16.06.1969

PERSONALIENWilly Brandt, William Rogers, Kurt Georg Kiesinger, Hans-Jürgen Wischnewski, Sammy Davis, Dieter Weirich

Willy Brandt, 56, Außenminister, versuchte auf einem privaten Empfang in Bonn seinen Kollegen Höcherl vom Landwirtschafts-Ressort vor Fachgesprächen zu bewahren. Der Christsoziale hatte sich gesträubt, Brandts Einladung zu einem Essen mit dem dänischen Wirtschaftsminister Nyboe Andersen nachzukommen. Begründung: "Ach, die Dänen sprechen einen immer auf ihr Rindfleisch an, genau wie die Neuseeländer. Die wollen, daß wir mehr importieren." Als Höcherl dann doch zum Empfang kam, dankte ihm Brandt, indem er den Dänen durch Witze-Erzählen ablenkte. höflich lauschte der Gast dem Gastgeber. Als jedoch Höcherl auch einen Witz beisteuern wollte, wurde er schnell von Andersen unterbrochen und auf ein anderes Thema gebracht: die verstärkte Einfuhr von Rindfleisch.
William Rogers, 55, Nixons Außenminister, fragte nach fünf Monaten im Amt den Untergebenen, der ihm jeden Morgen die während der Nacht eingetroffenen Telegramme vorträgt: "Gibt es denn nie gute Nachrichten?" Antwort: "Herr Minister, gute Nachrichten gibt es nie, aber manchmal kommen schlechte Nachrichten, die man uns nicht anlasten kann." Dabei nahm der Beamte ein Telegramm und meldete: "hier ist zum Beispiel ein Bericht, daß der Assuan-Damm leckt." William Rushton Baron Black of Barrowin-Furness, 76, britischer Peer, darf seinen Hund Fred und den Affen Bimbo im Wappen führen. Vor einem Jahr, als der frühere Vorsitzende der Nationalen Gesellschaft zur Entwicklung der Forschung geadelt wurde, berichteten britische Zeitungen ausführlich über Fred und Bimbo: Fred, der Schoßhund des frisch Geadelten, war regelmäßig zu Hause ausgerissen und zum nahe gelegenen Chessington-Zoo in Surrey gelaufen, wo ihn der Chauffeur seines Herrn dann mit dem Rolls-Royce abzuholen pflegte. Im selben Zoo, dessen Ko-Direktor Lord Black ist, war Bimbo ausgebrochen und erst nach einer vielbeachteten Jagd wieder eingefangen worden. Der Lord, dankbar für die Publicity, beschloß: "Es wäre eine nette Idee, das Pärchen in mein Wappen aufzunehmen." Die zuständigen Behörden billigten die Idee und genehmigten jetzt das Wappen mit Fred und Bimbo.
Kurt Georg Kiesinger, 65, Kanzler, korrigierte vergangenen Mittwoch in der Kabinettsitzung das Äußere seines Landwirtschaftsministers Hermann Höcherl. Der Schwabe schritt auf den Bayern zu, rückte dessen schiefsitzenden Schlips zurecht und erklärte: "Nur meine frommen Oberschwaben tragen die Krawatte entweder auf der Evangelien- oder der Epistelseite." Höcherl bedankte sich für den Hinweis und fragte: "Ist sonst noch was schief an mir?"
Hans-Jürgen Wischnewski, 46, SPD-Wahlkampf-Manager, wurde unfreiwillig zum Werbestar eines Bauunternehmers. Vor dem Grundstück in Liblar bei Köln, auf dem sich der Sozialdemokrat einen Bungalow bauen läßt, stellte Wischnewskis Architekt Albrecht Eggarter aus Köln ein großes Schild auf mit dem Hinweis: "Bauherr: Hans-Jürgen Wischnewski, Bundesminister a. D." Der Bauherr über die Tafel: "Das ist sehr ärgerlich, aber was soll ich denn jetzt machen? Wenn ich das Schild übermale, mache ich mich doch nur lächerlich, also bleibt es da stehen. Es ist eine gewaltige Werbung für die Firma."
Sammy Davis jr., 43, amerikanischer Alleinunterhalter, verläßt aus rassischen Gründen die USA. Der "einäugige jüdische Neger" (Davis über Davis), der als Jugendlicher und als Soldat wegen seiner Hautfarbe oft diskriminiert worden war und heute die "Black Power" -Bewegung unterstützt, will jetzt sein Haus in Beverly Hills verkaufen und sich auf den Bahamas ansiedeln. Grund: "Es ist der einzige mir bekannte Platz, wo ich als Schwarzer wirken und trotzdem Teil meines Kulturkreises bleiben kann." Sammy Davis nach einem Besuch auf den Bahamas: "Dort gehen die Schwarzen nicht ständig herum und fragen sich, wer sie sind."
Dieter Weirich, 25, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Hanau-Stadt, unterbrach im Hanauer Schloßgartensaal während einer NPD-Wahlversammlung eine Rede des Thadden-Pressechefs Hans-Joachim Richard mit dem Zwischenruf: "Unverschämte Nazi-Ideologie!" Richard bellte vom Podium: "Sie bekommen einen Strafantrag von mir, wenn Sie mir Ihren Namen nicht nennen. Ich lasse mich nicht beleidigen." Daraufhin Weirich: "Den Namen können Sie haben. Aber Sie betreiben Nazi-Propaganda." Richard: "Wenn Sie mir den Namen nicht nennen, bezeichne ich Sie als widerlichen Feigling." Der Christdemokrat nannte seinen Namen und forderte vom Nationaldemokraten sachliche Argumente. Als er kurz danach erneut eine Diskussion verlangte, packten NPD-Ordner den Zwischenrufer und schleppten ihn aus dem Saal (linkes Bild). Ein Ordner biß dabei Weirich in die Hand. Reif Büsser, 47, zweiter stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender, der seinem bedrängten Parteifreund beispringen wollte, wurde von NPD-Ordnern am Schlips zurückgehalten (rechtes Bild).

DER SPIEGEL 25/1969
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