26.09.1962

GUNTER SACHSDie beste Partie

Soraya, das Traumschiff der deutschen Seele, bleibt weiter unbemannt, weil es der Schah-in-Schah so wünscht. Das Märchen von Tausend und einem Sachs erfüllte sich nicht.
Die Gelegenheit, eine deutsch-persische Hochzeit des Jahres zu kreieren, hatte sich für die Unterhaltungs-Presse angeboten, als der Pariser Schallplatten -Konzern-Herr Eddie Barclay in Cannes Anfang August die Vertreter des internationalen High-Life zum Ball lud.
Zu Barclays Tanzabend "Die längste Nacht der Côte d'Azur" hatte Deutschlands angeblich prominentester Playboy, Fritz-Gunter ("Sexy") Sachs, 29, als Tischdame die Prinzessin Soraya ("Siebengestirn") Esfandiary Bachtiary, 30, mitgebracht.
Gunter Sachs kannte die Dame vom Pfauenthron seit drei Jahren, ohne daß er je den Wunsch verspürt hatte, auch nur einen Espresso mit ihr zu trinken. Zu Barclays Fete, dem Höhepunkt der Saison, war ihm nur eine Exkaiserin gut genug.
Ergebnis: Schlagzeilen-Idol Soraya und Europatrotter "Sexy" Sachs wurden für die Bildreporter zur Prominenz des Abends, und der deutsche Multimillionär avancierte vom Playboy zum "Play-Gentleman", so die französische Illustrierte "Jours de France".
Die Cheek-to -Cheek-Photos der langen Nacht gingen um die ganze Welt, und als Gunter Sachs sechs Abende später in München-Riem aus einer Metropolitan der
Swissair kletterte, wurde er von Fernseh-Scheinwerfern geblendet: Begierig auf ein neues Hofmärchen, bedrängte ihn ein Schock von Reportern mit Intimfragen.
Überrumpelt suchte der Kavalier aus Schweinfurt nach einer Antwort, die vieldeutig genug war, um seinen kaiserlichen Flirt nicht zu brüskieren und andererseits die Nacht unter Palmen gleichwohl in romantischem Schimmer erscheinen zu lassen: "Wir sind weder verlobt noch verheiratet." Und: "Natürlich haben wir über Heirat gesprochen."
Gunters Besuche in Sorayas Junggesellinnen-Etablissement (München -Bogenhausen, Opitzstraße 6) wurden auf Rollfilm gebannt, und mit der Zahl der Aufenthalte - sechs in einer Woche
- wuchs die ultimative Forderung der
Boulevardpresse nach baldiger Eheschließung.
Sorayas Mutter, Fürstin Eva ("Evchen"), geborene Karl aus Moskau, verband, von Presseanrufen erschöpft, ebenso souverän wie voreilig die Liebes- und Lebenswege von Soraya und Gunter. Ihre Hoheit am Telephon: "Ja, die Kinder tragen sich mit Heiratsgedanken."
Sechs Tage schwiegen die Kinder. Dann meldete sich in Düsseldorf Sorayas Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Erich Lichtenstein zu Wort: "Ihre Hoheit, Prinzessin Soraya Esfandiary Bachtiary, erklärt, daß sie und Herr Gunter Sachs eine Eheschließung nicht beabsichtigen."
Das Pariser Massenblatt "France Dimanche" berichtete daraufhin, Sorayas Vater, Fürst Esfandiary, habe von
Gunter Sachs für Sorayas Hand die Summe von 8,5 Millionen Mark als "Mitgift" gefordert. Dabei war Gunter Sachs bis zum Zeitpunkt des Sensationsberichts dem Fürsten Esfandiary noch nie begegnet und hatte auch nicht mit ihm verhandelt.
Die Erschütterung, die "France Dimanche" auslöste, veranlaßte nun auch Gunter Sachs zu einem Kommuniqué.
Er erklärte der amerikanischen Nachrichtenagentur United Press International, er müsse "mit allem Nachdruck jene Gerüchte als unwahr bezeichnen, wonach finanzielle Forderungen der Eltern (Sorayas) irgendeine Rolle spielten. Ich habe niemals mit den Eltern der Prinzessin über Geldangelegenheiten gesprochen, noch haben sie im besonderen Forderungen an mich gestellt".
In Wirklichkeit ist die Altersversorgung der früheren Schah-Frau ein wichtiger Gesichtspunkt: Bei einer Wiederverheiratung würde Soraya die Apanage des persischen Kaiserhauses verlieren, die laut "France Dimanche" 150 000 Mark im Jahr und anderen Blättern zufolge sogar jährlich 400 000 Mark beträgt.
Auch der Presse-Attaché der Persischen Botschaft wandte sich mit einem Dementi an die Öffentlichkeit und behauptete, der Schah habe "in keinem Falle gegen eine mögliche Verbindung der Prinzessin mit irgendeinem Mann einen Einspruch eingelegt".
Trotz aller Dementis steht fest, daß der persische Hof auf die Riviera-Berichte sofort reagierte. So dezent der Hinweis aus Teheran war, er genügte, um Sorayas Vater zu einem entschiedenen "Nein" zu veranlassen: Fürst Esfandiary, der seine diplomatische Karriere 1961 vorzeitig abgebrochen hat, ist am Pfauenthron aus politischen Gründen in Ungnade gefallen.
Der eigentliche Grund dafür, daß Soraya und Gunter nicht heiraten werden, liegt in orientalischen Vorstellungen von der besonderen Würde, die eine Frau kraft Eheschließung mit dem Kaiser erlangt und sogar nach einer Verstoßung zeitlebens beibehält.
Als vom Schah approbierter Ehekandidat käme für Soraya nur eine von den Zeitungen unbescholtene Nobilität in Frage.
"Sexy" Sachs ist nach persischen Hof-Vorstellungen als Soraya-Gemahl untauglich, obwohl er in Wahrheit ein relativ unbescholtener Playboy ist. Er hat mutmaßlich weniger Abenteuer hinter sich als die meisten seiner Altersgenossen.
Auf allen Gebieten, auf denen sich Sachs als Sammler betätigt, zeigt er freilich einen Hang zum Ausgefallenen. Der 1,81 Meter lange Fabrikantensohn aus Schweinfurt fordert von der Dame, die er jeweils zwölf Monate lang von Sommer bis Sommer ausführt, zweierlei: Sie muß "glamorous" sein, also von jener Attraktivität, die andere Männer irritiert, und außerdem "Pep" haben. So begleiteten ihn
- 1959: die Russin Mara Lane, in sechs Sprachen bewanderte Filmdame ("Peter Voß, der Millionendieb"), mit englischem Paß;
- 1960: die Rheinländerin Anka Hahn,
technische Zeichnerin für Türrahmen und umschwärmter Paradiesvogel im München-Schwabinger Nachtlokal "Käfig", heute eines der bestbezahlten Mannequins der Welt;
- 1961: die Schweizerin Marina Doria,
mehrfache Weltmeisterin im Wasserski;
- 1962: die Halbrussin Paule Rizzo,
Chanel-Starmannequin und Kunstmalerin.
Durch diese Damen wurde Gunter Sachs auf dem Umwege über die Klatschspalten der Boulevardpresse bekannt. Schließlich machte sogar der seriöse Pariser "Figaro" die Konjunktur mit und bezeichnete Gunter Sachs in einer kurzen Meldung übertrieben "als die beste Partie Deutschlands".
In der Tat: Neben der qualitativ bemerkenswerten Selektivsammlung gut
gewachsener Mädchen zwischen 23 und 25 zeichnete sich Gunter Sachs schon allein dadurch aus, daß er Sohn seines Vaters ist.
Seit Konsul und Großwildjäger Willy Sachs, der für die Jagd oberbayrische Bergwälder nicht pachtete, sondern gleich landstrichweise aufkaufte, sich 1958 in seinem Jagdhaus Rechenau das Leben nahm, ist Gunter, zusammen mit dem erstgeborenen Bruder Ernst-Wilhelm, Universalerbe eines beträchtlichen Industrievermögens:
Die Fichtel & Sachs-Aktiengesellschaft in Schweinfurt (Motoren, Freilaufnaben, Kupplungen, Stoßdämpfer) ist mit 8500 Arbeitern und Angestellten die größte Zweitaktmotorenfabrik der Welt.
Gleichwohl hat Sachs keine Luxusjacht wie Helmut Horten, keine Riviera -Villa wie Curd Jürgens und kein Flugzeug wie Heinz Rühmann.
Millionär Gunter Sachs pflegt andere Hobbys. Er kaufte sich in Lausanne, Port de Pully 10, für 80 000 Schweizer Franken ein Vierzimmer-Häuschen, in Münchens City eine Zweizimmerwohnung und in der teuersten Straße von Paris, in der Avenue Foch 32, ein 400 -Quadratmeter-Appartement für eine halbe Million Mark.
Zu jedem Domizil gehört ein anderes Kraftfahrzeug. Pendler Sachs benutzt in
- Lausanne einen stahlblauen Mercedes 300 SL, Baujahr 1959,
- in München einen silbergrauen
Chevrolet, Baujahr 1961, mit Plattenspieler und in
- Paris einen silbergrauen Rolls-Royce
des Typs Silver Cloud II, das heißt: Sonderanfertigung nach eigenen Wünschen.
Im Hafen von Saint Tropez liegt sein acht Meter langes Motorboot "Dracula", dessen zwei Motoren je 175 PS entwickeln.
Gunters teuerste Leidenschaft ist den Boulevardblättern trotz jahrelanger Recherchen verborgen geblieben, weil ein elsässisch-grober Concierge sie bewacht: seine feudale Junggesellenbehausung in der Avenue Foch.
Im Stockwerk unter ihm wohnt der griechische Botschafter, und über ihm Grace Kelly, Fürstin von Monako. Dazwischen hat der Schweinfurter Playboy das bürgerlichste Hobby, das traute Heim, bis zur Perfektion betrieben.
Während Ex-Filmdiva Grace Kelly in ihrem 400-Quadratmeter-Appartement so viele Zwischenwände einziehen ließ, daß ein Labyrinth von 15 ineinandergeschachtelten Zimmerchen entstand, begnügt sich Sachs mit acht Räumen und drei Badezimmern, darunter ein eigenes für Sekretär und Studienfreund Samir aus Beirut.
Zweieinhalb Jahre lang beschäftigte Sachs die teuersten Handwerksmeister von Paris. Er ließ das Eßzimmer holzvertäfeln, die Bibliothek mahagoniverkleiden und den Salon dreimal anders stuckbewerfen.
Selbst aus dem winzigsten Raum des Appartements; einem WC, machte er eine Apotheose abendländischer Innenarchitektur. Mit Hilfe des Pariser Malers Hill, eines Experten in der Kunst des "trompe-l'oeil", und mit Hilfe eines Spiegels wird - dank sogenannten unendlichen Perspektiven - der Eindruck erweckt, als sitze der Benutzer des zwei Quadratmeter großen Raumes im Innenhof eines riesigen florentinischen Patrizier-Palazzo.
Überall dort, wo er selbst entwerfen und basteln konnte, verzichtete Gunter Sachs auf die Assistenz von Profis. Er verwandte Wochen darauf, für jedes Zimmer andere Deckenabschlüsse ("Corniches") in griechischer Ornamentik zu zeichnen. In diese fortlaufenden Wandleisten unter der Zimmerdecke versteckte er Lichtquellen (sogenannte Spotstrahler), die in dem mit burgunderrotem Seidensamt ausgeschlagenen Living-room erlesene Werke moderner Maler so beleuchten, als strahlten die Bilder selbst je 30 Watt aus.
Diese Gemälde dienen nicht bloß als - die einzigen - sichtbaren Beleuchtungskörper der schummrig-schönen Wohnhalle. Sie weisen Sachs, der in Lausanne zuweilen sogar im Ostflügel der Universität in kunstgeschichtlichen Vorlesungen saß, als Kenner von Modernen wie Picasso, Fautrier, Dall, Leger, Mathieu, Victor Brauner, Utrillo und Dufy aus. Der Play-Gentleman ist einer
der wenigen westdeutschen Millionärssöhne, die von ihren Bildern mehr wissen als den Preis.
Der Sammler Sachs, der in seiner Lausanner Wohnung Pistolen und Uhren hortet, stapelt in Paris außerdem signierte Erstausgaben französischer Klassiker im Umfang einer Kleinstadtbibliothek. Seine Kollektion von Zinnsoldaten in Divisionsstärke ist dagegen dilettantisch.
Die berühmten "Rehe von Pompeji" im Museo Nazionale von Neapel gefielen dem jungen Millionär beim vorletzten Napoli-Trip so gut, daß er sie für sich
nachgießen ließ. Sie äsen an seinem Pariser Wohnzimmer-Kamin, auf dem eine Standuhr, eine Empire-Pendulette aus der Sammlung von Versailles, steht.
Pariser Luxuströdler schätzen diesen Schäferstundenzähler auf dreißigtausend Mark und Gunters Schreibtisch, ein "Bureau-Plat", frühes Louis Quinze, signiert "I. Dubois", aus dem Familienbesitz des Grafen Rochefort, auf hunderttausend Mark.
So teuer die Junggesellenbude auch war, eine bessere Kapitalanlage als die Schätze, die er über 400 Quadratmeter verteilt hat, konnte der junge Mann kaum finden: Sein Meublement steigt von Jahr zu Jahr im Wert, es sei denn, daß sich die OAS, die das letzte Mal das Nachbarhaus Nummer 34 anbombte, in der Tür irrt.
Sachsens Aufwand hat zu vielen Legenden Anlaß gegeben: Der Millionärssohn finanziere sein Schlagzeilen -Leben, indem er vom Kapital der väterlichen Aktiengesellschaft zehre und die Substanz der Erbmasse anknabbere. Die Gerüchte, die unter der Hand weitergereicht wurden, bekamen fälschlicherweise Nahrung, als die Schweinfurter Firma, die ohne Fremdgelder arbeitete, 1961 für ein außerordentlich großzügiges Investitionsprogramm erstmals einen Millionenkredit aufnahm.
In Wirklichkeit steht Playboy Gunter auf einem der Fichtel & Sachs-Branche fremden Gebiet, noch dazu im Ausland, längst auf eigenen Beinen.
Seit 1959 betreibt er in der Schweiz eine Aktiengesellschaft, die vorfabrizierte Bauteile für Wohn- und Bürohäuser herstellt und der als Geschäftsführer ein Studienfreund Gunters vorsteht. Zwei Tochtergesellschaften und etliche Immobilienfirmen florieren - steuerbegünstigt - inzwischen so gut, daß Sachs selbständig etwa genausoviel verdient, wie das ererbte Vermögen abwirft.
Die Bezüge, aus beiden Einkommensquellen addiert, ergeben, daß Sachs pro Jahr über 600 000 Mark zur Verfügung stehen. Allein die traditionsgemäß vierprozentige Fichtel & Sachs-Dividende bringt jedem der beiden Söhne, den einzigen Aktionären des Familienunternehmens, 300 000 Mark; hinzu kommen Gewinne aus den anderen Gesellschaften der Fichtel & Sachs-Gruppe*.
Die Beziehungen des Lebeherrn zur Familienfirma sind heute praktisch auf die Rolle des Coupon-Schneiders und Erben beschränkt. Nach dem Selbstmord des Vaters, dessen Testament durch ein Kuratorium vollstreckt wird, rutschte Gunter zwar in den Aufsichtsrat, während der ältere Bruder, Ernst-Wilhelm, programmgemäß in den Vorstand aufrückte.
Im Frühjahr 1961, als seine Auslandsfirmen erstmals Rentabilität verhießen, verzichtete der Zweitsohn eilig auf den grünen Ledersessel im Aufsichtsrat und setzte als seinen Platzhalter den renommierten Anwalt beim Bundesgerichtshof Professor Philipp Möhring ein.
Sachs wollte mehr Bewegungsfreiheit und kam mit dieser Absicht den kaum verhohlenen Wünschen der Fichtel & Sachs-Spitze entgegen: Der sittenstrenge katholische Aufsichtsratsvorsitzende, der Frühsechziger Roderich Mayr, ehemals Anwalt des bayrischen Königshauses Wittelsbach, hatte die Ferienerlebnisse des jungen Sachs in den Boulevardzeitungen schon lange mit Unwillen verfolgt und daraus auch kein Hehl gemacht.
Deutlicher als Roderich Mayr machte ein anderer Frühsechziger dem Riviera -Gast Sachs in aller Öffentlichkeit Vorwürfe: Onkel Fritz von Opel, Enkel des Opel-Gründers Adam und Bruder der Sachs-Mutter Elinor, mokierte sich in Leserbriefen an deutsche, englische,
französische und amerikanische Blätter über den Playboy aus Schweinfurt.
Onkel Fritz, der abwechselnd in seinen beiden Villen in Saint Tropez und Sankt Moritz lebt, entrüstete sich so lange über die Erfolge des Neffen bei prominenten Damen, bis die Mailänder Illustrierte "L'Europeo" ein Bild aus den dreißiger Jahren ausgrub, das den jungen Fritz auf seinem Motorboot zusammen mit Tobis-Star Jenny Jugo zeigte.
Während ein anderer Onkel, der Privatzoo-Besitzer Georg von Opel (Volkskraftstoff), Verständnis für die Eskapaden des jugendlichen Neffen zeigte, leugnete Onkel Fritz in jedem giftigen Eingesandt die Blutsverwandtschaft. Der Playboy - so Fritz von Opel in einem Brief an die "Bunte Illustrierte" - habe auch keinerlei Recht den Namen Sachs von Opel zu führen. "Wegen Mißbrauch unseres Namens" habe die Familie Opel in Lausanne bereits Klage eingereicht.
Neffe Gunter - in ausländischen Zeitungen weiterhin als Sachs von Opel
tituliert - tat sich schon in der Schulzeit als guter Rechner hervor. Obwohl das Gegenteil von einem Musterschüler, bestand er in Lausanne die Abschlußprüfung in "Mathématique spéciale" mit "Sehr gut".
Daß er in der Schule keinmal hängenblieb, lag neben mathematischer Begabung vor allem an sportlichen Leistungen: In der Lausanner Wohnung stehen heute an der Kaminwand des auf Nachruhm bedachten "Sexy" Sachs drei Dutzend Silberpokale aus der Schul- und Universitätszeit, wo er zum Torwart und Captain der Fußballmannschaft avancierte.
Seinen ausweislich von Badehosen -Photos der Illustrierten durchtrainierten Körper verdankt Zweitakt-Casanova Sachs intensivem Bodybuilding wie Tennis, Skeleton, Schwimmen, Ski- und Motorradfahren. Am beachtlichsten: sein Bahnrekord auf der Olympia-Bobschneise von Sankt Moritz und seine 1960er Europa-Meisterschaft der Junioren (bis 30) im Zweierbob in Sankt Moritz.
Daß er auch im Après-Ski europäischen High-Society-Ruhm erlangte, verdankte er einem Umstand, der das Leben der beiden Sachs-Söhne entscheidend bestimmt hat: Bereits 1935 trennten sich die Eltern; der erstgeborene Ernst-Wilhelm verblieb dem Vater, Gunter der Mutter. Die Opel-Miterbin Elinor Sachs, die alsbald wieder ihren Mädchennamen von Opel annahm, zog mit dem Jüngsten in die Schweiz und steckte ihn in Internate, wo er mit Prominenten-Söhnen die Schulbank drückte.
Diese internationalen Beziehungen baute Gunter genüßlich aus, und einige Jahre später feierte er mit der Tochter "Anschi" des Münchner Multimillionärs Münemann in der antik eingerichteten Mode-Bar "Chesa viglia" in Sankt Moritz Fasching, züchtete mit Brigitte Bardot, als sie in der Schweiz "Vie privée" drehte, in seinem Garten in Lausanne Rosen und lief mit Tina Onassis Ski, bis sie das rechte Schienbein brach.
Auf einer Schweizer Schule lernte er auch Annemarie Faure kennen - Tochter eines Algier-Franzosen und einer Argentinierin -, die er 1955 heiratete. Mit
26 starb seine Frau auf dem Operationstisch Schweizer Spezialisten - im selben Jahr, in dem auch Vater Sachs aus dem Leben schied.
Der heute sechsjährige Sohn aus der Ehe mit Annemarie Faure, Rolf-Wolfgang, lebt bei seiner Großmutter in der Nähe von Frankfurt.
Die neue Mutter, die ihm die Boulevardpresse bescheren wollte ("Ici Paris": "Sohn Rolf endlich wieder eine Mutter
- Soraya endlich einen Sohn?"), Prinzessin Soraya Esfandiary Bachtiary, würde ihren Gunter heute nur schwer wiedererkennen.
Auf der Flucht vor neugierigen Zeitungsleuten trägt Sachs seit einigen Wochen einen Seemannsbart.
* Zur Fichtel & Sachs (F & S)-Gruppe gehören: in Schweinfurt die F & S-Verkaufs-KG und die Deutsche Star Kugelhalter GmbH, in Sao Paolo die brasilianische Tochter -Aktiengesellschaft Amortex SA und in München - als Holding-Gesellschaft des Gesamtkonzerns - die Sachs GmbH.
Playboy Sachs, Begleiterin Soraya: Drei Jahre kein Espresso
Motorradfahrer Sachs, Aufgesessene: Jedes Jahr eine Dame mit "Pep"
Vater Sachs
Vor dem Zweitakter ...
... rangiert der Zweierbob: Fichtel & Sachs-Werke in Schweinfurt

DER SPIEGEL 39/1962
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