Daniel Defoes berühmte Geschichte von Robinson Crusoe und seinem Gefährten Freitag ist ein moderner Klassiker. Der südafrikanische Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee hat in seinem Roman "Foe" den bekannten Plot verändert: Darin strandet die Engländerin Susan Barton auf Robinsons Insel, wo dieser mit dem stummen Freitag lebt. Gemeinsam treten die drei die Überfahrt nach England an, doch Crusoe stirbt, bevor sie die Zivilisation erreichen. Ein Schriftsteller soll nun die Geschichte der beiden Inselmänner aufschreiben und verzweifelt beinahe an der Aufgabe, nur die reine Wahrheit zu erzählen. Denn welche Wahrheit ist eigentlich die gültige? Der niederländische Regisseur Johan Simons zeigt mit der Uraufführung von "Robinson Cruso, die Frau und der Neger" am 4. März in den Münchner Kammerspielen (in Kooperation mit dem Niederländischen Theater Gent und dem Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg) eine Bühnenadaption von Coetzees Roman. Wie der Schriftsteller erzählt auch Simons' modernes, oft witziges Stück vom Scheitern einer multikulturellen Gesellschaft, in der "das Fremde" romantisiert oder ausgebeutet wird.
DER SPIEGEL 9/2006
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