25.03.1964

CERVANTESSchöne Wunden

Übersetzen und lesen muß man alles oder nichts von diesem unsterblichen Autor", begeisterte sich der Romantiker Friedrich Schlegel 1799 in der Zeitschrift "Athenaeum", die er zusammen mit Bruder August Wilhelm in Berlin herausgab.
Und er rühmte: "Da man schon anfängt, den Shakspeare nicht mehr für einen rasend tollen Sturm- und Drangdichter, sondern für einen der absichtsvollsten Künstler zu halten, so ist Hoffnung, daß man sich entschließen werde, auch- den großen Cervantes nicht bloß für einen Spaßmacher zu nehmen, da er, was die verborgene Absichtlichkeit betrifft, wohl eben so schlau und arglistig seyn möchte."
Schlegels Hoffnung hat sich inzwischen verwirklicht. Längst ist Miguel de Cervantes Saavedra als der Begründer des modernen Romans erkannt und, gleich seinem Zeitgenossen Shakespeare, gleich Homer, Dante und Goethe, als abendländisches. Genie erster Größe heiliggesprochen worden.
Die Schlegelsche Forderung dagegen, daß von "diesem unsterblichen Autor" alles übersetzt und gelesen werden müsse, blieb unerfüllt. Bis zur Gegenwart existiert keine einzige vollständige deutsche Cervantes-Ausgabe.
Dreieinhalb Jahrhunderte nach dem Tod des Dichters will jetzt der österreichische Hispanist Anton M. Rothbauer, Professor am Institut für Übersetzer- und Dolmetschausbildung der Universität Graz, diesen Mangel beheben. Rothbauer arbeitet seit Jahren an einer Cervantes-"Gesamtausgabe in vier Bänden" und von rund 4700 Seiten Text, deren erster Band vor kurzem erschienen ist. Er enthält - bemerkenswert genug - nicht den "Don Quijote", sondern die "Exemplarischen Novellen" und den 1839 letztmals ins Deutsche übertragenen Roman "Die Mühen und Leiden des Persiles und der Sigismunda" *.
Rothbauer möchte mit dieser Edition nicht nur eine vollständige, sondern auch eine bessere Übersetzung als seine Kollegen vor ihm liefern. Alle bisherigen deutschen Ausgabe nämlich, so urteilt er, seien trotz der Bemühungen ihrer Kenntnisse der spanischen Sprache und oft auch der deutschen gescheitert" - so der "Don Kichote de la Mantzscha. Das ist: Juncker Harnisch auß Fleckenland" von 1648, den ein Autor mit dem Pseudonym Pahsch Basteln von der Sohle eingedeutscht hat, so die gewissenhafte" Übersetzung von Ludwig Braunfels (1885), der "die gute Frankfurter Kinderstube und seine rechtsanwältliche Akribie" nicht habe vergessen können.
Mangelhaft ist nach Rothbauer die Quijote-Übertragung des Lüneburger Aufklärers und Romantiker-Feindes Dietrich Wilhelm Soltau, mangelhaft selbst die des Romantikers und Aufklärer-Feindes Ludwig Tieck, dem sogar der sonst so hohnvolle Romantiker-Feind Heinrich Heine hohe Achtung gezollt hat: "Die Übersetzung des 'Don Quixote' ist Herrn Tieck ganz besonders gelungen."
Rothbauer hingegen eruierte in dieser "besten deutschen Übersetzung" insgesamt 4000 Fehler - im Durchschnitt 634 auf hundert Seiten - und befindet, "daß sich hier ein Dichter, wenn auch ein extravaganter, eines fremdsprachigen Meisters angenommen und es verstanden hat, die eigene übersetzerische Unzulänglichkeit sprachlich zu überspielen".
Rothbauer, gewiß gründlicher, doch auch weniger poetisch-deutsch als Tieck, ist jedoch nicht nur um eine bessere Übersetzung bemüht; er möchte außerdem die verzerrende "Don-Quijote-Perspektive", aus der Cervantes heute betrachtet wird, durch ein annähernd echtes Cervantes-Bild ersetzen.
Dieses Bild ist freilich nur mühsam zu rekonstruieren. Sicher ist, daß Miguel de Cervantes als viertes Kind von insgesamt sieben Kindern eines kleinadligen, halb tauben, sonderlichen und wenig angesehenen Wundarztes am 9. Oktober 1547 in der Universitätsstadt Alcalá de Henares getauft wurde. Im selben Jahr hatte die katholische Majestät Karl V., in deren Reich die Sonne nicht unterging, mit dem damaligen Ostblock, den Türken, einen fünfjährigen Waffenstillstand abgeschlossen und im Schmalkaldischen Krieg die protestantischen Fürsten und Städte des Reiches unterworfen.
Über die Kindheit und Jugend des Cervantes ist kaum etwas bekannt. Als Zweiundzwanzigjähriger verließ er Spanien: Offenbar war er zum erstenmal mit der Justiz in Konflikt geraten, denn am 15. September 1569 war in Madrid ein Haftbefehl gegen einen Miguel de Cervantes ausgestellt worden, der in einem Duell - es ging um die Ehre einer Dame - seinen Gegner schwer verwundet hatte. Dem Beschuldigten sollte zur Strafe die rechte Hand abgeschlagen werden, außerdem wurde er auf zehn Jahre des Landes verwiesen.
Aber Cervantes behielt seine Hand und brachte sie erst zwei Jahre später seinem Spanien als Opfer dar - nun allerdings die linke. 1571 nahm Cervantes, der gleich seinem Don Quijote von Heldentaten träumte, an Bord der Galeere "La Marquesa" an der Seeschlacht von Lepanto im Golf von Korinth teil, in der die Spanier und Venezianer die seeherrschaftliche türkische Flotte Selims des Trunkenen vernichteten.
Cervantes erhielt das Kommando über ein Enterboot, zeichnete sich aus und wurde verwundet: Zwei Musketenkugeln trafen seine Brust, eine dritte verstümmelte ihm die Linke. Selbst als gealterter Schriftsteller noch schätzte er diese Wunden, die ihm den Beinamen eines "Krüppels ohne Fehl" eintrugen, höher als seine Bücher.
"Diese Verstümmelung", schrieb er über sich in seiner Vorrede zu den "Exemplarischen Novellen", "erachtet er trotz ihrer scheinbaren Häßlichkeit für schön, weil er sie davontrug aus der denkwürdigsten und erhabensten Begebenheit, die verflossene Jahrhunderte nie zu sehen bekamen und zukünftige nicht zu sehen erwarten dürfen."
Aber so brav sich Cervantes auch für die Weltgeschichte schlug - er blieb, wenn auch bei erhöhtem Sold, gemeiner Soldat und geriet schließlich in Gefangenschaft: Zusammen mit seinem Bruder Rodrigo wurde er auf der spanischen Galeere "Sol" von algerischen Korsaren gekapert. Die Gebrüder Cervantes zählten zu den 15 000 bis 20 000 Christensklaven, die in dem vom Großtürken abhängigen Seeräuberreich auf ihr Lösegeld warteten. Fluchtversuche wurden grausam bestraft. "Vor den Toren der Stadt Algier", illustriert Rothbauer, "hingen immer frisch abgehauene Sklavenköpfe."
Während der fünf Jahre seiner Gefangenschaft machte Cervantes mit seinen Gefährten insgesamt drei Fluchtversuche und plante sogar einen Sklavenaufstand. Dennoch kam er immer wieder mit dem Leben davon, und selbst die Stockschläge, zu denen er verurteilt wurde - einmal 300, ein anderes Mal 2000 -, blieben ihm erlassen.
Als er 1580, drei Jahre nach Rodrigo, endlich von seiner Familie und mit Hilfe der Mönche vom Trinitarier-Orden für 500 Taler losgekauft wurde, bescheinigte ihm der Trinitarier-Bruder Juan Gil in einem Empfehlungsbrief an Spaniens König, Cervantes habe "in dieser Gefangenschaft Dinge vollbracht, um derentwillen er verdient, daß Eure Majestät ihm große Gnade erweisen wolle".
Doch Philipp II., ab 1556 in Spanien Nachfolger seines Vaters Karl V., war eher ungnädig. Es gab zu viele Helden und zu wenig Geld in seinem Staat. Der Held von Lepanto wurde auf eine kärglich honorierte Mission nach Oran geschickt und danach sich selbst überlassen.
Cervantes suchte nunmehr seinen Ruhm in der Literatur. Er beteiligte sich an einem Dichterwettbewerb und gewann als ersten Preis drei silberne Löffel. Er schrieb Lobgedichte - beispielsweise ein Sonett auf Nierensteine, das als Einleitung zu einem "Handbuch aller Nierenkrankheiten" gedruckt wurde. Er verfaßte hochambitionierte Dramen, in denen er unter anderem spanisch-katholische Bravour im Kampf gegen die falschgläubigen Muselmanen verherrlichte, und veröffentlichte 1585 in Valladolid seine "Galatea" - einen naturschwärmerischen Schäferroman im Geschmack der Spätrenaissance.
Obwohl Rothbauer bereits in diesem Erstlingsroman den "großen Neuerer" am Werk sieht, blieb dem damals 38 jährigen Autor der literarische Erfolg und damit ein freigebiger Mäzen versagt. Auch mit seinen Theaterstücken hatte er nur mäßig Glück. Zwar wurden sie vom Publikum günstig aufgenommen, doch Lope de Vega (1562 bis 1635), das "Monstrum an Schöpferkraft", der "Phönix des Geistes", der mit seinen rund 1500 Bühnenwerken das spanische Drama erneuert hat, ließ seinen Rivalen wenig Spielraum.
Und es blieb nicht allein bei diesem Schriftstellerpech. Nach einem Liebesverhältnis, dem eine Tochter entsproß
- gewiß ist jedenfalls, daß eine Isabel
de Saavedra in die Familie des Cervantes aufgenommen wurde -, heiratete der "Galatea"-Autor ein um 18 Jahre jüngeres Mädchen mit Mitgift. Cervantes trennte sich nach drei Jahren von ihr und nahm erst zwanzig oder vierundzwanzig Jahre später die Ehe mit ihr wieder auf.
Der erfolglose Dichter mußte sich schließlich nach einem weniger unsicheren Broterwerb umsehen. Er fand ihn als Steuereinnehmer und Requisitionsagent der "Unbezwinglichen Armada" - im selben Jahr 1588, als diese Flotte im Angriff auf das glaubensfeindliche England der protestantischen Elisabeth vernichtet wurde.
Der Requisitionsagent, der bei den andalusischen Bauern Getreide und Öl zu beschlagnahmen hatte, ritt auf seinem Maultier von Dorf zu Dorf und von einem Ungemach zum nächsten. Er requirierte beim Domkapitel zu Sevilla einen Getreidevorrat und wurde von den empörten Domherren exkommuniziert.
1597 saß der 50jährige für drei Monate im Gefängnis von Sevilla: Er hatte eine requirierte Geldsumme bei einer Bank hinterlegt, die Pleite machte, wurde daraufhin der Unterschlagung verdächtigt und offenbar aus dem Staatsdienst entlassen.
Sieben Jahre später - Cervantes wohnte mittlerweile in Valladolid, zusammen mit seiner Tochter Isabel de Saavedra, seinen Schwestern Magdalena und Andrea und Andreas unehelicher Tochter Costanza - blühte ihm neues Unglück durch die Obrigkeit.
Vor dem Haus der Familie Cervantes war eines Nachts ein fremder Edelmann mit gezücktem Degen und aus mehreren Wunden blutend aufgefunden worden. Er wurde im Haus aufgenommen und starb dort zwei Tage später. Der Alkalde, angeregt durch Zeugenaussagen, denen zufolge die Cervantinischen Frauen einen undurchsichtigen Lebenswandel führten und Isabel bei Tag und Nacht Männerbesuch empfing, schloß, daß eines der Mädchen vertrauliche Beziehungen zu dem Ritter gehabt habe. Er nahm den Dichter und dessen Damen in Haft und ließ sie erst wieder frei, nachdem sich nach langer Untersuchung ihre Unschuld am Tod des Ritters erwiesen hatte.
Dann jedoch kam endlich der Ruhm, auf den Cervantes ein Leben lang gewartet hatte. 1605 erschien der erste Teil des "Don Quijote". Zwar höhnte Lope, der "Phönix des Geistes": "Keiner ist so schlecht wie Cervantes und keiner so hohlköpfig, daß er den Don Quijote loben wollte." Doch Spaniens Leser und bald auch die im übrigen Europa dachten anders.
Das Publikum hatte seine Geschichte zum Totlachen. Es begeisterte sich an dem hagestolzen Hidalgo, der - verwirrt durch die überreichliche Lektüre von Ritterromanen - auf seinem klapprigen Gaul Rosinante und in Begleitung des getreuen Sancho Pansa aufbricht, um zur höheren Ehre seiner bäurischen Dulcinea mit den Großtaten des Felixmarte von Hyrkanien, des Amadis von Gallien und des Rasenden Roland zu wetteifern.
Ob der närrische Ritter von der traurigen Gestalt in Windmühlen und Weinschläuchen feindliche Riesen erblickt, ob er mit gezückter Lanze eine blökende Schafherde attackiert, weil er sie für eine feindliche Heerschar hält, ob er in Harnisch gerät, verspottet, verprügelt, geschunden oder mit sonstigem Undank für seine Hilfe belohnt wird, die er den Armen und Verfolgten zuteil werden läßt - immer ist er sich seiner Lacher sicher, und das um so mehr, als er seine halluzinatorischen Abenteuer in einer Welt besteht, in der die zeitgenössischen Leser ihre eigene Wirklichkeit wiedererkannten.
Mit diesem äußerst effektvollen - und äußerst modernen - Kontrast zwischen subjektiver Vorstellung und herber Wirklichkeit hatte Cervantes keineswegs nur den (ohnehin nicht mehr so ganz modischen) Ritterroman lächerlich gemacht. Rothbauer findet außerdem, "daß in diesem Buch ein heldischer Mensch die eigene Niederlage dichterisch gestaltete und alles zum Gleichnis werden ließ".
Dagegen ist der spanische Schriftsteller Miguel de Unamuno (1864 bis 1936) von einer "verborgenen Absichtlichkeit" im "Don Quijote" überhaupt nicht überzeugt. Er hegt vielmehr den Verdacht, "daß Cervantes starb, ohne die ganze Tragweite seines Quijote erfaßt, ja vielleicht ohne ihn überhaupt richtig verstanden zu haben".
Thomas Mann mutmaßt in seinem Essay "Meerfahrt mit Don Quijote" von 1934: "Seine (des Cervantes) Achtung vor dem Geschöpf seiner eigenen komischen Erfindung ist während der Erzählung ständig im Wachsen - dieser Prozeß ist vielleicht das Fesselndste am ganzen Roman, ja, er ist ein Roman für sich, und er fällt zusammen mit der wachsenden Achtung vor dem Werk selbst, das, bescheiden, als derber, satirischer Spaß konzipiert war, ohne Vorstellung
davon, in welchen symbolischmenschlichen Rang die Figur des Helden hineinzuwachsen bestimmt war."
Bevor noch das zweite Buch des "Don Quijote" 1615 erschien, hatte Cervantes, der im Grafen von Lemos, dem Vizekönig von Neapel, endlich einen zahlungswilligen Gönner fand, eine poetische "Reise zum Parnaß" in acht Gesängen sowie die zwölf "Exemplarischen Novellen" veröffentlicht und seine Leser in der Vorrede informiert, "daß ich der erste bin, der Novellen in kastilischer Sprache verfaßt hat".
Im selben Vorwort kündigt er ein Werk an, "das sich erkühnt, mit Heliodor zu wetteifern, wenn es nicht schon vorher seiner Dreistigkeit wegen zu Fall kommt".
Das spätgriechische Werk, das Cervantes übertreffen wollte - einer der ältesten Romane der Weltliteratur -, trägt den Titel "Die äthiopischen Geschichten von Theagenes und Chariklea", stammt aus dem 4. Jahrhundert und war verfaßt von einem Mann namens Heliodor aus Phönizien.
Es enthält die kunstvoll verschachtelte und verrätselte Fabel von der schönen äthiopischen Königstochter Chariklea, die von ihrer Mutter ausgesetzt wird, ins griechische Delphi kommt, dort bei den Pythischen Spielen sich in den Jüngling Theagenes, einen Nachfahren des Achilles, verliebt, mit ihm nach gefahrvoller Odyssee in die äthiopische Hauptstadt Meroe zurückgelangt, als Königskind erkannt wird und ihren Theagenes heiratet.
Dieser Prosaroman, damals nicht minder hoch geschätzt als die Versepen Homers und Vergils, übte eine außerordentliche Wirkung auf die Literatur der Spätrenaissance und des Barock aus. In England und Frankreich wurden Stücke nach seinem Vorwurf geschrieben, auch Calderón de la Barca bearbeitete ihn fürs Theater, der Italiener Torquato Tasso benutzte ihn in seinem Epos vom "Befreiten Jerusalem", ebenso Lope de Vega in dem Roman "Der Pilger in seinem Vaterland".
In den "Mühen und Leiden des Persiles und der Sigismunda" bediente sich Cervantes des gleichen Musters. Aus der mediterranen Fabel des Heliodor und seiner Nachahmer wurde dabei freilich eine "septentrionale" (nördliche) Geschichte.
Doch den schönen Königssohn Persiles von Thule und die schöne Königstochter Sigismunda von Frislanda - ihre Herkunft und ihre Namen werden erst auf den letzten Seiten des Romans offenbar - treibt das gleiche Mißgeschick wie den Griechen Theagenes und die Äthiopierin Chariklea.
In der Barbarei des Nordens werden sie von einer Insel zur nächsten verschlagen, von Korsaren geraubt, verhext, ausgesetzt, entführt, zum Opfertod bestimmt und auf wunderbare Weise wieder befreit. Sie erleiden Schiffbruch, bestehen Abenteuer mit einem Loch-Nessischen Seeungeheuer, werden voneinander getrennt, durch ein günstiges Schicksal wieder zusammengeführt und gelangen schließlich an die Küste von Portugal, von wo aus sie auf dem Landweg und durch ein weit weniger gefahrvolles und weniger mystisch-nebliges Land ihre christliche Pilgerfahrt fortsetzen. Denn ihr Ziel ist Rom, das Zentrum der katholischen Welt, wo sie die Bestätigung ihres wahren Glaubens und zugleich, nach letzten Fährnissen, ihr privates Glück finden.
Nur aus dem Norden, so interpretiert der Romanist Walter Boehlich dieses lang verkannte Meisterwerk der Gegenreformation, "konnten am ehesten zwei beispielhafte Christen die Pilgerfahrt nach Rom antreten, um in ihrer Person die Einheit des katholischen Glaubens wiederherzustellen, womit das poetische Spanien des Cervantes ein Ziel verwirklicht zu haben schien, an dem das politische Spanien der Habsburger zu scheitern drohte".
Gerade dieser symbolisch-sakrale "Persiles" macht in seiner sinnreichen Konstruktion deutlich, daß Cervantes, entgegen der Meinung seines Landsmannes Unamuno, ein bewußt schreibender und durchaus absichtsvoller Autor war. Er selbst schätzte dieses letzte Werk weit mehr als seinen "Don Quijote".
Im Frühjahr 1616, dem Todesjahr Shakespeares, war der Roman abgeschlossen, wenn auch nicht vollendet. Am 19. April verfaßte Cervantes seine Widmung an Don Pedro Fernández de Castro, den Grafen von Lemos:
Schon hab ich den Fuß im Bügel,
und ich schreibe, edler Herr, dies,
da der Tod mir hält die Zügel.
Drei Tage später starb der Trinker Cervantes an Leberzirrhose. Im Kleid des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus 'wurde er zu Grabe getragen. Sein Grab ist unbekannt.
* Miguel de Cervantes Saavedra: "Gesamtausgabe in vier Bänden". Band I: "Exemplarische Novellen. Die Mühen und Leiden des Persiles und der Sigismunda". Herausgegeben und neu übersetzt von Anton M. Rothbauer. Henry Goverts Verlag, Stuttgart; 1216 Seiten; 56 Mark.
"Don Quijote"-Illustration (1622): Wußte der Autor, was er schrieb?
Autor Cervantes
In der besten Übersetzung...
Cervantes-Herausgeber Rothbauer
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DER SPIEGEL 13/1964
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