02.12.1964

Datum: 30. November Betr. : Abermals Fälschungen

Datum: 30. November
Betr. : Abermals Fälschungen
Die "Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung" - wenn der peinliche Ausdruck gestattet ist -, diese periodische Druckschrift also bemängelt an dem Kriegsverbrechens-Bild "Exekution in Polen" in SPIEGEL 46/1964, Seite 86: "Der SPIEGEL sollte wissen, dass die NZ (National-Zeitung) diese Fälschung bereits vor Jahren ... an den Pranger stellte... Es scheint, dass antideutsche Greuellügen in Deutschland unausrottbar sind."
Das Bild entstammt einer dreisprachigen polnischen Schrift aus dem Jahre 1960 mit dem deutschen Titel: "1939 - 1945 Wir haben es nicht vergessen." Der Desch-Verlag in München, der es zuerst in Deutschland veröffentlichte, hat sich durch den Warschauer Universitätsprofessor für deutsche Literatur, Roman Karst, der Echtheit des Bildes vergewissert. Karst schrieb: "Die Aufnahme... ist eine treue fotografische Abbildung eines Fotos aus dem Jahre 1942... Es ist Eigentum des Historischen Archivs in Warschau."
SPIEGEL-Leser Walter Kebbekus, Studienrat in Köln, fragte beim SPIEGEL an, "wie eine solche Aufnahme gemacht werden konnte". Auch hierüber gibt das Schreiben des Professors Karst Aufschluss: "Das Foto wurde aus einem Brief eines deutschen Soldaten in Warschau (Hauptpostamt, Napoleonplatz) entwendet. In diesem Postamt war eine Zelle der polnischen Widerstandsbewegung tätig, die Beweise der faschistischen Verbrechen sammelte. Auf der Rückseite befindet sich eine Zuschrift: ,Ukraine 1942 - Judenaktion in Iwangorod'. Das Foto befand sich im Besitz von Tadeusz Mazur und Jerzy Tomaszewski."
Leser Manfred Ensinger, Frankfurt (Main), hält dem SPIEGEL Hinweise eines Exil-Polen an die "National-Zeitung" vor, wonach Schloss- und Kolbenpartie sowie der Gurt des Gewehrs, ferner "Russenbluse", "Pompki" (Hose) und "Charmoszki" (Stiefel) den atypischen Sowjetsoldaten" erkennen lassen. Gleichwohl sagt die "National-Zeitung" selbst: "Der schiessende Soldat ist ein Pole." SPIEGEL-Leser Theodor Langwald, Hannover: "... sieht eher nach einem polnischen oder tschechischen Partisan aus ... trägt eine Zivilbreecheshose und einen viel zu kurzen Rock."
Der müssige Streit hätte allenfalls Sinn, wenn es darum ginge, ob diese eine Erschiessung stattgefunden hat, oder überhaupt keine. Welchen Sinn sollte er haben, und was wollte die "National-Zeitung" überhaupt noch eine antideutsche Greuellüge" nennen, selbst wenn es nur diese eine einzige Aussage des Polizeikommandeurs Hoecke über die Erschiessung von 23 000 jüdischen Kindern, Frauen und Männern 1941 in Weissrussland gäbe: "Geschossen wurde mit Karabinern aus acht Metern Entfernung wie beim Schützenfest."

DER SPIEGEL 49/1964
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