DER SPIEGEL



DAS TERRAIN AUSLEUCHTEN

Stimmen aus dem Springer-Haus zum SPIEGEL-Bericht "Aus dem süßen Leben"

Axel Springer in der "Zeit" vom 18. August 1967: Aber stellen wir endlich die harte Frage, was wirklich passiert ist. Zwei Journalisten und Mitglieder meiner Redaktion waren in den Besitz von Informationen gekommen, denen nachzugehen journalistische Pflicht war. Ich brauche hier den Herren Augstein und Müller-Marein nicht die Banalität zu verkaufen, daß die Recherche ein legitimes Mittel des Journalismus ist.

Besonders Herr Augstein hat seine Erfahrungen, daß Recherchen "justitiabel" sein müssen. Die Redakteure des SPIEGEL wenden sich im Zweifel etwa an den Augstein-Bruder Josef. Meine Redakteure gingen zu meinem Chefjustitiar.

Das Material war nicht beweiskräftig. Da auch die weiteren Recherchen zu keinem Ergebnis führten, wurde das Material verschlossen. Dem SPIEGEL blieb es vorbehalten, Monate später dieses Material zu veröffentlichen.

Aus einem Brief von Rechtsanwalt H. F. Arning. dem Chefjustitiar des Springer-Konzerns, an fernsehinteressierte Zeitungsverleger:

An dem im Oktober 1966 von zwei Journalisten über Korruptionsfälle im ZDF mündlich und schriftlich angebotenen Material durfte ich im Interesse der gemeinsamen Sache nicht vorübergehen. Mein Auftrag an die beiden Journalisten sollte juristisch unanfechtbare Tatsachen ergeben.

Martin Saller im "Hamburger Abendblatt" vom 26/27. August 1967:

Was ist geschehen?

Breite Verlegerkreise, keineswegs nur Axel Springer, wollen ein gemeinsam betriebenes privates Fernsehen, das ausschließlich von Werbeeinnahmen getragen wird. Man registriert den Trend zu immer breiterer Fernseh-Werbung, spürt in der Flaute schmerzlich die alarmierende eigene Abhängigkeit von Werbeeinnahmen, die heute 75 Prozent der Zeitungsetatmittel erbringen, und erstrebt also Zukunftssicherung der Zeitungen durch zweckgebundene Gewinnbeteiligung an dem neuen, expansiven Kommunikationsmittel. Dies um so mehr, als drucktechnische Revolutionen zu immer gewaltigeren, auch nur noch von großen Verlagseinheiten zu bewältigenden Investitionen zwingen. Ob richtig oder falsch kalkuliert: So ist es. Wer nun auf ein unbekanntes Feld vorstößt, pflegt in der Wirtschaft wie in der Politik die Lage zu erkunden: die Gegebenheiten, die Schwierigkeiten und Möglichkeiten, die Stärken und Schwächen der Gegenspieler. Oder geschieht das etwa nicht allenthalben? Zimmern nur reine Toren Industriekonzerne, Umsätze und Wettbewerbsfähigkeit?

So hat also die juristische, auch mit Fernsehbelangen befaßte Abteilung des Verlagshauses Springer versucht, das Terrain auszuleuchten. Aber die Dinge liefen schief. Ich meine, und sage es freiweg: Es wurden Fehler gemacht. Es war nicht gut, die beflissenen Dienste zweier Journalisten in Anspruch zu nehmen, die auf den Spuren wenig gehemmter früherer SPIEGEL-Enthüllungen über angeblich unstimmige Interna beim Mainzer Fernsehen ins Zwielicht tappten. Solcherlei Markterhebungen konnten weder nützen noch interessieren.

H. F. Arning vertritt den Springer-Konzern in diesen Funktionen: Aufsichtsratsmitglied der "Presse-Rundfunk-AG Saarbrücken", die eine Fernseh-Lizenz beantragt hat. Syndikus der "Fernsehgesellschaft der Bertiner Tageszeitungen" (FBT), von deren sechs Mitgliedsverlagen vier fristlos ausgetreten sind. Ständiger Vertreter des Verlegers Axel Springer in der von Innenminister Lücke berufenen "Kommission zur Untersuchung der Ursachen der Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz der deutschen Zeitungen und der Folgen von Vertagskonzentrationen".

Mitglied des Rechtsausschusses des "Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger" (BDZV).

Mitglied des "Ausschusses für Rundfunk und Fernsehen des BDZV. Vorstandsmitglied der "Pressevereinigung für neue Publikationsmittel e. V." (Bad Nauheim), die das Verleger-Fernsehen fördern soll. Mitglied des Rechtsausschusses des "Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger" (VDZ)

Justitiar des "Vereins der Zeitschriftenverleger in Hamburg und Schleswig-Holst ein".

Mitglied des "Studienkreises für Presserecht und Pressefreiheit" (Stuttgart).

Mitglied der Arbeitsgruppe der Ministerpräsidenten-Konferenz für Presse- und Rundfunkfragen.


DER SPIEGEL 37/1967
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