23.10.1963

Datum: 21. 10. 1963 Betr.: SPIEGEL-Auflage

Datum: 21. 10. 1963
Betr.: SPIEGEL-Auflage
SPIEGEL Nr. 41/1963, die Adenauer-Ausgabe, wurde in 600 000 Exemplaren gedruckt und war am Tage nach dem Erscheinen in fast allen Städten vergriffen. Voraussichtlich werden auch vom flachen Lande kaum mehr als zwei Prozent der Auflage unverkauft, als "Remission", zurückkommen. Normal sind 12 bis 14 Prozent.
SPIEGEL Nr. 41/1962 war die Foertsch-Ausgabe. Sie wurde in 493 000 Exemplaren gedruckt. Über 100 000 Exemplare Zuwachs von Nummer 41/1962 auf Nummer 41/1963 - also haben diejenigen recht, die meinen, der SPIEGEL habe an der SPIEGEL-Affäre durch Auflagensteigerung "verdient"?
Im letzten Quartal vor der SPIEGEL-Affäre hatte die durchschnittliche Druckauflage rund 480 000 Exemplare betragen. Im vierten Quartal 1962 (mit Titeln wie
Foertsch, Augstein, Stammberger, v.d. Heydte, Strauss am Telephon) stieg sie auf rund 595 000, fiel im ersten und zweiten Quartal 1963 auf rund 560 000 und 530 000 zurück und stieg im dritten Quartal auf 540 000. Den höchsten je erreichten Verkauf erzielte mit 665 000 verkauften von 680 000 gedruckten Exemplaren die Nr. 45/1962 mit dem gerade verhafteten Rudolf Augstein auf dem Titel. Die folgende Ausgabe (Stammberger) erreichte mit 720 000 Exemplaren die bisher höchste Druckauflage; verkauft wurden 655 000 Exemplare. Nach der SPIEGEL-Affäre sind im Durchschnitt rund 15 Prozent mehr SPIEGEL gedruckt und verkauft worden als im letzten Quartal vor der Affäre. Aber mehr verkaufen heisst zunächst einmal weniger verdienen. Eine Ausgabe wie das Adenauer-Heft verursachte reine
Druck- und Papierkosten (nicht gerechnet Redaktions - und Verwaltungskosten) von 0,75 Mark pro Stück; der durchschnittliche Verkaufserlös des Verlages pro gedrucktes Stück liegt um 0,45 Mark. Jedes zusätzlich gedruckte Adenauer-Heft - gegenüber dem Vorheft war die Auflage um 50 000 erhöht worden - ist, für sich betrachtet, ein Obolus des SPIEGEL auf dem Altar der Kanzlerverehrung.
Aber, offen gesagt, der SPIEGEL ist keine Non-Profit -Organisation. Indirekt wirkt sich eine gestiegene stabile Durchschnittsauflage auch zum wirtschaftlichen Vorteil aus. Die Durchschnittsauflage nämlich, die ein Verlag für einen Zeitraum im voraus garantieren kann, bestimmt den Anzeigenpreis. Der Anzeigenpreis wiederum soll die vom Vertriebserlös nicht gedeckten Druck- und Papierkosten sowie die Redaktions- und Verwaltungskosten decken.
Im Sinne einer Masshaltewirtschaft erhöht allerdings der SPIEGEL trotz gestiegener Auflage die Anzeigenpreise am 1. Januar 1964 nicht. Es gilt weiterhin der Tarif auf der Kalkulationsbasis einer garantierten Druckauflage von 480 000, der schon lange vor der
SPIEGEL-Affäre für 1963 festgelegt und bekanntgegeben worden war. An der SPIEGEL-Affäre hat also der SPIEGEL nichts verdient - es sei denn an zusätzlichen Aufträgen rechnender Werbefachleute, die gern in 571 000 Exemplaren (Auflage dieses Heftes) zu den Preisen eines auf 480 000 kalkulierten Tarifs inserieren.
SPIEGEL-Titel 41/1962
SPIEGEL-Titel 41/1963

DER SPIEGEL 43/1963
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DER SPIEGEL 43/1963
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