05.05.1969

Keine Angst vor dem ElfenbeinturmTHEODOR W. ADORNO

hat sich seit den Tagen der Emigration (1934 bis 1949) zu einem scharfzüngigen Kritiker deutschen Kulturbetriebs und deutscher Denkungsart entwickelt. Der Sohn eines Kaufmanns und einer korsischen Sängerin studierte Musik, Soziologie und Philosophie und wurde 1930 Mitarbeiter des von Max Horkheimer begründeten Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Mit ihm zusammen sezierte er in dem Buch "Dialektik der Aufklärung" (1947) die moderne Wissenschaftsgläubigkeit; durch seine rücksichtslose Anatomie des Musik- und Bürgerlebens wurde der harmlos wirkende und von seinen Freunden "Teddy" genannte Ästhet zum Vordenker unruhiger Studentengenerationen. Als erstem der vier Häupter der "Frankfurter Schule" (Horkheimer, Habermas, Marcuse) kündigten ihm Berliner Studenten 1967 die linke Solidarität: Symbolisch überreichten sie ihm ein rotes Teddybärchen. Vor knapp zwei Wochen ließen drei taktisch entblößte Frankfurter Genossinnen seine Vorlesung platzen. So kämpft Adorno, 65, an zwei Fronten: Studentische Kritik fürchtet er nicht; das "hämische Vergnügen, der Konservativen am Hörsaal-Striptease halt er für "das Widerwärtigste an der widerwärtigen Geschichte".

DER SPIEGEL 19/1969
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Keine Angst vor dem Elfenbeinturm:
THEODOR W. ADORNO

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