28.10.1968

„VIELE WERDEN HIER MILLIONÄRE“

Amerikas ärgster Feind im Vietnamkrieg ist die Korruption. Doch die USA können sie nicht beseitigen -- aus Furcht, ihre vietnamesischen Gastgeber zu verletzen. „Ich sah, wie die Vereinigten Staaten besiegt werden -- nicht durch die Stärke des Gegners, sondern durch ihr eigenen Fehler, ihre eigene Unfähigkeit“, berichtete der amerikanische Publizist William J. Lederer, der vor zehn Jahren (zusammen mit Eugene Burdick) den umstrittenen Bestseller „Der häßliche Amerikanern schrieb. Lederer nach seinem neunten Aufenthalt in Vietnam: „Wir haben fast alles verpfuscht, was wir in Vietnam angefaßt haben"*.
Jede Regierung, der die Vereinigten Staaten in Vietnam zur Macht verholfen haben, hat sich als unzulänglich erwiesen. Sie alle wurden vom vietnamesischen Volk abgelehnt: zunächst das französische Regime, dann die Regierung Ngo Dinh Diem, schließlich, nach einer Zeit der Staatsstreiche und Gegenputsche, die Militär-Junta unter General Thieu und Marschall Ky.
Ein Gradmesser für die Unzulänglichkeit der verschiedenen Regime ist das Ausmaß der Korruption in Regierungskreisen. Ich spreche hier nicht von der allgemein akzeptierten asiatischen Praxis eines angemessenen "Trinkgeldes" für geleistete Dienste -- eine Praxis, die sich aus der traditionell niedrigen Besoldung der Regierungsbeamten entwickelt hat.
Dieses traditionelle Ausmaß hat die Korruption in Vietnam bei weitem überschritten. Sie ist zum Beispiel die übliche Methode, sich Regierungsposten zu verschaffen, und der übliche Grund, diese Posten zu begehren -- und zwar auf allen Stufen der Hierarchie, von unten bis oben, vom Polizisten bis zum General oder Provinzchef.
Ich sollte den vietnamesischen Schwarzmarkt zum erstenmal in Saigon kennenlernen. Ich erklärte dem Public-Relations-Officer des Heeres im Juspao (Joint United States Public Affairs Office), daß ich mit den Truppen ausrücken wollte, und fragte, wo ich Dschungelanzug und -stiefel kaufen könne.
"Wir haben eine Menge Sachen für Reporter, wenn sie die richtigen Papiere haben", erwiderte er und gab mir eine Genehmigung zum Kauf von Armee-Uniformen im Armee-eigenen PX-Geschäft.
Ein Freund fuhr mich auf seinem Roller zu dem grollen PX-Laden im Saigoner Chinesen-Bezirk Cholon. Außerhalb des durch Sandsäcke und bewaffnete US-Posten geschützten Geländes befand sich ein Kunden-Parkplatz. Dort liefen kleine vietnamesische Jungen mit ausgestreckter Hand herbei und forderten "Geld für die Bewachung des Jeeps (oder Rollers)" -- damit nicht "irgend jemand" die Zündkabel durchschnitt oder die Luft aus den Reifen ließ.
Wütend schilderte ich die Situation einem Offizier des PX-Ladens. Doch er antwortete: "Diese Straße ist vietnamesisches Staatsgebiet. Wir sind Gäste in diesem Land. Wir sind nicht zuständig für das, was auf dieser Straße geschieht. Diese Kinder hier können dort draußen gestohlene PX-Waren verkaufen, ohne daß wir etwas gegen sie unternehmen dürfen. Nur die vietnamesische Polizei kann eingreifen. Wir sind in diesem Land zu Gast -- so hat General Westmoreland es befohlen."
Auf meine naheliegende Bemerkung, dies sei eine merkwürdige Art, Gäste zu behandeln, die zu Tausenden ihr Leben dafür hingeben, ihre Gastgeber zu beschützen, zuckte der Major mit den Achseln: "Es ist ihr Land. Wir kämpfen und sterben im Kampf, weil wir von den Vietnamesen die Erlaubnis haben, auf diese Schlachtfelder zu ziehen. Das Parken von Rollern auf ihren Straßen dagegen ist etwas anderes!"
Ein Sergeant führte mich zur Uniform-Abteilung. Doch als ich dem Verkäufer meine Genehmigung überreichte, schüttelte er den Kopf: "Wir haben schon seit Monaten keine Dschungelanzüge oder -stiefel mehr."
"Wann rechnen Sie mit einer neuen Lieferung?"
Er hob ratlos die Hände und zuckte mit den Achseln.
Mein Freund und ich kehrten auf die Straße zurück, reparierten das durchschnittene Zündkabel am Roller und fuhren ins Juspao zurück. Dort berichtete ich dem Pubiic-Relations-Officer, daß der PX-Laden keine Dschungel-Uniformen vorrätig habe. Er lachte und meinte, ich müßte versuchen, sie dort zu bekommen, wo auch er und seine Leute sie einkauften -- auf dem Schwarzen Markt. "Man wird Ihnen vielleicht ein paar Dollar mehr abverlangen, aber dafür ist dort die Ausrü-
* William J. Lederer: "Our own worst enemy"; W. W. Norton & Company, Inc., New York; 4,95 Dollar.
stung immer und in allen Größen zu haben."
Ich ging die Straße hinunter, vorbei an dem Gebäude der USO (United Service Organisation*), an Blumenmärkten und Straßenrestaurants. Nach etwa fünf Minuten stieß ich auf den "Kleinen Schwarzmarkt" (der Name besagte, daß es anderswo noch größere Märkte gab).
Hunderte von Kunden, unter ihnen vier amerikanische Unteroffiziere, ein Hauptmann der Armee und ein Verwaltungsoffizier der US-Navy, schoben sich an den dichtgedrängten Verkaufsständen vorbei und begutachteten die angebotenen Waren. Vier vietnamesische Polizisten sorgten für Ordnung.
Die begehrtesten PX-Waren wurden angeboten: Transistorradios, Decken. Toaster, elektrische Mixgeräte, Armband- und andere Uhren, Füllhalter, Zigaretten, Tabak, Hemden, Fernsehgeräte, Kameras, Filme, Toilettenartikel, Arzneien, Damenunterwäsche, Socken, ein großes Sortiment bester amerikanischer Spirituosen und fast alle Konserven, die es in der Armee-Intendantur gibt.
Ich fragte einen vietnamesischen Beamten, ob es nicht ungesetzlich sei, aus dem PX-Laden gestohlene Waren zu verkaufen. Natürlich sei das gegen das Gesetz, antwortete er mir; doch sei keineswegs bewiesen, daß diese Waren auch wirklich gestohlen seien. Ich wies darauf hin, daß fast jeder Artikel noch das PX-Etikett trage und der PX-Laden zweifellos der einzige Importeur dieser Waren sei.
"Das stimmt", entgegnete er, "doch um hierzulande Waren als Diebesgut erklären zu können, muß der Dieb auf frischer Tat ertappt werden. Man muß sehr vorsichtig mit Anschuldigungen sein. Vielleicht ist der "PX"-Stempel auf dieser Kognakflasche ja eine Markenbezeichnung?"
* Betreuungsstelle für Angehörige der Streitkräfte.
Auf der Suche nach Uniformen und Dschungelstiefeln ging ich an den Ständen auf und ab, konnte sie aber nirgends entdecken. Dann trat eine Schwarzhändlerin auf mich zu und fragte mich auf englisch, was ich suche. Ich sagte es ihr, darauf sie: "Wir haben eine vollständige Uniform -- Helm, Hose, Stiefel, Hemd, alles, was Sie wünschen. 4800 Piaster oder 30 Dollar. Möchten Sie sie haben?"
"Ich möchte sie gern erst einmal sehen."
"Werden Sie sie kaufen, wenn sie ganz neu ist und die richtige Größe hat?"
"Ja, natürlich. Muß ich jetzt gleich bezahlen?"
Die Frau drehte sich zu einem Jungen um, sagte etwas auf vietnamesisch und gab ihm ein Stück Papier. "Folgen Sie dem Jungen und bezahlen Sie. wenn Sie die Ausrüstung erhalten."
Der Junge führte mich die Straße entlang in einen Laden, in dessen Schaufenster Kupfergefäße ausgestellt waren. Ein alter Mann rasselte mit den Kugeln eines Rechenbretts. Wortlos führte der Alte mich durch die Hintertür "des Geschäftes, über einen Hof in einen nach verfaultem Gemüse stinkenden Korridor, und dann zwei dunkle, ebenso stinkende Treppen hinauf auf den Boden eines anderen Gebäudes.
Hier sah es aus wie in einem Waffenarsenal der amerikanischen Armee. Alles schien braun gestrichen zu sein und es roch nach Öl oder frischer Farbe. Die Ausrüstungsgegenstände, mit gedruckten Preisschildern versehen, waren in ordentlichen Reihen aufgestellt. Automatische Gewehre kosteten 250 Dollar, ein schwerer Mörser 400 Dollar.
Etwa 1000 amerikanische Gewehre verschiedener Typen waren säuberlich in Ständern aufgereiht. Ein M-16-Gewehr kostete 80 Dollar. Auf der einen Seite des Bodens waren Uniformen aller Truppenteile einschließlich der US-Luftwaffe aufgehängt. Sogar Marine-Taucherausrüstungen waren zu haben.
Der alte Mann fragte nach meiner Größe und brachte mir dann die gewünschte Uniform und "die Stiefel.
Später an jenem Abend sprach ich mit einem alten Freund, den ich Tran Trong Hoc nennen will (und von dem ich später noch mehr berichten werde), über den Schwarzen Markt. "Was Sie gesehen haben, ist gar nichts", sagte er. "Fahren Sie einmal an die Küste und sehen Sie sich an, wie die großen Händler arbeiten. Die ganze südvietnamesische Regierung ist in diese Geschäfte verwickelt." "Auch Amerikaner?"
"Viele werden hier Millionäre -- genau wie damals, als die US-Armee Japan und Deutschland besetzte. Das können Sie mir glauben; denn die Schwarzhandelsgeschäfte in Vietnam setzen jährlich etwa zehn Milliarden Dollar um -- in amerikanischen Waren und Geldern. Ohne das stillschweigende Einverständnis der Amerikaner könnten diese Geschäfte nicht blühen -- das wäre unmöglich." Ich gab keine Antwort.
Der "Kleine Schwarzmarkt" in der Nähe der amerikanischen Botschaft und des Juspao ist eine "der Sehenswürdigkeiten Saigons. Er wird Besuchern ebenso offiziell gezeigt wie die US-Botschaft, der Bahnhof und der öffentliche Markt.
Amerikaner wie Vietnamesen kaufen auf dem "Kleinen Schwarzmarkt", weil er mitunter über ein besseres Warenangebot verfügt als die offiziellen Läden der US-Regierung, aus denen eben diese Waren gestohlen werden.
Alle -- sogar die verantwortlichen Beamten -- wissen, wie die dort angebotenen Waren aus dem PX-Laden und der amerikanischen Intendantur entwendet werden; es ist sogar bekannt, von wem und wer dafür bezahlt wird. Wenn die amerikanische oder die südvietnamesische Regierung es wallten, könnte der Schwarzmarkthandel in Saigon fast mit Sicherheit innerhalb einer Woche "beseitigt werden.
"Wir sind dabei nicht allzu genau", erklärte ein amerikanischer Polizeiausbilder in Saigon, "weil wir es mit den Koreanern und den Filipinos (beide stark in Schwarzmarktgeschäfte verwickelt und beide Verbündete der Vereinigten Staaten) nicht verderben wollen -- und weil der Schwarze Markt die Inflation zu bremsen hilft. Warum, weiß ich nicht, aber unsere Wirtschaftsexperten behaupten es."
Ich wollte herausfinden, wie der Schwarze Markt an seine Luxusartikel kommt, so suchte ich den Hauptlieferanten in Salgen auf -- den PX-Laden. Der große PX-Laden im Chinesenviertel Cholon war noch nicht geöffnet, als ich ankam. Am Ende der Wartenden standen zwei ·GIs. Sie mußten aus dem Kampfgebiet gekommen sein: Ihre Dschungelkleidung war schmutzbedeckt, ihre Helme mit Tarnnetzen überzogen.
Neugierig auf das, was zwei Frontsoldaten im PX kaufen würden, stellte ich mich hinter ihnen in der Schlange an. Die beiden Soldaten kamen von einer abgelegenen Station einer Nachrichtentruppe hinter Pleiku; sie wollten einen Eisschrank kaufen, für kalte Getränke und Sandwiches.
Sie erzählten mir, welche Vorkehrungen sie getroffen hatten, um den Eisschrank in ein Flugzeug hinein zu bekommen, und wie der Truppenbetreuungsoffizier in Pieiku herausgefunden hatte, daß die Eisschränke tags zuvor in Saigon eingetroffen waren.
Als "sich die Türen des PX-Ladens öffneten und die GIs an die Reihe kamen, waren keine Eisschränke mehr vorrätig. Die Sendung war am Mittag des Vortages eingetroffen; bei Ladenschluß waren alle Eisschränke verkauft gewesen. Zwölf der insgesamt 16 Eisschränke waren, so erfuhr ich, an philippinische und koreanische Soldaten verkauft worden.
Wie aber hatten Filipinos und Koreaner von den Eisschränken erfahren und sie so schnell kaufen können? Die Antwort ist wieder ganz einfach: Die amerikanische Armee, die den PX-Laden in Saigon unterhält, hat Filipinos und Koreaner als Manager eingestellt. Wenn ein begehrter Artikel eintrifft, benachrichtigen diese Leute ihre koreanischen und philippinischen Freunde.
Ais die enttäuschten GIs den PX-Laden verließen, sagte einer von ihnen: "Erinnerst du dich an das Nachschublager des Vietcong, das wir letzten Monat ausgehoben haben?"
"Ja, ich weiß. Dort gab es einen Eisschrank -- mit dem PX-Etikett an der Rückseite; das verdammte Ding war voller amerikanischer Antibiotika."
Das amerikanische PX-System in Vietnam ist -- nach Aussage des verantwortlichen Offiziers -- ein Geschäft mit einem Jahresumsatz von 300 Millionen Dollar. Es beweist im kleinen, warum die USA in Vietnam -- und in ihrer Außenpolitik im allgemeinen -- so tief in Schwierigkeiten stecken.
In den PX-Läden sind über 5000 vietnamesische Frauen als Verkäuferinnen angestellt. Sie kennen die Waren nicht, sind im allgemeinen uninteressiert und unhöflich -- und stehlen. Im Mai 1967 verlor der kleine PX-Laden für das Hauptquartier in Saigon allein durch geringfügige Diebstähle 65 000 Dollar. Und "das war nur der kleine Laden.
Eine Zeitlang ließ "die Geschäftsleitung die vietnamesischen Verkäuferinnen beim Verlassen des Ladens durchsuchen. Die Frauen drohten jedoch mit Streik, falls diese Kontrollen nicht eingestellt würden. Sie wurden eingestellt. Denn die Amerikaner lassen sich lieber bestehlen, als daß sie auf die Vietnamesen "keinen guten Eindruck machen".
Ich habe selbst gesehen, wie Verkäuferinnen auf der Hauptstraße außerhalb eines PX-Ladens PX-Waren aus ihren Unterkleidern hervorholten und in einen Korb warfen. Ein Vietnamese stand dabei und führte Buch über Art und Menge dessen, was jedes Mädchen mitgenommen hatte.
Die für die PX-Läden -- und auch für die Intendantur -- bestimmten Waren werden bereits gestohlen, bevor sie dort überhaupt eintreffen -- und auch nachdem sie auf den Regalen aufgereiht sind. Doch die Korruption beschränkt sich nicht auf den Schwarzen Markt.
Es ist kein Geheimnis, daß die PX-Geschäfte und die Intendantur auf dem Umweg über den Schwarzen Markt fast jeden in Südvietnam, der über das nötige Geld verfügt, mit Luxusartikeln versorgen. Ein Importeur erzählte mir, er handle nicht mehr mit legitim importierten Eisschränken und Tonbandgeräten -- sie könnten billiger und schneller aus den PX-Läden bezogen werden, nämlich über den Schwarzen Markt.
Importeure ausländischer Nahrungsmittel sind in derselben mißlichen Lage. Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie Filipinos und Südkoreaner In Uniform um 6.00 Uhr morgens vor dem Continental-Hotel von einem Armee-Lastwagen eine Ladung Fleischkonserven und Fruchtsäfte abluden. Auf der Speisekarte des Continental-Hotels wird "Amerikanisches Dosenfleisch" angeboten. Bestellt man Tomatensaft zum Frühstück, so serviert der Kellner eine kleine Dose, die noch den Stempel der amerikanischen Intendantur trägt: zehn Cent.
Viermal beobachtete ich während meines Aufenthaltes in Saigon, wie dieser Lastwagen Lebensmittel aus dem PX-Laden und der Intendantur ins Continental-Hotel lieferte. Einmal wurde ein großes Fleischpaket, versehen mit dem Namen General Westmorelands, zusammen mit Tomatensaft im Continental abgegeben. Es gibt in Saigon kaum eine Bar, in der nicht Alkohol aus US-Beständen angeboten würde.
Bei der Prüfung dieser PX-Praktiken bat ich um ein Interview mit einem der verantwortlichen Offiziere. Ich bekam es -- mit einem Oberst und unter der Bedingung, daß ich ihn nicht direkt zitieren würde.
Der PX, so sagte er, beschäftigt über 5000 Vietnamesinnen, weil es die Pflicht der Vereinigten Staaten ist, diese Frauen in Verkaufspraktiken auszubilden. Nach Kriegsende werden sie als gelernte Verkäuferinnen in den Geschäften Vietnams arbeiten und somit den Handel des Landes fördern können.
Diese Erklärung erschien mir absurd. Jedes Geschäft, das wie der PX geleitet würde, müßte bald bankrott machen.
Der Oberst fuhr fort, der PX beschäftige vietnamesische Verkäuferinnen und Koreaner und Filipinos als Geschäftsführer, weil sie viel billiger seien als Amerikaner -- und weil die Filipinos und die Koreaner bereits in Seoul und Manila PX-Erfahrungen gesammelt hätten.
Ich wies den Oberst darauf hin, der Service sei schlecht. Außerdem würden Waren im Wert von jährlich vielleicht 75 Millionen Dollar größtenteils deswegen gestohlen oder für den Schwarzen Markt abgezweigt, weil Ausländer als Verkäuferinnen, Geschäftsführer, Lastwagenfahrer und Hafenarbeiter beschäftigt würden.
Der Oberst leugnete, daß der Service schlecht sei. Er verneinte ebenfalls, daß ein beträchtlicher Teil der Waren seiner Läden auf den Schwarzen Markt geschleust würde. Er bestritt, daß aus dem kleinen PX-Geschäft in Saigon in einem Monat Waren im Werte von 65 000 Dollar gestohlen wurden. (Ich hatte diese von dem PX-Laden in Saigon als Diebstahl veranschlagten Verlustziffern selbst gesehen. Entweder wußte der Oberst nicht, was in seinen eigenen Läden vorging, oder aber er log.)
Ein weiterer Grund für die Beschäftigung von über 5000 Ausländern im PX bestand nach Aussagen des Oberst darin, würdigen Vietnamesen mit gutem Charakter Arbeit zu geben und so der Kriegswirtschaft zu helfen. Ich fragte ihn, ob er wüßte, wie der Beschäftigungsschwindel funktioniere. In Wirklichkeit braucht jeder Verkäufer und jede Verkäuferin eine Empfehlung eines vietnamesischen Regierungsbeamten. Diese Empfehlung muß bezahlt werden -- der normale Preis beträgt etwa einen Monatslohn.
Der Oberst hatte nie davon gehört. Dann erzählte er mir, welch wunderbare Einrichtung diese PX-Läden seien. Mit ihnen würden Gewinne erzielt
und damit würden Filme und andere Unterhaltungsmöglichkeiten für die Heeres- und Luftwaffensoldaten finanziert. Er erklärte auch, in den PX-Läden könnten unternehmungslustige Amerikaner ihre Dollar ausgeben -- statt ihr Geld auf die vietnamesische Wirtschaft abzuladen und damit eine Inflation zu verursachen.
"Sollen die PX-Läden nicht in erster Linie der Truppe dienen?" frage ich den Oberst.
Er stimmte mir zu. Doch in dem großen PX-Laden in Saigon kommt die Truppe an letzter Stelle. Als erstes zählt die Ausbildung der Vietnamesen, dann der Verdienst zur Finanzierung von Zerstreuungsmöglichkeiten, dann die Verbesserung der vietnamesischen Wirtschaft, danach der "gute Eindruck". Der GI rangiert an letzter Stelle.
Nicht etwa der geringe Prozentsatz der Männer, die tatsächlich kämpfen, hat am meisten von den PX-Läden, sondern die dicken Kerle in den Städten und Hauptquartieren sowie Tausende von Zivilisten -- Bauarbeiter, Zeitungsleute, Angestellte und Botschaftsangehörige.
Das PX-System in seiner jetzigen Form macht die USA zu einem Kollaborateur der übelsten Art von Korruption. Alle, einschließlich der Amerikaner, wissen, daß einige Amerikaner darin verwickelt sind. Jeder weiß, daß viele vietnamesische Verkäufer korrupt sind und daß das philippinische und koreanische Hilfspersonal in den PX-Läden oft mit seinen Freunden unter einer Decke steckt. Wegen der Praktiken in den PX-Läden und der Intendantur hält der Durchschnitts-Vietnamese die Amerikaner daher für korrupt.
Die Schiebungen in den PX-Läden und der Verkauf von PX-Waren auf dem Schwarzen Markt im Werte von mehreren Millionen Dollar mutete freilich fast wie eine Bagatelle an, verglichen mit dem, was ich später entdecken sollte.
Mit meinem alten Freund Tran Trong Hoc ging ich am Saigon-Fluß entlang. Tran, Polizeibeamter in Hanoi, als es noch unter französischer Herrschaft stand, ist eine Art pensionierter Mandarin. Er hat sich aus dem aktiven Leben zurückgezogen und beobachtet alles, lauscht den Gerüchten und dem Klatsch, liest die Zeitungen und verfolgt den allgegenwärtigen Machtkampf in der vietnamesischen Politik.
Seine Kinder und Enkel leben über ganz Südostasien verstreut. Einige arbeiten für die südvietnamesische, andere für die amerikanische Regierung, wieder andere für die Nationale Befreiungsfront. Einige sind auch in der Wirtschaft tätig.
Tran Trong Hoc ist eine Central Intelligence Agency en miniature -- für ihn nur ein Zeitvertreib, ein Hobby. Als ich auf die Gefahren seines Hobbys hinwies, lächelte er nur und sagte langsam: "Was sonst kann ein alter Mann tun, um seinem Land zu helfen?"
Wir wanderten nordwärts. Mehrere amerikanische Frachter lagen im Saigon-Fluß vor Anker, uns am nächsten ein großes graues Frachtschiff. Seine Fracht wurde in Lastkähne umgeladen.
"Dieses Schiff wollen wir beobachten", sagte Tran. "Doch es ist sicherer, wenn wir das von meinem Wagen aus tun. Schließlich spionieren wir, ziehen Erkundigungen ein. Wir sind Schnüffler, wir wollen sehen, wer die amerikanischen militärischen Versorgungsgüter abfängt. Hier auf der Straße mit Ferngläsern bewaffnet stehen zu bleiben heißt, das Schicksal geradezu herauszufordern Vielsagend bewegte er den Zeigefinger über seine Kehle.
Wir kehrten um und gingen zu Trans altem, klapprigen Citroen zurück. In wenigen Minuten waren wir wieder am Fluß und hielten etwa 150 Meter von dem Kai entfernt, den die Kähne von dem amerikanischen Frachter aus ansteuerten.
"Diese Lastkähne", erklärte Tran, "gehören der vietnamesischen Firma einiger vietnamesischer Generale. Ihr Amerikaner bezahlt für die Benutzung dieser Kähne. Ihr Amerikaner bezahlt für das Privileg, Munition, Nahrungsmittel und Kriegsmaterial in dieses Land zu schicken."
Am Kai standen acht Fünf-Tonnen-Lastwagen, früher einmal Fahrzeuge der US-Armee. Die Kähne machten am Kai fest, vietnamesische Hafenarbeiter luden die Fracht aus -- und direkt auf die braunen Lkw um.
"Die Vereinigten Staaten zahlen die Löhne dieser vietnamesischen Hafenarbeiter", bemerkte Tran.
Amerikanische Soldaten oder Zivilbeamte zur Überwachung und Kontrolle waren nirgends zu sehen. Trans Erklärung: "Die südvietnamesische Regierung hat der amerikanischen Regierung bedeutet, sie solle sich nicht in interne Angelegenheiten einmischen."
Ärgerlich erwiderte ich: "Aber diese Fracht ist amerikanisches Kriegsmaterial. Die Holzkisten tragen die Aufschrift VERTEIDIGUNGSMINISTERIUM, ELEKTRONISCHE GERÄTE, NICHT STURZEN. Sie kommen aus den USA und werden von amerikanischen Bürgern bezahlt."
"Bill", sagte Tran, "die Vereinigten Staaten haben keine Zollrechte in Vietnam. Sie müssen begreifen, daß die Amerikaner hier nur Gäste sind. Das ist die offizielle Haltung Ihres Landes. Vielleicht ist deshalb niemand hier, um dieses Kriegsmaterial zu überwachen. Gäste pflegen die Unehrlichkeit ihrer Gastgeber nicht zu kontrollieren."
"Aber hier handelt es sich um amerikanisches Material für amerikanische Truppen." -- "Ja."
Wir beobachteten weiterhin das Geschehen. Nach rund einer Stunde waren die acht Lastwagen mit ihren 40 Tonnen amerikanischer Fracht beladen. Die Fahrer waren deutlich nervös. Immer wieder blickten sie zur Uhr und sprachen aufgeregt miteinander.
"Normalerweise", bemerkte Tran, "bedeutet uns Zeit sehr wenig. Wenn vietnamesische Fahrer nervös werden, so kann das nur eines bedeuten: Sie müssen Vietcong-Gebiet durchfahren. Die Vietcong werden dafür bezahlt, einen Konvoi zu einer bestimmten Zeit durchzulassen. Trifft der Konvoi zu früh oder zu spät ein, werden die Lastwagen unter Umständen in die Luft gesprengt."
Ein vietnamesischer Armee-Jeep mit einer kleinen vietnamesischen Fahne auf dem vorderen linken Kotflügel fuhr auf dem Kai vor. Ein korpulenter Vietnamese, etwa 35 Jahre alt, In Khakiuniform (aber ohne Rangabzeichen), stieg aus.
Die Lastwagenfahrer scharten sich um ihn. Jedem händigte der korpulente Mann ein Papier aus. Eindringlich sprach er auf die Fahrer ein -- fast wie ein Fußballtrainer, der seiner Mannschaft Anweisungen gibt. Schließlich nickte er mit dem Kopf; die Fahrer bestiegen schnell ihre großen Wagen und ließen die Motoren an. Jeder Fahrer steckte sein Papier in eine Plastikhülle und befestigte sie an der Sonnenblende seines Lkw.
Wieder nickte der korpulente Vietnamese in der Khakiuniform; der erste Lastwagen fuhr ab, die anderen folgten ihm. Der Konvoi verließ das Flußgebiet und fuhr langsam durch die Stadt landeinwärts. Dann verloren wir ihn aus den Augen, aber Tran kannte die Route des Konvois ebenso wie dessen Bestimmung. Unter seinen Hunderten Freunden und Informanten befindet sich einer, der diese Konvoi-Route ständig befährt.
Wenn die acht Lastwagen mit den 40 Tonnen amerikanischer elektronischer Geräte die Straße von Saigon nach Bien Hoa erreichen, werden sie von einer vietnamesischen Wache in Begleitung eines amerikanischen Soldaten angehalten. Die Fahrer zeigen Ihre Papiere. Die vietnamesische Wache geht von Wagen zu Wagen, prüft kurz jedes Papier und spricht mit dem Amerikaner, der Vietnamesisch weder lesen noch sprechen kann und auf seinen vietnamesischen Partner angewiesen ist. Der Amerikaner gibt sein "0. K." und tritt an den Straßenrand zurück. Die vietnamesische Wache läßt den Konvoi weiterfahren.
Die Lastwagen rollen weiter zur Alten Straße Nr. 1; sie führt nach Pnom Penh, Kambodschas Hauptstadt. Die Grenze ist nur etwa 80 Kilometer entfernt. Viermal halten bewaffnete Wachtposten die Lkw an, viermal werden die Papiere geprüft. Zweimal tragen die bewaffneten Wachen südvietnamesische Heeresuniformen, zweimal sind sie in die schwarzen Pyjamas der Bauern gekleidet.
Schließlich erreichen die Lastwagen ihr Ziel: Go Dau Ha, ein Dorf fast an der kambodschanisch-vietnamesischen Grenze, 80 Kilometer oder etwa zwei Stunden und 20 Minuten von der Hauptstadt Saigon entfernt.
Sie halten an einer ungepflasterten, Tu Xuong genannten Straße. An ihrer Kreuzung mit der noch kleineren Straße Van Lang steht ein relativ großes, strohgedecktes Holzhaus. Bewaffnete südvietnamesische Soldaten kommen heraus, einer von Ihnen nimmt den Fahrern gegen Quittung die Papiere ab. Einer der Soldaten brüllt etwas. Die Fahrer steigen aus, treten an einen Tisch neben dem strohgedeckten Haus. Zwei Frauen in schwarzen Pyjamas bringen etwas zu essen. Es riecht nach Fisch und Knoblauch.
Während die Fahrer essen, trifft aus der anderen Richtung, aus Kambodscha, ein Konvoi schwarzgestrichener Lastwagen ein. Eine Gruppe Arbeiter tritt sofort in Aktion: Die Ladungen der beiden Konvois werden ausgetauscht, Das elektronische US-Gerät geht nach Kambodscha, die Kartons aus Kambodscha kommen auf die vietnamesischen Lastwagen.
Nach einer halben Stunde beginnt der vietnamesische Konvoi, beladen mit Tonnen rotchinesischer Waren, die Rückfahrt nach Saigon. Etwas zu verstecken, wird nicht einmal versucht, alles ist auf den großen Pappkartons deutlich gekennzeichnet: Zahnbürsten, Zahnpulver" Vitamine, imitierte Parker-Füllfederhalter und Thermosflaschen.
Inzwischen sind drei Stunden vergangen. Die Lastwagen haben Cholon am Stadtrand von Saigon erreicht. Sie parken vor hölzernen Lagerhäusern, die Güter aus dem kommunistischen China werden hineingetragen. Mehrere südvietnamesische Polizisten stehen dabei und schauen zu.
In dem Warenhaus lagern große Stapel mit Reifen für Jeepe und andere amerikanische Militärfahrzeuge. Im Hintergrund sind Hunderte von Säcken mit amerikanischem Zement aufgestapelt (mit der Markierung USAID) und Hunderte von Säcken mit amerikanischem Rets. Das Lagerhaus gehört Hop Tan, einem Chinesen.
Das also geschah mit den Lastwagen mit den 40 Tonnen amerikanischen Militärmaterials. Der korpulente, in Khaki gekleidete Mann, der sie im Hafen Saigon in Empfang nahm, gehört zur Polizeibehörde der Provinz Tay Ninh an der kambodschanischen Grenze. Jeden Tag kommt er mindestens einmal zum Hafen und händigt Lastwagenfahrern Papiere aus.
Es sind offizielle Dokumente, auf denen bescheinigt wird, daß das Material auf den Lkw an die südvietnamesischen Nachrichtentruppen geliefert wird.
Natürlich sehen die Nachrichtentruppen nie etwas von diesen Dingen. Sie werden auf der Alten Straße Nr. 1 nach Go Dau Ha, Ta Loc oder Nan Pi geschickt, alles Übergänge nach Kambodscha. Sobald sie dort angekommen sind, werden die Lkw-Ladungen einem National-Chinesen aus Taipeh übergeben; er vertritt ein internationales Schwarzmarkt-Kartell.
An den Zahlungen, die all dies ermöglichen, sind hohe Offiziere der südvietnamesischen Nachrichtentruppen, die Polizei der Provinz Tay Ninh, Vertreter des Diplomatischen Dienstes und der Regierrung in Saigon beteiligt.
Alles ist wunderbar abgestimmt; Gewisse Hafenbeamte in Saigon wissen, welche
amerikanischen
Schiffe und Frachten nach Saigon kommen werden; sie kontrollieren auch die Löscharbeiten. Etwa zwei Wochen vor Ankunft eines amerikanischen Frachters in Saigon werden die möglicherweise interessierten Kunden über die Ladung des
amerikanischen Schiffes informiert: Vietcong, Nordvietnamesen, manchmal Rotchina, vielleicht ein Mittelsmann in Hongkong -- oder irgendeine Nation der Welt, die die Ladung braucht und bereit ist, einen entsprechend hohen Preis zu zahlen.
Einer philippinischen Quelle zufolge war Israel im Sommer 1967 einer der Schwarzmarkt-Kunden. Israel brauchte dringend 175-Millimeter-Haubitzen-Geschosse; nur die Vereinigten Staaten stellen sie in größerem Umfange her. Sie kosten jeweils ungefähr 400 Dollar. Haubitzengeschosse, die eigentlich für die US-Armee in Vietnam bestimmt waren, wurden über Manila geleitet. Dort übernahm ein anderes Schiff die Geschosse -- und brachte sie nach Israel.
An diesem Handel sind viele Leute beteiligt. Immerhin geht es dabei um viele Milliarden Dollar.
Folgende Partner gehören dazu:
* südvietnamesische Generale und Beamte; südvietnamesische Geschäftsleute, die mit Vietnamesen in öffentlichen Funktionen befreundet sind;
* die Nationale Befreiungsfront (Vietcong);
* amerikanische Schwarzmarkthändler;
* nordvietnamesische Agenten;
* nationalchinesische Geschäftsleute, sowohl in Vietnam als auch auf Formosa;
* koreanische Soldaten, Geschäftsleute und Beamte;
* philippinische Soldaten, Geschäftsleute und Beamte.
Mit anderen Worten: Nahezu jedermann untergräbt die Kriegsanstrengungen der USA in Vietnam.
"Sie sind ein alter Freund, und wir sind hier auf einer Familienfeier, so will ich Ihnen sagen, was ich für die Wahrheit halte. Wir Professoren nennen Ihre Diplomaten und Generale "Die kriecherischen Amerikaner". Sie würden eher einem aus Nordvietnam stammenden politischen Postenjäger wie General Ky am hellichten Tage vor dem Parlamentsgebäude das Hinterteil küssen als zu riskieren, die Vietnamesen zu kränken ..."
Das sagte Professor Vo Van Klm nach einigen Glas Reiswein auf der Feier zu seinem 70. Geburtstag.
Es ist tragisch: Die amerikanischen Beamten sind von einer Lähmung befallen, die es ihnen unmöglich macht, die südvietnamesische Regierung zur Beseitigung der Korruption zu zwingen. Sie fürchten sich davor, die Vietnamesen zu kränken. Wegen dieser Hilflosigkeit behandeln uns die Vietnamesen mit Geringschätzung und Verachtung. Sie erniedrigen uns bei jeder Gelegenheit -- und deren gibt es viele.
In einem großen Stützpunkt der US-Luftwaffe (ich möchte den Namen nicht nennen, um einen der Offiziere zu schützen) kamen an einem heißen Montagmorgen die Sanitätsoffiziere aller Waffengattungen zu einer Sonderkonferenz zusammen. Zwei Themen standen auf der Tagesordnung: Der Mangel an Antibiotika mit breitem Anwendungsbereich und eine mysteriöse Krankheit.
Bei einer wachsenden Anzahl von Patienten eines jungen Luftwaffenarztes war eine gefährliche Hautinfektion aufgetreten. Sie hatte die Opfer bewegungsunfähig gemacht; der junge Arzt hoffte, seine älteren Kollegen würden ihm helfen können. Niemand wußte Rat, aber alle berichteten von gleichen Krankheitsfällen in ihren Einheiten.
Vertreter des öffentlichen Gesundheitsdienstes wurden eingeflogen, eine gründliche Untersuchung angeordnet. Labortests ergaben auf der Kleidung der Männer verschiedene Pilztypen und Bakterien, die die menschliche Haut angreifen.
Die Spur der Hautkrankheit führte zu den Wäschereien einer vietnamesischen Firma am Ort. Vietnamesinnen wuschen die Wäsche mit der Hand, in kaltem Wasser. Dieses Wasser aber war mit Kloakenabwässern verseucht, in denen zum Teil Darmparasiten nachgewiesen wurden.
Die Militärärzte und das Personal der öffentlichen Gesundheitsdienstes befahlen den Wäscherinnen, das Wasser abzukochen, gaben ihnen Klärmittel und führten ihnen deren Gebrauch vor. Die Manager der Wäschereien sagten, ihre Angestellten hätten alles verstanden und würden es befolgen. Dennoch wuschen die Wäscherinnen die Kleider weiter in kaltem, verseuchtem Wasser, und die Soldaten hatten nach wie vor Hautkrankheiten.
Einer der diensthabenden Offiziere des Stützpunktes -- ich will ihn Oberst John Adams nennen -- fand eine Lösung für das Problem. Adams verhandelte mit einer nichtvietnamesischen Firma und beauftragte sie, auf dem Stützpunkt eine moderne Wäscherei einzurichten. Nach ungefähr sechs Wochen arbeitete die Wäscherei, die Hautepidemie hörte auf. Die Soldaten erhielten jetzt ihre Wäsche innerhalb von zwei Tagen (statt vorher fünf) zurück, die Kleider wurden desinfiziert und gebügelt.
Jedermann war Oberst Adams für seine Initiative dankbar -- bis auf die Vietnamesen von den Wäschereien, die vietnamesischen Offiziere und die vietnamesischen Prostituierten. Diese Kombination erscheint den Amerikanern seltsam, ist aber verständlich aus der Sicht der dort herrschenden Sitten.
Bei nahezu jedem Geschäft in Vietnam hat die südvietnamesische Militärjunta ihre Hand im Spiel oder kontrolliert es ganz. Das Waschen, Reinigen und Ausbessern der Kleider der US-Soldaten ist Jahr für Jahr ein 120-Millionen-Dollar-Geschäft. Von jeder Wäscherin, jedem Wäschereibesitzer und Schneider, der für die ausländischen Truppen arbeitet, erhalten die vietnamesischen Beamten ein Schmiergeld. Als nun Oberst Adams eine moderne, von Außenseitern betriebene Wäscherei einrichtete, brachte er automatisch die südvietnamesischen Führer um beträchtliche Gewinne,
Die Prostituierten waren auf weniger direktem Wege beteiligt: Die vietnamesischen Wäschereimanager hatten das Waschpulver über die Soldaten aus dem PX bezogen. Für je zehn Schachteln Seifenpulver erhielten die Männer einen Gutschein, den sie in einem der besseren Bordelle einlösen konnten. Mit der Eröffnung der modernen Wäscherei gingen also der Waschpulver-Verkauf im PX -- und das Geschäft im Bordell zurück.
Einige Wochen nach Inbetriebnahme der neuen Wäscherei erhielt Oberst John Adams einen Befehl von seinen Vorgesetzten. Der vietnamesische Kommandeur in Adams' Gebiet hatte sich über die Gründung der neuen Wäscherei beschwert, weil dadurch vietnamesische Frauen Ihre Arbeit verloren hätten. Daher hieß es in dem Befehl an Adams, falls er keine gleichwertige Verdienstmöglichkelt für die Vietnamesinnen schaffen könne, müsse er die neue Wäscherei schließen und die Aufträge wieder an die örtlichen Vietnamesen vergeben.
Der Gedanke, Arbeitsvermittler für Wäscherinnen und Mittelsmann vietnamesischer Schieber zu werden, behagte Oberst Adams gar nicht. Dall das Wohlergehen von vielleicht 100 vietnamesischen Prostituierten mehr gelten sollte als die Gesundheit von Tausenden amerikanischer Soldaten, die für die Vietnamesen Waffendienst leisteten, brachte Ihn In Wut.
Doch Oberst Adams ist intelligent und denkt praktisch. Er begriff, daß ihm keine Wahl blieb. Die früheren Wäscherinnen wurden als Boten beschäftigt; sie sammelten die schmutzige Wäsche in den Kasernen ein, brachten sie In die neue Wäscherei und lieferten später die saubere Wäsche aus, Ihre Arbeit wurde überhaupt nicht gebraucht; tatsächlich verzögerten sie die Auslieferung und verteuerten nur den Wäschereipreis. Aber so war es möglich, die neue Wäscherei in Betrieb und die Männer gesund zu erhalten.
Und jetzt konnten auch die Prostituierten in der Nähe des amerikanischen Stützpunktes ihrem Gewerbe weiter nachgehen: Die Soldaten gaben die Seife aus dem PX-Laden den früheren Waschfrauen -- und erhielten dafür von ihnen Bordell-Gutscheine. Die Seife wird jetzt auf dem Schwarzmarkt verkauft.
"Schließlich war alles in Ordnung -- zumindest bekamen unsere Soldaten nicht wieder Dermatitis", sagt Oberst Adams. "Aber daraus lernt man, daß die Vereinigten Staaten zuerst die Geschäftemacher der südvietnamesischen Regierung zu Fall bringen müssen, wenn sie diesen Krieg je gewinnen wollen. Den Vietcong und die Nordvietnamesen zu besiegen -- Mann, das wäre dann nur noch eine Kleinigkeit!"
Nur ein kleiner Prozentsatz der über 500 000 Amerikaner in Vietnam ist im Kampfeinsatz. Daher lebt nur ein kleiner Prozentsatz von ihnen im Felde. Die überwiegende Mehrzahl, Militärs wie Zivilisten, wohnt in Städten.
Ich besichtigte einige der Häuser, die für des amerikanische Personal von den Vietnamesen gemietet worden sind. Das erste wurde als "Villa mit zwei Schlafzimmern" geführt.
Beim Eintreten dachte ich, am falschen Platz zu sein: Es stank wie eine Jauchegrube. Kloakenwasser floß bei Regen aus der Toilette über den verfaulten Fußboden und blieb zwischen und unter den Dielen stehen.
Das Dach hatte Löcher; Eimer hingen darunter -- sie sollten den Regen auffangen. Ein Schlafzimmer war ungefähr zehneinhalb, das andere gut sechs Quadratmeter groß. Die Küche hatte keinen Herd, der Kühlschrank war eine altmodische Elsbox.
Für diesen Schweinestall bezahlte die amerikanische Regierung monatlich 200 Dollar, ungefähr das Dreifache der zulässigen Miete. In dem verwahrlosten Haus mit den zwei Schlafräumen lebten acht amerikanische Soldaten. Der Hauseigentümer ist Major der südvietnamesischen Armee. Der US-Offizier, dessen Soldaten hier wohnten, beschwerte sich über das Haus, aber seine Vorgesetzten sagten ihm: "Bewahren Sie Ruhe, der Major erweist uns eine Gunst. Er könnte, wenn er wollte, die Miete erhöhen."
Das zweite Haus, das ich mir ansah, hatte vier Miniaturschlafzimmer. Einen Raum hätte man als Bad bezeichnen können; er enthielt ein Toilettenbecken und eine Dusche, aus der nur kaltes Wasser floß.
Zwei der Schlafzimmer hatten Waschbecken mit Kaltwasser-Leitung: daher wurde das Gebäude von den Vietnamesen als "Haus mit drei Badezimmern" geführt. Nach vietnamesischem Hecht kann ein Haus mit drei Bädern als Hotel bezeichnet -- und die Miete erhöht werden. Diese miserable Bruchbude galt natürlich als Hotel mit drei Badezimmern; die US-Regierung zahlte monatlich 400 Dollar Miete.
Überall in Vietnam lassen sich die Amerikaner betrügen und für dumm verkaufen. Dem US-Militär werden so viele Jeeps und Lastwagen gestohlen, daß bei unseren Truppen Transportmittel bereits knapp werden. Seit einiger Zeit mietet das Militär seine eigenen gestohlenen Jeeps von Schwarzmarkthändlern für monatlich 250 Dollar.
In Südvietnam leben über vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene. Eine große Anzahl von ihnen mußte fliehen, weil ihre Dörfer durch amerikanische Bomben oder US-Artilleriefeuer zerstört wurden; die Vereinigten Staaten leisten dafür Schadenersatz.
Natürlich sollen Geld und Hilfssendungen den Vietnamesen zukommen, deren Eigentum beschädigt oder verflehtet worden ist. Als ich jedoch ungefähr 100 Vietnamesen in zwei weit voneinander entfernten Gebieten Südvietnams befragte, konnte ich keinen einzigen Fall ermitteln, in dem eine vietnamesische Familie das Geld wirklich erhalten hatte. Nach ihrer einhelligen Meinung war es in die Taschen vietnamesischer Beamter gewandert.
Auch wenn jemand zufällig verwundet oder getötet worden ist, zahlen die USA dem Betroffenen oder seiner Familie Schmerzensgeld.
"Oh, jedermann weiß", sagte mir eine Vietnamesin, "daß die Amerikaner den Beamten das Geld geben, aber es erreicht nie das Volk.
"Mein Bruder ist Angestellter bei der Armee. Er sagt, immer wenn die Offiziere Geld brauchen, gehen sie mit einer Schmerzensgeldforderung zu den Amerikanern. Es ist ganz einfach -- sie schreiben den Namen einer Stadt auf in der eine große Granate oder ine Bombe niedergegangen ist, und überreichen eine Liste mit den Namen der Getöteten oder Verwundeten.
"Manchmal schicken die Amerikaner einen Dolmetscher, der den Fall prüfen soll. Aber der Dolmetscher bekommt von den vietnamesischen Beamten Geld; so sagt er also, die Forderung bestehe zu Recht. Nur die Marine-Infanterie besteht manchmal darauf, Leichen und Schäden persönlich zu inspizieren. Daher hassen die Armeedolmetscher die US-Mannes."
Ich bat um Beweise für den Betrug mit Schmerzensgeld. Man berichtete mir von einem Bezirkschef in der Provinz Quang Nam. Ich ging dem Fall nach und erfuhr von dem betreffenden Offizier der US-Marine-Infanterie die Geschichte aus erster Hand.
Eines Tages erschien der Distriktschef Major Hao in der Felddienststelle eines Oberstleutnants der US-Marine-Infanterie. "Herr Oberstleutnant", sagte er, "ich möchte für die fünf Dorfbewohner, die neulich dort unten
* Während der Vietcong-Angriffe auf das Saigoner Chinesen-Viertel Cholon im Frühjahr 1968.
am Fluß zu Tode gekommen sind. Schmerzensgeld kassieren."
"Wie wurden sie getötet und durch wen?" wollte der Offizier wissen. Der Vietnamese rollte eine Karte auf: "Ihre Leute schossen hierher mit Mörsern; einige Granaten gingen am Rande der kleinen Ortschaft nieder und töteten drei Männer und zwei Frauen. Dies ist mein Bezirk; ich bin gekommen, um das Geld für die Familien abzuholen,"
"Drei Männer und zwei Frauen? Wann ist das geschehen?" Der vietnamesische Major nannte ein Datum. Der US-Offizier wußte, daß ungefähr an jenem Tag und zu jener Zeit die Marine-Infanteristen in jene Richtung geschossen hatten, -- sie meinten, dort sei eine Guerilla-Ansammlung.
"Zeigen Sie mir die Leichen", verlangte der Amerikaner. Die Antwort: "Sie sind draußen in meinem Jeep."
Sie gingen nach draußen. Hinten im Jeep lagen fünf sorgfältig in Sackleinen eingewickelte Leichen. Der US-Offizier forderte: "Major, legen Sie die Körper auf den Boden und schneiden Sie das Sackleinen auf." -- "O nein", wehrte der vietnamesische Major ab, "sie sind alle blutverschmiert und verstümmelt."
"Legen Sie sie auf den Boden und schneiden Sie das Sackleinen auf. Ich möchte sie mir ansehen." -- "Herr Oberstleutnant, ich versichere Ihnen, daß ·Sie sie nicht sehen möchten. Sie sind entstellt und verstümmelt, die Eingeweide und der Brustkorb liegen frei, ihre Köpfe sind zertrümmert, die Verwesung hat bereits eingesetzt."
Doch der amerikanische Offizier lud die Leichen aus dem Jeep, nahm sein Taschenmesser und schnitt die Umhüllungen auf.
Es waren die Leichen von fünf Männern, Frauen waren nicht dabei. Keine der Leichen war verstümmelt oder blutverschmiert, jede wies nur ein Einschußloch auf; offensichtlich waren diese Personen durch Gewehrfeuer getötet worden.
Schweigend lud der Marine-Infanterie-Offizier die Leichen in den Jeep zurück, griff den vietnamesischen Major am Ellenbogen und schob ihn auf den Vordersitz. "Major", sagte er dann, "wenn Sie für tote Vietcong Schmerzensgeld kassieren wollen, schlage Ich vor, daß Sie es im Hauptquartier der Nationalen Befreiungsfront eintreiben und nicht bei den US-Mannes. Nun scheren Sie sich zum Teufel." Major Hao fuhr davon.
Mein alter Schiffskamerad O'Leary -- sein Name ist erfunden -- wollte mir einmal Saigons Nachtleben zeigen. Doch als O'Leary eintraf, war er in Uniform. "Ich habe heute abend Dienst", sagte er, "aber noch ein paar Minuten Zeit,"
"Chef", sagte ich, während wir umhergingen, "ich habe festgestellt, daß die Vietnamesen uns herumstoßen und ganz gut dabei fahren. Was ist das eigentlich für eine Geschichte?"
"Es ist erniedrigend", sagte er, "Sie führen uns wie Vieh an der Nase herum, und wir schämen uns über unser eigenes Kriechertum so sehr. daß kein Mensch die Wahrheit sagt. Alle hohen Tiere -- Zivilisten wie Militärs -- fürchten sich vor den Südvietnamesen, haben Angst, ihnen auf die Zehenspitzen zu treten. Wenn sich zufällig einer von uns darüber beschwert, erinnern uns die hohen Tiere schnell daran, daß wir hier Gäste sind." O'Leary fügte hinzu: "Das stimmt, wir sind Gäste. Zahlende Gäste."
Er zeigte auf einen großen Generator auf dem Bürgersteig. "Dieser Generator liefert Elektrizität für dieses Gebäude, dessen Unterkünfte und Büroräume von unseren Streitkräften benutzt werden. Wir haben dieses Gebäude von den Vietnamesen gepachtet, wir zahlen dafür. Tja, wir "haben unseren eigenen Strom, weil wir uns auf die Vietnamesen nicht verlassen können. Aber unsere Kabel laufen durch ihren Zähler, und am Monatsende lesen die Vietnamesen den Zähler ab -- und wir müssen bezahlen. Wir müssen ihnen den Strom bezahlen, den wir erzeugen."
"Wie Ist das möglich?"
"Die Vietnamesen drohen, sie würden die Amerikaner aus dem Gebäude hinauswerfen, falls wir uns nicht fügen. Außerdem: Wenn wir ohne Murren bezahlen und alles glatt läuft, erhält irgendein Oberst oder General eine Anerkennung für "selbstlose Pflichterfüllung und Zusammenarbeit", wenn seine Dienstzeit in Vietnam vorüber ist."
O'Leary wies auf einen amerikanischen Militärwagen. "Siehst du dort das Nummernschild? Nun" die US-Regierung zahlt den Vietnamesen eine Gebühr für die Registrierung des Lastwagens, den wir hierherschicken, um damit ihren Krieg zu führen. Die Vietnamesen verweigern so lange die Auslieferung des Lastwagens, bis die Zulassungsgebühr bezahlt ist.
"Sieh es dir selbst an", fuhr O'Leary fort, "wir fordern die Vietnamesen ja geradezu auf, uns herumzustoßen. Es ist fast so, als trügen wir große Schilder an der Stirn: "Ich bin Amerikaner. Bitte stoßt mich herum"."
Auf einem Berg, mehrere Kilometer außerhalb von Da Nang, hat die amerikanische Luftwaffe Geheim-Ausrüstungen im Wert von ungefähr 15 Millionen Dollar installiert.
Doch den USA gehört dieser Berg nicht, und sie haben ihn auch nicht gepachtet. Um ihre Anlagen dort aufbauen zu können, brauchen sie die Erlaubnis der Vietnamesen. Der Berg untersteht einem Major der vietnamesischen Armee. Ohne seine Erlaubnis kann die US-Luftwaffe auf diesem Berg nichts tun. Was immer der Major wünscht: Er bekommt es für gewöhnlich, selbst wenn es den Kriegsinteressen der USA zuwiderläuft.
Anfang 1967 begann die Luftwaffe, einen Sender in der Nähe des Berggipfels zu bauen. Als das Fundament fertig war, suchte der vietnamesische Major den Kommandeur der US-Luftwaffe auf und erklärte, er habe sich schon immer ein Sommerhaus auf dem Berge gewünscht. Zufällig entspreche das Betonfundament .in Lage, Größe und Form genau seinen Vorstellungen von dem Haus.
Der amerikanische Luftwaffenkommandeur erhob Einspruch. Der Vietnamese bestand darauf, das Betonfundament müsse für sein Sommerhaus verwendet werden. Falls nicht, werde er der US-Luftwaffe nicht erlauben, weiterhin ihre elektronischen Anlagen auf dem Berge zu errichten.
Der US -- Luftwaffenkommandeur konsultierte seine Vorgesetzten in Da Nang und Saigon. Das Hauptquartier in Saigon ließ ihn wissen, "aus politischen Gründen" sei es ratsam zusammenzuarbeiten.
Also baute die amerikanische Luftwaffe dem vietnamesischen Major das Haus, richtete es ein -- und stellt auch die Arbeitskräfte zur Pflege des Hauses und des Grundstücks.
Der Major ordnete an, alle persönlichen Dienstleistungen für amerikanische Luftwaffensoldaten auf dem Berge seien von Vietnamesen auszuführen. Die Personalkosten für diese Köche, Diener, Schneider und Friseure der amerikanischen Luftwaffe sind ungefähr doppelt so hoch wie die für ähnliche Dienstleistungen auf anderen US-Stützpunkten um Da Nang. Als man sie nach den Gründen fragte, sagten die Friseure offen: "Wir müssen die Hälfte des Bruttoeinkommens an den Major abtreten. Daher sind die Preise doppelt so hoch."
Die amerikanische Luftwaffe kann nichts dagegen tun. Sie hat die Anweisung, nachzugeben. Ganz gleich, was die Vietnamesen von den Vereinigten Staaten wollen, die USA geben es ihnen. Schließlich "sind wir hier Gäste".
Von William J. Lederer

DER SPIEGEL 44/1968
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