14.07.1965

PEYREFITTENamen und Nasen

Konrad Adenauer ist Jude. Charles
de Gaulle ist Jude. Königin Elizabeth ist Jüdin. Juden sind Präsident Johnson, Fidel Castro, Franco, Salazar und Baudouin, König der Belgier; Kennedy war Jude, Sankt Paulus war es und Ignatius von Loyola auch. Einer aber ist kein Jude: Roger Peyrefitte.
Dafür ist er der Autor des romanhaften Bildungsreißers "Les Juifs" (Die Juden), der jetzt in Paris erscheint und alle Welt als jüdisch entlarvt*.
Entlarvt hat Frankreichs bestbezahlter Volksbildner und Diplomat außer Dienst schon mehrfach - so 1951 unter anderem das intime Leben des Ministers Georges Bidault und dessen späterer Frau Suzanne ("Les Ambassades"), so 1955 und 1957 die Praktiken der katholischen Kirche ("Die Schlüssel von Sankt Peter", "Malteser-Ritter").
1961 zog er "Die Söhne des Lichts" aus ihren Freimaurer-Logen, 1964 schließlich exponierte er in einem offenen Brief an die Zeitschrift "Arts" den katholischen Literatur-Nobelpreisträger Francois Mauriac als Ex-Homo.
Diesmal jedoch war der Wahrheitsverkünder Peyrefitte, 57, in seiner volkstümlichen Aufklärungsarbeit nicht auf Enthüllung aus - diesmal hatte er Positives im Sinn "Wenn die Welt", so erwog er, "nur noch aus Juden besteht, ist der Antisemitismus tot."
Für sein philosemitisches Werk hat Peyrefitte jahrelang Nachforschungen getrieben, Zettelkästen angelegt und Notizbücher (insgesamt 73) gefüllt. Mit Geduld und Eifer studierte er Stammbäume und Namensregister, jüdische Beschneidungsriten, Tafelsitten und Orgien, die Beziehungen zwischen Juden- und Freimaurerturn sowie jüdische Hälse, Nasen und Ohren. Er entdeckte: Juden sind bessere Diplomaten, sie sind bessere Kunst-Kenner und -Förderer, dafür allerdings auch geldgierig und zur Spionage besonders geeignet.
Vor allem aber entdeckte er, daß die meisten Juden sich für Nicht-Juden halten und die meisten Nicht-Juden Juden sind. 'Natürlich gibt es praktizierende Juden, sie sind jedoch in der Minderheit", belehrt Peyrefittes Roman-Ich, ein bisexueller Schriftsteller namens
Georges Sarre. "Nicht alle Juden sind beschnitten, und mehr als einer hat sich während des Krieges dadurch gerettet, daß er seine Vorhaut vorzeigte."
Nicht-praktizierende, unwissende Söhne und Töchter Israels sind laut Peyrefitte beispielsweise Italiens Ex-König Umberto, die Habsburger, die königlich-schwedischen Bernadottes, ein halbes Dutzend Päpste, Prinz Bernhard der Niederlande, der Herzog von Edinburgh und Englands Nazi-Führer Colin Jordan.
Und überhaupt deuten, laut Peyrefitte, die meisten französischen, italienischen, englischen und deutschen Namen, ob Meier oder Meyerbeer, auf semitische Herkunft.
Er zitiert Frankreichs de Gaulle, der sich auf seiner großen Deutschland-Tournee deutscher Vorfahren namens Kolb gerühmt hatte. Kolb jedoch, so Sarre-Peyrefitte, "nimmt auf der jüdischen Namensliste Italiens einen guten Platz ein, ebenso wie die Übersetzung Colbi. Wir haben es also hier mit einem
jüdischen Namen zu tun... Drei Kolbs rangieren nach wie vor im ,Who 's Who des Weltjudentums'." Und: "Es ist merkwürdig, daß es in der Bretagne einen Herrn de Gaulle-Meyer und 1784 im Elsaß einen Juden Golle gegeben hat."
Damit wird - nach Peyrefitte - de Gaulles Sympathie für seinen deutschen Kollegen Adenauer vollends verständlich: Die beiden sind nicht nur Wahl-, sie sind zudem Blutsverwandte, denn in seinem Bilder-Buch "Juden sehen Dich an!" hatte schon 1933 der NS -Schriftsteller und ehemalige Reichsschulungsleiter des NS-Studentenbundes Johann von Leers, der nach dem Krieg als Omar Manin von Leers zum Islam übertrat, aus Adenauers Adern eine jüdische Blutprobe vorgewiesen.
Dagegen ist, so Peyrefitte, der Ministerpräsident Georges Pompidou, mag es auch nicht so scheinen, möglicherweise einer der raren Arier Frankreichs, zugleich allerdings ein Interessenvertreter der jüdischen Plutokratie, Peyrefitte: Sieh dir doch mal seine Nase an, ein Jude würde ihn darum beneiden. Er ist aber Auvergnate.
Aber wir haben doch im Schwimmbad seine Füße gesehen, sie sind krumm wie Adlerklauen. Das ist es vielleicht, was die Rothschilds für ihn eingenommen hat.
Über der Welt berühmteste Juden, die Rothschilds, glaubt Peyrefitte noch mehr zu wissen: Baron Edmond de Rothschild verdecke mit seinem Schnurrbart eine Hasenscharte, und Baronin Bethsabee de Rothschild sei einer Hindu-Tänzerin herzlich zugetan.
Bethsabee, Guy und Edmond de Rothschild haben inzwischen den "Juden" -Autor verklagt. Ebenfalls Klage führt der Schriftsteller Marcel Jouhandeau, Autor des Pamphlets "Die jüdische Gefahr" (1939): Er ist beleidigt, weil er unter dem Namen Marcel Jouvenceau als schlimmer Antisemit porträtiert wurde.
Und auch Frankreichs Zeitungen gehen mit dem gallischen Gegen-"Stürmer" und -Streicher ins Gericht. "L'Express" höhnte: "Die Langeweile, vor der 'Die Juden' triefen, würde allein schon genügen, ihre Leser zum Antisemitismus zu bekehren."
* Frankreichs Richter und Leser aber ließen sich nicht schrecken.
Die Richter wiesen Jouhandeaus Klage zurück und verfügten zugunsten der Rothschilds lediglich eine Streichung von vier Zeilen; die Leser hatten schon drei Werktage nach Auslieferung des Buches 60 000 "Juden" gekauft.
* Roger Peyrefitte: "Les Juifs". Verlag
Flammarion, Paris; 514 Seiten; 24 Franc.
Adenauer, Kennedy, Elizabeth II., Castro, de Gaulle: Alles Juden?
Juden-Forscher Peyrefitte
Von Rothschilds verklagt

DER SPIEGEL 29/1965
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