11.11.1964

HELLMUTH GUIDO ALEXANDER HEYE

Der Vizeadmiral a. D. und Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages hat sein Amt zum 31. März 1965 zur Verfügung gestellt, obgleich die Amtszeit des für fünf Jahre, gewählten Wehrbeauftragten erst im November 1966 abgelaufen wäre. Monatelang stand er im Mittelpunkt heftiger Kritik, weil er im Sommer in seinem Tätigkeitsbericht an den Bundestag und in einer Artikel-Serie in der Illustrierten "Quick" schwere Mängel bei der Inneren Führung der neuen deutschen Armee aufgezeigt und warnend erklärt hatte, die Bundeswehr entwickele sich zu einem Staat im Staate.
In der vorletzten Woche hatte Heye vor der ausländischen Presse in Bonn vorgeschlagen, die Bundeswehr solle in ein Berufsheer umgewandelt werden. Wegen dieses Vorschlags wurde er vom Bundestagspräsidenten Dr. Eugen Gerstenmaier scharf gerügt, und der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Dr. Richard Jaeger (CSU), forderte Heyes Rücktritt. Von seinem Vater, der in den zwanziger Jahren als Generaloberst Nachfolger Seeckts in der Stelle des Chefs der Heeresleitung war, mag Heye den Sinn für die Truppenfürsorge geerbt haben, der ihn für das Amt eines Wehrbeauftragten besonders geeignet erscheinen ließ.
In drei deutschen Marinen - der kaiserlichen, der Weimarer und der großdeutschen - brachte er es binnen 30 Jahren zum Vizeadmiral.
Die alte Marinestadt Wilhelmshaven wählte den Admiral a. D. als CDU -Kandidaten 1953 in den Zweiten Deutschen Bundestag. Fachkenntnis, nüchterne Denkart, aber auch Humor und Witz kennzeichneten seine Tätigkeit im Verteidigungsausschuß.
Nachdem Heye bei den Bundestagswahlen 1961 sein Wilhelmshavener Mandat an die SPD verloren hatte, trug der Bundestag ihm am 8. November desselben Jahres einstimmig das Amt des Wehrbeauftragten an.
Der heute 69jährige Heye wurde Nachfolger des ersten Wehrbeauftragten, des Generalleutnants a. D. Helmuth von Grolman, der wegen einer privaten Affäre zurücktreten mußte. Als "Hilfsorgan des Bundestages bei der Ausübung der parlamentarischen Kontrolle" war Heye jährlich rund 100 Tage auf Reisen durch Garnisonen unterwegs. Aus seinem letzten amtlichen Jahresbericht an das Parlament geht hervor, daß er außerdem 4736 Beschwerden sowie 666 andere Vorgänge zu bearbeiten hatte.

DER SPIEGEL 46/1964
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