05.06.1963

CLEOPATRAZehn Cents für Liz

Aus Liebe zu ihr", schrieb das Amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" über die ägyptische Königin Cleopatra, Titelheldin des teuersten Lichtspiels aller Zeiten, "gab Cäsar sein Herz, Antonius sein Leben und die Twentieth-Century-Fox ein ganzes Gesellschaftsvermögen."
Am Dienstag vorletzter Woche konnte Centfox-Präsident Darryl F. Zanuck den Aktionären, die sich in der New Yorker "Stadthalle" versammelt hatten, eine freudige Mitteilung machen: Die
Hollywood-Gesellschaft, die im vergangenen. Jahr an galoppierender Auszehrung litt, weil ihr "Cleopatra"-Film statt der ursprünglich: vorgesehenen sieben Millionen Dollar schließlich 40 Millionen verschlang, sei auf dem Wege zur Genesung.
Im ersten Quartal des Jahres 1963 habe die Centfox, berichtete Zanuck, über zwei Millionen Dollar Gewinn-gemacht. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres erlitt die Firma mehr als eine halbe Million Verluste.
Doch noch immer schwebte der Schatten Cleopatras über der Versammlung. Die Firma muß mit ihrem Liz-Taylor -Werk, das am Mittwoch nächster Woche Premiere hat, einen neuen Rekord der Kinogeschichte erzielen, will sie ohne Verlust davonkommen: 62 Millionen Dollar (248 Millionen Mark), so verkündete Zanuck, muß der Film einspielen, um die aufgewendeten Kosten zu decken.
Nur ein einziges Mal hat bisher ein Film ein Einspielergebnis von rund 60 Millionen Dollar erzielt, wie es jetzt von "Cleopatra" erwartet wird: das 1939 von MGM gedrehte amerikanische Nationalepos "Vom Winde verweht".
Damals wurde Hauptdarsteller Clark Gable für die Rolle des Rhett Butler nach einjährigen Dreharbeiten mit der vergleichsweise bescheidenen Summe von 250 000 Dollar entlohnt, Gewinnanteile bekam er nicht Vivian Leigh als Scarlet O'Hara arbeitete für noch weniger. Die genaue Höhe ihrer Gage wurde nicht bekanntgegeben.
Wieviel hingegen Cleopatra-Darstellerin Liz Taylor verdient, deren Krankheiten und Kapricen ein gut Teil der gigantischen Produktionskosten zugeschrieben werden, rechnete Zanuck den Aktionären präzise vor: Die Diva bekommt 7 175 000 Dollar (fast 30 Millionen Mark) - wenn die Einnahmen die 62-Millionen-Dollar-Grenze erreichen.
1 725 000 Dollar, erläuterte Zanuck, hat Mrs. Taylor bereits als Gage kassiert. Sobald der Film angelaufen ist, fließen zudem Tantiemen auf ihr Bankkonto: Nur die ersten siebeneinhalb Millionen Dollar Einspielgelder darf die Centfox für sich behalten. Von jedem Dollar darüber erhält Liz zehn Cents.
Selbst wenn "Cleopatra" nur wenig mehr als die Hälfte des Betrages einspielt, den die Centfox benötigt, um die Kosten zu decken, würde Liz Taylor neben dem Gagenweltrekord, den sie mit dem "Cleopatra"-Honorar längst hält, auch die höchste Tantieme übertreffen, die je einem Schauspieler ausgezahlt worden ist: US-Star William Holden steckte zehn Prozent der Brutto -Einnahmen von der "Brücke am Kwai" ein - bislang drei Millionen Dollar.
Auf der Hauptversammlung der Centfox in New York sollte der Rekordverdienerin Liz Taylor eine weitere Einnahmequelle erschlossen werden. Eine Aktionärin stellte den Antrag, die Diva auf einen Direktoren-Posten der Filmgesellschaft zu berufen.
Noch ehe die Antragstellerin geendet hatte, wurde sie in ein lärmendes Handgemenge verwickelt. Als die Ruhe wiederhergestellt war, ließ Zanuck abstimmen.
Wenige Minuten später war Liz Taylor zum erstenmal in ihrer Karriere kläglich durchgefallen. Das Kapital der Centfox wird durch 2,5 Millionen Gesellschaftsanteile repräsentiert. Nur die Besitzer von 243 Anteilen stimmten für die Diva.
Cleopatra-Darstellerin Liz Taylor
Handgemenge auf der Hauptversammlung

DER SPIEGEL 23/1963
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