29.09.1965

CHAPLINVater und Sohn

Im Film "The Kid" (1921) hatte Charlie Chaplin an seinem Film-Sohn Freude. Jetzt machte ihm sein leiblicher Sohn Michael, 19, Kummer: Der Sohn wollte eine Autobiographie veröffentlichen.
Michael Chaplin hatte, in diesem Februar, gegen Vaters Willen, die ehemalige Schauspielerin Patricia Johns, 25, geheiratet. Die beiden zogen nach London und lebten von der Armen -Unterstützung.
Dem Armen öffneten sich die Arme zweier Londoner Journalisten: Tom Merrin und Charles Hamblett erboten sich, als Ghostwriter Leben und Ansichten des Michael Chaplin zu Buch zu bringen. Titel: "I Could'nt Smoke the Grass on My Father's Lawn" - zu deutsch: "Ich könnte nicht das Gras vom Rasen meines Vaters rauchen".
Nachdem das Autoren-Duo 60 000 Worte geschrieben hatte, die Druckfahnen vorlagen und der Verlag Frewin sich anschickte, Anfang Oktober sein "Gras"-Buch auf den Markt zu bringen, kamen dem Erzähler Bedenken.
Ende August ließ Chaplin jr. von seinem Rechtsanwalt den Verlags-Vertrag kündigen. Grund: seine Unmündigkeit. Vor Gericht in London sagte der Verteidiger nun, das Ghostwriter Buch sei "kalkulierter Rufmord an einem Minderjährigen".
Den Rufmord hatte indes vor allem der väterliche Rasenbesitzer: Charlie Chaplin zu fürchten. Denn das Buch enthielt - so die Verteidigung "verletzende, illoyale Bemerkungen über die Verwandten, unter Bruch des Vertrauens in der Familie".
Richter George Stanley Waller untersagte dem Verlag durch Einstweilige Verfügung, das Buch zu veröffentlichen. In der Begründung indes teilte Richter Waller Vater Chaplins Kummer.
Waller über Chaplins Sohn: "Niemand, der das Unglück gehabt hat, Teile dieses Buches zu lesen, kann irgendwelche Sympathien für den Kläger hegen."
Autobiograph Chaplin jr., Ehefrau
Gras von Charlies Rasen

DER SPIEGEL 40/1965
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