12.02.1964

DEUTSCHLAND HAT NUR ZWEI HELDENTENÖRE

Hitler über die Kunst*

19.2.1942, nachts

Es ist so schade, daß wir in Dresden keinen Gauleiter haben, der über eine engere Beziehung verfügt zur Kunst. Nach (Clemens) Krauß und (Wilhelm) Furtwängler wäre der (Fritz) Busch der beste deutsche Dirigent geworden. Aber Mutschmann (Gauleiter in Sachsen) wollte ihm alte Parteigenossen ins Orchester setzen, um NS-Geist hineinzubringen! ...

28. 2.1942, nachts

1925 hatten mich Bechsteins zu sich eingeladen nach Bayreuth* ... Der erste "Parsifal", den ich dort gehört habe, war noch der Cleving, eine fabelhafte Gestalt und Stimme. Ich kannte den "Parsifal" schon von München her. Dann habe ich den "Ring" gesehen und die "Meistersinger". Daß dieser Jude Schorr den "Wotan" gesungen hat, das hat mich so geärgert! Für mich war das Rassenschande! ...

25.3.1942, abends

Er (Hitler) könne sich heute noch darüber ärgern, wie schlecht in der Systemzeit die Akrobaten und vor allem die arischen Tänzerinnen, zum Beispiel die phantastischen Tillergirls - deretwegen jeder doch letzten Endes ins Kabarett gegangen sei - bezahlt worden wären, während jüdische Affen als Conferenciers 3000,- RM pro Abend für ihre blöden Bemerkungen eingesteckt hätten. Wie oft hätte er in München die Vorstellungen, wo solche Laffen das Hakenkreuz und sonstige nationale Symbole glaubten verspotten zu können, sprengen lassen. Schade nur, daß das in Berlin nicht möglich gewesen sei, da die Theater-Direktionen ihnen nur höchstens 300 Plätze von 3000 verkauft hätten und diese 300 so verteilt gewesen wären, daß die Grünen (Polizisten) bei einem Pfeifkonzert der. SA-Leute sofort eingegriffen hätten.

27.3.1942, mittags

Bis 1910 hätten wir wirklich doch ein außerordentliches Niveau in unseren künstlerischen Leistungen aufzuweisen gehabt. Seitdem sei es leider in immer stärkerem Maße bergab gegangen. Und, was seit 1922 dem deutschen Volk als Kunst aufgeschwätzt worden sei, sei auf dem Gebiet der Malerei ein einziges verkrüppeltes Gekleckse. An dem rapiden Verfall der Kunst in der Systemzeit könne man eindeutig feststellen, wie verheerend der Einfluß der Juden sich auf diesem Gebiet ausgewirkt habe. Am besten sei, mit welcher unglaublichen Frechheit der Jude dabei vorgegangen wäre ...

Man könne der Fügung danken, daß 1933 der Nationalsozialismus an die Macht gekommen sei und mit diesem Kitsch ein für allemal Schluß gemacht habe. Bei seinen Gängen durch Kunstausstellungen habe er stets rücksichtslos alles entfernen lassen, was nicht künstlerisch einwandfrei sei.

Es sei bedauerlich, daß die Preußische Akademie der Künste ihren Aufgaben in keiner Weise gewachsen sei. Damit, daß die einzelnen Professoren und Meister der Akademie sich gegenseitig hochlobten, sei ja auch nichts gewonnen. Nur der Kultusminister, der der Kunst wie ein ausgewachsenes Nilpferd gegenüberstehe, falle auf derartiges Schreibwerk herein und gebe sich dazu her, für gemalten Dreck Staatspreise zuzuerkennen**. Ihn lulle man offenbar genauso ein, wie es die Juden zur Zeit ihrer Kunstherrschaft beim ganzen deutschen Volk mit Erfolg versucht hätten. Es heiße dann, daß solch eine Kleckserei schwerverständlich sei, daß die ganze Tiefe ihres Inhalts nur erfaßt werden könne, wenn man sich ganz in das Bild versenke und so fort. Schon 1905/1906, als er auf die Wiener Akademie gekommen sei, seien Schmierereien mit ähnlichem Wortgeklimper ohne jeden Sinn als Arbeiten "Suchender" lanciert worden ...

Auch Bilder von Malern, die von der preußischen Akademie mit

Staatspreisen ausgezeichnet worden seien, habe er aus dem Haus der Deutschen Kunst entfernen lassen, wenn sie nichts taugten ...

Er sei überhaupt kein Freund der Akademien; denn die Professoren, die an ihnen tätig seien, seien entweder Künstler, die sich im freien Lebenskampf nicht durchsetzen könnten, oder es seien zwar Künstler von Format, die aber nur höchstens zwei Stunden ihres Tages für die Akademiearbeit opfern könnten oder die Akademiearbeit als reine Altersbeschäftigung ansähen ...

4.4.1942, mittags

Nachdem es in Deutschland gelungen sei, den Juden und das Christentum bei uns aus dem politischen Leben wieder auszuschalten, sehe man erst an der Entwicklung in England oder in Amerika, wohin diese Elemente ein Volk führen könnten. Nur ein Beispiel: Der ganze verkrüppelte jüdische Kunst-Mist, den er im Rahmen seiner Aktion "Entartete Kunst" in Deutschland ausgemerzt hätte, würde heute in England und den USA zu höchsten Preisen gehandelt. Und die ganze bürgerliche Welt dort mitsamt ihren Kunstkennern wage nicht, dagegen anzugehen. Da könne man nur sagen: Feigheit, dein Name ist Bürgertum ...

26.4.1942, abends

Beim Abendessen sprach der Chef Professor Speer auf die Planungen in Linz ans.

Er führte hierzu aus, daß heute Budapest die weitaus schönste

Donaustadt sei. Es sei deshalb sein Ehrgeiz, eine deutsche Donaustadt in Linz aufzubauen, die Budapest weit überrage und den eindeutigen Beweis erbringe, daß der deutsche Geist und daß das deutsche Kunstschaffen dem magyarischen weit überlegen seien.

Er plane, nicht nur die Donauufer großzügig auszugestalten, sondern auch ein vorbildliches Wohnungsbauprogramm in die Tat umzusetzen.

An Brücken plane er als Besonderheit, vor allem im Gegensatz zu Budapest; eine Hängebrücke über die Donau ausführen zu lassen. Außerdem solle auf dem jenseitigen Donauufer ein Gebäude aufgeführt werden, das insbesondere der katholischen Pseudowissenschaft zum Trotz die drei Weltbilder des Ptolemäus, des Kopernikus und der Welteislehre (Hörbiger) enthalten solle; in der

Kuppel dieses Gebäudes solle sich

ein Planetarium befinden, das nicht nur den Wissensdurst seiner Besucher stillen solle, sondern auch für Forscherarbeiten geeignet sei. Bei der inneren Ausgestaltung beabsichtige er weitgehend auf Anregungen Professor Troosts zurückzugreifen ...

30.4.1942, abends

Beim Abendessen beanstandete Hitler die Tatsache, daß wir in Deutschland zur Zeit nur zwei Heldentenöre zur Verfügung hätten, die durch Deutschland hin- und hergejagt würden, um bald hier, bald dort zu singen ...

Es sei aber nicht nur wichtig, daß auf eine gediegene Ausbildung der Sänger Wert gelegt werde, sondern ebenso wichtig sei die Heranbildung der Dirigenten. Wenn genügend gute Dirigenten in der Systemzeit zur Verfügung gestanden hätten, wäre der Bruno-Walter-Schwindel kaum möglich gewesen*.

Bruno Walter sei an der Wiener Oper lediglich als eine absolute Null bekannt gewesen, als die Judenpresse Münchens auf ihn aufmerksam gemacht habe und er durch ein neckisches Hin und Her der Presse in München und Wien plötzlich zu dem "genialsten" Dirigenten Deutschlands hochgelobt worden wäre ...

Als man ihn beim Umbruch abgelöst habe, habe es sich dann herausgestellt, daß ein ungeheurer Mangel an wirklich befähigten Dirigenten bestehe, so daß man Knappertsbusch nach Wien habe holen müssen, der mit seinen blonden Haaren und seinen blauen Augen zwar ein Germane sei, aber nur mit Temperament und ohne jedes musikalische Gehör Musik machen zu können glaube**.

Sich eine Opernaufführung Knappertsbuschs anzuhören, sei eine Strafe. Dadurch, daß er die Sänger durch die Lautstärke seines Orchesters, in dem die Geigen von der Blechmusik völlig übertönt würden, fast tot mache, werde der Operngesang zu einer einzigen Schreierei, bei der die Sänger ausschauten wie die Kaulquappen. Dabei vollführe er selbst eine derartige Fülle von Verrenkungen und dergleichen, daß man ihn gar nicht anschauen könne. Der einzige Dirigent, der die Dirigentenbewegungen nicht als Mätzchen ausführe, sondern aus sich heraus dirigiere, sei Furtwängler ...

11.5.1942, mittags

Schließlich kam Hitler auf den Bau einer U-Bahn in München zu sprechen und erklärte, er verfolge den Bau dieser U-Bahn mit größtem Interesse, rette er doch das schöne mittelalterliche Stadtbild des Münchner Zentrums (Neuhauser-Theatinerstraße), da er die Straßenbahn mit ihrem Leitungsnetz überflüssig mache.

Auch die Ludwigstraße käme wieder in ihrer vollen Schönheit zur Geltung, wenn die Straßenbahn aus ihr aufgrund des U-Bahnbaues verschwinden könne.

Es komme immer darauf an, alle technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Gesicht einer Stadt zu prägen oder zu erhalten. Das hätten die Berliner schon 1650 gewußt und damals bei einer Einwohnerzahl von 35 000 eine so schöne Straße wie die "Unter den Linden" angelegt.

2.7.1942, abends

Es sei bedauerlich, beim Studium von Büchern über das Thema Staat/ Kirche immer wieder feststellen zu müssen, daß eine Staatsführung die wahren Interessen des Volkes sehr, sehr leicht zugunsten irgendwelcher Ideologien oder Interessenklüngel preisgebe. Nur so sei es verständlich, daß sogar eine Freiheitsheldin wie die Jeanne d'Arc - Shaw habe das noch viel klarer herausgearbeitet als Schiller - von ihren einflußreichen französischen Zeitgenossen verraten worden sei und als Zauberin habe verbrannt werden können ...

* Familie des Klavierfabrikanten. Frau Helene Bechstein gehörte zu den besonderen Förderinnen Hitlers.

* Diese Auszüge sind entnommen aus Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier". Seewald Verlag, Stuttgart; 546 Seiten; 38 Mark.

** Gemeint ist der nationalsozialistische Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust.

* Professor Albert Speer war neben seinen sonstigen Funktionen seit 1934 als Nachfolger Professor Troosts Hitlers Architekt.

* Bruno Walter, geboren 1876, 1929 bis 1933 Dirigent der Leipziger Gewandhauskonzerte, 1934 bis 1936 Leiter der Staatsoper Wien, ab 1938 in Frankreich, seit 1940 in den USA, dort 1962 gestorben.

** Hans Knappertsbusch, geboren 1888, wurde 1938 Generalmusikdirektor in Wien.

Dirigent Walter

"Eine absolute Null"

Dirigent Knappertsbusch, Himmler

"Germane ohne jedes Gehör"

Dirigent Furtwängler

"Frei von Mätzchen"


DER SPIEGEL 7/1964
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 7/1964
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

DEUTSCHLAND HAT NUR ZWEI HELDENTENÖRE