26.06.1967

MIT DIESEN PAAR WORTEN ...

Aus der Rede Bundespräsident Lübkes bei seiner Rückkehr von Kanada

Ich war nicht nur wegen der Eröffnung des Deutschen Tages im Rahmen der Weltausstellung in Montreal drüben, sondern ich wurde auch von der kanadischen Regierung nach Ottawa eingeladen zur Hauptstadt, zu Besprechungen, und darüber hinaus sind wir im Westen gewesen -- im Westen Kanadas in der Provinz Alberta, die direkt an den Rocky Mountains liegt.

Ich habe -- gefragt wegen meines Interesses, habe ich gesagt, ich wäre dort in meiner Jugend schon längst mit meinem Freund Karl May -- spazierengegangen. Dafür hatten sie volles Verständnis.

In diesem Lande sich zu bewegen, ist etwas völlig Neues unserem Lande gegenüber. Während wir hier in Europa, wenn wir ein paar Stunden unterwegs sind im Flugzeug, über mehrere Grenzen kommen, ist da drüben dieses Land, das vierzigmal so groß ist wie Deutschland, aber nur 19 Millionen Einwohner hat, also ein Drittel der Einwohner, die Deutschland hat, auf diesem kleinen Fleck. Das ist so zukunftsträchtig, das ist so reich an Bodenschätzen, das ist so reich an bereitwilligen Arbeitskräften, aber es fehlt ihnen eben an Menschen.

Die Fehler in dieser Bevölkerungspolitik haben die Vorfahren der Kanadier wohl zu vertreten, die hätten ja schon längst für größere Einwanderungen in anderen Jahren sorgen können.

Ich habe dann im Westen vor allen Dingen die Betriebe gesehen, die landwirtschaftlichen Betriebe, aber auch gleichzeitig die industriellen Betriebe. Der beste Betrieb, den wir gesehen haben, war ein deutsch-kanadischer. Die schufen -- geschweißte Röhren. Röhren, mit einem Durchmesser von über 50 Zentimetern. Es war eine großartige Arbeit, die sie leisteten. Ich habe die alten und neuen gesehen, aber viel alte waren nicht da, denn das geht heute ohne weiteres weg, weil die Röhren -- in dieser Beziehung sehr gebraucht werden.

Als wir dann nach Ottawa kamen, zur Hauptstadt -- war da eine große Veranstaltung und auch eine Aussprache in Reden. Und dann sind wir zurück nach Montreal gekommen.

Die Eröffnung des Deutschen Tages war am Mittwochnachmittag. Ich darf sagen, daß das, was so gemunkelt wird über die mangelhafte deutsche Ausstellung im Deutschen Tag, das habe ich nicht feststellen können.

Was der Architekt dort geschaffen hat, durch dieses große Riesenzelt, das hat den kolossalen Vorteil, daß an soundsoviel Eingängen die Leute hineinkönnen. Dort war gar keine Drängerei, weil das alles rund lief. Und bei manchen, zum Beispiel bei der russischen Ausstellung, war praktisch nur ein Eingang, und da ging noch eine Treppe da hinterher, wo man also genau beobachtet werden konnte. Das ist so gewesen, daß die Schlangen standen -- Hunderte von Metern, aber vor der deutschen nicht. Und das wurde dann so ausgelegt, als ob die deutsche nicht weiter interessant wäre.

Wir brauchen uns gegenüber den anderen nicht zu schämen. Es war nicht alles so, wie man sich vielleicht hätte vorstellen können. Aber das sind Geschmackssachen, das sind also auch Meinungen, die durchaus persönlicher Art sind. Wir können also unseren -- führenden Leuten, die da drüben die Verantwortung dafür tragen, die können wir mit Achtung empfangen und ihnen danken.

Die Rückreise war, kurz und bündig gesagt, sehr anstrengend. Wir flogen neunzehn Uhr dreißig gestern abend ab und waren neun Uhr dreißig hier, das wird -- das würde bedeuten, daß wir also fünf Stunden länger unterwegs waren, als notwendig war. Denn das, diese fünf Stunden ist eben die Umdrehung der Erde schuldig oder verantwortlich dafür.

Meine Damen und Herren, die Mitteilungen, die ich Ihnen mache, sind verhältnismäßig kurz, aber -- ich rate jedem, wenn er die Möglichkeit hat, nach Kanada zu gehen, dann wird er ein Wunderland sehen. Diese -- man muß natürlich diese Weiten auch überflogen haben. Wenn wir von Montreal nach -- Calgary wollten, das ist die Hauptstadt von der Provinz Alberta, das dauerte schon sechs Stunden mit großen Flugzeugen.

So ist das also in Kanada nicht sehr leicht, sich zu bewegen und überall alles zu sehen. Aber wer diese Möglichkeiten hat, wie wir sie von der kanadischen Regierung gestellt bekamen, hat es eben. Wir können ihnen dafür sehr dankbar sein, wir sind mit allen in guter Einigkeit -- abgekommen, und ich glaube, daß die Auffassung der deutschen Regierung in der kanadischen Regierung durchaus volle Übereinstimmung aufweisen.

Mit diesen paar Worten möchte ich aufhören, meinen Schluß machen. Es wird, glaube ich, ganz gut -- es würde für mich ganz gut sein, wenn ich einige Stunden ins Bett gehe. Guten Morgen, meine Damen und Herren.


DER SPIEGEL 27/1967
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