06.01.1969

Spion im Lager der Mörder

2. Fortsetzung
Als Kurt Gerstein am 19. Februar 1943 zum SS-Obersturmführer ernannt wurde, gab der Chef seiner Dienststelle, Professor Mrugowsky, seinem Untergebenen eine sehr günstige Beurteilung.
"Gerstein hat die Abteilung Gesundheitstechnik aus kleinsten Anfängen aufgebaut, und seinem Können und persönlichen Einsatz ist die Entwicklung von Entwesungs- und Trinkwasserzügen für die Waffen-SS zu danken. In seiner Arbeit hat er mit außerordentlich vielen Reichsbehörden und Wehrmachtsstellen zusammengearbeitet, alle Schwierigkeiten gemeistert und sich in seiner Arbeit vorzüglich bewährt."
Der SS-Obersturmführer Kurt Gerstein wurde also von seinen Vorgesetzten geschätzt, und auf den ersten Blick spricht nicht das geringste dafür, daß er kein beispielhafter SS-Offizier gewesen wäre.
Selbst sein Erscheinungsbild trug dazu bei, diese Rolle glaubhaft zu machen: Gerstein war ein ausgesprochen "germanischer Typ"; mit seinen 1,86 Metern und dem blonden Haar würde er, wenn sein Gesicht härter gewesen wäre, einer dieser Heldenstatuen geähnelt haben, mit denen der Hofbildhauer des Naziregimes, Arno Breker, die Gebäude des Reiches schmückte.
Wenn es notwendig war, konnte Gerstein dem Bild auch noch den Ton hinzufügen: Nach seinen eigenen Angaben sprach er wie "sie". Aus manchen Zeugnissen geht hervor, wie sehr es ihm gelang, sich zu tarnen: Für Dr. Münch, einen der Auschwitzer Lagerärzte, war Gerstein brutal und einer
* Der ungekürzte Text Saul Friedländers erscheint Mitte Januar unter dem Titel "Kurt Gerstein oder die Zwiespältigkeit des Guten" im Bertelsmann Sachbuchverlag; Preis: 20 Mark.
jener SS-Führer, denen man aus dem Weg ging.
Und dennoch war er hinter dieser Fassade ein kranker Mensch, von Angst gefoltert und bald am Ende seiner Kräfte, ein Mensch, der sich versteckte. Gerstein war schon längere Zeit körperlich krank; man weiß nicht genau, wann seine Zuckerkrankheit entdeckt wurde; aber nach mehreren Zeugnissen hinderte ihn diese Krankheit daran, in der Teutonia Bestimmungsmensuren zu fechten, was für seine Anerkennung als Korporierter notwendig gewesen wäre.
Jedenfalls hatte die Krankheit seit Beginn seiner militärischen Dienstzeit im Jahr 1941 "häufige Ausfälle und Befreiungen vom Dienst" zur Folge, wie der mit Gerstein befreundete Arzt Erich Nissen berichtet; es "handelte sich dabei um präkomatöse Zustände, die seine Absencen und merkwürdigen Reaktionen erklären". In einem Brief, den Gerstein um jene Zeit an seine Frau richtete, schrieb er selbst auch von "Ausfallerscheinungen".
Gersteins Krankheit könnte viele Dinge mindestens teilweise erklären, vor allem das sonderbare und verstörte Aussehen ebenso wie seine Depressionen und die Niedergeschlagenheit, die möglicherweise die Ursache seines Selbstmordes im Juli 1945 gewesen sein könnte.
Gersteins doppeltes Spiel, die Furcht, entdeckt zu werden, die Konflikte, die seine offizielle Rolle in ihm hervorrief, würden genügen, um seine Depressionen und die Erschöpfung seiner Nerven zu erklären. Außerdem verfolgte ihn ständig das, was er im Judenvernichtungslager Belzec gesehen hatte.
Zu dieser Angst traten noch andere Elemente. Für viele seiner alten Freunde war Gerstein zum Renegaten geworden. Der Grund für seinen Eintritt in die SS war nur einer kleinen Gruppe bekannt. Selbst innerhalb seiner Familie fehlte es nicht an Spannungen. In einem Brief an seinen Bruder Fritz beschreibt Gerstein die Drohungen und Erpressungsversuche, die er von ihm nahestehenden Menschen hat über sich ergehen lassen müssen.
Schließlich hat sich Gerstein wahrscheinlich niemals ganz von den Schuldgefühlen befreit, die seine Jugend und die ersten Jahre seines Lebens als Erwachsener beherrschten.
Diesen Konflikten und dieser Angst hätte sich Gerstein durch den Selbstmord entziehen können. Schon im Jahr 1938 hatte er daran gedacht. Im Krieg ist ihm dieser Gedanke wiedergekommen. Seine religiösen Überzeugungen hinderten ihn -- mindestens eine Zeitlang -- daran, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen; außerdem wollte er am Leben bleiben, um Zeugnis abzulegen.
Doch immer wieder fällt einem eine seltsame Unvorsichtigkeit auf, die ihn jedesmal das Leben hätte kosten können und die keinesfalls für die Erfüllung seiner Rolle notwendig gewesen wäre. Gerstein sprach mit holländischen Freunden, die als sogenannte Fremdarbeiter nach Berlin deportiert worden waren, über seine Tätigkeit in der SS und von dem, was er in den Lagern gesehen hatte.
"Er hatte eine Haushälterin", erinnerte sich der ehemalige Bundestagspräsident Hermann Ehlers, der Gerstein von der evangelischen Jugendarbeit her kannte, "die jahrelang bei einer jüdischen Familie gearbeitet hatte, von der SS zu entwürdigenden Säuberungsarbeiten im SS-Hauptamt verpflichtet und von Gerstein für seine Privatwirtschaft in Anspruch genommen worden war. Diese ältere Frau haßte die Nationalsozialisten noch glühender als Gerstein, so daß der Ton in dieser Wohnung außergewöhnlich radikal war. Im übrigen war Gerstein außerordentlich unvorsichtig. Der englische Sender wurde ständig abgehört und brüllte in ziemlicher Lautstärke durch die Wohnung."
Das, was er über die Vernichtungslager weiß, Leuten zu erzählen, die in keiner Weise helfen können, die er kaum kennt und die schon durch ihre eigene Lage leicht Verhören und Folterungen unterzogen werden konnten -wie die holländischen Arbeiter -, das hieß das Schicksal töricht und leichtfertig herausfordern. Die BBC in seiner Wohnung "brüllen" zu lassen, war ebenso tollkühn.
"Er erwartete mit Sicherheit den Tod", schrieb der Gerstein-Vertraute Völckers. Vielleicht wäre es richtiger zu sagen: Unbewußt erstrebte er den Tod, um den Konflikten zu entrinnen. die ihm immer unerträglicher wurden.
Anfang 1944 verlangte der SS-Sturmbannführer Günther vom Reichssicherheitshauptamt von Gerstein sehr große Lieferungen von Blausäure für einen unbekannten Zweck. Gerstein erinnert sich in seinem Bericht aus dem Frühjahr 1945:
"Die Säure sollte an seine Dienststelle, Berlin, Kurfürstenstraße, geliefert werden. Es gelang mir, ihm glaubhaft zu machen, daß dies wegen der großen damit verbundenen Gefahren nicht möglich sei. Es handelte sich um mehrere Waggons von Blausäure, die genügten, um viele Menschen, Millionen, zu töten! Er hatte mir gesagt, daß er nicht sicher sei, ob, wann, für welchen Personenkreis, auf welche Weise und wo man dieses Gift brauchen würde. Ich weiß nicht genau, welches die Absichten des Reichssicherheitshauptamtes und des SD waren.
"Auf alle Fälle ließ ich die Säure sofort nach Eintreffen zu Zwecken der Desinfizierung verschwinden. Dies war einigermaßen gefährlich für mich. Hätte man aber die giftigen Säuren gefunden, hätte ich geantwortet: Sie seien bereits in gefährlicher Auflösung begriffen, und deswegen müßte ich sie zur Desinfizierung verwenden.
"Ich bin sicher, daß Günther ... nach seinen eigenen Worten den Befehl hatte, die Säure zur eventuellen Tötung von Millionen Menschen, vielleicht auch in Konzentrationslagern, zu beschaffen.
"Ich habe Rechnungen bei mir über 2175 Kilogramm; in Wirklichkeit handelt es sich aber um 8500 Kilogramm, genug, um acht Millionen Menschen zu töten. Ich ließ die Rechnungen auf meinen Namen ausschreiben, aus -- wie ich sagte -- Gründen der Diskretion, in Wirklichkeit aber, um einigermaßen freie Hand in der Verfügung über die giftige Säure zu haben und sie leichter verschwinden zu lassen. Ich habe diese Lieferungen niemals bezahlt, um die Rückvergütung zu vermeiden und den SD nicht an die Vorräte zu erinnern."
Dem Gerstein-Bericht lagen zwölf Rechnungen der Firma Degesch bei, die Lieferungen des Gases Zyklon B (Blausäure) betrafen. Diese Rechnungen waren auf Gersteins Namen ausgestellt. Am Schluß des Berichts sind noch folgende Sätze Gersteins angefügt:
"Ich habe mein möglichstes getan, um die Blausäure nach ihrem Eintreffen in Oranienburg und Auschwitz in den Desinfizierungskammern verschwinden zu lassen. Auf diese Weise konnte ein Mißbrauch der Säure vermieden werden ... Wenn das Fehlen der Säure bemerkt worden wäre, hätte ich erklärt, daß ein Irrtum der örtlichen Desinfizierungsstelle vorliege, die den tatsächlichen Verwendungszweck der Säure nicht kenne und nicht kennen dürfe, oder ich hätte erklärt, daß die Säure sich zersetzt habe und daß es nicht möglich gewesen sei, sie noch länger aufzubewahren."
Gerstein hatte vorher in seinem Bericht nicht über seine Funktionen im Hygiene-Institut der Waffen-SS und die Art der Gasbestellungen gesprochen, die er seit 1942 regelmäßig vorgenommen hatte. Um diese Zeit wurden die Lager Belzec, Treblinka, Sobibor und Maidanek allmählich durch ein einziges ungeheures Vernichtungszentrum ersetzt, wo fast zwei Millionen Menschen umkamen: Auschwitz.
Will man versuchen, über die Rolle Gersteins Klarheit zu erhalten, muß man zunächst die Produktions- und Verteilungswege des Gases Zyklon feststellen. Das Zyklon war bereits lange vor dem Krieg für Desinfektionszwecke und als sehr wirksames Insektizid verwendet worden. Von Kriegsbeginn an stieg die Produktion rasch (1939: 179,8 t; 1943: 411,2 t).
Die Herstellungsgesellschaft war die Degesch, Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung; als Verteilungsfirmen dienten die Firmen Hell und Testa. Letztere, deren Sitz sich in Hamburg befand, lieferte das Gas an alle Teile Deutschlands östlich der Elbe und an die besetzten Gebiete Osteuropas.
Der Bedarf der Wehrmacht hatte während des Krieges unbedingten Vorrang, das gleiche gilt aber auch für den Bedarf der Waffen-SS. Diese hatte in Oranienburg eine Schule für Desinfektoren eingerichtet -- wo Gerstein seine Grundausbildung erhalten hatte und bildete dort ihr eigenes Personal aus.
Von Mitte 1943 an gingen die Zyklon-B-Bestellungen der Wehrmacht und der Waffen-SS grundsätzlich über den Sanitätsdienst der Wehrmacht, doch tatsächlich konnte sich die SS für ihren Bedarf selbst das Zyklon beschaffen. Für Auschwitz bestellte die SS im Jahr 1942 allein 7478 Kilogramm Zyklon, im Jahr 1943 schon 12 174 Kilogramm. Für 1944 besitzen wir nur unvollständige Angaben über Lieferungen von 1999 Kilogramm.
Die Tötung durch Zyklon B fand in großen Gaskammern statt, die jede bis zu 2000 Personen faßten und als Dusch- und Desinfektionssäle getarnt waren. Nach dem hermetischen Verschluß der Türen wurde das Zyklon durch eigens zu diesem Zweck angebrachte Öffnungen in die Kammern geleitet.
Die SS-Dienststelle, die das Gas für Desinfektion und Vernichtung von Menschen zu bestellen hatte, war das Hygiene-Institut des Professors Mrugowsky; der mit den technischen Verhandlungen mit der Firma Degesch beauftragte Offizier, der auch einen Teil der Bestellungen ausschrieb, war Obersturmführer Kurt Gerstein.
Er bestellte das Gas, das dann in die militärischen Lager und in die Konzentrationslager vom Typ Oranienburg -- wo man das Gas zur Desinfektion benutzte -- und nach Auschwitz geschickt wurde, wo es zum Teil zur Desinfektion und zum großen Teil für die Vernichtung verwendet wurde. Wir wollen hier jedoch gleich anmerken, daß zwar anscheinend fast die Gesamtmenge des für Tötungen bestimmten Gases von der Abteilung Dr. Mrugowskys bestellt zu sein scheint, daß jedoch die Rolle Gersteins dabei nicht recht feststeht.
So scheinen die von Gerstein für Auschwitz bestellten Gasmengen nur einen Bruchteil der gesamten Gasmenge zu bilden, die an dieses Lager geliefert worden ist; und man weiß nicht, was von diesem kleinen Bruchteil für die Desinfektion und was für die Tötungen bestimmt war.
Gerstein selbst hat zwölf Rechnungen der Degesch vorgelegt, die auf seinen Namen ausgestellt sind und sich auf Lieferungen von Zyklon B an Auschwitz und Oranienburg im Jahr 1944 beziehen. Nach diesen Rechnungen betrug die für Auschwitz bestimmte Menge nur (und durch die alleinige Vermittlung Gersteins) 1185 Kilogramm. Eine solche Menge hätte, falls sie zur Vernichtung benutzt worden wäre, genügt, etwa eine halbe Million Menschen zu töten.
Die von Gerstein vorgelegten Rechnungen bezogen sich sämtlich auf das Jahr 1944. In seinem Bericht sprach er im wesentlichen von den Ereignissen des Jahres 1942 sowie von dem Auftrag Günthers im Jahr 1944, den er verhindert habe. Tatsächlich gibt es jedoch auch dokumentarische Beweise für Gaslieferungen im Jahr 1943, die Gerstein vermittelt hat. Das geht etwa aus einem Brief der Degesch an Dr. Gerhard Peters hervor, den Direktor der Firma:
"Bei der Kontrolle unserer Bücher stoßen wir unter anderem auf eine Forderung an den Obersturmführer Kurt Gerstein, Oranienburg G 36, in Höhe von 17 000 Reichsmark, die sich aus Lieferungen vom 30. Juni 1943 bis 31. Mai 1944 ergeben. Die Lieferung selbst wurde seinerzeit bekanntlich von Ihnen persönlich veranlaßt."
Peters: "Die Lieferungen des Zyklons, die Sie erwähnen, sind seinerzeit von mir in meiner Eigenschaft als geschäftsführender Direktor der Degesch veranlaßt und genehmigt worden. Danach habe ich mehrmals vergeblich versucht, die fälligen Rechnungsbeträge zu erhalten. Ich habe mich an die Dienststelle gewendet, für die der Obersturmführer Gerstein zeichnete."
Die Buchführung der Dienststelle Gersteins weist die Bestellung von 1420 Kilogramm Zyklon von Juni 1943 bis November 1943 bei der Degesch aus. Wahrscheinlich fand im Juni 1943 auch die Unterhaltung zwischen Gerstein und Dr. Gerhard Peters statt, über die Peters nach dem Krieg berichtete:
"Professor Mrugowsky bat mich, nach Berlin zu Dr. Gerstein zu kommen", erzählt Peters. "Dieser gab mir als "Geheime Reichssache" eine Bestellung, die unmittelbar für ihn bestimmt sei. Es handelte sich um eine laufende Lieferung von insgesamt vielleicht 1200 bis 1500 Kilogramm. Gerstein verpflichtete mich zunächst zu strengster Geheimhaltung ... Es handelte sich um die Verwendung von Blausäure nicht zur Desinfektion, sondern gegen Menschen.
"Ich verstand ihn zunächst nicht und erwiderte, daß ich davon schon seit einiger Zeit wisse, da mir von der Wehrmacht ein Auftrag gegeben worden sei (ich dachte an den Geheimauftrag, mit dem mich die Wehrmacht betraut hatte, dessen Zweck offenbar der war, die Blausäure als Kampfgas einzusetzen).
"Gerstein beseitigte das Mißverständnis, indem er mir mitteilte, daß eine gewisse Anzahl von Verbrechern, unheilbar Kranken -- beispielsweise Geisteskranke -- und Minderwertigen getötet worden, daß die dabei benutzten Verfahren grausam und abscheulich gewesen seien und daß man Versuche mit Blausäure angestellt habe, um die Sache humaner zu machen; doch selbst diese Methode sei sehr grausam, da man nur das Zyklon habe benutzen können, über das die SS verfüge. Er sagte, er sei sehr interessiert daran, das Schicksal der unglücklichen Opfer zu verbessern, deren Qualen ihm zu Herzen gegangen seien. Er denke an einen weit schnelleren Tod mit Hilfe von flüssiger Blausäure. Da Gerstein und ich von der Grausamkeit eines solchen Verfahrens (mit dem Blausäuregas Zyklon B) überzeugt waren, das jedoch unerläßlich und auf Befehl ausgeführt wurde, überlegten wir noch einmal, auf welche Weise diese Tötungen weniger unmenschlich gemacht werden könnten.
"Gerstein sagte, daß die Qualen, die er beobachtet habe, auf den Reizstoff zurückzuführen seien, der In dem Zyklon, wie es heute verkauft werde, enthalten sei. Da ich nicht wußte, wie ich mir reine flüssige Blausäure beschaffen konnte, blieb mir nur die Möglichkeit, Zyklon ohne Reizstoff herzustellen. Gerstein verlangte aus-
* Auf der Anklagebank im Nürnberger Ärzteprozeß, November 1946.
drücklich, daß ihm dieses Zyklon ohne die Zwischenschaltung der Testa geliefert werde.
"Soweit ich mich erinnere, sprachen wir dann über die für die Konzentrationslager Auschwitz und Oranienburg erforderlichen Mengen, die übrigens auch geliefert wurden. Es war nicht sehr viel, was er brauchte. Doch ich erklärte, es sei besser, ausreichende Mengen zu bestellen und den größeren Teil davon zur Desinfektion der Örtlichkeiten zu benutzen, damit von vornherein jeder Argwohn zerstreut werde."
Das Frankfurter Schwurgericht hat 1955 in einem Prozeß gegen Peters die Unmöglichkeit dargelegt, genau nachzuweisen, daß das von Gerstein bei Dr. Peters bestellte Zyklon ohne Reizstoff verwendet worden ist, und sich dabei auf Zeugenaussagen der SS-Angehörigen aus Auschwitz selbst gestützt.
In der Urteilsbegründung heißt es über Gerstein: "Er stellt den Typ des Mannes dar, der das Nazi-Regime innerlich aus tiefster Überzeugung ablehnte, ja haßte, aber mitmachte, um Schlimmeres zu verhüten und von innen heraus dagegen zu arbeiten.
"Gerstein war aber nur ein SS-Obersturmführer, ein verhältnismäßig kleines und nur auf einem beschränkten Gebiet wesentliches Rad in einer ungeheuren Maschinerie. Seine Bedeutung und sein Einfluß waren bei bestem Bemühen und allen guten Absichten nicht groß genug, um die Maschinerie zum Halten zu bringen, oder konkreter, das, was aus seinem unmittelbaren Gebiet herausgelangt war, noch beeinflussen und lenken zu können.
"Die Maschinerie war stärker als er, er mußte dies einsehen und hat offensichtlich darunter und unter dem dadurch wohl, zumindest teilweise, bedingten Versagen seiner Bemühungen schwer gelitten ... Gerstein hat sich zwar bemüht, das Zyklon B anders als zu Tötungen zu verwenden, es ist aber die Möglichkeit nicht auszuschließen. daß ihm dies nicht restlos gelungen ist."
Im Lauf des Herbstes 1944 schrieb Kurt Gerstein den letzten Brief an seinen Vater: "Ich liege wieder einmal im SS-Lazarett Berlin. Ich bin auch sonst zur Zeit ziemlich jämmerlich daran. Aber das hat wenigstens das eine Gute, daß man zur Besinnung kommt. Mir ist es wohl zugefallen, all diese Dinge zwischen Weiß und Schwarz, zwischen Gut und Böse bis in die letzten Konsequenzen durchzudenken und -- versteh dies bitte recht! -- durchzuleiden.
"Ich habe meine Hände zu nichts hergegeben, was mit diesem allen zu tun hat. Wenn ich und soweit ich derartige Befehle erhielt, habe ich sie nicht ausgeführt und die Ausführung abgedreht. Ich selbst gehe aus dem Ganzen mit reinen Händen und einem engelreinen Gewissen heraus. Das ist mir außerordentlich beruhigend. Und zwar: nicht aus Klugheit! Was heißt hier Sterben? Sondern aus Prinzip und Haltung: 'Habe du nichts zu schaffen ...' Es ist das Schicksal aller Hasardeure, daß sie um eines noch ungewissen Gewinnes willen das Vorhandene, die Substanz riskieren."
Die letzten Monate in Berlin waren für Gerstein Monate des Entsetzens. Pfarrer Mochalski, dem er vor mehr als einem Jahr seine Angst mitgeteilt hatte, besuchte ihn Ende Dezember 1944. Er berichtet:
"Eine Haushälterin öffnete eine Klappe und erkundigte sich nach dem Begehren. Dann öffnete sie die Tür. Gerstein lag auf dem Bett, apathisch und voller Angst. Er erklärte mir
* Mit seinem Verteidiger Erich Schmidt-Leichner beim Degesch-Prozeß, 1955.
dann, daß er sich von der SS verfolgt fühle und immer mit dem Erscheinen von SS- oder SD-Leuten rechne."
Im März 1945 begegnete Helmut Franz, der Freund und Gefährte aus der Jugendbewegung, Gerstein zum letztenmal: "Ich stellte ihm die bange Frage, wie er es anstellen wolle, den anmarschierenden alliierten Truppen klarzumachen, daß er kein wirklicher SS-Offizier war, sondern nur ein vorgetäuschter, daß es also von ihm gerade ein Akt des Widerstandes gegen das System war, diese Uniform anzuziehen.
"Gerstein war da aber voller Hoffnung. Sein reines Gewissen und die vielen Kontakte mit Widerstandskämpfern, die er gepflegt hatte, ließen es ihm als ein leichtes erscheinen, die Integrität seiner Person nachzuweisen. Angesichts der Jahre tausendfältiger Risiken, die er hinter sich hatte, sah er dem Kommenden mit Zuversicht entgegen. Ja, er glaubte, daß gerade ihm als unmittelbarem Augenzeugen der schlimmsten Naziverbrechen eine wichtige Funktion der Aufklärung des deutschen Volkes zufallen würde, und sah einen wichtigen Lebensabschnitt voller positiver Aufgaben vor sich."
In der zweiten Märzhälfte verließ Gerstein Berlin. Am 26. März 1945 traf er in Tübingen bei seiner Frau und den drei Kindern ein. "Er äußerte, daß er anscheinend drei Wochen zu früh gekommen sei", erinnert sich Elfriede Gerstein. "Er habe geglaubt, daß die Front schon näher gerückt sei. Nach Berlin könne er nicht mehr zurück, hierbleiben aber auch noch nicht. Nach einigen Tagen fuhr er mit unbekanntem Ziel fort.
"Als er am 19. April 1945 wiederkehren wollte, kam er mit dem Auto nur noch bis Metzingen, wo er bei einer bekannten Arztfamilie erfuhr, daß Tübingen bereits von den Alliierten besetzt war. Als sich schließlich das Gerücht verbreitete, es sei von Urach her SS im Anmarsch, sagte er, daß das das Schlimmste sei, was ihm passieren könne, es gäbe für ihn jetzt nur noch einen Weg: den Alliierten entgegen.
"Mit einem Fahrrad fuhr er in Richtung Reutlingen. In Reutlingen stellte er sich am 22. April 1945 dem französischen Kommandanten und wurde nach Rottweil am Neckar gebracht." Seiner Frau hatte er zuvor erklärt: "Man wird von mir hören, verlaß dich drauf! Du wirst dich wundern, was ich alles getan habe! In drei bis vier Wochen bin ich wieder da."
In den nach Gersteins Tod wieder aufgefundenen Papieren kann man einige Zeilen lesen, die er in französisch auf den Entwurf seines Berichts gekritzelt hatte. Das Ganze trägt das Datum 26. April 1945:
"Der Herr Militärkommandant von Reutlingen, der meine Papiere und Darstellungen geprüft und bestätigt hat, hat mich nach Rottweil geschickt, damit dort meine Verwendung im Sicherheitsdienst der französischen Armee, vor allem im Einsatz gegen den Werwolf, besprochen wird. Er hat mir dazu einen Ausweis mit folgendem Text gegeben: 'Der Inhaber dieses Ausweises ist kein wirklicher SS-Mann und darf nicht als solcher behandelt werden, sondern mit allem Entgegenkommen.'"
In Rottweil wurde Gerstein im Hotel "Mohren" untergebracht, sozusagen als "Gefangener auf Ehrenwort". Er mußte sich lediglich einmal am Tag bei der französischen Gendarmerie melden. Am 26. April verfaßte er den französischen Text seines Berichts und zeichnete ihn handschriftlich auf. Während dieser Tage befreundete er sich mit dem Ortspfarrer Hecklinger; und auf dessen Schreibmaschine kopierte er zunächst seinen französischen Bericht, danach die deutschen Berichte mit den Daten 4. und 6. Mai 1945.
Am 5. Mai begegnete Gerstein zufällig zwei Offizieren, dem Amerikaner Haught und dem Engländer Evans, denen er das maschinengeschriebene Exemplar seines Berichts in französischer Sprache, eine kurze handgeschriebene Erklärung in englisch. einen Anhang, der die Liste einiger Gegner des Nationalsozialismus enthielt, die er bei sich in Berlin empfangen hatte, sowie Rechnungen für die Lieferung von Zyklon B an die Konzentrationslager und einen Brief übergab, den die Degesch ihm geschickt hatte.
Am gleichen Tag verfaßten die beiden Offiziere folgenden Bericht: "Gerstein gab an, daß wir die ersten Briten oder Amerikaner seien, deren Bekanntschaft er mache, und daß er uns von seinen Erfahrungen in deutschen Konzentrationslagern erzählen wolle. Er teilte uns mit, daß er ein persönlicher Freund Pastor Niemöllers sei und daß er, als Geheimagent für ihn arbeitend, einen höheren Posten in der Partei erhalten hatte. In dieser Eigenschaft wohnte er Besprechungen bei, in denen das Schicksal der Konzentrationslagerinsassen besprochen wurde. "Auf die Frage, ob ihm bekannt sei, daß Gaskammern zur Tötung der Insassen benutzt worden seien, antwortete er, daß er als Ingenieur oft bezüglich der Gebrauchsweise dieser Zellen zu Rate gezogen wurde. Kurt Gerstein entkam den Nazis erst vor ungefähr drei Wochen; er ist offenbar noch immer unter dem Eindruck seiner Erfahrungen, und es fiel ihm schwer, davon zu sprechen. Es lag ihm jedoch sehr viel daran, daß die Schuldigen wegen ihrer Verbrechen zur Rechenschaft gezogen würden, und er sagte, daß er vollkommen bereit sei, als Zeuge vor irgendeinem Gericht aufzutreten."
In den gleichen Tagen verfaßte Gerstein ein Gesuch, das man erst später wiederfand: "Nach zwölf Jahren unermüdlichem Kampf, insbesondere nach den letzten vier Jahren meiner äußerst gefährlichen und anstrengenden Tätigkeit und den vielen erlebten Scheußlichkeiten habe ich den Wunsch, mich bei meiner Familie in Tübingen zu erholen. Hier in Rottweil fehlen mir zudem die primitivsten Lebensbedürfnisse, Wäsche, Seife usw.
"Ich habe ferner den begreiflichen Wunsch, meinen Verdiensten im Kampf gegen den Nazismus entsprechend, entweder wieder in die mir mit gehörige Fabrik zurückzukehren oder in den öffentlichen Dienst im Kohlenbergbau, aus dem ich wegen meiner nazifeindlichen Tätigkeit 1936 entfernt wurde. Aus diesen Gründen bitte ich um Ausfertigung eines Passierscheines von Rottweil nach Tübingen, wo ich mich dem Herrn Militärgouverneur zur Verfügung zu stellen gedenke."
Diese Zeilen zeigen einen Gerstein, der die Zweifel und die Furcht anscheinend überwunden hatte und der mit unbedingter Zuversicht in die Zukunft schaute. Am 26. Mai 1945 erklärte Gerstein dem Pfarrer Hecklinger, daß er verlegt werden solle, wahrscheinlich nach Konstanz. Um zehn Uhr morgens dieses Tages schrieb er den letzten Brief an seine Frau: "Liebe Friedel! Nach fünf Wochen Aufenthalt in Rottweil zur Verfügung des Militärgouverneurs werde ich heute mit dem Wagen an eine übergeordnete Stelle in der Gegend von Konstanz -- wo, weiß ich nicht! -- weitergegeben. Ich hatte hier ein Hotelzimmer als Aufenthalt zugewiesen bekommen, nachdem ich eine Woche und einen Nachmittag im Käfig gehalten worden war und hiergegen Einspruch erhoben hatte.
"Ich gebe Dir den einen Rat: Wehr dich! Laß dir nichts gefallen. Es ist selbstverständlich, daß jemand wie ich -- wie wir -- anders behandelt werden muß als andere Leute. Meine Tätigkeit im SS-FHA (Führungshauptamt) war von vornherein eine reine Agententätigkeit für die Bekenntniskirche. Ich habe dir nur das Wenigste sagen können, weil man dich im Ernstfall erpreßt und ausgequetscht hätte. Mich würde der SD in kochendes Wasser geworfen haben, wenn er gewußt hätte, daß ich in meiner Not alles den Schweden verraten habe.
"Wann ich zurückkomme, weiß ich noch nicht. Ich genieße alle Freiheiten bisher und hoffe auch bei der nächsten Instanz. Aber ich kann, da man sich für meinen Fall sehr stark interessiert und da ich als einer der Hauptzeugen gegen die Kriegsverbrecher vor dem internationalen Gerichtshof aufzutreten habe, noch nichts Näheres sagen."
Das war die letzte Nachricht, die seine Familie von ihm erhielt. Am 26. Mai wurde Gerstein von zwei Offizieren des französischen Abwehrdienstes nach Konstanz gebracht.
Ende Mai oder Anfang Juni 1945 hörte ein deutscher Kriegsgefangener, Hans Künstle, Im Radio Lyon einen Bericht über die Ausrottungen durch Gas in den deutschen Lagern; die Quelle dieser Berichte wurde genannt: Kurt Gerstein.
Anfang Juni wurde Gerstein nach Paris gebracht. Vierzehn Tage lang wurde er in einem Gebäude an der Rue de Villejuste festgehalten, das anscheinend der französischen Abwehr gehörte. Man weiß nicht genau, über welche Themen er vernommen wurde. Wenn man der Erklärung des Amerikaners Haught glauben darf, scheint es, als ob die Franzosen nicht viel Interesse an Gersteins Erlebnissen in den polnischen Lagern gezeigt hätten.
Am 5. Juni 1945 erstattete der Chef der Dienststelle für die Fahndung nach Kriegsverbrechern, G. Mantout, einen ersten Bericht an Professor Gros an der französischen Botschaft in London: "Ich habe die Ehre, Ihnen in der Anlage die Kopie der Vernehmung des Täters Gerstein aus Tübingen durch meine Dienststelle zu überreichen. Dieses Dokument wird, wie ich meine, nicht verfehlen, Ihr Interesse zu erregen. Ich überlasse Ihnen in allen Fällen die Entscheidung darüber, ob es der Kriegsverbrechen-Kommission vorgelegt werden soll ..."
Der Text des Vernehmungsprotokolls ist bis heute nicht wieder aufgefunden worden.
Am 5. Juli 1945 wurde Gerstein im Militärgefängnis Cherche-Midi eingekerkert. Am 10. Juli wird gegen ihn die Untersuchung eröffnet "wegen Mordes und Beihilfe zum Mord"; die Archive der französischen Militärgerichtsbehörden geben dazu den Vermerk: "Aufgrund seiner Tätigkeit in Frankreich; er hat als SS-Oberscharführer im Führungshauptamt in enger Verbindung mit zahlreichen Mitgliedern des SD gedient."
Über die Zustände, die um diese Zeit in der "deutschen" Abteilung des Gefängnisses Cherche-Midi herrschten, besitzen wir zahlreiche Zeugnisse. Allerdings hatte Gerstein eine Zelle für sich allein, aber es ist unwahrscheinlich, daß man ihn viel anders als die anderen deutschen Häftlinge behandelt hat, da ihn die französischen Behörden nun als Kriegsverbrecher betrachteten. Diese Zustände beschreibt ein deutscher Gefangener, Fritz Trautwein, folgendermaßen:
"Die Zelle enthielt kein Fenster, sondern nur einen Luftschacht, durch den bei klarem Wetter etwas Licht hereindrang. Es war ein finsteres Loch ohne Beleuchtung und ohne Heizung. Dazu wimmelte es in der Zelle von Wanzen und Läusen, die allen Vertilgungsversuchen Trotz boten. Die Verpflegung war, von seltenen Ausnahmen abgesehen, völlig unzureichend, so daß wir immer mehr abmagerten.
"Wir Deutschen wurden in dem genannten Gefängnis von den anderen Gefangenen streng getrennt gehalten. Allenthalben wurde uns in den ersten Monaten Haß und Verachtung entgegengebracht. Gleich in den ersten Tagen wurden uns die Haare geschoren; auch erhielten wir Gefängniskleidung ... Die sanitären Einrichtungen in diesem alten Gefängnisbau spotteten jeder Beschreibung."
Am Nachmittag des 25. Juli wurde Gerstein tot in seiner Zelle aufgefunden.
Die Umstände seines Todes sind nicht völlig klar. Immerhin wäre ein Selbstmord verständlich. Wir haben die psychische Entwicklung dieses Mannes verfolgen können, der von Schuldgefühlen gepackt wurde, von Krankheit und inneren Konflikten erschöpft war.
Schon vor dem Krieg, bei seiner zweiten Inhaftierung, war ihm der Gedanke des Selbstmordes gekommen; während der letzten Lebensjahre hatte ihn diese Möglichkeit häufig in Versuchung geführt. Er drängte sie aus religiösen Gründen zurück, doch auch deshalb, um Zeugnis ablegen zu können. Doch als der Augenblick des Zeugnisses kam, wurde Gerstein nach einigen Wochen halber Freiheit als Kriegsverbrecher eingesperrt.
All seine Hoffnungen waren zunichte geworden, all seine Bemühungen umsonst gewesen. Sein Handeln in der jüngsten Vergangenheit hatte alle Bedeutung verloren. Vergeblich hatte er den Makel des Eintritts in die SS und die Gefahr, mit den wahren Verbrechern verwechselt zu werden, auf sich genommen. Nun schien der Selbstmord der einzige Ausweg zu sein.
Dr. Jacques Trouillet, der um 17.25 Uhr den Tod Gersteins feststellte, fand die Leiche auf dem Feldbett der Zelle ausgestreckt liegen, in eine Decke gehüllt, von der ein Stück abgerissen war; damit soll sich der Gefangene erhängt haben. Dem Gerichtsmediziner, der die Obduktion vornahm, schien der Selbstmord nicht zweifelhaft zu sein.
"Die Obduktion zeigt", schreibt Dr. Piedelièvre in seinem Bericht vom 1. August 1945, "daß es sich um einen gewöhnlichen Erhängten handelt, das heißt, es findet sich keine Spur von Gewaltanwendung, sondern ein typischer Erhängungsstreifen ohne tiefreichende Verletzung am Hals. Man muß also auf Selbstmord schließen (keine verdächtige Verletzung, keine Spur von Gewaltanwendung)."
Ein Bericht des Polizeikommissars Notre-Dame des Champs vom 25. Juli 1945 enthält folgenden Abschnitt: "Gerstein hat mehrere Briefe hinterlassen, in denen er seine Absicht, Selbstmord zu begehen, zu erkennen gibt. Sie sind uns vorgelegt worden. Sie müssen Richter Matéi zurückgegeben worden sein." Diese Briefe sind nicht wiedergefunden worden.
Am 3. August wurde Gerstein auf dem Friedhof Thiais unter dem Namen "Gastein" beerdigt. Drei Jahre lang blieb seine Familie im ungewissen über sein Schicksal. Erst 1948 wurde sie offiziell von dem Selbstmord verständigt.
Im Jahr 1956 wurde das Grab auf dem Friedhof Thiais, in dem Gerstein beigesetzt worden war, mit einem ganzen Teil des Friedhofs eingeebnet. Jede Identifizierung wurde damit unmöglich.
Das Geheimnis, das den Tod Kurt Gersteins umgibt, ist der letzte Aspekt des Rätsels, das sein ganzes Leben bestimmte: Dieser überzeugte Christ, anscheinend bedingungsloser Gegner des Nationalsozialismus, war in die SS, die "Schwarze Garde" des Hitlerregimes, eingetreten. Er blieb bis zum Ende darin, hatte teil an der Lieferung von Giften, die zur Ausrottung der Juden bestimmt waren, und wurde zu einem der entscheidenden Zeugen für die abscheulichen Massenhinrichtungen.
IM NÄCHSTEN HEFT
Der Fall Gersteln vor der Entnazifizierungs-Spruchkammer -- Ministerpräsident Kiesinger rehabilitiert den SS-Mann -- Abschied van einer Legende
Von Friedländer, Saul

DER SPIEGEL 1/1969
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