15.01.1964

ÖSTERREICH / OLYMPISCHE SPIELENeue Schalter

Eine Milliarde Schilling (154 Millionen Mark) müssen Österreichs Steuerzahler für die Olympischen Winterspiele in Innsbruck insgesamt zahlen. Nur zehn Millionen Mark Zuschüsse waren ursprünglich geplant.
Die Vervielfachung der Kosten verdanken die Österreicher dem Ehrgeiz des Innsbrucker Bürgermeisters Dr. Alois Lugger. Der weißhaarig-fesche Stadtvater der 106 000-Einwohner-Gemeinde: "Wir wollen alles noch besser und noch schöner machen als Cortina d'Ampezzo und Squaw Valley."
Dafür wurden gebaut:
- eine Sprungschanzenanlage für 60 000 Zuschauer (bisheriger Zuschauerrekord in Innsbruck: 20 000);
- ein Eisstadion für 11 000 Menschen (Baukosten: 13 Millionen Mark), dessen Erhaltung nach den anderthalb Olympischen Wochen alljährlich 300 000 Mark an Steuergeldern erfordern wird;
- eine 1500 Meter lange Bobbahn (jährliche Unterhaltungskosten: 50 000 Mark) und
- ein "Olympisches Dorf", das 5500 Gäste beherbergen kann, obwohl nicht mehr als 2000 Sportler und Funktionäre erwartet werden.
Der Staat errichtete neue Straßen, Brücken und einen neuen Olympia -Flughafen, den Fachleute als reine Fehlinvestition bezeichnen.
Innsbruck verfügte bisher über eine einzige, von Alpenkämmen umschlossene und meist von Nebel umhüllte Betonpiste, auf der Blindfluglandungen verboten waren und die von internationalen Fluglinien nicht angeflogen wurde; 1962 hatte dieser Flugplatz eine durchschnittliche Verkehrsdichte von einem Flugzeug pro Tag.
Obwohl Innsbruck (Bürgermeister Lugger: "Flugkreuz West") auch künftig nur vom innerösterreichischen Flugverkehr und von Charterflügen berührt werden soll, wird für 14 Millionen Mark ein Flughafengebäude mit 20 Abfertigungsschaltern gebaut. Besondere Pointe des Baus: Bis zum Olympia-Beginn am 29. Januar wird er nicht fertig sein.
Die olympische Kassenbilanz aber steht heute schon fest: Dem Gesamtaufwand von rund 150 Millionen Mark steht eine optimale Einnahmen-Schätzung von sieben Millionen Mark aus dem Erlös der Eintrittskarten und Fernsehrechte gegenüber.
Resümierte Wiens "Presse": "Innsbrucks Bürgermeister ist der erste Olympiasieger."
Olympisches Dorf in Innsbruck: Für die Spiele eine Milliarde

DER SPIEGEL 3/1964
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 3/1964
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ÖSTERREICH / OLYMPISCHE SPIELE:
Neue Schalter

  • Tipps für längeres Leben: Kaffee, Sex und Telefonbuch zerreißen
  • Vergängliches Naturschauspiel: Die seltsamen Eisblumen von Tennessee
  • Neu Delhi: Affenplage im Regierungsviertel
  • Hai-Angriff bei Fütterung: Tauchlehrer verliert den Durchblick