30.06.1969

GESTORBENOSKAR SIMA

OSKAR SIMA, 68. "I muß schnauz'n, brülln und eklig sein', meuterte er oft "dabei bin i so gemütlich." Gemütlich hatte er es auf seinem Gut In Hohenau an der March (Niederösterreich), wo er gebaren wurde, Schweine und Pferde züchtete, Wein anbaute ("Bisamberger Spätlese") und Jetzt am Herzinfarkt starb. Auf der Bühne und In über 200 Filmen zeigte er, lange vor Qualtinger, das Abgründige Im dicken Mann, war schwitzend und raunzend, graziös und weinselig, devot und roh, bös, süßlich und widerlich ein Wiener Charakter.
JUDY GARLAND, 47. Mit drei strampelte die Komödiantentochter Frances Gumm erstmals Im Varieté. Mit fünf sang sie im Trio "The Three Garlands" mit ihren Schwestern. Mit zwölf nannte sie sich Judy Garland und ging nach Hollywood. Innerhalb von zwei Jahren nahm der Kinder-Star der MGM 14 Filme auf; durch ihre beste Leistung -- im Märchenfilm "The Wizard at Oz" sang sie den Schlager "Over the Rainbow" -- wurde die Garland 1939 weltberühmt. Die zur Fülle neigende Künstlerin, die sich mit ständigen Hungerkuren strapazierte, mit Drogen aufputschte und mit Schlaftabletten und Alkohol betäubte, trat schließlich häufiger beim Psychiater als im Filmstudio auf. Nach jedem Skandal, nach jedem Nervenzusammenbruch und jedem Selbstmordversuch jedoch schaffte die Schauspielerin wieder ein Comeback: 1955 drehte sie mit der autobiographischen Story "A Star is Born" ihren erfolgreichsten Musikfilm, 1961 spielte sie eine Chorakterralle im "Urteil von Nürnberg". Doch ihre bejubelten Konzerte wurden immer mehr zu musikalischen Séancen und ihre Liebhaber immer jünger. Als sie kurz vor Ihrer fünften Eheschließung mit dem amerikanischen Kinobesitzer Mickey Deans, 35, im Londoner Fernsehen ihr letztes Comeback versuchte, mußte sie sang- und klanglos abtreten: Sie erinnerte sich nicht mehr an die Texte ihrer Evergreens. MAUREEN ("LITTLE MG") CON-NOLLY, 34. Beim Wimbledon-Turnier, das sie dreimal gewann, führte die Amerikanerin Stummelzöpfchen mit bunten Schleifen in die Tennismode ein. Als bisher einziger Frau gelang Ihr 1953 der "Grand Slam" -- Siege in einer Serie bei den Internationalen Meisterschaften von Australien, Frankreich, England und der USA. Als der Vollblüter "Colonel Merryboy" 1954 mit ihr gegen eine Zementmixmaschine galoppierte, mußte sie ihre Karriere abbrechen. Seit 1966 litt sie an Kehlkopfkrebs, trainierte jedoch trotzdem bis zu ihrem Tode Tennis-Talente aus Texas.

DER SPIEGEL 27/1969
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OSKAR SIMA

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