13.11.1967

H-Bombe vermisst ...

1. Fortsetzung
Die Fahndungsaktion läuft an Die Nachricht traf wenige Sekunden nach dem Unglück ein.
Sie erreichte den Funkturm in Morón und wurde sofort zum Befehlsstand des Stützpunktes weitergeleitet.
Der Führungsbomber aus Seymour Johnson, der zusammen mit der Unglücksmaschine Tea-16 den Einsatz flog, aber immer einige Kilometer voraus war, hatte sich zugleich mit seinem Gefährten aufs Auftanken vorbereitet.
Während des Auftankmanövers hatte der Mann am Ausleger des Tankflugzeugs einen Blitz bemerkt. Er wandte den Kopf in die Richtung und erkannte eine torkelnde, rauchspeiende B-52. Die Feuerkugel und den anderen Tanker sah er nicht, da das Blickfeld seines Heckfensters zu eng war. Er machte über den Bordfunk dem Piloten Meldung.
Der Pilot rief den Funkturm von Morón. "Hier spricht Troubadour 10. Mann am Ausleger meldet Blitz am Himmel, mögliche Explosion einer oder beider folgenden Maschinen."
Das war am Montag, dem 17. Januar, um 10.22 Uhr. Der Funkturm versuchte Tea-16 und Troubadour 14 zu erreichen, den Bomber und den Tan-
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ker, die einander treffen sollten. Keiner von beiden antwortete auf irgendeiner Frequenz.
Morón funkte die Meldung an den Stützpunkt von Torrejón. Der versuchte ebenfalls vergebens, die verunglückten Maschinen zu erreichen. Dann funkte das Hauptquartier der 16. Luftflotte in Torrejón eine Blitzmeldung zum Hauptquartier des Strategischen Luftkommandos (SAC) in Omaha: Offenbar sei es in der Auftankzone "Saddle Rock" zu einer Kollision zwischen einer B-52 und einer KC-135 gekommen. Nähere Einzelheiten lägen noch nicht vor. Omaha gab "die Meldung fast augenblicklich an das Pentagon in Washington weiter.
Als die Nachricht in der Nationalen Militärkommandozentrale, dem geheimsten Raum Amerikas, eintraf, war es in Washington 5.35 Uhr vormittags.
Die Kommandozentrale kontrolliert die gesamte amerikanische Militärmacht, die Hubschrauber über dem vietnamesischen Dschungel, die unter der Meeresoberfläche lauernden Polaris-Unterseeboote, die in verlassenen Ebenen verborgenen Raketen. Aus diesem Raum tief im Pentagon kommen die entscheidenden Befehle, die amerikanische Männer und Maschinen aussenden.
Oberst Charles Burtyk von der Informationsabteilung des Verteidigungsministeriums amtierte an jenem Montag in der Kommandozentrale als Offizier vom Dienst. Als er den Bericht des SAC erhielt, weckte er telephonisch seinen Vorgesetzten, den Brigadegeneral David I. Liebman.
"Wir haben einen Broken Arrow, Sir", sagte Burtyk. "Ich bin sofort da", antwortete Liebman.
"Broken Arrow" war das Kodewort für einen atomaren Zwischenfall. Die geheimen Dienstanweisungen erklärten ausführlich, was zu tun und wer sofort nach Eingang der Broken-Arrow-Meldung zu informieren sei. Die Maschinerie begann an einem Dutzend Stellen zu arbeiten.
Beim SAC-Oberkommando in Omaha drei Stockwerke unter der Erde ging die Meldung des 16. Luftflottenhauptquartiers aus Torrejón, das für SAC-Operationen in Europa verantwortlich war, um 3.35 Uhr Ortszeit ein.
Lichter leuchteten auf und erloschen an der langen Reihe der Kontrolltafeln, als die Meldung registriert, bestätigt und weitergeleitet wurde. Die Leuchttafel mit der Aufschrift "Gefahrenmoment" zeigte den Wert 000.
Doch Oberst Thomas J. Sims, der dienstälteste Kontrolloffizier des Oberkommandos, zögerte nicht, den SAC-Stabschef' Generalmajor Charles M. Eisenhart, zu wecken. Der ihm zugeteilte Feldwebel und ein weiterer Oberst mit dessen Feldwebel standen neben ihm, um zuzuhören, als er den Hörer abhob.
Es war ihre Aufgabe, jedes über die Nachrichtenverbindung des SAC gesprochene Wort zu kontrollieren. Alle vier waren bewaffnet: Sie hatten den Befehl, jeden Menschen niederzuschießen, der versuchen sollte, falsche Befehle, unerlaubte oder unrichtige Informationen auszugeben.
Das gehörte zur SAC-Konzeption "zwei oder mehr Leute", jener Vorsichtsmaßregel, die von der Einsicht ausgeht, daß selbst bei sorgfältigster Überwachung Menschen wie Maschinen ohne Warnung explodieren können. Deshalb hielt sich neben jedem Oberst ständig ein Feldwebel auf, der befugt war, im Notfall seinen Vorgesetzten zu erschießen.
General Eisenhart wies den Kommandeur der 16. Luftflotte an, sofort den Schauplatz der Kollision auf zusuchen. Dann alarmierte er den Chef der SAC-Unfall-Kontrollbereitschaft, Generalmajor A. J. Beck. Um 4.13 Uhr wurden alle Angehörigen dieser Bereitschaft geweckt; sie erhielten die Order, sich um fünf Uhr am Flugplatz zum Abflug nach Spanien bereit zu halten.
Knapp anderthalb Stunden später waren sie in der Luft: Siebzehn Männer, Fachleute für Nachrichtenwesen, Kernwaffen, Medizin, Strahlungskontrolle, Information und Sicherheit, begleiteten Generalmajor Beck. Sogleich nach dem Start begann man, die immer zahlreicher eingehenden Berichte zu erörtern.
Als die Experten Omaha verließen, wußten sie, daß zwei Maschinen zerstört waren, daß die verlorene B-52 vier H-Bomben von je einer Megatonne Sprengkraft an Bord gehabt hatte, daß die andere B-52 sicher aufgetankt worden war und in Erfüllung ihres Auftrags nach North Carolina zurückkehrte, daß der zweite Tanker zurückgeflogen war, um die Unfallstelle zu inspizieren, und er die genaue geographische Lage durchgegeben hatte.
Doch sonst wußten sie kaum etwas. Das Schicksal der "Waffen". wie die SAC-Leute ihre Bomben in empfindsamer Umschreibung des brutalen Worts nennen, das Geschick der Besatzungen, die atomaren Komplikationen des Unfalls -- das blieben offene Fragen.
Die Atom-Sicherheitsbehörde der Air Force am Luftstützpunkt Kirtland bei Albuquerque im US-Staat New Mexico gab die Meldung an die kleine, aber straffe Organisation weiter, die als Amerikas Atomfeuerwehr wirkt: die Gemeinsame Verbindungszentrale für atomare Unfälle JNACC (Joint Nuclear Accident Coordinating Center) oder Janac, wie ihre Mitglieder sie nennen.
Sprengt ein Reaktor sein Gebäude in die Luft, hat ein Strahlungslabor einen Unfall. fängt ein Atomwaffendepot Feuer, entgleist ein Zug mit Uranblöcken auf der Fahrt zu einer Kernwaffenfabrik, stürzt eine beladene B-52 mit ihrer Fracht" ab: in jedem Fall ist die Janac bereit, bei den Notmaßnahmen Hilfe zu leisten.
Die Organisation ist gleichermaßen der Atomenergiekommission (AEC) wie dem Verteidigungsministerium verantwortlich, und obwohl man sie in der breiten Öffentlichkeit kaum kennt, stehen ihre Telephon-Nummern im ganzen Land bei allen möglichen Behörden auf den Notrufverzeichnissen.
Die Janac arbeitet von zwei kleinen unauffälligen Büros in Albuquerque aus. An metallenen Karten der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt zeigen magnetische Aufstecker den Standort der Atom-Notbereitschaften an, und eine Kartei gibt in allen Einzelheiten Auskunft über die augenblickliche Anzahl und den Aufenthaltsort sämtlicher Hilfsmittel, die bei einem atomaren Unglücksfall eingesetzt werden müssen.
Der eine Raum ist mit Leuten der Atomenergiekommission besetzt, der andere von einem Einsatzkommando des Pentagon-Amtes für Atomfragen, DASA. Bis vor kurzem behielt das Einsatzkommando mit Hilfe eines 1401-IBM-Computers den Standort jeder Kernwaffe aus dem amerikanischen Arsenal im Auge: von den in Deutschland für taktischen Einsatz bereitstehenden Davy Crocketts bis zu den Interkontinentalraketen Minutemen.
Das Arsenal war jedoch so angeschwollen und die Bewegung der Waffen von einem Ort zum anderen so unübersichtlich geworden, daß man es den betreffenden regionalen Kommandos überlassen mußte, ständig die außerhalb Amerikas gelagerten oder Iransportierten Waffen zu überwachen.
Doch die Hauptkartei stand in Albuquerque. Sie enthielt die Seriennummer jeder in den USA hergestellten atomaren Granate, jeder Bombe, jeder Rakete, dazu eine genaue Beschreibung; ein weiteres Register führte die Serien-Nummern der einzelnen Bauelemente sämtlicher Waffen.
Mit Hilfe dieses Archivs ließ sich die Geschichte eines amerikanischen Atomsprengkopfs und seines Trägers von der Planung über die Herstellung bis zum Transport an den Bestimmungsort rekonstruieren. Etwas Atomares kann vermißt oder -verloren werden. Nichts Atomares wird jemals vergessen.
Soweit bekannt, hat bisher keine der Atommächte eine Kernspaltung oder eine Kernfusion verzeichnet, die nicht absichtlich ausgelöst worden wäre. Das Handbuch der Atomenergiekommission ("Die Wirkungen von Kernwaffen") stellt jedoch aufrichtig fest: Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bestehe "stets die Möglichkeit, daß durch unglückliche Umstände eine Explosion versehentlich stattfindet". Es kann keine unbedingte und unbegrenzte Garantie geben, solange Kernwaffen existieren.
Wenn auch die quälende Möglichkeit einer unbeabsichtigten Explosion noch nie Wirklichkeit geworden ist, so haben sich doch schon eine Reihe anderer Kernwaffen-Unfälle ereignet. Vor dem Broken Arrow über Palomares waren elf Fälle bekanntgeworden. Gegeben hatte es einige mehr.
Senator Clinton Anderson, ein Mitglied des Kongreßausschusses für Atomenergie, berichtete bereits im März 1958 dem Senat, bis dahin seien drei Unfälle öffentlich erwähnt worden, doch "es hat sehr wahrscheinlich wenigstens doppelt so viele gegeben".
Zu einem nie öffentlich eingestandenen Zwischenfall war es auf fremdem Territorium gekommen. Eine B-47 mit Atombomben an Bord stürzte 1957 beim Start auf dem US-Stützpunkt Sidi Silmane in Marokko ab und geriet in Brand.
Der konventionelle Sprengstoff in einer Bombe explodierte und versprühte pulverisiertes Plutonium in den Wind. Die radioaktive Verseuchung blieb jedoch auf den Luftstützpunkt beschränkt, so daß keine Außenstehenden in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Trotzdem behandelte man den Unfall mit äußerstem Ernst. Es war ein Unfall der Air Force und somit Sache der Air Force, ihn zu bereinigen, doch sie hatte weder die Fachleute noch die nötige Ausrüstung zur Hand. Die Marine kam zu Hilfe. Die Erfahrung von Sidi Slimane führte zur Einrichtung der Janac.
Man hatte die Lektion nicht zu früh gelernt. Atomare Zwischenfälle ereigneten sich im nächsten Jahr in immer rascherer Folge. Am 8. Februar 1958 kollidierte über den Küstengewässern des US-Staates Georgia eine B-47 mit einem Jagdflugzeug. Der beschädigte Bomber konnte mühsam nach Hause kommen, doch nur dadurch, daß er eine Atombombe ins Wasser warf.
Die Maschine befand sich über der Mündung des Savannah, doch es war Nacht und die Position nicht genau bekannt. Man begann eine Suchaktion und gab sie wieder auf.
Bei einem zweiten Unfall löste sich in einer B-47 die Vorrichtung, die eine Bombe in ihrem Gestell festhielt. Der Schacht öffnete sich, und die Bombe fiel in den Hof hinter dem Haus des 37jährigen Eisenbahnbremsers Walter Gregg aus Mars Bluff in South Carolina.
Der hochexplosive konventionelle Sprengsatz zündete, hinterließ einen Krater von sieben Meter Tiefe und 17 Meter Durchmesser, riß das Sieben-Zimmer-Holzhaus entzwei und beschädigte fünf weitere Häuser und eine Baptistenkirche in der Nähe.
Gregg, der in seiner Garage arbeitete, und seine drei Kinder wurden zu Boden geworfen, aber nicht verletzt. Greggs Frau, die im Wohnzimmer nähte, wurde von einem Metallstück über dem Ohr getroffen. Strahlungsschäden traten nicht auf.
Später sprach ein Bundesgericht in Charleston den Greggs eine Entschädigung von 54 000 Dollar zu, die Air Force verschärfte ihre Sicherheitsbestimmungen, und das Pentagon entschloß sich, Broken-Arrow-Vorfälle in Zukunft rascher und unverblümter bekanntzugeben.
Die neue Informationspolitik zielte auf schnelle und deutliche, aber nicht unbedingt vollständige Aufklärung ab. Das wurde deutlich, als der Stützpunkt Seymour Johnson am 24. Januar 1961 seinen ersten Unfall erlebte. Diesmal geschah es dicht vor der eigenen Tür.
Ein frühes B-52-Modell begann plötzlich in der Luft zu beben und brach auseinander. Eine der vier Bomben ging am Fallschirm nieder. Die drei übrigen fielen frei und barsten beim Aufschlag, ohne zu explodieren. Sie waren auf ein landwirtschaftliches Gebiet bei Musgrave's Crossroads gefallen, 20 Kilometer von dem Ort Goldsboro entfernt.
Zahlreiche Menschen beobachteten den Unfall und sahen die Trümmer. In ihrem Bericht über den Absturz erklärte die Air Force, beide Waffen seien intakt geblieben. Sonderbare Geschichten verbreiteten sich, als die Air Force nach dem Einsammeln und dem Abtransport der aufgefundenen Wrackteile schwere Erdbewegungs- und Baggergeräte an den Unfallort schickte und immer besessener das Moorgebiet durchgrub.
"Völlig unbegründet", meinte ein Sprecher, als Reporter über die Gerüchte sprachen, daß eine Bombe verlorengegangen sei. Aber das Baggern ging Woche um Woche weiter.
Schließlich wurden im März die Arbeiten eingestellt. Mit rotem Kopf gab der Militärsprecher zu, "ein nicht explosiver, nicht gefährlicher Teil" der Bombe sei versunken und nicht auffindbar. So wurde auf eine nicht gerade aufrichtige Weise mitgeteilt, daß ein großer Brocken angereicherten Uranmetalls in der feuchtschweren Erde verschwunden war, auch wenn tatsächlich keine Gefahr einer Explosion oder einer radioaktiven Strahlung bestand.
Am Montag des Palomares-Unfalls hatte Major Burt Auckermann bei der Janac Dienst. Um 4.40 Uhr teilte die Atom-Sicherheitsabteilung der Air Force mit, man werde vier Mann nach Palomares schicken, fünf Minuten später gab Oberst Burtyk aus dem Pentagon weitere Informationen über den Zusammenstoß.
Auckerman rief seine Vorgesetzten an und stellte dann eine Erste-Hilfe-Mannschaft zusammen. Die richtige Zusammensetzung einer Janac-Gruppe war sorgsam durchdacht, und für jede Aufgabe stand stets jemand zur Verfügung: ein Strahlungstechniker, ein Spezialist für den Umgang mit explosiven Stoffen, ein Waffenexperte, ein Arzt oder Medico-Physiker, ein Informationsspezialist und ein Vertreter des SAC-Hauptquartiers.
Auckerman forderte sie auf, Kieldung und Ausrüstung für eine Broken-Arrow-Reise nach Spanien bereitzuhalten. Um 6.35 Uhr Ortszeit hörte er, ein Düsentransporter vom Luftstützpunkt Travis bei San Francisco sei in der Luft umdisponiert worden und auf dem Weg nach Albuquerque, um Passagiere nach Spanien aufzunehmen.
Obgleich keine Hilfsanforderung vorlag, beschloß man, eine Gruppe von Experten der Janac, der Air Force, des Atomforschungszentrums von Los Alamos und der Sandia-Gesellschaft, die für die AEC in Albuquerque Forschungen unternimmt, als Beobachter art den Unfallort zu schicken.
Lange vor ihrem Aufbruch in Albuquerque wußten die Experten genau über die Art der Bomben Bescheid, zu deren Bergung sie unterwegs waren. Die Serien-Nummern der vier Wasserstoffbomben an Bord der verlorenen B-52 wurden um acht Uhr Ortszeit vom Stützpunkt Seymour Johnson durchgegeben. Eine halbe Stunde später waren ihre Karteikarten hervorgeholt und ihre individuellen Beschreibungen und Lebensläufe nach Washington gemeldet.
Nach Washingtoner Zeit war es 7.05 Uhr -- anderthalb Stunden nach dem Unglück -, als der Beamte aus dem Nachrichtenraum des Weißen Hauses den Bericht Ins Schlafzimmer des Präsidenten brachte. Der verzehrte eben sein Frühstück aus Melonen, gehacktem Rindfleisch und heißem Tee. Präsident Johnson las rasch den Text. Er lautete:
eine B-52 und ein KC-135-Tanker kollidierten bei einer Auftankoperation 290 Kilometer von Gibraltar entfernt. Die B-52 Zerschellte auf dem Boden nahe der spanischen Küste, und der Tanker stürzte ins Meer. Vier Überlebende wurden gefunden und drei weitere Rettungsflöße gesichtet. Die B-52 führte vier Wasserstoffbomben mit sich. Die 16. Nuklearunfallmannschaft Wurde in das Gebiet beordert.
Der Präsident griff zum Telephon und ließ sich mit seinem Verteidigungsminister verbinden. "Besteht die Gefahr einer Explosion?" fragte er Robert McNamara.
"Wir bezweifeln es", lautete die Antwort. McNamara erklärte, die Suche nach den Waffen werde beginnen, sobald die Air Force zur Unfallstelle komme.
Johnson: "Tun Sie alles, um sie zu finden."
Der Präsident hängte ein. Das Gespräch hatte keine 50 Sekunden gedauert. Um neun Uhr abends wurde dem Präsidenten eine neue schriftliche Zusammenfassung über den Zwischenfall übergeben. Von da an erhielt er jeden Morgen um sieben Uhr die letzten Nachrichten über Palomares.
Joseph L. Smith, Zweiter Sekretär an der US-Botschaft in Madrid und Verbindungsmann zum Militär -- für alle militärpolitischen Fragen zuständig, von Parkstrafzetteln, die am Wagen eines amerikanischen Obersten steckten, bis zur Vorbereitung der Verhandlungen über die US-Stützpunkte in Spanien -, ging durch den Korridor im fünften Stock zum Büro des Botschafters.
Die Tür stand offen, und er konnte drinnen niemanden sehen. Deshalb steckte er den Kopf in das kleine Zimmer auf der anderen Seite des Empfangssaals, wo Timothy Towell, der persönliche Sekretär des Botschafters, die Füße auf dem überladenen Schreibtisch, die Morgentelegramme überflog.
"Wo ist der Botschafter?" fragte Smith.
"Nicht hier, Joe", sagte Towell. Smith setzte sich. "Ich meine, wir sollten uns sofort mit dem Botschafter in Verbindung setzen", sagte er ruhig. Es war kurz nach halb elf an jenem Montagvormittag. Smith hielt einen Papierstreifen in der Hand, auf dem er sich während des Anrufs aus Torrejón Notizen gemacht hatte. "Zwei Air-Force-Maschinen sind über Südspanien in der Luft zusammengestoßen. Ich meine, er sollte es erfahren. Eine war ein Bomber."
Sekretär Towell hob sein Gesiebt. Smith hatte nichts von H-Bomben gesagt. "Gehört das wirklich zu den Dingen, mit denen wir den Botschafter belästigen müssen?" fragte Towell. "Er hält eine Ansprache. Hat es nicht bis halb eins Zeit?"
Smith bestand darauf, daß der Botschafter informiert werden müsse. "Also, wo ist er?"
Auf Towells Schreibtisch lag das Programm eines Handelskongresses, auf dem der Botschafter gerade eine Rede zu halten hatte. Smith machte sich auf den Weg, während Towell in der Botschaft wartete für den Fall, daß weitere Nachrichten einträfen.
Die Ansprache war zu Ende, als Smith in den Versammlungssaal des amerikanischen Industrieverbands schlüpfte, doch der Botschafter Duke saß noch auf dem Podium. Man brachte Smith in ein Nebenzimmer, wo einige Leute plaudernd herumstanden. Glastüren führten aufs Podium, und er konnte dort die Prominenten sehen.
Er stellte sich unter die Tür und starrte auf den Botschafter in der Hoffnung, beachtet zu werden. Schließlich bemerkte Duke ihn, nahm ein diskretes Nicken wahr und murmelte den Leuten neben sich Entschuldigungen zu. Dann stand er auf und schlich auf Zehenspitzen vom Podium.
Smith gab dem Botschafter die erste Meldung, die er auf ein Hausmittellungsformular der Botschaft getippt hatte. Er fügte hinzu, der Bomber habe Kernwaffen an Bord gehabt, und berichtete weitere Einzelheiten, die seit dem ersten Anruf bekanntgeworden waren.
Sie stiegen die Treppe hinab, schickten den Wagen fort, der Smith gebracht hatte, und fuhren zusammen direkt zum Außenministerium, einem riesigen und prachtvollen alten Palast in der Stadtmitte,
Botschafter Angler Biddle Duke war zum Taktvollsein geboren. Er hätte sein Leben lang ohne Arbeit auskommen können, und doch gab er sich seiner Tätigkeit mit größtem Genuß hin. Groß, elegant, dazu erzogen, auf einem
* Im Hintergrund: Das zerstörte Haus des Eisenbahners Walter Gregg.
Polopony Eindruck zu machen, bei einem Debüt zu bezaubern, im Salon Konversation zu treiben, sich nie mit Papieren abzugeben, außer mit Notizen über Wallstreet-Abschlüsse. So war er 1949 in den diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten eingetreten.
Es war natürlich nicht bloßes Glück, daß er -- 1952 in El Salvador -- Botschafter wurde, und zwar als der jüngste, der in der Geschichte der USA jemals diesen Rang erhielt. Sein Großvater war der Tabak- und Universitäts-Duke gewesen, seine Mutter war Cordelia Drexel Biddle -- beides klangvolle Namen in der amerikanischen Gesellschaft und Wirtschaft.
In der Kennedy-Regierung war Duke Protokollchef gewesen und hatte seine lächelnde Sympathie hundert Botschaftern in Washington zuteil werden lassen, wobei er sich begeistert auf diejenigen konzentrierte, deren Länder zu jung waren, um die Weltkarte mitzubestimmen.
In Spanien, wo er am 1. April 1965 sein Beglaubigungsschreiben überreicht hatte, behandelte er eine schwierige Nation mit dem gleichen Eifer, stets darauf bedacht, hartnäckigen Druck unter dem Schaum diplomatischer Nettigkeiten zu verbergen.
Duke war sich völlig im klaren, wie die Konsequenzen dieses Broken Arrow aussehen konnten. Die Vereinigten Staaten hatten 1953 als Gegenleistung für wirtschaftliche und militärische Unterstützung im Wert von über einer Milliarde Dollar drei Luftstützpunkte erworben.
Die einheimische Opposition gegen Franco war zwar gespalten, verwirrt und noch in der Entwicklung, doch einige Leute waren entschlossen, politische Waffen aus der Anklage zu schmieden, das Franco-Regime habe, um sich an der Macht zu halten, bei einem zynischen Dollargeschäft die Nation leichtfertig atomarem Unheil ausgeliefert.
Die Vereinigten Staaten hatten seit Vertragsabschluß einen Stützpunkt bereits aufgegeben, und durch die Raketentechnik war den beiden anderen viel von ihrer Bedeutung genommen, aber auch jetzt noch mußte man an den Schlüsselstutzpunkt für Polaris-U-Boote bei Rota denken. Der bestehende Vertrag sollte 1968 auslaufen. Beide Seiten hatten bereits mit den subtilen Bemühungen um gute Ausgangspositionen für Erneuerungsgespräche begonnen.
Die Folgen des Unfalls ließen sich nicht vorhersehen, doch es schien klar, daß auf irgendeine Weise die spanischamerikanischen Beziehungen belastet würden. Dukes erster Schritt mußte eine rücksichtsvolle Geste sein, die der spanischen Regierung das Gefühl gab, informiert worden zu sein.
Gefolgt von Smith, schritt der Botschafter durch die Pfeilerhallen in die muffigen Korridore des Außenministeriums. In der Amerika-Abteilung war nur ein Lakai zu finden, der in befriedigter Unkenntnis den Kopf schüttelte. Die Amerikaner eilten zum Büro des Außenministers hinauf.
Auch dessen Empfangszimmer war leer. Ein Telephon auf dem Sekretärinnen-Schreibtisch läutete hartnäckig, doch niemand erschien, um den Hörer abzunehmen. Schließlich fand Smith einen Pförtner, der ihnen erzählte, der Minister sei zu einer Beerdigung gegangen. Smith rasselte eine Liste anderer Beamter herunter. Jedesmal nickte der Pförtner traurig; "Auch auf der Beerdigung."
Endlich kam dem Spanier eine Idee: "Möchten Sie den Vertreter des Protokollchefs sehen?" Er führte die Amerikaner in das offizielle Wartezimmer, einen reichgeschmückten Salon mit
* Als Botschafter in Paris, Mai 1966.
Tapisseriesofas und Blattgoldvasen. Als schließlich der stellvertretende Protokollchef erschien, vergeudete Duke keine Zeit mehr für Formalitäten.
"Wir haben unangenehme Neuigkeiten", sagte er. "Es ist zu einem Zusammenstoß zweier Flugzeuge des Strategischen Luftflottenkommandos über Südspanien gekommen. Ich kenne die Einzelheiten noch nicht, aber ich wollte den Minister verständigen."
Der stellvertretende Chef war der Meinung, daß es sich eindeutig nicht um eine Protokollfrage handle. Und so brachte man die Amerikaner ins Büro des Staatssekretärs. Duke berichtete alles, was er über den Zusammenstoß gehört hatte, und wiederholte deutlich, daß Kernwaffen darin verwickelt seien; bisher wisse niemand, was mit ihnen geschehen sei.
"Vier Kilometer von Cartagena entfernt?" Der Staatssekretär stöhnte. als Duke versuchte, den Ort des Unfalls genau zu bestimmen.
"Nein, nein", versicherte Duke, "etwa vierzig Kilometer von Cartagena entfernt, nicht in der Nähe einer Stadt. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, daß es ein sehr ernstes, bedeutsames Ereignis ist, weit über die Menschenverluste hinaus", sagte Duke. "Ich weiß nicht, wie das Nachspiel aussehen wird, aber wir müssen sofort eine enge Zusammenarbeit in die Wege leiten."
Es war eine diskrete Art, die spanische Regierung zu bitten, sie möge den Vorfall nicht gegen die Vereinigten Staaten ausschlachten, sondern die unvermeidlichen Spannungen soweit wie möglich entschärfen. Pedro Cortina Mauri, der Staatssekretär, griff die angedeutete Anregung auf.
"Werden diese Auftankmanöver über Spanien fortgesetzt?" fragte er. "Ich weiß es nicht."
Cortina versteifte sich nicht auf diesen Punkt. Er schloß das Gespräch mit der ruhigen Äußerung: "Ja, wir werden zusammenarbeiten."
Die Bedeutung war nicht klar. Doch es klang verheißungsvoll. Spanien erhob keinen Protest.
Es war ein Uhr, als der Botschafter und Smith in das große moderne Botschaftsgebäude am Serrane, einer breiten Straße im neueren Teil Madrids, zurückkehrten. Duke berief eine Konferenz seiner wichtigsten Mitarbeiter ein. Vertreter der 16. Luftflotte und der amerikanischen Militärmission JUS-MAG (Joint U.S. Military Advisory Group) waren anwesend.
Sie brachten das "Schwarzbuch" zum Vorschein, einen Loseblatthefter mit alphabetisch aufgeführten geheimen Verhaltensmaßregeln für alle möglichen Schwierigkeiten. Unter A -- für "accidents" (Unfälle) -- waren auf mehreren Seiten die Rangfolge der Verantwortlichkeiten und die ersten Maßnahmen im Fall eines Broken Arrow verzeichnet.
Sogar eine vorgedruckte öffentliche Erklärung war vorhanden, die sofort abgegeben werden konnte. Sie besagte, eine radioaktive Verseuchung geringen Umfangs sei durch den Unfall entstanden, für die Bevölkerung bestehe aber keine Gefahr. Das Formular war hübsch vorbereitet. Es paßte nur nicht recht für die Situation.
Das Militär hatte sich, wie Duke erfuhr, bereits nach Palomares in Bewegung gesetzt. Nach einem Anruf beim amerikanischen Außenministerium entschied er, seine Aufgabe bestehe darin, in Madrid zu bleiben und die Verbindung mit der spanischen Regierung aufrechtzuerhalten. Damit schien im Augenblick alles Nötige getan zu sein.
Die Air Force veröffentlichte die einzige Erklärung am späteren Nachmittag. Sie besagte nur, eine B-52 und eine KC-135 seien über Südspanien zusammengestoßen. Die Namen der Überlebenden und der Opfer würden bekanntgegeben, wenn die Angehörigen verständigt seien. H-Bomben und Luftbereitschaftseinsätze wurden nicht erwähnt.
Es klang nach einer Routineangelegenheit, traurig wie jeder Unfall, aber nicht mehr. Kaum jemand schenkte der Affäre die geringste Aufmerksamkeit. Doch Harry Stathos, der Chef des Madrider Upi-Büros, erinnerte sich sofort an die Aufgabe der B-52.
Er drängte den Sprecher der Air Force zu sagen, ob an Bord des Flugzeugs Atombomben gewesen seien, erhielt aber keine Antwort. In seinen kurzen Bericht über den Zusammenstoß schrieb er, es könnten H-Bomben im Spiel sein, aber das sei nicht offiziell bestätigt.
In den amerikanischen Zeitungen erschien das als Kurzmeldung. Was in Spanien selbst über die Erklärung der Air Force veröffentlicht wurde, bestimmte die spanische Zensur. Und das löste nicht die geringste Aufregung aus.
Auf dem Befehlsstand des Air-Force-Stützpunkts Torrejón war die Unfallmeldung vormittags um 10.23 Uhr eingegangen. Generalmajor Delmar Wilson, Kommandeur der 16. Luftflotte, hörte sich den kurzen Bericht an und schoß mit Fragen zurück: "Was für ein Feuer? Ein Maschinenbrand? Rufen Sie nach Merón zurück, und verschaffen Sie sich Klarheit"
Groß, doch nicht mehr so schlank wie damals als Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg, war Wilson noch immer der tadellose, gelassene Offizier und Herr aus den besseren Militärhandbüchern. "Der Traumgeneral eines Hollywood-Produzenten", sagte ein Wissenschaftler später von ihm, "einer, der ohne Zögern entscheidet und nie die Ohren hängen läßt."
Nachdem er eine genauere Fassung der Unfall-Meldung des Führungstankers erhalten hatte, rief er General Eisenhart in Omaha an. Man beschloß, daß Wilson 50 rasch wie möglich zur Unfallstelle aufbrechen solle. Fünfzehn Minuten später waren etwa 45 Leute im Befehlsstand versammelt: die Angehörigen des Unfallkommandos und des Luftfahrtamtes für Unfallermittlung.
Sie erhielten den Auftrag, alle benötigte Ausrüstung bis zum Abflug in einer Stunde zusammenzutragen.
Wilson selbst nahm sich nicht die Zeit, eine Reisetasche zu packen. Er flog zusammen mit dem Leiter der Unfallbehörde, Oberst George Payne, seinem persönlichen Dolmetscher und Verbindungsmann, Angel Corujedo, und Oberst Barnet "Skip" Young von seinem Stab in einer kleinen T-39 ab.
Zunächst ließ Wilson den Punkt anfliegen, den der Tanker als mutmaßliches Gebiet der Kollision gemeldet hatte. Sie gingen auf 500 "und dann auf 300 Meter herunter, umkreisten die gefleckten Berge unmittelbar hinter der Küste. In einem Einschnitt, der wie ein Tal aussah -- es war das Bett des ausgetrockneten Almanzora -, entdeckten sie das Heckteil der B-52. Es stand aufrecht auf einer leeren Sandbank. Aus der Luft sah es intakt und so aus, als habe es jemand hier vor dem Zusammenbau eines Bombers abgestellt.
Wilson untersuchte die Gegend noch etwas weiter, bemerkte aber nichts und befahl dem Piloten, schnellstens den Flugplatz der nahe gelegenen spanischen Luftfahrtakademie San Javier anzufliegen. Der Transporter aus Torrejón rollte eben auf der Landebahn aus, als sie zur Landung ansetzten. Es war kurz vor zwei Uhr nachmittags.
Die Kommandozentrale in Torrejón hatte sich inzwischen mit San Javier in Verbindung gesetzt und um Busse, Stabswagen und Taxis gebeten, um die Leute nach Palomares zu bringen. Man hatte etwas Ausrüstung: ein Funkgerät, ein paar Strahlungsmesser, etwas Verpflegung -- nicht viel. Wilson gab den Bestimmungsort so genau wie möglich an und befahl allen, sich am Heckteil der abgestürzten B-52 zu versammeln.
Zur Orientierung standen nur gewöhnliche Reisekarten zur Verfügung, auf denen Palomares und die Wege dorthin nicht eingetragen waren. Doch das Heckteil beherrschte die Landschaft, in die es gefallen war. Traf man nur ungefähr die Gegend, ließ es sich nicht verfehlen.
Der spanische Kommandant von San Javier hatte inzwischen weitere Nachrichten erhalten: Drei Besatzungsmitglieder seien gerettet und im Krankenhaus von Aguilas. Wilson nahm einen Wagen, um sie zu besuchen. Er sagte seinen Leuten, er werde sie am Flugzeugheck wiedertreffen.
Kaum hatten sie den Flugplatz verlassen, als "Moose" (Elch) Donovan eintraf. Generalmajor Stanley J. Donovan leitete die JUSMAG und war sowohl Befehlshaber aller amerikanischen Streitkräfte in Spanien wie auch dienstältester US-Vertreter beim spanischen Militär.
Torrejón hatte ihn über den Unfall unterrichtet. Donovan telephonierte mit dem Luftfahrtminister und mit General Agustin Munoz Grandes, dem Chef des spanischen Generalstabs und zweiten Mann nach Franco, um sie persönlich über den Zwischenfall zu orientieren.
Von ihnen erfuhr er, ein spanischer Hubschrauber habe eine Kollision in der Luft beobachtet und ein Offizier aus San Javier habe eine Explosion am Himmel gemeldet. Donovan entschloß sich, selbst zum Schauplatz des Unglücks zu fliegen.
Als die Karawane amerikanischer Offiziere an jenem Montagnachmittag von San Javier aufbrach, war die Nachricht bereits weit verbreitet. Noch wußte niemand, was unter der Bereinigung des Unfalls zu verstehen sei, doch die Operation war angelaufen. Menschen aus der halben Welt waren auf dem Weg nach Palomares.
Die Invasion begann "an diesem Montagabend kurz vor der Dämmerung. Oberst Young und Oberst Carl Payne, ein Texaner, der in seinem Geburtsort San Antonio etwas Spanisch mitbekommen hatte, sicherten den Landekopf. Zunächst gingen sie zu dem Heckteil der B-52. Aufgeregte Dorfbewohner drängten sich um sie, deuteten in sämtliche Richtungen und redeten alle gleichzeitig über die sonderbaren Dinge, die auf sie herabgekommen waren.
Der bei dem großen Wrackteil postierte spanische Polizist berichtete, seine Offiziere hätten sich auf dem Hügel droben beim Friedhof versammelt, also begaben sich die Obersten dorthin, um sich die Berichte der Spanier anzuhören.
Hauptmann Calin, der Polizeichef aus Vera, erstattete stolz seinen Bericht. Von ihm und den anderen, die sich nach vorn drängten, erfuhr "Skip" Young mit Erleichterung, daß keine Zivilisten verletzt worden und keine Schäden aufgetreten seien.
"Wir stellten sofort fest, daß wir einen Befehlsstand brauchten", berichtete Young später. "Es wurde dunkel. Und dann erfuhren wir, daß der Strom ausgefallen war, weil der Bombenschacht die Leitung zerrissen hatte. Dort in der Wüste wird es schnell dunkel. Der Mond schien nicht. Der Bürgermeister bot uns die Benutzung des Schulhauses an, doch dort gab es kein Licht. Dann erzählte uns jemand, der Kneipenwirt besäße einige Petroleumlaternen und ein Zimmer über der Bar, in dem wir uns einrichten könnten."
49 Amerikaner waren in Palomares eingetroffen. Keiner von ihnen konnte sich vorstellen, daß eine Kernexplosion stattgefunden haben könnte. ABC und SAC hatten stets versichert, das sei so gut wie unmöglich. Doch sie nahmen selbstverständlich Strahlungsmessungen vor. Es fand sich kein Hinweis auf eine Gefahr.
Vom Standpunkt der Air Force handelte es sich jetzt nur noch darum, die vier Bomben zu finden und zu bergen und die Trümmer wegzuschaffen. Das würde sicher eine erkleckliche Aufgabe sein, doch niemand nahm an, daß man mehr als zwei oder drei Tage dazu brauchen würde. Trotz der Dunkelheit verteilten die Amerikaner sich, um sofort mit der Suche anzufangen.
Hauptmann Joe Ramirez, ein 29jähriger Anwalt aus Texas, war Wilsons Unfallkommando als Rechtsvertreter zugeteilt. Als ihn der Feldwebel an jenem Morgen um halb elf aus seinem Büro auf dem Stützpunkt Torrejón in den Befehlsstand holte, hatte er ein kleines Bündel Formulare und Anweisungen über die Behandlung von Ersatzansprüchen hei Flugzeugunfällen mitgenommen. Er hatte sich beeilt, um zu zeigen, daß er gut gedrillt war; doch er hielt die ganze Sache für eine Übung.
Er war sich über die Vorgänge noch nicht im klaren, als man ihm sagte, er habe in einer Stunde zum Abflug nach Südspanien bereit zu sein. Ein Bomber war abgestürzt, das hatte er begriffen; aber er meinte, das Flugzeug sei ins Meer gefallen mit "Schadenersatzansprüchen war also nicht zu rechnen.
Ramirez wählte einen Fluganzug und ein paar Überschuhe, besorgte sich beim PX vorsorglich eine Zahnbürste und sagte seinem Chef, er werde wahrscheinlich am Spätnachmittag wieder im Büro sein.
Als der Wagen, in dem er aus San Javier nach Palomares gebracht wurde, an einer Tankstelle anhielt, stieg Ramirez aus, um sich die Gerüchte im Ort anzuhören. "Jemand wollte gehört haben, das Heck der Maschine sei mitten in eine Stadt namens Vera gestürzt. Das warf mich fast auf den Rücken", sagte er später. "Ich konnte mir die Schäden und die Ersatzansprüche vorstellen, die auf uns zukämen, wenn ein solches Wrackteil in eine Stadt gefallen war."
Vera lag an der Straße nach Palomares, und bei seiner Ankunft erfuhr Ramirez zu seiner Beruhigung, daß das Gerücht völlig unzutreffend war. Schließlich kam er auf dem Feldweg nach Palomares an eine Weggabelung. Jenseits der Gabelung erkannte Ramirez an einem Hang eine Menschenansammlung mit Bussen und Wagen.
General Wilson war bereits am Hügel über dem Friedhof eingetroffen, als Ramirez dort ankam. Da er der einzige Amerikaner war, der Spanisch beherrschte, wurde ihm das Amt eines Dolmetschers zuteil. Neben einem Wassertank stand eine Reihe dunkler Holzsärge.
Als sie bemerkten, daß ein Amerikaner angekommen war, der sie verstehen konnte, richteten die Dorfbewohner ihr Interesse auf Ramirez. Bürgermeister Gonzales machte sich vor allem um die Toten Sorgen, die nach Cuevas gebracht werden mußten, wo man ordentliche Gottesdienste halten konnte,
"Die armen Männer, sie waren völlig verkohlt", sagte ein anderer. "Es war ein schreckliches Unglück." Eine Frau bekreuzigte sich, bevor sie sprach. "Sie sind wenigstens schnell gestorben. Gott wollte sie nicht leiden lassen. Aber was ist mit ihren Familien? Heben sie Kinder?" Sie bekreuzigte sich wieder.
Alle wollten erzählen, helfen, als Früher dienen. Für die älteren amerikanischen Offiziere war das eine angenehme Erfahrung. Sie hatten nicht gewußt, ob sie sich auf feindselige, bittere oder sogar drohende Menschen einrichten sollten. Die Sympathie und Hilfsbereitschaft der Einwohner von Palomares machten den schweren Tag etwas leichter.
Ein Polizist erschien und berichtete, es sei auch eine Art Geschoß mit Fallschirm in den Ort gefallen. Ramirez konnte sich zunächst nichts darunter vorstellen. Aber als er Gelegenheit fand, Oberst Payne davon zu erzählen, wurde dem sofort klar, daß es eine Bombe sein mußte. Ramirez suchte nach dem Polizisten, um weitere Einzelheiten zu erfahren, aber er war weggegangen.
Ein anderer behauptete, er habe in den Bergen in einem Krater so etwas wie einen Torpedo gesehen. An der einen Seite habe ein aufgerollter Fallschirm gelegen. Payne, Ramirez und der Spanier machten sich auf den Weg, um nachzusehen.
Der Polizist hatte eine schwache Taschenlampe in einer Art Zigarettenschachtel. Payne besaß ebenfalls eine, doch sie erleuchtete Gestein und Gebüsch nur im Umkreis von ein oder zwei Metern. Über eine Stunde lang stolperten sie über die Hügel. Die kleinen Täler, die Klippen und die Spalten sahen allmählich völlig gleich aus.
"Es war bei einem Tomatenacker wiederholte der Polizist fortwährend. "Ich habe es heute nachmittag gesehen. Es muß genau hier gewesen sein."
Und bekümmert flüsterte er Ramirez zu: "Sagen Sie, welchen Rang hat der Mann bei uns?"
"Er ist Oberst", antwortete Ramirez. Der Polizist seufzte voller Ehrfurcht. "Der hat Geduld, Gott sei Dank. Wäre er einer der unseren, er hätte mich inzwischen mit einem Fußtritt quer übers Feld befördert, weil ich ihn im Kreis herumgeführt habe."
Ramirez grinste. Aber sie mußten zugeben, daß sie nichts erreicht hatten. Sie gaben die Suche auf und gingen ins Dorf zurück.
In der Kneipe trafen sie Oberst Young und noch einige andere Amerikaner. Es sah aus, als habe sich das ganze Dorf in die kleine Stube zu drängen versucht, um seine Aufregung loszuwerden. "Ich habe gehört, in der einen Maschine war eine Frau", erklärte einer. "Sie hat den Piloten betrunken gemacht, und deswegen hat es den Zusammenstoß gegeben."
"Nein", meinte ein anderer, "es war Absicht. Das eine Flugzeug hat das andere gerammt, ich habe es gesehen. Die Piloten müssen sich über etwas entsetzlich gestritten haben."
Die Geschichten schwirrten wild durcheinander. Einige Einzelheiten über die Aufschlagstellen der Trümmer erwiesen sich als wertvoll. Doch die meisten Erlebnisse schwollen zu prächtigen Phantasien an. Young war dankbar für die gute Laune der Dorfbewohner nach einem Ereignis, das ihnen leicht hätte zum Unheil werden können.
Er stiftete eine Runde Bier. Es waren dreißig, vielleicht vierzig, vielleicht auch noch mehr Leute in der Wirtsstube. Young zählte sie nicht, aber er mußte schmunzeln, als er sah, daß die Rechnung genau 1 Dollar und 87 Cent ausmachte. Es gab Oliven und kleine blasse Käsebrocken und geräucherten rohen Schinken zum Bier zu knabbern, aber kein richtiges Essen.
Einen Vorrat an Air-Force-Verpflegung hatte man zusammen mit Strahlungsmessern und anderen Geräten von Torrejón mitgeschickt. Ein Gasthaus gab es in Palomares nicht, und die Amerikaner wurden hungrig. Die Spanier sahen erstaunt, aber mit gut verhülltem Mißbehagen zu, wie die Amerikaner kaltes Corned Beef, Kekse, eingemachte Pfirsiche und Plätzchen zum Abendessen verschlangen.
Wie die anderen Amerikaner der zuerst eingetroffenen Mannschaft lief Feldwebel Raymond Howe von einem Hügel zum anderen und versuchte, die verworrenen Berichte nachzuprüfen. Howe war als Mitglied von Wilsons Einsatzstab dem Überwachungsdienst für Strahlenverseuchung zugeteilt. Er hatte aus Torrejón ein PAC-lS mitgebracht, das übliche Spürgerät für Alphastrahlen, dazu ein ANPDR-39, das einem Geigerzähler ähnelte, und ein 27-C-Spürgerät für Beta- und Gammastrahlen.
Seine ersten Kontrollen zeigten für alle drei Strahlungsarten negative Ergebnisse. Solange keine Kernexplosion stattfindet, kann man praktisch weder mit Beta- noch mit Gammastrahlen rechnen, obwohl das Uran in einer Bombe eine minimale Gammastrahlung aussendet. Erst die Spaltung erzeugt eine große Menge dieser äußerst durchdringenden und deshalb höchst gefährlichen Strahlen.
Alphastrahlung besitzt eine derart geringe Reichweite, daß sie nicht einmal durch ein Blatt Seidenpapier oder durch menschliche Haut dringt. Sie kann daher nur Schaden anrichten, wenn der Körper das radioaktive Metall absorbiert.
Nachdem Howe sich überzeugt hatte, daß keine große Menge von Kernenergie freigesetzt war und daß also eine Massenevakuierung und sofortige scharfe Maßnahmen nicht erforderlich sein würden, konzentrierte er sich auf die Suche nach den Bomben. Er begann mit Strahlungsmessungen auf den Bombertrümmern. Sie führten ihn durch den ganzen Ort. Das große Rumpfteil beim Friedhof zeigte keine Strahlung. Ebensowenig das Heck im Flußbett.
Howe fragte nach anderen größeren Wrackteilen. Er erfuhr, daß einer der Polizisten etwas gesehen hatte, das er "eine Art Waffe" nannte. Es war schon fast dunkel, doch Howe versammelte rasch seine Mannschaft, und sie folgten dem Mann das Flußbett hinab.
Dort lag unschuldig auf dem weichen Sand die lange Aluminiumröhre einer Wasserstoffbombe, von außen ein einfacher Zylinder wie ein altmodischer Badeofen oder vielleicht ein übergroßer Kochgasbehälter, im Innern aber einer der kompliziertesten Mechanismen der Welt. Sie war offenbar seitlich auf eine steile, aber weiche Böschung aufgeschlagen und ganz harmlos heruntergerollt. Obgleich sie intakt aussah, versicherte sich Howe, daß kein radioaktives Leck vorhanden war.
Die Leute von der Abteilung EOD (Explosive Ordnance Disposal = Behandlung explosiver Waffen) untersuchten die Bombe ebenfalls sorgfältig. Sie waren geübt, mit defekten Waffen umzugehen, sie in jedem Zustand zu zerlegen, so daß kein weiterer Zwischenfall möglich war. Als man die Bombe fand, war es zu dunkel für diese heikle Aufgabe der sogenannten Sicherungsprozedur.
Da die Sprengladung noch nicht explodiert war, würde sie in Ruhelage auch weiterhin nicht zünden. Doch die Vereinigten Staaten stellen ihre H-Bomben nicht gern zur Schau. Howe postierte Wachen der Air Force bei der Bombe und entschied, daß alles weitere bis zur Morgendämmerung zu verschieben sei.
Er erklärte, es bestehe keine Gefahr einer Explosion oder eines radioaktiven Lecks, sorgte dafür, daß die Posten ein paar Flugrationen bekamen, und versprach, um Mitternacht eine Ablösung zu schicken. Um jede denkbare Panne auszuschließen, bestimmte er eine Parole: zwei Lichtblitze mit der Taschenlampe und das Wort Gus, Howes Spitzname.
Vor den Dorfbewohnern wurde nichts von H-Bomben oder Radioaktivität erwähnt. Der Unfall selber war schon tragisch genug. Menschen hatten den Tod gefunden. Die Spanier waren der Meinung, die Amerikaner seien nur gekommen, ihr Eigentum einzusammeln und die Trümmer aufzuräumen.
Die Air Force bezeichnete den Platz, an dem Howe seine Posten aufgestellt hatte, mit Nr. 1 -- Fundort der ersten Bombe. Man wußte, daß noch drei weitere aufzuspüren waren.
General Wilson hatte auf die Fahrt zum Hafen von Aguilas als Dolmetscher und Helfer Angel Corujedo mitgenommen. Corujedo war eine einmalige Erscheinung auf dem US-Stützpunkt in Torrejón, sozusagen der Mittelsmann für alle.
Er stammte aus einer spanischen Familie, hatte vor vielen Jahren die Einladung eines emigrierten Onkels angenommen, nach New York zu kommen und dort zu leben, und war lange genug in den Vereinigten Staaten gewesen, um sich die Sitten und Bräuche und auch die Sprache des fremden Landes anzueignen. Ab und zu fuhr er auf Besuch nach Hause.
Als 1936 der Bürgerkrieg ausbrach, war er zufällig in Spanien. Die Einberufung beendete seine Auslandsreisen. Doch er fühlte sich als Halb-Amerikaner, und als die Air Force 1953 nach Spanien kam, bot er seine Dienste an und wurde eingestellt.
Corujedo bahnte dem General einen raschen Weg ins Krankenhauszimmer von Aguilas, in das man die Überlebenden gebracht hatte. Sie waren in ruhiger Verfassung, zwar noch etwas durcheinander, aber in der Lage, über das Unglück zu berichten. Sie konnten jedoch nur erklären, daß man sich dem Tanker von unten etwas rasch genähert und ihn über der Pilotenkanzel statt weiter vorn gesehen habe,
Ihre Berichte handelten hauptsächlich von ihrer Aufregung darüber, daß sie sich über Land aus der Maschine geschleudert und dann festgestellt hätten, wie der heftige Wind sie aufs Meer hinaustrug. Wilson fragte, wie viele weitere Fallschirme sie am Himmel beobachtet hätten. Einer sprach von zweien, ein anderer von dreien. Über die anderen Besatzungsmitglieder der beiden Flugzeuge ließ sich nichts Eindeutiges sagen.
Wilson hatte einen Rettungshubschrauber angefordert, der mit einem Chirurgen nachkommen sollte. Er landete auf dem Fußballplatz von Aguilas. Menschen liefen zusammen, um zuzusehen, wie die drei Flieger weggeflogen wurden. Man brachte sie nach Torrejón ins Stützpunkthospital.
Port blieben sie zwei Wochen, nicht so sehr aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil sie der Unfallbehörde zu notwendigen Befragungen zur Verfügung stehen mußten; danach wurden sie heim nach North Carolina geflogen. Buchanan, der auf die Erde gefallen war und ernstliche Verbrennungen erlitten hatte, wurde am selben Tag aus seinem Krankenhaus in Vera nach Torrejón geschafft, doch ihn konnte man erst nach einem Monat Behandlung entlassen.
Als Wilson die drei Geretteten aus Aguilas auf den Weg gebracht hatte, fuhr er nach Palomares. "Der Gedanke an eine Verseuchung fuhr mir durch den Kopf", sagte er später, "doch ich wollte mich nach den Überlebenden und Verwundeten umsehen." Er inspizierte Im schwindenden Licht rasch die Wrackteile, hörte sich ·die ersten Berichte an und fuhr dann nach Cuevas, wohin man die Toten geschafft hatte. Die Särge waren aufgebahrt, Gottesdienste fanden statt. Um die Leichname nach Hause überführen zu können, mußte man sich eine formelle Freigabe beschaffen. Der Bürgermeister von Cuevas verfaßte einige Dokumente, fand sich aber mit den Formalitäten nicht zurecht, die Vorschriften für Ausländer, geschweige denn für ausländisches Militär, waren nicht klar.
Die Militär- und Verwaltungsspitzen der zuständigen Provinz, der Leichenbeschauer, der Richter -- alle mußten befragt werden. Der ortsansässige Arzt hatte Bestätigungen und Urkunden auszustellen,
Die Frage, ob Wilson die Übernahme von sieben oder acht Toten bestätigen sollte, machte alle unglücklich. Er beharrte darauf, daß in den zwei Flugzeugen nicht mehr als elf Leute gewesen seien. Vier Überlebende waren bereits auf dem Weg ins Air-Force-Krankenhaus.
Die Spanier behaupteten, acht Leichen zu haben und sie nicht freigeben zu können, wenn Wilson nur für sieben unterschriebe. Eile und übertriebener Respekt beim Einsammeln der verstümmelten Leichen hatten zu einer falschen Zählung geführt.
Als man endlich das bürokratische Problem gelöst hatte, stellte sich heraus, daß kein Fahrzeug vorhanden war, die Särge zum Flughafen von San Javier zu schaffen. Durch Bettelei trieb man endlich den Lieferwagen einer Bäckerei auf. Die Air Force mußte bald darauf dem Bäcker einen neuen Lieferwagen kaufen. Er beklagte sich, niemand wolle Brot aus einem Wagen kaufen, der als Leichenwagen gedient habe.
Es war nach elf Uhr, als Wilson nach Palomares zurückkehrte. Die Kneipe war noch immer gedrängt voller Menschen. Wilson ließ den Leuten seine Dankbarkeit für ihre mitfühlende Hilfe übersetzen, doch er entschied, es sei für die bevorstehende Arbeit am besten, einen Befehlsstand im freien Feld zu schaffen. Er befahl, ihn sofort am nächsten Morgen beim Heckteil zu errichten, das noch immer den zentralen Orientierungspunkt der Air Force bildete.
Das Sammeln der Trümmer und die Suche nach den Bomben würde zahlreiche Menschen und eine durchdachte Organisation erfordern. Wilson hatte nur ein gewöhnliches Feldfunkgerät für die Verbindung mit Torrejón, einen Sender, den man mit jedem Empfänger abhören konnte, und er war von Natur aus empfindlich gegen Lücken in der Geheimhaltung.
Ein Offizier wurde nach Vera geschickt, um Madrid anzurufen -- eine Verbindung, die selten schneller als in einer halben Stunde, manchmal auch erst nach zwei oder drei Stunden zustande kam. Er meldete, daß die erste Bombe gefunden sei, und forderte Verstärkung an.
Es war kurz nach Mitternacht, als die Männer in Torrejón mit dem Befehl aus den Betten geholt wurden, sich sofort auf dem Stützpunkt zu melden. Sie brachen -- zwei Busladungen von je vierzig Leuten -- um halb drei Uhr nachts auf.
Das einzige, was an jenem langen Montag noch zu tun blieb, war die Suche nach einem Nachtquartier für die Amerikaner, die bereits in Palomares angekommen waren. Einige wurden nach Cuevas geschickt, wo die Guardia Civil bereits Vorsorge getroffen habe sollte. Zu dieser Gruppe gehörte Ramirez.
Sie klopften an die Tür des Polizeihauptquartiers. Ein Leutnant, der sich die Hosenträger zurechtzog, als er endlich verschlafen zur Tür schlurfte, starrte die Amerikaner verwirrt an. Er hatte nichts davon gehört, daß sie Betten brauchten. Und um diese Stunde? Und im Winter, da die wenigen Ferienhotels geschlossen waren? Aber er ließ sich überreden. Um drei Uhr schlief Ramirez im Fliegeranzug in dem feuchten Bett eines alten Gasthauses.
Corujedo beschaffte ein Quartier für höhere Offiziere. Nicht weit von Garrucha entfernt gab es ein Strandhotel, das "Maricielo". Dort fand er eine Frau und ihren Neffen vor, die als Winterhausmeister zurückgeblieben waren und eben abschließen wollten, um einige Wochen in Madrid Ferien zu machen. Sie hatten gepackt und wollten am nächsten Morgen abreisen.
Zu ihren zwei Ferienwochen in Madrid kamen sie nie. Am Dienstag trafen scharenweise Neuankömmlinge ein. Und damit nahm auch die Operation allmählich Gestalt an.
IM NÄCHSTEN HEFT
Der konventionelle Sprengsatz der abgestürzten Wasserstoffbomben explodiert -- Die Umgebung von Palomares wird radioaktiv verseucht -- Spaniens Atombehörde interveniert

DER SPIEGEL 47/1967
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