07.08.1967

GESTORBENPAUL LÖBE

PAUL LÖBE, 91. Wäre er Speaker des Unterhauses in London gewesen, tiefer Respekt wäre ihm gewiß. Paul Löbe aber war -- zwölf Jahre lang, fast ununterbrochen -- Präsident des Deutschen Reichstages. So begleiten ihn nur Wehmut und Trauer um einen gütigen Menschen in das Grab.
"Bitte, verletzen Sie doch nicht immer die Würde des Hauses", mahnte Löbe einmal einen Braunen. "Wieso, dazu bin ich doch hier", tönte es naßforsch und schamlos bewiehert zurück. Es war die Stimme der Deutschen, die jahrhundertealte. Daß Paul Löbe dem Chaos nicht wehren konnte, war nicht seine Schuld. Er war kein Täter und kein Mann tiefer Einsichten, aber er war guten Willens und tapfer.
Geboren als Sohn eines Tischlers am 14. Dezember 1875 in Liegnitz, durchlief er die klassische SPD-Karriere: Schriftsetzer, Redakteur, Häftling des Kaisers, Stadtverordneter, Deputierter der Weimarer Nationalversammlung, Abgeordneter des Reichstages und Reichstagspräsident. 1925 lehnte er eine Reichspräsidenten-Kandidatur ab. Daß ihn König Aman Ullah 1928 zum "Herzog von Afghanistan" machte, versetzte ihn in Verlegenheit. Im KZ begrüßte man ihn nach 1933 mit einem Strauß Brennnesseln. Er überstand die Schmach, ohne sich zu beugen.
Als Alterspräsident des ersten Bundestages betrat er noch einmal die parlamentarische Bühne. Er, der die Hemmungslosigkeit der Deutschen im Reichstag erlebt hatte, erschreckte nun zutiefst, als Konrad Adenauer 1953 bei einer Kabinettserklarung von Abgeordneten 150mal unterbrochen wurde. Auch in der Angst vor der eigenen nationalen Natur, vor dem ungeformten Wesen der Deutschen, war er ein echter Deutscher.
BENGT BERG, 82. Er erfand die Kamerajagd auf Tiere, und schon früh setzte sich der schwedische Lehrerssohn für die Einrichtung von Vogelschutzgebieten ein. Seine Bücher ("Mein Freund, der Regenpfeifer", "Die letzten Adler", "Die Liebesgeschichte einer Wildgans") erreichten Millionenauflagen. Mit ihrer neuartigen Mischung aus Photo-Dokumentation und Verhaltensbeschreibung vermittelten sie Generationen von Halbwüchsigen den Touch der freien Wildbahn, außerdem die genreübliche Verherrlichung des einfachen Tierlebens, was dem Zoologen das Wohlwollen Görings, 1935 einen Empfang bei Hitler und im gleichen Jahr den Ehrendoktor der Universität Bonn eintrug.

DER SPIEGEL 33/1967
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