09.10.1967

GRIECHENLAND / DIKTATURViel Spaß

Gleich zu dritt marschierten Athens Militär-Machthaber zu ihrem König Konstantin, 27; drei gegen einen hofften sie, den Thron-Twen wieder einmal zu überrumpeln.
Im Schloß Tatoi vor der Hauptstadt überreichten Informationsminister Oberst Papadopoulos, Innenminister General Pattakos und Wirtschaftsminister Oberst Makarezos dem Monarchen eine Liste und erbaten die majestätische Unterschrift.
Doch der König verweigerte sie, denn auf der Liste standen die Namen von 700 königstreuen Offizieren: Die Junta wollte die Königstreuen schassen. Jetzt verlegten sich die Militärs aufs Handeln und strichen die Schwarze Liste auf 400 Namen zusammen. Konstantin unterschrieb dennoch nicht.
"Wenn ich euch nicht gefalle", herrschte der König die Obristen und den General an, "dann jagt mich doch fort. Jetzt aber gehen Sie, bitte!"
Den König zu verjagen, den sie bei ihrem Putsch am 21. April mühelos überrumpelt hatten, können sich die Putschisten aber jetzt nicht leisten. Denn die Diktatur stößt auf wachsende Résistance im In- und Ausland -auf Widerstand, der dem Regime immer mehr zu schaffen macht.
Zuerst wurden die martialischen Machthaber lächerlich gemacht -- von einer Frau, die von der ersten Stunde an aufbegehrt hatte: Die Zeitungsverlegerin Heleni Vlachou stellte ihre Blätter aus Protest gegen die Diktatur ein (SPIEGEL 20/1967) und nannte die Junta-Obristen in einem Interview mit der Turiner Zeitung "La Stampa" "höchst mittelmäßige Leute"; Panzerbrigadier Pattakos sei ein "Clown", und vor dem starken Mann der Diktatur. Oberst Papadopoulos, habe sie "weniger Angst als vorm Zahnarzt".
Bis dahin hatten die Offiziere die spitzzüngige Verlegerin ignoriert, nun aber schickten sie ihr Gendarmen ins Haus. Das Athener Militärgericht verhörte sie vier Stunden lang und verhieß ihr einen Prozeß für Ende Oktober. Heleni Vlachou: "Das wird viel Spaß geben."
Dann trat ein Mann in die Arena: Panayotis Kanellopoulos, letzter legaler Premier der Hellenen, rief 15 Auslandskorrespondenten in seine Wohnung in Athens Prominentenviertel Kolonaki.
"Ich habe beschlossen, zu sprechen, da ich nicht akzeptieren kann, daß die Redefreiheit Vorrecht jener sein soll, die Maschinenpistolen und Panzer haben", erklärte der Jaspers-Schüler Kanellopoulos. Er verurteilte die Putschisten und ihre Diktatur, die dazu führen könne, "daß alles in Griechenland erschüttert oder gar zerstört wird".
Die zensur-gelenkten Zeitungen schimpften daraufhin den Rechten Kanellopoulos einen verkappten Kommunisten. General Pattakos höhnte. der Expremier hoffe vergebens, ein Märtyrer zu werden.
Da sprach der Ex-Premier zum zweiten Mal. Diesmal forderte er die Putschisten zum sofortigen Abtreten auf, und nun machten ihn die Militärs doch zum Märtyrer.
Auf einer Sondersitzung beschlossen die Offiziere, die unbequemen Kritiker unter Quarantäne zu stellen. Sie verhängten über Kanellopoulos und Heleni Vlachou Hausarrest, kappten beiden die Telephone -- wie zuvor schon 15000 anderen Bürgern -- und verboten jegliche Besuche. Bei Frau Vlachou beschlagnahmten sie Dokumente und Tonbänder.
Doch der Widerstand schwelt weiter. Immer mehr Flugblätter und illegale Zeitungen wechseln unter den Griechen von Hand zu Hand. Immer unangenehmer für die Diktatoren wird die Reaktion des Auslands: Im Europa-Parlament wurde ein Anti-Diktatur-Ausschuß eingesetzt. > Der britische Labour-Kongreß forderte den Ausschluß Griechenlands aus der Nato.
> Konstantin-Cousin Prinz Peter verlangte in Kopenhagen die Beseitigung der Junta.
> Die Europäische Investitionsbank verweigerte Athen einen 40-Millionen-Mark-Kredit.
> US-Präsident Johnson entschied, daß die Militärhilfe für Hellas so lange gekürzt bleibe, wie das Land diktatorisch regiert werde. Zwar tönte Panzerführer Pattakos, "wenn Krieg droht, werden sie uns bitten, ihre Panzer und Flugzeuge anzunehmen", zugleich aber barmte er bitterlich über die "Einmischung ausländischer Mächte in innergriechische Angelegenheiten".
Pattakos: "Je mehr ausländischen Druck es gibt, um so länger wird die Wiederherstellung normaler politischer Zustände verzögert.
Verschärfter Terror soll alle Regime-Gegner einschüchtern: So entläßt die Junta aus den griechischen Insel-KZs selbst dann keine Häftlinge mehr, wenn diese eine Loyalitäts-Erklärung unterschreiben. Jede Kritik an der Diktatur ahnden die Militärgerichte mit mehrjährigen Kerkerstrafen.
Außerdem zitierten die Obristen Abgeordnete und Politiker der Vor-Putsch-Ära und warnten sie vor Kontakten zu den Widerständlern -- und vor Konspiration mit dem König.

DER SPIEGEL 42/1967
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