07.04.1965

„Mit festem Schritt ins Neue Reich“

7. Fortsetzung und Schluß
Als amerikanische Truppen am 16. April 1945 das Konzentrationslager Dachau befreiten, befanden sich dort 326 deutsche katholische Priester in Haft. Noch mehr sind durch Hunger und Krankheit im Lager umgekommen oder ermordet worden.
Bald nach Kriegsende berief sich Papst Pius XII. auf diese und andere Verfolgungen, um zu beweisen, daß die Katholische Kirche in Deutschland dem nationalsozialistischen Regime starken Widerstand geleistet habe. In seinem Brief an die bayrischen Bischöfe vom August 1945 würdigte der Papst diese "Millionen Katholiken, Männer und Frauen", die treu zu ihren Bischöfen gestanden und die dämonischen Mächte, die über Deutschland herrschten, bekämpft hätten.
Auch die deutschen Bischöfe haben seit dem Untergang des Dritten Reiches ihrer Bewunderung für Katholiken wie Dompropst Lichtenberg, Pater Delp und andere, die im Widerstand gegen die Nationalsozialisten ihr Leben ließen, wiederholt Ausdruck verliehen und die Kirche mit diesen Märtyrern in Verbindung gebracht
Aber es hat eine Zeit gegeben, in der für die Kirche der Widerstand gegen den nationalsozialistischen Staat nicht nur unerwünscht war, sondern in der sie ihn verurteilte. Katholiken, die sich dem Hitler-Regime aktiv widersetzten, galten als Rebellen, nicht nur gegen den Staat, sondern auch gegen ihre kirchliche Obrigkeit.
Vom Anfang bis zum Ende des Dritten Reiches forderten die Bischöfe ihre Gläubigen auf, Hitlers Regierung als legitime Obrigkeit anzuerkennen und ihr zu gehorchen. Zwar verkündete die Kirche, die Katholiken seien verpflichtet, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen, wenn irdische Gesetze gegen die Gebote Gottes verstießen, aber dieser Grundsatz wurde nur selten auf einen konkreten Fall der nationalsozialistischen Verbrechen angewandt.
Mehr noch: Die Bischöfe haben wiederholt Katholiken streng getadelt, die versuchten, sich dem Staat wegen seiner unsittlichen, ja verbrecherischen Gesetze und Handlungen zu widersetzen.
Der gemeinsame Hirtenbrief vom August 1935 ist nur ein Beispiel für viele Fälle, in denen der Episkopat die Katholiken ermahnte, sich nicht mit Elementen einzulassen, die den Widerstand gegen die Herrschaft des Dritten Reiches vorbereiteten.
Auch einzelne Bischöfe warnten häufig vor jeder revolutionären Tätigkeit, sie wurde als im Widerspruch zur katholischen Lehre stehend verurteilt. "Die guten Katholiken sind immer auch gute Patrioten gewesen ... Die guten Katholiken haben gewiß im Jahre 1918 nicht die Revolution gemacht, die guten katholischen Soldaten haben wahrhaftig nicht die Deserteure gespielt, und die guten Katholiken werden niemals auf seiten der Revolutionäre sein, mag es noch so schlecht gehen." (Aus der Predigt eines katholischen Geistlichen in Ingolstadt am 24. Mai 1936.)
Im Juni 1936 ging das Gerücht, ein Schweizer Katholik habe Kinder dazu angehalten, für Hitlers Tod zu beten; als daraufhin die deutsche Presse alle Katholiken beschuldigte, sie sympathisierten mit aufrührerischen Elementen, erklärte Kardinal Faulhaber in einer Predigt:
"Ein Wahnsinniger hat im Ausland einen Anfall des Wahnsinns gehabt - dürfen deshalb die deutschen Katholiken in Bausch und Bogen verdächtigt werden? Ihr alle seid mir Zeugen dafür, daß wir an allen Sonn- und Feiertagen in allen Kirchen beim Hauptgottesdienst für den Führer beten, wie wir es im Konkordat versprochen haben. Und jetzt konnte man an den Straßenecken in großen Buchstaben am Kopf der Zeitung lesen: 'Sie beten um Hitlers Tod!'
"Wir fühlen uns beleidigt durch diese Verdächtigung unserer Staatsgesinnung. Wir geben heute eine Antwort darauf,
eine christliche Antwort: Katholische Männer, wir beten jetzt zusammen ein Vaterunser für das Leben des Führers. Das ist unsere Antwort."
Nach dem mißlungenen Attentat auf Hitler am 8. November 1939 in München sandten Kardinal Bertram im Namen des deutschen Episkopats und Kardinal Faulhaber im Namen der bayrischen Bischöfe Glückwunschtelegramme an Hitler.
In ganz Deutschland sprach die katholische Presse, auf Anweisung der Reichspressekammer, von dem wunderbaren Wirken der Vorsehung, die den Führer beschützt habe. Und am 12. November wurde im Münchner Dom ein Tedeum gesungen, "um im Namen der Erzdiözese der Göttlichen Vorsehung zu danken, daß der Führer dem verbrecherischen Anschlag, der auf sein Leben gemacht wurde, glücklich entronnen ist".
Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, daß Faulhaber im Februar 1919 sich geweigert hatte, Glockengeläute anzuordnen und die Trauerfahnen zu hissen, nachdem Kurt Eisner, der sozialistische Ministerpräsident Bayerns, von einem katholischen Adligen ermordet worden war.
In seinen zu Recht berühmten Predigten vom Juli und August 1941 verurteilte Bischof Galen mutig die Gewaltherrschaft der Gestapo, die unbescholtene, treue Staatsbürger willkürlich verhafte und in Konzentrationslager verschleppe, ohne sie zuvor einem ordentlichen Gerichtsverfahren zu unterziehen. Aber keines dieser Vergehen war für Galen ein hinreichender Grund, um sich dem Hitler-Regime als solchem zu widersetzen.
Er bemühte sich klarzustellen, daß er jeden gewaltsamen Widerstand gegen den Staat oder jede Schwächung der deutschen Wehrkraft ablehne: "Gewiß, wir Christen machen keine Revolution. Wir werden wieder treu unsere Pflicht tun im Gehorsam gegen Gott, aus Liebe zu unserem Volk und Vaterland. Unsere Soldaten werden kämpfen und sterben für Deutschland, nicht aber für jene Menschen ... die dem deutschen Namen vor Gott und den Menschen Schmach antun. Wir kämpfen weiter gegen den äußeren Feind, gegen den Feind im Innern, der uns peinigt und schlägt."
Die antinazistische Untergrundbewegung (oder vielleicht auch die Gestapo, weil sie die Stellung des Bischofs zu untergraben suchte) brachte später eine gefälschte Predigt in Umlauf, in der Galen angeblich die Vernichtung des gottlosen, ungerechten Regimes, das Deutschland unterdrücke, forderte.
Galen stritt die Urheberschaft dieser Predigt ab und gab bekannt, daß sie "in schroffem Widerspruch" zu seiner Gesinnung und Haltung stehe. Alle Mitarbeiter Galens bestätigten, daß sich der "Löwe von Münster" in der Tat jedem Versuch, das nationalsozialistische Regime mit Gewalt zu beseitigen oder eine deutsche Niederlage herbeizuführen, entschieden widersetzt hat.
Man könnte sagen: Der deutsche Episkopat hat nicht nur klug gehandelt, wenn er die Kirche von jedem gewaltsamen Vorgehen fernhielt, sondern die Bischöfe sind auch an die traditionelle katholische Lehre gebunden gewesen, die, zumindest seit den letzten Jahrhunderten, Revolutionen und Tyrannenmord verurteilt. Es sei hier kurz erwähnt, daß katholische Theologen sich keineswegs einig waren oder sind, ob Widerstand gegen Tyrannei moralisch vertretbar ist oder nicht.
In mehreren Fällen der jüngeren Geschichte hat die Kirche bewaffnete Aufstände gebilligt. Der mexikanische Episkopat segnete 1927 die Revolte der "Christeros", Bauerngruppen, die sich nach ihrer Losung "Viva Christo Rey" nannten; sie wurden oft von Priestern angeführt.
Papst Pius XI. unterschied in seiner Enzyklika "Firmissimam constantiam" vom 28. März 1937, die auf, die Lage in Mexiko einging, zwischen gerechten und ungerechten Aufständen und ließ die Möglichkeit der Gewaltanwendung für den Fall offen, daß es gelte, sich gegen verfassungsmäßige Regierungen zu verteidigen, die "gegen Gerechtigkeit und Wahrheit aufstehen, ja die Fundamente der Autorität selbst zerstören ... und die öffentliche Macht dazu benutzen, um die Autorität zu vernichten".
Nachdem sich die meisten spanischen Bischöfe auf die Seite General Francos und seiner Rebellion gestellt und zu einem Kreuzzug gegen den Kommunismus und für das Christentum und die Gerechtigkeit aufgerufen hatten, segnete Pius XI. alle, "die die schwere und gefährliche Aufgabe auf sich genommen haben, die Rechte der Religion und die Ehre Gottes zu verteidigen und wiederherzustellen".
Als es Franco, dem Hitler und Mussolini großzügige Hilfe gewährten, gelungen war, die Republik niederzuwerfen, übermittelte Pius XII. den spanischen Katholiken "mit großer Freude" seine "väterlichen Glückwünsche für die Gabe des Friedens und des Sieges, mit denen Gott den christlichen Heroismus Eures Glaubens und Eurer Liebe gekrönt hat, der sich in solch großen und großzügigen Leiden bewährte". Offenbar waren einige Aufstände annehmbar und konnten den Segen der Kirche empfangen
Wäre den deutschen Bischöfen an der Unterstützung eines aktiven Widerstands gegen Hitler gelegen gewesen, so hätte es für einen solchen Standpunkt genug Präzedenzfälle gegeben. Die Tatsache, daß sie beharrlich einen solchen Widerstand ablehnten, läßt sich nicht aus der christlichen Theologie erklären; die Gründe müssen anderswo gesucht werden.
In den ersten Jahren der Hitler-Herrschaft haben die Bischöfe wahrscheinlich gehofft, die Nationalsozialisten würden ihre antikatholische Politik aufgeben, falls sich die Katholiken zur Mitarbeit und zu Hilfeleistungen bereit zeigten.
Später, als diese Hoffnung enttäuscht wurde, hatte der Episkopat die Kirche bereits so stark zu einem Kurs der Treue und des Gehorsams verpflichtet, daß es sehr schwierig gewesen wäre, diese Haltung zu ändern.
Außerdem waren die meisten Bischöfe konservativ eingestellt und ohne jedes Verständnis für eine Politik, die zu einem offenen Zusammenstoß zwischen Kirche und Staat hätte führen können. Nach Ausbruch des Krieges sahen sie es als ihre patriotische Pflicht an, die deutschen Kriegsziele zu unterstützen.
Dabei mag auch die Hoffnungslosigkeit eines erfolgreichen Widerstands gegen Hitlers Terrormaschinerie eine Rolle gespielt haben. Aber die Ermahnungen der Bischöfe zum Gehorsam und ihre Warnungen vor staatsfeindlicher Betätigung lähmten jeglichen Oppositionsgeist und belasteten das Gewissen jener Deutschen, die sich zum Widerstand gegen das Dritte Reich verpflichtet fühlten, wie zum Beispiel die Männer der militärischen Widerstandsbewegung.
Ein Volksaufstand hätte zweifellos wenig Aussicht auf Erfolg gehabt, aber die militärische Widerstandsbewegung befand sich in einer stärkeren Position, und ihre Sache war durchaus nicht von vornherein als verloren anzusehen.
Man erwartet von Bischöfen nicht, daß sie Aufstände anstiften oder anführen; andererseits aber hätten sie ihren Gläubigen klarmachen können, welche Rechte nach katholischer Lehre der einzelne hat, um gegen ein -ungerechtes politisches Regime vorzugehen, und es dann dem einzelnen überlassen können, sich auf Grund dieser moralischen Weisung selbst zu entscheiden.
Zumindest aber hätten die Bischöfe zu dem ganzen Thema des Ungehorsams und des Widerstands diskret schweigen können.
Es ist kaum zu bezweifeln, daß die
Bischöfe die Stärke ihrer Position weit unterschätzten, besonders während des Krieges. Die Berichte der Regierungspräsidenten und der Gestapo, Hitlers
Tischgespräche und die Tagebücher seiner Gefolgsleute zeigen deutlich, wie stark die Kirche im Volk verwurzelt war und wie hoch die Nationalsozialisten das politische Risiko einschätzten, das sie bei feindlichen Maßnahmen gegen den Episkopat eingingen.
In den wenigen wichtigen Fällen, wo die Stärke des Volksempfindens die Bischöfe veranlaßte, entschlossen ihren Standpunkt zu vertreten, wurde das Regime gezwungen nachzugeben. Die Einstellung des Euthanasieprogramms ist in diesem Zusammenhang schon erwähnt worden, und es gibt noch eine Anzahl anderer Beispiele.
Der gemeinsame Hirtenbrief der bayrischen Bischöfe, der gegen die äußerst unpopuläre Entlassung aller Nonnen
aus dem Schuldienst protestierte, sollte am 21. Juni 1936 verlesen werden; er wurde jedoch von der bayrischen Politischen Polizei verboten. Am 20. Juni erging der Befehl, alle Priester zu verhaften, die es wagen würden, den Hirtenbrief trotz des Verbots zu verlesen.
Als aber Generalvikar Buchwieser von München und Freising (er war in Abwesenheit von Kardinal Faulhaber vorübergehend für, die Erzdiözese verantwortlich) die Geistlichen anwies, die Kundgebung trotz des Verbots zu verlesen, gab die Regierung nach. Der bayrische Innenminister zog einen Tag später den Befehl zurück und gab lediglich die Anweisung, die Namen der Priester zu melden, die den Hirtenbrief verlesen hatten.
Später berichteten mehrere Regierungspräsidenten, daß die Bevölkerung die Verhaftung von Priestern nicht ohne Widerstand hingenommen hätte und es höchstwahrscheinlich zu Zwischenfällen gekommen wäre.
Der Regierungspräsident von Oberbayern schrieb: "Der Pfarrer stellt nun einmal, besonders auf dem Lande, immer noch eine Person dar, welche sich der größten Achtung erfreut. Daran haben auch die vielen Devisen- und Sittlichkeitsprozesse bis jetzt nicht viel zu ändern vermocht. Wenn der Pfarrer gar noch als Märtyrer seiner Überzeugung erscheint, treten - auch solche Personen für ihn ein, die an sich weniger Fühlung mit der Kirche zu halten pflegen."
Was ein öffentlicher Protest erreichen konnte, zeigten auch die mißlungenen Versuche, in den vorwiegend katholischen Ländern Oldenburg (1936) und Bayern
(1941) die Kruzifixe aus den öffentlichen Gebäuden zu entfernen.
Am 4. November 1936 hatte der Kultusminister von Oldenburg angeordnet, bis zum 15. Dezember alle religiösen Symbole wie zum Beispiel Kruzifixe aus den öffentlichen Gebäuden zu entfernen. Diese Anordnung verursachte großen Aufruhr.
Überall wirkte man auf die örtlichen Beamten ein, mit Kündigung zu drohen, falls der Befehl nicht rückgängig gemacht werde; Bischof Galen ordnete besondere Gebete an. Delegationen aus allen Teilen des Landes kamen in die Stadt Oldenburg, um bei der Regierung gegen die Verordnung zu protestieren. Am 25. November hielt der Gauleiter und Reichsstatthalter von Oldenburg eine Rede vor einer Massenversammlung, die ständig durch Zwischenrufe unterbrochen wurde. Zum Schluß erklärte er, eine kluge Regierung müsse auch einen begangenen Fehler einsehen können; die Anordnung vom 4. November gelte als widerrufen.
Bischof Galen ließ Dankgottesdienste abhalten, und in einem Hirtenbrief gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die mutige Haltung der Bevölkerung von Oldenburg von anderen Christen nachgeahmt werde.
Die Stärke der religiösen Gefühle offenbarte sich fünf Jahre später auch in Bayern. Durch einen Befehl des Gauleiters und Staatsministers für Unterricht und Kultus, Adolf Wagner, vom 23. April 1941 wurde verboten, den Schulunterricht mit einem Gebet zu beginnen, und die allmähliche Entfernung aller Kruzifixe nahegelegt.
Jeder Versuch, den Befehl auszuführen, löste Unruhe und Widerstand aus. Die Eltern weigerten sich, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und an vielen Orten fanden Demonstrationen statt, die erreichten, daß die Kruzifixe wieder angebracht wurden.
In einer Kleinstadt drangen fünfhundert empörte Männer und Frauen bei dem Bürgermeister ein und holten die Kruzifixe hervor, die das Oberhaupt der Stadt versteckt hielt.
In einem anderen Ort war der Gemeindepfarrer verhaftet worden, weil er in einer Predigt die Entfernung der Kruzifixe heftig kritisiert hatte; fünfzig Frauen teilten dem Bürgermeister mit, sie würden ihre Arbeit niederlegen und sich weigern, ihre Erzeugnisse abzuliefern, falls man den Priester nicht entlasse. Außerdem wollten sie ihre Mutterkreuze zurückgeben, die ihnen verliehen worden waren, weil sie vielen Kindern das Leben geschenkt hatten.
Der Proteststurm der Bevölkerung war größtenteils spontan. Am 26. Juli erhob auch Faulhaber im Namen der bayrischen Bischöfe seine Stimme.
Er schrieb an Wagner: "Man gibt öffentlich dem deutschen Soldaten den Ehrentitel, er führe einen Kreuzzug gegen den Bolschewismus. Der Ehrentitel wäre nicht verdient, wenn zur gleichen Zeit dem Kreuz in der Heimat der Krieg erklärt würde."
Einen Monat später gab die bayrische Regierung nach: Am 28. August 1941 wurde der Befehl widerrufen.
Natürlich waren nicht alle Proteste erfolgreich. Nach der Verhaftung des Jesuitenpaters Rupert Mayer, eines äußerst beliebten Predigers in München, im Juni 1937 verurteilte Kardinal Faulhaber in einer Predigt aufs energischste die Handlungsweise der Behörde.
Aber Pater Mayer wurde erst im Dezember entlassen, um eine Woche später wieder festgenommen zu werden. Obwohl Rupert Mayer in München sehr populär war, blieb er fast während des ganzen Krieges im Konzentrationslager oder unter Hausarrest.
Es muß auch erwähnt werden, daß keiner dieser Fälle erfolgreichen Widerstands wichtige Punkte des nationalsozialistischen Programms berührte. Man kann aus diesen Vorfällen daher nicht folgern, ein ähnlicher Gefühlsausbruch der Bevölkerung hätte Hitler davon abhalten können, seinen Plan zur Vernichtung der europäischen Juden durchzuführen.
Dennoch war die öffentliche Meinung eine Macht, mit der gerechnet werden mußte, selbst inmitten des Gestapo-Terrors. Am 1. November 1941 schrieb Ulrich von Hassell, der frühere deutsche Botschafter in Rom und einer der unermüdlichen Verschwörer gegen Hitler, in sein Tagebuch: "So wie Galen (der Bischof) nicht nur einen gewaltigen moralischen Erfolg in ganz Deutschland erzielt hat, sondern auch einen gewissen unmittelbaren Einfluß, so zeigt sich auch sonst, daß eine energische Abwehr sich doch oft durchsetzt."
Leider haben wir nur unzureichende Informationen über die Einstellung der Hierarchie zu den Plänen und Taten der militärischen Widerstandsbewegung.
Wenigstens zwei Bischöfe scheinen von Carl Goerdeler, dem einfallsreichen, aber etwas unüberlegten zivilen Anführer der Verschwörung, über die Putschpläne -unterrichtet worden zu sein: Kardinal Faulhaber und Bischof Preysing. Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 die Bombe legte, hat Preysing ebenfalls besucht.
In beiden Fällen wissen wir nicht, wieviel konkrete Informationen den beiden kirchlichen Würdenträgern tatsächlich übermittelt worden sind. In einem Bericht heißt es, Bischof Preysing solle nach Gelingen des Putsches päpstlicher Legat mit besonderen Vollmachten werden und Nuntius Orsenigo ablösen, der wegen seiner Sympathien für Faschismus und Nationalsozialismus als kompromittiert galt.
Josef Müller, der den Kontakt zwischen den Generälen der Verschwörung und dem Vatikan herstellte, berichtet, er habe sich 1942 und 1943 auf Anweisung des Papstes mit Preysing in Verbindung gesetzt und dessen Zustimmung erhalten.
Die Idee, Preysing zum Legaten zu machen, kam angeblich von Monsignore Kaas. Dieses Gerücht ist bisher nicht bestätigt worden, und Walter Adolph, ein enger Vertrauter des verstorbenen Bischofs von Berlin, bezweifelt dessen Richtigkeit.
Im Dezember 1943 richtete ein junger Offizier aus dem Stabe Stauffenbergs, Major Leonrod, an den katholischen Kaplan Dr. Hermann Wehrle die Frage, ob er durch das Wissen von dem Plan einer Ermordung Hitlers eine Todsünde auf sich lade. Wehrle zog den Artikel über den Tyrannenmord im "Lexikon für Theologie und Kirche" zu Rate und teilte dann Leonrod mit, es sei einer Privatperson verboten, einen legitimen Herrscher zu töten, aber die bloße Kenntnis eines Plans sei keine Sünde. Er riet Leonrod, sich nicht an der Verschwörung gegen den Führer zu beteiligen.
Im Gegensatz zum November 1939 scheint Hitler diesmal keine Glückwunschtelegramme erhalten, zu haben, und das NS-Propagandaamt von Münster klagte in einem Bericht: "Für die Haltung des Klerus ist es wieder bezeichnend, daß nirgendwo ein Geistlicher einschließlich der Bischöfe ein Wort der Entrüstung über den verräterischen Anschlag gefunden hat und mit keiner Wendung der Dank für die ... Erhaltung des Führers gestreift wurde."
Ein Gestapo-Agent in Köln berichtete, einige Geistliche würden die Verschwörung verurteilen und hätten ihrer Beschämung darüber Ausdruck gegeben,
daß so etwas bei uns passieren könne.
Auch fanden einige es sonderbar, daß die Bischöfe sich mit keinem Wort dazu geäußert hatten".
Ein parteifreundlicher Priester äußerte dem Agenten- gegenüber, daß die meisten Geistlichen das Mißlingen des Mordanschlages bedauert hätten:
Aber all das ist sehr fragmentarisch und erlaubt keine Verallgemeinerungen über die Reaktion der Kirche. Mutter Gallin kommt in ihrer Studie über die deutsche Widerstandsbewegung zu dem Schluß, daß die Bischöfe "die Pläne für eine Revolution, durch die das nationalsozialistische Regime beseitigt worden wäre, nicht ermutigten oder unterstützten. Sie verurteilten die Revolution ausdrücklich bei verschiedenen Gelegenheiten". Dieser Schlußfolgerung kann man nur beipflichten.
Viele prominente Katholiken waren Mitglieder der WiderstandsbeWegung. Augustinus Rösch, der Provinzial der oberdeutschen Jesuiten-Provinz in Münich, und der Jesuitenpater Alfred
Delp gehörten dem Kreisauer Kreis an, einer, Gruppe von Männern, die von Graf Helmuth James von Moltke angeführt wurde.
Diese Gruppe kam seit Sommer 1940 zusammen, um über die politischen, wirtschaftlichen und geistlichen Fundamente eines neuen Deutschland zu diskutieren, das nach dem Untergang des Dritten Reiches erstehen sollte.
Pater Rösch entrann nach dem 20. Juli 1944 gerade noch dem Tode. Der brillante siebenunddreißigjährige Delp, Konvertit und ehemaliger Mitarbeiter der Jesuiten-Zeitschrift "Stimmen der Zeit", wurde am 2. Februar 1945 erhängt; seine Asche verstreute man in alle Winde. Beide Männer wußten anscheinend nichts von dem Plan, Hitler zu ermorden, und hätten sie es gewußt, so wären sie wahrscheinlich nicht damit einverstanden gewesen.
Zu der Goerdeler-Beck-Gruppe, die für das Komplott verantwortlich war, gehörten einige bekannte Katholiken, unter anderen die ehemaligen Gewerkschaftsführer Bernhard Letterhaus und Jakob Kaiser. Stauffenberg selbst war katholisch, wenngleich er seine Religion nicht regelmäßig praktizierte.
Eine große Zahl katholischer Priester wurde entweder hingerichtet oder starb in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Viele von ihnen waren mit Gesetzen in Konflikt geraten, zum Beispiel mit dem Verbot, ausländische Rundfunksender zu hören; für solche unbedeutende Vergehen wurden sie oft schwer bestraft. Aber einige wurden dabei zu Märtyrern ihres Glaubens und ihrer Überzeugung.
Dr. Max Josef Metzger, sein Leben lang Pazifist und Mitgründer der "Una Saneta"-Bewegung, wurde zum Tode verurteilt und am 17. April 1944 hingerichtet wegen seiner "hochverräterischen" Beziehungen zum Bischof von Upsala in Schweden.
Pfarrer Alfons Maria Wachsmann aus Greifswald wurde verurteilt, weil er angeblich die Moral der Truppe untergraben hatte. Aus dem gleichen Grunde mußten auch Josef Losch, ein Gemeindepfarrer aus Bayern, und drei Geistliche in Lübeck ihr Leben lassen.
Das Martyrium von Dompropst Lichtenberg und Franz Reinisch ist schon erwähnt worden; noch viele andere haben ihr Zeugnis für die Menschenwürde mit Blut besiegelt. Und doch, so traurig es ist, diese paar Mutigen repräsentierten die Kirche nicht mehr als Goerdeler die deutsche Bürokratie oder General Beck das Militär.
Wenn wir unter Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft nicht Kritik an gewissen Maßnahmen verstehen, sondern grundsätzliche Opposition gegen das Regime, dann hat die Kirche als Institution keinen Widerstand geleistet. Eine beträchtliche Zahl von Katholiken jedoch, die außerordentlichen Mut und moralische Integrität bewiesen und sich nicht an die ständigen Ermahnungen ihrer geistlichen Obrigkeit zu treuem Gehorsam hielten, gehören in die Ehrenliste der Widerstandskämpfer.
Männer wie Letterhaus und Delp waren ein Teil jenes "anderen Deutschland", das soviel getan hat, um die Ehre Deutschlands zu retten und wiederherzustellen; denn sie waren bereit, der offiziellen Linie ihrer Kirche die Stirn zu bieten und statt dessen auf die Stimme ihres Gewissens zu hören.
Die Kirche kämpfte für ihre Konfessionsschulen, ihre Presse, ihre Organisationen und Klöster; es kam zu Zusammenstößen mit der Regierung über einige Fragen der Morallehre, wie Sterilisierung und Euthanasie; niemals aber hat die Kirche die Rechtmäßigkeit des nationalsozialistischen Regimes in Frage gestellt, niemals direkt oder indirekt die verschiedenen Versuche gebilligt, dieses Regime zu stürzen.
Während Tausende von Gegnern des Nationalsozialismus in den Konzentrationslagern zusammengeschlagen wurden, sprach die Kirche von der Unterstützung der sittlichen Erneuerung, die Hitlers Regierung zustande gebracht habe. Von dieser Linie der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Regime wurde nie abgewichen.
Man hat gesagt, die Bischöfe seien in ihren Protesten zurückhaltend gewesen, um die Drangsal des niederen Klerus nicht zu vermehren, der im Brennpunkt der Kirchenverfolgung stand. Tatsächlich bestrafte das Regime oft die Pfarrer, die einen bestimmten Hirtenbrief verlasen, es scheute sich aber, Hand an den Bischof zu legen, der den Hirtenbrief verfaßt hatte.
Bischof Galen soll sich weniger freimütig geäußert haben, nachdem 1943 drei Priester in Lübeck hingerichtet worden waren; sie wurden unter anderem beschuldigt, Exemplare der Galen-Predigt an die Soldaten verteilt zu haben.
Es ist auch bekannt, daß Bischöfe wie Galen und Preysing sich durch ihre versöhnlicheren Kollegen behindert fühlten, mit denen sie häufig in taktischen Dingen nicht übereinstimmten, die sie aber berücksichtigen mußten, um nicht die an sich schon labile Einheit des Episkopats zu gefährden.
Einige Bischöfe, wie Ehrenfried von Würzburg, wären überzeugte Monarchisten; andere, wie Faulhaber, waren Aristokraten, Verwurzelt mit der Politik des kaiserlichen Deutschlands, das längst der Vergangenheit angehörte.
Die meisten von ihnen waren eifrige Patrioten und lebten in einer legalistischen Vorstellungswelt, die vielleicht dem wilhelminischen Rechtsstaat angemessen, jedoch völlig ungeeignet für die Realitäten und das Leben unter der Diktatur Hitlers war. Innerhalb dieser Im Grunde konservativen Gruppe konnten sich Männer wie Galen und Preysing, die für eine härtere Haltung eintraten, nicht durchsetzen.
Es ist auch zweifelhaft, ob die breite Masse der Katholiken bereit gewesen wäre, einer radikaleren Führung zu folgen. Die meisten Katholiken in Deutschland waren, wie die Menschen überall, keine Helden und wollten nur in Frieden leben.
Das waren die einfachen Leute, regelmäßige Kirchgänger, die vielleicht eine anonyme Postkarte an die Obrigkeit schickten wie diese, die in den Akten der bayrischen Regierung gefunden wurde: "Der Feldzug gegen den jüdischen Bolschewismus ist in unseren Augen ein Kreuzzug. Den Namen des Heilandes auf den Lippen, gehen jetzt Tausende Soldaten in den Tod. Wir verbitten uns, daß aus unseren Schulen die Kruzifixe entfernt werden. Auch soll das Schulgebet bleiben."
Mit solchen "Widerständlern" war nicht viel zu erreichen, wenn man den
Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes Einhalt gebieten wollte.
Eine kleine Minderheit, die manchmal in zwanglosen, von Priestern geleiteten Gruppen organisiert war, verwarf die offizielle irenische Linie der Kirche. Viele dieser Katholiken hatten der katholischen Jugendbewegung angehört. Einige unterhielten lockeren Kontakt zu der katholischen Zeitschrift "Hochland" und zu dem katholischen Schriftsteller Theodor Haecker, andere sollen von den Sonetten des katholischen Dichters Reinhold Schneider beeinflußt gewesen sein, die im Krieg in ganz Deutschland heimlich verbreitet wurden.
Die meisten dieser Männer und Frauen haben keinen Aufstand organisiert, aber ihre geistige Integrität bewahrt. Die nationalistischen Kundgebungen des Episkopats bestürzten und verwirrten sie; jeder kritische Ton in einem Hirtenbrief oder einer Predigt wurde eifrig begrüßt. Der persönliche Mut eines Galen begeisterte und ermutigte sie; das Schweigen der Kirche angesichts der ungeheuerlichen Verbrechen schuf, was die Stellung zur geistlichen Obrigkeit betrifft, eine Vertrauenskrise, die für einige heute noch besteht.
Für diese Katholiken bedeutete der Kampf der Bischöfe um die katholischen Organisationen oder andere durch das Konkordat garantierte Rechte verhältnismäßig wenig; der Fortschritt der liturgischen Bewegung, die versuchte, die Gläubigen aktiver und bewußter an den heiligen Mysterien und den Gebeten der Kirche teilnehmen zu lassen, schien ihnen wichtiger als das Schicksal des kirchlichen Apparates.
In ihren Augen war die Kirche frei, solange sie furchtlos am Evangelium der Liebe und der Menschlichkeit festhielt sie wurde unfrei - es war dabei gleichgültig, wie viele Millionen noch an den Gottesdiensten teilnahmen -, als sie einen Kompromiß mit dem Bösen schloß.
Hätte der deutsche Katholizismus von Anfang an eine Politik des energischen Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime verfolgt und daran festgehalten, dann wäre die Weltgeschichte vielleicht anders verlaufen.
Selbst wenn man Hitler in diesem Kampf nicht besiegt und nicht alle seine Verbrechen verhindert hätte, so wäre doch das moralische Prestige der Kirche erheblich gestiegen. Natürlich hätte ein solcher Widerstand viele Menschenleben gekostet, aber diese Opfer würden einer großen Sache gedient haben. Mit einer unzuverlässigen Heimatfront hätte Hitler vielleicht den Krieg nicht gewagt, und Millionen Menschenleben wären gerettet worden.
Natürlich gibt es keinen Grund, einzig und allein die Katholische Kirche zu kritisieren. Die deutschen Katholiken waren Teil eines Milieus, das, von wenigen Ausnahmen abgesehen, politisch naiv war und nicht genügend moralisches Rückgrat besaß, um die patriotischen Schlagworte des Hitler-Regimes zu durchschauen.
Aber es hat sich eine Legende um den Widerstand der Kirche in Deutschland gebildet, die dringend der historischen Richtigstellung bedarf.
Tatsache ist, wie der katholische Historiker Friedrich Heer sehr treffend festgestellt hat, "daß der christliche Widerstand gegen Hitler im Dritten Reich naturgemäß von Anfang an den Charakter des Singulären ... des Unerwünschten trug. Die Lage war 1945 so heikel, daß nur ein gigantisches Verdeckungsmanöver das Gesicht des offiziellen Christentums in Deutschland zu retten und wiederzugewinnen vermochte".
Dieses "Verdeckungsmanöver" war so kühn und erfolgreich, daß in Deutschland nicht ein einziger Bischof seines Amtes enthoben wurde. Im Gegenteil: Bischof Berning, der bis zu Hitlers Niederlage in Görings preußischem Staatsrat saß, wurde 1949 der Ehrentitel eines Erzbischofs verliehen, Herr
von Papen 1959 zum päpstlichen Geheimkämmerer ernannt.
Solche Auszeichnungen für Männer, die tief in das nationalsozialistische Regime verstrickt waren, sprechen heroischen Gestalten wie Delp und Reinisch hohn, die im Kampf gegen Hitler starben.
Die Altäre und Kirchen zum Gedächtnis christlicher Märtyrer der nationalsozialistischen Zeit - die Kirche "Maria Regina Martyrum" in Berlin ist ein würdiges Beispiel dafür - sind ein verspätetes Zeichen der Hochachtung. Allerdings steht noch eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Fehlern aus, die dieses Martyrium notwendig machten.
Das Verhalten der Katholischen Kirche unter der nationalsozialistischen Herrschaft ist auf eine Reihe spezifisch deutscher Erscheinungen zurückzuführen.
Die Kirche teilte den weitverbreiteten Hang zu Nationalismus und Patriotismus; sie war dem gleichen übertriebenen Obrigkeitsgeist verhaftet, der den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime so sehr hemmte.
Wichtiger noch: Die Bischöfe, zahlreiche Mitglieder des niederen Klerus und Gläubige stimmten mit vielen nationalsozialistischen Zielen überein. Sie begrüßten den Antikommunismus der Nationalsozialisten als ein Gegengewicht zu den liberalen, antiklerikalen und atheistischen Strömungen der Weimarer Republik.
Sie fühlten sich vom Ruf der Nationalsozialisten nach einem starken Staat angezogen, einem neuen Deutschen
Reich, das wieder eine Weltmacht werden und imstande sein würde, die dringlichen wirtschaftlichen und, sozialen Probleme des Landes zu lösen. Einige Anhänger der Kirche hofften, daß der Machtzuwachs des Staates und die Einführung des Führerprinzips auch zu einer Stärkung der kirchlichen Autorität führen werde.
Naives Vertrauen und Wunschdenken im Hinblick auf Hitlers Versprechungen eines Religionsfriedens und die Sorge um die kirchlichen Verbände, Schulen und Zeitungen hatten die deutschen Bischöfe dazu bewogen, den Abschluß eines Konkordats zu unterstützen.
Nachdem dieser Pakt geschlossen war, lag der Kurs der Anpassung fest. Um nicht auch noch jene Bestimmungen des Konkordats aufs Spiel zu setzen, die die Nationalsozialisten aus freien Stücken einhielten, sah man sich gezwungen, die Nationalsozialisten zu besänftigen.
Hätte Hitler ähnlich wie Mussolini eine Politik der friedlichen Koexistenz mit der Kirche verfolgt, dann hätte sich der deutsche Episkopat sehr wahrscheinlich, ebenso wie der Episkopat in Italien, noch mehr mit der nationalsozialistischen Regierung und Bewegung identifiziert, als es die Kirchenleitung ohnehin schon tat.
Aber der deutsche Nationalsozialismus war in seinen Bestrebungen einzig, und allein darauf bedacht, alle Lebensbereiche absolut zu beherrschen, und daher wenig geneigt, Partner neben sich zu dulden. Ein Konflikt zwischen Kirche und Staat wäre, ganz gleich was für eine Politik der Heilige Stuhl und die Hierarchie auch angewandt hätten, vermutlich schon aus diesem Grunde unvermeidlich gewesen.
Nur ganz langsam und ziemlich spät erkannten die Bischöfe, daß Hitlers Regime die Kirche vernichten wollte. Selbst dann glaubten sie noch, die Übergriffe der Nationalsozialisten abwehren zu können, indem sie gegen die Konkordatsverletzungen protestierten und gleichzeitig ihre Treue zum Staat beteuerten. Der Widerstand der Kirche wurde sorgfältig definiert; er entsprang mehr der Sorge um institutionelle uni kirchenpolitische Interessen als dem Glauben an Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen.
Der deutsche Episkopat verfolgte somit eine Politik, die durchaus im Einklang mit der traditionellen Handlungs- und Denkweise der Katholischen Kirche stand.
Ende
SA-Männer, geistlicher Würdenträger* noch der NS-Machtübernahme: "Die guten Katholiken werden niemals ...
Pater Delp vor dem Volksgerichtshof (1944)
... auf seiten der Revolution sein"
Bischof Galen in Münster (1944) Eine Predigt wurde gefälscht
Katholische Demonstranten in Mexiko (1934) Der Papst segnete ...
... den Aufstand gegen den Staat: Rebell Franco, Geistliche (1937)
Gauleiter Wagner. (r.), Gäste*: Vor Katholiken kapituliert
Überlebender Hitler, Besucher Mussolini am 20. Juli 1944*: "Legitime Herrscher zu töten ...
... ist Privatpersonen verboten": Kaplan Wehrle (l.) vor Gericht (1944)
Erzbischof Berning (r.), Gönner*
Nach dem Applaus für Hitler ...
... Ehrentitel aus dem Vatikan: Päpstlicher Geheimkämmerer Papen (l.)**
Widerständler Letterhaus
Den Bischöfen widersprochen
Widerstandler Reinisch
Dem Gewissen gefolgt
Opfer-Kirche "Maria Regina Martyrum" in Berlin-Plötzensee: Verspätetes Zeichen der Hochachtung
Das Buch Guenter Lewys, aus dem der SPIEGEL wesentliche Teile abdruckte, erscheint in diesem Monat im R. Piper & Co Verlag, München, unter dem Titel "Die Katholische Kirche und das Dritte Reich" (452 Seiten; 24 Mark).
* Albanus Schachleiter, ehemaliger Abt des Benediktinerklosters Emaus, (Prag), einer der frühesten geistlichen Anhänger Hitlers.
* Mit (von links) Goebbels, dem Italienischen Volkskulturminister Alfieri und Hitler auf dem Tag der Deutschen Kunst" in München 1939.
* Bei einer Besichtigung der Trümmer des Führerhauptquartiers nach dem Attentat.
* Mit dem Päpstlichen Visitator für Deutschland, Muench, in Lübeck, 1949.
** Bei einer Wallfahrt in Baden, 1956.
Von Guenter Lewy

DER SPIEGEL 15/1965
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„Mit festem Schritt ins Neue Reich“

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