04.04.1966

BONN / NPD

Wotans Wähler

(siehe Titelbild)

Adolf ist der Kopf, Fritz der Führer

der Partei. Sie wähnt sich als "Hoffnung von Millionen". Es geht ihr "ums Ganze".

Nach "20jähriger Unterdrückung" braust ein Ruf wie Donnerhall: "Wir aber brauchen Männer, die für ihr Volk leben" - "Wir brauchen eine Erziehung zu nationaler Haltung" - "Wir haben es satt, noch länger am Pranger der Welt zu stehen."

Im weißen Feld auf rotem Grund, wo sich einst die schwarzen Haken kreuzten, leuchtet blau ein neuer Namenszug: NPD. Deutschlands Nationaldemokraten beten: "Herr mach uns frei." Ihr Parteiblatt kündet: "NPD auf dem Weg nach Bonn."

Einen kleinen Schritt erst hat die NPD auf diesem Weg getan - und doch geht die Furcht schon um, als habe damit eines langen Tages Reise in die Nacht begonnen.

Zwar erkämpfte die neue Rechte. (Parteichef: Fritz Thielen, Stellvertreter: Adolf von Thadden) bei den Bundestagswahlen im Herbst letzten Jahres nur 2,0 Prozent der Stimmen. Doch Erinnerungen wurden wach: 1928 hatte Adolf Hitlers NSDAP auch nicht viel mehr bekommen.

Und als, ein knappes halbes Jahr später, die Nationaldemokraten bei den Kommunalwahlen in Bayern und Schleswig-Holstein sowie, am vorletzten Wochenende, bei der Hamburger Bürgerschaftswahl ihr Herbstergebnis mancherorts verdoppelten oder gar verdreifachten, schien für viele die Vergangenheit gespenstisch wiederzukehren.

"Grausige Assoziationen" überfielen "Dagens Nyheter" in Stockholm. Ein "alarmierendes Symptom" entdeckte die "Prawda" in Moskau, einen "beunruhigenden Faktor" die "Times" in London. Und der Pariser "Monde" fragte, ob die "ersten Beulen einer neuen braunen Pest" aufgebrochen seien.

Die Bonner Parteien, einig, einig, forderten erhöhte Wachsamkeit. Das Hamburger Wochenblatt "Die Zeit" konstatierte verdrossen: "Der Boden, auf dem Adolf Hitler seine ersten großen Erfolge erzielte, scheint noch fruchtbar."

Die Saat ging im sozialdemokratischen Hamburg (NPD-Stimmenanteil 3,9 Prozent) ebenso auf wie in den Unionsländern Schleswig-Holstein und Bayern. An der See und vor den Bergen stellte sich die Partei nur in einem Teil der Gemeinden und Landkreise (elf beziehungsweise 52) zur Wahl.

Dieser lokale Test-Einsatz, sorgsam nach Gewinnchancen konzipiert, war überaus erfolgreich. In den elf schleswigholsteinischen Gemeinden, in denen die NPD bei der Kommunalwahl auftrat, errang sie im Durchschnitt 10,5 Prozent der Stimmen - gegenüber sechs Prozent bei der Bundestagswahl.

Im Städtchen Oldenburg führten ein Hauptmann und ein Feldwebel der Bundeswehr die Partei von der 4,4-Prozent -Marke (Bundestagswahl) zum Meilenstein von 11,2 Prozent. Im Fischerdorf

Maasholm gingen der NPD 15,8 (Bundestagswahl 7,4) Prozent ins Netz.

Im Familienbad Timmendorfer Strand verdoppelte sich die Bräune auf 9,5 Prozent. Im Ruder-Mekka Ratzeburg, wo Dr. Frank Schepke aus dem Olympia -Goldachter von Rom bei der Bundestagswahl 5,1 Prozent für die NPD errang, saßen nun 6,7 Prozent im rechten Boot.

Komplett war der nationale Triumph im oberbayrischen Reichertshausen, wo die Wähler ihren NPD-Nachbarn Schöftlmeier mit 92 Prozent aller Stimmen zum Bürgermeister machten. Im schwäbischen Stockheim (500 Seelen) wurde der frühere NS-OrtsgruppenleiterHermann Donath als NPD-Kandidat in das gleiche Amt gewählt, weil die Leute "keinen besseren wußten".

Im Fränkischen schlug das Herz, wie früher schon, spürbar rechts: 8,4 Prozent in Bayreuth, 8,2 Prozent in Erlangen, 7.3 Prozent in Nürnberg. Lisette Mullère in der "Welt": "In Nürnberg weiß man ja, in Bayreuth muß es wohl das Wotanische sein."

In den NPD-Kolonnen brach - "stolz auf den Erfolg" - Jubel aus. Hamburgs NPD-Chef Horst Günter Schweimer, einst SS-Hauptsturmführer und Legationsrat 1. Klasse in Ribbentrops großdeutschem Außenministerium, erkannte in "unseren Wählern die Elite der Wählerschaft. Wir wissen, daß es die Bewußten und Denkenden, die um eine echte politische Meinungsbildung Bemühten sind".

Kein Zweifel: Zum erstenmal in der Geschichte der Bundesrepublik ist der Rechtsradikalismus mehr als ein bloßer Schemen. Was einem Dutzend extremistischer Splittergruppen - versagt blieb, erreichte mit einem Male die NPD: nennenswerten Zulauf.

Unbeantwortet aber blieb bislang die Frage, ob dieser Trend sich zu einem nationalen Rechtsruck verstärken kann (was die NPD glaubt) und ob die Partei "nach ihrem ganzen Auftreten eine Nachfolgeorganisation der NSDAP" darstellt (wie der bayrische SPD-Landtagsabgeordnete Erwin Essl behauptet).

Schon konstatierte der Bundesinnenminister Paul Lücke in seinen "Erfahrungen aus der Beobachtung und Abwehr rechtsradikaler und antisemitischer Tendenzen" bei der NPD

- "in starkem Maße rechtsradikale Tendenzen" im Parteileben,

- "eindeutig nazistische Selbstenthüllungen" auf den Wahlveranstaltungen.

Und nach einem Urteil der III. Zivilkammer des Landgerichts Konstanz darf man über den eingetragenen Verein sagen, daß die NPD als "ein 'Sammelbecken' früherer Nationalsozialisten" gilt.

Genau dagegen aber verwahrt sich die Partei, die - obwohl in der Führung tief braun eingefärbt - die Vokabel "rechtsradikal", wie sie vom Innenministerium gebraucht wurde, als "allgemeines Schimpfwort" empfindet. Parteivorsitzender Thielen (siehe SPIEGEL -Gespräch Seite 42) am Donnerstag letzter Woche auf einer Pressekonferenz in Bonn:

- "Wir lassen uns nicht in die braune Ecke schieben.

- "Unser Auftrag lautet nicht, eine

staatsfeindliche Organisation zu schaffen.

- "Bei der NPD gibt es keine Uniformen, und es wird auch keine geben."

So empfindlich reagierte die Partei auf Werturteile der Presse, man könne sie als Nachfolgeorganisation der Nationalsozialisten bezeichnen, daß die NPD letzte Woche gegen etliche Zeitschriften Prozesse ankündigte. Thielen: "Wir lassen uns dies nicht länger gefallen."

Das Dilemma der Partei: Sie muß sich so stramm geben, daß sie für alte Marschierer noch attraktiv ist - und zugleich so veredelt national, daß sie junge, nüchterne Wähler anzieht, bei denen braunes Pathos nicht verfängt.

Und sie muß, wenn sie sich selber linientreu bleiben will, so weit rechts

wie möglich agieren - aber wiederum nicht so weit, daß sie sich wegen Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung eine Verbotsklage vor dem Bundesverfassungsgericht zuzieht.

Der Firmenmantel wird zur Zwangsjacke: Die Rechtsparteiler wollen Nationale, sie müssen Demokraten sein - sei es aus Einsicht, sei es aus Angst vor dem Verfassungsschutz.

So kommt es, daß die harten Männer der Rechten altjüngferlich zusammenfahren, wenn ihre demokratische Tugend angezweifelt wird. Franz Listl, neugewählter nationaldemokratischer Stadtrat in Passau: "Wir sind Nationalisten, aber keine Nationalsozialisten, und schon gar keine Nazis."

Aber das, was der Nationalsozialismus für die Nazis war, ist der Nationaldemokratismus auch für den Nürnberger NPD-Spitzenmann Eberhard Engelhardt: "unsere Bewegung".

Hauptstadt der Bewegung ist Hannover, wo hinter einer brandsicheren Eisentür im vierten Stockwerk eines Eckhauses am Steintor die Bundesgeschäftsstelle der NPD zusammen mit der Redaktion des Parteiblattes "Deutsche Nachrichten" residiert. Inventar: ein Fernschreiber, drei Telephon-Anschlüsse, vier Sekretärinnen, der Parteipressechef Hans-Joachim Richard und

- zwischen Bildern aus seiner hinterpommerschen Heimat - Adolf von Thadden, 44, der als Stellvertreter des Vorsitzenden Fritz Thielen, 49, nur scheinbar an zweiter Position rangiert.

Am Freitag vorletzter Woche, 16.45 Uhr, steckte Pressechef Richard seinen breiten Schädel durch die Thadden-Tür und meldete dem Chef: "Mitgliederstand heute nachmittag: 16 298." Es sind 16 298, die wie der NPD-Vorsitzende Thielen gerne möchten, daß "Deutschland sich wieder mal erneuert".

Der Erneuerung dienen auch alte Kämpfer. Den 218 Vorstandsmitgliedern in den nordrhein-westfälischen NPD -Kreisverbänden gehörten im ersten Anlauf gleich 86 einstige NSDAP-Mitglieder an. Von den fünfzig Kandidaten der nordrhein-westfälischen Landesliste für die letzte Bundestagswahl wurden 21 als ehemalige Pgs identifiziert.

Auch in anderen NPD-Landesverbänden rühren sich braune Veteranen, so in Niedersachsen der frühere SS-Untersturmführer und Referent in der "Parteiamtlichen Prüfungskommission" im Stab des Stellvertreters des Führers Dr. jur. Lothar Kühne, 58, NSDAP-Mitglied seit dem 1. Dezember 1931; in Rheinland-Pfalz der frühere SS-Sturmbannführer Fritz May, 51, NS-Mitglied seit dem 1. März 1933.

Wenn auch die Einzelbelastung nicht größer sein mag alt diejenige von prominenten Politikern staatstragender Parteien, so ist doch in der Spitze der NPD die braune Massierung auffällig: Von den 18 Mitgliedern des NPD-Vorstands waren nicht weniger als zwölf aktive Nationalsozialisten, so die - neben Thadden - gleichberechtigten Thielen-Stellvertreter

- Wilhelm Gutmann, 65, mit, der NSDAP-Mitgliedsnummer 966 564 vom 1. März 1932,

- Heinrich Fassbender, 66, der am

1. Oktober 1931 der NSDAP beitrat sie aber im November 1932 wieder verließ;

sowie Vorstandsmitglieder wie

- Otto-Theodor Brouwer, 59, Parteigenosse vom 1. August 1931,

- Professor Dr. Hans Bernhard von

Grünberg, 63, NS-Gauamtsleiter in Ostpreußen, NSDAP-Eintritt: 1. Februar 1931,

- Otto Heß, 57, SA-Obersturmbannführer, Gauredner, Kreisleiter, Gauinspekteur, NS-Mitglied seit 1. August 1930,

- Georg Körner, 58, Reichsredner und

Träger des Goldenen Parteiabzeichens ehrenhalber, Parteibeitritt: 1. Oktober 1929,

- Waldemar Schütz, 52, HJ-Mitglied

seit 1929, später Junker der SS -Ordensburg Vögelsang,

- Emil Maier-Dorn, 57, "Kraft durch

Freude"-Gauwart, Leiter der Gauschulungsburg in Schwaben, Reichsschulungsleiter im Münchner NS -Amt für Technik, Parteigenosse seit 1 Juli 1930.

Schwarzweißrote statt braune Westen im Führerkorps der NPD tragen außer den Vorstandsmitgliedern Höft, Winkelmann, Dr. von Hauff und Karl Prinz zu Salm nur Parteichef Thielen und Stellvertreter von Thadden. Der intelligente pommersche Junker - Nachfahre des Bismarck-Freundes Adolph von Thadden - brachte es nur bis zum Fähnleinführer.

Welche Politik diesem Gremium vorschwebt, geht zumindest zum Teil aus einem "Manifest" und "zwölf Grundsätzen unserer Politik" hervor, die wohlweislich kein detailliertes Programm darstellen. Präsidiumsmitglied Heß: "Nur wenn wir uns zunächst auf das Wesentliche beschränken, werden wir auf schmalem Raum jene Stoßkraft entfalten, die uns den Einbruch und schließlich den Durchbruch ... gewährleistet."

Die Ein- und Durchbrecher mixten alte Sprüche ("Mehr sein als scheinen") mit Kleinbürger-Parolen ("Die Verschwendung öffentlicher Mittel für

Großmannssucht,

eitle Repräsentation und Prunkbauten ist zu bekämpfen") und nationalem Pathos ("Ein seines eigenen Wertes und seiner nationalen Würde bewußtes Volk").

Dem Sparer wird Schutz, dem Arbeiter sein Anspruch auf Arbeitsplatz, den Bauern "angemessene Bewertung", den Müttern Gesundheit, der Familie der Platz versprochen, "der ihr

in einer Kulturnation gebührt". Die "öffentliche Unmoral" soll beseitigt, die "gewissenlose Clique", die "unsere nationalen, moralischen und sittlichen Werte systematisch unterhöhlt und verächtlich macht ... nicht länger geduldet" werden.

Die Nationaldemokraten verlangen "Schluß mit den einseitigen Prozessen", "ein wahres Geschichtsbild", "Schluß mit der Lüge von der deutschen Alleinschuld". Denn: "Solange die Väter öffentlich und ungestraft zu Verbrechern gestempelt werden, können die Söhne keine guten Soldaten sein."

Es muß alles ganz anders werden: Statt "Verherrlichung des Landesverrats" endlich wieder "Anspruch auf die Gebiete, in denen das deutsche Volk seit Jahrhunderten gewachsen ist". Nicht mehr sollen "auf fremdes Geheiß in ferne Länder Milliarden" gezahlt werden, "die weder deutschen noch europäischen Interessen dienen". Statt dessen hat - so Thadden - "all unser Tun auf unser deutsches Volk" bezogen zu sein.

Die allernationalste Fürsorge aber gilt Deutschlands Damen, seinen Soldaten und dem Geld: Die Frauen und ihre Kinder dürfen nicht länger Freiwild für Gewaltverbrecher sein", die Landser müssen "höchster deutscher Kommandogewalt unterstehen", die Währung, endlich muß wieder durch Gold gedeckt werden.

Bereit, dieses rechte Jedermann-Programm "Wort für Wort" zu unterschreiben, war beispielsweise ein Hamburger Friseurmeister, 50, der den SPIEGEL freilich bat, seinen Namen nicht zu nennen, denn es "wird jetzt ja eine Hexenjagd auf die NPD betrieben", und da könne er sich nicht exponieren, "der Kundschaft wegen".

Das NPD-Manifest, das er zwischen Scheren und Kämmen in seiner Schublade verwahrt hält, hat der Friseur biederdeutsch onduliert und für seine Spiegel-Gespräche im Herrensalon aufgezwirbelt: "Die Deutschen erinnern mich immer an Matrosen, die Hemingway irgendwo beschrieben hat und die sich für einen Dollar in den Bart pinkeln ließen. Nur: Die Deutschen kassieren dafür keinen Dollar. Sie zahlen noch zehn Dollar drauf, daß ihnen in den Bart gepinkelt wird."

Besonders der Jugend, so weiß der deutsche Coiffeur, der "als Parteigenosse die Nase voll" hat, stehe aber "dieser weinerliche National-Masochismus bis zum Hals, dieses ewige Geschrei, daß wir die allergrößten Schweine auf der Welt waren".

Und dann: "Diese einseitige Unterrichtung im Fernsehen. Da sehen Sie dauernd Stücke zur Vergangenheitsbewältigung. Darin treten welche auf, die vor Edelmut kaum laufen können - das sind immer Juden. Und die anderen sind miese Typen, denen Sie keine Mark anvertrauen können - das sind Deutsche. Mit solchem Muster züchtet man nur einen Antisemitismus heran."

Darum gibt es für den Haarschneider seit neuestem nur eins: "Was die NPD will, ist doch nur vernünftig. Nationale Würde darf in der Bundesrepublik kein Fremdwort bleiben."

Ohne Zweifel repräsentiert der würdige Friseur die nationale Spielart des honorigen kleinen Mannes von der Straße, dem es nur allzu recht ist, wenn "mal ordentlich auf die Pauke" gehauen und auch "den anderen" eins ausgewischt wird.

Nach einer Analyse des Allensbacher "Instituts für Demoskopie" für den SPIEGEL sind NPD-Anhänger schlechthin aus solchem Holz geschnitzt und - wie der Friseur - überwiegend

- Männer (61 Prozent),

- 45 bis 59 Jahre alt (37. Prozent) und

- selbständige Geschäftsleute oder Angestellte mit mittlerem und kleinem Einkommen (46 Prozent).

Die Auswertung von 14 000 Allensbach-Interviews (Stand: Ende Februar 1966) ergab freilich, daß die Nationalen auf dem Asphalt der Großstädte nur kümmerlichen Nährboden finden: Überdurchschnittlich oft wohnen sie in kleinen und mittleren Städten (55 Prozent), wo auch Stammtisch- und Schützenwesen üppig gedeihen.

Zugleich dämpft die Umfrage den Stolz der NPD, eine von der Jugend besonders bevorzugte Partei geworden zu sein: Die skeptische Generation der 16- bis 29jährigen Deutschen, die bei der gesamten Bevölkerung 28 Prozent ausmacht, ist bei den Nationaldemokraten nur mit 18 Prozent vertreten.

Dagegen sind Vertriebenie und Flüchtlinge (28 Prozent bei 23 Prozent Bevölkerungsanteil) in überdurchschnittlicher Weise für NPD-Parolen aufgeschlossen, es laufen der Partei auch mehr Protestanten (69 Prozent) als Katholiken (24 Prozent) sowie mehr Norddeutsche und Bayern (zusammen 48 Prozent) als andere deutsche Stämme nach.

Alles in allem: NPD-Mitläufer sind gemeinhin keine Radikalinskis, die sich nach dem Marschtritt brauner Kolonnen zurücksehnen. Manche kommen aus gutem Haus, die meisten nur aus guten Stuben, in denen sie - oft noch verbittert im Halbschatten des Wohlstands sitzengeblieben - die Jahre hindurch nicht damit fertig wurden, zum zweitenmal in einer Generation an allem schuld gewesen zu sein.

Mit dem Heraufkommen der Nationaldemkratischen Partei hat diese Sorte Wähler endlich eine Richtmarke gefunden, die ihnen nationale Qualität verbürgt und den Anschluß ans Vaterland, ans teure, nicht länger durch regionale Abgrenzung, abgestandene völkische Romantik oder Rabaukentum vorenthält. Denn an solchen Gelegenheiten, rechts zu stimmen, hatte es auch vorher nicht gefehlt.

Schon fünf Monate nach Führertod und Reichskollaps regte sich die Rechte Wieder: Im November 1945 ließen ehemalige Deutschnationale und Völkische beider britischen Militärregierung eine "Deutsch-Konservative Partei" und eine "Deutsche Aufbau-Partei" lizenzieren. Im Frühjahr 1946 fusionierten die Splitter in Hamburg zur "Deutschen Rechtspartei - Konservative Vereinigung". Junger Parteigänger wurde ein Jahr später der 25jährige Adolf von Thadden.

Er zog, zusammen mit anderen Abgeordneten der Rechtspartei wie dem NS -Altkämpfer Dr. Fritz Doris, 1949 bei den ersten Parlamentswahlen in den Bonner Bundestag ein. Doch schon nach wenigen Monaten zerstritten sich die Rechten über den politischen Kurs. Bei einer Vorstandssitzung im Fürstenzimmer des hannoverschen Hauptbahnhofes kam es zur Revolte. Ein halbes Dutzend Männer - so Doris, Graf Westarp und Generalmajor a. D. Remer, der in Berlin mit dem Wachbataillon 1944 den Aufstand gegen Hitler niedergeschlagen, hatte - zogen aus und gründeten ihren eigenen Verein: die "Sozialistische Reichspartei" (SRP).

Mehr als die Hälfte der SRP-Führer waren alte Kämpfer, die vor 1933 der NSDAP, SA oder SS angehört hatten. Das Fußvolk rekrutierte sich vorwiegend aus verbitterten Soldaten, Entnazifizierten, Vertriebenen - jedenfalls nicht aus "Mitarbeitern von Spruchkammern, politisch Verfolgten, Schwervorbestraften, 20.-Juli-Leuten und insbesondere Verrätern und Denunzianten ihres Volkes nach den Ereignissen von 1945", wie die SRP ihr Desinteresse an anderen Deutschen bekundete.

Für die SRP (10 000 Mitglieder) bestand das Dritte Reich fort, ihr galt Großadmiral Dönitz nach dem Tod des Führers weiterhin als Staatsoberhaupt. Es war wieder von einer "verschworenen Gemeinschaft" die Rede, und es schien, als höre man das mancherorts immer noch gern - nicht in Nordrhein -Westfalen, wo die Partei bei den Landtagswahlen 1950 nur 0,2 Prozent der Stimmen errang; aber doch in Niedersachsen, wo sie 1951 ebenfalls bei Landtagswahlen - mit elf Prozent aller Stimmen - Erfolge hatte, wie sie später die NPD nicht aufweisen konnte. Sie holte sich beispielsweise im Wahlkreis Aurich 29,1 Prozent der Stimmen, in Bremervörde 28 Prozent, in Lüneburg 28,3 Prozent und Diepholz sogar 32,9 Prozent.

Ein Jahr später war alles vorbei. Am 23. Oktober 1952 verbot das Bundesverfassungsgericht die Sozialistische Reichspartei als Nachfolgeorganisation der NSDAP. Der rechtsradikale Boom neonazistischer Färbung war damit zu Ende, und fortan blieb, für fast anderthalb Jahrzehnte, der rechte Flügel lahm.

Ein rundes Dutzend rechtsradikaler Parteien - von der "Deutschen Arbeiterpartei" des Alfred Paul Schneider, der "Partei der guten Deutschen" des August Unger bis zur "Deutschen Gemeinschaft" des vormaligen CSU-Funktionärs August Haußleiter - kümmerte ohne Resonanz dahin (Mitgliederstand 1964: insgesamt 9700). Bei den Bundestagswahlen fielen nur Promille an, allenfalls einmal etwas mehr als ein Prozent.

Auch die 67 rechtsradikalen Männerbünde und Jugendscharen (Stand von 1964), die in Hinterstuben oder Waldlichtungen germanisches Volkstum pflegten, blieben in der bundesdeutschen Gesellschaft Außenseiter - so das "Deutsche Kulturwerk" des SA-Barden Herbert Böhme ("Führer; führe uns, wir folgen Dir"); die "Gesellschaft für freie

Publizistik" des Heidelberger Soldatenbuch-Verlegers Kurt Vowinckel oder die Lübecker "Adler", die heute noch mit Pimpfen-Trommeln und Fanfaren hantieren (SPIEGEL, 13/1966).

Vergeblich mühte sich auch die "Deutsche Reichspartei" (DRP), in Tritt zu kommen, die nach Abspaltung der SRP aus den Resten der 1946er "Deutschen Rechtspartei" hervorgegangen war. Es war die Gruppierung, bei der Adolf von Thadden abermals sein Glück versuchte. Und wieder zerschliß sich die Partei in Richtungskämpfen.

Thadden führte zusammen mit dem ehemaligen Königsberger Universitätsrektor Professor Hans-Bernhard von Grünberg und dem ehemaligen Reichsnährstandsobmann Wilhelm Meinberg den gemäßigten Flügel, Gegenspieler war der Hamburger Medizin-Professor Heinrich Kunstmann, NSDAP-Mitglied seit 1930, der anfänglich obsiegte, aber 1961 im Kampf um den DRP-Bundesvorsitz mit 26 Stimmen doch gegen Adolf Thadden unterlag (Kunstmann retirierte und gründete sein eigenes Korps, die "Deutsche Freiheitspartei").

Im Jahre 1963 - die DRP hatte fast keine Wähler mehr - versuchte Thadden auf dem Parteitag in Karlsruhe, seine Partei republikfähig zu machen: Zum erstenmal wurde im schwarzweißrot drapierten Lokal eine schwarzrotgoldene Fahne gezeigt.

Thadden damals: "Wir haben als Partei eine Erziehungsaufgabe zu erfüllen. Und dazu gehört es auch, unsere Mitglieder zu diesem Symbol zu bekehren." Und DRP-Organisationschef Kupka ergänzte: "Mit Radikalismus ist in der

Bundesrepublik kein Blumentopf mehr zu gewinnen."

Der Eingriff nützte nichts mehr. Nachdem sie 1963 bei den niedersächsischen Landtagswahlen nur noch 1,5 Prozent (Höchststand 1955: 3,8 Prozent) der Stimmen bekommen hatte, dämmerte dem Reichspartei-Tag im Jahr darauf die Einsicht, daß Besseres als der Tod überall zu finden sei. Die DRP ließ sich selbst im Stich und suchte ihr Heil in einer Sammlungsbewegung der Rechten.

Mit dem Auftrag seiner Partei, "eine Zusammenfassung derjenigen politischen Kräfte zu erreichen, die heute im Bundestag nicht vertreten sind", reiste Thadden - "Laßt es uns versuchen!" am 22. August 1964 nach Bielefeld, wo er sich mit "Angehörigen verschiedener Parteien und Gruppen des nationalen Lagers" traf.

Lager-Insasse war auch Fritz Thielen, Chef des "Bremer Betonwerks Friedrich Thielen" und einst Gründungsmitglied der Bremer CDU, der es später als bremischer Landesvorsitzender der dort weit rechts segelnden Deutschen Partei mit 16 800 Stimmen bei den Bürgerschaftswahlen gerade zu politischer Halbstärke gebracht hatte.

Die Bielefelder Herren bildeten einen Zehner-Ausschuß mit Thielen und Thadden an der Spitze, die - per Werbebrief an 1200 mögliche Interessenten und ein Inserat in der rechten "Deutschen Wochen-Zeitung" - zur Gründung einer "leistungsfähigen Partei am rechten Flügel" einluden.

708 Eingeladene erschienen am 28. November 1964 im "Döhrener Maschpark" zu Hannover, 473 davon entschlossen sich spontan, die Aufnahmeformulare der neuen Partei auszufüllen. In Sektkühlern sammelten die Nationaldemokraten 5010 Mark als finanzielle Erstausstattung zusammen.

Was sich im verräucherten Maschpark-Saal einfand und endlich einmal wieder einstimmig beschloß, "Deutschland den Deutschen" zurückzugewinnen, waren - so Thadden heute - abgetrabte Leute, abgetrabte Gruppen" aus zersplitterten Resten der Rechten.

Begeistert wählte die überalterte Versammlung den stierköpfigen Thielen mit dem gut erzogenen und deshalb schweigenden Thadden an die Spitze der Nationalbewegung.

Mit beachtlichem Organisationstalent wurde aus dem versprengten Haufen eine einheitliche Truppe formiert, und unter rechtem Opfermut begann das Fähnlein seinen Vormarsch. Denn von den Beitragsgroschen allein - die Mitglieder zahlen monatlich drei Mark (Rentner, Ehefrauen und Studenten die Hälfte), von denen je ein Drittel an die Kreise, die Landesverbände und die Zentrale abgeführt wird - konnte (und kann) die Partei nicht leben: Selbst wenn alle Mitglieder pünktlich zahlen, fließen der Bundesführung auf diesem Weg monatlich nur knapp 14 000 Mark zu.

Trotzdem: Man erzielte zwar keine Überschüsse, aber Schulden wurden auch nicht gemacht.

*Was den NPD-Motor schmierte, waren Spenden. In einem Rundschreiben Prop. 1/65" der Propaganda-Abteilung beim NPD-Vorstand "an alle Verbände" heißt es dazu: "Das Sammeln ist wichtig, da wir bekanntlich keine Gelder aus der Staatskasse erhalten. Es soll ... so mit den Ausführungen des Hauptredners gekoppelt werden, daß ein höchst mögliches Ergebnis erzielt wird."

Aufgeschlossen griffen die Versammelten in die Taschen und füllten Teller und Hüte, die herumgereicht wurden, mit Durchschnittsbeträgen zwischen 50 Pfennig und vier Mark. Höchste Einzelspende für die Hamburger NPD im Bürgerschaftswahlkampf: 800 Mark,

Vor dieser Wahl wurde von den hansischen Nationaldemokraten nicht nur eine Zusatzumlage von fünf Mark je Mitglied erhoben, die Getreuesten waren sogar bereit, für die Partei ihr Blut fließen zu lassen: 80 von rund 500 NPD-Angehörigen versprachen, unverzüglich Blut zu spenden und das Honorar von 145 Mark in die Parteikasse abzuführen.

Das Parteiblatt "Deutsche Nachrichten". "Die Vorstandsmitglieder ... haben sich als erste hierzu gemeldet. Neben dem humanitären Zweck, dem diese Blutspende gilt, zeigen die Hamburger damit den Bonner Parteien, wie man finanzielle Mittel aufbringen kann, um einen Wahlkampf zu führen, ohne in den Steuersäckel zu greifen."

Der Griff in den Steuersäckel ist der weder im Bundestag noch in einem Landesparlament vertretenen NPD bislang verwehrt. Wie andere Kleinparteien auch, hat sie deswegen Klage beim Bundesverfassungsgericht erhoben. Einen Achtungserfolg errang sie in Karlsruhe schon: Auf NPD-Antrag erklärte das Verfassungsgericht den als Berichterstatter in dieser Sache tätigen Bundesrichter Professor Leibholz für befangen, weil er sich nebenberuflich negativ zu dem NPD-Begehren geäußert hatte.

Schneller noch als die Spendentaler in den NPD-Kasten sprangen, setzten Thadden und seine Leute oft in Sonderschichten den Organisations-Apparat der Partei zusammen: Pünktlich zur Bundestagswahl im letzten Herbst, knapp zehn Monate nach der Gründungsversammlung, meldeten die Verbände in 247 von 248 Wahlkreisen Einsatzbereitschaft. Nur ein Wahlkreis erstattete Fehlanzeige. Thadden: "Schlamperei."

Der nordrhein-westfälische NPD -Landesgeschäftsführer Evert, Versicherungskaufmann und Generalvertreter der Allianz in Krefeld, klagte stolz: "Im vergangenen Jahr habe ich fast 20 000 Mark weniger Umsatz gehabt, weil ich mich so viel um die Partei gekümmert habe."

Vor allem die Jungen der Partei setzten ihren bis dahin ungenutzten Ehrgeiz daran, den nationalen Karren festzumachen: In Kiel führt die Partei ein blonder Dreißigjähriger, Dietrich Lampe, im Landesverband Niedersachsen organisierte Wolf-Dieter Kaufmann, 38, Mitglieder und Geld, und manche NPD-Ortsvereine muten wie reine Burschenschaften an: So sind in Isernhagen bei Hannover acht der zwölf Mitglieder jünger als 35. Isernhagens Oberjunior Hermann Wolfgang Vogler, 34: "Es gibt hier noch viel mehr junge Leute, die mit uns sympathisieren, vor allem Studenten und Oberschüler. Aber die warten ab, ob bei uns die unbelehrbaren alten Parteigenossen an den Drücker kommen oder die jungen Leute."

Die jungen Leute hofften auf von Thadden, der sich an die noch zu DRP -Zeiten gewonnene Erkenntnis hielt, es sei unbedingt der Eindruck zu vermeiden, daß die Partei überwiegend aus alten Nazis besteht. Er plädierte für "vorzeigbare Leute" in den Spitzenpositionen der Landes- und Kreisorganisationen und baute darauf, daß die braune, abgetrabte Führergarnitur der Gründertage durch unbelasteten Nachwuchs "allmählich abgewählt" werden würde.

Aber schon sein erster Versuch, die NS-Funktionäre aus der NPD-Front zurückzuziehen, schlug fehl: Eine von ihm im Vorstand durchgesetzte Anweisung, die es den Unterorganisationen untersagte, ehemalige NS-Leute in den Wahlkämpfen dieses Frühjahres auf die Rednerpulte zu schicken, wurde fast ausnahmslos boykottiert.

Einig waren sich führende NPD -Leute darin, daß rhetorische und regietechnische Rückfälle in Sportpalast -Riten zu unterbleiben hätten. Verzweifelt suchten sie die braune Tünche abzuwischen - mit zuweilen absonderlichen Waschungen. Der NPD-Ortsverband Isernhagen bei Hannover etwa so Vorsitzender Hermann Wolfgang Vogler - erhielt Anweisung, "daß bei Abstimmungen die Mitglieder nur den linken und nicht den rechten Arm heben, weil uns das vielleicht als Rechtsextremismus ausgelegt würde".

Thaddens Anstrengungen, mit seinem neunationalen Bubi-Look vom verderblichen NS-Erbe loszukommen, die NPD zu desodorieren und einen möglichst geruchfreien Nationalismus an den deutschen Mann zu bringen, fanden nicht nur Zustimmung beim jungen NPD-Volk und Ablehnung bei den alten Kämpfern, sondern stifteten vor allem Verwirrung. Zu den neuen Ideen fielen NPD-Leuten immer wieder nur die alten Vokabeln ein.

Die Unsicherheit war so groß, daß die Parteiführung zur Sprachregelung und endlich zum Sprechverbot greifen mußte. Strikt wurde den Mitgliedern untersagt, etwa Zeitungsleuten gegenüber politische Erklärungen abzugeben. Redner und Versammlungsleiter wurden angewiesen, sich nicht in "weltanschauliche Auseinandersetzungen" oder gar in Diskussionen über die "sogenannte Judenfrage" einzulassen.

Das führte freilich dazu, daß NPD -Redner verstummten, wenn in der Diskussion heikle Themen aufgeworfen wurden. Zu Handgreiflichkeiten kam es erst einmal: Nach einem NPD-Fackelzug in Nürnberg mußte die Polizei auf dem Hauptmarkt einschreiten. Thadden: "Kein Mitglied oder Anhänger der NPD war beteiligt."

Welche Blasen trotz parteiamtlicher Beschwörung aus dem NS-Bodensatz der NPD aufsteigen und wie konfus das Rednerkorps durch Thaddens Erziehungsbeihilfe geworden ist, beweisen Funktionärs-Zitate, die der SPIEGEL letzte Woche binnen 24 Stunden sammelte.

Zum 20. Juli: "Verrat ist Verrat. Warum waren die Widerständler zu feige, Hitler mit der Pistole umzulegen?" (NPD-Bundestagskandidat Walter Stokkerl in Landau). "Der 20. Juli kann gestrichen werden" (NPD-Mitglied Johann Knorr in Remscheid).

Vorstandsmitglied Maier-Dorn, der an der "Erhaltung unserer Art" interessiert ist: "Wir sind wohl die einzige ... Partei in Deutschland, welche sich weigert, Männer und Frauen ... aufzunehmen, die Landesverrat begangen haben." Ein NPD-Zigarrenhändler in München: "Die Selbstbefleckung muß ein Ende haben."

Der bayrische NPD-Chef Franz Florian Winter, der in Landsberg hingerichteten NS-Kriegsverbrechern einen Kranz brachte und dabei die Hände faltete: "Morde sind auf beiden Seiten geschehen, gegenseitige Aufrechnung ist nicht christlich, sondern heidnisch."

Der Ludwigsburger NPD-Bundestagskandidat Dr. Karl Weinrebe nannte die Zentrale Ermittlungsstelle für NS-Verbrechen einen "Schandfleck der Nation". Das Vorstandsmitglied von Grünberg ist "nicht unbedingt negativ gegen das Dritte Reich eingestellt". Grünbergs nordrhein-westfälischer Landesgeschäftsführer: "Wir sind grundsätzlich gegen die Gastarbeiter."

Immer wieder war ein enthüllendes Zwar-Aber zu vernehmen: "Das Sudetenland muß deutsch bleiben - aber jede überspitzte Betonung ist verkehrt" (der rheinland-pfälzische NPD-Chef Fritz May). "Die moderne Kunst soll sich ruhig austoben - aber die Kunst werke, die unter Hitler geschaffen wurden, entsprachen meinem Schönheitsideal vollkommen" (der Hamburger NPD-Kandidat Professor Dr. Werner Weber).

Nach Ansicht des Hamburger NPD -Redners Dr. Karl Schikorski werden "in Deutschland Debatten über die Zahl der toten Juden unterdrückt". Es sei an der Zeit, findet ein rheinlandpfälzischer NPD-Führer, "die Zahl historisch zu klären": "Mal heißt es sechs Millionen, mal weniger."

Rechtsautor Erich Kern auf NPD -Versammlungen: "Diese zweieinhalb Millionen Deutschen, die dem alliierten Bombenterror zum Opfer fielen, sind keineswegs humaner umgekommen als die Juden."

.Was da brodelt und gärt, das ist der "Druck von unten", dem Thadden sich entgegenstemmen möchte, der ihn eines Tages aber wie einen Korken aus der Flasche treiben könnte.

Denn die Nationaldemokraten haben nicht nur den ehrenwerten Nationalismus mobilisiert, der auf vaterländische Würde bedacht ist und auch in Bonn - Kanzler Erhard: "Wir sind wieder wer!" - eine Heimstatt hat, sondern sie haben den braunen Bodensatz wieder aufgerührt, aus dem der Nationalsozialismus stammt.

Das hat auch die Welt gemerkt. Und sie fragt: Kommen jetzt in Deutschland die Nazis wieder?

Noch kommen sie nicht.

Der SPIEGEL holte sich Auskunft in Allensbach, wieviel Deutsche für die NPD stimmen würden, wenn nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären. Die Antwort: zwei Prozent.

NPD-Führer Thielen, von Thadden, Heß*; NPD-Fackelzug in Nürnberg: Hat eines langen Tages Reise in die Nacht begonnen?

NPD-Führer Maier-Dorn, Fassbender, Körner, Brouwer: 16 298 wollen ...

... daß "Deutschland sich wieder mal erneuert": NPD-Führer von Grünberg, Schütz, Gutmann, Heß

NPD-Andacht für Kriegsverbrecher*: "Herr, mach uns frei"

Von NPD überklebtes FDP-Wahlplakat: "Nie den rechten Arm heben"

Anti-NPD-Demonstration in, Nürnberg: "Wir sind grundsätzlich gegen Gastarbeiter"

* Auf einer Pressekonferenz in Bonn am 31 März 1960.

* Von Thadden, der bayerische NPD-Landesvorsitzende Winter und NPD-Präsidiumsmitglied Heß auf dem Friedhof der Strafanstatt Landsberg.


DER SPIEGEL 15/1966
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 15/1966
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

BONN / NPD:
Wotans Wähler