09.10.1967

„NOCH FÜNFZIG JAHRE SCHWEIGEN“

Im ersten Teil seines Essays über den Tod des polnischen Generals Sikorski (SPIEGEL 41/1967) beschrieb Rolf Hochhuth die politischen Spannungen, die der Chef der polnischen Exil-Regierung verursacht hatte -- seine Hartnäckigkeit in der Frage der polnischen Ostgrenzen gefährdete die englisch-russischen Beziehungen. Im zweiten und letzten Teil schildert Hochhuth den Absturz des Polen bei Gibraltar und gibt die Indizien für seine Attentats-Theorie.
Schluß
Am 13. April 1943 hatte die Welt von Katyn erfahren. Am 26. April brach Stalin wegen Sikorskis Drängen auf eine Untersuchung durch das Rote Kreuz die Beziehungen zu der polnischen Sikorski-Regierung ab. Am 5. Juli lag der zerfetzte Leichnam Sikorskis in Gibraltar bereit, zum Staatsbegräbnis nach London übergeführt zu werden. Der Mann, der zu einer kaum tragbaren Belastung des englisch -- sowjetischen Verhältnisses geworden war, lebte nicht mehr.
Milovan Djilas, Titos Militärattaché 1944 im Kreml, wurde später von Stalin gebeten, seinen Marschall vor Churchill zu warnen, damit nicht der Intelligence Service den Jugoslawen ebenso umbringe wie im Vorjahr den Polen Sikorski. Tito nahm wie Djilas diese Warnung ernst und richtete sich danach. Djilas hat in einem Brief an den Autor erklärt, daß Stalin damals den tschechoslowakischen Exil-Premier Benesch als seinen Gewährsmann genannt habe.
Daß Benesch die Wahrheit gesagt hat und Stalin in diesem Falle auch, dafür sprechen folgende Fakten:
Erstens: Würde Stalin gelogen haben, so hätte er den Jugoslawen nicht ausgerechnet einen Mann als Zeugen nominiert, den diese Jugoslawen jederzeit fragen konnten und zweifellos auch gefragt haben, ob er wirklich gesagt habe, daß Churchill Sikorski umgebracht hat.
Zweitens: Einer der intimsten Freunde von Benesch in London war der tschechische General Prchal, dessen Sohn -- Oberleutnant Prchal Sikorskis Pilot in den Tod war und angeblich als einziger lebend aus dem Flugzeug herauskam. Augenzeugen haben nur gesehen, daß er als einziger eine festverschnürte Schwimmweste trug, obwohl er wie alle Passagiere ohne Schwimmweste in die Maschine gestiegen war und später darauf beharrte, wie alle gefundenen Leichen keine angehabt zu haben, als man ihn aus dem Wasser fischte.
Drittens: Stalin hatte 1944 ehrliche Sorge um Tito, seinen damals ihm noch treu ergebenen Statthalter auf dem Balkan.
Für die Sicherheit, daß Benesch tatsächlich wenigstens einer der Informanten Stalins war, und ein ernst zu nehmender, möge endlich noch folgende Geschichte bürgen:
Erst als im April 1967 der ehemalige Handelsminister im Kriegskabinett Churchilis, Mr. Oliver Lyttelton, heute Lord Chandos, und Vorsitzender des Aufsichtsrats des britischen Nationaltheaters, Sir Laurence Olivier, dem Direktor des Hauses, die Genehmigung verweigerte, das Drama "Soldaten" uraufzuführen, wurde dessen Autor durch die Zeitschrift "Encounter" darauf aufmerksam gemacht, daß Stalin durch den Jugoslawen Djilas 1944 Tito vor den Mördern Sikorskis gewarnt hat, wie aus dem Djilas-Buch "Gespräche mit Stalin" hervorgehe.
Mein Drama war nicht nur in völliger Unkenntnis dieses Buches von Djilas geschrieben worden -- ich hätte diese "Quelle" als solche auch gar nicht akzeptiert, denn so integer zweifellos Djilas ist: Stalin war der Erzähler gewesen, und wer hätte sagen können, ob der 1944 nicht nur dem Briten etwas hätte anhängen wollen, vielleicht aus Eifersucht wegen der betont guten Beziehungen zwischen Churchill und Tito. Immerhin, einen Brief nach Belgrad an den augenblicklich einmal nicht im Gefängnis sitzenden Djilas sandte ich doch ab, mit der Frage, ob er mehr über Sikorski wisse, als was er in seinen "Gesprächen mit Stalin" hatte drucken lassen. Die Antwort von Milovan Djilas vom 19. Juli war ihr Porto wert: Er habe feststellen müssen, offenbar erst aufgrund meines Briefes, daß aus diesem Gespräch mit Stalin über Sikorski ein Satz entfernt worden sei.
Von wem, wisse er nicht. Dieser Satz Stalins aus dem von Djilas via Italien nach New York geschmuggelten Manuskript, hatte gelautet: "Das über Sikorski, das stammt nicht von mir, das hat mir Benesch erzählt."
Djilas hatte bekanntlich sein Buch, für das er Gefängnis erhielt, in seiner Heimat nie publizieren dürfen. So wurde sein Originalverleger der amerikanische Staatsbürger und gebürtige Landsmann von Djilas, Jovanovic. Der hat mir bestätigt, daß er keinerlei Erklärung dafür hat, wieso aus dem serbokroatischen Manuskript ausgerechnet dieser Satz -- und offenbar dieser als einziger -- entfernt worden ist.
Aber das erklärt sich leicht: Als 1961 Djilas sein Manuskript aus dem Ostblock über Italien in den Westen schmuggeln ließ, da war noch Triest -- vielleicht auch heute noch -- ein bedeutendes Zentrum des britischen und amerikanischen Geheimdienstes. Der Kalte Krieg war noch weit unter dem Gefrierpunkt, jeder Flüchtling oder Überläufer aus dem Osten wurde sorgsam gefilzt -- und ohne Frage gründlicher als gewöhnliche Koffer auch dieses mit Spannung erwartete bedeutende Manuskript. Gerade weil nur diese wenigen Worte aus dem Djilas-Manuskript entfernt wurden, fiel es niemandem auf. Aber natürlich ist ohne den Hinweis auf Benesch die Äußerung Stalins historisch wertlos. Sie wußten, warum die Zeugenschaft jenes Mannes eskamotiert werden mußte, der nicht nur der Vorgesetzte des tschechischen Offiziers in London war, der Sikorski zuletzt betreut hatte, sondern auch der intimste Freund von dessen Vater.
Djilas schrieb in seinem Brief an mich außerdem: "Stalin sprach damals überzeugend und beharrlich. Das war auch ·sonst seine Art. Ich halte es für höchst wahrscheinlich, daß Benesch dies zu Stalin gesagt hat, aber Stalin wollte durch diesen Hinweis -- auf jeden Fall -- seine anderen Informationsquellen verschweigen." Wer aber hätten die anderen Informationsquellen sein können?
Nach dem Anschlag in Montreal war Sikorski nur mehr auf Drängen der Briten in ein Flugzeug zu bekommen -- man sagte ihm, es gäbe Unruhen in den polnischen Regimentern in Persien, tatsächlich gab es Differenzen dort, aber ·die wurden sehr dramatisiert. Und als polnische Offiziere, unter ihnen der Chef der Luftwaffe, ihm besorgt und gekränkt vorhielten, warum er nicht mit polnischen Piloten fliege, da schließlich deren Tausende in der RAF dienten, da gab der Pole eine Antwort, die der Menschlichkeit Don Quijottes das edelste Zeugnis aussteht. Er argumentierte, gerade wenn man den Briten mißtraue, müsse man sich in ihre Hände geben, denn das verpflichte sie doch.
Am Tag seiner Abreise nach dem Mittleren Osten ereignete sich ein schauerlicher Witz. Man würde nicht wagen, ihn zu erzählen, hätte nicht Irving in seiner Chronik ihn belegt. Zwei hohe Mitarbeiter Sikorskis -- der eine, Minister Popiel, lebt noch heute -- wurden in London angerufen, ob sie schon wüßten, daß der Ministerpräsident soeben in Gibraltar abgestürzt sei. Der anonyme Anrufer muß einer jener Herren gewesen sein, die aufgrund der zwei vorangegangenen "Incidents", die sich während der zwei vorangegangenen Flugreisen jeweils am ersten Tag ereignet hatten, zu dem Schluß gekommen war, auch diesmal werde "es" auf dem Hinflug geschehen. Der Mann nannte auch exakt den Tatort, Gibraltar -- nur geschah "es" dort am letzten, nicht, wie üblich, am ersten Reisetag.
Churchill hatte Sikorskis einziges Kind, Zofia Lesniowska, die Frau eines in deutscher Gefangenschaft lebenden Offiziers und selber Ordonnanz-Offizier ihres Vaters (vergebens) gewarnt, den General nach Persien zu begleiten -- was nichts weiter besagt, als daß Churchill ein anständiger Mensch war. Denn auch seine Töchter nahm er nicht oder ungern in seine Maschine.
Daß Zofia Lesniowska jedoch am Tage ihres Todes in Gibraltar die Warnung des Gouverneurs ausschlug -- wird heute von ihrem Gatten so ausgelegt, daß General Mason-Mac-Farlane eben auch nur einen Verdacht gehabt habe, aber keine Kenntnis, denn, so argumentiert Herr Lesniowski: sonst würde dieser alte ehrenhafte Schottengeneral verboten haben, dieses Flugzeug zu besteigen.
Ich zitiere diese Bemerkung, weil sie verdeutlicht, wie sehr die Polen in London den menschlichen Selbstschutz kultivieren. Auch der so ehrenhafte Historiker General Kukiel, der zur Tatzeit Sikorskis Kriegsminister war, beginnt mit der moralischen Wertung der Fakten schon vor der Sammlung der Fakten: Der sicherste Weg, alles das auszuschließen, was nicht sein kann, wie es nicht sein darf. Als ich dem heute 82jährigen Herrn nach langen Gesprächen die noch höchst vorsichtige Frage stellte, denn wir unterhielten uns im Sikorski-Institut und das -- und nicht nur das -- lebt von einer Gnadenrente der Downing Street: "Exzellenz ... spricht das nicht alles dafür, daß es die Briten getan haben", da war die Antwort: "Ja -- aber die waren es nicht, denn das entspricht nicht britischen Usancen."
Nun könnte gewiß nur ein Narr behaupten, Meuchelmord sei eine britische Usance. Ob er aber nicht eine Usance jeder Macht in der Not ist?
Um auf die Warnung des Gouverneurs von Gibraltar zurückzukommen, der übrigens dem General Kukiel und anderen alsbald versichert hat: "Die Russen können es nicht getan haben" -- so sagte der zu Sikorski gewiß nicht: Wenn Sie da einsteigen, dann werden Sie kaltgemacht. Merkwürdigerweise habe ich bei keinem der Londoner Polen, die von den Warnungen MacFarlanes berichteten, im geringsten ein Verständnis dafür gefunden, wes dieser Gouverneur mit einem auch nur vorsichtigen Hinweis riskiert hat: MacFarlane kleidete ihn zunächst in einen Stoßseufzer, der so irreal war, daß der Pole aufmerksam werden mußte. Der Brite wies auf die Maschine des russischen Botschafters Maiski, die mehrere Stunden neben Sikorskis Maschine auf Gibraltar parkte: "Könnten Sie doch in Maiskis Maschine einsteigen." Wie konnte der Schotte etwas derart Verrücktes sagen, da Polen und Russen nicht einmal mehr Beziehungen unterhielten.
Später wurde MacFarlane deutlicher -- nachdem offensichtlich sein Versuch, ohne allzu deutliche Warnung auszukommen, nichts gefruchtet hatte. Dieser Versuch bestand in einem Bankett, das er mit Dudelsackmusik und vielen Getränken den Polen bis nachts um elf gegeben hatte, wahrscheinlich in der Hoffnung, daß Sikorski dann wie am Vorabend dieses Banketts bereit sein würde, noch einen weiteren Ruhetag einzulegen. Was hätte dies geändert?
Es hätte bedeutet, daß eine unheimliche Begleitung -- britische Geheimdienstfachleute Middle-East, die in Kairo den Polen gebeten hatten, er möge sie rasch mit nach London nehmen -- in einer anderen Maschine weitergeflogen wären, anstatt auch in Gibraltar wieder in Sikorskis Maschine zu steigen.
Sikorski sollte, in Gibraltar am Spätnachmittag des 3. Juli aus Kairo zurück erwartet, noch in der gleichen Nacht nach London weiterfliegen -- nach mehreren Stunden Ruhe und Wartung der Maschine. Aber der General war von den Strapazen seiner Inspektion des Nahen Ostens nicht weniger erschöpft als der Wallenstein, der sich in Eger zu Bett begab -- auch kaum weniger beunruhigt: Noch auf dem Flug von Kairo, sagte die Tochter am nächsten Tag, hätten sie wieder Angst gehabt.
Sikorski fühlte sich derart erschöpft unterwegs von Kairo nach Gibraltar, daß er per Funk den Gouverneur, mit dem er befreundet war, seit MacFarlane als britischer Militär-Attachö in Moskau polnische Soldaten aus russischen Kerkern befreit hatte -- daß er ihn per Funk bat, doch in Gibraltar 24 Stunden länger als vorgesehen bleiben zu dürfen, um sich zu erholen.
Diese Bitte brachte den Gouverneur in Verlegenheit, denn ihm war aus London mitgeteilt worden, Botschafter Maiski treffe mit einer Vip-Maschine, wie sie auch Sikorski flog, in Gibraltar ein (auf seiner Rückreise nach Moskau, wohin Stalin ihn abberufen hatte). Und keinesfalls dürfe der Russe mit dem Polen zusammentreffen. So mußte MacFarlane in London rückfragen, der Aufenthalt Sikorskis wurde genehmigt, und es wurde arrangiert, daß nicht der Russe zur Übernachtung in den Palast gebeten wurde, sondern die Polen.
Nunmehr verließ der Russe London erst so spät in der Nacht, daß er im frühen Tagesgrauen des 4. Juli in Gibraltar ankam, dort nur wenige Stunden blieb und nach einem Frühstück, das ihm der Gouverneur im Palast gab, weiterflog -- während die Polen ausdrücklich gebeten wurden, keinesfalls ihre Zimmer zu verlassen, ehe der Russe verschwunden sei. Was man amüsant fand. (Immerhin war damit erreicht, daß zwar nicht wie vorgesehen am Abend des 3. Juli, wohl aber noch im Morgengrauen des 4. die Maschine des Russen einige Stunden deutlich sichtbar neben der des Polen geparkt war: So daß die Nachwelt, wie jetzt immer in London, wenn von Sikorskis Tod gesprochen wird, Anlaß hat, von der Frage bewegt zu sein, ob nicht vielleicht die Russen an der Maschine des Polen sich vergriffen hätten ...)
Nun geschah etwas Bemerkenswertes: Britische Geheimdienstleute, die um Mitnahme in Sikorskis ohnehin gut besetztem Flugzeug gebeten hatten, angeblich, weil sie so schnell aus Kairo nach London kommen sollten, waren nun gar nicht mehr in Eile. Sie hatten Zeit, ebenfalls wie der Pole volle 24 Stunden Ruhe einzulegen. Das ist merkwürdig. Denn nur wenige Tage später sollte unmittelbar vor dem Aufgabenbereich dieser Geheimdienstler die bis dahin größte Landeoperation der Weltgeschichte, die Invasion Siziliens mit 2590 Schiffen einsetzen, weshalb man ja auch, wie es dann 24 Stunden später hieß, keine Taucher in Gibraltar zur Verfügung hatte, die sofort nach dem Absturz hätten versuchen können, Sikorskis Maschine, die nur wenige Meter vom Ufer in nur acht Meter Tiefe lag, zu bergen: Die Taucherequipe war abkommandiert worden zur Vorbereitung der Sizilien-Operation. Die war übrigens mit kompliziertesten Sicherheitsvorkehrungen umgeben. Doch diese Fachleute -- und die Polen sagten, es seien die führenden Leute des britischen Geheimdienstes in diesem Gebiet, die um Mitnahme nach London gebeten hatten -- mußten nicht nur ausgerechnet in diesen Tagen ihr Aufgabengebiet verlassen, sondern sie hatten ganz plötzlich, dh Sikorski einen Ruhetag einlegen wollte, auch Zeit genug, sich in Gibraltar zu sonnen.
Ob General Sikorski diese Geheimdienstler-Gesellschaft im Heck seines Liberators, direkt über dem Ausstieg des diesmal nicht mitfliegenden Heckschützen, als sehr angenehm empfand, darüber ist nichts bekannt -- vielleicht wollte er sie loswerden und legte deshalb so plötzlich den Ruhetag ein, aber vergebens. Merkwürdig bleibt, daß die Aussage der Tochter, noch auf dem Weg nach Gibraltar Angst gehabt zu haben, nicht dafür spricht, daß die Fachleute des Geheimdienstes beruhigend auf die Polen gewirkt hätten -- wie das doch eigentlich sein sollte.
Sikorski forderte dann im Lauf des 4. Juli in Gibraltar den Grafen Lubienski, seinen polnischen Missionsoffizier, und einen soeben aus Warschau eingetroffenen Partisanen-Kurieroffizier auf, mit ihm nach London zu fliegen. Für den Kurier war gerade noch Platz, für Lubienski nicht, denn die Briten im Heck räumten durchaus ihre Plätze nicht, um in eine der Maschinen umzusteigen, die nach London gingen, sondern sie blieben dabei, mit dem polnischen Ministerpräsidenten zu fliegen, obwohl dieser Wunsch sie 24 Stunden Zeit kostete.
Wenn nun der Gouverneur von Gibraltar, MacFarlane, am Ende des Banketts nachts gegen elf am 4. Juli den Polen bat, doch nicht diese Maschine zu nehmen, so hatte er vermutlich den sehr richtigen Gedanken, daß diese Geheimdienstleute nicht noch einen weiteren Ruhetag in Gibraltar mit den Polen verweilen konnten. Daß sie dann vorausfliegen müßten. Aber welcher General darf zeigen, daß er Angst hat! Und Sikorski hatte zudem von Churchill ein Telegramm bekommen, er werde in London erwartet. MacFarlane war besonders erschüttert, daß auch sein Versuch mißglückte, wenigstens Sikorskis Tochter zum Bleiben zu bewegen.
Sicherlich war die Warnung MacFarlanes -- ohnehin lebensgefährlich für den Gouverneur -- etwas zu verschlüsselt: Jedenfalls war der ein gebrochener, weinender Mann, als er der Witwe Sikorskis dann berichtete, er habe keine Schuld, er habe Sikorski gebeten, nicht mit dieser Maschine zu fliegen. Daß Madame Sikorski und andere Polen sagten, sie hätten in dem Vierteljahrhundert -- so lange leben sie jetzt in England -- niemals einen Briten gesehen, der so um seine Contenance gebracht war wie dieser tief beschämte, betagte General: Das läßt die Vermutung zu, daß MacFarlane sich Vorwürfe gemacht hat, nicht deutlicher geworden zu sein.
Vielleicht hat er auch deshalb in einem Bericht, den Irving unter wahrhaft abenteuerlichen Voraussetzungen im Stall des schottischen Gutshauses MacFarlanes fand, nicht zu gestehen gewagt, daß er Sikorski warnte -- aber eben nicht deutlich genug. Doch hat neulich ein ehemaliger Offizier, Brite, erhärtet, daß MacFarlane tatsächlich der Witwe Sikorskis die Wahrheit sagte, als er sie wissen ließ, er habe versucht, den Polen zum Verzicht auf diese Maschine zu bewegen.
Die Herren des Geheimdienstes legten übrigens bei ihrer Landung in Sikorskis Maschine eine ungewöhnliche Scheu, gesehen zu werden, an den Tag: Sie stiegen nicht mit aus, obwohl nur die oberste britische Prominenz, der Gouverneur, der Chef der Luftwaffe und der Marine und der polnische Missionsoffizier Graf Lubienski die Maschine aus Kairo auf dem Rollfeld erwarteten. Die Geheimdienstler wurden erwartet vom Chef ihrer Branche in Gibraltar -- aber sie ließen sich durchaus nicht blicken, bevor die Polen und sogar deren Gepäck ausgeladen und abgefahren worden waren; erst dann stiegen sie in das Geheimdienstauto und fuhren davon.
Am nächsten Abend war es ebenso: Niemand sollte sie sehen, sie hatten in Sikorskis Maschine ihre Heckplätze -- über dem Ausstieg des Heckschützen -- schon wieder eingenommen, ehe Sikorski und seine Suite auf dem Rollfeld eintrafen, wieder nur mit den Herren, die sie am Vorabend empfangen hatten.
Auch der Co-Pilot zeigte sich nicht, überhaupt niemand von der Besatzung ist gesehen worden beim Einstieg in die Maschine -- und der Co-Pilot, eigens in Gibraltar hinzugekommen, ein anderer als jener, der von Kairo mitflog, der soll dann ja auch den falschen Hebel gezogen haben, kurzum: den Absturz verschuldet.
Daran kann niemand zweifeln, denn Prchal hat es selbst gesagt, der glänzende tschechische Pilot, der auch gesagt hat, er sei der einzige, der lebend aus der Maschine kam -- aber das weiß er vielleicht nicht so genau, weil er sich überhaupt ein bißchen irrte.
Allerdings nur in nebensächlichen Details, zum Beispiel, was die Schwimmweste betrifft: Er hatte keine an, sagt er -- dabei hatten nur die Leichen keine an. Er aber doch, allerdings nicht, bevor er in die Maschine stieg. Da hatte er so wenig eine an wie alle anderen. Sie anzuziehen, hatte er dann reichlich Zeit, ganz hinten auf der nachtschwarzen Piste, und er hatte sie ja auch gut verschnürt, das muß man ihm lassen ... Die Polen hatte er nicht beunruhigt durch die Aufforderung, ihre Schwimmwesten anzuziehen. Die saßen aber auch nicht wie er in der Kanzel und wurden deshalb nicht "herausgeschleudert". Wo die saßen, da waren nicht einmal Fenster. Nur der Tscheche also stand salutierend, wie es sich gehört, vor der Maschine, als Sikorski vorfuhr im Wagen des Gouverneurs. Die Geheimdienstier dagegen, und übrigens auch der Co-Pilot, benahmen sich versteckter als in Feindesland. Was mag sie veranlaßt haben, im britischen Gibraltar nicht einmal dem Gouverneur begegnen zu wollen?
Dieser Liberator, mit dem Sikorski flog, hatte hinter der Pilotenkanzel drei abgeteilte Räume: der erste, große für die Passagiere; dahinter, über den Bombenschächten, eine Sonderkabine nur für Sikorski, den Generalstabschef und einen dritten Prominenten, heute ein britischer Offizier, der in allerletzter Minute sich gar nicht hatte zurückhalten lassen, schnell mit nach London zu fliegen. Und hinter dieser Sonderkabine, die wie gesagt getrennt war von der Mehrzahl der Passagiere -- da war Gepäck, Post und zufällig heute eben noch die Herren des Geheimdienstes, deren Leichen leider niemals gefunden werden konnten. Vielleicht weil sie heute noch leben. Denn ihre berufsmäßige Scheu, sich zu zeigen -- wir haben gehört davon -, die hält vielleicht noch heute an.
Sonnenuntergang war am Todestag Sikorskis um 21 Uhr 57. Die Nacht war mondlos. Als die Maschine davonrollte, war sie für den Gouverneur und seine Begleiter schon absolut unsichtbar, bevor sie das äußerste Ende der Piste ei reicht hatte, wo sie lange hielt, sehr lange, auffallend lange. Denn Prchal war ein höchst zuverlässiger Pilot. So daß er dort, wo er auch die Schwimmweste verschnürt haben muß -- in der Luft war er ja nur wenige Sekunden, dann fiel die Maschine aufs Wasser -, immer wieder die Motoren ausprobierte.
Endlich -- endlich brauste die startende Maschine aus der großen Entfernung am Ende der Piste wieder heran und vorbei am Gouverneur und seiner Suite. "Glänzender Start". sagte der Luftwaffenchef zu dem neben ihm stehenden Piloten; die Herren wandten sich ihrem Wagen zu -- bevor sie den aber bestiegen hatten, war die Maschine herabgestürzt, so laut, so nahe, daß die in die Nacht auf sie zurennenden Herren in der Schwärze nicht gleich ausmachen konnten, ob sie noch auf Land, ob sie schon auf Wasser gefallen war.
Am anderen Morgen fand sich dort, wo die Maschine in der Finsternis so lange bei laufenden Motoren verweilt hatte am Rande der Piste, ein Postsack, der aus ihr herausgefallen war. Welche Tür war dort aufgegangen? Die des Heckschützen? -- Aber es war ja keiner an Bord. Dort saßen ja -- sofern sie nicht vielleicht noch mit General Sikorski und den zwei anderen in der Generalskabine beschäftigt waren -- die Herren des Geheimdienstes. Ob die nun vielleicht, unmittelbar bevor der Bomber losbrauste zum Start, auch herausgepurzelt sind wie der Postsack: wer könnte da etwas gesehen haben?
Auch für den Kontrolloffizier war die Nacht zu dunkel. Trotzdem: In dessen Logbuch -- bis vor kurzem waren alle Logbücher des Jahres 1943 erhalten -- wurde ausgerechnet jene Seite herausgerissen, die Eintragungen über die Maschine Sikorskis enthielt. Ein guter Brauch ist das nicht, und der wird auch selten geübt.
In einem Punkt -- wenigstens als er tot war -- hatte Whitehall übrigens auch einmal Glück mit Sikorski: Es gab gar keine Schwierigkeit, seinen Leichnam aufzufinden. Die Leichen der drei Männer, die unmittelbar vor den Herren des Geheimdienstes -- und abgetrennt von den anderen -- in der Generalskabine damit beschäftigt gewesen waren, sich auszuziehen für die Nacht, dort hinten auf der Piste, wo im Dunklen die Maschine so sehr lange hielt, vielleicht nur deshalb, damit die Herren sich ausziehen konnten -- diese drei prominenten Leichen bereiteten gar keine Scherereien mehr, sondern wurden eine Viertelstunde nach der Katastrophe vom ersten ausgelaufenen Schnellboot schon im Hafen abgeliefert.
Das ging wie geplant. Das ging so prompt, als hätten die zwei Taucher des Geheimdienstes, Crabb und Bailey, schon gewartet auf das, was da vom Himmel fiel. (Daß der Liberator ausgerechnet dort auseinanderbrach, wo die Generalskabine war, mag damit zusammenhängen, daß in deren Boden die Bombenschächte saßen -- und daß man in dieser Kabine am Tage noch einiges zu schaffen hatte, weil dem erschöpften Sikorski dort eigens ein anderes Lager, ein Eisenbett, eingebaut wurde. So viel Sorgfalt ist rührend: da war nun der General in dieser Maschine sechs Wochen unterwegs gewesen, und nun -- nur einige Stunden noch, bevor er wieder in England hatte landen sollen -- noch diese Mühe, ihm die Kabine anders einzurichten.)
Aber der Taucher Bailey hat selber gesagt, man habe ihn nicht nur erst am nächsten Tag hinzugezogen, sondern er habe früher als am nächsten Tag von diesem Absturz auch gar nichts erfahren! Ob auch Leutnant Crabb so tief geschlafen hat in dieser Nacht, das ist nicht zu erfahren, so lange er noch, gekidnapped von den Russen, bei denen als Ausbilder arbeiten muß.
Sonst waren die beiden nachts in Gibraltar recht wachsam, denn Bailey sagt, er sei deshalb dort gewesen, um italienische Schwimmer unschädlich zu machen, die nachts die Schiffe der Alliierten zu beschädigen drohten.
Noch weniger erzählen kann leider Mr. Sweet-Escott, der ein Abteilungsleiter in jener Sparte des Geheimdienstes war, die man "Old Firm" nannte. Und die verantwortlich war für die -- wie Sefton Delmer schrieb -- "Organisation von Sabotageakten, Ermordungen und ähnlichen Unternehmungen".
Aber Sweet-Escott war nicht in Gibraltar -- obwohl Irving den Namen von Sweet-Escott auf dem zufällig erhalten gebliebenen Terminkalender des Gouverneurs für morgens 11 Uhr 45 am 4. Juli, dem Unglücks-Sonntag, eingetragen fand. Als Irving ihn deshalb zum Zeugen ausersah, da erhielt er sofort zwei Briefe, in denen das Ehrenwort -- so genau hatte Irving es gar nicht wissen wollen -- gegeben war von zwei ehemaligen Mitarbeitern dieses Herrn. Die Ehrenworte, daß ihr Chef, vor dreiundzwanzig Jahren um 11 Uhr 45 am 4. Juli bei ihnen war -- und folglich der Gouverneur von Gibraltar den Namen Sweet-Escott nur aus Spaß am Kritzeln auf seinem Terminkalender eingetragen haben kann. (Ich könnte meinem Chef nie bescheinigen, so plötzlich, daß er vor 23 Jahren am 4. Juli hier war und folglich nicht dort. Aber das Gedächtnis der Menschen reicht halt verschieden weit.)
Nun, wenn auch weder die Geheimdienst-Taucher Crabb und Bailey dabei helfen konnten, noch einer der Fachleute für Ermordung, Herr Sweet-Escott, überhaupt in Gibraltar war: Sikorski wurde jedenfalls gefunden. und zwar völlig tot und so schnell, daß es keine zwölf Minuten ungewiß blieb, ob seine Leiche zum Staatsakt in Westminster auch verfügbar sei.
Unser Gefühl wird ewig einen Unterschied machen in der moralischen Wertung zwischen -- sagen wir: der Anordnung, Sikorski in einem Bomber zu töten, dann die Maschine aufs Wasser zu werfen und der Redigierung etwa der Emser Depesche, wenige Bleistiftstriche, mit denen Bismarck endlich den Franzosen den gewünschten Krieg ermöglichte. Aber urteilt hier unser Gefühl nicht -- gefühlig?
Wenn man die Beseitigung Sikorskis für nötig hielt zur Rettung der großen Koalition, mußte oder durfte man dann einen anderen Maßstab gelten lassen als die Menge des vergossenen oder geretteten Menschenblutes? In Sikorskis Liberator kamen nicht mehr Menschen um als in jeder Nacht in nur zwei abgeschossenen britischen Bombern -- während vielleicht die redigierte Depesche von Ems (es war keine Fälschung) den Krieg von 70/71 überhaupt entfesselt hat. Daß sie ihn nur deshalb entfesseln konnte, weil Napoleons Grammont ihn sehnlichst herbeiwünschte, das ist eine andere Sache ...
Churchill schrieb einmal, er habe sich bei Stalin nie gefürchtet, denn ermordet zu werden, davor brauche vernünftigerweise nur Angst zu haben, wer als Politiker eben durch seinen Tod einem anderen Vorteil bringe. Es war seine Pflicht als Steuermann Großbritanniens, dem Waffenbruder im Kreml -- auf den er nicht hätte verzichten können, ohne wahrscheinlich den Krieg zu verlieren -- zu beweisen, daß dessen Gegner auch der seine sei. Es war dies das allerwenigste, das Churchill dem Kreml beweisen konnte in den furchtbaren Krisen der Jahre 1942/43, da Churchill wie Roosevelt noch zu ohnmächtig waren, um den Russen durch Errichtung einer entscheidenden Zweiten Front ihre unbedingte Opferbereitschaft und Bündnistreue zu beweisen. Daß er nicht heimlich, wie er nach Sikorskis Tod einmal diktierte, Polen aufspare "Zur Verteidigung polnischer Rechte gegen die Russen".
Churchill hat vor dem Zweiten Weltkrieg in meisterlichen Porträts, die er über bedeutende Politiker schrieb, nie verhehlt, daß der Staatsmann ersten Ranges -- und mindestens als Krieger war im kriegerischen 20. Jahrhundert Churchill der Größte -- vor der Salus Publica das eigene Seelenheil als durchaus sekundär zurückzustellen habe.
Auch daß der Staatsmann mit seinen weißen Kragen und Papieren seine Geschäfte nicht nur im Tageslicht abwickeln kann, sondern mindestens während der bedrohlichsten Krisen der Unterstützung aus der Kanalratten-Sphäre durch eine wie immer benannte "Old Firm" bedarf: Churchill selber hat das anläßlich des Ersten Weltkriegs exakt beschrieben, bei Betrachtung des britischen Geheimdienstes, der "tüchtiger war und größere Triumphe erzielte als der aller anderen Länder, der feindlichen, der verbündeten und der neutralen".
Da Churchill ab 10. Mai 1940 in seiner Eigenschaft als Verteidigungs- und Premierminister selber auch der Letztverantwortliche für die Maßnahmen des Geheimdienstes wurde, so erzählt er über dessen Tätigkeit im Zweiten Weltkrieg überhaupt nichts in seinen sechs gewaltigen Bänden. Churchilis Arzt, der selber auf fast neunhundert Seiten seiner Gespräche mit dem Premier kein einziges Mal Sikorski erwähnt, wohl aber dessen Nachfolger und überhaupt ausführlich die Polentragödie, erzählt einmal, daß etwa Feldmarschall Sir Alan Brooke fast niemals mehr von dem PM erwähnt wurde -- unangenehme Erinnerungen an unangenehme Streitereien im Krieg veranlaßten Churchill, diesen ranghöchsten Soldaten Großbritanniens einfach auszulassen in seinen Nachkriegsgesprächen.
So strich "dies Genie, das wie ein Elefantenbulle alles niedertrampelte, was ihm in den Weg trat", selbstverständlich auch den, der ihm wie kein anderer im Lager der Alliierten in den Weg getreten war: Sikorskis Name wurde ausgetilgt in der Ausgabe letzter Hand der Churchillschen Chronik des Zweiten Weltkriegs wie die anderthalb Zeilen über Dresden, die der sonst so unersättliche Epiker wenigstens in der ersten Fassung seiner Geschichte dem bisher unmäßigsten Städtebombardement der Geschichte noch gewidmet hatte. Mehr noch als geniale Zeichner erreichten zuweilen die Historiker ihre schlagendsten Effekte durch Weglassen.
Denn Churchills königlicher Stolz verwehrte ihm zu heucheln. Er log nicht, er schwieg -- schwieg sowohl über seine Auseinandersetzungen mit dem Polen wie über dessen Tod. Nie würde er sich erniedrigt haben zu sagen -- selbst frontal darauf angesprochen -, Sikorski sei durch Motorenschaden oder durch Deutsche umgekommen. Sikorski war tot -- Punkt.
Er sprach den Polen sein Mitgefühl aus und das war tief, ja ihn aufwühlend. Rührend zu beobachten, wie der alte General Ismay, vielleicht neben Bracken und Cherwell der intimste Mitarbeiter und Freund in und nach dem Krieg, seine Memoiren dazu benutzt, dem Leser deutlich zu machen, daß es gefährlich war, in Gibraltar zu starten -- so umständlich wie nichts
* Mit Ehefrau und Außenminister Eden (l.) in der Westminster-Kathedrale.
anderes erzählt er in seinen sonst nicht breiten Memoiren, wie ein dort gestartetes Flugzeug abstürzte. Aber selbst er, dem wir auch die Mitteilung verdanken, daß Churchill persönlich um buchstäblich jede Geheimdienstaktion gefragt werden mußte -- selbst dieser Freund treibt seine Freundschaft nicht bis zu dem Punkt, etwa Sikorskis Tod irgendwem anzulasten, sei es auch nur einem defekten Motor.
Auch er schweigt in allen seinen Memoiren, Biographien, Tagebüchern. Sikorski ist entweder niemals auf dieser Welt gewesen oder scheint heute noch zu leben -- über seinen Tod in Gibraltar findet sich nirgendwo in den Aufzeichnungen der Prominenz irgendeine Erwähnung oder gar Erklärung. Nur Brooke spricht über den Staatsakt in Westminster und daß Churchill anschließend zu ihm gesagt habe: "Fliegen Sie nicht so häufig herum." Aber Brooke war vollständig ahnungslos -- anders ist nicht zu erklären, warum er als Kommentar nach dem Kriege einige Zeilen anfügt, die der erste beste Brief Stalins über Sikorski ihm hätte widerlegen können: "Sikorski... hatte einen wertvollen Kontakt zu Stalin gefunden ..." Erstaunlich, daß Bryant, der Herausgeber, Historiker von Beruf, der Brookes Aufzeichnungen kürzte, für den Druck, ausgerechnet diese Fußnote stehen ließ ...
Whitehall schweigt -- weil der Stolz allen jenen, die wissen, und die voneinander wissen, daß sie wissen, verbietet, zu lügen in ihren Lebenschroniken. Das Schweigen wird noch mindestens fünfzig Jahre anhalten. Noch Ranke, bekanntlich, war der Ansicht, Kaiser Ferdinand habe die Ermordung seines Herzogs von Friedland nur nachträglich gebilligt, um die darin verwickelten Offiziere zu decken -- nicht aber angeordnet. Und das würde die Weit nicht nur zweihundert Jahre lang geglaubt haben, sondern noch heute -- hätte sich nicht durch Zufall der zufällige Vertrauensbruch des kaiserlichen Beichtvaters Lamormaini aufgefunden, der seinem Ordensgeneral verraten hatte -- zweifellos nach Erhalt des dann gebrochenen Versprechens absoluter Diskretion -, daß der Kaiser selber die Ermordung Wallensteins befohlen hatte für den selbstverständlich von Wien vorauskalkulierten Fall, daß die Gefangennahme des Friedländers unmöglich sein werde.
Winston Churchill selber wußte, daß kein Mensch das Recht hat, um der Geschichtsschreibung willen einen Menschen preiszugeben, der Informationen zur Wahrheitsfindung geliefert hat. Er selber deckte selbstverständlich jene, die ihm einmal geholfen hatten. Schließen wir mit seiner Erläuterung dafür, warum er nach seiner Flucht aus burischer Gefangenschaft seinen Bericht nur lückenhaft erzählen konnte: "Diese Zeilen schrieb ich vor vielen Jahren unter dem frischen Eindruck der Begebenheiten. Damals durfte ich nicht mehr sagen. Denn damit hätte ich die Freiheit und vielleicht sogar das Leben derer, die mir geholfen haben, in Gefahr gebracht."

DER SPIEGEL 42/1967
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