06.06.1962

HERMANN KRAGES

Der Bremer Industriekaufmann hat durch Börsen-Transaktionen Gewinne im Werte von mehreren Hundert Millionen Mark gemacht und gilt als der erfolgreichste Aktienspekulant seit Kriegsende (SPIEGEL 6/1956). Krages legte einen Teil seiner Erträge aus dem Holzgeschäft zu niedrigsten Kursen bereits während einer Zeit in Aktien an, als niemand der zerbombten und durch die Entflechtungsmaßnahmen der Alliierten behinderten deutschen Industrie große Chancen gab.

Allein für Papiere der ehemaligen Vereinigte Stahlwerke AG im Nennwert von tausend Reichsmark wurden später Aktien der Nachfolge-Gesellschaften mit mehr als dem dreifachen Nennwert in neuer Mark ausgeteilt, deren Kurse wiederum im Laufe des wirtschaftlichen Aufstiegs stark anzogen. Durch Tauschoperationen und sogenannte Paketzuschläge realisierte Krages zusätzliche Gewinne und sicherte sich Beteiligungen an vielen maßgebenden Aktiengesellschaften der Bundesrepublik. Gleichzeitig erweiterte er den einzigen ihm im Westen verbliebenen Holzbearbeitungsbetrieb zu einem führenden internationalen Holz- und Kunststoffkonzern, dem auch eine eigene Flotte gehört.

Während der Baisse an den westdeutschen Börsen, die in der vergangenen Woche durch den Kurseinbruch in Wall Street zeitweilig eine panikartige Verkaufswelle brachte, wurde mehrfach an der Börse kolportiert, der Bremer Großaktionär trage durch massierte Verkäufe aus seinem Wertpapierdepot zum Absinken der Kurse bei. Krages hingegen bestreitet, in der letzten Zeit deutsche Aktien abgestoßen zu haben. Er führt die hektische Kursentwicklung auf die Unerfahrenheit vieler Börsenneulinge zurück, die sich durch einzelne ungünstige Nachrichten aus Politik und Wirtschaft nervös machen ließen. Seine eigenen, auf zeitweilig bis zu hundert Millionen Mark veranschlagten Kurseinbußen kommentiert Krages: "Das sind nur Verluste auf dem Papier."


DER SPIEGEL 23/1962
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