03.02.1969

Nigeria„IST DAS DER LETZTE EINSATZ?“

Er wollte Fliegeruhren und Rechenschieber für Biafra einkaufen, aber er landete in einem französischen Krankenhaus: der Deutsche Friedrich Herz, 40, Hauptmann im Dienst der Biafraner. Herz ("Ich fühle mich, nicht als Söldner") hat für Dollars Lufteinsätze gegen die Nigerianer geflogen. Er will wieder fliegen, wenn Biafra wieder eine Luftwaffe hat: „Wir suchen noch den Mann, der uns das Geld dafür stiftet.“
SPIEGEL: Herr Herz, Sie sind für Biafra geflogen und wollen wieder für Biafra fliegen. Wann sind Sie in die Dienste der biafranischen Luftwaffe getreten?
HERZ: Ich bin ursprünglich im September 1967 als Berater hingegangen. Militärisch habe ich mich zu Beginn nicht betätigt, nur als Ausbilder.
SPIEGEL: Was oder wer hat Sie dazu veranlaßt?
HERZ: Einmal die Nachrichten über Biafra. Dann einige Bekannte, die früher mal in Deutschland bei einer ...
sagen wir's ruhig so: bei der Bundeswehr gelernt hatten. Die baten mich, Schützenhilfe zu gehen.
SPIEGEL: Das waren also Biafraner, die als Angehörige der nigerianischen Luftwaffe in Deutschland ausgebildet worden waren?
HERZ: Genau.
SPIEGEL: Was haben Sie denn Ihren Ibo-Flugschülern in Biafra beigebracht?
HERZ: Ich habe versucht, ihnen eine gewisse fliegerische Taktik beizubringen, eine gewisse Selbstsicherheit für sich und die Crew. Denn mit dem Gefühl zu starten: "Ich komme hundertprozentig zurück, es klappt" ist wesentlich besser, als mit einer Ungewißheit im Nacken aufzusteigen und sich zu fragen: "Ist das der letzte Einsatz oder nicht?"
SPIEGEL: Warum blieb es nicht bei Ihrer Tätigkeit als Ausbilder? Sie haben doch selbst Kampfeinsätze geflogen.
HERZ: Aus folgendem Grund. Ich habe gesehen, daß zu jener Zeit nigerianische Maschinen, das heißt russische Maschinen mit nigerianischen, ägyptischen oder tschechischen Besatzungen, sich ein Hobby daraus machten, Zivilisten, Krankenhäuser, Marktplätze, Autos, Menschenansammlungen und dergleichen anzugreifen. Unsere Luftwaffe, die nicht groß, aber doch schlagkräftig war -wir hatten einige Maschinen in gutem Zustand -, konnte ihre Kapazität nicht recht ausnutzen
SPIEGEL: ... weil den Biafranern ausgebildete Militärpiloten fehlten?
HERZ: Ja. Es kam vor, daß die Bomben ungezielt in den Busch geworfen wurden.
SPIEGEL: Sind Sie mit einer weißen Besatzung geflogen oder mit gemischten Crews?
HERZ: Grundsätzlich hin ich nur mit Schwarzen geflogen. Mein Copilot, mein Navigator und meine Schützen waren Schwarze. Nach kürzester Zeit war die Crew so eingespielt, daß es mir jedesmal leid tat, wenn jemand wechseln mußte.
SPIEGEL: Welche Art Einsätze sind Sie geflogen?
HERZ: Grundsätzlich nur gegen militärische Ziele, meist innerhalb Biafras.
SPIEGEL: Was konnte Biafra den Migs und Iljuschins der Nigerianer entgegensetzen?
HERZ: Wir hatten einige gut instand gesetzte Maschinen. Über die Typen und woher sie kamen, darf ich nichts sagen.
SPIEGEL: Es gibt aber Photos, auf denen Sie selbst mit einem amerikanischen B-26-Bomber zu sehen sind.
HERZ: Okay. Wir hatten B-25- und B-26-Bomber.
SPIEGEL: In letzter Zeit hat man nichts mehr von einer biafranischen Luftwaffe gehört. Hat sie wirklich noch Maschinen?
HERZ: Wir haben etwas da, und mit den wenigen Sachen müssen wir so gut wie möglich improvisieren.
SPIEGEL: Wie leben Sie als weißer Söldner in Biafra? Genießen Sie besondere Privilegien?
HERZ: Wir leben zur Zeit in Notunterkünften, Offiziere nach Möglichkeit in ehemaligen Wohnwagen mit Klimaanlage. Wenn ich an die Flüchtlinge in Biafra denke, dann ist ein gewisser Komfort für uns natürlich noch da.
SPIEGEL: Wie bezahlt Sie die biafraniische Regierung?
HERZ: In Dollar. Die Höhe der Summe ist Privatangelegenheit.
SPIEGEL: Jetzt ist der bekannte Söldner-Führer Steiner aus Biafra ausgewiesen worden, sogar in Handschellen (SPIEGEL 49/1968). Heißt das, daß Biafras Armeechefs keine weißen Söldner mehr brauchen?
HERZ: Oh, ich möchte sagen, daß die Biafraner heute bei weitem nicht mehr so abhängig sind wie am Anfang. Aber es wäre zweckmäßig im Sinne ihrer Sache, wenn sie Männer mit der Erfahrung eines Steiner nicht in dieser Form abtun würden. Steiner, den ich gut kenne, ließ sich wahrscheinlich zu einer Kurzschlußhandlung hinreißen, die er inzwischen sicher bereut hat.
SPIEGEL: Flogen oder fliegen noch mehr Weiße hei der biafranischen Luftwaffe?
HERZ: Es gab einige und es mag einige geben. Aber über Personalangelegenheiten möchte und darf ich mich nicht auslassen.
SPIEGEL: Die Gegenseite scheint aber recht gut über Personalangelegenheiten informiert zu sein. Als Sie im Oktober in Südfrankreich auf der Durchfahrt nach Portugal einen Autounfall hatten, veröffentlichten Zeitungen in Lagos sogar die Nummer Ihres Bundespasses -- B 8273389, ausgestellt in Bottrop am 14. 12. 1965. Woher wissen das die Nigerianer?
HERZ: Höchstens durch ihren Geheimdienst. Ich hatte einmal Kontakt mit Leuten, weil ich Ersatzteile kaufen wollte. Dabei mußte ich meinen Paß vorlegen.
SPIEGEL: Und dann hieß es in französischen Zeitungen, Sie seien möglicherweise nicht ganz zufällig verunglückt. Waren Sie in amtlicher Mission in Europa?
HERZ: Mein Urlaub war fällig, ich wollte meine Familie wiedersehen. Bei dieser Gelegenheit habe ich Ersatzteile ...
SPIEGEL: ... für Flugzeuge ...
HERZ: ... nein, für Maschinen zur Herstellung von Schuhen besorgt, außerdem einige Fliegeruhren, Rechenschieber sowie Bücher und Karten zur theoretischen Ausbildung von Nachwuchspiloten.
SPIEGEL: Das war der Grund, weshalb Sie Hauptmann Godwin Nsoku von der biafranischen Luftwaffe begleitete?
HERZ: Auch.
SPIEGEL: Was würde passieren, wenn Sie als Söldnerpilot in die Hände der Nigerianer fielen?
HERZ: Dann würde ich mich erschießen.
SPIEGEL: Um der Exekution zuvorzukommen?
HERZ: Ja, denn die würde bei den Nigerianern sehr hart sein und sehr lange dauern.
SPIEGEL: Also Folterungen?
HERZ: So kann man es nennen.

DER SPIEGEL 6/1969
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