08.12.1965

TRANSPORTBETON

Neue Trommeln

INDUSTRIE

Dreihundert Straßenkolosse von fünf bis zwölf Tonnen Gewicht rollen für eine stille Revolution. Ihre rotierenden Stahltrommeln voll Beton verdrängen mehr und mehr die ratternden Mischanlagen von Westdeutschlands Baustellen.

Bereits 15 Millionen Kubikmeter Beton, fünfmal soviel wie 1960 und zwölf Prozent des gesamten Verbrauchs, werden in diesem Jahr von Mischwerken fern der Baustellen produziert und mit Trommelwagen ausgefahren. Die Zahl der Werke stieg in den letzten fünf Jahren von 150 auf über 550, der Umsatz von 150 auf 750 Millionen Mark.

Im elektronischen Kommandostand etwa der Mixbeton GmbH in Köln-Fühlingen vermag ein Techniker die Produktion von fast 1000 Tonnen Beton pro Tag zu überwachen. Er braucht nur der vollautomatischen Mischanlage jeweils eine der Lochkarten einzufüttern, in die 37 Normal- und 34 Sonderrezepte eingestanzt sind, und ein paar Knöpfe zu drücken.

Kies, Wasser und Zement werden dann genau nach den Anforderungen der Bauherren in stationären Großtrommeln gemischt und in die Transportbehälter gefüllt, deren Drehung das vorzeitige Erhärten des Betons auf dem Wege zur Baustelle verhindert. Bei größeren Entfernungen wird nur das Rohmaterial in die Lkw-Trommeln geschüttet; sie mischen es während der Fahrt.

Transportbeton ist nicht nur besser, sondern meist auch billiger als das Baustellenprodukt. Er erspart den Bauherren den Einsatz hochbezahlter Fachkräfte und teurer Maschinen, die während der Arbeiten oft nicht voll beansprucht werden. Zudem fehlt in Westdeutschlands Städten immer häufiger der Platz für große Kies- und Zementlager.

Im Winter kommt der Fertigbeton vorgewärmt an den Bau, so daß er noch bei Frost zwischen fünf und sieben Grad geschüttet werden kann.

Daß dennoch bislang amerikanische Größenordnungen (60 Prozent Marktanteil für Transportbeton) in Westdeutschland nicht erreicht wurden, liegt vor allem an dem beschränkten Aktionsradius der Mix-Werke.

Bei Entfernungen über 25 Kilometer wird der Transport zu teuer. Außerdem darf der Beton von den Werken, die meist neben Kiesgruben am Stadtrand errichtet werden, bis zum Einschütten an der Baustelle nicht länger als 90 Minuten unterwegs sein.

Zwar gibt es chemische Zusätze, die das Erhärten des Betons verzögern, aber sie sind zu teuer, als daß sie ständig benutzt werden könnten. Die Fahrer dürfen sie nur in Notfällen, etwa bei Pannen oder Verkehrsstauungen, anwenden.

So sind in ländlichen Gebieten die Mischwerke vorerst nur dünn gesät, während Großstädte wie Köln, Essen oder Hamburg schön bis zu 40 Prozent mit Transportbeton bauen. Die Investitionskosten, rund eine Million Mark für ein mittleres Werk und durchschnittlich 80 000 Mark für jeden Trommelwagen, lohnen sich nur, wenn die Produktion voll abgesetzt werden kann. Eigentümer sind meist deutsche Zementfirmen. Aber auch das englischkanadische Spezialunternehmen Ready Mixed Concrete Ltd. ist mit 20 Einheiten vertreten.

Transportbeton mischt, außer Seife und Margarine, in Westdeutschland auch der Unilever-Konzern.

Transportbeton-Werk in Hamburg: Mischung nach Lochkarte


DER SPIEGEL 50/1965
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 50/1965
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

TRANSPORTBETON:
Neue Trommeln