10.02.1969

SCHONZEIT.

Die CDU behandelt die FDP derzeit wie ein rohes Ei -- in der Hoffnung, doch noch freidemokratische Stimmen für ihren Präsidentschaftskandidaten Gerhard Schröder zu bekommen. Selbst als Jungdemokratenchef Wolfgang Lüder am letzten Montag Gerhard Schröder in einem offenen Brief zum Verzicht auf seine Präsidentschafts-Kandidatur aufforderte und beschuldigte, er habe in seiner Doktorarbeit die Nazis verherrlicht, reagierten die Christdemokraten mit ungewohnter Sanftmut: CDU-Sprecher Arthur Rathke rief den FDP-Vize Hans-Dietrich Genscher an und erklärte ihm, Lüder müsse sich wohl geirrt haben; in seinem offenen Brief habe er nicht aus der 1933 abgefaßten Promotionsarbeit des Verteidigungsministers Dr. jur. Gerhard Schröder (Thema: "Die außerordentliche Auflösung von Tarifverträgen") zitiert, sondern aus dem Aufsatz eines 1944 gefallenen Dr. phil. Gerhard Schröder (Passagen aus diesem Aufsatz hatte das West-Berliner Apo-Organ "Extradienst" vor zwei Wochen dem Verteidigungsminister zugeschrieben). Anschließend bemühte sich Rathke mit seinem Beweismaterial in die FDP-Zentrale im Bonner Taiweg; Lüder revozierte nach der Akten-Einsicht und entschuldigte sich bei Schröder.


DER SPIEGEL 7/1969
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