29.09.1965

INDONESIEN / SUKARNOGroßer, starker Mann

Film-Göttin Sophia Loren begehrt bei Petrus Einlaß in den Himmel. Sie muß eine Brücke passieren, von der jeder Kandidat, ist nur ein Hauch von Sünde in ihm, in den darunterliegenden See stürzt.
Sophia hüftschwingt, von Petrus dichtauf gefolgt, in einem hautengen Rock über die hohe Brücke. Plötzlich platscht es, und der heilige Tor-Mann schwimmt im See.
"Alas, ich würde wahrscheinlich gleich bis in die Hölle sausen", bemerkte zu diesem Witzehen ein Staatsmann, dessen
"Appetit auf Frauen Diplomaten-Gespräch in allen Ländern ist, die er besucht hat" ("Newsweek"): Achmed Sukarno, 64, Alleinherrscher über 104 Millionen Indonesier, hat seine Memoiren fertiggestellt.
Sukarnos Erzählungen, von der amerikanischen Journalistin Cindy Adams nach fünf Monate langen Gesprächen mit dem Potentaten aufgezeichnet, erscheinen in Kürze in New York.
Ein Leitmotiv zieht sich durch Sukarnos Bekenntnisse:
"Ja, ja, ja, ich liebe Frauen. Ja", gesteht der Staatschef, "das ist alles. Aber westliche Zeitungen spielen das so hoch, als ob ich der große Verführer wäre."
Allahs großherzigen Glauben übt Sukarno voll aus: Er hat die vom Koran erlaubten vier Ehefrauen. In seinem Büro arbeiten sechs persönliche Adjutantinnen. Unter den maßgeschneiderten Landestracht-Blusen tragen sie Spitzenmieder.
In Sukarnos Gemäldegalerie überwiegen weibliche Akte. Von Zeit zu Zeit greift der Staatschef selbst zum Pinsel und "verschönt die Gemälde" (Sukarno). Reist Sukarno zu Staatsbesuchen, stehen die Protokoll-Abteilungen der Gastländer immer wieder vor delikaten Situationen.
In Tokio mußte der japanische Außenminister Ohira seine Gespräche mit Sukarno in Anwesenheit von zwei Schönheiten führen, die der Staatsbesucher eben aufgepickt hatte.
Der frühere Polizeichef von Detroit Edward Piggins erinnert sich: Sukarno habe bei einem Besuch an die Polizei das Ansinnen gestellt, "mehrere Frauen verschiedenen Typs zu seinem Vergnügen" bereitzustellen.
An der Donau blieb zu Sukarnos Verärgerung der Wunsch des Staatsgastes unerfüllt, ihm für seinen Aufenthalt eine Wiener Society-Schönheit als Begleiterin zuzuteilen. Bonns Protokoll hatte ähnliche Probleme. In Rom lief alles solide. Filmstar Gina Lollobrigida lud Sukarno mit einer Gattin zu einem späten Souper.
In Kairo, so warf ihm die strenge Moslemische Bruderschaft öffentlich vor, "begleitete ihn die hübsche junge Amerikanerin Pat Price, die er in einem Kairoer Hotel kennengelernt hatte".
In einem kalifornischen Kaufhaus erstand Indonesiens Führer Büstenhalter aus schwarzem Satin für eine seiner Gattinnen. Da er die Größe des gewünschten Guts nicht kannte, ließ er so lange Verkäuferinnen vorbeidefilieren, bis er das Augenmaß aller Dinge gefunden hatte. Sukarno: "Es paßte meiner Frau genau."
In seinen Memoiren erinnert er sich an Hollywood und ein Treffen mit der vollmundigen Jayne Mansfield, die ein "enges Samtfutteral mit sehr, sehr offensichtlich nichts darunter trug. Später riß ihr der Träger. Aber wie ich höre, passiert ihr das öfters."
Sonst hat Sukarno für Amerikas Frauen wenig übrig. Sie sind ihm zu selbstbewußt und herrschsüchtig. "Das mag ja für Business gut sein, aber nicht fürs Schlafzimmer", befand der Staatschef.
Er bevorzugt Frauen, die ihn, wenn er vom Herrschen müde nach Hause kommt, "streicheln, umsorgen, trösten und die Beine massieren". Allerdings mit einer klaren Einschränkung: "Eine Frau ist wie ein Gummibaum. Ist sie älter als 30 Jahre, taugt sie nichts mehr."
Weil ihn nach einer Nieren-Operation in Wien eine alte, erfahrene Schwester pflegte, stöhnte der Patient: "Uggghhh! Ich war gleich kranker als vorher."
Und er verwahrt sich heftig gegen die Behauptung, "Sukarno schielt aus den Augenwinkeln nach jeder schönen Frau". Der Staatschef: "Das ist nicht wahr. Sukarno schaut mit beiden Augen voll nach jeder Schönheit."
Denn Frauen zu lieben, schadet Präsident Sukarno zumindest in seinem Land nicht. Im Gegenteil - es hebt das Prestige. Wer sich vier Frauen leisten kann, ist in den Augen der lebensfrohen Landeskinder ein reicher Mann und damit ein großer Mann. Und wenn man das mit 64 Jahren noch kann, wo doch die durchschnittliche Lebenserwartung des Indonesiers wesentlich niedriger liegt, ist man auch ein starker Mann.
Schwangere Frauen aus dem Volk, so erzählt der Präsident, wollen irgend etwas, das er, der "Bapak" (Vater), einmal berührt hat - damit ihre Söhne groß und stark wie Bapak werden.
Eines Tages berichtete ein Polizeibeamter dem Präsidenten, sein Bild hänge in allen Bordellzimmern der Hauptstadt Djakarta. "Sie schauen auf alles herab, Sir! Sollen wir die Bilder entfernen?" fragte der Mann.
"'Nein', entgegnete ich", erinnert sich Sukarno, "'laßt meine müden alten Augen nur alles sehen.'"
Gastgeberin Gina Lollobrigida (M.), Ehepaar Sukarno: "Laßt meine müden Augen ...
... nur alles sehen": Sukarno-Besucher Lübke, Gastgeber, Lübke-Geschenk

DER SPIEGEL 40/1965
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 40/1965
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

INDONESIEN / SUKARNO:
Großer, starker Mann

Video 00:50

Dashcam-Video Felsbrocken stürzt auf Bergstraße

  • Video "Amateurvideo: Warum Angeln in Florida ziemlich gefährlich sein kann" Video 00:34
    Amateurvideo: Warum Angeln in Florida ziemlich gefährlich sein kann
  • Video "Warm anziehen: Es wird kalt in Deutschland" Video 01:14
    Warm anziehen: Es wird kalt in Deutschland
  • Video "Sprecherin der US-Waffenlobby: Wer ist diese Frau?" Video 02:37
    Sprecherin der US-Waffenlobby: Wer ist diese Frau?
  • Video "Weihnachtsinseln: Massenwanderung der Babykrebse" Video 00:53
    Weihnachtsinseln: Massenwanderung der Babykrebse
  • Video "Bundestag: Cem Özdemir knöpft sich die AfD vor" Video 03:13
    Bundestag: Cem Özdemir knöpft sich die AfD vor
  • Video "Uno-Botschafterin plaudert aus: Die Geschichte hinter Trumps Rocket Man" Video 01:25
    Uno-Botschafterin plaudert aus: Die Geschichte hinter Trumps "Rocket Man"
  • Video "Kubicki weist die AfD zurecht: Intellektuell erbärmlich" Video 05:57
    Kubicki weist die AfD zurecht: "Intellektuell erbärmlich"
  • Video "Schlacht um Ost-Ghuta: Leben in der Bomben-Hölle" Video 02:07
    Schlacht um Ost-Ghuta: Leben in der Bomben-Hölle
  • Video "SPD-Mitgliedervotum: So sollte es nicht sein" Video 01:37
    SPD-Mitgliedervotum: "So sollte es nicht sein"
  • Video "Fußball-Krawalle in Bilbao: Polizist stirbt an Herzinfarkt" Video 00:59
    Fußball-Krawalle in Bilbao: Polizist stirbt an Herzinfarkt
  • Video "Marke Eigenbau: Oldtimer mit Flugzeugmotor" Video 00:52
    Marke Eigenbau: Oldtimer mit Flugzeugmotor
  • Video "Fahrverbote für Diesel: Die Belastung hier ist schon heftig" Video 01:38
    Fahrverbote für Diesel: "Die Belastung hier ist schon heftig"
  • Video "Zukunftsprojekt: Das Flug-Zug-Konzept" Video 01:12
    Zukunftsprojekt: Das Flug-Zug-Konzept
  • Video "Zyklon-Folgen in Neuseeland: Ein Fluss aus Geröll" Video 01:00
    Zyklon-Folgen in Neuseeland: Ein Fluss aus Geröll
  • Video "Dashcam-Video: Felsbrocken stürzt auf Bergstraße" Video 00:50
    Dashcam-Video: Felsbrocken stürzt auf Bergstraße