts Staaken trennt. Nachdem er den fünf Meter breiten Streifen DDR-Gebiet zwischen Zonengrenze und Drahtverhau überquert Latte, durchschnitt er die beiden ersten Sperren.
In diesem Augenblick eröffneten zwei DDR-Grenzer das Feuer. Dieter Wohlfahrt lief direkt in die Geschoßgarben. Vor dem Drahtverhau, noch auf DDRGebiet, blieb er liegen.
Die Besatzung eines Westberliner Polizei-Streifenwagens, die wenig später an der Bergstraße eintraf, wagte sich nicht zu dem Angeschossenen vor. Von den Westberlinern zuständigkeitshalber herbeigerufene britische Militärpolizei erschien zwar kurz darauf am Tatort, blieb aber ebenfalls untätig.
Anderthalb Stunden lang strahlten die Briten den leblosen Körper mit Scheinwerfern an. Schließlich krochen zwei Vopos durch den Zaun und zerrten den Studenten hinter den Drahtverhau. Wohlfahrt war tot.
Er war Opfer der bitteren Erkenntnis geworden, daß nach Abdichtung aller übrigen Fluchtlöcher nur noch der gewaltsame Durchbruch durch Mauer oder Stacheldraht bleibt. Er zahlte den Preis, mit dem jeder rechnen muß, der sich dieser Methode künftig bedienen will: Wen die MP-Garbe im Stacheldrahtnetz erfaßt, dem kann vom Westen aus nicht mehr geholfen werden. Er verblutet, wie Dieter Wohlfahrt, als Illegaler in der Toten Zone zwischen Ost und West.
Fluchtstollen unter der Oranienburger Chaussee: Berlin bei Nacht
Mauer an der Kommandantenstraße: Berlin bei Tag
Stollen-Ausstieg im Schuppen am S-Bahnhof Schönholz: Flucht mit Zylinder ...
... und in falscher Uniform: Flüchtling Berger (r.)
Geflüchteter Photoreporter Beyer
Sprung über die Grenze ...
... beim Posieren an der Mauer: Letztes Beyer-Bild
Ostberliner Passierschein: Mit gefälschten Papieren ...
... legal durch die Mauer: Sektoren-Übergang Heine-Straße
Tunnel Wollank-Straße, Reichsbahner: 4000 Mark investiert
Flucht durch Stacheldraht im Berliner Norden: Ohne Helfer keine Chance
Ostberliner Kanaleinstieg, Bewacher: Die Deckelmänner ... ... verloren die Nerven: Westberliner Kanalausstieg Gleimstraße

DER SPIEGEL 13/1962
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