19.02.1968

„ACHTEN SIE AUF DIE ZWIEBEL DER HERBSTZEITLOSE“

Hirngespinste und Ausrottungsbefehle, sentimentale Kameraderie und nüchterne Verwaltungsmaßnahmen spiegeln sich in der Korrespondenz des einstigen Reichsführers SS Heinrich Himmler wider, die der Historiker Helmut Heiber vom Münchner Institut für Zeitgeschichte zusammenstellte. In Briefen, die an Untergebene und Fürstinnen, an Gauleiter und Industrielle gerichtet waren und noch dem Kriege von Amerikanern erbeutet wurden, fertigte der SS-Führer, wie kein anderer NS-Spitzenfunktionar, sein eigenes Psychogramm -- Schreibtischmörder und Subalterner, Kräutergärtner und Moralist zugleich. Aus Heibers Buch „Briefe an und von Himmler“, das demnächst in der Deutschen Verlags-Anstalt erscheint (300 Seiten. 24,80 Mark), veröffentlicht der SPIEGEL nachstehend Auszüge:
An Schillversand, München, 13. August 1926.
Sehr geehrter Herr Kamerad Reines! Unter gleichzeitiger Überweisung von M 13. -- ersuche ich Sie, mir baldmöglichst mein Hitlerhemd sowie das Paar Wickelgamaschen u. für die übrigbleibenden M 3.- eine Schutzstaffelmütze, Kopfweite 54, zu übersenden.
*
An Anton Lehner, Konzentrationslager Dachau, 18. Mai 1937. Mein lieber Lehner Toni!
Selbstverständlich werden Sie entlassen. Den Zeitpunkt muß ich mir noch vorbehalten. Wenn Sie entlassen werden, werde ich Ihnen auch eine Stellung beschaffen. Ich entlasse Sie aber erst dann, wenn ich zu der Überzeugung gekommen bin, daß Sie völlig dem Alkohol entsagen, der doch In all den Jahren immer wieder zum Schrecken für Ihre Familie und für Sie über Sie Herr geworden ist, so daß Sie in vielen Fällen ein gerade für einen alten Nationalsozialisten unwürdiges Bild boten
*
An Reichsarzt SS Dr. Ernst-Robert Grawitz, 8. Juni 1938. Lieber Grawitz!
... Wogegen Ich mich wende, Ist die sehr pietätlose Art, wie die Leichenöffnungen vorgenommen werden. Meines Erachtens kann der Schädel auch seziert werden, ohne daß der Kopf abgeschnitten wird. Lassen Sie sich bitte einmal von SS-Gruppenführer Eiche beschreiben, wie die Sektion des SS-Mannes Kallweit In Buchenwald vor sich gegangen ist und in welcher Weise mir das gezeigt wurde ...
*
An SS-Sturmbannführer Adalbert Graf Kottulinsky, 16. September 1938. Lieber Kottulinsky!
Sie waren sehr krank und haben stark mit dem Herzen zu tun gehabt. Im Interesse Ihrer Gesundheit lege ich Ihnen für die Dauer von zwei Jahren völliges Rauchverbot auf ...
*
An SS-Gruppenführer Walter Schmitt, Chef des SS Personalhauptamtes, 13. September 1939.
SS-Obersturmführer Mayr/Miesbach ist mit Frau Sigrid, geb. Magnussen verheiratet. Sigrid Magnussen ist nach Ihrer Abstammung zu einem Viertel jüdischen Blutes. SS-Obersturmführer Mayr hat sich verpflichtet, keine weiteren Kinder mit seiner Frau zu erzeugen und weiß, daß die drei vorhandenen Kinder niemals die Genehmigung zur Verheiratung mit einem SS-Angehörigen bekommen werden. Ich habe genehmigt, daß Obersturmführer Mayr in der SS verbleibt ...
*
An SS-Standartenführer Viktor Brach, Stabsleiter des Chefs der Kanzlei des Führers der NSDAP, 19. Dezember 1940. Lieber Brach!
Wie ich höre, ist auf der Alb wegen der Anstalt Grafeneck eine große Erregung**. Die Bevölkerung kennt das graue Auto der SS und glaubt zu wissen, was sich in dem dauernd rauchenden Krematorium abspielt. Was dort geschieht, ist ein Geheimnis und ist es doch nicht mehr. Somit ist dort die schlimmste Stimmung ausgebrochen, und es bleibt meines Erachtens nur übrig, an dieser Stelle die Verwendung der Anstalt einzustellen und allenfalls mit einer klugen und vernünftigen Weise aufklärend zu wirken, indem man gerade In der dortigen Gegend Filme über Erb- und Geisteskranke laufen läßt. Ich darf Sie um eine Mitteilung bitten, wie dieses schwierige Problem gelöst wurde.
*
An SS-Sturmbannführer Heinrich Vogel, 29. März 1941.
Ich hörte kürzlich, daß es nunmehr eine Pflanze gibt, die in großem Maße Kautschuk liefert. Das Saatgut dieser Pflanze soll aus Rußland kommen und erst in ganz geringen Mengen nach Deutschland eingeführt worden sein. Der Führer, der mich darauf aufmerksam machte, meinte, es würde wahr-
* Himmler verübte am 22. Mai 1945 Selbstmord, um der Gefangennahme durch die Engländer zu entgehen.
** In der Anstalt Grafeneck wurden Geisteskranke getötet ("Euthanasie-Programm").
scheinlich so ähnlich sein, wie es mit dem Zucker gewesen wäre ... In diesem Zusammenhang möchte ich neben dem Löwenzahn auch auf eine andere in unseren Wäldern vorkommende Pflanze, nämlich die Wolfsmilch, hinweisen, die meines Erachtens in ihrem Saft eine noch stärkere Klebrigkeit hat, wie der Löwenzahn in seiner Milch.
An Ahnenerbe e. V., 2. September 1941.
In dem beiliegenden italienischen Buch "Razze e popoli della terra" sind im ersten Band die verschiedenen Venusfiguren von Biesternitz und Willendorf und ähnliche Figuren schwerer, überfetteter mit besonders starken Schenkeln und Gesäßen versehenen weiblicher Wesen abgebildet. Diese Figuren sind einige der wenigen lilinweise auf in der Steinzeit lebende Völker der Gegenden, in denen die Figuren gefunden wurden. Nun fällt mir auf, daß bei einigen Stämmen wilder Völker, vor allem bei den Hottentotten, Frauen noch dieselben Figuren, den Fettsteiß und alle anderen Attribute dieser Art, haben.
Ich ersuche, nun einmal eine eingehende Forschung in Zusammenarbeit mit dem Rasse- und Siedlungshauptamt-SS in die Wege zu leiten über folgende Fragen: Wo wurden, kartenmäßig aufgezeichnet, solche Venusfiguren überall gefunden? Wie war das Klima an diesen Stellen zur Zeit, als das betreffende Volk lebte?
*
An SS-Gruppenführer Oswald Pohl, Chef SS Wirtschaftsverwaltungshauptamtes, 24. September 1941.
Ich komme erneut auf meine Anregung des Mauerns mit heißer Kelle zurück, also des Vorschlages, es wie früher zu machen und durch besondere Männer die Kelle gerade vor dem Gebrauch erst löschen zu lassen und dann mit heißem Mörtel zu mauern. Der Grund ist die neuerdings gemachte Erfahrung, daß die Festungsmauern von Brest-Litowsk selbst modernster Artillerie in einem ganz hohen Maß Widerstand leisten konnten
*
An SS-Obergruppenführer Oswald Pohl, 13. Mai 1942. Lieber Pohl!
Ich höre, daß es eine Erfindung gibt, daß die Abgase aus den Kaminen der Bäckereien eingefangen werden und daß aus ihnen Alkohol gemacht wird. Bäckereien, wie unsere Bäckerei in Dachau, müßten täglich 100 bis 120 Liter Alkohol auf diese Art liefern. Kümmern Sie sich doch bitte einmal um diese Frage und sehen Sie zu, daß wir das auch bei unseren Bäckereien machen.
*
An Gauleiter Alfred Eduard Frauenfeld, designierter Generalkommissar für die Krim, 10. Juli 1942.
Lieber Parteigenosse Frauenfeld!
Besten Dank ... für Ihre Denkschrift über die Umsiedlung der Süd-
* Eiszeitliche Kalkstein-Statuette
tiroler nach der Krim. Ich hatte gestern Gelegenheit, mit dem Führer darüber zu sprechen, der diesen Vorschlägen keineswegs ablehnend gegenübersteht. Ich stehe ihnen auch nicht ablehnend gegenüber, doch herrscht Einigkeit darüber, daß mit der Umsiedlung der Südtiroler erst nach Abschluß des Krieges begonnen werden kann. Für Burgund werden wir dann eben einen anderen Volksstamm ... finden...
*
An SS-Gruppenführer Herbert Backe, Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 30. Juli 1942.
Lieber Parteigenosse Backe! Ich habe Ihren Brief vom 23. 7. wegen der Lebensmittelzulagen für Prostituierte der Ausländerlager erhalten. Ich gebe sehr gern zu, daß dieser Wunsch bei dem ersten Anblick unmöglich und ungerechtfertigt erscheint. Die Sache verhält sich jedoch folgendermaßen:
Wenn ich die Bordelle nicht einrichte, gehen diese Millionen Ausländer auf die deutschen Frauen und Mädchen los. Ich muß diese Einrichtung also treffen, um dieses noch viel größere Unheil zu verhindern ... Dadurch ist es leider notwendig, diesen Insassen für ihre zwar im deutschen Interesse nützliche, sonst aber wenig erfreuliche Betätigung genügend Ernährung zu geben. Ich schließe mich Ihrer Ansicht an, daß es psychologisch gefährlich wäre, eine Zuteilung von Lebensmitteln in Form der Schwerarbeiterzulage zu machen. Läßt sich aber nicht irgendeine andere Form finden?
An SS-Obergruppenführer Oswald Pohl, 30. September 1942. Lieber Pohl!
Lassen Sie doch bitte für Weihnachten einen schönen Homespun machen. Ich will ihn dem Reichsmarschall schenken. Nehmen Sie hierfür aber die dreifache Anzahl an Metern, die sonst normalerweise üblich ist.
An Ahnenerbe e.V., 9. Oktober 1942. Gelegentlich eines Gespräches machte mich der Reichsmarschall darauf aufmerksam, daß er bemerkt habe, daß an früheren Hinrichtungsplätzen heute noch die Raben im besonderen Maße kreisen oder sich dort niederlassen. Ich ersuche, dieser Frage einmal nachzugehen, wenn nicht jetzt, so doch im Frieden.
*
An SS-Obersturmführer Dr. Sigmund Rascher, 24. Oktober 1942. Lieber Rascher!
Ihren Bericht über Abkühlungsversuche an Menschen habe ich mit großem Interesse gelesen ... Leute, die heute noch diese Menschenversuche ablehnen, lieber dafür aber tapfere deutsche Soldaten an den Folgen dieser Unterkühlung sterben lassen, sehe ich auch als Hoch- und Landesverräter
ah ...
Sehr neugierig bin ich auf die Versuche mit animalischer Wärme*.
*
An SS-Obergruppenführer Oswald Pohl, 25. Januar 1943. Lieber Pohl!
Die Ernährungsschwierigkeiten unserer Truppen in Stalingrad zeigen mir, wie wenig wir auf derartige Lagen vorbereitet sind. Dabei hätten wir aus der Geschichte die besten Lehren ziehen können. Lassen Sie bitte das Buch "Tschingis Chan und sein Erbe" von Michael Prawdin ... durcharbeiten. In diesem Buch sind an mehreren Stellen Nachrichten darüber enthalten, in welcher Weise die Mongolen Fleisch trock-
* In Eiswasser unterkühlter Häftling wurde zwischen zwei entkleidete Frauen gelegt.
neten, Milch konservierten und diene Nahrungsmittel als Dauernahrung in ihren Satteltaschen mitführten. Die Milch konservierten sie in steinharten Würfeln. Wieviel konserviertes und mit allen Vitaminen versehenes Fleisch hätten wir gewinnen können, wenn alle gefallenen Pferde in der Weise behandelt worden wären, wie es die Mongolen taten.
*
An SS-Hauptscharführer Heinrich Vierke, 15. Februar 1943.
Ich habe Ihnen bereits fernschriftlich mitteilen lassen, daß ich Ihre Heirat freigegeben habe. Ihre Braut, die einen ausgezeichneten Eindruck macht und die es bestimmt schwer hatte, sich zu einem Deutschen zu bekennen, ist seit Januar im neunten Monat schwanger. Sie haben Ihr Heiratsgesuch Mitte November eingereicht. Ihr Verhalten erscheint mir rücksichtslos und unritterlich. Daß Ihre Braut von Ihnen ein Kind erwartet, wußten Sie viele Monate vorher. Die Einreichung des Gesuches dann so zu verzögern, sehe ich als eine Handlung an, die eines SS-Mannes unwürdig ist. Ich ersuche Sie nunmehr, durch eine anständige und ritterliche Eheführung die begangene Rücksichtslosigkeit gutzumachen.
*
An SS-Hauptsturmführer Alfred Arnold, 21. Juni 1943. Lieber Arnold!
Soviel ich weiß, sind Sie der einzige Sohn Ihrer Eltern. Meines Erachtens hätten Sie die Verpflichtung, nun endlich zu heiraten und dafür zu sorgen, daß die Sippe Arnold nicht ausstirbt. Ich erwarte auf diesen Brief eine Antwort.
*
An Johann Marx, Tristenau, 26. Juni 1943.
Sehr geehrter Herr Marx!
Ihren Wunsch, Ihrem Sohn einen Ernteurlaub zu ermöglichen, kann ich leider nicht erfüllen. Da ich Verständnis für Ihre mißliche Lage habe ... beabsichtige ich, Ihnen einen Schutzhaftgefangenen abzustellen, und zwar einen Bibelforscher, einen Angehörigen einer verrückten Sekte, der glaubt, Jehova habe ihm verboten, den Eid auf den Führer zu leisten und für das Vaterland zu kämpfen ... Insgesamt sind es aber Menschen, die sehr brav arbeiten, die aber auf dem einen Gebiet, wie man bei uns in Bayern sagt, "spinnen".
*
An Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, 21. Juli 1943.
Sehr verehrter Herr Generalfeldmarschall!
Ich höre, daß die Wehrmacht 24 000 Erbhöfe zu je 28 Morgen, darunter eine Anzahl Führungshöfe zu je 40 Morgen und größer, für die ukrainischen und sonstigen Hilfswilligen beansprucht und gefordert hat. Ich erhebe gegen diese Forderung als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums namens aller siedlungswilligen Männer des deutschen Volkes schärfsten Protest und Einspruch. Ich mache darauf aufmerksam, daß wir heute nicht in der Lage sind, auch nur einige deutsche Frontsoldaten zu siedeln
*
An Frau Lina Heydrich, 7. August. 1943.
Sehr verehrte Frau Heydrich!
Ich höre, daß Sie außer Ihrer Reise nach Dänemark noch größere Reisepläne haben. Ich darf Ihnen in aller Offenheit sagen, daß ich dies nicht für richtig halte. Sie haben, wenn auch noch nicht offiziell verbrieft, den schönen großen Besitz Jungfern-Breschan erhalten. Ich glaube, daß Sie innerlich zu dem großen Schluß kommen und sich durchringen müssen, aus dem reichen politischen Leben, in dem Sie mit Ihrem Manne gelebt haben, als mitwirkende Frau auszuscheiden, um jetzt nur Bäuerin und Mutter Ihrer Kinder zu sein ...
An SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, 8. September 1943.
Ich bin dafür, daß das Verbot des Geschlechtsverkehrs für Esten und Letten sowie mit Esten und Letten aufgehoben wird.
Ich wünsche, daß das Verbot für alle Litauer und Litauerinnen aufrechterhalten bleibt. Die Litauer sind ein Volk, das sich dermaßen schlecht benimmt und auch solch einen schlechten rassischen Wert besitzt, daß eine Aufhebung nicht berechtigt und nicht gerechtfertigt ist.
*
An SS-Oberführer Professor Dr. Walther Wüst, 31. März 1944.
Bei der künftigen Wettererforschung ... bitte ich, auf folgende Tatsache das Augenmerk zu richten: Die Wurzeln beziehungsweise die Zwiebel der Herbstzeitlose sind in den verschiedenen Jahren in unterschiedlicher Tiefe im Boden. Je tiefer sie wachsen, desto stärker der Winter; je näher sie der Oberfläche sind, um so milder der Winter. Auf diese Tatsache machte mich der Führer aufmerksam.
An SS-Brigadeführer Kurt Hintze, 11. Mai 1944.
Durch SS-Obergruppenführer Jeckeln erfahre ich, daß Sie mit dem litauischen General Plechavicius bis morgens um zwei Uhr zusammen getrunken haben und dabei waren, wie -- den slawischen Sitten dieses Herrn gemäß -- Schnapsgläser an die Wand geworfen wurden. Überhaupt sprechen Sie nach Meldungen, die ich sowohl aus Berlin wie nunmehr aus dem Ostland erhalte, dem Alkohol in einer unmöglichen und unmäßigen Form zu. Ich lege Ihnen daher zunächst bis Ende des Jahres 1944 ein totales Alkoholverbot auf.
An SS-Obergruppenführer Günther Pancke, 16. Mai 1944. Lieber Pancke!
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich Ihre Frau im Gau Hannover nicht immer sehr glücklich benimmt. Ich bitte Sie, dafür zu sorgen, daß Ihre Frau so bescheiden wie möglich lebt und auch als junge Frau bei aller Anerkennung ihrer vier Kinder nicht eine unnötig große Anzahl von Hausgehilfinnen und -angestellten hält. Außerdem bitte ich, Ihre Frau dahingehend zu erziehen, daß sie nicht ihre Meinung über den oder jenen politischen Vorgang im Gau oder über den Gauleiter selbst laut und deutlich an den verschiedenen Orten kundtut. Außerdem halte ich es nicht für notwendig, daß Sie nach jedem Angriff, der auf Braunschweig erfolgt ist, als gehorsamer Ehemann mit dem Auto von Dänemark angebraust kommen und sich dort zur Stelle melden.
An SS-Obergruppenführer Ernst Sachs, Chef Fernmeldewesen, 25. Juni 1944.
Lieber Sachs!
Bei Übernahme des Dienstschreibtisches des Kommandeurs Oberehnheim durch SS-Obersturmbannführer Prechter wurde ein Buch "Freude -- Sexualtheorie"** gefunden. Ich ersuche Sie, den SS-Standartenführer Dilcher sofort zu sich zu bestellen und ihn zu befragen:
1. Wie kommt dieses Buch in den
Dienstschreibtisch.
2. Ist Dilcher der Besitzer dieses Buches?
Bitte um baldigste schriftliche Antwort. Das Buch befindet sich bei mir. SS-Staf. Dilcher hat Berlin nicht zu
* Bei einem Konzertbesuch in Prag im Mai 1942. SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich starb am 4 Juni 1942 an den Folgen eines Attentats tschechischer Widerstandskampf er.
** Wahrscheinlich handelte es sich um Sigmund Freuds Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie.
verlassen, bis ich es wieder genehmige.
*
An SS-Gruppenführer Hermann Fegelein, Verbindungsführer der Waffen-SS bei Hitler, 28. Juli 1944. Lieber Fegelein!
1. Ich bin zur Überzeugung gekommen, daß der Großteil der Schwierigkeiten an der Ostfront, das Nichtmehrhalten und die Auflösung der Divisionen in einem ungeheuer raffinierten Hineinschicken von Offizieren der Seydlitz-Armee** und von zu Kommunisten umgeschulten kriegsgefangenen deutschen Soldaten durch die Russen zu suchen ist.
2. Als Mittel dagegen kann man m. E. nur zu dem mittelalterlichen Landsknechtsbrauch von Feldgeschrei der Tagesparole, die als größtes Geheimnis gewahrt wird und an der Offiziere und Mann sich gegenseitig erkennen, zurückkommen
*
An SS-Oberführer Prof. Dr. Walther Wüst, Kurator des Ahnenerbe, 17. August 1944.
Zu den Untersuchungen zur deutschen Volkskunde und Rechtsgeschichte -- Ahnengrab und Brautstein -- habe ich nach der Lektüre folgende Bemerkungen zu machen: ... In Kiel gebar ein Mädchen in einem Krankenhaus ein Kind. Auf die Frage, wer der Vater des Kindes wäre, erklärte sie, es wäre ein Kind vom Stein. Als man der Sache näher nachging, handelte es sich um folgende alte Sitte:
Gab es in einem Dorf ein Mädchen, das in das heiratsfähige Alter gekommen war und keinen Mann gefunden hatte, ging in einer mondfinsteren Nacht, also zur Neumondszeit, der Vater mit dem Mädchen und den Bauern des Dorfes hinaus. Das Mädchen wurde auf das Hünengrab oder Ahnengrab gestellt, die Bauern stellten sich in weitem Umkreis, das Gesicht nach außen, um diesen Stein. Der Vater hatte vorher mit einem Bauern aus dem Dorfe, also mit einem aus der Blutsgemeinschaft, gesprochen. Dieser eine aus dem Ring begab sich auf das Ahnengrab und begattete das Mädchen. Der Liebes- und Geschlechtsakt fand auf dem Ahnengrab statt.
Der Sinn ist: Es darf kein gutes Blut, ohne fruchtbar zu sein, aussterben
*
An Reichsleiter Martin Bormann, 26. Dezember 1944.
Lieber Parteigenosse Bormann! Durch die SS-Verbände, die in der Gegend lagen, höre ich, daß die Bevölkerung im Kreis Düren absolut feindlich und abweisend gesinnt war. Die Gründe konnte ich nicht erfahren. Der Gruß "Heil Hitler" ist dort geradezu unbekannt, selbst bei manchen örtlichen Hoheitsträgern ...
*
An Dr. Max Ruhland***, Auf sichtsratsvorsitzender der Voigtländer & Sohn AG., Braunschweig, 11. Januar 1945.
Mein lieber Max!
... Ich habe, wie Du vielleicht schon gehört hast, in der Armee den Einsatz der Scharfschützen mit allen Mitteln vorangetrieben ... Jeder Scharfschütze bekommt nach 50 bestätigten Abschüssen außer Urlaub eine Armbanduhr von mir überreicht, bei 100 Abschüssen ein Jagdgewehr oder eine Pistole oder auch ein gutes Fernglas. Kann mir Eure Firma für den Zweck in meiner Eigenschaft als Befehlshaber des Ersatzheeres 50 und später noch einmal 50 Stück solcher Ferngläser mit der Widmung: "Dem Scharfschützen -- H. Himmler" liefern? Ich wäre sehr froh darüber!
*
An Reichsarzt SS Prof. Dr. Ernst-Robert Grawitz, 20. Januar 1945. Lieber Grawitz!
Sie hatten mir vor längerer Zeit schon einmal berichtet, daß in den Konzentraionslagern Krebskranke nicht vorhanden sind ... Besonders bemerkenswert ist diese Meldung, wenn man berücksichtigt, daß es nach dem Stand vom 20. 2. 1945 28 145 männliche und weibliche Häftlinge Im Alter von über 50 Jahren gibt ... Ich beauftrage Sie mit der Untersuchung der Ursachen, weshalb die Häftlinge nicht krebskrank sind ...
*
An Reichsleiter Martin Bormann, 23. Februar 1945.
Lieber Parteigenosse Bormann! Der Leiter des Gaukommandos Düsseldorf, Temmler, ist schon seit Wochen dahinter her, die Tresore der Großbankfilialen in Arnheim aufmachen zu dürfen ... Er trat ... an den Kommandeur der Fallschirmjäger-Division, Generalleutnant Lackner, heran und bat ihn, Schweißer zur Verfügung zu stellen. Dieser lehnte dies aber mit der Begründung ab, daß seine Fallschirmjäger keine Kassenknacker seien
Das Devisenkommando der Sicherheitspolizei stellte fest, daß die Tresore der Amsterdamschen Bank, der Twentschen Bank, der Nederlandschen Bank und auch der Rotterdamschen Bankvereinigung gewaltsam geöffnet wurden und daß auch bei einer fünften Bank, der Nederlandschen Handelsmaatschappij, der Versuch unternommen wurde, den Tresor gewaltsam zu öffnen.
Die den Leuten in die Hände gefallene Beute ist außerordentlich groß. Der marktmäßige Preis des gestohlenen Gutes ist bereits jetzt mit einer Anzahl Millionen Reichsmark zu veranschlagen. Es besteht kein Zweifel, daß der Leiter des Gaukommandos Düsseldorf mit seinen Hilfskräften den Raub durchgeführt hat ... Die Wände der Schlafräume, in denen Herr Temmler wohnte, waren mit zahlreichen geschmacklosen Nacktphotographien zusammen mit Hakenkreuz-Emblemen geschmückt ...
* Bei Glekau.
** Angehörige des "Nationalkomitees Freies Deutschland", die unter deutschen Kriegsgefangenen in Rußland kommunistische Propaganda triebe.
*** Dr. Ruhland war Himmlers Vetter.

DER SPIEGEL 8/1968
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