04.04.1966

„PACKEN SIE ENDLICH AUS, MR. HEROLD“

Zu 40 Jahren Gefängnis verurteilte am 30. November 1965 das höchste Gericht des Ghana-Diktators Kwame Nkrumah den deutschen Journalisten Lutz Herold, 47. Begründung: Herold habe für die ghanaischen Exilpolitiker und Nkrumah -Gegner Dr. Busia und Richardson einen hochverräterischen
Brief und einen Fragebogen ("Würde sich bei vereinzelten Aufständen gegen Nkrumah die Bevölkerung spontan erheben?") nach Akkra befördert. Ende Februar wurde Nkrumah gestürzt. Das war für Lutz Herold die Rettung vor einer Strafe, die in Wirklichkeit einem Todesurteil gleichkam.
Ich lernte Kwow Richardson im Juli 1965 kennen. Ich wohnte in Lagos, er lenkte von Lagos aus die "United Party of Ghana in Exile" - eine Gruppe von ghanaischen Oppositionspolitikern, die vor dem Gewaltregime des "Erlösers" Nkrumah nach Nigeria geflüchtet waren. Die Begegnung mit Richardson sollte für mich verhängnisvoll werden.
Am 21. Oktober 1965 setzte ich mich ins Auto, um zur Konferenz der "Organisation für afrikanische Einheit" (OAU) nach Ghana zu fahren. Dort sollte auch über die politischen Flüchtlinge in Afrika debattiert werden, ein Problem, das mich schon lange interessierte.
Richardson war am Morgen meiner Abreise noch schnell in meiner Wohnung erschienen, um mich zu bitten, einen Brief für ihn mitzunehmen. Der Empfänger war ein Journalist in Akkra: "Er wird Ihnen während der OAU-Konferenz nützlich sein und Ihnen Hintergrundmaterial über die Konferenz vermitteln können."
Aber dazu kam es nicht mehr. Als ich am 23. Oktober gegen 10.30 Uhr im Informationsministerium in Akkra erschien, um meine Pressekarte abzuholen, empfing man mich mit den Worten: "Wir haben Sie bereits am 21. erwartet." Ich wurde gebeten, Platz zu nehmen und einen Augenblick zu warten. Der Sachbearbeiter hinter seinem Schreibtisch behielt mich ständig im Auge, während er in der Landessprache ein Telephongespräch führte. Anschließend bedeutete er mir, einem draußen wartenden Opel mit meinem Wagen zu folgen.
"Warum bekomme ich die Pressekarte nicht?" fragte ich. - "Es handelt sich um eine reine Formalität."
"Ich möchte meinen Wagen hier im Schatten lassen. Der Opel kann mich doch wieder zurückbringen", warf ich ein. Man hatte den Wagen - was mir aber erst später klarwurde - auf dem Gelände der Geheimpolizei verstecken wollen. Vierundzwanzig Stunden später war es mein weißer, auf dem Hof des Informationsministeriums geparkter VW, der einen Vertreter der Deutschen Botschaft auf meine Spur brachte. Ich war unterdessen bereits Gefangener der "Special Branch" (S. B.), der ghanaischen Geheimpolizei.
Nach fünfzehn Minuten Fahrt hielt der Opel außerhalb von Akkra vor einem flachen, grauen Gebäudekomplex im Bungalowstil. Ein junger Mann führte mich durch einen langen Korridor in eines der zahlreichen Büros. Hinter einem schwarzen Schreibtisch aus Stahlrohr hockte ein etwa 35jähriger, korrekt gekleideter Ghanaer in einem maudefarbenen Anzug. Er fragte: "Sie sind Herr Herold?"
"Stimmt."
"Wir möchten nur ein paar Angaben zu Ihrer Person: Geburtsdatum, Geburtsort, Name Ihrer Eltern, wann und wo zur Schule gegangen. Sie verstehen - es handelt sich lediglich um eine Routineüberprüfung."
Der Mann spielte gelangweilt mit seinem Bleistift, dann drückte er auf einen Knopf seitlich am Schreibtisch. Ein Stenograph trat ein und nahm meine Angaben auf. Dann hieß es: "Folgen Sie mir bitte." Wir stiegen eine schmale Treppe hinauf und gelangten in einen langgestreckten Raum, an dessen Fenster ein uniformierter Soldat vor einem "Walkie-Talkie" saß. Die Antenne des Funkgeräts war durchs offene Fenster nach draußen gerichtet.
Bevor ich noch eine Frage stellen konnte, hämmerte der Maudefarbene los: Ob ich viele Freunde in Akkra hätte; was ich von Ghana hielte; ob ich eine der Eingeborenensprachen spräche; ob Akkra meiner Meinung nach eine moderne Stadt sei; welche Orte ich in Ghana bereits besucht hätte und was ich von seiner Bevölkerung dächte.
Ich bemühte mich, seinen Wissensdurst zu stillen, da ich wußte, wie stolz, aber auch empfindlich Afrikaner sind, wenn es um ihr Ansehen geht. Meine Antworten schienen ihn zu befriedigen, denn er lächelte mich nun an und sagte nach einer kleinen Pause: "In ein paar Jahren wird die Welt auf Ghana blicken."
Da wurde die Tür aufgerissen. Ein massiver, 1,85 Meter großer Mann mit Spitzbauch, über dem sich ein zu enges blaues Pulloverhemd spannte, trat ein,
gefolgt von drei Begleitern. Sie setzten sich grußlos an den Konferenztisch. Der Mann im blauen Pulloverhemd schien der Boß zu sein. Er neigte sich seinem Nachbarn zu, flüsterte ein paar mir unverständliche Worte und wies mit einer kurzen Kopfbewegung auf mich. Dann ließ er in schroffem Ton Fragen auf mich niederprasseln:
"Sie leben in Lagos?"
"Ja."
"Wen von den ghanaischen Flüchtlingen kennen Sie da?"
Ich zögerte, als müsse ich erst nachdenken. Dabei musterte ich meinen Inquisitor. Aus einem schwammigen, feisten Gesicht blickten harte Augen,
die dicken Lider schienen vom Alkohol gerötet, die Augäpfel waren von fahlem Gelb. Der Mann hatte breite Schultern. Seine wurstigen Finger zogen eine Tabakspfeife aus der Tasche und stopften sie umständlich. Wie die übrigen hatte auch er mir seinen Namen nicht genannt. Während er die Pfeife in Brand setzte, sagte er ironisch:
"Sind Sie nie Kwow Richardson begegnet? Und haben Sie nie Dr. Busia gesprochen? Packen Sie endlich aus! Wir sind gut über Sie unterrichtet." Aber ich wollte nicht. Ich war nicht entschlossen, jetzt schon zu sagen, was ich wußte.
Der Spitzbauch im blauen Pulloverhemd stand auf. Seine kräftigen Fäuste auf den Tisch gestützt, beugte er sich vor. Dann sagte er, als hinge an jedem seiner Worte ein Bleigewicht: "Seit Monaten sind wir über Ihren Umgang mit Richardson und Busia unterrichtet! Wir haben unsere Leute in England und Nigeria. Die beiden setzen kein Bein vors andere ohne unser Wissen."
Einer der Anwesenden, ein Mann mit Nkrumah-Stirnglatze, warf ein: "Denken Sie an Ihre Frau, Herold! Seien Sie vernünftig. Warum,wollen Sie sich für Leute wie Richardson und Busia in Gefahr begeben?"
Nun mischte sich der pfeiferauchende Inquisitor wieder ein: "Mr. Herold, Sie
Sind ein Agent der westlichen Imperialisten, die Ghanas Aufbau und die Einigung Afrikas sabotieren wollen. Und die Carl-Duisberg-Gesellschaft, die Sie vertreten, ist eines der Instrumente dazu. Eine vorzügliche Tarnung! Jeder weiß, daß diese Gesellschaft von Neo -Kolonialisten in Westdeutschland finanziert,wird. Sie bedient sich der Feinde Ghanas, um ihre schmutzigen Ziele zu erreichen: den Sturz der Regierung Dr. Nkrumah und die Zerstörung des Sozialismus in Ghana. Und Sie" - er schlug mehrmals mit der Faust auf mein vor ihm liegendes Paßbild - "sind der Verbindungsmann dieser Imperialisten."
Impulsiv schob er beim Aufstehen seinen Sessel zur Seite. Auch die andern hatten sich von ihren Plätzen erhoben. Während sie den Raum verließen, redeten sie lebhaft miteinander. Ich hatte den Eindruck, als diskutierten sie den weiteren Fortgang meines Verhörs.
Der Jüngling führte mich wieder in das Büro, das ich bei meiner Ankunft betreten hatte. Als wir eintraten, saß der Mann im maudefarbenen Anzug noch hinter seinem Schreibtisch. Er hatte an dem Verhör im Konferenzraum nicht teilgenommen. Ich nahm wieder auf meinem alten Stuhl vor dem Schreibtisch Platz. Der Jüngling setzte sich neben mich. Er schlug die Beine übereinander und legte einen Notizblock darauf.
Der Spitzbauch, begleitet von einem halben Dutzend Leuten, trat ein und ließ sich verdrossen auf der Schreibtischkante nieder. Es war längst Mittagszeit. Kein Afrikaner verpaßt ohne zwingenden Grund seine Mahlzeiten. "Chop" ist die wichtigste Vokabel in seinem englischen Wortschatz. Ich spürte, wie ärgerlich alle waren, weil sie durch mich um ihren "chop-chop"
- ihren Lunch - gebracht wurden.
Der Maudefarbene hinterm Schreibtisch schien sich als erster damit abgefunden zu haben, er wurde plötzlich lebhaft. In seinen Sessel zurückgelehnt, wechselte er mit dem Spitzbauch einige Worte in Ga. Als dieser nickte, gab er dem Jüngling ein Zeichen, meine Aktenmappe zu durchsuchen. Als der Jüngling die Hand nach ihr ausstreckte, legte ich meinen Arm darauf.
"Sie gehen zu weit", protestierte ich. Doch der Jüngling ließ sich nicht beirren. Feixend sagte er: "Und Sie unterschätzen uns wohl!"
Mein Reisepaß, den ich zur Aufnahme meiner Personalien hatte vorweisen müssen, lag in Reichweite vor mir auf dem Schreibtisch. Ich wollte ihn einstecken, da griff der Jüngling zu. Diesmal war er schneller und reichte ihn dem Mann im maudefarbenen Anzug.
Eine kalte Wut kroch in mir hoch. Was maßten sich diese Leute an? "Ich verzichte auf meine Zulassung zur Konferenz. Geben Sie mir meinen Paß zurück! Ich werde noch heute Ihr Land verlassen", sagte ich.
"Das geht leider nicht", erwiderte der Spitzbauch kühl. "Zeigen Sie uns den Inhalt Ihrer Aktenmappe, dann wollen wir sehen, ob Sie gehen können."
"Bitte, es sind weder Bomben noch Granaten drin", sagte ich ironisch und stülpte ihren Inhalt auf den Tisch: Stenoblock, Kalender, Tabaksbeutel, drei Pfeifen und ein blaues Ringbuch. Meine Brieftasche steckte in einem Seitenfach, wo ich sie stets aufzubewahren pflegte, wenn ich wegen der Hitze tagsüber keinen Rock trug. Ich nahm sie heraus und wollte sie in die Hosentasche schieben. Der Spitzbauch hatte mich beobachtet.
"Was wollen Sie da verschwinden lassen?" knurrte er. Auch die anderen, waren plötzlich alarmiert. Bis dahin hatten sie spielerisch-gleichgültig in dem Mappeninhalt herumgewühlt, nun starrten sie mich an.
"Zeigen Sie Ihre Brieftasche her", kommandierte der Spitzbauch. Ich reichte sie ihm, nahm aber zuvor einen schmal zusammengefalteten Brief heraus, um ihn in meine Hosentasche zu schieben.
Da stürzte der Jüngling vor. Er griff nach meinem Handgelenk, um mir den Brief zu entwinden. Aber ich wehrte ab. Die Hand, in der ich den Brief hielt, fuhr dabei hoch. Es sah so aus, als wollte ich den Brief schnell in den Mund stecken. Der Jüngling mußte das angenommen haben. Er sprang von seinem Stuhl und stieß aufgeregt hervor: "Er will ihn verschlucken. Nehmt den Brief, haltet ihn!"
Es war seltsam: In der allgemeinen Bestürzung wagte niemand, mir den Brief gewaltsam abzunehmen. Ich zwang mich zur Ruhe und reichte das Papier über den Tisch. In diesem Augenblick wußte ich, daß ich endgültig in der Falle saß. Nun würden sie mich nicht mehr laufenlassen.
Es war trotz der geöffneten, drahtvergitterten Fenster unerträglich heiß im Zimmer. Mein Mund war ausgetrocknet und die Zunge unfähig, die spröden Lippen zu befeuchten. Ein unangenehmes Frösteln kroch an mir hoch.
Der Spitzbauch überflog die Zellen, umdrängt von seinen Mitarbeitern. Jeder wollte mitlesen. Grinsend wandte er sich dann an mich: "Dachte ich es doch! Wir haben uns also nicht geirrt!" Er sagte dem Maudefarbenen ein paar Sätze in Ga und verschwand eilig aus dem Raum. Erst drei Tage später sah ich ihn wieder, als ich ihm aus der Haftzelle vorgeführt wurde. Da erst erfuhr ich, daß er der Chef der "Special Branch" war.
Der Maudefarbene führte nun die weitere Vernehmung. Sie dauerte bis neun Uhr abends. Er verlangte, ich solle ein "Geständnis" ablegen und darin bekennen, daß ich zu den Männern um Dr. Busia und Kwow Richardson gehöre und nur gekommen sei, um mit den Gegnern Dr. Nkrumahs Kontakt aufzunehmen.
Ich protestierte gegen diese Unterstellung. "Ich habe mich lediglich auf Richardsons Bitte hin bereit erklärt, diesen Brief mitzunehmen. Er ist offenbar an einen Bekannten von ihm gerichtet, von dem er lange Zeit nichts gehört hat."
"Lovelace Johnson, Chefreporter der 'Daily Graphic'."
"Ja."
"Haben Sie Johnson aufgesucht, nachdem Sie in Akkra eintrafen?"
"Nein. Ich kenne ihn nicht. Ich habe ihn nie gesehen."
"Warum haben Sie ihn nicht sofort verständigt? Sie hatten doch seine Telephonnummer in Ihrem Notizbuch vermerkt."
"Ich habe den Brief geöffnet und gelesen, nachdem ich in Aflao die Grenze
passiert hatte. Nach Kenntnis des Inhalts beschloß ich, den Brief nicht weiterzuleiten."
"Der Brief war Ihnen verschlossen mitgegeben worden?"
"Ja. Beigelegt waren 15 ghanaische Pfundnoten. Brief und Geld steckten zusammen in einem größeren Umschlag. Das Geld ist für den sechsjährigen, unehelichen Sohn von Richardson bestimmt. Mr. Johnson sollte es der Mutter des Jungen aushändigen."
"Erzählen Sie uns keine Märchen. Sie kannten den Inhalt des Briefes ganz genau. Sie wußten auch, daß Richardson ihm diesen infamen Fragebogen beigefügt hatte. Dieses Papier hier ist ein höchst subversives Dokument."
"Ich kannte den Briefinhalt, weit Richardson ihn mir, kurz vor meiner Abreise aus Lagos, in Stichworten angegeben hatte. Von dem beigefügten Fragebogen wußte ich nichts. Richardson kam zu mir, als ich mit dem Packen meiner Sachen beschäftigt war. Er sagte, ich solle ihm einen Gefallen tun und das Geld mitnehmen. Ich sah keinen Grund, diese Bitte abzuschlagen." "Warum haben Sie den Brief geöffnet?" fragte er lauernd.
"Die Grenzkontrolle war diesmal ungewöhnlich scharf, obwohl ich die Beamten von früheren Besuchen kannte. Mein Wagen wurde peinlich genau durchsucht, Koffer und Taschen wurden geöffnet. Das machte mich stutzig. Der Immigration Officer ignorierte das in den Paß eingestempelte 28-Tage-Visum. Er ging zu seinem Vorgesetzten und ließ diesen über meine Einreise oder Nichteinreise entscheiden.
"Es dauerte eine Viertelstunde, ehe er wieder bei mir erschien und erklärte, ich könne ausnahmsweise einreisen. Das Visum war auf sieben Tage verkürzt worden. Auf dem Wege von Aflao nach Akkra kamen mir plötzlich Bedenken. Ich war mißtrauisch geworden und fragte mich, ob die minuziöse Durchsuchung nicht etwa die Folge meiner Bekanntschaft mit Richardson sei. Ich hielt es nicht für ausgeschlossen, daß sie den ghanaischen Behörden bekanntgeworden war. Darum öffnete ich den Briefumschlag. Ich wollte wissen, was ich für Richardson bei mir führte."
"Und was fanden Sie?" In seiner Stimme lag offener Hohn. Zustimmung heischend blickte er hinüber zu seinen Kollegen. Die nickten beifällig und musterten mich wie einen auf frischer Tat ertappten Verbrecher.
"Ich fand einen harmlosen Brief, dessen Inhalt mit den Angaben von Richardson übereinstimmte. Ebenso war der Geldbetrag in der von ihm angegebenen Höhe vorhanden. Der Fragebogen dagegen überraschte mich. Von ihm wußte ich nichts. Ich hielt es für richtig, ihn nicht an Mr. Johnson weiterzugeben."
"Und warum nicht? Wollen Sie mir weismachen, Sie seien plötzlich von Skrupeln befallen worden, Sie, ein Feind Ghanas? Sie reizen mich zum Lachen!"
"Warum haben Sie den Brief samt Fragebogen nicht vernichtet? Sie hätten ihn leicht verbrennen können."
"Ich wollte ihn Richardson persönlich zurückgeben. Er sollte nicht annehmen, die Papiere seien in falsche Hände gelangt. Einem solchen Verdacht wollte ich vorbeugen, weil es für Richardson leicht ist, mir in Lagos die größten Schwierigkeiten zu bereiten."
"Mit anderen Worten: Sie wollten Richardson nicht verraten, nicht wahr?"
"Ich wollte neutral bleiben, wollte in ghanaische Angelegenheiten nicht verwickelt werden. Schließlich bin ich Ausländer und habe meinen Wohnsitz nicht in Ghana, sondern in Nigeria."
Der Maudefarbene erhob sich verstimmt aus seinem Sessel. Er hatte wohl erwartet, ich würde nach der Entdeckung des Briefes "auspacken". Nun sah er ein, daß er auf dem eingeschlagenen Weg nicht weiterkam. Er überlegte einen kurzen Augenblick, dann nahm er den Hörer und wählte eine dreistellige Nummer innerhalb des Hauses.
Das Ergebnis seines Telephongespräches war, daß wir wieder den Konferenzraum aufsuchten, in dem ich bereits gegen Mittag vernommen worden war. Auf dem Wege dorthin bat ich, die Toilette benutzen zu dürfen. Der Maudefarbene warf mir einen mißtrauischen Blick zu. "Begleite ihn", sagte er zu dem Jüngling. Im Vorraum der Toilette trank ich Wasser aus der Leitung, was meinen Begleiter höchst erstaunte. Ich war dem Verdursten nahe.
"Seit Stunden steht auf dem Schreibtisch ein Glas Wasser, das Sie nicht angerührt haben. Warum trinken Sie hier aus der hohlen Hand? Oder hatten Sie etwa gedacht, von hier türmen zu können?" fragte er erbost.
"Dazu habe ich keinen Anlaß, ich bin ja nicht Ihr Gefangener. Aber ich wollte wissen, welches Wasser ich trinke. Nur eine kleine Vorsichtsmaßnahme. Sie haben doch nichts dagegen?" erwiderte Ich.
Im Konferenzraum nahmen wir unsere alten Sitze ein. Der Soldat mit seinem Walkie-Talkie-Gerät war ebenfalls wieder zur Stelle. Nach zwei Minuten trat auch der Pfeifenraucher hinzu und vervollständigte die alte Besetzung. Lediglich der Spitzbauch fehlte.
Der Pfeifenraucher rückte seinen Sessel zurecht. Dann sah er mich aus kalten Augen lange an und sagte: "Sie wollen also nicht reden? Schön, wir werden Ihnen ein bißchen behilflich sein." Er wühlte in den Blättern eines Aktenstücks. Etliche Seiten trugen Anmerkungen in Rotschrift und waren dick unterstrichen.
"Was haben die Gangster Richardson und Busia Ihnen alles erzählt?"
"Mister Richardson sagte, daß Ghana wirtschaftlich am Ende sei, daß Dr. Nkrumahs Sozialismus nicht funktioniere und daher die Rückkehr. Ghanas zu demokratischen Spielregeln für das Land der einzige Ausweg wäre."
Der massige Kopf meines Inquisitors fuhr hoch. Erregt legte er seine Pfeife beiseite. "Den 'Mister' können Sie sich sparen. Der Kerl ist für uns kein 'Mister', er ist ein Verbrecher. Wir werden ihn aufhängen, wenn wir ihn erwischen. Ist Ihnen klar, daß er und Busia hinter all den Attentaten auf Dr. Nkrumah stecken? Erzählen Sie uns lieber, was die Kerle nun wieder im Schilde führen und wer ihnen dabei hilft."
"Das weiß ich nicht."
"Ach, was Sie nicht sagen. Ich will Ihr Gedächtnis auffrischen: Als Richardson und Busia am Abend des 30. August erstmals in Ihrer Wohnung in Lagos erschienen, haben sie Ihnen da nicht erzählt, daß sie wichtige Helfer in Ghana hätten? Zum Beispiel in der Polizei, im Militär, in der Regierung und Verwaltung? Sie haben Ihnen das gesagt, weil Sie die Erfolgschancen einer Verschwörung bezweifelt haben. Stimmt's?"
Ich konnte vor Überraschung keine Worte finden. Auf das war ich nicht vorbereitet. Woher wußte der Mann, worüber Dr. Busia, Richardson und ich in meinem Arbeitszimmer in Lagos gesprochen hatten? Wir waren allein gewesen, nicht einmal meine Frau war während dieser Unterhaltung anwesend. Auch unser Boy war an diesem Abend nicht im Hause. Wie konnte also das,
was wir besprachen, in die Akten dieses Mannes gelangen?
Bei dem Hin und Her von Frage und Antwort wurde mir auf einmal klar, welche Aufgabe dem Soldaten zufiel, der schweigsam und unbeweglich vor seinem Walkie-Talkie-Gerät saß: Meine Vernehmung wurde per Funk irgendwohin gesendet und dort wahrscheinlich auf Tonband festgehalten! Wie richtig die Vermutung war, sollte sich wenig später erweisen.
Je mehr der Inquisitor mich mit seinen Fragen bedrängte, desto deutlicher erkannte ich, daß er so ziemlich über alles unterrichtet war, was ich mit Dr. Busia und Richardson besprochen hatte. Denn er war nicht nur über ganze Passagen unserer damaligen Gespräche informiert, er wußte auch, daß Dr. Busia mir von London aus am 5. September einen Brief geschrieben hatte. Selbst den Inhalt dieses Briefes kannte er, wie sich sogleich zeigte:
"Haben Sie mit Dr. Busia in Briefwechsel gestanden, nachdem er Sie in Lagos aufgesucht hatte?"
"Briefwechsel? Ich hatte ihm nichts mitzuteilen, das eines Briefwechsels bedurft hätte." Vorsichtig tastete ich mein Gegenüber ab.
"Ich meine nicht, ob Sie ihm geschrieben haben! Hat er Ihnen geschrieben?"
Als müsse ich mich erst besinnen, erwiderte ich: "Ja, richtig, er bedankte sich kurz für die in meinem Hause genossene Gastfreundschaft."
"Gastfreundschaft? Was haben Sie ihm denn angeboten, als er bei Ihnen war? Bier, Whisky, Tee?" Er feixte unverschämt, er war seiner Sache sicher.
"Ich weiß nicht mehr, was er trank. Meine Frau hatte die Bewirtung besorgt."
"Sie lügen schlecht! Ich will's Ihnen sagen: Wasser hat er getrunken! Nur Wasser, denn der Mann ist Diabetiker. Er hatte also kaum Anlaß, für diese Bewirtung schriftlich zu danken.
"All right. Sie wollen also nicht. Nun, hören Sie zu: Wir werden Sie so lange festhalten, bis Sie Ihr Wissen zu Papier gebracht haben, verstanden? Und damit Sie nicht denken, Sie könnten uns mit Lügen bedienen, will ich Ihnen etwas sagen."
In wenigen Minuten gab der Mann mir zu erkennen, wie aussichtslos es war, mich weiterhin unwissend zu stellen. Er wußte weit mehr, als ich angenommen hatte. Ich war erstarrt und fühlte mich hundeelend. Ich hatte am Morgen nur ein sehr leichtes Frühstück zu mir genommen und seitdem nichts mehr gegessen. Es war bereits sechs Uhr abends.
Der Mann blickte auf seine Armbanduhr. "Wollen Sie immer noch nicht reden? Ich denke, Sie haben nun Beweise genug, daß wir nicht schlafen."
"Was werden Sie gegen mich unternehmen?" fragte ich tonlos.
"Sie festhalten, bis Sie Ihre Aussagen zu Papier gebracht haben."
"Dann verlange ich, daß Sie die Deutsche Botschaft verständigen. Ich werde einen Rechtsanwalt konsultieren und darauf bestehen, einem Vernehmungsrichter vorgeführt zu werden."
Der Inquisitor lächelte nachsichtig: "Wir haben Ausnahmezustand in Akkra, Sie können also ohne viele Umstände in Haft genommen werden. Kein Anwalt kann Sie davor bewahren!"
Er stand auf, auch die andern erhoben sich von ihren Plätzen. Ich wurde in das Büro des Maudefarbenen gebracht. Der Mann mit der Nkrumah -Stirnglatze wiederholte seine Ermahnungen, die er mir bereits am Mittag erteilt hatte: "Denken Sie an Ihre Frau! Machen Sie eine schriftliche Aussage, und alles ist in Ordnung."
Ich schaute kurz zu ihm auf, suchte in seinem Gesicht, in seinem Blick zu lesen. Aber ich fand nichts Vertrauenswürdiges darin und schwieg weiter.
Eine Stunde später brachten mich der Mann im maudefarbenen Anzug und der mit der Stirnglatze ins "Burma Camp", ein riesiges, umzäuntes Militärgelände, auf dem sich die Hauptquartiere der ghanaischen Streitkräfte befinden.
Ein Posten öffnete und ließ unsere schwarze Limousine durch. Ich sah etliche Steinbaracken, von hohen Betonmauern umgeben. Ein Sergeant und zwei Korporale erhielten den Auftrag, mich in eine Arrestzelle zu führen.
Ich legte mich in Kleidern auf das Eisenbett und starrte gegen die Decke. Mir fielen die Worte des Inquisitors ein: "Ausnahmezustand in Akkra!" Ohne Unterlaß kreisten derlei Überlegungen durch mein Gehirn. Erst gegen Morgen fiel ich in einen totenähnlichen Schlaf. Um sieben Uhr - die Nachtwache wurde abgelöst - öffnete ein Soldat die Zellentür. Neben ihm stand ein Sergeant und winkte mir, ihm zu folgen. Er führte mich über einen schmalen Flur in einen kleinen Hof. "Hier können Sie tagsüber Luft schnappen." Ich wanderte auf und ab und blickte sehnsüchtig in den azurblauen, wolkenlosen afrikanischen Himmel. Ob die Deutsche Botschaft schon von meiner Verhaftung erfahren hatte?
Einer der Soldaten brachte das Frühstück. Es kam aus der Offiziersmesse und war reichlich: Tee, Butter, Marmelade, Toast, ein Rührei mit Speck. Obschon ich während der letzten 24 Stunden nichts mehr gegessen hatte, fehlte mir jeder Appetit. Ich schob das Frühstück dem Soldaten hin, der es mit Behagen verzehrte.
Der Sergeant, der mich geweckt hatte, ließ sich gelegentlich blicken, um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen. Ich erfuhr, daß ich mich in einem Sonderlager innerhalb des Burma Camp befand.
Über die Behandlung, die ich in diesem Lager erfuhr, konnte ich nicht klagen. Tagsüber durfte ich mich in dem kleinen Hof aufhalten, und nur während der heißen Mittagsstunden suchte ich die Zelle auf.
Montag vormittag, es war der 25. Oktober, erschien der Maudefarbene in Begleitung eines weiteren Zivilisten im Burma Camp, um mich abzuholen. Die schwarze Limousine fuhr uns zum Hauptquartier der "Special Branch". Unterwegs sagte der Maudefarbene: "Wenn Sie uns jetzt reinen Wein einschenken und Ihr Katz-und-Maus-Spiel aufgeben, lassen wir Sie laufen."
Im Konferenzraum fand ich mein gesamtes Gepäck vor. Nichts fehlte. Der Begleiter des Maudefarbenen entpuppte sich als dessen Vorgesetzter, er bestimmte von nun an den weiteren Verlauf des Geschehens. Der Maudefarbene redete ihn mit "Mr. Lindsay" an. Diesen Mr. Lindsay hatte ich am Tage meiner Verhaftung nur flüchtig gesehen, als er in den Konferenzraum hineinschaute, diesen aber gleich wieder verließ.
Als "Deputy Director" der S. B. war er der Stellvertreter des Spitzbauchs im blauen Pulloverhemd, dem höchsten Beamten der S. B. Dessen Namen habe ich von politischen Gefangenen im Ussher-Fort-Gefängnis erfahren. Danach soll er Makette heißen. Es dauerte auch nicht lange, da erfuhr ich endlich den Namen des Maudefarbenen: Lindsay nannte ihn Armah.
"Beginnen wir", sagte Lindsay. "Ich halte es für das beste, wenn Sie Ihre Aussagen auf Ihrer Maschine selbst tippen. Einverstanden?"
Ich hatte nichts dagegen. Armah bemerkte: "Es dürfte Ihnen inzwischen klar sein, daß wir fast hundertprozentig über den Umfang Ihrer Verbindung zu Richardson und Dr. Busia unterrichtet sind. Es wäre deshalb nicht gut, wenn Sie Tatsachen ausließen, in der Annahme, wir wüßten sie nicht. Wir wollen von Ihnen lediglich eine Bestätigung dessen, was wir selbst festgestellt haben. Und das ist eine Menge, wie Sie am Samstag gesehen haben."
Lindsay und Armah konnten auf Grund ihrer genauen Kenntnisse ein enges Netz verfänglicher Fragen über mich werfen. Leugnen hätte mich nur in größere Schwierigkeiten gebracht. Ich hatte nicht vergessen, was Armah so betont beiläufig gesagt hatte: "Wir haben Möglichkeiten, in Lagos Ihren Schreibtisch zu öffnen ..."
So kam es, daß Armah" mir mein Statement nahezu diktierte. Lindsay wußte, daß Dr. Busia mir die Summe von 300 000 Pfund genannt hatte, die er für Parteizwecke benötigte: "Wie gedachte Busia das Geld zu verwenden?"
Ich suchte nach Ausflüchten, aber er unterbrach mich: "Stellen Sie sich nicht unwissender, als Sie sind. Es sind doch drei. Phasen genannt worden, für die er das Geld benötigte."
Nach solchen Kostproben gab ich es endgültig auf, die beiden noch länger täuschen zu wollen. Lindsay und Armah kontrollierten meine Angaben anhand des vor ihnen liegenden Dossiers.
Als ich die Niederschrift beendet hatte, fragte ich Lindsay, ob ich nun frei sei.
"Noch nicht, Ihr Bericht muß erst von oben geprüft werden. Wir bringen Sie zurück ins Camp und geben Ihnen so bald wie möglich Bescheid."
Zwei Tage später erschien morgens ein Beamter aus Lindsays Büro, um mich ins Hauptquartier der S. B. zu bringen. Hier stieß ich auf Armah. "Wir brauchen Ihre Fingerabdrücke."
Ich war überrascht und enttäuscht: "Ich dachte, Sie haben mich gerufen, um mir Meine Freilassung mitzuteilen:"
"Leider ist die Entscheidung darüber von vorgesetzter Stelle immer noch nicht gefallen. Gedulden Sie sich noch einige Tage."
Jemand führte mich in das Büro des Erkennungsdienstes und forderte mich auf, Platz zu nehmen und auf den für diese Arbeit zuständigen Beamten zu warten.
Das Büro war leer - bis auf einen Nachtwächter, der in einer Ecke auf einer Bastmatte schlief. Plötzlich sah ich draußen einen stutzerhaft gekleideten Afrikaner mit sorgfältig gepflegtem Spitzbart vorbeigehen. Er hatte mich nicht gesehen, aber ich erkannte ihn sofort.
In Lagos war ich ihm im "Island Club" mehrmals begegnet. Ein nigerianischer Kollege war vor Monaten von diesem Mann gebeten worden, ihm meine Bekanntschaft zu vermitteln. Ich war jedoch ausgewichen, weil ich diesen Dandy als zu aufdringlich empfand. Ich fragte aber, wer der Mann sei, und erfuhr, daß es sich um einen Journalisten handle, der in Lagos ein Public-Relations-Büro unterhält.
Was hatte dieser Mann hier in Akkra in den Büros der S. B. zu suchen? Sollte er mich am Ende beschattet haben?
Wochen später - ich war unterdessen zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt und saß im Ussher Fort - erfuhr ich zufällig, daß der spitzbärtige Dandy unseren diplomatischen Vertretungen in Akkra und Lagos seine "Hilfsdienste" in meinem Fall angeboten hatte. Doch die Botschaften hatten den Braten sofort gerochen und in ihm zu Recht einen Lockspitzel vermutet.
Zwei Wochen saß ich bereits im Burma Camp ein, als mich Lindsay am Samstag, dem 6. November, rufen ließ. Als ich in sein Büro trat, sah ich auf seinem Schreibtisch den von der S. B. beschlagnahmten Inhalt meiner Aktenmappe: Reisepaß, Notizbuch, Kalender und die Empfehlungsschreiben von Zeitungen und Rundfunkstationen.
Ich atmete innerlich auf. Es sah so aus, als würden mir diese Gegenstände nun gegen Quittung ausgehändigt; ich rechnete fest mit meiner Freilassung.
Schweigend lud Lindsay mich ein, Platz zu nehmen. Ohne mich anzusehen, griff er in eine Schublade, entnahm ihr ein Schriftstück und schob es mir wortlos hin. Die Buchstaben begannen vor meinen Augen zu verschwimmen, als ich las: "Bill of Indictment".
Das Schriftstück war nicht meine Entlassungsverfügung, sondern eine Anklageschrift. Sie umfaßte zwei Punkte: "misprision of treason" und "illegal importation of Ghana currency" -" Nichtanzeige von Hochverrat" und "illegale Einfuhr ghanaischer Banknoten".
Ich war wie gelähmt. "Sie wollen mich nicht entlassen, sondern vor Gericht stellen?" Lindsay lächelte verkniffen: "Ich hatte keinen Einfluß darauf und muß den Weisungen von oben folgen. Wenn Sie es wünschen, werde ich Ihre Botschaft verständigen."
Das geschah. Eine Stunde später erschien der deutsche Botschafter, Herr Steltzer, selbst in Lindsays Büro. Er war bestürzt über diesen Ausgang, hatte er doch, gleich mir, immer noch an meine Freilassung geglaubt. Herr Steltzer versprach, einen guten Anwalt zu besorgen, und versicherte mich der vollen Unterstützung der Botschaft.
Am 10. November begann in Akkra die erste Verhandlung vor dem Magistrate Court, in der als Oberster Ankläger der Generalstaatsanwalt und Justizminister, B. E. Kwaw-Swanzy, mit voller Starbesetzung auftrat: fünf Staatsanwälte samt den Funktionären der Nkrumah-Einheitspartei C.P.P.
Schon die ersten Sätze seiner flammenden Anklage ließen erkennen, daß es dem schwarzen Freisler auf einen politischen Schauprozeß ankam. Eine Stunde lang überhäufte Swanzy den Westen mit hysterischen Anschuldigungen. Mich stempelte er zum "neokolonialistischen Agenten des westlichen Imperialismus".
Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich Jugendgruppen zu anti-westlichen Demonstrationen versammelt. In Sprechchören forderten sie: "Nieder mit den Imperialisten", "Hände weg von Ghana", "Nieder mit Ian Smith" (Rhodesien hatte gerade an diesem Tage einseitig seine Unabhängigkeit erklärt).
Mit viel Stimmaufwand überzeugte Ankläger Swanzy das Gericht davon, daß es wegen der Schwere der Anklage nicht zuständig sei, sondern in diesem Fall der High Court urteilen müsse. Er beantragte, mich in Untersuchungshaft zu nehmen. Noch am gleichen Tag wurde ich in das Ussher-Fort-Gefängnis in Akkra eingeliefert.
Fünf Tage später, am 15. November, begann die Verhandlung im lindgrünen Saal 4 des High Court. Sie dauerte bis zum 30. November. Es war vom ersten Augenblick an klar, wer hier Recht sprach: nicht der Richter, auch nicht die sieben Geschworenen, mit den viel zu kleinen Perücken auf den Krausköpfen, sondern der Ankläger.
Mein Verteidiger, Mr. Heward-Mills, wurde überfahren und erhielt so gut wie keine Gelegenheit, Tatsachen, die einwandfrei zu meinen Gunsten sprachen, wirksam herauszustellen. Versuchte er es, so winkte der Richter ab. Man wollte bewußt nicht hinhören.
Der ghanaische Freisler entdeckte, daß ich nicht ausreichend angeklagt war, und fügte den bestehenden Anklagepunkten noch einen dritten hinzu - "subversive Konspiration".
Am 30. November diktierte der Ankläger dem Gericht mein Strafmaß. Mit einer Verbeugung vor Richter Sarpong Asafu-Adjaye und der siebenköpfigen Jury - sie hatte mich kurz zuvor für schuldig befunden - begann Kwaw - Swanzy sein Plädoyer.
Auf eine lebenslängliche Zuchthausstrafe wolle er verzichten, sagte Swanzy, um "Ghana die Anwesenheit eines solchen Mannes auf so lange Zeit zu ersparen". Er hielt 75 Jahre für ausreichend. Die Strafe setzte sich zusammen aus
- 40 Jahre für die Nichtanzeige hochverräterischer Umtriebe;
- 25 Jahre für die illegale Einfuhr von
ghanaischen Banknoten;
- 10 Jahre für subversive Konspiration.
Nach britischem Brauch wurden die 75 Jahre zu 40 Jahre zusammengezogen:
Die Zelle im Ussher Fort, in die ich nach der Urteilsverkündung gebracht wurde, teilte ich mit zwei Europäern und einem Libanesen. Der Elsässer Schnepf, 35, und der Österreicher Clementin, 29, saßen schon fast anderthalb Jahre. Sie waren zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie als Touristen ohne Visum die Grenze zwischen Togo und Ghana überschritten hatten.
Gegenüber den afrikanischen Häftlingen genossen wir Europäer gewisse Privilegien. So bestimmte die Gefängnisordnung, daß wir in größeren Zellen und getrennt von Afrikanern unterzubringen waren. Unser Zellenfenster war zwar wie die Zellentür vergittert, doch durften beide nicht von außen durch Blendläden verschlossen werden. Das Ussher Fort stammt noch aus der Zeit des Sklavenhandels und ist eines der ausbruchssichersten Gefängnisse von Ghana.
Morgens um sechs mußte die Wachmannschaft täglich zur Leibesvisitation antreten, bei der sie auf Schmuggelgut untersucht wurde. Dann kam die erste Zählung der Gefangenen, erst danach wurde unsere Zellentür aufgeschlossen. Das Zeichen dazu gab ein Wärter, der mit einem Eisenstab dreimal auf eine ausgediente Eisenbahnschiene schlug. Das bedeutete: "Number correct" - kein Gefangener fehlt. Insgesamt wurden wir viermal am Tag gezählt.
Wir Europäer wurden nicht so brutalbehandelt wie die Afrikaner. Ich sah, wie ein schwarzer Gefangener mit einer 20 Zentimeter langen Platzwunde am Kopf ins Krankenhaus transportiert werden mußte. Rabiates Hin- und Herstoßen von Gefangenen, die nicht schnell genug parierten, war im Ussher Fort an der Tagesordnung.
Oft belegten Wärter ihre afrikanischen Brüder mit Ausdrücken wie "Schwein" oder "Buschaffe". Eines Tages, ich hatte zufällig beobachtet, wie ein Gefangener brutal geohrfeigt wurde, fragte ich den Hauptaufseher des Forts, Chief Prison Officer Mr. Bampoo: "Ich verstehe nicht, daß diese Wärter ihre afrikanischen Landsleute ohrfeigen, prügeln und 'Schwein' schimpfen" dürfen. Ich hatte gedacht, so etwas sei mit der afrikanischen Auffassung von Menschenwürde unvereinbar."
Mr. Bampoo grinste verlegen, eine Antwort wußte er nicht.
Im Gegensatz zu den unteren Chargen der Gefängnisbeamten war der Chief Superintendent des Ussher Fort, Mr. Attoh, um Gerechtigkeit bemüht. Aber er konnte seine Augen nicht überall haben; auch waren ihm in der Nkrumah-Zeit scharfe Grenzen gezogen, die er nicht ohne persönliche Gefahr überschreiten durfte.
Wer Nkrumahs Biographie gelesen hat, weiß, daß sich der schwarze "Erlöser" darin über die Gefängniszustände unter den Briten während seiner eigenen Haft 1951 bitter beklagte. Die von ihm so scharf kritisierten Zustände und Methoden hatten sich aber in seinen Gefängnissen eher noch verschlimmert.
Die Verpflegung der afrikanischen Insassen würde in jedem europäischen Gefängnis zur Revolten führen. Was da als Mahlzeiten in ihre Zellen getragen wurde, konnte nur mit Schweinefutter verglichen werden: wässerige schmutziggraue Soßen, in denen undefinierbare Brocken schwammen.
Ähnlich waren die hygienischen Verhältnisse. Der Duschraum, unter offenem Himmel, diente den Wärtern zugleich als Pissoir. Für die Gesundheit von 500 Gefangenen war ein einziger blutjunger Arzt zuständig, der einmal in der Woche "Sprechstunde" abhielt.
Wie dieser Medizinmann seine Aufgabe im Gefängnis auffaßte, demonstrierte er eines Tages, indem er mit seinem an der Hand baumelnden Stethoskop Fußball spielte.
Gefährlicher als die Oberflächlichkeit dieses Arztes war aber die Geistesschwäche des Gefängnis-Sanitäters. Der Mann war Patient in einer Nervenheilanstalt gewesen. Sein Verhalten bewies, daß er keineswegs geheilt war. Dieser Mr. Tagoe pflegte im Sanitätsraum zu schreien und zu toben. Jeder Gefangene, der ihn aufsuchen mußte, tat dies mit sehr gemischten Gefühlen: Bekam er auch die richtige Pille? Zwar führte der Sanitäter ein dickes Arzneibuch, in dem er die Anweisungen des Arztes vermerkte, doch fand er sich gewöhnlich in seinen eigenen Notizen nicht zurecht.
Die Aufseher hatten strenge Anweisung, mich, den Journalisten, von den politischen Häftlingen fernzuhalten. Trotzdem boten sich mir Gelegenheiten, zuweilen im Gefängnishof mit Ihnen zu sprechen. Es waren hervorragende Köpfe, denen ich da begegnete: Hochschullehrer, Parlamentarier, Minister und Diplomaten, Polizei- und Armee -Offiziere und eine ganze Anzahl fähiger Journalisten. Ihr Verbrechen war ihre von Nkrumah abweichende politische Meinung.
Nkrumah ließ auch seine "political thugs" - die Saalstürmer und Krawallschläger auf politischen Versammlungen - nach getaner Arbeit in Gefängnissen verschwinden, um sie mundtot zu machen. Selbst nach hochpolitischen Aktionen, etwa nach dem von Nkrumah vorbereiteten Attentat auf den togolesischen Staatspräsidenten Olympio, wurden die ghanaischen Kommandos eingekerkert. Wer im Gefängnis saß, konnte der Welt nichts mehr mitteilen.
Ich begegnete im Ussher Fort einem solchen Kommandoführer: Als ehemaliger Sicherheitsoffizier hatte er in der Nacht vor Olympios Ermordung eine 45 Mann starke Gruppe in erdfarbenen Tarnanzügen über die ghanaisch-togolesische Grenze geführt. Er hatte den Auftrag, die meuternden togolesischen Soldaten gegen Olympio aufzuwiegeln und mit Waffen zu versorgen.
In den Wochen und Monaten, in denen es so aussah, als müßte ich viele Jahre hinter den weißgetünchten Betonmauern des Ussher Fort verbringen, sprachen meine afrikanischen Freunde mir ständig Mut zu. Ihre tiefe Gläubigkeit befähigte sie zu übermenschlicher Geduld. Jahr für Jahr hofften sie auf das Wunder: den Sturz Nkrumahs.
An Versuchen hatte es nicht gefehlt, aber fünf Attentate - am 1. August 1962, 9. September 1962, 21. September 1962, 8. Januar 1963 und 2. Januar 1964 - waren fehlgeschlagen.
Deshalb hielt ich es für reines Wunschdenken, wenn mir die Afrikaner immer wieder versicherten, daß "bald" etwas geschehen werde. Doch in den letzten
Wochen des Jahres 1965 verstärkten sich Putsch-Gerüchte.
Ich wußte, daß unter den politischen Häftlingen einige geheimen Kontakt zu den Militärs, der Polizei und Gegnern NkruMahs in der Regierung hatten. Fünf Tage vor dem Marsch der Armee auf Akkra flüsterte mir ein Häftling frühmorgens im Duschraum zu: "There is a plot in the making." Ich antwortete nur lächelnd: "Good luck."
Am Morgen des 24. Februar, gegen sechs Uhr, drang plötzlich ohrenbetäubendes Autogehupe und Jubelgeschrei durch die Betonmauern. Es hielt noch an, als der Gefängniskommandant erschien und die soeben geöffnete Zellentür wieder schließen ließ. Ich fragte nach dem Grund der Verriegelung: "It's only an exercise" - "nur eine Übung".
Zwei Stunden später beobachteten wir durch die Gitter unseres Zellenfensters, wie Armeesoldaten mit Stahlhelm, die Maschinenpistole unterm Arm, einen hohen Armeeoffizier im Halbkreis umstanden. Der Offizier, so schien es uns,
mußte dem Gefängniskommandanten und seinen Beamten Anweisungen erteilt haben, denn die Gefängniswärter, die in Ghana den Angehörigen der Armee und Polizei gleichgestellt waren, nahmen daraufhin ihre Gasmasken und Stahlhelme ab.
Jetzt konnte es kaum noch Zweifel geben: Die Armee hatte die Abwesenheit Nkrumahs dazu benutzt, das Volk von dem Diktator zu befreien.
Schon am frühen Nachmittag des 24. Februar wurden die ersten politischen Häftlinge entlassen, kranke und ältere, darunter auch der ehemalige Kommandant der Leibgarde Olympios, Paul Galley. Nkrumahs Häscher hatten ihn ein Jahr vor Olympios Ermordung in Aflao, nahe der Grenze zwischen Togo und Ghana, gekidnapt und dann im Ussher Fort gefangengesetzt.
Am Abend erhielt unsere Europäerzelle Zuwachs: Nkrumahs, Goebbels, Herman Meyer-Basner, 61, lettischer Journalist aus Südafrika mit englischem Paß, der für die außenpolitische Berichterstattung der Nkrumah-Presse verantwortlich gewesen war, wurde neben den Kabinettsmitgliedern des gestürzten Diktators als einer der ersten von den neuen Machthabern hinter Gitter geschickt.
Basner erkundigte sich, ob sein Kollege, der Brite Geoffrey Bing, inzwischen ebenfalls eingetroffen sei. Wir mußten dies mit Bedauern verneinen, doch schon zwei Tage später marschierte auch er in unsere Zelle.
Bing war von 1957 bis 1961 in Ghana Generalstaatsanwalt. Von 1961 bis zu seiner Einlieferung ins Ussher Fort war er der Berater des "Erlösers" in allen Lebenslagen. Noch ehe er Seife und Zahnbürste auspackte, nestelte er aus seinem Kulturbeutel Patience-Karten, die er von nun an pausenlos legte.
Bing war nach dem Umsturz zunächst in die australische High Commission geflüchtet. Die neuen Machthaber setzten ihm eine Frist von zwei Tagen, nach deren Ablauf er zum Abschuß freigegeben würde. Da zog er es vor, sich zu stellen.
Von seiner Tätigkeit als Chefberater Nkrumahs abgesehen, wird er sich gegen die Anschuldigungen eines "Commissioner of Police" wegen Folterung zu verantworten haben. Bing soll den Polizeioffizier während einer von ihm geleiteten Vernehmung über Nagelbretter gejagt haben*.
Eines Morgens entdeckte ich auch meinen Generalstaatsanwalt! Barfüßig und in ein blaues Leinentuch gehüllt, saß er auf einer Holzbank im Gefängnishof.
"Ich bin sehr erfreut, Sie hier zu sehen", rief ich ihm zu. Kwaw-Swanzy schien sich über meinen Anblick weniger zu freuen. Mein Abschiedsgruß: "Sie können nun den Rest meiner Strafe absitzen: 39 Jahre und acht Monate."
* Ende vorletzter Woche wurde Bing von den neuen ghanaischen Machthabern freigelassen und nach England abgeschoben.
Verhafteter Herold*, Bewacher: Verhör über Funk
Ghana-Führer Nkrumah, Beraterin Hanna Reitsch*: Mit Brief und Fragebogen ...
... zu den Gegnern des Diktators: Nkrumah-Feind Busia, Familie
Nkrumah-Residenz Christiansborg Castle: "In ein paar Jahren ...
... wird die Welt auf Ghana blicken". Hauptverkehrsstraße in Akkra
Straßenkontrolle in Akkra*
Der Messias von Ghana ...
Geretteter Nkrumah (l.), Attentäter*
... sollte fünfmal sterben
Gefangener Herold vor dem Prozeß: Ein weißer VW im Schatten ...
Deutscher Ghana-Botschafter Steltzer
... verriet die Spur des Vermißten
Gefangenentafel im Ussher Fort
Der Wärter klopfte ...
... dreimal mit der Eisenstange: Wachraum im Ussher Fort
Häftling Herold
Sonderbehandlung für Weiße
Freudentanz in Akkra noch Nkrumahs Sturz: Im Duschraum eine Botschaft ...
... vom geplanten Komplott: Weibliche Miliz im Burma Camp nach Nkrumahs Sturz
Gestürzte Nkrumah-Statue in Akkra
Übung im Morgengrauen
Entlassung eines Nkrumah-Gefangenen*: Der Ankläger des gestürzten Regimes ...
... legte im Gefängnis Patience: Inhaftierung eines Nkrumah-Anhängers
Entlassener Herold, Wächter
Durch Spitzbauch vernommen
Befreiter Herold, Freunde: Im Fort gelitten
Heimkehrer Herold, Ehefrau
Vom Erlöser erlöst
* Auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung.
* Hanna Reitsch leitete unter Nkrumah die ghanaische Segelflugschule.
* Nach dem Attentat auf Nktrumah im
September 1962 wurden alle Fahrzeuge gestoppt und auf Waffen und Munition durchsucht.
* Nach einem mißlungenen Anschlag auf Nkrumah im Januar 1964.
* Zum Zeichen der Freude wurden die Freigelassenen mit Mehl bestaubt. Weiß ist in Ghana die Farbe der Freude.
Von Lutz Herold

DER SPIEGEL 15/1966
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