25.11.1968

BÜRO / FARBKOPIENTrocken am Ziel

In satten Farben leuchteten die Papierbögen, die aus dem schuhschrankgroßen Kasten quollen. Ihre Entstehung freilich blieb im dunkeln.
Denn die Erfinder der Farben-Truhe möchten den technischen Trick nicht verraten, der einen weiteren Schritt im Vormarsch der Bürotechnik markiert: Zum erstenmal lassen sich -- auf speziellem Papier -- farbengetreue Büro-Kopien von farbigen Vorlagen anfertigen.
Hersteller des ersten marktreifen Farbkopier-Geräts der Welt (Handelsname: "Color-in-Color") ist der amerikanische Konzern "3M Company". Ende letzten Monats wurde das Gerät auf der Jahresmesse der amerikanischen Büroausstatter vorgeführt. Schon vorher war ein Prototyp bei europäischen Interessenten herumgereicht worden, zuletzt Anfang Oktober auf der Kölner "photokina".
Damit ist die Firma 3M als erste am Ziel des "Rennens nach dem Farb-Kopierer" ("New York Times"). Das Rennen hatte allerdings mehr einem Versteckspiel geglichen: Nur gerüchteweise kursierten während der letzten fünf Jahre Informationen über Farbkopier-Versuche in der Branche. Demnach arbeiten außer 3M auch der Elektronik-Konzern RCA und die Photofirma Polaroid (beide bisher nicht im Kopier-Geschäft) an der Entwicklung ähnlicher Verfahren. Lediglich die Firma Xerox erklärte öffentlich, daß ihre Ingenieure mit Farbkopier-Experimenten befaßt sind.
Die neue 3M-Maschine gleicht äußerlich einem herkömmlichen Büro-Kopiergerät. Aber was die geheimnisvollen 60 Sekunden anlangt, die bis zum Erscheinen des fertigen Farb-Positivs jeweils verstreichen, so beschränkte sich 3M-Manager Carl Kuhrmeyer vor US-Journalisten auf einige Negativ-Hinweise: Im Gegensatz zum traditionellen Farbphotoverfahren sei der "Color-in-Color"-Prozeß trocken und komme ohne silberhaltige Chemikalien aus. Und anders als bei der Xerographie (einem schwarzweißen Trocken-Kopierverfahren) würden keine elektrischen Ladungen zum Einfärben der Bögen benutzt.
Der US-Verbraucher wird für eine Farb-Kopie, so schätzt Kuhrmeyer, etwa zwei Mark zahlen müssen, rund zehnmal soviel wie für eine Schwarzweiß-Kopie. Und vorerst ist das Gerät noch in einem Punkt technisch unvollkommen: Es kann keine Nuancen, sondern nur satte Farbflächen wiedergeben. Dieser Mangel wird sich jedoch durch technische Weiterentwicklung, wie die 3M-Leute hoffen, bald beheben lassen.
3M-Marktforscher wollen jedenfalls ermittelt haben, daß schon jetzt das Gerät, dessen Serienfertigung im nächsten Jahr beginnen soll, beispielsweise bei Werbefachleuten großes Interesse findet. Kuhrmeyers Prognose: Schon in fünf Jahren werden sich 15 Prozent des Büro-Kopier-Marktes verfärbt haben.

DER SPIEGEL 48/1968
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