25.03.1968

TENNIS / INGO BUDINGVerbotene Spiele

Zuerst klatschten deutsche Badegäste in Palma de Mallorca Beifall für den Landsmann. Dann verklatschten sie ihn bei den Tennis-Funktionären: Ingo Buding, 26, hatte verbotene Spiele betrieben.
Zum zweitenmal sperrte der Deutsche Tennis-Bund (DTB) das jüngste der vier Tennisgeschwister Buding. Er hatte an einem sogenannten Schaukampf teilgenommen. Schon während des letzten Sommers leistete Buding im österreichischen Kurort Pörtschach Tennis-Schwarzarbeit.
Er besiegte dabei sogar den australischen Wimbledon-Sieger John Newcombe. Der Australier schwang einige Tage später sein Rackett in Hamburg bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften. Schaukampf-Sieger Buding mußte zuschauen. Die Funktionäre hatten ihn für zwei Wochen gesperrt.
"Junge, wenn du Geld brauchst, komm zu mir", bot Tennispräsident Fritz Kütemeyer an. "Verzichte auf Schaukämpfe, ich leih" dir was."
Buding kam und lieh. Doch auch die verbotenen Spiele ließ er nicht. Drei Monate später kassierte er in Spanien neuerdings schwarze Schaukampf-Peseten.
Die Funktionäre der großen Tennis-Verbände boykottieren alle Mini-Turniere als Schaukampf-Darbietungen, bei denen nur wenige hochdotierte Stars auftreten. Dagegen sind Turniere mit 100 und mehr Spielern erheblich aufwendiger. Allein in der Bundesrepublik kapitulierten in den letzten Jahren die Veranstalter von mehr als 50 anerkannten Turnieren vor der billigen Konkurrenz.
Der DTB geriet durch den auf Mallorca verpetzten Tennisstar in einen weltweiten Notenwechsel. Generalsekretär Georg Stoves forderte telegraphisch aus Spanien Einzelheiten an. Die Tennis-Senores antworteten nicht. Stoves hetzte einen Eilbrief hinterher. Wieder vergingen Wochen ohne Antwort.
Hartnäckig mahnte der DTB-Sekretär erneut einen Lagebericht an. Erst Ende Januar bestätigte Madrid, daß Buding im Oktober 1967 auf Mallorca schwarz gespielt hatte.
Die deutschen Tennis-Richter sperrten den Fremdarbeiter Buding vom 15. Februar bis zum 15. Mai. Sie schrieben an seine Heimatadresse in Bandol an der französischen Riviera. Von dort war der Schau-Spieler indessen nach Amerika abgereist. Er trainierte mit Berufsspielern, um sich auf die Davis-Cup-Kämpfe mit der deutschen Nationalmannschaft vorzubereiten.
Sekretär Stoves fahndete wie ein Interpol-Beamter in Termin- und Flugplänen nach Budings Verbleib. Ergebnis: Der vermißte Star lobbte und schmetterte inzwischen Turnierbälle in Barranquilla (Kolumbien). Das Stoves-Kabel traf dort freilich erst ein, als der deutsche Fleißspieler schon nach Caracas flog. Ein Telegramm nach Venezuela verfehlte Buding wiederum. Er packte bereits in Mexico City seine Koffer aus.
Inzwischen stellten die deutschen Tennis-Oberen fest, daß sie ihren zur Zeit besten Spieler für den ersten Davis-Cup-Kampf (3. bis 5. Mai) ausgeschlossen hatten. Rasch befristeten sie die Sperre des fernen Buding auf den 20. März.
Daß er zeitweise disqualifiziert worden war, erfuhr Buding erst, nachdem er die Zwangspause spielend überbrückt hatte.

DER SPIEGEL 13/1968
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 13/1968
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

TENNIS / INGO BUDING:
Verbotene Spiele

Video 01:16

Hawaii Taucher schwimmen mit riesigem Weißen Hai

  • Video "Neuer Porsche 911: Eine Runde mit Mark Webber" Video 01:48
    Neuer Porsche 911: Eine Runde mit Mark Webber
  • Video "Doku über Boris Palmer: Provokateur aus Leidenschaft" Video 59:39
    Doku über Boris Palmer: Provokateur aus Leidenschaft
  • Video "Geschäftsaufgabe wegen Brexit: Verrückt ist noch nett gesagt" Video 03:11
    Geschäftsaufgabe wegen Brexit: "Verrückt ist noch nett gesagt"
  • Video "100 Jahre Frauenwahlrecht: Schauspielerin rezitiert aus historischer Rede" Video 04:34
    100 Jahre Frauenwahlrecht: Schauspielerin rezitiert aus historischer Rede
  • Video "Unterhaus-Sprecher John Bercow: Der einzige Gewinner" Video 02:55
    Unterhaus-Sprecher John Bercow: Der einzige Gewinner
  • Video "Fahrenheit 11/9 von Micheal Moore: Wie konnte das nur passieren?" Video 02:25
    "Fahrenheit 11/9" von Micheal Moore: "Wie konnte das nur passieren?"
  • Video "Beeindruckende Aufnahmen: Lawinensprengung in der Schweiz" Video 00:50
    Beeindruckende Aufnahmen: Lawinensprengung in der Schweiz
  • Video "Videoreportage zur Lawinengefahr: Herrn Bergmayrs Gespür für Schnee" Video 05:34
    Videoreportage zur Lawinengefahr: Herrn Bergmayrs Gespür für Schnee
  • Video "Amateurvideo: Explosion in Lyon" Video 00:46
    Amateurvideo: Explosion in Lyon
  • Video "Naturphänomen in Maine: Was steckt hinter dem Eiskreis?" Video 01:20
    Naturphänomen in Maine: Was steckt hinter dem Eiskreis?
  • Video "In Spanien vermisster Zweijähriger: Hoffnung, dass er noch lebt" Video 01:00
    In Spanien vermisster Zweijähriger: "Hoffnung, dass er noch lebt"
  • Video "Beinahesturz von LKW: Keine Angst, Hilfe naht" Video 00:30
    Beinahesturz von LKW: Keine Angst, Hilfe naht
  • Video "Schlagabtausch im Unterhaus: Das Land bemitleidet Sie" Video 03:18
    Schlagabtausch im Unterhaus: "Das Land bemitleidet Sie"
  • Video "Brexit-Krise: Je größer das Unternehmen, desto größer die Sorge" Video 03:14
    Brexit-Krise: "Je größer das Unternehmen, desto größer die Sorge"
  • Video "Hawaii: Taucher schwimmen mit riesigem Weißen Hai" Video 01:16
    Hawaii: Taucher schwimmen mit riesigem Weißen Hai