11.03.1964

Lieber Spiegel-Leser!

Ich muß mal wieder das eigene Nest beschmutzen.
Kaum einer von uns, der nicht gelernt hätte, daß der Erste Weltkrieg, der den Europäern das Konzept verdarb, einer unglücklichen Verkettung von Umständen entsprungen sei. Die europäischen Nationen, mit dem Wort des englischen Premiers Lloyd George, seien "in den Krieg hineingeschlittert". So steht es bis heute in den Schulbüchern, und so lehren uns die Senioren der Geschichtswissenschaft von Gerhard Ritter bis Hans Herzfeld.
In der Tat, da die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg nicht wohl bestritten werden kann, wäre es höchst praktisch, Deutschland wenigstens für den Ersten Weltkrieg einen Freispruch zweiter Klasse einzuhandeln, in einer Reihe mit den anderen vier europäischen Großmächten, "wegen entschuldbaren Verbotsirrtums" gewissermaßen.
Unglücklicherweise zeigen die neuesten Forschungen, daß davon nicht die Rede sein kann. Auch der Erste Weltkrieg, wie der Zweite, ist entstanden, weil das Bismarck-Reich das ihm von seinem Gründer angemessene Korsett sprengen und eine Weltstellung mit Gewalt erobern wollte, wie sie die USA nur zwischen 1940 und 1955, und auch das nicht absichtsvoll, innehatten.
Wortwörtlich bis zum "schwarzen Tag an der Westfront", dem 8. August 1918, an dem die Alliierten das letzte deutsche Aufgebot in die "Siegfriedstellung" zurückwarfen, hat Deutschland die durch wirtschaftliche und militärische Faustpfänder gesicherte Vorherrschaft über den Kontinent erstrebt, von Finnland bis nach Baku am Kaspischen Meer, dazu ein zusammenhängendes mittelafrikanisches Kolonialreich von der räumlichen Ausdehnung Australiens, mit Katanga als Kronjuwel.
Bis zum Zusammenbruch hat das Reich versucht, vier Großmächte auf einmal, nämlich England, Frankreich, Rußland und das verbündete Österreich -Ungarn, auf den Rang einer Macht minderer Ordnung herunterzudrücken. Im Mai 1918 noch entschied man in Berlin, Österreich-Ungarn wirtschaftlich (zu) beherrschen wie Polen und Rußland". Die ""wirtschaftliche Ausnutzung der Türkei im Frieden" zu sichern, einschließlich der mesopotamischen Ölquellen, beschloß die Reichsleitung am 7. April 1917.
Kaiser, Kanzler und Oberste Heeresleitung hatten keinen Respekt vor dem Recht auf Heimat" und vor dem Lebensrecht anderer Völker. Der Gedanke, daß 60 Millionen Reichsdeutsche rund hundert Millionen "Fremdvölker" militärisch beherrschen und wirtschaftlich ausbeuten sollten, schreckte sie nicht im mindesten. Von Geogien etwa versprach sich der General Ludendorff gutes "Soldatenmaterial": "Unsere Westfront braucht Menschen."
Wie Hitler die Tiroler auf der Krim anzusiedeln erwog, so wollte im Ersten Weltkrieg Ludendorff auf der Krim alle Rußlanddeutschen in einem eigenen Staat ("Krim-Taurien" oder "Tatatische Republik" genannt) zusammenfassen, wie er überhaupt alle Über-Land- und Übersee-Deutschen in heimische Siedlungsräume, die durchaus anderen Völkerschaften gehörten, zurückrufen wollte.
Sein militärischer Emissär von Lossow - auch ihm wird man 1923 während des Hitler-Putsches im Bürgerbräukeller wiederbegegnen - schrieb im Mai 1918, kurz bevor er den Satelliten-Staat Georgien gründete, mit Blick auf Aserbeidschan, das Kuban -Gebiet und den nördlichen Kaukasus: "Hier ist ein großes, reiches Land zu vergeben, eine Gelegenheit, wie sie vielleicht in vielen Jahrhunderten nicht wiederkehren wird." Baku, Luftlinie 3000 Kilometer von Berlin entfernt, war "das zweitgrößte Naphtha-Gebiet der Erde".
Satelliten-Regierungen schossen 1918 unter dem deutschen Regen wie Pilze aus der Erde, ohne freie und meistens ganz ohne Wahlen. In Litauen wurde am 4. Juni 1918 als "Mindaugas II." ein Herzog von Urach aus der katholischen Linie König; einem rundum zur Amputation bestimmten Kongreß-Polen, das militärisch und wirtschaftlich "dauernd" an Deutschland angegliedert werden sollte, wurde ein Hohenzollern-Prinz angedient. Prinz Friedrich Karl von Hessen, der am 9. Oktober 1918 durch das finnische. Parlament zum König gewählt wurde, als einziger Schattenkönig legitim, war auch schon den Rumänen avisiert worden. Die Finnen räumten den Deutschen Marinestützpunkte ein, die Rumänen ihr Öl, ihr Getreide und ihre Eisenbahnen.
Estland, Livland und Kurland, von Rußland abgetrennt, sollten wirtschaftlich und militärisch von Deutschland beherrscht werden; in der Ukraine ließen die deutschen Herren den Hetman Skoropadski die "Jüngelchen" des parlamentarisch-sozialistischen örtlichen Regimes abservieren - die Regierung wich dem deutschen Ruf "Hände, hoch!" - und, machten sich sogleich ans Umnageln der Eisenbahnschienen (Der Hetman wurde später Mitbegründer des "Völkischen Beobachter").
Erste Aufgabe der örtlichen Puppen -Regierungen war es, den Deutschen die Kontrolle über die Eisenbahnen und alle sonstigen wichtigen Verkehrswege nebst Ausbeutung der Bodenschätze zu gewährleisten. Die Häfen Nikolajew, Cherson, Sewastopol, Taganrog, Rostow und Noworossisk, alles neuvertraute Namen, sollten auch im Frieden Deutschland überantwortet bleiben.
Aber auch über den Rest des "halbasiatischen Moskowiter-Reichs" (so Staatssekretär von Jagow 1915), der eilfertigst "Großrußland" genannt wurde, wollte das Reich verfügen. Zwar, man hatte mit den Bolschewisten im März 1918 den Frieden von Brest-Litowsk geschlossen und sie als einziger Staat anerkannt. Aber damit hatte die Reichsleitung, wie Staatssekretär von Kühlmann scharfsinnig bemerkte, noch lange
nicht dekretiert, "daß zur Abspaltung eines Randstaates die Genehmigung des Mutterstaates nötig ist".
Wenn die "selbständige" Ukraine weiteres Gebiet von Rußland verlangte, mußte man es ihr verschaffen. Wenn die Don-Kosaken Waffen gegen die sowjetischen Vertragspartner der Reichsregierung wollten, mußte man sie heimlich bedienen und sie anschließend unter den Schutz des Reichs stellen.
Einmarschieren mußte man auch, denn - so schrieb der Unterstaatssekretär im Außenamt von dem Bussche - den "vollkommenen Einfluß auf die wirtschaftliche Kapazität eines Landes könnten papierene Abmachungen allein" nicht sichern. Die deutsche Beteiligung müsse, forderte Bussche, nicht nur in der Ukraine und im Kaukasus, sondern im gesamten Ostraum, "wie sie sich auch gestalten möge, nach außen hin unter Verwendung des betreffenden Staates als Kulisse" auftreten. So war die deutsche Vertragstreue beschaffen, auf die das bolschewistische Reich in seiner Geburtsstunde stieß.
Für Restrußland selbst, "Großrußland", forderte der Unterstaatssekretär am 14. Juni 1918: "Das russische Verkehrswesen, die Industrie und die ganze Volkswirtschaft müssen in unsere Hände kommen. Es muß gelingen, den Osten für uns auszubeuten. Dort sind die Zinsen für unsere Kriegsanleihen zu holen."
Zuvor, am 16. Mai 1918, hatten die Vertreter der zwölf gewichtigsten deutschen Eisen- und Stahl-Konzerne den Versuch empfohlen, Eisenbahnen und Wasserstraßen im gesamten früheren russischen Reich und auf dem Balkan unter deutsche Kontrolle zu bringen. Der Deutsche Handelstag verlangte Ende 1917, daß Rußland "durch Oktroyierung entsprechender wirtschaftlicher Verträge zum Ausbeutungsobjekt gemacht werden soll", und am 30. Mai 1918 erklärte der Reichskanzler Graf Hertling vom katholischen Zentrum: "Rußland muß unsere wirtschaftliche Domäne werden." Der Chef der Obersten Heeresleitung, Paul von Hindenburg, erkannte lange vor seinem "böhmischen Gefreiten": "Rassenhaß ist der Grund unserer Gegnerschaft zu Rußland."
Wirklicher Friede mit Rußland, so schrieb Kaiser Wilhelm im Mai 1918, nachdem er Brest-Litowsk gebilligt hatte, an den Aktenrand, "ist zwischen Slawen und Germanen überhaupt unmöglich". Er "kann nur durch Furcht vor uns erhalten werden. Die Slawen werden uns immer hassen und Feinde bleiben! Sie fürchten und haben nur Respekt vor dem, der sie verhaut!"
Sein lieber "Nicky" mitsamt der Zarenfamilie wurde von den Bolschewisten erschossen, und das schmerzte ihn. Nichtsdestotrotz hatte seine kaiserliche Regierung die radikalen Revolutionäre in jahrelanger zielbewußter Arbeit an die Macht gebracht, und nur Deutschland hielt sie an der Macht.
Anfang August 1918 steckte Lenin in solchen Kalamitäten, daß man sein Regime nur noch nach Tagen bemaß. Einen deutschen Versuch, im Namen der Christenheit "Ordnung zu schaffen", hätte er nicht überstehen können. Die Reichsleitung aber setzte sich gegen solche Erwägungen der Obersten Heeresleitung mit der Frage durch, ob Exzellenz Ludendorff etwa Baltikum, Litauen und die Ukraine aufgeben wolle, "ganz abgesehen von der Krim, Taurien und dem Donezbecken."
Das wollte Exzellenz Ludendorff natürlich nicht. Die Sowjets waren die einzigen Russen, die aus wohlerwogenem Eigeninteresse am Brester Frieden festhielten. Staatssekretär Admiral von Hintze, der von Kühlmann in der Führung der deutschen Außenpolitik nachgefolgt war, brachte im August 1918 die klassische Formel: "Was wollen wir denn im Osten? Die militärische Paralyse Rußlands. Das besorgen die Bolschewiken besser und gründlicher als jede andere russische Partei und ohne daß wir einen Mann und eine Mark drangeben. Wir können nicht verlangen, daß sie oder andere Russen uns dafür lieben, daß wir ihr Land aus- und einpressen. Begnügen wir uns also mit der Ohnmacht Rußlands."
Das sind erfrischende Worte, denen die Taten folgten. Deutschland hat die Sowjets, um seinen zweiten Eroberungskrieg beginnen zu können, nach Europa hereingebeten, im ersten hat Deutschland um der Eroberung willen die Sowjets installiert. Deutsche Ober- und Ausbeutungsherrschaft war beide Male das Ziel. Der gottlose Bolschewismus war nicht gar so gottlos, wenn es galt, Öl und Weizen, Häfen und Manganerze zu erobern. Gott galt dann soviel wie das "Recht auf Heimat" und das "Selbstbestimmungsrecht der Völker".
Weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg war es der Einsicht der Deutschen zuzuschreiben, daß Rußland nicht vernichtet, daß seine Völkerschaften nicht ausgeplündert und zu Menschen zweiter Klasse gestempelt wurden. Weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg hielten die Deutschen sich an die geschlossenen Verträge. Beiläufig läßt sich ahnen, mit welcher Gläubigkeit die Sowjets deutschen Friedensbeteuerungen und deutschen Menschlichkeitsprotesten ihr Ohr leihen. Mit deutschen Atom-Rodomontaden ist das anders.
So, wie wir heute dastehen, mit der Berliner Mauer und dem DDR-Generalmajor Poppe, stehen wir gerechterweise und mit Grund da. Und wollten wir auf Axel Springer und sein "Bild" hören, so ständen wir bald noch schlechter da.
"Der deutschen Eiche Licht und Luft" zu schaffen, so Hindenburg an seinem 70. Geburtstag im Jahre 1917, wurde der "uns aufgezwungene" Erste Weltkrieg geführt. Wenn an seinem Ende maßlose Forderungen gestellt wurden, so vielleicht nur, weil soviel "Gut und Blut", soviel Opfer, Entbehrungen und Leistungen in die Waagschale gelegt worden waren?
Für die deutsche Seite geben die Kriegszielforderungen von 1914 Aufschluß. Der Reichskanzler als verantwortlicher Leiter der Reichspolitik forderte in seinem offiziellen Programm vom 9. September, Belgien zu einem Vasallenstaat" herabsinken zu lassen, oder, wie er es noch nach der Marne -Schlacht formulierte, "Wiederherstellung Belgiens als eines Tributärstaates, der der Form nach möglichst frei bleiben, faktisch aber uns sowohl in militärischer als wirtschaftlicher Beziehung zur Verfügung stehen muß". Bethmann wollte sich "die Küste, Festungen und Transportmittel sichern", und zwar, wie er schriftlich niederlegte, "für den Fall weiterer Kriege".
Am 4. August hatte er im Reichstag Wiedergutmachung des an Belgien begangenen Unrechts zugesagt. Acht Wochen später zeigte sich die Reichsleitung über den Widerstand des von ihr vertragswidrig und ohne Vorwand überfallenen Landes so empört, daß sie mit Geisel-Erschießungen nicht sparte und Pläne aufstellte, welche Kriegsentschädigung Belgien in einem Friedensschluß auferlegt werden sollte. Keiner der verantwortlichen deutschen Staatsmänner scheint eine dauerhafte Friedensregelung angestrebt zu haben, alle rechneten mit neuen Kriegen, in denen Deutschland seine Eroberungen behaupten müsse.
Bethmann forderte am 9. September 1914 den Anschluß Luxemburgs und die Angliederung Lüttichs. Holland wollte Bethmann "äußerlich unabhängig belassen, innerlich aber in Abhängigkeit van uns bringen". Der Rhein, deklarierte Bethmann 1915, solle "eine deutsche Mündung" erhalten. Die belgische Bevölkerung denkschriftete Generalgouverneur von Bissing, müsse "zur Ordnung erzogen und dem Deutschtum nahergebracht" werden.
Ein Handelsvertrag mit Frankreich müsse Deutschland, so sah es Bethmann Hollweg Anfang September 1914, "finanzielle und industrielle Bewegungsfreiheit in Frankreich schaffen". In einem mitteleuropäischen Wirtschaftsverband, "unter äußerlicher Gleichberechtigung seiner Mitglieder, aber tatsächlich unter deutscher Führung" (oh, der schlaue Bethmann!) sollten Österreich-Ungarn. Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark und Polen "die wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands über Mitteleuropa stabilisieren".
Bethmann faßte schon 1914 die Loslösung der Ukraine von Rußland als deutsches Kriegsziel ins Auge. Das Zentrum-Wiesel Matthias Erzberger forderte neben anderen Minimalzielen "die Zersplitterung des russischen Kolosses".
Nicht der Kaiser und nicht der Kanzler allein waren geschlagen von Größenwahn, nicht Tirpitz und Ludendorff allein. Die ganze Nation agierte wie betrunken, jedenfalls berauschter als alle Nachbarn.
Thyssen forderte Odessa, die Krim und den Kaukasus (Denkschrift vom 9. September 1914), Stinnes die Abtretung der Erz- und Kohlengebiete der Normandie; Krupp wollte Frankreich "ohne nennenswerte Erz- und Kohlen -Grundlagen" wissen (Denkschrift vom November 1914), der Frieden dürfe nicht auf einem Kongreß verhandelt, sondern müsse den Feinden diktiert werden. Stresemann forderte bis zuletzt Antwerpen und Calais, Hindenburg wollte im Friedensschluß einen beträchtlichen Teil des feindlichen Schiffsraums "besetzen", damit Rohstoffe für den nächsten Krieg gehortet werden könnten - auch keine Tischgespräch-Phantasie.
Die Vorstellungen, die Hitler auf seine phantastische Weise von einem Krieg hatte, sind ihm nicht zugeflogen, er mußte nur auf den geistigen Fundus seiner Meldegängerzeiten zurückgreifen. 352 deutsche Professoren forderten 1915 den "germanisierten Grenzwall" im Osten. Brockdorff-Rantzau, der als Außenminister der Republik zurücktrat, weil er den Diktat-Frieden nicht unterschreiben wollte, sah Deutschland 1915, damals noch Gesandter in Kopenhagen, "den ersten Platz in der Welt" einnehmen.
Deutschlands Kriegsziele haben sich von 1914 bis 1918 wohl ein Stück von West nach Ost verschoben, nicht aber in ihrem "spezifischen Gewicht" geändert. Hitler hat, außer in Skandinavien, keinen Punkt der Erde beansprucht, auf den die kaiserliche Regierung nicht schon vor ihm ihr begehrliches Auge gerichtet hatte, die "Brücke nach Zentralasien" eingeschlossen.
Wäre es wahr, daß Deutschland vor 50 Jahren "in Unkenntnis eines modernen Krieges "hineingeschlittert" wäre, so hätten die mehrfachen Gelegenheiten zwischen 1914 und 1918, den Krieg "ehrenvoll", vielleicht gar mit Kriegsentschädigungen und Kolonien-Zuwachs zu beenden, genützt werden können. Wahr ist aber, daß die Kriegsziele, die vor dem Krieg verschwommen anvisiert und während des ganzen Krieges glasklar behauptet wurden, jeden Verständigungsfrieden unmöglich machten.
Ein allgemeiner Frieden ohne Sieger und Besiegte, ohne Annexionen und Kontributionen, wie ihn Präsident Wilson noch bis zum Kriegseintritt Amerikas vermitteln wollte, hat das Reich in keinem Augenblick vor dem Zusammenbruch gewollt, selbst die Sozialdemokraten um Ebert wollten ihn erst nach Ausbruch der rassischen Februar-Revolution von 1917.
1916, in den Sonderverhandlungen mit Belgiens König Albert, verweigerte Deutschland die belgische Unabhängigkeit, ebenso in der tastenden Fühlungnahme mit England. In Sondergesprächen mit prominenten Franzosen bestand die Reichsleitung auf dem Erzhecken von Longwy-Briey, getreu der deutschen Denkschrift vom 10. März 1915, in der es hieß: "Die Abtretung von Französisch-Lothringen wäre mit dem Ende der französischen Groß-Eisenindustrie nahezu gleichbedeutend." Hindenburg mochte sich von Longwy-Briey selbst in der Stunde des Zusammenbruchs noch nicht trennen.
Auf der Kreuznacher Kriegsziel-Konferenz vom April 1917 verlangte der Kaiser Malta, die Azoren, Madeira und die Kapverdischen Inseln, weiter je 30 Milliarden Dollar Kriegsentschädigung von den USA und England (je 30 Milliarden, nicht 30 Millionen), und 40 Milliarden Franc von Frankreich.
Noch die Kriegsziel-Konferenz in Spa vom 2. und 3. Juli 1918, an der sämtliche Granden teilnahmen, verlangte: "Belgien muß unter deutschem Einfluß bleiben, damit es niemals wieder unter französisch-englischen Einfluß kommen und Aufmarschgebiet unserer Feinde werden kann." Niemals wieder, als ob es sich jemals zum Aufmarschgebiet hergegeben hättet
Es stimmt also, was der Sprecher der USPD unter den Pfui-Rufen von fast allen Bänken des Hauses am 13. Juli 1918 im Reichstag erklärte, als er die zwölfte Kreditvorlage des Krieges ablehnte: "Der Krieg ist niemals ein Verteidigungskrieg gewesen." Auch im Westen werde ein "Eroberungs- und Vergewaltigungsfrieden" angestrebt.
Der "Eroberungs- und Vergewaltigungsfrieden", den die Sowjet-Union heute gegenüber Deutschland anstrebt, hat also eine 50jährige Vorgeschichte. Beide Weltkriege waren Eroberungs - und Vergewaltigungskriege Deutschlands, nicht nur des Kaisers und nicht nur Hitlers. In beiden wurde eine Machtumwälzung und Staaten-Neuordnung angestrebt, die nur mit den Aspirationen Napoleons und nicht einmal mit denen Stalins verglichen werden kann, das "deutsche Mitteleuropa" vom Nordkap bis zum Persischen Golf, wie der Professor Ernst Jäckh es formuliert hat.
Schon im Ersten Weltkrieg ging es darum, Siedlungsland im Osten zu schaffen und so "die erforderliche Wehrkraft zu erhalten und die Ernährung unserer Bevölkerung in neuen Kriegen sicherzustellen" so der Geheimrat Hugenberg in einer Denkschrift der Schwerindustrie vom 12. Mai 1915.
Schon im Ersten Weltkrieg fand Bethmann Hollwegs Ost-Berater, der Regierungspräsident in Frankfurt/Oder, von Schwerin, den Begriff des "Herrenvolks", dem erweiterte Grenzen gegeben werden müßten, "in denen es sich ausleben kann" (Denkschrift vom März 1915) und in denen, so der Regierungsbeauftragte Geheimrat Max Sering, "die Aufzucht von gesunden Menschen" sichergestellt werden könne.
Während des ganzen Ersten Weltkrieges beabsichtigte die Reichsregierung, "Polen und Juden" aus einem bis zu 100 Kilometer breiten, neu zu annektierenden Grenzstreifen auszusiedeln, damit die in Deutschland wohnenden Polen durch diesen "germanisierten Grenzstreifen" von den übrigen Polen separiert würden.
Aber auch das waren Mindestziele. Die Reichsleitung verfügte am 17. Mai 1916, "die Gemengelage von Deutschen und Polen" solle nach Möglichkeit beseitigt werden, indem die Polen aus der "preußischen Ostmark" (aus den bisherigen und aus den neu zu annektierenden polnisch besiedelten Gebieten also) in das von Deutschland "dauernd" abhängige Rumpf-Polen ausgesiedelt und durch deutschstämmige Neusiedler ersetzt würden: Beiläufig drei bis vier Millionen Menschen sollten derart in den übervölkerten Rest-"Staat" Polen "umgesiedelt" werden. Ebenso plante die deutsche "Militärverwaltung Oberost" die Aussiedlung von Letten, Juden und russischen Grundbesitzern aus dem Baltikum.
Gleich zu Anfang des Krieges fliegt der Reichsleitung die Idee zu, die von Belgien und Frankreich zu annektierenden Gebiete eventuell zu evakuieren. Der Kaiser möchte in ihnen "verdiente Unteroffiziere und Mannschaften" ansiedeln - keine Tischgesprächs-Idee Hitlers.
Der Zentrums-Politiker Erzberger, der 1921 ermordet wurde, weil er den Waffenstillstand von 1918 unterzeichnet hatte, verlangte im Dezember 1916, das Erzbecken Longwy-Briey müsse "frei enteignet, nach Abzug der heutigen französischen Bevölkerung" übergeben werden; den Plan, die Erzgruben in deutschen Besitz überzuleiten, faßte Bethmann Hollweg schon 1914. Auch mit den Plänen zur Enteignung des Privatbesitzes haben also die Deutschen angefangen.
Es war die patriotische Geschichtsschreibung, die dem deutschen Volk nach 1918 die Erkenntnis seiner Niederlage und seiner Hybris vorenthalten hat. Die Apologeten wirken noch unter uns und auf jüngere Nachahmer, wie den Bonner Professor Walther Hubatsch.
Gerhard Ritter hat noch im Jahre 1962 schriftlich vorgetragen, die Kriegszielpolitik der deutschen Regierungen zwischen 1914 und 1918 sei "in ihrem Wesenskern defensiv gemeint" gewesen, "als Sicherung Deutschlands vor einem neuen Existenzkampf lebensbedrohlichen Ausmaßes".
Golo Mann, sonst nicht gerade ein Apologet, versucht zu verstehen und zu verzeihen, daß "während des Krieges die deutsche Politik glaubte, sich von dem Alp des russischen Druckes ein für alle Mal befreien zu müssen". Und Ludwig Dehio gar, der kürzlich verstorbene bedeutende Historiker, griff nach dem kühnen Vergleich, so wenig man Napoleon I. als reine Eroberungsbestie interpretieren könne, so wenig könne man bestreiten, daß die locker zusammengefügten verschiedenen deutschen Kriegsziele primär "durch die Notwehr im Kampfe mit England und seiner Großen Koalition" inspiriert gewesen seien.
Ich halte es für eine patriotische, in den Volksschulen zu übende Pflicht, daß man sich in Deutschland vor Augen führt, wie verhängnisvoll die Deutschen in den letzten 50 Jahren aufgrund ihrer Selbstüberschätzung, ihres militärischtechnischen Perfektionismus und ihres gestörten Verhältnisses zu ihren Nachbarn gewirkt haben; denn die deutsche "Kann-kein-Wässerlein-trüben"-Selbstgefälligkeit hat ihren Umzug nach Bonn ja glänzend überstanden. Was Hans Herzfeld über die deutsche Außenpolitik während des Ersten Weltkriegs sagt - es habe sich bei ihr "immer nur um Fortbildung und Ausklang versinkender Positionen der Vergangenheit gehandelt" - gilt das nicht auch seit langem für Bonn?
Alles zu fordern, damit man reichlich spät nichts oder sogar noch Prügel bekommt, ist das Stigma auch der bundesrepublikanischen Politik nach außen. Kontinentales Kokettieren, weil Bär und Walfisch laut Korff nicht zusammenkommen, ist neueste CSU-Mode. Wäre es nach etlichen deutschen Stimmungskanonen gegangen, so wäre auch der dritte, der letzte deutsche Krieg ante oder post portas.
Der erste ist nicht zufällig entstanden, auch nicht durch Schlittern. Was ich Ihnen hier aus Anlaß unserer neuen Serie skizziert habe, steht seit zwei Jahren in Fritz Fischers historischem Wälzer "Griff nach der Weltmacht" zu lesen. Wenn Sie trotzdem das meiste noch nicht wußten, so hat auch das Gründe. Welcher Art läßt sich ahnen, wenn man weiß, daß der Historiker Gerhard Ritter noch 1954 den politisch wahnwitzigen Überfall Belgiens mit den Worten rechtfertigt: "Zu Beginn des Weltkrieges überrannten wir die belgische Neutralität, weil es schlechterdings keinen anderen Weg gab, die große Entscheidungsschlacht in Frankreich zu führen, und weil wir verloren waren, wenn der Feind von Westen her in das niederrheinische Industrierevier vordrang." Der Historiker Ritter rügt, der Historiker Fischer sage niemals "uns" und "wir", wenn vom kaiserlichen Deutschland die Rede ist.
Fischer, Professor für Mittlere und Neuere Geschichte in Hamburg, hatte eine Vortragsreise in die Vereinigten Staaten, unter anderem nach Harvard und Yale, mit Unterstützung der Goethe -Gesellschaft für März/April bereits fest terminiert, da intervenierte das Auswärtige Amt in Bonn, und das Goethe -Institut zog sich auf die angeblich schlechte Kassenlage zurück.
Als namens seiner Kollegen der amerikanische Historiker Professor John Snell den skandalösen Vorgang in einem aggressiven Brief an den deutschen Generalkonsul in New York attackierte und seine Einladung nach Bonn von Fischers Reise nach den USA abhängig machte, war die Kassenlage plötzlich überraschend gut: Zwei weitere deutsche Historiker, die Fischers Forschungen in gefälligerem Licht konterkarieren könnten, sollten ihn begleiten: Freiheit der Forschung. Fischer reist nun auf Kosten des "Council of Learned Societies" in die USA.
Es ist wahr, Fritz Fischer hat aufregende Fakten und Zusammenhänge zutage gefördert die geeignet erschienen, dem objektiven Sachkenner ein anderes Bild als gewohnt vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu vermitteln. Wir drucken darum im Anschluß an Barbara Tuchman die Neubearbeitung seines Kapitels "Die Juli-Krise 1914", die in den "Kanonen des August" zu kurz kommt.
Was Ritter, Herzfeld und Hubatsch nicht zu denken vermögen, Fischer hat es minuziös beschrieben: Wie Deutschland während der Juli-Krise des Jahres 1914 Österreich-Ungarn, man muß zugeben mit diplomatischer. Geschicklichkeit, in den Krieg getrieben hat, weil es den "showdown" wollte, also entweder krasse Demütigung Rußlands und Frankreichs oder den Krieg gegen beide.
Nix Nibelungentreue: Österreich fürchtete, seine Bündnisfähigkeit zu verlieren, wenn es nicht eisern parierte, und Deutschland konnte nur hoffen, den Vielvölkerstaat bei der Stange zu halten, wenn man ihn über k.u.k. Interessen in den Krieg stolpern ließ. Sarajewo kam wie bestellt.
Hätte sich Berlin tatsächlich in der Sorge um das Schwächerwerden des einzigen Bundesgenossen in einen auf kurze Dauer berechneten Blitz-Krieg ziehen lassen, wäre nicht verständlich, wieso keinerlei zum Frieden drängende Ernüchterung Platz gegriffen haben sollte, die doch in Wien selbst früh genug grassierte. Es war eben nicht so. Das deutsche Volk war von seiner Elite auf den entscheidenden Waffengang vorbereitet worden.
Wohl glaubte es sich in der Verteidigung. Aber unter dem "uns aufgezwungenen Krieg" verstanden die einen, daß die Feinde uns den "Platz an der Sonne" streitig machten, die anderen, daß Deutschland Faustpfänder und Sicherungen gegen neue "Einkreisung" von seinen Nachbarn verlangen müsse. Niemand verstand darunter bloße Verteidigung gegen einen Angriff und Restitution des Deutschland zugefügten Schadens.
Die stärkste Kontinental-Macht wollte Übersee-Geltung, verschätzte aber Mentalität und Ressourcen der Seemächte, wollte kontinentale Vorherrschaft und "Gleichberechtigung auf den Meeren", aber beides gleichzeitig. Schon bald nach Bismarcks Tod traten Professoren-Theorien an die Stelle der Staatsmannskunst.
Der Nationalökonom Gustav Schmoller lehrte schon in den neunziger Jahren, daß "der künftige Wohlstand der Großstaaten wesentlich vom Umfang der Ausdehnung auf fremden Erdteilen abhängen" wird.
Das Deutsche Reich sollte laut Schmoller "Mittelpunkt einer Staaten-Koalition (sein), welche zwischen den Weltreichen von Gewicht das Zünglein an der Waage sein kann" - auch de Gaulle scheint bei Schmoller gelernt zu haben.
"Die höhere und alte europäische Kultur" sollte, so Schmoller, vor dem Untergang gerettet werden; Deutschland solle "dem Menschengeist seine Prägung geben", forderte Hans Delbrück, der Historiker. "Der amerikanisch-russischen Vergewaltigung müsse man die Stirn bieten", memorierte 1913 Walter Rathenau, Chef der AEG, indem man durch ein einheitliches Zoll- und Wirtschaftsgebiet "die Vereinigten Staaten von Europa gegen Amerika" schaffe.
England sollte zu seinem Glück gezwungen werden. "Wohl oder übel, lang oder kurz", würden sich die westlichen Staaten, hauptsächlich Frankreich und England, anschließen. England müsse man dazu zwingen, indem man ihm seine Positionen im Mittelmeer verderbe. Jedenfalls habe Deutschland "einen berechtigten moralischen Anspruch auf einen den Nachbarstaaten ebenbürtigen Raum auf der Erde", so meinte Rathenau, der Freund des Kaisers und Bethmann Hollwegs.
Deutschland sei der "Bannerträger germanischer Geisteskultur gegen das Slawentum", schrieb der Generalstabschef Moltke 1913, und sein Kaiser sah in dem kommenden Krieg den "Kampf der Germanen gegen Russo-Gallien um ihre Existenz". Es gehe um Sein oder Nichtsein der germanischen Rasse in Europa, "das kann keine Conferenz mehr lindern, weil das keine große politische, sondern eine Rassenfrage ist ..."
England wurde abwechselnd als der Hauptneider, als Rassenverräter auf seiten der Slawen und Gallier, abgeschrieben, dann wieder als willkommener Neutraler und künftiger Interessen-Genosse gegen die USA umworben.
1912 besuchte Kriegsminister Haldane Berlin und ließ unmißverständlich wissen, England könne um des Gleichgewichts der Gruppen willen "unter keinen Umständen eine Niederwerfung Frankreichs dulden". An den Rand des Berichts schrieb der Kaiser: "Sie werden es doch müssen." Und in einem Depeschen-Entwurf legte er nieder: "England wird aus Haß und Neid gegen Deutschland unbedingt Frankreich und Rußland beistehen."
Als Haldane nach Berlin kam, drohte Hamburgs Bürgermeister Burchardt, Bethmann Hollweg wegen dessen "Engländerei" die Fenster einzuwerfen. Der Reichskanzler versuchte zwischen 1912 und 1914 nicht ohne Erfolg, periphere Streitfragen in Mittelafrika, im Vorderen Orient und auf dem Balkan gemeinsam mit England zu lösen. So sollte Deutschland beispielsweise die Hälfte der portugiesischen Kolonien in Afrika und Süd-Katanga erhalten.
Wie Bethmann Hollweg aus diesen Arrangements den Schluß ziehen konnte, England werde die kontinentale Vorherrschaft Deutschlands samt Annexion Belgiens und deutscher Flottenmacht als Unbeteiligter hinnehmen, bleibt bis heute unerklärlich - es sei denn, man nimmt Ritters Erklärung an, Bethmann habe eben die "Friedensbereitschaft", die "Friedlichkeit" Englands überschätzt. Daß er "im ganzen Verlauf der Krise mit allen Fasern eine friedliche Lösung gewünscht und im Rahmen seines Könnens erstrebt hat", wie Hans Herzfeld noch 1956 behauptet hat, ist schon lange nicht mehr wahr.
Seit 50 Jahren verbreiten deutsche Schul- und Hochschullehrer die Lesart, die von Bismarck immer prophezeite "dumme Bagatelle auf dem Balkan" habe Deutschland 1914 in den klassischen Konflikt zwischen den zwei morbiden Großstaaten, Rußland und Österreich-Ungarn hineingezogen. Fischers neueste Forschungen lassen diesen Schluß nicht mehr zu. Vielmehr zeigen sie, daß des Kaisers Diplomatie den Mord von Sarajewo als glückliches "timing" empfand und daß sie den nervenschwachen Monarchen in der kritischen Phase absichtlich falsch unterrichtete, um nicht wie bei früherer Gelegenheit sein Ausbrechen zu riskieren. "Diesmal falle ich nicht um", versichelte der Monarch dem darob beinah amüsierten Krupp.
Zu den bekannten Motiven - Rußland und Frankreich würden frühestens 1916 ihre größte gemeinsame Stärke erreicht haben, während Österreich-Ungarn an innerer Auszehrung litt - fügt Fischer ein neues: Es war nämlich nicht der Handelsneid des Krämervolkes auf Deutschlands wirtschaftliche Erfolge, der England in den Krieg trieb - die Londoner City agitierte wie Albert Ballin gegen einen Kriegseintritt -, vielmehr hatte sich das Reich wirtschaftlich übernommen und 1914 in seinen Hauptinteressengebieten, auf dem Balkan und im Vorderen Orient, festgelaufen.
Der Bau der Bagdad-Bahn hatte den Berliner Kapitalmarkt derart erschöpft, daß Helfferich, der erste Direktor der Deutschen Bank, schriftlich von "Die Bude zumachen" unkte. Die Türkei war dabei, französischen Kapitalverlockungen zu erliegen und dem deutschen Fahrwasser zu entgleiten. Griechenland und Rumänien hatten sich schon freigeschwommen, Bulgarien verharrte unschlüssig auf dem Sprungbrett.
Bei der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals am 18. Oktober 1913 sagte Wilhelm zu dem österreichischen Generalstabschef Baron Conrad: "Ich gehe mit Euch gegen die Serben."
An seinem nächsten Geburtstag, dem 27. Januar 1914, muß der Kaiser kriegerische Prophezeiungen von sich gegeben haben. Die Kommandierenden
Generale in Koblenz und Straßburg, Deimling und Tülf zu Tzscheppe-Weidenbach, behaupteten unmittelbar darauf, aus allerhöchstem Munde zu wissen, daß es dieses Jahr losgehen werde.
Am 8. Juni 1914, 20 Tage vor der Ermordung des österreichischen Thronfolgers, sagte der Kaiser: "Es kommt bald das dritte Kapitel des Balkan-Krieges, an dem wir alle beteiligt sein werden." Bassermann, der Führer der National -Liberalen im Reichstag, schrieb drei Wochen vor Sarajewo: "Wir treiben dem Weltkrieg zu."
Man wird weiterhin bezweifeln dürfen, ob der Frieden von Versailles mit seinen moralisierenden Akzenten weise war. Daß er "gerecht", ja, im Verhältnis zur deutschen Eroberungs-Hybris maßvoll war, und zwar dank dem amerikanischen Präsidenten Wilson, kann seit Fritz Fischer nicht mehr bestritten werden.
Kein anderes Volk hat etwas Ähnliches aufzuweisen wie die während des Ersten Weltkrieges aufgelegte Schriftenreihe "Der deutsche Krieg" mit der Erstlingsnummer von Paul Rohrbach: "Warum es der deutsche Krieg ist."
Beide Weltkriege waren deutsche Kriege um die Hegemonie in Europa, um den ersten Platz in der Welt. Deutschland hat sie bewußt riskiert und erschöpfend verloren. Man wundere sich nicht, daß die Welt den dritten deutschen Weitkrieg nicht mehr will.
Als Hindenburg und Ludendorff am 29. September 1918 den "sofortigen" Waffenstillstand forderten, sagte der Hohenzoller nur schlicht: "Der Krieg ist zu Ende, freilich ganz anders als wir uns das gedacht." Und nach einer Pause: "Unsere Politiker haben erbärmlich versagt."
Ja, freilich.
Herzlichst Ihr
Rudolf Augstein
Hindenburg, Skoropadski, Ludendorff: "Der betreffende Staat als Kulisse"
Annexionisten Krupp, Stinnes, Thyssen, Erzberger, Rathenau: Krieg um Raume und Rohstoffe Reichskanzler Bethmann Hollweg
Enteignung, Aussiedlung, Angliederung
Historiker Ritter
Geschichtswissenschaft ...
Historiker Fischer
... mit "wir" und "uns"
Von Rudolf Augstein

DER SPIEGEL 11/1964
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