19.05.1965

ENGLAND / ELIZABETH II.

Besuch des Jahrhunderts

(siehe Titelbild)

In das Büro von Sir Michael Adeane,

des Privatsekretärs Ihrer Britannischen Majestät, trugen Hofbeamte eine riesige Deutschland-Karte, die seit Monaten im Arbeitszimmer der Königin gestanden hatte.

Sir Michael trat vor die Karte und zeichnete mit drei Farbstiften ein, was ihn als Routen einer noch nie dagewesenen Triumphfahrt seiner königlichen Herrin dünkte. Eine rote Linie bezeichnete die Flugreise der Königin von London nach Bonn, eine blaue die Schiffsreise, eine grüne den Landweg per Sonderzug.

Dann gab der Privatsekretär die letzten Instruktionen für die große Show, die er seit Spätsommer vergangenen Jahres mit seinen 13 Mitarbeitern auf dem Papier immer wieder durchexerziert hatte: den Deutschland-Besuch der britischen Königin.

Noch einmal erläuterte Sir Michael seine Ordern, die ein Hofbeamter in einen rotgebundenen Terminkalender eintrug. Kein Detail der Visite blieb unerwähnt, keine Geste der Königin unerörtert.

Der ehemalige Gardeoffizier Adeane überprüfte zum letztenmal die Befehle für die fliegende Kurierstaffel, die der in Deutschland reisenden Königin "the boxes", die schweren, mit Leder beschlagenen Kästen mit den Tagesmeldungen des Premiers und des Außenministers, ebenso anliefern soll wie das kohlensäurefreie Brunnenwasser der Königin (Marke: Malvern) und die auf Spezialpapier gedruckte königliche Ausgabe der "Times".

Zum Schluß ließ sich Sir Michael über die Sicherheitsvorkehrungen berichten: Scotland Yards unzertrennliche Zwillinge, Chief-Superintendent Albert ("Dandy") Perkins und Superintendent Frank Kelley, die Beschatter des königlichen Paares, meldeten, in der Bundesrepublik stünden 5000 Polizisten bereit,

das Leben der Königsfamilie zu schützen.

Sir Michael Adeane konnte das Zeichen zum Einsatz geben. Am Dienistag dieser Woche ist es soweit: Um zwölf Uhr wird Elizabeth II., 39, laut Protokoll "durch die Gnade Gottes Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland sowie ihrer - Reiche und Territorien, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens, Souverän der britischen Ritterorden, Oberfeldhauptmann des Königlichen Artillerieregiments", auf dem Flugplatz von Köln-Bonn zu einem Staatsbesuch landen, der in der 20jährigen Nachkriegsgeschichte Deutschlands ohne Beispiel ist.

Historie und Zufall beladen den Besuch der Majestät mit einer Fülle von Superlativen: Mit Elizabeth II. kommt die reichste Frau der Welt (geschätztes Gesamtvermögen 630 Millionen Mark) und die meistgereiste britische Königin (320 000 Kilometer) zu dem längsten (elf Tage) und teuersten (500 000 Mark) Staatsbesuch bundesdeutscher Geschichte.

Anders aber als bei den Bonn-Besuchern Charles de Gaulle und John F. Kennedy, für die sich die Westdeutschen erst allmählich erwärmten, schlägt Englands Königin eine seit Jahren konservierte Republikaner-Begeisterung entgegen, die Londons "Daily Mirror" die zweisprachige Schlagzeile eingab: "It's the Queen - wunderbar!"

Die Queen-Begeisterung der Deutschen - wachgehalten durch rührselige Illustrierten-Serien und

durch ein deutsches England-Bild, das unentwegt zwischen Bewunderung und Neid irrlichtert - könnte den Königin-Besuch um einen weiteren Superlativ bereichern: um das Renommee, der erfolgreichste Staatsbesuch deutsch-britischer Geschichte zu sein - der "Besuch des Jahrhunderts", wie bundesdeutsche Illustrierte formulieren.

"Der Königin und dem Prinzen Philip wird man in Deutschland einen Empfang bereiten, wie sie beide ihn noch nirgends erlebt haben, nicht einmal im Commonwealth", prophezeite schon 1964 die "Daily Mail", und der "Guardian" registrierte: "Kein Mensch ist in Deutschland willkommener als die Queen."

Eine Laune der Zeitgeschichte hat damit dem deutschblütigen und politisch längst entmachteten Königshaus Englands eine letzte Chance zugespielt, in das deutsch-britische Schicksal einzugreifen. "Wer hätte vor 20 Jahren gedacht", murrte der britische Kolumnist Cassandra, "daß das Haus Windsor noch einmal aufbrechen würde, um jenes Land zu ermutigen und zu verteidigen, in dem einst die Parole galt: Ein Reich, ein Volk, ein Führer?"

In der Tat: Zum erstenmal seit 1909, dem letzten Staatsbesuch eines britischen Monarchen (Eduards VII) auf deutschem Boden, darf das Haus Windsor hoffen, durch persönliches Engagement die unterkühlten Beziehungen zwischen England und der Bundesrepublik erwärmen zu können.

Prinz Philip, 43, Herzog von Edinburgh und Gemahl der Königin, hat das Tor nach Deutschland aufgestoßen. Wie kein zweites Mitglied des britischen Establishment führte der deutschblütige Prinz "den schwierigen Kampf gegen jene Kräfte bei Hof und unter den Politikern, die um jeden Preis verhindern wollten, daß die Königin deutschen Boden betritt" ("Die Weltwoche", Zürich).

Lautlos war sein Kampf, geschmeidig seine Überredungskunst. Der Mann, dem Kritiker teutonische Barschheit und rhetorische Taktlosigkeiten im Stil Kaiser Wilhelms II. nachsagen, warb und überzeugte mit dem Raffinement eines Diplomaten, ohne dabei der Presse sonderlich aufzufallen.

Nur einmal, 1960, enthüllte er der Öffentlichkeit seine wahren Gefühle: "Mit Deutschenhaß allein können wir nicht überleben. Es ist eine öde Beschäftigung, sich über die Geschichte zu ärgern, und sie macht blind für die Aufgaben der Zukunft."

Dabei hätte Prinz Philip, Ururenkel des deutschen Queen-Victoria-Gemahls Albert, Schwager von vier deutschen Fürsten, Verwandter des letzten kaiserlich deutschen Reichskanzlers Max von Baden und Schüler des deutschen Reformpädagogen Kurt Hahn, mancherlei Gelegenheit, sich über die Geschichte zu ärgern.

Er entstammt mütterlicherseits dem Fürstenhaus Battenberg, das 1917 auf Anordnung König Georgs V. den englischen Namen Mountbatten annahm und wiederholt als Prügelknabe deutsch britischer Auseinandersetzungen herhalten mußtet:

- Philips Großonkel Alexander Prinz

von Battenberg (1857 bis 1893), Fürst von Bulgarien, wurde von Bismarck als Reichsfeind diffamiert, weil der Eiserne Kanzler die britische Gemahlin Kaiser Friedrichs III. verdächtigte, sie wolle den Battenberger an die Stelle Bismarcks setzen und im Reich eine liberale Ära mit probritischer Schlagseite eröffnen.

- Philips Großvater Ludwig Prinz von

Battenberg (1854 bis 1921), Großadmiral der britischen Marine, mußte bei Kriegsausbruch 1914 einer Kampagne britischer Chauvinisten weichen, die den Rücktritt des "deutschen" Royal-Navy-Chefs forderten.

- Philips Onkel Louis, Earl Mountbatten of Burma, Großadmiral und zur Zeit als Chef des Verteidigungsstabes Englands ranghöchster Soldat, wurde wiederholt prodeutscher Sympathien derart bezichtigt, daß eine amerikanische Zeitung vorschlug, der Lord solle "nach Hause" gehen und König von Nachkriegsdeutschland werden.

Auch Philip Mountbatten mußte sich zuweilen gegen den Vorwurf des "Sunday Express" wehren, er sei "der Sprecher der Deutschen in England". Selbst die Protokollbeamten des Hofes und des Foreign Office nahmen anfangs Anstoß an Philips allzu intimen Bindungen an Deutschland.

Als er 1947 die damalige Prinzessin Elizabeth heiratete, hatte Philip Mühe, seinen drei noch lebenden, mit deutschen Fürsten verehelichten Schwestern eine Einladung an die Londoner Hochzeitstafel zu sichern**.

Die Protokoll-Exzellenzen erinnerten den Hochzeiter diskret daran, in England habe man noch nicht vergessen, daß zwei Schwäger Philips, der Fürst zu Hohenlohe-Langenburg und der Markgraf von Baden, Offiziere Adolf Hitlers gewesen seien, Schwager Christoph von Hessen sogar den geheimen Abhördienst in Hermann Görings Luftwaffenforschungsamt geleitet und Christophs Bruder Philipp dem Dritten Reich als SA-Obergruppenführer und Sonderbotschafter gedient hätte.

Wenige Tage später klingelte in der Wohnung des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg das Telephon. Der Schwiegersohn Kaiser Wilhelms II. nahm den Hörer ab, am anderen Ende meldete sich Elizabeths Vater, König Georg VI. von Großbritannien.

Majestät waren ungehalten: "Ich wollte dich zur Hochzeit meiner Tochter in der Westminster-Abtei einladen. Aber meine verdammten Minister haben mir das nicht erlaubt."

Die Minister hielten es auch fortan für inopportun, die deutschen Beziehungen des britischen Königshauses ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu bringen. Nichts konnten die Briten nach dem von Deutschen inszenierten Weltkrieg II weniger vertragen als Erinnerungen an deutsch-britische Gemeinsamkeiten.

"Alles, was wir von Ihnen erwarten", fauchte der "Daily Mirror" einmal den England-Besucher Konrad Adenauer an, "ist der Verzicht auf den schlauen Versuch, eine sentimentale anglo-deutsche Entente zu schaffen, auf das leere Gerede von einem angeblich gemeinsamen Erbe."

Das Gros des britischen Volkes scheute die Berührung mit dem neuen Deutschland. Engländer reisten in Massen nach Europa, aber um Westdeutschland machten sie einen Bogen. Engländer lasen die Bücher des Kontinents, aber die Arbeiten deutscher Literaten waren nicht darunter.

Statt dessen malte Film auf Film, Kriegsbuch auf Kriegsbuch das Bild des häßlichen Deutschen. Mit Ausnahme des Wüstenfuchses Rommel wurden "die Deutschen nur als Sadisten oder Dummköpfe porträtiert" - so die "New York Times".

Versöhnung war außerhalb der offiziellen Politik nur selten gefragt. Noch im zweiten Jahrzehnt nach Kriegsende wurde der ehemalige britische U-Boot -Fahrer Max Winterburn aus seinem Verein, der "Gesellschaft alter U-Boot -Kameraden", ausgestoßen, weil er, wie der Verein motivierte, bei einem internationalen Marinetreffen in Kiel "mit ehemaligen deutschen U-Boot-Männern fraternisiert" habe.

Kein Engländer konnte vergessen, daß die Deutschen in zwei Weltkriegen wie kein anderes Volk zur Auflösung des britischen Empires beigetragen hatten. Und das Mißtrauen wuchs noch, angeheizt von den Atomwaffen -Plänen des Franz-Josef Strauß ebenso wie von den Sonntagstiraden des Hans Christoph Seebohm.

Der britische Publizist Peregrine Worsthorne schaute den Insulanern ins Herz: "Das britische Volk ist heute deutschfeindlicher als jede andere Nation innerhalb der Nato. Die Nation kann 'Fritz' einfach nicht ausstehen."

In den deutschfeindlichen Zeitungen, vor allem im Vier-Millionen-Blatt "Daily Express" des Mountbatten- und Deutschen-Hassers Lord Beaverbrook, machten sich Spurensucher auf, um auch das kleinste Indiz zu ermitteln, das noch den einst mächtigen Einfluß deutscher Geschichte in England verriet.

Ob Prinz Philip seinen Sohn Charles auf die von dem Deutschen Kurt Hahn gegründete Schule Gordonstoun ("Daily Express": "Klein-Deutschland mitten in England") schickte oder die Horse Guards bei einerParade den Badenweiler Marsch intonierten ("Sunday Express": "Königsgarde spielt Hitlers Lieblingsmarsch"), ob der seit 1917 anglisierte Lord Mountbatten sich im Gästebuch des Hotels Rohde im hessischen Battenberg als "Prinz von Battenberg" eintrug oder das Gerücht aufkam, Philip wolle die Prinzessin Margaret mit seinem deutschen Neffen, dem Prinzen Christian von Hannover, verheiraten - stets stand Lord Beaverbrooks journalistische Brigade bereit, den verderblichen deutschen Einfluß In England zu bejammern.

Nichts aber ergrimmte die deutschfeindlichen Spurensucher mehr als die Entdeckung, daß Englands seit 1714 regierendes Königshaus aus Hannover stammt und sich Englands Könige 250 Jahre lang (mit einer einzigen Ausnahme) ihre Ehefrauen stets aus Deutschland holten.

Dabei hatte sich das Königshaus eine schier undurchdringliche nationale Gewandung zugelegt. Seit Elizabeths Großvater, König Georg V., 1917 unter dem Druck nationalistischer Kriegsstimmung die Dynastienamen Hannover und Coburg in Windsor umtaufte, war die deutsche Abstammung des Königshauses gleichsam ein öffentliches Geheimnis.

Kein König Englands, kein britischer Prinz durfte sich jemals wieder auf deutsche Ahnen berufen - getreu dem Rat der Königin Victoria, die schon 1869 davor gewarnt hatte, die Verbindung zu den deutschen Verwandten angesichts einer feindseligen britischen Öffentlichkeit allzusehr zu strapazieren.

Als der vorlaute Handelsminister Sir David Eccles 1959 bei der Industriemesse in Hannover auf die deutsche Herkunft der Windsors anspielte, schalt ihn Oberhaus-Lord Boothby: "Er hat damit eine Gefühllosigkeit verraten, die eine aussichtsreiche politische Laufbahn ruinieren könnte."

Doch Prinz Philip hatte nicht länger Lust, das bizarre Versteckspiel um Windsors deutsche Verwandtschaft mitzumachen.

Er reiste demonstrativ mit seinen Kindern zu den deutsch verheirateten Schwestern am Bodensee, inspizierte wiederholt britische. Truppen in der Bundesrepublik und regte an, die zum Militärdienst einberufenen königlichen Prinzen sollten in erster Linie zur Rheinarmee abkommandiert werden.

Die Regierung akzeptierte den Vorschlag. Elizabeths Vetter, der Herzog von Kent, meldete sich als erster zum Dienst In der Bundesrepublik ab; ihm folgte bald sein Bruder Michael nach. Ein erster Kontakt zwischen Königshaus und Deutschland war wiederhergestellt.

Die noch immer zur Vorsicht mahnenden Minister gaben nur allmählich nach. Sie stimmten schließlich auch einem Überraschungscoup zu, mit dem das Königshaus den ersten Besuch eines deutschen Staatsoberhauptes seit einem halben Jahrhundert krönen wollte: die England-Visite des Bundespräsidenten Theodor Heuss im Herbst 1958.

Am 20. Oktober 1958, zwischen der eigens für diese Stunde kreierten Suppe "Crème Reine Elizabeth" und dem Fischgericht "Délice de Sole Theodor", schob ein Page im weiß-goldenen Ballsaal des Buckingham-Palastes ein vergoldetes Mikrophon an die Tafel. Die 170 Gäste des Staatsbanketts verstummten. Die Königin erhob sich.

Die Gäste hörten, was England aus

dem Munde eines britischen Monarchen 41 Jahre lang nicht mehr vernommen hatte: "Es gab in der Vergangenheit Gelegenheiten, bei denen unsere beiden Länder eng miteinander verbündet waren. Die Verbindung zwischen meiner Familie und den alten deutschen Staaten geht sogar viele Generationen zurück."

Und: "Vor 120 Jahren heiratete Königin Victoria den Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Mein Gemahl und ich sind beide direkte Nachkommen dieser Verbindung."

Viele Briten waren schockiert von dieser kurzen Exkursion in britische Geschichte. Der Unterhausabgeordnete Wyatt beklagte die "enthusiastische persönliche Identifizierung der Königin mit Deutschland", während Labour-Star Richard Crossman den Hof belehrte: "Mindestens die Hälfte des britischen Volkes möchte nicht daran erinnert werden, daß die Königsfamilie mit Deutschland verbunden war."

Und doch hatten Elizabeth und Philip einen schmalen Durchbruch erzielt: Zum erstenmal erstand vor den Briten wieder die Erinnerung an eine Zeit, in der Englands Könige den Traum von einer deutsch-britischen Verbrüderung träumten, eine Zeit, in der britische Herzöge deutsche Fürstentümer regierten und der Königin Victoria wie selbstverständlich der Satz aus der Feder floß: "Gott schütze unser inniggeliebtes Deutschland."

Es war eine Zeit, in der die Tochter der Queen gestand: "Ich habe das Gefühl, daß ich jetzt ganz genau so stolz darauf bin, eine Preußin zu sein wie eine Engländerin", und ein britischer Feldherr, der Buren-Bezwinger Lord Roberts, den zur Thronfolge in einem deutschen Fürstentum bestimmten Briten-Herzog von Albany ermunterte: "Werde ein guter Deutscher."

Selbst als schon Nationalismus und Imperialismus die Harmonie zwischen deutschen und britischen Verwandten ramponiert hatten, hielten sie noch aneinander fest.

"Du darfst Dich niemals von Deinem Volke trennen lassen", schrieb die deutsche Kaiserin Friedrich an ihre englische Mutter, und sogar der einer seltsamen Haßliebe zu England verfallene Kaiser Wilhelm II. hielt den deutschen Gott-strafe-England-Aposteln entgegen, auch in seinen Adern fließe "das gute eigensinnige englische Blut".

Nicht einmal der Erste Weltkrieg hatte die Verwandten ganz miteinander verfeinden können. Als der deutsche Exkaiser 1938 in einem Brief an die britische Königinmutter Mary den Schein -Erfolg Neville Chamberlains in München feierte, notierte die alte Dame: "Armer Wilhelm, er muß entsetzt gewesen sein bei dem Gedanken, es könnte zu einem neuen Krieg zwischen unseren beiden Ländern kommen."

Erst der Zweite Weltkrieg ruinierte vollends die Illusion, an der zweieinhalb Jahrhunderte lang die britischen Hannoveraner und ihre deutschen Verwandten gehangen hatten: die Illusion, durch wechselseitige Heiraten die beiden Länder miteinander zu verbinden und Frieden zu halten.

Die Geschichte dieser Illusion geht auf 1714 zurück, das Jahr, da nach dem Tode der kinderlosen Britenkönigin Anne die englischen Thronrechte an das kurfürstliche Haus von Hannover fielen.

Ein Gesetz des britischen Parlaments hatte schon Jahre zuvor bestimmt, die Thronfolge komme der Enkelin des Stuartkönigs Jakob I., der Kurfürstin Sophie von Hannover, und ihren Nachkommen zu. Da die Kurfürstin beim Ableben Annes ebenfalls bereits tot war, bestieg ihr Sohn als Georg I. den Britenthron.

Freilich, die ersten britischen Könige aus dem Hause Hannover brachten kaum die Fähigkeiten mit, im Interesse der beiden Länder auf der Klaviatur der hohen Politik zu spielen.

Sie waren dumm, eitel, zynisch und lebensgierig, sie quälten ihre Söhne mit Peitschen und Dekreten, sie sammelten Mätressen wie Botaniker ihre Käfer und erregten allenfalls die Spottlust ihrer britischen Untertanen.

Sie sprachen untereinander nur deutsch, verachteten ihre britische Umwelt, weil sie sich zumeist als deutsche Fürsten fühlten, und hinterließen in Englands Geschichte nicht viel mehr als die Spur einer Karikatur des Deutschen: des gefräßigen, boshaften und wollüstigen Landesherrn.

Georg I. lernte nie ein Wort Englisch. Er umgab sich mit einem Kreis deutscher Hofschranzen, die keinen Briten an den König heranließen und den Kronschatz der Königin Anne bis auf ein Halsband plünderten.

Ein aus Hannover mitgekommener Diener beklagte sich bei Majestät über die Unehrlichkeit der Hofleute. Darauf der König: "Bah, das ist doch nur englisches Geld. Stiehl wie die anderen!"

Der zweite Georg nahm mehr englische Minister in seine Dienste, um so öfter aber entfloh er seiner neuen Heimat und vergnügte sich mit deutschen Mätressen in Hannover. In seiner Abwesenheit ließ er im Londoner St. James's Palace ein Porträt von sich aufstellen, vor dem sich jedes Mitglied des Hofes zu verbeugen hatte.

Ein Witzbold schlug am Eingang des Königsschlosses eine Suchanzeige an:

Verloren oder verlaufen hat sich aus diesem Haus ein Mann, der eine Frau und sechs Kinder der öffentlichen Fürsorge hinterläßt. Als Finderlohn werden vier Shilling und sechs Pence ausgesetzt, weil niemand der Ansicht Ist, daß er eine Krone wert ist*.

Die nach England importierten Deutschen machten sich zuweilen auch kulturgeschichtlich nützlich: Sie führten Maskenfeste ein, stellten (im 19. Jahrhundert) in England den deutschen Weihnachtsbaum vor und schafften die englische Sitte ab, wonach am Ende einer Königshochzeit alle Gäste durch das königliche Schlafgemach zu defilieren hatten, um das neue Ehepaar zusammen im Bett zu sehen.

Zudem war Englands Oberschicht wohl oder übel gezwungen, die deutsche Sprache zu erlernen, da der deutsche Hofstaat die Meinung der Mutter von Prinzessin Augusta teilte, nach der jahrzehntelangen Herrschaft der Hannoveraner müsse eigentlich jeder Brite deutsch sprechen.

Wenn aber ein Hannoveraner starb, dann demonstrierten die Engländer, was sie von ihren deutschen Potentaten hielten. Dem ältesten Sohn Georgs II. sangen die Briten den Spottvers ins Grab:

Hier liegt Fred,

Der lebte und nun tot ist.

Doch da es nur Fred ist,

Der lebte und nun tot ist,

Ist mehr dazu auch nicht zu sagen.

Bei der Beerdigung der Prinzessin Augusta im Jahre 1772 riß der Pöbel die schwarzen Drapierungen des Sarges herunter, und über den Leichenzug mit den sterblichen Resten der Königin Caroline kam es 1821 zu Straßenkämpfen in London, die zwei Tote und zahlreiche Verwundete forderten.

Die Spottreden auf das Königshaus brachen jedoch jäh ab, als die 20jährige Königin Victoria 1840 den gleichaltrigen Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha heiratete, den Mann, von dem Englands bedeutendster Verfassungsrechtler der Gegenwart sagt, er sei 20 Jahre lang der eigentliche Britenkönig gewesen.

In jeder Faser seines Wesens unterschied er sich von den gekrönten Hannoveranern: Er war langweilig, steif, gebildet und korrekt, er hatte einen Widerwillen gegen körperliche Betätigung, er konnte Fuchsjagden nicht ausstehen, er suchte lieber die Gesellschaft der Professoren als die Nähe der Frauen - kurz, er war den Engländern allzu deutsch.

Doch in ihm glühte ein unersättlicher Pflichteifer, brannte ein politischer Ehrgeiz, ein Wille zur Reform, die England innerlich reicher und besser machen sollte.

Mehr als alles andere beherrschte den ungekrönten König der Glaube, er sei vom Schicksal dazu ausersehen, Deutschland und England zu einer unverbrüchlichen Allianz zu verbinden.

Und die verliebte Königin bestärkte noch ihren "himmlischen Engel", wie sie den Gatten und Vetter nannte, in seinem missionarischen Glauben, denn auch sie fühlte sich mit Deutschland eng verbunden.

Deutsch galt ihr als Muttersprache, eine deutsche Prinzessin hatte sie zur Welt gebracht. Deutsch war ihr Kindermädchen, das die Mutter verdrängte, deutsch der Belgier-König Leopold I., ein Onkel, der bei ihr Vaterstelle vertrat, deutsch ihr erster politischer Mentor, der liberale Politiker Freiherr von Stockmar.

Victoria und Albert wollten Deutschland und England alliieren, aber ihr Projekt hatte einen Fehler: Es gab kein Deutschland. Albert beschloß, Deutschland aus der Taufe zu heben oder zumindest Taufpate zu werden.

Von allen deutschen Staaten, so erläuterte er seiner Königin, sei allein Preußen dazu berufen, das in zahllose Duodezstaaten zerrissene Vaterland zu einigen. Dazu bedürfe es allerdings einer Voraussetzung: Das Preußen feudalistischer Rückschrittlichkeit müsse erst einmal seinen "deutschen Beruf" begreifen, müsse sich liberalisieren.

Mit Preußen hatte sich von alters-her manche Hoffnung der Briten verbunden. Der Militärstaat von Potsdam stieß zwar viele Engländer ab, doch die britischen Staatsmänner hatten im preußischen Heer oft den Festlandsdegen Großbritanniens gesehen.

Schon Georg I. wollte von 1723 an die seit Jahren miteinander verbündeten Länder durch eine Doppelhochzeit auf ewig verbinden: Der preußische Kronprinz Friedrich (der spätere Friedrich der Große) sollte eine britische Prinzessin, Georgs Enkel die preußische Prinzessin Wilhelmine ehelichen.

Das Heiratsprojekt scheiterte jedoch nach dem Tode des ersten Georg an der Feindschaft zwischen dem preußischen und dem britischen Monarchen.

Der 1727 auf den Britenthron gelangte Georg II. konnte nie vergessen, daß ihm Schwager Friedrich Wilhelm I. in der Jugendzeit wiederholt die Nase blutig geschlagen hatte, der Preußenkönig hingegen verwand nicht, daß ihm der "Rotkohl", wie er Georg wegen dessen roter Uniform nannte, die Jugendliebe Caroline von Ansbach weggeheiratet hatte.

Der britische Hof gab jedoch nie die Hoffnung auf, Preußens künftigen König für England zu gewinnen, denn man wußte, daß Jung-Friedrich auf dem Höhepunkt seines Kampfes gegen den Vater im Juli 1730 versucht hatte, nach England zu fliehen. England steckte dem Gefangenen von Küstrin Liebesgaben zu, darunter auch Geldzuwendungen in Höhe von 12 250 Pfund Sterling, die der vorsichtige Friedrich freilich sofort nach seiner Thronbesteigung 1740 zurückzahlte.

In der Küstriner Zeit des gedemütigten Fridericus entstand die fast religiöse Begeisterung, die England später für Friedrich den Großen empfand. Der Sieger von Roßbach und Leuthen galt jahrzehntelang als "guter Protestant und guter Engländer", wie ein britischer Pamphletist 1745 schrieb, und der Politiker Horace Walpole spottete, die Briten fingen bereits an, Preußen für einen Teil Old Englands zu halten.

"Preußens König", berichtet der deutsche Historiker Manfred Schlenke, "gewann eine Popularität, wie sie kaum ein anderer Staatsmann und Feldherr im England des 18. Jahrhunderts je besessen hat. Wer durch die Straßen. Londons spazierte, dem konnte es durchaus passieren, daß er von einem Vorübergehenden angesprochen und um ein Trinkgeld gebeten wurde, um auf das 'Wohl des Königs von Preußen' anzustoßen**."

Ganz England werde Friedrich den Großen anbeten, wenn er für das protestantische England sein Schwert ziehe, rief 1756 der Herzog von Newcastle aus, und der Prediger Newcome Cappe meinte gar, Gott selber habe Friedrich den Auftrag erteilt, die Ketten der Sklaverei zu zerreißen, Gott selber ihm die "geheimen Machenschaften" der papistischen Feinde enthüllt, Gott selber ihm das Kriegsbanner entfaltet: "Lange möge er leben, lieber Himmel. Seine Person sei geheiligt."

Manche Briten hielten ihn sogar für einen neuen Christus. Die Londoner kleideten eine Puppe in preußische

Königsuniform und führten sie auf einem Esel durch die Stadt - bejubelt von einer Menschenmenge, die dem Esel voranlief, ihre Kleider ausbreitete und "Hosianna!" schrie.

Friedrichs Siege galten den Insulanern als Englands Siege, Friedrichs Geburtstag als britisches Volksfest. 1759 führte das Königliche Theater in London zu Friedrichs Geburtstag die speziell für diesen Tag komponierte Oper "Il Trionfo della Gloria oder Die Glorreiche Allianz Großbritanniens mit Friedrich II., König von Preußen", auf. Der gefeierte Schauspieler David Garrick deklamierte von den Brettern des Drury-Lane-Theaters:

Let Prussia's sons each English breast

inflame;

O be our spirit, as our cause, the same!

And as our hearts with one religion glow,

Let us with all their ardors drive the foe,

As Heav'n had rais'd our arm, as Heaven

hod giv'n the blow!*

Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich der Prinzgemahl Albert anschickte, erneut die Verbindung mit Preußen zu knüpfen, fand der Geschichtsschreiber Macaulay "in den Gastzimmern altmodischer Wirtshäuser für jedes Porträt Georgs II. zwanzig Bildnisse Friedrichs".

Albert war entschlossen, Preußen für sein großes britisch-deutsches Bündnisprojekt zu gewinnen. Er zog den preußischen Gesandten von Bunsen ins Vertrauen und eröffnete einen anstrengenden Briefwechsel mit dem romantischreaktionären Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. Auch andere deutsche Fürsten bekamen von dem fleißigen Briefschreiber Albert zu hören, das Heil Deutschlands liege allein bei einem erneuerten Preußen.

Doch England stellte sich dem entgegen, was ihm als Alberts deutscher Einheitsspleen erschien.

Im Unterhaus wetterte der konservative Parteichef Benjamin Disraeli, der "gefährliche Unfug, genannt deutsche Nationalität", sei nur ein Hirngespinst "träumerischer Professoren und toller Studenten". Auch Englands liberaler Außenminister und späterer Premier Lord Palmerston verweigerte Albert die Mitarbeit.

Albert ließ sich von dem mächtigen Minister nicht einschüchtern. Immer wieder drängte er Palmerston, England müsse die deutsche Einigung fördern.

Der Lord indes hielt ihm entgegen, die deutsche Einheit sei "eine Sache, die Großbritannien nicht direkt angeht". In Wirklichkeit wollte er keine deutsche Einigung unter der Führung Preußens, dessen starre Militärautokratie dem Liberalen ein unausrottbares Mißtrauen gegen alles Preußische eingab.

Als preußische Truppen 1848 in das damals dänische Holstein einrückten, sah Palmerston britische Interessen unmittelbar bedroht: Auf keinen Fall durfte sich am Rande der Nordsee eine Großmacht festsetzen, die eines Tages eine starke Flotte gen England entsenden konnte.

Von Woche zu Woche, von Monat zu Monat spitzte sich der Kampf zwischen Lord und Prinz zu. Schon drohte eine Verfassungskrise, da sich Albert immer heftiger gegen die seit Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden konstitutionellen Schranken des Königshauses auflehnte - da wich der Prinz auf ein ihm gemäßeres Kampffeld aus:

Die Berliner Revolution von 1848 hatte den Bruder des Preußenkönigs, den Prinzen und späteren König-Kaiser Wilhelm (I.), ins englische Exil verschlagen. Albert beschloß, Wilhelm für Deutschland und Liberalismus zu gewinnen.

Unverdrossen hämmerte er Wilhelm ein, der erfolgreiche Monarch der Zukunft könne nur noch konstitutionell und national regieren. Wo seine Argumente versagten, setzte Albert die enge Und noch einen dritten Unterrock warf Albert an die Front: seine älteste Tochter und beste Schülerin Victoria, genannt "Vicky", die ihr Vater für ein politisches Wunderkind hielt.

Vicky wurde vom Prinzgemahl ausersehen, das Licht des Liberalismus an den düsteren Hort der preußischen Reaktion zu bringen. Die Vierzehnjährige willigte ein und heiratete dreiJahre später, 1858, Wilhelms ältesten Sohn Friedrich Wilhelm, den späteren 99-Tage-Kaiser Friedrich III.

Alles ließ sich gut an. Im Oktober 1858 übernahm Albert-Schüler Wilhelm an Stelle des geisteskranken Preußenkönigs die Regentschaft und eröffnete eine liberale Ära. Albert an Wilhelm: Preußen wolle sich also "ganz auf das Gebiet der Rechtlichkeit und Billigkeit stellen".

Er wußte nicht, daß just zum gleichen Augenblick eine Zeitbombe zu ticken anfing, die das so kunstvoll errichtete Kartenhaus britisch-preußischer Familien-Allianz zerstören sollte. Es begann, was der britische Historiker Pope-Hennessy zu "den kleineren Ursachen des Ersten Weltkrieges" zählt.

Albert und Victoria hatten beschlossen, ihren allzu lebenslustigen Sohn Eduard, genannt "Bertie", Englands späteren König Eduard VII., möglichst rasch zu verheiraten. Berties Wahl war auf die attraktive Prinzessin Alexandra aus dem deutsch-dänischen Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg gefallen.

Berties Wahl versetzte die deutschen Liberalen in Wut. Denn Alexandras Vater war bereits für die Nachfolge auf dem dänischen Thron vorgesehen und mit Dänemark hatte die deutsche Einigungsbewegung noch wegen der von Kopenhagen reglementierten Herzogtümer Schleswig und Holstein eine alte Rechnung zu begleichen.

Vor allem der Herzog von Sachsen -Coburg und Gotha, Alberts Bruder Ernst. Schutzherr der deutschen Einigungsbewegung, befürchtete, Berties Heirat werde England im Falle eines preußisch-dänischen Krieges in das Lager Dänemarks treiben. Ernst legte eine Gegenmine.

Er brachte Alexandras Vater zu Ohren, Bertie habe ein Verhältnis mit der Londoner Aktrice Nelly Clifden, einer bewährten Kurtisane britischer Offizierskasinos; ein solcher Mann sei schwerlich würdig, Schwiegersohn des künftigen Dänenkönigs zu werden.

Auch zu Albert war das Gerücht bereits gelangt. Tief geknickt von dem Sündenfall seines Sohnes bestieg er am 25. November 1861 einen Zug nach Cambridge, wo Eduard studierte, und stellte Bertie zur Rede.

Stundenlang marschierte er mit ihm im Regen, verirrte sich, blind vor Eifer, in einem Wald und redete immer wieder auf den Sohn ein: "Du darfst dich nicht verlieren, du kannst nicht fallen. Die Folgen für unser Land, für die Welt wären furchtbar."

Als Albert nach Schloß Windsor zurückkehrte, schüttelte ihn ein Fieber. Er legte sich zu Bett und erholte sich nie wieder: Am 14. Dezember 1861 gegen 23 Uhr starb er.

Die Queen aber, wie gelähmt vom Tode ihres "himmlischen Engels", hielt

Bertie zeitlebens für den Mörder seines Vaters, denn sie glaubte, der an Typhus gestorbene Prinzgemahl habe sich auf der Moral-Exkursion in Cambridge den Tod geholt. Die Kabale des Coburger Herzogs hatte böse Folgen: Englands künftiger König wurde auf 40 Jahre von allen Staatsgeschäften ausgeschlossen und sah sich nur noch als Opfer deutscher Intrigen

Ein Mann namens Otto von Bismarck trug ebenfalls dazu bei, Eduard in einen immer heftigeren Gegensatz zu der neuen Heimat seiner Lieblingsschwester zu treiben. In Verkehrung des liberalen Albert-Programms begann der preußische Junker eine gewaltsame Einigungspolitik - statt Preußen zu verdeutschen, verpreußte er Deutschland.

Zum erstenmal brach der Nationalismus ins britische Königshaus ein. Der deutsch-dänische Krieg von 1864 entfesselte hinter dem kindlichen Charme der dänischen Königstochter Alexandra einen krankhaften Preußenhaß, der die Dynastie in zwei Lager spaltete: die Preußenpartei Victoria-Vicky und die Gegenpartei Bertie-Alexandra.

"Dieser schreckliche Krieg wird immer ein Schandfleck auf Preußens Geschichte bleiben", schimpfte Eduard 1864 und forderte, Engfand müsse gegen den preußischen Kriegsbrandstifter einschreiten. Aus Berlin schoß Vicky zurück: "Der höchst pathetische, philanthropische und tugendhafte Ton, in dem alle Angriffe gegen Preußen vorgebracht werden, hat etwas außerordentlich Lächerliches."

Als Bertids Sohn Gedoge zum Chef eines preußischen, Regiments ernannt wurde, jammerte Alexandra: "So ist nun mein Sohn Georgie ein leibhaftiger gemeiner deutscher Soldat mit blauem Rock und Pickelhaube geworden!!! Ich habe nie gedacht: so etwas erleben zu müssen."

Allerdings: Eduard war keineswegs von Natur aus der Deutschenfeind, zu dem ihn die deutschnationale Legende vom Einkreiser-König stempelte. Er hing trotz aller Differenzen an seiner Schwester Vicky, bewunderte Schwager -Kaiser Fritz und fühlte in sich noch etwas von Alberts Hoffnung, Deutschland könne durch liberale Lebensart groß und frei werden.

Nichts konnte ihn bewegen, einen Krieg zwischen England und Deutschland für unvermeidlich zu halten. Den britischen Admiralstabschef, Sir, John Fisher, der ihm vorschlug, die deutsche Flotte mit einem Gewaltstreich im Frieden zu erobern, schnauzte er an: "Fisher, Sie sind verrückt geworden."

Aber der kleine Rest an prodeutscher Sympathie, der Alexandras Tränen und Vickys Gefühlsausbrüche überlebt hatte, wurde Eduard von seinem neurotisch schnoddrigen Neffen, dem letzten Hohenzollern-Kaiser Wilhelm II., zertrampelt. Der Streit zwischen Georg II. und dem Soldatenkönig lebte in neuer Gestalt auf.

Vickys Sohn schien keinen anderen Lebenszweck zu kennen, als Onkel Bertie zu brüskieren, dem er als Engländer ebenso mißtraute ("Erzunruhestifter Europas"), wie er ihn als Lebemann und Modemäzen ("Alter Pfau") verachtete. Wo immer sich der Onkel zeigte - Neffe Willy stichelte, diffamierte, beleidigte.

Eduard ließ durchblicken, Friedrich III. habe ihm einmal versprochen, er werde Schleswig an Dänemark und Elsaß -Lothringen an Frankreich zurückgeben - Wilhelm verbat sich in öffentlicher Rede "diese Vermessenheit" des Onkels und wollte eine solche Beleidigung seines (Friedrichs) Ansehens auch nicht einen Augenblick dulden".

Eduard versuchte vorsichtig, die Schwester (Vicky: "Wie viele Tränen habe ich vergossen") vor den Taktlosigkeiten ihres kaiserlichen Sohnes zu schützen - Wilhelm ließ in einer amtlichen Protestnote fordern, der Prinz von Wales habe ihn auch im Privatleben mit dem Titel "Eure Kaiserliche Majestät" anzureden. Da wurde selbst Oma Victoria böse: "Das ist geradezu verrückt."

Eduard reiste an den Wiener Kaiserhof - Wilhelm meldete sich prompt auch zum sofortigen Besuch an und zwang mit der Forderung, kein fremder Fürst dürfe zur gleichen Zeit am Hofe empfangen werden, seine unfreiwilligen Gastgeber, Eduard wieder auszuladen.

Deutschland sollte die Streiche seines Kaisers bitter bezahlen. Eduard VII., seit 1901 auf dem britischen Thron, konnte sich nicht mehr vorstellen, daß bei einem so unberechenbaren und unreifen Kaiser der Friede in guten Händen sei.

Seine Besuche in Frankreich beschränkten sich nicht auf die Halbweltdame Cora Pearl, die er sich in seinem Séparée im Pariser Café Anglais auf einer riesigen Silberschüssel auftragen ließ. Er verhandelte auch mit französischen Politikern und stimmte ihrer Meinung über die deutsche Gefahr zu.

Als die deutsche Flottenrüstung England immer bedrohlicher erschien und die wilhelminischen Staatsmänner an einem Kontinentalblock gegen England laborierten, half Eduard VII. durch eine Diplomatie wechselseitiger Staatsbesuche verwirklichen, was ihm schon immer vorgeschwebt hatte: die Entente mit Frankreich, eine Verständigung mit Rußland.

Die Legende dichtete ihm später die Rolle des Einkreisers an, der Europa gegen Deutschland aufgebracht habe. Die Väter dieser Legende ignorierten, daß sich die deutschen Vorkriegs-Staatsmänner selber eingekreist hatten, die sich in der entscheidenden Frage wilhelminischer Außenpolitik-Bündnis mit Rußland oder England - nicht entscheiden wollten.

Mehr noch - die Einkreisungs-Theoretiker übersahen die engen konstitutionellen Schranken des britischen Königshauses: Eduard VII. vollzog nur, was die britische Diplomatie längst vorbereitet und beschlossen hatte.

Die Macht der Monarchen sank ins Grab und mit ihr auch eine Chance deutsch-britischer Verständigung. Für Alberts deutsch-britischen Bruderschaftstraum hielt die Geschichte nur noch eine ironische Fußnote bereit.

Deutsch-Briten schlossen das Kapitel ab: Der Deutschland-Chef des Foreign Office, Sir Eyre Crowe, Sohn einer deutschen Mutter, konzipierte die Eindämmung Deutschlands, britische Botschafter mit den Namen Bunsen und Goschen führten sie aus, der Goetheaner Haidane, der Deutschland für seine geistige Heimat hielt, rüstete die britische Armee für die Westfront des Ersten Weltkrieges.

Und der Admiralstabschef Ludwig von. Battenberg, seit 1868 britischer Staatsbürger, reformierte die Royal Navy für die große Auseinandersetzung mit der Tirpitz-Flotte. Dennoch wurde er 1914 aus dem Amt entlassen.

Marineminister Winston Churchill hatte das letzte Wort. "Mein lieber Prinz Louis", schrieb er am 28. Oktober 1914 an den Battenberger, "dies ist kein gewöhnlicher Krieg, sondern ein Kampf um Leben und Tod zwischen den Nationen. Er schürt die Flammen der schrecklichsten Leidenschaften zwischen den Völkern und tilgt alle alten Wahrzeichen und Grenzen unserer Zivilisation aus."

Die Illusion deutsch-britischer Zusammenarbeit zerstob im Granatfeuer des Ersten Weltkrieges. Nur ein Windsor hing noch an Alberts Traum, einer hatte noch nicht ausgeträumt: Eduard VIII., der 325-Tage-König.

Wie sein Urgroßvater Albert rebellierte er gegen die Ohnmacht des Königsthrons, wie Albert mißtraute er den Premierministern: "Wer ist hier König, Mr. Baldwin oder ich?"

Und wie Albert einst vom Aufstieg eines Bismarck überrascht worden war, so verkannte Eduard VIII. die braununiformierten Herren, deren Marschkolonnen ihr "Deutschland, erwache" auf das Pflaster deutscher Städte knallten.

Im Büro Ribbentrop und im Auswärtigen Amt des Dritten Reiches bestätigte ein Diplomatenbericht nach dem anderen, daß Englands König, wie der deutsche Botschafter in London am 21. Januar 1936 meldete, prodeutsche Sympathien habe, "die tiefgreifend und stark genug sind, gegenteiligen Einflüssen zu widerstehen".

Die braunen Herren knüpften die Verbindungen zu ihm noch enger und schickten ihm einen original-britischen Parteigenossen in den Königspalast, den Victoria-Enkel Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, Gruppenführer im Stabe des Obersten SA-Führers. Die beiden Vettern, jeweils Präsidenten der Frontkämpferverbände ihrer Länder, sollten die große Allianz schmieden.

Fast zur gleichen Zeit, da der Kaiserenkel Friedrich, dessen Sohn Friedrich Nikolaus heute bei den "Queen's Own Hussars" dient, dem Deutschland Hitlers nach England entfloh, propagierte der Victoria-Enkel Carl Eduard das Dritte Reich in England.

"Ein Bündnis Deutschland-Großbritannien", rapportierte der NS-Herzog am 9. Mai 1936, "streng vertraulich, nur für den Führer und Parteigenosse Ribbentrop", "ist für ihn (Eduard) eine dringende Notwendigkeit und ein leitender Grundsatz der britischen Außenpolitik."

Doch Eduards Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wally Simpson machte die Pläne der Berliner Reichskanzlei zunichte. Der König trat im Dezember 1936 ab, noch ehe der braune Coburger zum Zuge gekommen war.

Was blieb, war eine Legende. In Deutschland glaubte mancher biedere Volksgenosse, der abgedankte König hätte den Zweiten Weltkrieg verhindern können. Ungezählt waren die Gerüchte, die Eduard die Absicht zuschrieben, mit dem Dritten Reich zusammenzuarbeiten.

So erzählte Fritz Hesse, Chef des Deutschen Nachrichtenbüros in London, nach der deutschen Wiederbesetzung des Rheinlandes im März 1936 hätten in England die Mobilmachung und ein Waffengang mit Deutschland gedroht; in letzter Minute sei aber der deutsche Botschafter zum König geeilt und habe ihn gebeten, bei Premier Baldwin zu intervenieren.

Kurz darauf habe der König in der Botschaft angerufen: "Es hat eine furchtbare Szene gegeben. Sie können beruhigt sein, es gibt keinen Krieg."

Die Hesse-Geschichte hält historiographischer Nachprüfung nicht stand. Aus Aktenpublikationen und den Memoiren britischer Diplomaten ist bekannt, daß Englands Premier Stanley Baldwin nicht einen Augenblick an eine Mobilmachung gedacht hat. Baldwin: "England ist nicht in der Lage, in den Krieg zu ziehen."

Gleichwohl hielten die NS-Führer an der Eduard-Legende fest. Als der deutsche Gesandte in Den Haag Anfang 1940 meldete, in England braue sich um den Exkönig "so etwas wie der Anfang einer Fronde" zusammen, glaubte Hitler noch einmal an eine Chance.

SS-Sturmbannführer Walter Schellenberg, Auslandschef des Sicherheitsdienstes, wurde im Sommer 1940 nach Portugal in Marsch gesetzt, wo Eduard sich gerade aufhielt. Schellenbergs Auftrag: Mit einem SD-Trupp sollte er ein Attentat des britischen Secret Service auf "den einzigen Engländer, der die politischen Gegebenheiten erkannte" (Hitler), vortäuschen, um ihn damit auf die deutsche Seite zu locken.

Auch der US-Botschafter in Madrid verzeichnete zur gleichen Zeit extrem freundliche Äußerungen des Exkönigs über Hitlers Deutschland, dennoch erteilte Eduard dem Dritten Reich eine Absage. Die Steine, die SD-Schellenberg gegen Eduards Villa in Lissabon werfen ließ, verfehlten ihr Ziel - der Brite reiste ab.

Fast 20 Jahre lang klaffte zwischen Englands Königshaus und Deutschland ein tiefer Graben. Erst der Enkel des 1914 aus dem Amt gejagten Battenbergers, Philip Mountbatten, nahm den abgerissenen Faden wieder auf, als England 1958 Theodor Heuss empfing.

Schon damals fiel auf, daß der Gemahl der Königin Elizabeth den deutschbritischen Beziehungen ein ungewöhnliches Interesse entgegenbrachte. Prinz Philip zu Staatssekretär Felix von Eckardt: "Man denke nur, daß ohne einen kleinen Krebsknoten im Halse Kaiser Friedrichs III. vielleicht ein Hitler niemals gekommen wäre!"

Der Prinz hatte es sich auch nicht nehmen lassen, die Rebhühner für das königliche Heuss-Bankett selber zu schießen. Es blieb allerdings ungeklärt, ob Philip dabei die deutsch-britischen Anspielungen so weit trieb, die Rebhühner mit der hundertjährigen Jagdflinte seines Ururgroßvaters Albert zu erlegen - die Flinte steht noch heute in Balmoral, das sich Königin Victoria zum Lieblingsschloß erwählt hatte, Weil dessen schottische Umgebung sie an Alberts Heimat Thüringen erinnerte.

Ebenso deutlich aber wurde damals, daß Philips Deutschland-Bild aller Romantik entbehrt. Dem derb-nüchternen Exsailor Philip fehlt der missionarische Eifer eines Albert, der Illusionismus eines Eduard VIII. Sein deutsches Interesse kommt aus einem anderen Winkel.

Seit die britische Geschichte Prinzgemahle kennt, besteht für die Ehemänner der Königinnen das Problem, im Schatten der Krone eine selbständige Existenz aufzubauen.

Albert erwählte sich neben der Deutschland-Politik den inneren Ausbau Englands zum Thema seines Lebens, Philip wird von einem ähnlichen Thema beherrscht: Modernisierung Englands in der Ära des Atoms und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

"Gentlemen, ich glaube, es wird allmählich Zeit, daß wir die Finger aus der Nase nehmen", rief er einer Versammlung britischer Unternehmer zu und eröffnete einen Redefeldzug, der nicht wenige Torys schockierte.

Landauf, landab predigte er in der deftigen, unkomplizierten Sprache des Achterdecks, auf dem einst der Korvettenkapitän Mountbatten ein hartes Regiment geführt hatte, die Notwendigkeit neuer Methoden und eines neuen Elans der Nation.

Wie er einmal erklärt hatte, "this royalty nonsense", das Getue um die Monarchie, müsse aufhören und die Monarchie dem neuen Zeitalter angepaßt werden, so verschonte er keine noch so geheiligten Institutionen englischen Lebens vor seiner Kritik.

Dem ersten Herzog von Wellington rief er nach, er sei geradezu ein Musterbeispiel für britische Trägheit und Zukunftsfremdheit gewesen, den Kanadiern warf er Schlappheit vor, den britischen Straßenbauern kreidete er an, seit den Tagen der Römer nichts mehr geleistet zu haben, und die britischen Exporteure bekamen von ihm zu hören, in Lateinamerika sei es weit besser, "mit einer Melone auf dem Kopf spanisch zu sprechen als mit einem Sombrero englisch".

Am meisten bekümmerte ihn die Krise der britischen Wirtschaft. Philip: "Es hat keinen Zweck, die Augen zu schließen, dreimal am Tage nach der Mahlzeit zu sagen: 'Britisch ist das Beste' und das dann wirklich zu glauben."

Je mehr er aber über den Zustand Englands nachdachte, desto stärker drängte sich ihm die Überzeugung auf, in einem Zeitalter der gemeinsamen Märkte und Zoll-Unionen könne England auf die Dauer nur bestehen, wenn es sich an die EWG anschließe. Angesichts der Haltung des EWG-Zöllners de Gaulle könne nur eine Macht England in die Sechsergemeinschaft lotsen: die Bundesrepublik.

Am 16. November 1960 erhob er sich, von einem rotbefrackten Toastmaster als "Seine Königliche Hoheit, Philip, Herzog von Edinburgh" angekündigt, an der Tafel eines Banketts der Englisch-Deutschen Gesellschaft in London und forderte, was seit langem kein Mitglied des britischen Königshauses mehr zu formulieren gewagt hatte: die Partnerschaft mit den Deutschen, Anschluß Englands an Kleineuropa.

Philip: "Glücklicherweise ist es nicht mein Geschäft, zu erörtern, wie England seine Mitgliedschaft mit der in der Commonwealth-Gemeinschaft in Einklang bringen kann. Aber es muß allen klar sein, daß wir genau dies tun müssen, wenn wir uns nicht eines Tages in einer höchst würdelosen Stellung wiederfinden wollen, nämlich zwischen zwei Stühlen zu sitzen."

Sein Aufruf zum Abbau des Deutschenhasses ("Die Zukunft ist viel wichtiger als das Feuer des Hasses und des Mißtrauens") brachte die deutschfeindliche Presse gegen ihn auf. Philips Gegner mäkelten, er habe die Grenzen überschritten, die einem Mitglied des Königshauses gesetzt seien.

"Wenn er zuviel wagt, wird er wahrscheinlich bald politischen Ärger haben", prophezeite der "Sunday Dispatch", während die "Times" schweigend demonstrierte: Sie unterschlug ihren Lesern die Rede.

Prinz Philip ließ sich nicht zurückhalten. Er erinnerte vielmehr die britische Regierung, aus der Zeit des Heuss-Besuches bestehe noch die Einladung zu einem Gegenbesuch der Königin in der Bundesrepublik; es sei jetzt an der Zeit, auf Reisen zu gehen.

Doch Englands Tory-Premier Harold Macmillan versagte sich den Vorschlägen Philips. In Anbetracht der noch immer deutschfeindlichen Stimmung in England riet er vom Deutschland-Besuch ab und empfahl, die Visite auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Daz ständige Absinken seiner Popularität* bei den Briten konnte den einstigen Super-Mac schwerlich zu dem Abenteuer eines Königin-Besuches verlocken, der in England gemischte Gefühle auslösen mußte.

Zudem hing der geschichtskundige Premier dem abergläubischen Vorurteil an deutsch-britische Staatsbesuche stünden unter keinem guten Stern:

- Bei dem Staatsbesuch Eduards VII.

1904 in Kiel sanken die Beziehungen zwischen den deutschen und britischen Monarchen auf ihren niedrigsten Stand.

- Vom England-Besuch Kaiser Wilhelms II. im Jahre 1907 blieb nur das Interview des Hohenzollern mit dem "Daily Telegraph" (Kernsatz: "Ihr Engländer seid verrückt, verrückt, verrückt, wie Märzhasen") in Erinnerung, das die deutsch-britischen Vorkriegsbeziehungen schwer erschütterte.

- Während der Berliner Visite Eduards

VII. zwei Jahre später gingen beinahe die Pferde seiner Kutsche wegen eines überlauten Ehrensaluts durch, und der Monarch erlitt einen Herzanfall.

- Dem England-Besucher Heuss bereiteten die Briten 1958 einen Empfang, der, nach Auskunft des Lyperkritischen Beobachters Richard Crossman "von kühler Höflichkeit über eingefrorene Gleichgültigkeit bis zu brennender Feindseligkeit" reichte.

Erst nach dem Rücktritt Harold Macmillans konnte Prinz Philip seinen Vorschlag durchsetzen. Als schließlich auch Macmillans deutscher Gegenspieler, Altkanzler Adenauer, abtrat, stimmte Macmillan-Nachfolger Home im Januar 1964 dem Reiseprojekt zu.

Noch einmal setzten die Gegner engerer deutsch-britischer Beziehungen zu einem Störmanöver an. Unter Führung des "Daily Express" kritisierten britische Zeitungen und Politiker den beabsichtigten Abstecher der Königin nach West-Berlin und gaben zu bedenken, die Sowjets könnten leicht wegen des Königin-Besuches eine kleine Berlin -Krise auslösen.

Der "Daily Express" wußte sogar zu melden, die Sowjets wollten den Flug der Königin durch MIG-Düsenjäger beschatten lassen - Folgerung: Das Leben der Königin sei in Gefahr. Doch Labour-Premier Harold Wilson blieb fest: Der Berlin-Besuch wurde nicht vom Programm abgesetzt.

Seither bereiteten sich Philip und Elizabeth für die große Show vor, die in dieser Woche ein Jahrhundert deutsch britischer Beziehungen abschließen und zugleich erneuern wird. Die Königin nahm deutsche Sprachstunden, der Prinz ließ sich geschichtliche Vorlesungen halten.

Elizabeth und Philip werden in diesen Tagen versuchen, auf der Ebene des Zeremoniells zum Ausdruck zu bringen, was schon ihren Ururgroßvater Albert bewegte, als er 1847 Englands Außenminister Lord Palmerston beauftragte, in einem Memorandum die deutsch britische Zukunft zu deuten.

"Es steht außer Zweifel", schrieb der Lord, "daß es durchaus in Englands Interesse liegt, enge politische Beziehungen und Verbindungen zu Deutschland zu pflegen. England und Deutschland haben ein direktes Interesse, sich gegenseitig zu helfen."

* Die Entstehungsgeschichte des Namens Mountbatten ist umstritten: Mountbatten ist eine automatische Anglisierung von Battenberg (Berg = Mount); einige Biographen führen irrtümlich den Namen auf den Mount Batten zurück, einen Berg in der Nähe des britischen Marinestützpunktes Plymouth.

** Philip-Schwester Margarita heiratete den Fürsten Gottfried zu Hohenlohe-Langenburg, Theodora den Markgrafen Berthold von Baden, Sophie den Prinzen Christoph von Hessen und später den Prinzen Georg Wilhelm von Hannover; die vierte Philip-Schwester, Cäcilia, die 1937 tödlich verunglückte, den Erbgroßherzog Georg von Hessen.

* Englisches Wortspiel: Crown = Krone und Geldstück.

* Manfred Schlenke: "England und das friderizianische Preußen 1740 bis 1763". Verlag-Karl Alber, Freiburg/München 1963; 440 Seiten; 44 Mark.

* Auf deutsch etwa: Laßt Preußens Söhne jede englische Brust entflammen; / O möge unsere Seele und unsere Sache die gleiche sein! / Und wie unsere Herzen in einer Religion glühen, / So laßt uns mit all ihrer Glut den Feind vertreiben, / Als habe der Himmel unseren Arm erhoben, als habe der Himmel den Schlag geführt.

Deutschland-Besucher Elizabeth II., Philip: "It's the Queen - wunderbar!"

Alexander, Ludwig Battenberg, Mountbatten: "In den Adern deutscher Verwandter ...

... das gute eigensinnige englische Blut": Berlin-Besucher Eduard VII., Wilhelm II. (1909)

Philip-Verwandter Philipp von Hessen (r.) mit Göring: Bild des häßlichen Deutschen?

Daily Express

"Aber Vater, ich dachte, der Krieg wäre längst zu Ende?"

Philip-Schwestern Margarita, Theodora, Sophie: Zum geschlagenen Deutschland ...

...allzu intime Beziehungen?: Philip auf privatem Deutschland-Besuch (1964)*

Britenkönigin Anne

Der Nachfolger aus Hannover ...

Britenkönig Georg I.

... lernte nie ein Wort Englisch

Königin Victoria, Prinzgemahl Albert

Muttersprache Deutsch

Preußischer Gesandter Bunsen

In London ein deutscher Einheitsspleen?

99-Tage-Kaiser Friedrich III.

"So stolz ...

Victoria-Tochter Kaiserin Friedrich

... eine Preußin zu sein"

Victoria-Enkel Carl Eduard (r.)* Brite in SA-Uniform

Kaiser-Urenkel Nikolaus

Preuße in Briten-Uniform

Herzog, Herzogin von Windsor, Gastgeber (1937): "Die Briten sind deutschfeindlicher ...

... als jede andere Nation der Nato": England-Besucher Heuss, Gastgeber (1958)

Ruhr-Nachrichten

Bonn bereitet sich auf den Besuch vor

* Mit (v. l.): Prinzessin Anne, Prinz Ludwig von Hessen, Prinz Charles und dem britischen Generalkonsul MacFariane auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen.

* Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha mit dem Präsidenten des italienischen Kriegsopferverbandes Carlo Del Croix.

* Auf dem Obersalzberg.


DER SPIEGEL 21/1965
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 21/1965
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ENGLAND / ELIZABETH II.:
Besuch des Jahrhunderts