Warm wie meterdicke Ziegelmauern halten - nach Angaben der Hersteller - die nur wenige Zentimeter starken Leichtbauwände moderner Fertighäuser.
In der Tat lassen Fertighauswände, die meist wie Sandwiches aus mehreren Schichten verschiedener Baustoffe und Isoliermaterialien (Kunststoffe, Mineralwolle, Aluminiumfolie) zusammengebacken sind, Heizungswärme ebenso abprallen wie Frost: Ihre Fähigkeit, Wärme zu dämmen, ist wesentlich besser als bei herkömmlichem Mauerwerk.
Beträchtlich geringer als bei konventionellen Steinwänden ist jedoch ihre Fähigkeit, Wärme zu speichern.
In den meisten Fertighaus-Prospekten werben Firmen daher ausschließlich mit dem Hinweis auf die überdurchschnittlich gute Wärmedämmung der Leichtbauwände. "Quelle": "Hinter den 12,5 Zentimeter starken Außenwänden des Quelle-Fertighauses sitzen Sie so warm und geschützt wie hinter einer Ziegelmauer von einem Meter Dicke." Nach Ermittlungen des Hamburger Instituts für Schall- und Schwingungstechnik entspricht die Fähigkeit der Quelle-Wände, Wärme zu dämmen und zu speichern, dagegen nur der einer rund 40 Zentimeter dicken Ziegelmauer. Der Wärmekomfort des Quelle-Hauses genügt mithin gerade noch den von westdeutschen Baubehörden vorgeschriebenen Mindestforderungen.
Die Hamburger Wissenschaftler überprüften die im Fertighausverzeichnis des Wohnungsministeriums veröffentlichten 34 Typen von 25 Herstellern und fanden heraus, daß viele Fabrikanten in ihren Offerten wohlig-warmes Wohngefühl suggerieren und dabei die Vorzüge der Fertighauswände oft übertreiben.
Die wärmetechnischen Berechnungen ergaben, daß die Außenwände von
- zwölf der untersuchten Häuser weniger Wärmekomfort boten als ein gemauertes Normalhaus mit 36,5 Zentimeter dicker Steinmauer, darunter das Ideal -Haus der Kaufhof AG oder das Hanse-Fertighaus (Photos oben);
- 13 dem gemauerten Normalhaus
zumindest ebenbürtig waren, darunter das Hebel-Haus oder das Okal-Haus (Photos Mitte);
- neun herkömmlichem Mauerwerk wesentlich überlegen waren, darunter das Nachbarschulte-Fertighaus oder das Schwedische Elementhaus (Photos unten).
22 der 34 überprüften Typen eignen sich also für alle Klimate der Bundesrepublik, für die norddeutsche Tiefebene ebenso wie für Gebirgslagen.
Ideal-Haus
Hanse-Haus
Hebel-Haus
Okal-Haus
Nachbarschulte-Haus
Schwedisches Elementhaus
DER SPIEGEL 45/1964
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