10.06.1968

ptx ruft moskau

3. Fortsetzung
Gegenschlag der deutschen Abwehr
Das Einsickern sowjetischer Agentengruppen in Adolf Ritters Machtbereich traf die deutsche Spionageabwehr völlig unvorbereitet. Ohnmächtig registrierten die Funkexperten des Dritten Reiches den Sendeverkehr ihrer Gegenspieler, vergebens fahndeten sie nach den Schlupfwinkeln des roten Spionageapparates.
Funkspruch um Funkspruch demonstrierte die Hilflosigkeit der deutschen Abwehr. Mochten auch die verschlüsselten Berichte des Gegners sorgfältig in den Horchstationen abgelegt, die Spruchköpfe der Agentenmeldungen in den Rufnamenverzeichnissen der Funkabwehr festgehalten werden die Geheimsprache der feindlichen Spione blieb den Deutschen rätselhaft.
Am 26. Juni 1941 gegen 3.58 Uhr hatte die deutsche Funküberwachungsstelle Cranz bei Königsberg den ersten Funkspruch der Roten Kapelle aufgefangen. "KLK de PTX 2606. 03.30. 32 wds. Nr. 14 qbv" notierte ein Funker und schrieb auf, was auch die Experten nicht entschlüsseln konnten: 32 Zahlengruppen zu je fünf Ziffern, abgeschlossen durch das Signum "AR 50385 KLK de PTX".
Das Auftauchen des unbekannten Senders alarmierte die deutsche Funkabwehr. Schon wenige Stunden später tickten Fernschreiber eine Order an die Peilstationen der Wehrmacht: Suchdienst nach Verkehrszeit von PTX. Frequenz nachts 10363. Tagesfrequenz unbekannt. Dringlichkeitsstufe 10.
Doch kaum waren die Deutschen sicher, daß der fremde Sender mit dem Rufzeichen PTX einen Empfänger bei Moskau anfunkte, da wurden neue Sender gemeldet. Am 8. Juli 1941 zählte die Funkabwehr 78 Agentensender der Kommunistischen Internationale (Komintern), bis zum Oktober kamen weitere 10 Sowjetsender hinzu -- im Juli 1942 funkten 325 Sendegeräte sowjetischer Spione im deutschbesetzten Europa.
Jetzt rächte sich, daß die Führer der deutschen Abwehr die Rolle des Kurzwellenfunks im sowjetischen Geheimdienst stets unterschätzt und nichts unternommen hatten, sich für den geheimen Ätherkrieg zu rüsten.
Das Rußland-Bild der konservativen Abwehroffiziere stützte sich noch allzu sehr auf die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg, da russische Spione in Deutschland ihre Nachrichten per Post ins neutrale Ausland zur Weiterleitung an die russischen Botschaften und von dort an den Generalstab in Petrograd geschickt hatten. Die Nachrichten waren meist für die russische Heerführung zu spät gekommen, sie konnten an der Front taktisch nicht mehr verwendet werden -- wenn die deutsche Postzensur die Sendungen nicht ohnehin schon aufgefangen hatte.
Die Nachfolger der zaristischen Spionage nutzten daher bald die aufkommende Funktechnik. Nach der Einführung des Kurzwellenfunks in Sowjetrußlands Armee, Geheimdienst und Diplomatie im Jahr 1927 entstanden Funkspezialschulen, auf denen in sechsmonatigen Lehrgängen Funker ausgebildet wurden.
Der deutsche Überfall auf die Sowjet-Union im Sommer 1941 ließ die Funksektion des Moskauer Spionageapparates noch stärker anschwellen. Der militärische Geheimdienst schuf eine Funk-Sonderabteilung (Osoby Radio Diwision, abgekürzt ORD), die mit einem Ring von Sendern rund um Moskau den Kontakt zu den sowjetischen Spionagegruppen im deutschen Herrschaftsgebiet hielt.
Der zentrale Sender, von Funkern der Roten Armee bedient, stand in den Moskauer Lenin-Bergen, in einem Haus, das als Sitz eines Goldforschungsinstituts getarnt war. Dort saß das einzige Wesen aus Fleisch und Blut, das die sowjetischen Auslandsspione kannten und das ihnen als Personifizierung der anonymen "Zentrale" erschien: der Chef-Funker der ORD.
Wie aber sollte diesem Generalangriff im Äther eine Abwehr begegnen, deren Offiziere bis zum Kriegsausbruch den Einsatz von Funkagenten für ein Phantasiegespinst der Spionage-Romanciers gehalten hatten? Die Abwehrführung beschloß das Unaufschiebbare: in wenige Monaten nachzuholen, was jahrelang "ersäumt worden war.
Bis 1939 hatte die Wehrmacht und das für Spionageabwehr zuständige Amt Ausland/Abwehr -- im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) überhaupt keine Funküberwachung gekannt. Die Militärs konnten sich nur einen Gegenspieler im Äther vorstellen: den "Schwarzsender", betrieben von Amateurfunkern die ohne staatliche Lizenz sendeten. Deren Aufspürung aber ging die Abwehr nichts an, sie war Sache der Ordnungspolizei (Orpo) des SS-Obergruppenführers Kurt Daluege.
Die SS-Führer in Polizeiuniformen stießen freudig in das von den Militärs Ignorierte Niemandsland vor. Die Orpo schuf sich eine eigene Funküberwachung. Bei Kriegsausbruch verfolgte die Ordnungspolizei mit ihren festen Funkmeßstellen und Nahfeld-Peiltrupps jeden Eindringling im großdeutschen Wellenbereich.
Nach dem ersten Kriegsjahr merkten freilich auch die Militärs, daß die Wehrmacht dabei war, in dem Kompetenz-Kampf der braundeutschen Machtgruppen eine Schlacht zu verlieren. Denn längst waren an die Stelle der privaten Schwarzsender alliierte Funkspione getreten, deren Bekämpfung die Ordnungspolizei nun ebenfalls für sich beanspruchte.
Die Wehrmacht konnte noch rechtzeitig den Vormarsch der SS-Funküberwacher stoppen. Die geringe Leistungsfähigkeit der Orpo-eigenen Funkmeßstellen genügte dem OKW als Vorwand, die Leitung der Funküberwachung für sich zu fordern. Hitler stimmte zu, und allmählich begann sich eine neue Geheimtruppe zu formieren.
Funkexperten der Wehrmacht, meist ehemalige Funkamateure, bildeten einen Führungsstab im OKW; zugleich wurden aus der Nachrichtentruppe der drei Teilstreitkräfte funkinteressierte Soldaten und Offiziere herausgezogen und zu zwei Funküberwachungskompanien zusammengestellt. Die Leitung übernahm ein alter Nachrichtentechniker, der Oberstleutnant und Diplomingenieur Kopp.
In kurzer Zeit entstand, was man inoffiziell Funkabwehr nannte. Der Name war irreführend, denn die militärischen Funküberwacher wurden nicht der Abwehr unterstellt. Auch dies gehörte zum intrigenreichen Cliquen-Kampf des nationalsozialistischen Führerstaates: Die Abwehr mußte auf eine Funkabteilung verzichten, ohne die eine Bekämpfung der roten Ätherspione undenkbar war.
Die Gegenspieler in der SS-Führung paßten auf, daß dem regimefeindlichen Abwehr-Chef Wilhelm Canaris keine neue Macht zuwuchs. Offizielle Begründung für den erzwungenen Abwehr-Verzicht: Das Haus Canaris sei nicht in der Lage, den Funküberwachungskompanien genügend Geräte und Ersatzmaterial zu stellen.
Die Funküberwacher erhielten einen neuen Oberherrn, den Chef der OKW-Amtsgruppe "Wehrmacht-Nachrichten-Verbindungen" (WNV), in der das gesamte Nachrichtenwesen der Wehrmacht, zumindest auf dem Papier, zusammengefaßt war. Dort gab es auch eine Abteilung "Fu" (Funk), die alle Funkeinrichtungen der Wehrmacht kontrollierte und für Gerätebeschaffung zuständig war. Zu ihr stieß Kopps Truppe als Gruppe 111 oder, im Behörden-Abc des Dritten Reiches ausgedrückt, OKW / WNV / Fu III. Im Haus der WNV an Berlins Matthäikirchplatz bezogen die Führungsoffiziere der Funkabwehr Quartier.
Ein "Führerbefehl" machte den Handel zwischen SS/Polizei und OKW perfekt. Hitler legte im Juni 1941 fest, in allen Fragen der Funküberwachung sei die Wehrmacht federführend. Hitlers Befehl war just unterzeichnet, als die Funksignale der sowjetischen Spione Funkabwehr und Orpo gemeinsam herausforderten.
Die deutschen Spionejäger sahen anfangs nur eine geringe Chance, dem verborgenen Gegner auf die Spur zu kommen. Die Peilgeräte von Fu III waren ungenügend. Die Luftwaffe besaß zwar leistungsstarke Fernpeiler in Ostpreußen, Schlesien, Ungarn und Rumänien, aber sie waren der Funkabwehr entzogen, solange der WNV-Chef, General Erich Fellgiebel, dem Luftwaffen-Boß Göring den Wunsch abschlug, die in Fellgiebels Domäne gehörende Abteilung "Chi" (Chiffrierwesen) an Görings telephonabhörendes "Forschungsamt" abzutreten.
Fu III mußte in erster Linie Nahfeld-Peiler einsetzen, die freilich erst arbeiten konnten, wenn feststand, an welchem Ort ein gegnerischer Sender funkte. Die Nahpeiler hatten zudem einen argen Fehler: Sie waren zu groß, um unbemerkt an den Agentensender herangeführt zu werden.
Die Wehrmacht hatte einen sogenannten Bordpeiler entwickeln lassen, der nur auf einem Lastkraftwagen transportiert werden konnte. Die kreisrund gebogene Antenne des Peilers (Durchmesser: ein Meter) mußte auf dem Lkw-Dach befestigt werden, weithin sichtbar für jeden Aufpasser, den ein Agentenfunker während der Sendezeit auf der Straße postierte.
Dennoch besaß die deutsche Funkabwehr kein anderes Mittel, das unsichtbare Netz der sowjetischen Spione aufzudecken. Die aufgefangenen Funksprüche waren so kompliziert verschlüsselt worden, daß die Chiffrierer der WNV freiwillig die Waffen streckten. Die Abwehr konnte in den Spionagering nur einbrechen, wenn sie aufspürte, was zugleich Stärke und Schwäche der modernen Spionage war: das Funkgerät.
Mochte auch der Kurzwellenfunk die Nachrichtenübermittlung beschleunigt und fast unsichtbar gemacht haben, die neue Art der Spionage trug dennoch gleichsam einen Todeskeim in sich. In dem Augenblick, da der Funker seine Sprüche absetzen und Wellen in den Äther senden mußte, gab er sich den Abhörtrupps der feindlichen Abwehr preis. Einzige Überlebenschance: so versteckt und so kurz zu funken, daß die Sendung beendet war, ehe der Verfolger die Szene betrat.
Die Funker schirmten sich denn auch sorgfältig gegen Peiltrupps ab. Die Sender wurden in dichtbevölkerten Stadtteilen und unübersichtlichen Häuserschluchten untergebracht, sie mußten oft ihren Standort wechseln und ihre Sendezeiten variieren. Die Spruchköpfe der Meldungen wurden laufend ausgetauscht, immer wieder neue Sendefrequenzen benutzt.
Aufpasser sollten rechtzeitig das Herannahen des Gegners melden. Der Funker arbeitete meist In den obersten Stockwerken eines Hauses, um notfalls im letzten Augenblick durch eine Flucht über das Dach seinen Jägern entkommen zu können.
Trotzdem war der Funker allzu leicht dem Zugriff eines geschickt operierenden Gegners ausgesetzt, und das mußte die deutsche Funkabwehr nutzen. Die Zentrale am Matthäikirchplatz ließ im August 1941 neue, vor allem verkleinerte Nahpeilgeräte entwickeln und machte ihre Funküberwachungskompanien mobil.
Noch suchten die unzulänglichen Peiler in Cranz und in Breslau nach dem Standort des zuerst registrierten Agentensenders PTX und ließen die Funküberwacher rätseln, ob er in Norddeutschland, Belgien, Holland oder Frankreich arbeite, da lief am Matthäikirchplatz die Meldung ein, drei weitere Sender seien sicher lokalisiert worden. Standort: Berlin, kaum drei Kilometer von der Zentrale der Funkabwehr entfernt.
Der biedere Nachrichtensoldat Kopp wollte nicht glauben, daß mitten im Herzen des Großdeutschen Reiches feindliche Agenten saßen. Er ließ wieder und wieder peilen, aber es stimmte: In Berlin arbeiteten drei Sender, die ständig ihre Rufzeichen, Frequenzen und Verkehrszeiten änderten.
Kopp beorderte den Peilzug einer Funküberwachungskompanie der Luftwaffe nach Berlin, da die Göring-Soldaten noch immer über die besten Geräte verfügten. Vorsichtig pirschten sich die Fahnder an den Gegner heran; zur Tarnung trugen die Soldaten die Uniformen von Postbeamten. Ihre Straßenzelte, unter denen die Peilgeräte versteckt waren, ließen die Funksoldaten als Kabelarbeiter der Reichspost erscheinen, die Reparaturen ausführten.
Von Straße zu Straße arbeiteten sich zwei Trupps, jeweils mit einem Peil- und einem Empfangsgerät ausgerüstet, an die Agentensender heran. Der unbekannte Gegenspieler funkte allerdings so kurz, daß die Zeit oft nicht ausreichte, den Sender anzupeilen. Zudem setzten die Sendungen tagelang völlig aus, manchmal kamen sie aus einer ganz neuen Richtung.
Doch am 21. Oktober 1941 hatten die Peiltrupps ihr Ziel erreicht, die Sender waren geortet: Ein Funkgerät stand in der Nähe des Bayrischen Platzes, ein zweites im Norden Berlins unweit des Invalidenparks, ein drittes am Moritzplatz im Südosten der Stadt. Fu III rüstete sich zum Schlag.
Da verstummten jäh am 22. Oktober alle drei Sender. Die Peiltrupps konnten sich nicht näher an die Gegner heranarbeiten. Kopps Wellendetektive waren am militärischen Bürokratismus gescheitert: Der Funker der Berliner Spionagegruppe hatte seine Mitarbeiter gewarnt, weil ihm bei einem Spaziergang aufgefallen war, daß Lastkraftwagen mit den Nummernschild-Initialen "WL" (= Wehrmacht/Luftwaffe) die vermeintlichen Postarbeiter beförderten.
Der Fehlschlag in Berlin zwang Fu III, die Suche nach dem Sender PTX verstärkt aufzunehmen. Neue Pellungen hatten inzwischen zur Gewißheit werden lassen, daß der Sender in Belgien operierte; Experten tippten auf das Küstengebiet um Brügge -- dort mußte PTX stehen.
Die Zeit aber drängte, denn es war immer deutlicher geworden, daß PTX ähnliche Sendezeiten und Frequenzen benutzte wie die Berliner Sender, möglicherweise sogar die Hauptstation der vier Sender war. Bis Anfang September 1941 hatte die Abhörstation Cranz bereits 250 Funksprüche von PTX aufgefangen, einer so unverständlich wie der andere.
Die Funküberwacher riefen die Abwehr des Admirals Canaris zu Hilfe. Deren Referat III F (Gegenspionage> unter Oberst Joachim Rohleder mußte wissen, wo in Belgien PTX zu suchen sei.
Seit Kriegsbeginn war die Abwehr-Abteilung III zu der personalstärksten und wichtigsten Sektion des deutschen Geheimdienstes geworden; die besten Abwehroffiziere saßen auf den III-F-Posten der Abwehrstellen und -nebenstellen, die netzartig das deutschbesetzte Europa überzogen. In Zusammenarbeit mit III N (Briefzensur) übertraf das Referat sogar zuweilen den Einfluß von Gestapo und Sicherheitsdienst.
Die Organisationskarten und Lageberichte des Referats vermittelten die jeweils neuesten Erkenntnisse über Planung, Arbeitsweise und Personal der feindlichen Spionage. Das war die Mission von III F: den gegnerischen Geheimdienst zu erkunden, dessen Agenten "umzudrehen" und die Zentrale des Gegners durch Zuspielen falscher Informationen ("Spielmaterial") zu verwirren.
Die Experten von III F beteiligten sich an der Jagd auf PTX. Über die telephonische Direktverbindung ("Linie Adolph"), die ihn mit den Abwehrstellen in den besetzten Gebieten verband, alarmierte Gegenspionage-Chef Rohleder seinen III-F-Offizier in Brügge.
Doch der Mann in Brügge wußte anfangs nicht, wo er den Feindsender suchen sollte. Hauptmann der Reserve Harry Piepe, Kavallerieoffizier des Ersten Weltkriegs, Chef einer Panzerjäger-Kompanie im Frankreichfeldzug, im Zivilberuf Oberamtsanwalt bei der Hamburger Justiz, war erst ein Jahr zuvor zur Abwehr abkommandiert worden.
Wegen seiner englischen Sprachkenntnisse hatte man ihn an die Abwehrnebenstelle Brügge versetzt, um ihn für die projektierte (und längst abgesagte) Landung in England zur Hand zu haben. Die englischen Vokabeln kannte der Reserve-Hauptmann, aber das Alphabet der Spionage war ihm fremd.
Arglos ließ Piepe seine V-Leute in Brügger Lokalen ausschwärmen und nach Sowjetagenten dort fahnden, wo sie kein Kenner gesucht hätte: in den Kreisen belgischer Kommunisten. "Unsere Agenten berichteten", erinnert sich Piepe, "daß alles ruhig sei, die Kommunisten hätten Angst und verhielten sich passiv."
Der Hauptmann meldete nicht ohne Stolz nach Berlin, sein Bereich sei frei von Spionen, doch die Funkabwehr begnügte sich nicht mit seiner Auskunft. Die Peilgeräte hatten einen neuen Operationsraum von PTX ausgemacht: Gent. Piepe mußte nach Gent.
Als der unfreiwillige Detektiv abermals negativ nach Berlin berichtete, wurde Rohleder ärgerlich. Der Oberst belehrte Piepe, er solle gefälligst seinen Schreibtisch verlassen und sich an die Spitze der Fahnder stellen. Der Schreibtisch-Stratege wachte auf und setzte sich mit der Beharrlichkeit des routinierten Vernehmungsbeamten auf die Spur der Funkspione.
Die Fahndungen in Gent blieben weiterhin erfolglos, doch die Funküberwacher vom Matthäikirchplatz nannten nun Brüssel als mutmaßlichen Standort von PTX. Sie waren ihrer Sache so sicher, daß sie den Hauptmann Dr. Hubertus Freyer mit der Funküberwachungskompanie 621 nach Brüssel in Marsch setzten.
Ende November vereinigten sich Piepe und Freyer zur gemeinsamen Hatz. Piepe hatte gut vorgearbeitet: Als angeblicher Kaufmann zog er in eine Wohnung des Brüsseler Boulevard Brand Witlock. Er überflog immer wieder in einem mit Peilgerät ausgerüsteten "Fieseler Storch" die Stadt und hörte die Sendungen von PTX. Piepe war überzeugt, daß der Sender in Brüssels Stadtteil Etterbeek stand.
Die Gelegenheit zum Zugriff war günstig. Der Funker hatte offenbar Order, ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit stets fünf Stunden lang und immer zur selben Zeit (von Mitternacht bis fünf Uhr) seine Sprüche abzusetzen. Zudem hatte die deutsche Besatzungsmacht in Brüssel eine nächtliche Ausgangssperre verhängt -- der Funker konnte sich also nicht durch einen Wachtposten absichern.
Mehr noch: Freyers Leute brachten neue Nahfeld-Peiler mit. Dazu gehörte auch ein harmlos aussehender Koffer, in den ein Peilrahmen eingebaut war; von dem Peilkoffer führte eine dünne Verbindungsschnur zu einem Mini-Hörer, der im Ohr des Funksoldaten befestigt war. Kein lautes Lkw-Motorengeräusch kündigte mehr das Herannahen plumper Peilgeräte an.
Die Männer machten sich an die Arbeit. Zwei Wochen genügten, den Sendeplatz von PTX einigermaßen genau zu bestimmen. In der Empfangszentrale, die Freyer auf dem Hof der Leopoldkaserne errichtet hatte, stießen die Spezialisten eine Nadel in den Stadtplan von Brüssel, dort, wo die Rue des Atrébates verlief.
An dieser Stelle, so ermittelten Piepes Späher, lagen drei Häuser mit den Nummern 99, 101 und 103. Das Haus 103 stand leer, in 99 wohnte eine flämische Familie, im dritten Haus residierten Südamerikaner, die für deutsche Behörden arbeiteten.
In welchem Haus aber mochte der Sender stehen? Piepe kam das unbewohnte Haus verdächtig vor, aber er wollte kein Risiko eingehen. Er quartierte sich In einer von Angehörigen der Organisation Todt bewohnten Villa im Rücken der drei Häuser ein und ließ von dort aus erneut peilen. Für Freyers Spezialisten gab es keinen Zweifel mehr: Der Sender stand im Haus der vermeintlichen Südamerikaner, im Haus 101.
In der Nacht vom 12. zum 13. Dezember 1941 war es soweit. Mit 25 Mann eines Landesschützen-Bataillons, die Socken über ihre Stiefel gezogen hatten, und zehn Mann der Geheimen Feldpolizei (GFP) umstellte Piepe die Häuser. Lampen, Äxte und Feuerwehrleitern standen bereit.
Um 2.30 Uhr gab der Hauptmann das Zeichen zum Angriff. Die Männer stürmten auf die drei Häuser zu, allen voran Piepe, der mit zwei GFP-Beamten das leerstehende Haus erreichte. Da hörte er aus Haus 101 einen Abwehroffizier schreien: "Hierher, hier sind sie!"
Kurz darauf peitschten Schüsse durch die Nacht. Im Licht der Taschenlampen sah Piepe, daß die Polizisten einen Mann verfolgten, der über die Gartenmauer setzte. Inzwischen hatte der Hauptmann das Haus 101 erreicht, er jagte an einem bellenden Hund vorbei und prallte auf eine dunkelhaarige Frau im Morgenrock.
Piepe stürmte mit seinen Leuten weiter die Treppe empor und stieß in der ersten Etage auf ein Zimmer, in dem wenige Minuten zuvor noch gefunkt worden war. Auf einem Tisch stand ein Funkgerät, daneben lagen Papiere mit schier endlosen Zahlenkolonnen. Der Stuhl des Funkers aber war leer, auf ihm hatte offenbar der Mann gesessen, der geflohen war.
Verfolger Piepe lief weiter. Er kam in eine zweite Etage. Dort fand er eine weitere Frau, die weinend im Bett lag. Doch noch ehe Piepe sich mit der Frau befassen konnte, schrien Stimmen von unten: "Wir haben ihn, wir haben ihn!"
Piepe stolperte die Treppe wieder hinab.
Die Soldaten und Polizisten hielten einen Mann fest, der Piepe gleichgültig entgegenstarrte. Es war der Funker. Er verweigerte jede Aussage, nur seine Personalien wollte er angeben; Carlos Alamo, geboren am 12. April 1913 in Montevideo. Erst später erfuhr Piepe, daß es sich um den sowjetischen Leutnant und Molotow-Neffen Michail Makarow handelte.
Die Frau im Morgenrock, Chiffriererin der Agentengruppe, nannte sich Anna Verlinden, obwohl sie in Wahrheit Sophie Posnanska hieß, und auch der Besucher, der wenige Stunden später an der Haustür klopfte und sofort verhaftet wurde, präsentierte einen falschen Paß, ausgestellt auf Albert Desmet, geboren am 12. Oktober 1903 in Norwegen. Sein richtiger Name: Anton Danilow, Unterleutnant der sowjetischen Luftwaffe.
Mehr wollten die Festgenommenen nicht zugeben. Nur die Frau im Bett faßte zu Piepe ("Die war sehr aussagefreudig") Vertrauen und verriet, was die anderen verschwiegen. Sie hieß Rita Arnould, war 27 Jahre alt, hatte als junge Kommunistin das Land der braunen Barbarei verlassen und sich der Makarow-Gruppe angeschlossen, in der ihr die Rolle einer Hausdame und eines Kuriers zugewiesen worden war.
"Passen Sie unten auf", flüsterte sie Piepe zu. Piepe: "Worauf?" Rita Arnoulds Hinweis blieb dunkel: "Sie werden es schon finden."
Der Abwehr-Mann gab seinen Polizisten einen Wink und ließ das Zimmer durchsuchen, in dem ihn die Chiffrier-Dame Posnanska empfangen hatte. Die Beamten klopften die Wände ab, bald war eine Tapetentür entdeckt, hinter der ein dunkler Raum lag: eine komplette Fälscherwerkstatt, mit Pässen, Formularen, unsichtbarer Tinte, Stempeln.
Unter den Papieren fanden die Eindringlinge auch die Paßbilder zweier Männer, die Piepe nicht kannte. Rita Arnould klärte ihre deutschen Landsleute auf: Das eine Bild stelle den "Grand Chef" dar, den Chef aller sowjetischen Spionagegruppen in Westeuropa, das andere Bild den "Petit Chef", seinen Stellvertreter in Belgien.
Erst jetzt wurde Harry Piepe klar, daß ihm ein entscheidender Einbruch in die Reihen des Gegners gelungen war. Hätte er schneller reagiert, wäre ihm sogar der Chef des ganzen Unternehmens in die Hände gefallen.
Denn kaum hatten die Deutschen das Spionage-Haus geräumt und nur zwei Feldgendarmen zurückgelassen, da klopfte es abermals an der Tür. Vor den Gendarmen stand ein zerlumpter Mann mit einem Korb voller Kaninchen; er verkaufe, bedeutete er den Feldgendarmen, seine Tiere stets der Dame des Hauses. Die Deutschen scheuchten ihn davon -- und ahnten nicht, daß ihnen soeben der sowjetische Spionagechef Leopold Trepper, der Grand Chef, gegenübergestanden hatte. Piepe heute: "Na ja, wir waren noch Anfänger, wir mußten unser Handwerk erst noch lernen."
Dennoch konnte Piepe nun hoffen, den Grand Chef und dessen weilverzweigte Organisation eines Tages zur Strecke zu bringen. Die in der Rue des Atrébates gefundenen Papiere und die Aussagen Rita Arnoulds wiesen neue Spuren, die in die Zentrale des Gegners führen mußten.
Am Vormittag des 13. Dezember 1941 meldete Piepe dem Leiter der Abwehrstelle Brüssel, Oberst Servaes, den erfolgreichen Abschluß des Unternehmens. Der Oberst wies ihn an, sofort in Berlin Bericht zu erstatten, denn jetzt mußte die große Fahndungsaktion gegen die Sowjetspione von Berlin übernommen werden.
Wie aber sollte man die "Kapelle" -- so hießen im Abwehr-Jargon Funkgruppen des gegnerischen Nachrichtendienstes -- nennen? Servaes überlegte: "Vielleicht Russische Kapelle." Darauf Piepe: "Rote Kapelle wäre noch besser." Der Name für das größte Spionageunternehmen des Zweiten Weltkriegs war gefunden.
Die Fahndungsaktion konnte beginnen. In Berlin löste Piepes Bericht einen Großalarm aus: Abwehr, Funkabwehr, Ordnungspolizei und die Geheime Staatspolizei vereinigten sich zur Jagd auf die Rote Kapelle.
Das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) Reinhard Heydrichs wußte sehr wohl, welches Unbehagen die düstere Vokabel "Gestapo" bei Abwehroffizieren auslöste, und spielte deshalb zunächst nur am Rande mit. Gestapo-Chef Heinrich Müller stellte dem deutschnationalen Vaterlandsverteidiger Piepe einen Polizeibeamten alten Schlags an die Seite, der gewohnt war, konservativen Soldaten über die mörderischen Untiefen der Nazi-Diktatur hinwegzuhelfen.
Der Kriminalrat und SS-Hauptsturmführer Karl Giering, Sohn eines Gemeindevorstehers, ehemaliger Freikorpskämpfer und Reichswehrsoldat, war ein bedächtiger Mecklenburger, der in Piepes Erinnerung als ein "netter Kerl" fortlebt. Er hatte 1925 bei der Kriminalpolizei angefangen, war schon in der Weimarer Republik zur politischen Polizei übergewechselt und hatte für einen Gestapobeamten erstaunlich spät -- erst 1940 -- den Weg in die NSDAP gefunden.
Das hinderte ihn freilich nicht, einer der härtesten Regime-Wächter der Gestapo zu sein. Durch die tätige Mithilfe an der Aufklärung des Münchner Bürgerbräu-Attentats im November 1939 hatte er das Wohlwollen seines Führers erregt, während er in der Prinz-Albrecht-Straße 8, dem Hauptsitz des Reichssicherheitshauptamtes, als der listigste Vernehmer des Referats IV A 2 Sabotageabwehr) galt.
Der Alt-Polizist Giermg schien seinen Gestapo-Oberen der rechte Mann, gemeinsam mit Piepe die Fährte der Roten Kapelle aufzunehmen. Der Kriminalrat griff sich ein paar Beamte seines Referats, nannte den Mitarbeiterstab "Sonderkommando Rote Kapelle" und schloß sich Piepe in Brüssel an.
Das von nun an unzertrennliche Verfolger-Paar ging jeder Spur nach, die das ausgeschaltete Agenten-Nest in der Rue des Atrébates mit anderen sowjetischen Spionagegruppen verband. Rita Arnould lieferte manches Indiz: die Adresse des Chefagenten Kent ("Petit Chef"), Details über Verbindungslinien zur Brüsseler Börse, Angaben über den Fälscher der Brüsseler Gruppe und die Makarow-Freundin Suzanne Schmitz.
Giering und Piepe bahnten sich Zug um Zug einen Weg in das Spionagenetz des Grand Chef. Die Makarow-Freundin wurde verhaftet, die Agenten Goddemer und Vrankx verhört, der Fälscher -- er hieß Abraham Raichmann -- unter Beobachtung gestellt und durch Mittelspersonen zu Treffs mit noch unbekannten Mitgliedern der Roten Kapelle animiert.
Allmählich bekamen die Deutschen eine Vorstellung von dem kontinentalen Ausmaß der Spionageorganisation. Ebenso schnell aber erkannten die beiden Verfolger, daß ihr Gegenspieler inzwischen das Netz in Belgien stillgelegt hatte und mit einer neuen Organisation in Frankreich weiterarbeitete.
Anfang 1942 fuhr Giering nach Paris und zog seine dortigen RSHA-Kameraden ins Vertrauen. Die Kommunismus-Experten beim Sipobeauftragten Frankreich* wurden von Giering angewiesen, auch dem geringsten Anzeichen nachzuspüren, das auf die Existenz sowjetischer Spionage- und Funkgruppen schließen ließ.
Während sich V-Männer auf die Lauer legten, versuchten die Dechiffrierer der Funkabwehr, die aufgefangenen Agentenmeldungen zu entziffern. Die Beutepapiere aus der Rue des Atrébates zeigten ihnen einen schmalen Weg in jene bizarre Welt, die noch kein deutscher Entschlüsseler betreten hatte: die Welt der sowjetischen Kryptographie.
In der Kunst der Geheimschriften hatten die Sowjetrussen von jeher als unübertroffene Meister gegolten. Seit es eine Sowjet-Union gab, stand ihr Geheimdienst in dem Ruf, die verwickeltsten Kodesysteme zu besitzen.
Es war bis in die dreißiger Jahre nicht gelungen, sowjetische Geheimkodes zu entschlüsseln. Keine Großmacht konnte bis dahin die Geheimschriften der sowjetischen Diplomatie mitlesen, und selbst die scheinbar harmlosen Verschlüsselungsziffern sowjetischer Handelsmissionen im Ausland erwiesen sich als undurchdringlich.
Das einfache und doch äußerst verwirrende Kodesystem Sowjetrußlands ging auf die Zahlenspiele eines sozial-
* Genauer Titel: Beauftragter des Chefs der Sicherheitspolizei und des 5D beim Militärbefehlshaber Frankreich; Im Mai 1942 umbenannt in: Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (Bds) Frankreich.
revolutionären Vorläufers der Bolschewiki zurück, der Nihilisten. Sie hatten sich in den Kerkern des Zaren eine Geheimsprache ausgedacht, die es den Häftlingen ermöglichte, sich durch Gefängnismauern zu verständigen.
Sie entwickelten ein Schachbrett, dessen einzelne Felder Buchstaben darstellten; die oberste Horizontale und die linke Vertikale des Schachbretts waren mit Zahlen gefüllt, denn nur mit einzelnen Schlägen an die Zellenwand -- sie entsprachen den Ziffern des Systems -- ließen sich die Buchstaben übermitteln. Das Zahlen- und Buchstabensystem sah so aus: 1 2 3 4 5 1 a b c d e 2 f g h i j k 3 l m n o p 4 q r s t u 5 v w x y z
Jeder Buchstabe setzte sich aus der Ziffer der Vertikale und jener der Horizontale zusammen, also: a 11, c
13, h = 23 und so weiter. Wollten sich die Häftlinge "Achtung" zurufen, so hämmerten sie an die Wände: 1113 23 44 45 33 22.
Als die Gefängnisbeamten die Geheimsprache der Häftlinge durchschauten, verfeinerten die Eingeschlossenen ihr System. Sie begannen, ihre Botschaften zu verschlüsseln -- durch ein vorher verabredetes Kodewort.
Die Nachricht wurde zunächst in Schachbrett-Zahlen umgewandelt, dann kleidete man auch das Kodewort in Zahlen; schließlich wurden beide Zahlengruppen -- die der Nachricht und die des Kodeworts -- miteinander addiert. Wollte man das Wort "Achtung" etwa mit dem Kode "Paris" verschlüsseln, so ergab sich:
Klartext: a c h t u n g Deckzahlen: 11 13 23 44 45 33 22 Kodezahlen: 35 11 42 24 43 35 11 Totalzahlen: 46 24 65 68 88 68 33 Die Sowjets übernahmen später das Schachbrett-System der Nihilisten und komplizierten es durch immer weitere kabbalistische Einfälle. Sie erfanden neue Zahlenabfolgen in der obersten Horizontale des Schachbretts und setzten in die zweite Horizontale ein Schlüsselwort, dem in den weiteren Felderreihen die Buchstaben des Alphabets folgten, die in dem Wort noch nicht enthalten waren.
Dann führten sie in ihre Geheimschriften auch Buchstaben ein, die nur durch eine einzige Ziffer ausgedrückt wurden; der Gegenspieler konnte nicht mehr erkennen, ob es sich um ein- oder zweiziffrige Buchstaben handelte. In einem 1937 verwendeten Kode hieß "Espana" (Spanien) nahezu unlesbar: 8281 15 125, aber der Eingeweihte wußte, daß der Zahlenrhythmus 8 28 11 5 12 5 lautete.
Später gingen die Sowjets dazu über, die Texte in Gruppen zu je fünf Ziffern zu ordnen. Aber auch dieses System schien noch nicht sicher genug. Denn allen verschlüsselten Zahlengruppen wohnen Frequenzgesetze inne, die dem Fachmann dank des regelmäßigen Vorkommens bestimmter Buchstaben die Struktur einer Verschlüsselung verraten. Mit Tabellen ließen sich die häufigsten Buchstaben ermitteln -- im Deutschen ist es zum Beispiel das "e".
Daher begann Moskau, seine verschlüsselten Texte noch einmal zu überschlüsseln, wobei man sich meist seltener, im Handel schwer erhältlicher Bücher (Romane oder Theaterstücke) bediente. Der ehemalige Sowjetagent Otto Pünter hat das System erklärt:
Zur Verschlüsselung seiner Meldungen benutzte er den Reisebericht "Von Pol zu Pol" des schwedischen Forschers Sven Hedih. Für die Durchgabe einer bestimmten Meldung strich sich Pünter Im Hedin-Buch den Satz an: "Dokumentarfilme sind belegt, werden aber rasch wieder frei." Da er als Schlüssel nur zehn Buchstaben benötigte, entnahm er dem Satz einen Teil des ersten Wortes: "Dokumentar".
Mit diesem Kodewort verschlüsselte er die Meldung. Dann folgte die Überschlüsselung: Er schrieb sich den ganzen Hedin-Satz ab, verschlüsselte ihn ebenfalls in Ziffern und addierte sie mit den Zahlen der bereits einmal verschlüsselten Meldung. Die Nachricht war jetzt also doppelt chiffriert.
Am Ende der Zahlenbotschaft fügte Pünter eine letzte Zahl an, bestimmt für den Empfänger in Moskau, der nun erfuhr, wo er den Schlüssel in dem auch ihm vorliegenden Hedin-Buch finden werde. Die letzte Zahl der einen Meldung lautete: "12085". Das hieß in Klartext: Seite 12, Zeile 08, fünftes Wort,
Mit dieser Überschlüsselung war das Labyrinth der sowjetischen Geheimschriften nahezu unüberwindlich. Und doch hatte es eine Achillesferse: Fiel ein Kodewort aus dem Schlüsselbuch oder gar das Buch selber in die Hand des Gegners, dann war es nur noch eine Frage der Zeit, wann es den Dechiffrierern gelang, die verschlüsselten Funksprüche zu lesen.
Just dies aber versuchten Anfang 1942 die Dechiffrierer von Fu 111, als sie begannen, die Papiere aus Harry Piepes Beutezug zu untersuchen. Die Funkabwehr am Matthäikirchplatz hatte inzwischen eine Gruppe junger Dechiffrierer zusammengestellt, an deren Spitze einer der intelligentesten "Geheimschreiber" (so nannte man offiziell die Kodespezialisten der Wehrmacht) stand: Dr. Wilhelm Vauck, Oberleutnant der Reserve und im Zivilberuf Studienrat in Leipzig.
Der sächsische Mathematiklehrer gehörte zu den wichtigsten Spezialisten bei OKH/In7/VI/12, wohinter sich die Funkleitstelle der Nachrichten-Inspektion beim Oberkommando des Heeres verbarg, und war nur an Funkabwehr ausgeliehen worden. Aber schon eine kurze Durchsicht der Piepe-Beute hatte den Geheimschreiber Vauck hoffen lassen, daß diesmal der Einbruch in den Sowjetkode glücken werde.
Unter den beschlagnahmten Papieren befand sich auch ein angekohltes Blatt, das Piepes Polizisten im Kamin des Hauses 101 der Rue des Atrébates gefunden hatten. Offenbar war es von dem Funker Makarow noch vor seiner Flucht ins Feuer geworfen worden. Der Papierfetzen enthielt einige Zahlenkolonnen.
Vauck "kam sogleich der Verdacht, das halbverbrannte Papier habe zu einer Verschlüsselungstabelle des Funkers Makarow gehört. Da der Russe jedwede Aussage verweigerte, mußten Vauck und seine Mitarbeiter versuchen, hinter den Sinn der Zahlenwürmer zu kommen.
Sechs Wochen lang spielten die Dechiffrierer jede mathematische Möglichkeit durch, um den Verschlüsselungsplan Makarows zu begreifen. Es gelang ihnen nicht; nur ein Wort vermochten die Spezialisten zu rekonstruieren: "Proctor".
Jetzt mußte man herausfinden, wo "Proctor" zu suchen war. Inzwischen war auch den Deutschen bekannt, daß Moskau Schlüsselbücher aus der Belletristik verwendete; der Schluß lag nahe, daß "Proctor" in einem Roman oder in einem Theaterstück vorkommen mußte. Doch in welchem?
In Fu III machte sich einer der Hauptauswertungs-Offiziere, der Hauptmann Carl von Wedel, Leiter des Referats "Inhaltsauswertung", auf den Weg nach Brüssel, um die Schlüsselbücher der Makarow-Gruppe zu finden. Wedel vernahm Rita Arnould, nur sie war zu Aussagen bereit.
* In der ersten Reihe, 3. v. r.: Kriminalkommissar Reiser.
Die ehemalige Hausdame Rita konnte sich erinnern, auf dem Schreibtisch der Chiffriererin Sophie Posnanska mehrere Bücher gesehen zu haben. Doch der Spionejäger Piepe hatte versäumt, die scheinbar harmlosen Romane der Posnanska mitzunehmen -- in dem geräumten Agenten-Nest der Rue des Atrébates suchte sie Wedel vergebens.
Nur mühsam brachte die Arnould die Titel der Schlüsselbücher zusammen. Vier der von ihr genannten Romane konnte Fahnder Wedel in Brüssel aufspüren und sofort durchlesen lassen -- sie enthielten nicht den Namen "Proctor". Blieb nur ein fünftes Buch. der 1910 veröffentlichte Roman "Le Miracle du Professeur Wolmar" (Das Geheimnis des Professors Wolmar) aus der Feder des französischen Schriftstellers Guy de Téramond.
Wedel fuhr nach Paris und durch-stöberte ein Buchantiquariat nach dem anderen. Das Téramond-Buch war nie im Handel gewesen, es war nur als Gratiszugabe an die Leser des Pariser Bilderblattes "Monde illustré" verschickt worden. Der Hauptmann hatte Glück: Am 17. Mai 1942 fand er ein Exemplar -- und die Dechiffrierer fanden ihren "Proctor".
Von nun an konnten Vaucks Leute die Funksprüche der Makarow-Gruppe entziffern, aber die Arbeit schleppte sich mühsam voran. Man besaß zwar das Schlüsselbuch, aber jede der 286 Seiten mußte immer wieder durch-forscht werden, bis festgestellt war, welche Buchstelle zu einem der 97 Funksprüche (so viele hatte die Funk-abwehr von Makarows Sender aufgefangen) paßte.
Im Juni kamen die Dechiffrierer etwas flotter voran, jeden Tag konnten sie zwei bis drei der Makarow-Funksprüche entziffern. Vor Vaudt entfaltete sich, Funkspruch um Funkspruch, das ganze Ausmaß der sowjetischen Spionage: deutsche Offensivplane, Rüstungsstatistiken, diplomatische Geheimberichte, Stärkeaufstellungen von Divisionen -- es schien nichts zu geben, was Funker Makarow nicht nach Moskau gemeldet hatte.
Dennoch wollte der Erfolg seiner Dechiffrierer den Oberleutnant Vauck nicht froh stimmen, denn längst hatte Moskau sein Schlüsselsystem geändert.
Da halfen abermals die beiden Verfolger Piepe und Giering. Ihre Horchkommandos in Brüssel und Paris hatten wieder Funksignale der sowjetischen Spione aufgefangen.
Der Orpo-Major Schneider war der erste Fahnder, dem der Nachweis gelang, daß der in Brüssel angeschlagene Spionagering seine Arbeit in Frankreich fortsetzte. Schneiders Einheit, ein in Garches westlich von Paris liegender Peilzug der Ordnungspolizei, ortete einen unbekannten Sender in Maisons-Laffitte bei Paris.
"Das ist ein Russenfunk", mutmaßte Schneider und ließ seine Funkpolizisten in Maisons-Laffitte ausschwärmen. Am 10. Juni 1942 alarmierte der Major den Kriminairat Boemelburg. den höchsten Gestapofunktionär im deutschbesetzten Frankreich, und der wiederum alarmierte den SS-Hauptsturmführer und Kriminalkommissar Heinrich Reiser, der in Boemelburgs Abteilung das Referat IV A (Bekämpfung von Marxismus-Kommunismus) leitete.
Schneider meldete: " Wir überwachen seit Tagen einen Feindsender, der muß im Norden oder Nordwesten von Paris einen Standort haben. Wir waren bisher nicht ganz "rangekommen, aber heute hat's geklappt. Wir haben ihn eingekreist und die Nahpeilung eingeleitet." Zu Reiser: "Ihr müßt jetzt mit, wenn ihr die Leute vereinnahmen wollt."
* Mit Ehefrau Myra (r.) und Eltern.
Kommunisten-Jäger Reiser rief einige seiner Männer zusammen, ließ Zivilkleidung anlegen und fuhr dem Funkpeilwagen Schneiders nach. "Das war so ein Lieferwägelchen", erinnert sich Reiser, "von außen war gar nichts zu sehen. Unser Wagen war natürlich auch gut getarnt."
Plötzlich hielt der Funkpeilwagen in der Grande Avenue von Maisons-Laffitte. Ein Melder sprang aus dem Orpo-Wagen und deutete auf zwei Villen, die jeweils rechts und links der Straße lagen. Reisers Leute rannten auf die beiden Häuser zu; der Kommissar drang mit gezogenem Revolver in das linke Haus ein, riß einen Mann von dessen Bett hoch, bis er merkte, daß er sich den Falschen gelangt hatte. Aus dem anderen Haus ertönte eine Polizistenstimme: "Wir haben sie!"
In einer Mansardenwohnung der Villa bemächtigten sich die Gestapobeamten eines dunkelhaarigen Mannes, der soeben noch an seinem Funkgerät gearbeitet hatte; andere Polizisten führten eine Frau herauf, die versucht hatte, mit einem Packen Papiere durch den Garten zu entkommen. Es war das Ehepaar Hersch und Myra Sokol, die Hauptfunker der Frankreich-Organisation des Grand Chef.
Der Überfall in Maisons-Laffitte brachte den Chefentschlüsseler Vauck einen kräftigen Schritt vorwärts; die gefundenen Papiere gaben neue Hinweise auf das Kodesystem der Roten Kapelle. Dennoch hätten nur die Sokols die letzten Rätsel erklären können, aber die beiden Polen schwiegen.
Verärgert schlugen die Gestapofunktionäre auf den Funker ein; Hersch Sokol wurde mit eiskalten Wasserduschen gefoltert. Reiser will freilich heute von solchen Methoden nichts wissen: "Das gab es bei mir nicht. Es wäre der denkbar blödeste Nonsense, wenn man glaubte, mit solchen Mitteln Nachrichten gewinnen zu können."
Immerhin: Als die Gestapo der Funkerin Myra Sokol androhte, den Ehemann erschießen zu wollen, gestand sie alles: Themen der Funksprüche, Zahl der Meldungen, Verbindungen zu anderen Mitgliedern des Trepper-Netzes, Decknamen und Gewohnheiten des Grand Chef. Wieder konnte Vauck seine Entschlüsselungsarbeit erleichtern.
Und schon schickten sich die Verfolger an, einen neuen und diesmal entscheidenden Schlag gegen die Rote Kapelle zu führen. Es war der Coup, der das Ende der sowjetischen Spinnageorganisation im Westen einleitete.
Giering und Piepe war nicht entgangen, daß ihr Gegenspieler Trepper nach der Blitzaktion in Maisons-Laffitte das seit Dezember 1941 stillgelegte Nachrichten-Netz in Belgien wieder aktiviert hatte. Seit Frühsommer 1942 piepste ein neuer Sender in Brüssel; offenbar hatte ein neuer Mann die Nachfolge des geflohenen Petit Chef angetreten.
Der Peilzug einer Funküberwachungskompanie wurde erneut nach Brüssel verlegt, und in kurzer Zeit herrschte Gewißheit darüber, wo der Sender stand. Ende Juli deuteten alle Anzeichen auf den Brüsseler Vorort Laeken, genauer: auf ein alleinstehendes Haus nahe einer Bahnlinie.
Am 30. Juli 1942 schlug Piepe zu. Mit 25 Mann der Geheimen Feldpolizei und Soldaten einer nahe gelegenen Luftwaffen-Kaserne umstellte er das Haus, wenige Minuten später besetzten GFP-Beamte den in kleine Verschläge unterteilten Hausboden. Sie fanden ein noch warmes Funkgerät -- der Funker war geflohen.
Als Piepe seinen Kopf durch eine Dachlücke steckte, sah er, wie der Flüchtling, einen Revolver in der Hand, über das Dach rannte. Einen Schuß nach dem anderen feuernd, hetzte der Mann vorwärts, riß eine Dachluke auf und verschwand. Von den Deutschen verfolgt, flüchtete der Funker in den Keller und versteckte sich dort. Die Feldgendarmen fanden ihn und schlugen wütend auf ihn ein.
Kurz darauf stand er blutend vor Piepe. "Ich erfahre", berichtet der Hauptmann, "daß er 1902 in Danzig geboren ist. Ein Deutscher!" Erst später merkte der bekümmerte Patriot, daß er eine Schlüsselfigur der roten Spionage gefangen hatte: den Komintern-Agenten Johann Wenzel, unter dem Namen "Professor" Chef-Funker der Roten Kapelle in Westeuropa, seit Jahren Spitzenkandidat auf den Schwarzen Listen der Gestapo.
Mit der Verhaftung Johann Wenzels beginnt der Abstieg der Roten Kapelle. Zunächst freilich wollte auch der Komintern-Agent nicht reden; wieder folterte die Gestapo. "Ich muß sagen", erzählte Piepe dem Serien-Autor Perrault, "ich habe Wenzel nach der Gestapohaft nicht wiedererkannt. Er war ein gebrochener Mann, er hatte alles preisgegeben."
Nicht ohne Hohn registrierte die Gestapo später in einem Bericht, dank der "aufgefangenen Funksprüche, deren Entschlüsselung durch die von Wenzel nach eingehender staatspolizeilicher Vernehmung "rausgegebene Chiffriermethode gelang", habe man die Rote Kapelle unschädlich machen können.
Tatsächlich löste der Umfall Wenzels eine Kettenreaktion kommunistischen Verrats aus. Wenzel verriet den belgischen Netz-Chef Jefremow, der Sowjethauptmann Jefremow verriet die Mitglieder des in Holland arbeitenden Netzes und dessen Chef Anton Winterinck, dieser wiederum seine engsten Kontaktleute -- bis schließlich, Ende des Jahres, auch der Grand Chef durch Verrat aufflog und seinerseits wiederum den Petit Chef opferte.
Harry Piepe durfte triumphieren; seiner Zähigkeit und seiner Phantasie hatten es die Deutschen zu verdanken, daß die Rote Kapelle dem Ende zuging. Dennoch erliegt Piepe einer Gedächtnistäuschung, wenn er glaubt, er habe in der Sendezentrale Wenzels unverschlüsselte Funksprüche gefunden, die auf eine der Abwehr noch völlig unbekannte Spionage -- Organisation hinwiesen: auf die Gruppe Schulze-Boysen/Harnack in Berlin.
Dazu soll auch der Funkspruch Moskaus vom 10. Oktober 1941 gehört haben, in dem der Petit Chef angewiesen wurde, die drei führenden Männer der Berliner Gruppe in deren -- genau beschriebenen -- Wohnungen aufzusuchen. Piepe kann den Funkspruch unter den Wenzel-Papieren nicht gefunden haben: Der Funkspruch war an den bis zum Dezember 1941 arbeitenden Makarow-Sender gerichtet worden, nicht an den erst seit Frühsommer 1942 tickenden Wenzel-Sender.
In Wahrheit hatte Entschlüsseler Vauck schon zwei Wochen vor Piepes Coup gegen Wenzel den ominösen Funkspruch entziffert. Am 14. Juli 1942 entschlüsselte der Studienrat Wort um Wort:
An Kent von Direktor. Persönlich. Begeben Sie sich sofort zu den drei angegebenen Adressen in Berlin und steilen Sie fest, weshalb Funkverbindung ständig versagt. Adressen: Neu-Westend, Altenberger Allee Nr. 19. Drei Treppen rechts. Choro. -- Charlottenburg, Fredericiastraße 260. Zwei Treppen links. Wolf. -- Friedenau, Kaiserallee 18. Vier Treppen links. Bauer,
Einen kurzen Augenblick zögerte Vauck, die Meldung weiterzugeben. Konnte man sich vorstellen, daß der sonst so raffinierte Geheimdienst Sowjetrußlands seine wichtigsten Agenten den deutschen Gegenspielern gleichsam auf einem Silbertablett reichte? Aber ein Zweifel war kaum noch möglich: Dem Namen Choro war Vauck in den Funksprüchen immer wieder begegnet, jetzt wurde auch klar, warum deutsche Namen und die deutsche Sprache im sowjetischen Funkverkehr eine so große Rolle gespielt hatten.
Wer aber war Choro, wer waren Bauer und Wolf? Inhaltsauswerter Wedel verschaffte sich Gewißheit. Ein Anruf im Reichssicherheitshauptamt genügte, die Namen festzustellen. Die Gestapo wußte spätestens am 16. Juli 1942 Bescheid. Es wohnten
* in der Altenburger Allee 19: Oberleutnant der Reserve Harro Schulze-Boysen, Referent im Reichsluftfahrtministerium,
* in der Fredericia straße 26a: Dr. Arvid Harnack, Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium, und
* in der Kaiserallee 18: Dr. Adam Kuckhoff, Schriftsteller und Spielleiter der Prag-Film AG.
So einfach war das also, so einfach konnte man Moskaus Spitzenagenten aufspüren. Vor den verblüfften Regime-Wächtern des Dritten Reiches offenbarte sich eine der seltsamsten Spionage-Organisationen deutscher Geschichte.
IM NÄCHSTEN HEFT
SS-Männer peitschen Schulze-Boysen aus -- Ein Günstling Görings verrät deutsche Abwehraktionen im spanischen Bürgerkrieg -- Sowjetagent Erdberg engagiert Berliner Widerstandskämpfer für Moskau

DER SPIEGEL 24/1968
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