17.04.1967

GESTORBENCLEMENS WILMENROD

CLEMENS WILMENROD, 60. Er ließ sich als Bundesfeinschmecker feiern und spielte am liebsten Koch -- der ehemalige Provinz-Schauspieler Carl Clemens Hahn, der sich nach seinem Geburtsort Wilmenrod nannte. Millionen von Hausfrauen zückten die Kugelschreiber, wenn er seine kulinarischen TV-Séancen abhielt. Auf der telegenen Kochschurze prangte ein stilisiertes Konterfei seines massigen Mimenkopfes.
"Er bleibt druff, dieser Kopf, in aller Ewigkeit", schwadronierte der Epikureer, wenn er von der "Gourmandise" so lustvoll schwärmte wie andere von erotischen Freuden. Letzten Dienstag tötete er sich mit einer in das Krankenhaus geschmuggelten Pistole, in tiefer Depression über ein unheilbares Lungenleiden.
Sein Tod ergriff nicht nur seine Freunde, die ihn als Kumpel schätzten, sondern auch die Hobby-Köche und Werbemanager, denen er jahrelang als braves Zugpferd gedient hatte. Er war ein Globetrotter des Genusses und holte sich Anregungen für seine abenteuerlichsten Gerichte sogar aus afghanischen Haremsküchen. Seine Kochbücher erreichten Bestsellerauflagen.
Der Kochspieler fabulierte vor Jahren: "Ich habe nur mal gesagt, man müßte sich auf einer Burg am Rhein langsam vollaufen lassen und in die andere Welt hinüberdämmern. Darauf meldeten sich sechs Leute, die mir Burgen verkaufen wollten." Er bekam keine Burg, sondern" einen schlichten Grabhügel auf dem Friedhof in Wilmenrod.
MARTIN PORKAY, 78. "Rembrandt, andere Leute und ich" nannte der ungarische Weltkrieg-Kavallerist, der letzte Woche in München starb, ein Memoirenbuch -- anderen Leuten und sich machte er um Bilder Ungelegenheiten. Grund: "Das bin ich doch dem Rembrandt schuldig."
Porkay, Holzhändlersohn mit abgebrochenem Kunstgeschichtsstudium, war dem Holländer Entlarvungen schuldig. Der Ungar, der selbst bisweilen fragwürdige Rembrandts feilbot, denunzierte andere Gemälde -- laut Expertenurteil Rembrandt-Meisterwerke -- unbeirrt als Kopien oder Fälschungen, darunter zwei Bilder in der Stuttgarter Staatsgalerie und det Bremer Kunsthalle.
Er hielt seine blitzschnell gefällten Expertisen für sicher wie anatomische Wahrnehmungen: "Wenn Sie gehen in eine Sauna, dann sehen Sie in halber Minute, wer ist Männlein und Weiblein. Und eine halbe Minute brauche ich, um zu sehen, ob ein Bild echt ist oder falsch."

DER SPIEGEL 17/1967
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CLEMENS WILMENROD

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