21.10.1964

„OHNE UNSERE FEHLER SIND WIR NULLEN“

Der amerikanische Romanschriftsteller Bernard-Wolfe, seit fast 25 Jahren mit Henry Miller eng befreundet, hat den Autor der "Wendekreis"-Romane vor kurzem in Pacific Palisades (Los Angeles) interviewt. Miller beantwortete Fragen nach seinem Leben, seinem Werk und Erfolg ("Wendekreis des Krebses" stand 1963, "Wendekreis des Steinbocks" steht in diesem Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste).
Dem Interview sind die folgenden Auszüge entnommen:
FRAGE: Herr Miller, ein Kritiker hat Ihre Werke einmal als Abortwand-Kritzeleien bezeichnet. Nur um Klarheit zu schaffen: Bekritzeln Sie Abortwände oder haben Sie jemals Abortwände bekritzelt?
MILLER: Nein, nie. Aber das erinnert mich an eine Geschichte aus Frankreich, die mir bezeichnend erscheint: Ein Universitätsprofessor trifft beim Betreten einer Bedürfnisanstalt einen Kollegen. Als er in dessen Hand einen Bleistift bemerkt, grinst er und sagt: "Na, Sie sind wohl so einer, der auf Abortwände schreibt." "Keineswegs", sagt der andere, "ich habe nur die Rechtschreibung korrigiert."
FRAGE: Ihre Bücher sind oft als pornographisch gebrandmarkt - und verboten worden. Wie stehen Sie zum Vorwurf der Pornographie?
MILLER: Man kann sagen, daß ich obszöne Sachen schreibe, aber ich halte mich nicht für einen Pornographen. Zwischen Obszönität und Pornographie ist ein großer Unterschied: Pornographie ist aufreizend - Obszönität reinigt, verhilft dem Leser zu einer Katharsis. Nebenbei gesagt bin ich nicht der Meinung jener rechtschaffenen Kritiker und Intellektuellen, daß erotische Literatur in obszöner Sprache den Leser nicht verführen, nicht auf lustvolle Gedanken bringen soll. Warum zum Teufel soll er keine lustvollen Gedanken haben? Die sind genauso legitim wie alle andern. Ich möchte aber hinzufügen, daß meine Werke offensichtlich sogar Gedanken anderer Art anregen können. Viele Leser schreiben mir: "Das Sexuelle in Ihren Büchern interessiert uns überhaupt nicht - was uns anregt, ist Ihre Philosophie."
FRAGE: Nun, was das Anregen betrifft - meinen Sie nicht doch, daß die meisten Ihrer Leser die Erotika in Ihren Büchern Ihrer Philosophie vorziehen?
MILLER: Möglich. Aber die Bedeutung meines Werkes liegt in meiner Vision vom Leben und von der Welt, nicht im freizügigen Gebrauch von Sex-Vokabeln. Meine Bücher stehen in einer literarischen Tradition, wie sie in Europa seit einem Jahrtausend gepflegt wird. Leider ist die englischsprachige Literatur seit dreihundert Jahren immerzu kastriert worden; sie ist fade, sie erfaßt das Leben nicht in seiner Totalität. Vorher war die Erörterung des Sexuellen nichts Schockierendes. Niemand hatte das Geschlechtliche überbewertet. Es fügte sich ganz selbstverständlich in das Gesamtleben ein. Aber dann haben die angelsächsischen Völker schrecklich darben müssen, sie durften das Sexuelle nicht auf natürliche und normale Weise ausdrücken - wodurch unnatürliche Schuldgefühle bekämpft werden können. Und deshalb stürzen sie sich nun heute darauf, und weil sie bei mir dieses fehlende Element Sex gefunden haben, überbetonen sie es.
FRAGE: Kann man nicht sagen, daß Sie es Sind, der überbetont?
MILLER: Genausogut könnte man sagen, daß ich die Freiheit des Individuums überbetone. Ich glaube, ich habe dem Sex einfach nur die ihm gebührende Stelle in der Literatur zurückgegeben. Obszönität hat, genau wie Sex, einen natürlichen, rechtmäßigen Platz in der Literatur wie im Leben. Sie kann durch noch so viele Gesetze nicht getilgt werden. Lassen Sie mich einen alltäglichen Vorfall schildern, der meinen Standpunkt vielleicht verdeutlicht: Mein kleiner Sohn und ich streiften durch die Wälder Nordkaliforniens. Wir waren ganz allein, meilenweit kein Mensch. Plötzlich fängt er an, aufgeregt zu trippeln und umherzublicken - Sie verstehen? "Was tust du?" frage ich ihn. "Ich muß mal ins Badezimmer", sagt er. "Das geht jetzt nicht", sage ich, "hier gibt es kein Badezimmer. Aber wenn du mußt - stell dich doch einfach an diesen großen Baum, Komm schon, ich zeige es dir." Und so standen wir schließlich, Vater und Sohn, mitten im Wald und pinkelten an einen Baum. Sie sehen, ich gebrauche im Leben und beim Schreiben gewöhnliche Wörter, weil das für mich der einzige Weg ist. Ich bin nicht wählerisch, und ich schließe nichts aus. Ich habe auch den Sex nicht herausgehoben, um ihn speziell zu behandeln, sondern ich widme ihm eine Vollbehandlung. Fünfzehn Jahre lang hatte ich geschrieben, ohne irgend etwas zu erreichen. Unter fremdem Einfluß hatte ich nichts als Abklatsch zustande gebracht. Da endlich beschloß ich, mich nach mir selbst zu richten. Ich wurde ich selbst . . Wer ist denn sex-be-Dessen? Doch nur der, der vom sexuellen Gehalt meiner Bücher soviel Aufhebens macht. Überall in der Welt hält man uns Amerikaner für ein Volk, das von der Idee des Sexuellen besessen, aber ohne volle und natürliche Geschlechtserfahrung ist. Gerade die englischsprechenden Völker verstehen am wenigsten, was und warum ich geschrieben habe.
FRAGE: Manche Ihrer Leser und Kritiker bewundern die Vitalität Ihrer Werke. Andere Kritiker tadeln Sie als
"undiszipliniert", "chaotisch", ",wirr", "widersprüchlich" und "zu emotional".
MILLER: Der Kritiker ist wie das fünfte Rad am Wagen. Nun gut, nach konventionellen Maßstäben bin ich sicherlich ein undisziplinierter und chaotischer Autor. Zum Glück gibt es jedoch Leute, die sich nichts aus konventionellen Maßstäben machen. Zweifellos bin ich nicht klarer als der nächste beste Zeitgenosse. Und die großen Philosophen - sind die denn immer so klar und durchsichtig? Kant - mein Gott, was für ein trübes, nebliges Denken! Oder Aristoteles - ich kann ihn nicht lesen, es ist für mich nur ein Urwald von Unsinn. Platon gefällt mir viel besser, aber auch bei ihm verliere ich den Faden. Vielleicht liegt es an meinem Eklektizismus; daß man mich falsch versteht. Mal rede ich so, mal so. Natürlich widerspreche ich mir hin und wieder. Wer tut das nicht? Sonst wäre man ja ein abgestandener Tümpel! Man muß Sich von allen Seiten an die Wirklichkeit heranarbeiten, auf einem einzigen Weg schafft man das nicht. Ich bin gegen feste Systeme und Strukturen, richtig. Aber deshalb bin ich wohl kaum wirr.
FRAGE: Man hat auch gesagt, daß Ihre Sprache an "verbalem Durchfall" leidet, daß Ihre ungezügelte Prosa des Rotstifts bedarf. Wollen Sie darauf erwidern?
MILLER: Ich habe niemals den Anspruch erhoben, ein sorgfältiger Millimeter-Arbeiter wie Hemingway zu sein - aber ich bin auch nicht einer von diesen schlampigen, bequemen Schriftstellern, die meinen, die Schlacke gehört zum Erz, und die deshalb alles wie Kraut und Rüben durcheinanderschmeißen. Es macht mir durchaus Vergnügen, mit der Axt an meinen Sätzen abzuholzen, was mir in der Hitze der ersten Niederschrift wundervoll erschienen sein mag. Aber diese Bearbeitung strebt keine Makellosigkeit an. Ich glaube, daß Fehler im Werk eines Schriftstellers wie im Charakter eines Menschen nicht weniger wichtig sind als Vorzüge und Tugenden. Ohne unsere Fehler sind wir Nullen.
FRAGE: Immerhin hat der Romancier Lawrence Durrell, Ihr langjähriger Freund, Ihnen gerade diese Fehler angekreidet - die Fehler sowie Ihre Gewohnheit, sie sich selbst zu verzeihen. Haben Durrells Bemerkungen Ihre Freundschaft zu ihm beeinträchtigt?
MILLER: Nicht im geringsten. Er könnte Schlimmeres gesagt haben, und es hätte meine Einstellung ihm gegenüber in keiner Weise geändert.
FRAGE: Wie ist Ihre Einstellung zu Durrell?
MILLER: Als Mensch mag ich ihn noch immer gern und bewundere ihn sogar. Durrell, den Autor der Romane "Justine", "Balthazar", "Mountolive" und "Clea", könnte ich genauso kritisieren, wie ich kritisiert worden bin: Seine epischen Fresken, seine farbigen beschreibenden Passagen fesseln mich - seine philosophischen Abschnitte dagegen finde ich fade.
FRAGE: Welche anderen Schriftsteller unserer Zeit schätzen Sie?
MILLER: Ich fürchte, ich bin nicht ganz auf dem laufenden ... Sean O'Casey* und Samuel Beckett und Eugene Ionesco bewundere ich sehr. Einige unserer bekannteren amerikanischen Stückeschreiber lassen mich dagegen kalt. Sie haben nicht das, was mich wirklich anspringen läßt. Vladimir Nabokov, den Autor von "Lolita", kann ich nicht lesen. Er ist nicht mein Fall: zu sehr Literat zu versunken in die Kunst des Schreibens - und dann dieses Zurschaustellen von Virtuosität! Ich mag Jack Kerouac; er besitzt eine wunderbare natürliche Sprachbegabung, die allerdings ein bißchen mehr Zucht vertragen konnte. William S. Burroughs, dessen großes Talent ich anerkenne, dreht mir den -Magen' um. Immerhin finde ich bemerkenswert, wie er beim Autobiographischen bleibt und nur das niederschreibt, was er selbst erlebt und gefühlt hat*. Von Saul Bellow habe ich nur den Roman "Der Regenkönig" gelesen - ich war vor Begeisterung ganz närrisch. Ich wollte, ich könnte etwas in dieser Art schreiben.
FRAGE: Sie sollen kürzlich gesagt haben, das sexuelle Verhalten des, Amerikaners, wie es Film, Theater und Fernsehen heute zum Teil reflektieren, entwickle sich immer mehr zum Raffiniert-Verspielten hin. Halten Sie diesen Trend für ungesund, und messen Sie ihm große Bedeutung bei?
MILLER: Natürlich ist er ungesund, und er kann große Bedeutung gewinnen. Das Tändeln mit dem Sex, diese Guck-mal-aber-rühr-mich-nicht-an-Haltung kann den amerikanischen Mann vielleicht für immer bei seiner Frau oder seiner Freundin frustrieren. Es ist nur eine andere Version dieser verhängnisvollen amerikanischen Neigung, alles mit Glamour zu überzuckern, eine Scheinwelt aus glänzenden Illusionen zu errichten und dann allen Ernstes darin leben zu wollen Das kann nicht gutgehen. Die amerikanischen Frauen sollten schon in der Schule lernen - wie es zum Beispiel die Japanerinnen lernen -, mit dem Ehemann oder dem Geliebten richtig umzugehen. Dann würden nicht so viele Ehen scheitern. Bei uns heiraten die Paare mit viel Stimmung und Romantik, aber sie haben keine Ahnung, wie sie ihre Liebe wachsen lassen und nähren sollen. Statt zu warten, bis das Licht ausgeht, sollte eine Frau gelernt haben, wie sie ihren Mann auch am Abendbrottisch glücklich machen kann oder während sie nur dasitzt und liest. Warum trägt sie nicht irgend etwas Durchsichtiges und spielt weiter ihre Liebesrolle wie am Anfang? Das würde schon viel ausmachen. Aber es ist wie bei den Kirchgängern, die am Sonntag zum Gottesdienst kommen und die Religion für den Rest der Woche vergessen.
FRAGE: Wer ist nach Ihrer Meinung für diese Situation verantwortlich?
MILLER: Die Hauptschuld an dieser unglücklichen sexuellen Situation gebe ich den Männern. Sie benehmen sich nicht wie Männer nicht wie der Boß, nicht wie das Familienoberhaupt. Sie dulden es, daß ihre Frauen mit ihnen um Gleichheit rivalisieren. Daraus entsteht nicht gerade ein ideales sexuelles Klima. In Europa ist der Mann noch der Boß. Er macht sogar manchmal noch ein wenig von den Fäusten Gebrauch, aber die Frau fühlt sich in dieser untergeordneten Stellung wohler.
FRAGE: Da Sie die Europäerin also für femininer und weniger ehrgeizig als die Amerikanerin halten - finden Sie sie auch sexuell erregender?
MILLER: Jede echte Frau, ob Europäerin oder nicht, ist erregend. Ehrlich gestanden, ich kenne nur einen einzigen erotischen Typ: Entweder hat eine Frau dies gewisse Etwas, oder sie hat es nicht.
FRAGE: Können Sie "Es" beschreiben?
MILLER: Wer nur ein bißchen Gespür hat, merkt sofort, wenn er einer großen Persönlichkeit oder einem Heiligen gegenübersteht. Genauso ist es bei der Frau mit dem "Es". Sie strömt es aus. Weder schreckt sie vor Sex zurück noch stürzt sie sich in unnatürlicher Weise hinein. Amerikanische Frauen scheinen immer nach Selbstbestätigung zu suchen. Sie tragen Sex auf der Oberfläche ihrer Existenz wie einen Firnis. Die natürliche Frau dagegen fühlt ihn als Bestandteil ihres Wesens. Sophia Loren ist ein Beispiel: Sie lebt den Sex. Sie ist ganz und gar Frau. Die meisten Sex-Idole unserer amerikanischen Filme jedoch tragen ihn nur. In Wirklichkeit fühlen sie nichts - und wir auch nichts bei ihnen.
FRAGE: Würden Sie uns sagen, welche Art sexueller Beziehung Sie am meisten befriedigt hat? Welcher Nationalität war die Frau?
MILLER: Das behalte ich lieber für mich. Sogar ein Schriftsteller hat gewisse Rechte! Immerhin kann ich sagen, daß die Gefahr, das Wagnis oder die Möglichkeit peinlicher Verstrickung eine äußerst aufregende Atmosphäre erzeugen - die Begegnung mit einem vielleicht fremden Menschen in einer Seitenstraße, einem dunklen Flur oder
einem Treppenhaus, möglicherweise sogar in einem Telephonhäuschen ...
FRAGE: Sie haben an Ihrer Romantrilogie "Die rosarote Kreuzigung" ("Sexus", "Plexus", "Nexus") alles in allem über siebenunddreißig Jahre gearbeitet - warum hat es so lange gedauert?
MILLER: Je mehr man über sich selbst schreibt, um so unwichtiger erscheint einem alles. Man schreibt, um sich selbst zu vergessen, oder besser gesagt: um das Selbst zu vergessen. Als ich mit dem Schreiben-anfing-besonders bei den "Wendekreis"-Romanen -, dachte ich: Niemand,hat so viel erlitten wie du. Ich mußte es loswerden. Und jetzt, da die Arbeit beinahe abgeschlossen ist, mag ich nicht mehr auf diese Weise schreiben, verstehen Sie? Aber ich habe mich in meinem eigenen Netz verfangen. Seit die "Wendekreise" gesellschaftsfähig geworden sind, bin ich berühmt, und die Leute jagen hinter mir her - ich soll diese Bücher für die Bühne, für den Film, als Musical bearbeiten. Das kann ich nicht! Ich kann diese Bücher nicht in etwas anderes umwandeln. Ich wollte sie vergessen. Aber sie kommen zurück, um mich heimzusuchen.
FRAGE: Finden Sie keinen Trost in der allgemeinen - wenn auch verspäteten - Anerkennung oder in den Tantiemen, die Ihnen jetzt zufließen?
MILLER: Es ist einerseits ganz amüsant, aber auch absurd und ein bißchen schmerzlich. In einer Hinsicht kommt es nämlich zu spät. Das Geld hätte am Anfang dasein sollen. Jetzt kann es mein Leben nicht im geringsten mehr verändern. Ich brauche auch weiterhin nur sehr wenig für mich selbst. Mittlerweile ist nicht das Geld-Bekommen mein Problem, sondern das Zuviel-davon-Bekommen. Es erschreckt mich. Diese Filmleute nennen Millionensummen! Können Sie sich das vorstellen? Ich habe bereits an meine Freunde und meine Familie über die Hälfte von dem weggegeben, was der "Wendekreis des Krebses" einbrachte, es ist einfach zuviel. Überfluß hat mich immer beunruhigt. Ich muß natürlich an meine Kinder denken. Ihre Ausbildung und ihr Lebensunterhalt wollen bezahlt sein. Wenn sie irgendeinen Herzenswunsch haben, kann ich ihnen jetzt wenigstens hundert Dollar geben, ohne daß es etwas ausmacht. Wissen Sie aber auch, daß es drei Familien sind, für die ich zu sorgen habe? Ja, ich und meine Scheidungen! Ich glaube, ich nehme jetzt schnell ein Aspirin, am besten gleich drei. Wollen Sie auch eins?
FRAGE: Nein, vielen Dank. Aber sagen Sie uns: Wie finden Sie bei all Ihren Extravaganzen überhaupt noch Zeit zum Schreiben?
MILLER: Die Frage ist berechtigt. Die Telephonanrufe, die Korrespondenz, die Angebote, die bedacht werden müssen, die Kontrakte, die ich abzuschließen habe! Das alles kostet mich wenigstens vier Stunden am Tag. Mir bleibt kaum noch Zeit zum Schreiben. Ich sollte mir eine Sekretärin nehmen. Oder,besser doch nicht, denn wenn ich eine hätte, würde ich ein Verhältnis mit ihr anfangen, und dann käme ich überhaupt nicht mehr zum Schreiben. Sie begreifen wohl, daß ich unmöglich ein häßliches Mädchen zur Sekretärin nehmen kann? Sie muß hübsch sein, attraktiv. Und damit wäre ich wieder am Ausgangspunkt angelangt. Ich bin so leicht entflammt.
FRAGE: Immer noch?
MILLER: Es scheint mir normal zu sein, sich immer wieder zu verlieben. Ist das ein Zeichen von Jugend oder von Weisheit? Ich habe den Eindruck, daß die meisten Menschen vor ihrer Zeit alt werden.
FRAGE: Wird Sex in Ihren zukünftigen Werken dieselbe große Rolle spielen wie früher?
MILLER: Ich glaube nicht. Und zwar nicht, weil ich mein Interesse daran verloren hätte, sondern weil ich mit dem Autobiographischen allmählich zu einem Abschluß komme. Ich sagte es schon: Meiner Meinung nach haben sich die Leute zu sehr auf dieses Sex-Element in meinen Werken kapriziert. Sie halten es für den Grundton, weil es schockierend wirkt. Zumindest, hat es einmal schockierend gewirkt, für die älteren Leser. Besonders in Amerika waren die meisten viel zu sehr gebannt von der drastischen Sprache meiner "Wendekreise", um noch, wie ich, das
Lyrische darin zu - hören; aber meine eigene Verwunderung über die rhapsodischen Passagen in den "Wendekreis" -Romanen ist grenzenlos. Sie sind nicht immer gefällig, natürlich nicht, doch sie haben Poesie, auch wenn sie schmutzig und nihilistisch sind. Trotzdem glaube ich, daß einige meiner späteren Werke weit mehr Gedanken- und Gefühlstiefe haben.
FRAGE: Welches Buch halten Sie für Ihr bestes?
MILLER: In zukünftigen Zeiten möchte ich lieber durch den "Koloß von Maroussi" bekannt sein, durch das Buch über mein Griechenland-Erlebnis, als durch irgendein anderes Werk. Der "Koloß" zeigt mich von meiner besten Seite - als einen Mann, der seine Freude am Leben hat und alles zu schätzen versteht
Erschienen in "Playboy Magazine"; Copyright 1964 by HMH Publishing Co, Inc.
* Kürzlich verstorbener irischer Dramatiker ("Der Preispokal", §Juno und der Pfau", "Der Pflug und die Sterne").
* Jack Kerouac, amerikanischer Beatnik -Autor ("On the Road"); Wilham S. Burroughs, amerikanischer Autor, der eigene homosexuelle und Rauschgift-Erfahrungen beschrieb ("The Naked Lunch").
Schriftstel!er Miller: "Pornographie ist aufreizend - Obszönität reinigt"
Miller-Favoriten Kerouac, Platon, Ionesco: "ich bin nicht klarer ...
... als der nächste beste": Miller-Kritisierte Aristoteles, Nabokov, Kant
Zweite Miller-Gattin June
Unruhe durch Überfluß
Dritte Miller-Gattin Janine
Verzicht auf Sekretärin
Vierte Miller-Gattin Eve
Geld für drei Familien
Miller-Aquarell (Ausschnitt)
"Warum tragen unsere Frauen ...
Miller-Idol Sophia Loren*
... nicht irgend etwas Durchsichtiges?"
Verlag Bärmeier und Nikel
Miller-Lektüre
* In dem Film "Gestern, heute und morgen".

DER SPIEGEL 43/1964
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