12.01.1970

„Sie wollen meinen Namen vernichten“

Nach Lektüre der ersten Folge des Romans „Groupie“ in seiner „Freundin“ kündigte Verleger Franz Burda dem „Freundin“-Chefredakteur Sigfrid Dinser. Der Pressedienst „Facts“ glossierte Burdas Reaktion mittels einer Leseprobe aus dem britischen Bestseller „Groupie“ von Jenny Fabian und Johnny Byrne, den ein Rezensent der „Sunday Times“ als „serious work“ bezeichnet hatte: „Sie legte ihre Hand zwischen meine Beine. 'Bist du jetzt erregt?'- 'Ein bißchen'.“ Burda war -- so „Facts“ -- „nicht nur ein bißchen erregt, sondern schrecklich“. Er schrieb Dinser einen bösen Brief und las einige Passagen sogar anderen Mitarbeitern vor. Hier eine Textprobe:
Aufgrund des neuen Beitrags "Groupie" in der "Freundin" -- nach meiner Meinung der Gipfel der Sauereien mit einer beschriebenen Fotzenschleckerei -- wird es zu einem Auflagenrückgang kommen. Ich kann mir wirklich nicht denken, wie Sie dazu kommen, eine englische Pornographie, die beim Verlag "Bärmeier & Nikel" eingekauft worden ist, den Lesern der "Freundin" vorzusetzen. Da wird geschildert, wie ·eine billige Nutte mit einer Beatband durch die Lande zieht und perverse Vögeleien im LSD-Rausch betreibt. In der ersten Folge geht sie mit drei Männern und einer Frau ins Bett. Pf ui Teufel! Wer so etwas veröffentlicht, ist für mich eine Drecksau.
Zu meinem Entsetzen stelle ich außerdem fest, daß neuerdings in der "Freundin" Rauschgifte verherrlicht werden. Das mache ich auch nicht mit, Herr Dinser. Glauben Sie ja nicht, daß ich ein Objekt herausbringe, das geeignet ist, die Jugend zu demoralisieren; denn so ist die Jugend nicht.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß Sie die "Freundin" oder meinen Namen vernichten wollen. Vergessen Sie nicht, im Impressum steht mein Name obenan. Zu Recht sagen dann Tausende von Lesern: "Aha, da habt ihr"s. Einerseits verdient er Geld mit einem sauberen Blatt wie der "Bunten Illustrierten", andererseits aalt er sich in Schweinereien. Hurra, Geld stinkt nicht." Das lasse ich keinesfalls aufkommen. Eher mache ich die "Freundin"-Bude total zu. Kommen Sie ja nicht, daß in unserem Hause "M" erscheint*.
Außerdem ist es ein Unterschied, ob ich Männer aller Altersklassen anspreche
-- die meisten sind ja eh über 30 -- oder ob ich meine Zeitschrift an Mädchen im Alter von 17 bis 25 Jahren verkaufen will. Diese Mädchen kann ich moralisch und seelisch ruinieren.
* Franz Burda sagte kürzlich in München über "M": "Für diese Sauerei ist meine Frau zuständig."

DER SPIEGEL 3/1970
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